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Burgund, bezahlbar und charaktervoll: Les Saulniers 2011, Domaine de la Cadette, Vezelay

09/Jan/14 12:30 kategorisiert in: Alles Bio, Chardonnay, Weingüter

Eine Frage die sich immer wieder stellt und die auch mehrere  Leser bei meiner Umfrage im Dezember aufgeworfen haben ist die: Wo bekommt man eigentlich bezahlbaren guten Burgunder her? Ich mache mich dieses Jahr mal auf die Suche. Mindestens einen Winzer allerdings habe ich schon jetzt im Petto und wer damals meinen Artikel im Blog der FAZ übersehen hat (in dem mittlerweile seltsamerweise Fotos aus einem ganz anderen Artikel auftauchen), bekommt hier noch einmal eine klare Empfehlung.

cadette_les_saulniers_2011

Die Domaine de la Cadette liegt in Vézelay. Wer diesen Ort, der auf dem Weg vom Chablis an die Côte d’Or liegt noch nie im Zusammenhang mit Wein kenngelernt hat, muss sich nicht wundern, viel Wein gibt es hier nicht. Mehr Wallfahrt, denn Vézelay ist eines der berühmtesten Wallfahrtszentren Frankreichs und Weltkulturerbe. Bis vor wenigen Jahren wurde hier auch nur Fassware produziert, doch mittlerweile hat der Ort eine eigene AOC und die Familie Montanet hat sich dazu entschlossen, ihre Weine selber zu vermarkten. Seit 1986 bauen sie sowohl weiße als auch rote Sorten an, wobei hier vor allem der César hervorzuheben ist. Diese rote Sorte, die wohl mit den Römern aus dem Piemont ins Burgund gelangt ist, hat hier so etwas, wie eine Ausnahmeanbaugenehmigung erhalten. Dass die Montanets überhaupt Wein anbauen, ist schon gewagt, denn Montanet selbst stammt aus der Normandie, die nicht gerade für Rebsaft bekannt ist, und, wie schon gesagt, der Ort, der vor der Reblauskatastrophe ein bekannter Weinort war, dümpelte qualitativ Jahrzehnte lang vor sich hin. Die Montanets waren Teil der 1989 gegründeten Kooperative von  einigen wenigen Weinbauern und man wählte Jeannot Montanet zum Präsidenten. Der erste Erfolg, den die Kooperative hatte war denn auch die Verleihung des AOC-Status, der zweite Erfolg bestand darin, dass Jeannot den Chablis-Winzer Bernard Ravenau als Berater gewinnen konnten. Dies führte zu einer Umwälzung, wie sie in den Neunzigern in vielen Teilen des französischen (und auch deutschen) Weinbaus stattgefunden hat. Back to the roots war das Stichwort – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Raveneau hat man die rigide Weinbergsarbeit wiederentdeckt und Jeannot Montanet hat sich zunehmend dem natürlichen und biologischen Anbau zugewandt. Nach 15 Jahren hieß es für ihn dann 2004, mit der Gründung der Domaine de la Cadette eigene Wege zu gehen.

Copyright: Burgundy Wine Board, www.vins-bourgogne.fr

Copyright: Burgundy Wine Board, www.vins-bourgogne.fr

Die Rebstöcke der Montanets stehen in den Hügeln des Morvan, der einzigen größeren Erhebung, die zwischen dem Chablis und der Côte d‘Or zu finden ist. Die Bodenbeschaffenheit ist besonders, die Erhebung besteht in Teilen aus Granit, hinzu kommt noch etwas Kalkstein mit einer Menge fossiler Einschlüsse, sowie verschiedene Lagen Lehm. Solche Weine in der burgundischen Einheitsmelange zu finden, ist immer eine besondere Freude. Es sind nicht die feinen Weine, die man im besten Fall, und auch nur dann, an der Côte de Beaune bekommt, es sind tendenziell eher würzigere Weine, Weine mit einem sehr eigenen Charakter, der sich im Laufe eines Abends stark entwickelt.

Ein exzellentes Beispiel dafür ist der weiße Les Saulniers 2011. Er stammt von einer Hanglange hinter dem Dorf, die an einem ehemaligen Salzschmugglerpfad (faux Saulniers) liegt. Dazu ist zusagen, dass es früher eine Salzsteuer gab und man entsprechend Wege gefunden hat, an dieser Salzsteuer vorbei zu kommen. Eine Möglichkeit war die Nutzung von Salzbrunnen, denn es gibt bei Vezelay Salzwasserquellen, die seit 4.000 Jahren genutzt werden und einen ungewöhnlich hohen Salzgehalt haben.

Die Chardonnayreben sind alt und der Boden, in dem sich eine Eisenoxidschicht und viele Mineralsalze befinden, liefert einen markanten, tatsächlich salzig-mineralischen Wein. In der Farbe ähnelt er mit seinen leicht grünlichen Reflexen eher einem Chablis. Im Duft findet sich schon das Salzige, dazu kommen Melone und Birne und etwas Pfirsich. Am Gaumen ist der Wein üppig und doch klar und präzise mit schönem Tiefgang, Druck am Gaumen und einer hervorragenden Länge. Wie man es von einem guten Wein erwartet, entwickelt er sich im Laufe des Abends immer weiter und wird zunehmend komplexer. Das ist exzellenter, charaktervoller Stoff für einen bemerkenswert günstigen Preis. Wo bekommt man sonst charaktervollen Burgunder für unter € 15,-? Jedem Interessenten dieses Weins sei dabei geraten, auch die anderen Weine des Gutes auszuprobieren, die es noch in kleinen Mengen bei Vins Vivants zu kaufen gibt.

Trinkt mehr Sherry! Teil 1 – Manzanilla und die Equipo Navazos

28/Nov/13 13:00 kategorisiert in: Palomino, Weingüter, Weiß, Spanien

Hand auf’s Herz. Wann habt Ihr das letzte Mal Sherry getrunken? Sherry gehört zu den Weinthemen, die in Deutschland nie populär waren. Zwar findet man die üblichen Verdächtigen wie Sandemann & Co. in jedem Supermarkt-Regal und auch im Weinladen gibt es die eine oder andere Flasche, doch das ist normalerweise Alibi. Muss man halt haben. Und warum sollte man auch mehr dort hinstellen, wenn es eh keiner kauft? In vielen anderen Ländern ist das anders. England hat eh eine lange Tradition bei Sherry (und Portwein), doch auch in Belgien oder Holland, ja selbst in Frankreich ist Sherry populärer als hierzulande. Ganz groß im Kommen ist Sherry in den US-Metropolen. In New York fand in diesem Jahr die zweite Sherry-Woche statt und einer ihrer Protagonisten, Peter Liem, eigentlich Champagne-Spezialist, hat mittlerweile ein Sherry-Buch geschrieben.Wer sich ein bisschen mit dem Thema befasst, merkt schnell, dass das eine quirrlige Szene ist. Diese wurde zwar traditionell von großen Häusern bestimmt, es hat sich jedoch längst eine alternative Szene dazu etabliert. Einer, wenn nicht der wichtigste Vertreter ist die Equipo Navazos, die ich hier mit ihrem Manzanilla 32 vorstellen möchte.

Ernte der Palomino-Trauben auf typischen Albariza-Kreideböden. © sherry.org

Ernte der Palomino-Trauben auf typischen Albariza-Kreideböden. © sherry.org

Die Equipo Navazos sind keine Weinmacher im eigentlichen Sinne sondern eher Jäger des verlorenen Schatzes. Sie haben sich 2005 gegründet, als sie in einer alten Bodega mehr oder weniger zufällig über einige alte Fässer Amontillado stolperten, die dort über zwei Jahrzehnte gereift waren. Man kaufte einen Teil und vertrieb ihn privat an Sherry-Liebhaber.  Bei dieser ersten 600 Flaschen-Abfüllung jedoch sollte es nicht bleiben. Die Equipo hatte Blut geleckt und machte sich auf die Suche nach weiteren, raren Abfüllungen. die nächsten beiden wurden immer noch privat verkauft, doch dann hat man sich entschlossen, das internationale Netzwerk von Freunden, die eh schon als Weinimporteure und Distributeure arbeiten zu nutzen, um diese teils stark, teils weniger stark limitierten Abfüllungen zu vertreiben. Mittlerweile ist man bei der 47. Abfüllung angelangt und manche Bota ist bereits Legende – zumindest unter den Sherry-Liebhabern. Die gesamte bisherige Serie findet man übrigens hier.

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Equipo Navazos No. 32 La Bota de Manzanilla
Es ist die fünfte Abfüllung aus der gleichen Solera (diesen Begriff erkläre ich im zweiten Teil). Insofern ist La Bota de Manzanilla 32  der direkte Nachfolger der Nummern 4, 8, 16 und 22. Der Manzanilla stammt aus den Bodegas M. Sánchez Ayala. Dies ist die Bodega, in der die Equipo damals die ersten Fässer Amontillado gefunden und La Bota de Amontillado No. 1 abgefüllt hat. Die Bodegas liegen in Sanlucar de Barrameda und somit im Herzen der D.O. Jerez-Xérès-Sherry. Die Küstenstadt liegt direkt an der Mündung des Guadalquivir, der Lebensader des Weingebietes. Manzanilla ist eine Spezialität der Stadt und nur ein hier entstandener Sherry besonderer Machart darf sich Manzanilla – Sanlúcar de Barrameda DO nennen. Obwohl die Produktionsmethoden und die verwendete Rebsorte die gleiche wie die für den Fino sind, der beispielsweise in Jerez entsteht, schreibt man dem Manzanilla doch einen anderen Duft und Geschmack zu. Und diese Besonderheit dürfte tatsächlich daher stammen, dass das Mikroklima von Sanlúcar Besonderheiten aufweist. Es ist die Feuchtigkeit der Luft, die diese Stadt prägt. Sanlúcar wird im Norden durch den Guadalquivir begrenzt, im Westen durch das Meer und des weiteren durch ein Feuchtgebiet namens Marsima. Das Klima innerhalb dieser Zone ist mild und, wie gesagt, leicht feucht, mit einer salzigen Note in der Luft. Dieses gleichmäßige Klima fördert das Wachstum der Flor-Schicht, die auf dem Sherry liegt, jene Hefe-Schicht, unter der Fino und Manzanilla traditionell reift.

Manzanilla reift auf Grund des Klimas unter der dichtesten Flor-Schicht. © sherry.org

Manzanilla reift auf Grund des Klimas unter der dichtesten Flor-Schicht. © sherry.org

Was man Manzanilla im Allgemeinen zuschreibt ist eine intensive Salzigkeit, und genau die findet man in diesem Wein. Salz, Walnuss, Brot und Blüten, etwas mürber Apfel, Aubergine und geröstete Haselnüsse. Das ist komplex, gereift und frisch zugleich. Der Wein hat Tiefe und Länge und einfach immens viel eigenen Charakter und Klasse. Er verändert sich über Stunden hinweg kontinuierlich an der Luft, das Salzige duftet immer wieder unterschiedlich, genauso die Nussaromen, die mal mehr Walnuss, mal mehr Haselstrauch oder Pekannüsse sind. Ich bin froh, dass man zumindest an einer Stelle eine Auswahl von Botas der Equipo Navazos bekommt, die momentan, das ist zumindest die Meinung so einiger aus dem englischsprachigen Raum, die Referenz an Sherrys auf den Markt bringen. Ihr findet den Wein hier bei Weine & Feinkost in Wuppertal und er wird dort auch treffend beschrieben. 29,90 Euro die Flasche sind jetzt nicht Portkasse aber für ein solches Prachtstück absolut angemessen, finde ich.

Während es hier allgemein üblich ist, Sherry solo zu trinken, wird er vor Ort praktisch immer mit Speisen kombiniert. Vor allem Tapas mit Fisch und anderem Seegetier bieten sich an und es darf natürlich salzig und kräftig sein, wie zum Beispiel ein salziger Hering. Ich selber habe den Manzanilla mit Artischocken-Pesto kombiniert. Bisher dachte ich immer, die Bitterstoffe der Artischocke würden jeden Wein platt machen, aber der Manzanilla schafft sie spielend, vor allem wenn das Gemüse mit etwas Zitrone gekocht wurde.

Im zweiten Teil der kleinen Sherry-Serie wird es um die verschiedenen Ausbauarten ghen, Soleo und Solera werden angesprochen, Fino, Amontillado und die anderen Stile.

Hier geht es weiter zu Teil 2 der kleinen Sherry-Serie

Domaine Richeaume, Cuvée Tradition – eine Herzensangelegenheit

Es ist mal wieder Zeit für Herzensangelegenheiten. Für Weine, die ich schätze. Nein mehr als das. Sie begleiten meine Weinleidenschaft seit vielen Jahren. So komme ich mal wieder auf die Weine der Domaine Richeaume zurück, die ich natürlich nicht das erste mal hier erwähne. Doch habe ich vor wenigen Tagen dankenswerter Weise mehr als ein Paket von vinaturel ins Haus bekommen, in dem sich eine Reihe von Richeaume-Weinen befand. Sogleich mischte sich die Vorfreude auf die Weine mit einer gewissen Wehmut. Denn als ich meinen kleinen Originalverkorkt-Bauchladen noch hatte, war ich mit Henning Hoesch, dem Gründer der Domaine gerade übereingekommen, dass ich seine Weine in mein Programm aufgenommen hätte. Inklusive einiger gereifter und seltener Jahrgänge. Es ist anders gekommen, so laufen die Dinge, und letztlich überwiegt natürlich die Vorfreude auf die Weine.

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In einer kleinen sporadischen Serie über die Weine des provenzialischen Weinguts beginne ich mit der Basisqualität der Weine. Es sei gleich dazu gesagt, dass diese bei ca. € 15,- beginnt, also nicht ganz günstig zu haben ist. Dafür allerdings bietet sie jede Menge Wein. die Tradition-Serie besteht aus Weißwein, Rotwein und Rosé. Natürlich Rosé, schließlich sind wir in der Provence. Genauer gesagt unterhalb der Montagne Saint Victoire, nicht allzu weit von Aix-en-Provence entfernt. Hoesch, der aus einer rheinischen Unternehmerfamilie stammt, hat hier zu Beginn der siebziger einige Hektar Land gepachtet und später gekauft. Er hat das Anwesen und vor allem die Weinberge immer weiter, aber behutsam vergrößert. Henning und später auch sein Sohn Sylvain haben dabei von Anfang an auf biologische Weinbergsarbeit gesetzt – was in den Siebzigern nicht unbedingt üblich war. Es ist jedoch mehr, was die Hoeschs auf Richeaume verwirklichen. Es ist vielmehr eine Kreislaufwirtschaft, die die Domaine quasi autark macht. Sie wird durch den Kreis symbolisiert, der mittlerweile jedes Etikett prägt und den Wein durchschimmern lässt. Dieser Kreis, man schaue sich die Impressionen auf der Website an, wird auch architektonisch und in den Rebanlagen immer wieder aufgegriffen.

 

Foto links: © Richeaume

Foto links: © Richeaume

Überhaupt die Landschaft und die Architektur. Die Domaine Richeaume war eines der ersten Weingüter in Frankreich, bei dem ich mich getraut habe, meinen Fuß über die Türschwelle zu setzen. Vielleicht, weil die Sprachbarriere nicht vorhanden war, möglicherweise aber auch, weil ich einfach so angetan war von diesem Ort. Wer runter fährt in die Provence, sollte einen Besuch vor Ort nicht verpassen und neben Wein auch Olivenöl einpacken.

 

© Richeaume

© Richeaume

Die Hoeschs verbinden in ihren Cuvées im Wesentlichen typische südfranzösische Rebsorten. So nutzen sie für den Rosé Grenache, Syrah und Cinsault, für die weiße Cuvée Rolle (Vermentino) und Clairette.  Was man zunächst in der Provence weniger erwartet sind Cabernet und Merlot. Diese finden sowohl ihren Platz in der Cuvée Tradition, als auch in der teureren Cuvée Columelle (hier schon mal beschrieben). Wer jetzt meint, er hätte hier so einen typischen nach seelenlosem Cabernet und Merlot schmeckenden Allgemeinplatz vor sich, dem darf ich Entwarnung geben. Schon bei der erwähnten Cuvée Columelle habe ich mich damals gefragt,  weshalb man im Süden nicht häufiger Syrah und Cabernet zusammen bringt.

Bei der Cuvée Tradition Rouge 2010 ist es nicht Syrah, sondern Grenache, die den Löwenanteil ausmacht. Grenache und Cabernet (und ein wenig Merlot) passt allerdings auch. Und die Hoeschs schaffen es, einen Wein zu kreieren, der zunächst nach Grenache schmeckt, so fruchtbetont und saftig, bei dem allerdings dann der Cabernet immer prägnanter wird. So als würde man in einen Dekanter, halbvoll mit Grenache, langsam den Cabernet einfließen lassen. Das ist großartig, vor allem, wenn sich der Wein öffnet. Schon die Einstiegscuvée – ok, sie kostet hier so viel wie bei anderen das Spitzenprodukt – zeigt Dichte und Komplexität und eine ungemein samtige Textur. Es dürfte das Prinzip des Weinguts sein, Weine mit Charakter zu produzieren, die trotzdem nicht zu kantig sind sondern Schmelz und Feinheit besitzen. Hier kommen also Gewürze, Pfeffer mit jeder Menge Frucht von Kirschen und Cassis zusammen und oben drauf noch Schokolade, Mokka und ein Hauch von Süßholz. In der Provence sind Weine von solche Klasse vergleichsweise selten.

Sylvain und Henning Hoesch, © Weingut

Sylvain und Henning Hoesch, © Richeaume

Typischer als der Tradition rouge ist der Tradition Blanc. In der Tradition Blanc 2011 wird Rolle, wie der Vermentino hier auch heißt, mit Clairette zu einer Cuvée geformt, die zunächst zart nach Mandelblüten und leichten Birnen und Quittennoten duftet, wo dann mit zunehmender Luft jedoch deutlich der Kalkstein Einzug hält. Je offener der Weiße wird, desto vielschichtiger wird er und desto schöner ergänzen sich Frucht, Kräuter und Gestein. Diesem Wein kommt zugute, dass ich Weißweine aus dieser Gegend, also von der Rhône runter bis an die spanische Grenze und darüber hinaus immer lieber trinken mag. Hier ist die Frucht nicht zu üppig, die Weine tragen oft eine herbe, sehr kräutrige Note und of steinige Note mit sich, die mir ausgesprochen gut gefällt. auch hier ist es so, dass der Wein, wie schon der Rote, viel Harmonie ausstrahlt. Das ist kein Freakwein, keiner mit zu vielen Ecken und Kanten – wie ich es auch durchaus mag, aber auch nicht immer, aber das ist Stoff, der sich die nächsten Jahre noch deutlich weiter entwickeln dürfte.

© Richeaume

Zum Schluss schließlich der Rosé, der mittlerweile auch Tradition heißt. Wahrscheinlich habe ich Anfang der Neunziger zum ersten Mal einen Rosé von Richeaume probiert und er ist mir immer in Erinnerung geblieben. Der Tradition Rosé 2012 ist ein lachsfarbener Provence-Rosé, wie er hier farblich üblich ist, vielleicht etwas kräftiger als die meisten anderen, die ich aus der Gegend so kenne, doch immer noch typisch. Auch in der Nase ist es Provence. Etwas Himbeer, aber auch Kirsche, Apfel, aber auch Holunderblüte, Kräuter und Mandelblüte und dann wieder der Kalkstein. Der kommt auch hier wieder, nachdem der Wein Sauerstoff bekommen hat. Dann wird die Note markant und kräftig. Sie bestimmt den Geschmack am Gaumen, wird begleitet von Kräutern und saftiger Frucht, vor allem aber auch von Zitronennoten und besagter Kräutermischung. Diese Flasche Wein hat keine Stunde überdauert. So saftig und lecker war dieser Rosé aus Grenache und Cinsault. Ein gutes Zeichen, oder?

Die Weine gibt es bei vinaturel, die mir die Flaschen freundlicherweise auch zur Verfügung gestellt haben. Der Tradition Rosé kostet € 15,-, Tradition Rouge und Tradition Blanc je € 17.50

Querciabella – eine Klasse für sich

08/Mai/13 11:14 kategorisiert in: Alles Bio, Rot, Italien, Weingüter, Weiß, Italien

Wenn ich momentan ein Weingut des Toskana favorisiere, dann ist es Querciabella. Nicht nur die Art, wie man sich gibt, das professionelle Auftreten, die klare, feine Gestaltung, das ausgezeichnete Marketing, die konsequent biodynamische Anbauweise, die nachhaltige Wirtschaftsweise sind eine Klasse für sich, es sind vor allem die Weine.

querciabella

Wenn ich Toskana trinke, dann will ich Eleganz, Finesse und das wenn möglich mit dieser so einzigartigen Form einer deutlichen, doch perfekt eingebundenen Säure. Bei Querciabella bekomme ich das. Schon der Chianti Classico bietet mir viel Genuss. Mehr noch bekomme ich beim diesjährig vorgestellten Turpino, einer modernen Cuvée aus doppelt Cabernet Franc, Syrah und Merlot. Es ist ein moderner Wein, den man hier lanciert hat, keine Frage. alle Weine von Querciabella sind modern. Für Toskana-Puristen ist es vielleicht nicht das Richtige aber was ist heute schon noch Toskana-Purismus?

turpino_2010

Hier wird Wein erzeugt, der mit guten Bordeaux oder Burgundern auf einer Augenhöhe liegen will. Das finde auch ich manchmal etwas irritierend denn eigentlich möchte ich gerne die Herkunft eines Weines erahnen können. Hier kann ich das nicht zwingend. Hier kann ich allerdings etwas anderes erahnen, die Herkunft in Bezug auf das Weingut. Das ist auch schon was und, zugegeben, dieser prägnante Stil des Hauses fasziniert mich. Da trifft es sich gut, dass ich auf der Vinitaly das Glück hatte, gleich eine ganze Reihe der beiden Premium-Weine probieren zu dürfen – den vom Cabernet dominierten Camartina und die weiße, Batàr genannte Cuvée aus Chardonnay und Pinot Bianco. Beim Camartina bin ich sehr glücklich, dass ich eine einzelne Flasche 2006er mein Eigen nenne und diesen irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist, als Pirat in eine Bordeaux-Probe schleusen werde.

batar_1998

Vom Batàr hätte ich gerne ein paar Flaschen. Diese Cuvée, die jung an so ausgezeichneten Burgunder erinnert wie Batàr an Batard-Montrachet, entwickelt im Laufe der Jahre jedoch einen individuellen Charakter, der nicht zuletzt vom Weißburgunder mitbestimmt wird. Er gehört für mich zu den großen Weißweinen Italiens. Viele gibt es ja eh nicht und mir ist gar nicht so ganz klar, wer diesem Wein in Italien überhaupt das Wasser reichen kann, Angelo Gajas Rossj-Bass, ja, Vie di Romans? Der ein oder andere gereifte Wein der Tenuta Terlan vielleicht? Wer kann, sollte sich mal mit Batàr beschäftigen, 1998 und 2004 machen großen Spaß und haben noch diverse Jahre vor sich, 2007 und 2011 sind natürlich noch viel zu jung.

 


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