originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Anschlag auf Château Pech-Redon

02/Mrz/10 21:08 kategorisiert in: Abschweifungen, Im Netz, Weingüter

Pech-Redon gehört neben Pech-Celeyran und Pech-Latt mit zu den Weingütern, die ich als erste besucht habe bei meiner beginnenden Weinliebe. Eine längerer Aufenthalt in Sète hat es damals möglich gemacht.

Auf das Weingut ist, so habe ich es bei bacchantus gelesen, am vergangenen Wochenende ein Anschlag verübt worden. Dabei sind über Nacht 500-600 Hektoliter abgelassen worden.

Mutwillig zerstört wurden Les Cades Jahrgang 2009, l’épervier rouge 2006, 2007, 2008 und 2009 sowie l’épervier Rosé und Blanc und auch die neuen Jahrgänge der Cuvées La Centaurée, Lithos und Cuvée Marie. Übrig sind ein paar Fässer La Centaurée sowie die abgefüllten Jahrgänge 2005 und 2006 La Centaurée,

so Gernot Freund von der Weinagentur Les Individuels. Ich hoffe für Christophe Bousquet und seine Familie, dass er von den Banken Kredite bekommt um weitermachen zu können denn es wäre sehr sehr Schade um dieses ausgezeichnete Bioweingut. Ein großer Verlust ist es schon jetzt. Von hier aus alles Gute!

Zwei Tage Rheinhessen, Zweiter Tag: Koehler und Riffel

15/Jan/10 18:51 kategorisiert in: Weingüter

Axel Koehler, bisher kannten wir uns nur vom Telefon, gehört für mich zu den Winzern, denen ich in den nächsten Jahren Großes zutraue. Er ist noch dabei, zu experimentieren mit seinem kompromisslosen, wilden Stil. Er wird noch ein bisschen was davon abschleifen im Laufe der nächsten Jahre, aber die Richtung steht fest. Auch hier gilt die Reduzierung auf das Wesentliche – noch deutlich weitreichender als bei Stefan Winter. Die Weine sind sämtlich spontan vergoren und durchgegoren, wo es irgendwie geht. Dabei verzichtet er auf das Nachimpfen mit Reinzuchthefen, wenn es mal nicht weitergehen sollte. Wie bei dem wundervollen Silvaner vom Krähberg, dessen Restzucker wunderbar changiert mit Säure und Mineralik, hier beschrieben. Kompromisslos heißt, dass auch die Gutsweine knalltrocken und durchgegoren daherkommen, Zeit und Luft brauchen wie die großen Brüder und Schwestern.

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Durch die Gegend getingelt ist er, der Axel Koehler, nachdem er sich mit seinem Vater nicht darauf einigen konnte, wie es weitergeht mit dem Weingut, mit dem Stil und den Anbaumethoden. Anderswo umgeschaut hat er sich dann – bei Wittmann, bei Louis Latour, bei Marc Kreydenweiss, um nur ein paar zu nennen. Dann hat er irgendwas ganz anderes gemacht, insgesamt 15 Jahre, um wieder zurückzukehren, nachdem klar war, dass er das Weinmachen im traditionsreichen elterlichen Hof verantworten wird. Tradition ist so ein Stichwort. Einer seiner Vorfahren hat eine halbe Millionen Liter Fasswein verkauft und fünf Höfe besessen, auch eine eigene Küferei in Rheinhessen. Tradition gibt es hier überall auf den Höfen. Aber mit Tradition hat er nicht viel am Hut, der Axel, Winzer in der achten Generation, der gerade noch die Krähe aus dem Familienwappen – fein stilisiert – auf die Flaschenetiketten druckt.

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Wenn man mit ihm redet, merkt man, wie viel Herz daran hängt, an der Art, diesen Wein zu machen, und wie gut es ist, dass er die Chance hat, das zu tun. Die Weine jedenfalls, die nicht für jeden etwas sein werden, nicht sein sollen, die finde ich ganz großartig. Das sind Terroirweine besten Stils. Und das ist das, was sie hier erzeugen wollen. Wagner, Winter oder Koehler. Hier spiegelt sich Melaphyr und Magnetit und Rotliegendes, Scheurebe vom Buntsandstein, Weißburgunder vom Tonmergel, der 2007er Grauburgunder von der Balzhecke in der alten Korbpresse schonend gepresst, im Steingutfass ausgebaut mit herrlich tiefen Aromen von der Quitte und reifen Williams-Birnen mit sehr viel Kraft. Der 2008er Grauburgunder dagegen stammt vom Rotenfels, vom Kalkstein. Hier ist die Birne in der Nase deutlich knackiger, grün, versetzt mit deutlicher Apfelsäure und Aromen von vergorenem Apfel. Der Wein erinnert in mancher Hinsicht an reifen Cidre. Dabei hat er eine deutliche Länge und Tiefe. Beide Weine waren an diesem Morgen zu kalt, wir hatten zu wenig Zeit, um sie warm werden zu lassen, leider, das müssen wir zu Hause noch mal nachholen; denn Zeit brauchen sie alle, die Weine vom Koehler. So auch der Riesling vom Alzeyer Rotenfels im Stile eines großen Gewächses. Den werden ich bei Zeiten noch gesondert beschreiben.

Weingut Riffel, Bingen

Ganz anders wiederum trifft man es an auf dem Gut der Riffels in Bingen. Eben noch in der guten Stube eines kleinen Hofes gesessen und über einige wenige Weine von 4 Hektar Lagen gesprochen, finden wir hier ein modernes, neu aufgebautes Weingut. Das Weingut eines erfolgreichen Teams, das lange genug in einer Art Minikeller ähnlich einer Garage Winery gearbeitet hat und dann Stück für Stück, auf den Ortsteil verteilt, dazugemietet hat für das größer werdende Gut, bis es nicht mehr ging mit dem Hin und Her und neu gebaut wurde, und zwar so, dass man aus dem Turmzimmer den Weinberg am Binger Rochusberg sehen kann – über den Ort hinweg.

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Auf die Riffels, Carolin und Erik bin ich durch Stuart Pigott aufmerksam geworden. Er hat sie in den höchsten Tönen in der F.A.S. gelobt und auch in seinem Weinführer. Er ist aber nicht der Einzige, der besonders das denkwürdige Preis-Leistungsverhältnis hervorhebt. Gutsweine gibt es ab Hof immer noch ab 4 Euro in einer ausgezeichneten Flaschenausstattung mit Glasverschluss. Ein solcher Wein wie der halbtrockene Gutsriesling für 4,40 Euro wurde im letzten Jahr von Stuart Pigott zum „Saufwein des Jahres“ gekürt – zu Recht. Herrliche Frucht, schönes Spiel mit dem Restzucker. Feine Mineralität bekommt man hier in den Binger Lagen.

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Dass es hier aber nicht mehr nur um die einfachen Weine geht, merkt man sehr schnell, wenn man die Spätlesen und die hochpreisigere Serie Turm probiert. Vor allem die Rieslinge bestechen durch gelbe Früchte, feine Mineralik und eine schöne Balance. Beide Spätlesen kommen aus dem Binger Scharlachberg, der Quarzit von 3 bis 15 Jahre alten Reben, die Reben vom Turm stehen schon eher auf gelbem und rotem Sandstein, die Stöcke sind über 40 Jahre alt. Das ist sehr gekonntes Handwerk des Kellermeisters Erik Riffel. Vorgestellt habe ich hier im Blog ja schon den Chardonnay, den Sauvignon Blanc Leimen, den Weissburgunder Tum oder den herrlichen Spätburgunder Mariage.

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Beeindruckend schließlich der 2007er Spätburgunder Turm aus dem Binger Bubenstück, einer Verlängerung des Scharlachbergs mit Quarzit-Untergrund. 20 Hektoliter pro Hektar sind die Ausbeute, der Pinot Noir vergärt spontan, liegt sechs Wochen auf der Maische, bevor er ins neue Barrique kommt. Der 2007er wirkt schon erstaunlich gereift, und das wohl von Beginn an, so Erik Riffel. Neben typischen Waldbeernoten und deutlicher dunkler Würze findet man Tabak, Schokolade und Holz. Dabei steht dieses, obwohl komplett neu, überhaupt nicht im Vordergrund.

Zwei Tage Rheinhessen, Erster Tag: Weingut Sander, Winter und Wagner-Stempel

13/Jan/10 18:35 kategorisiert in: Bioweine, Weingüter

Da schreibt man so vor sich hin all die Monate, probiert Weine, geht zu Veranstaltungen und schafft es kaum mal ins nächste Weinbaugebiet. Eine Schande ist das. Und ich werde dies ändern. Ich bin hier in Bonn eigentlich gesegnet mit Weinbaugebieten direkt vor der Tür. Das Gebiet Mittelrhein fängt am Drachenfels an, 15 Minuten von mir entfernt, interessant wird es ab Spay und Boppard, da war ich im späten Frühjahr und dahin brauche ich eine Stunde. Die Ahr liegt nicht weit von Bonn, etwa eine halbe Stunde entfernt, da war ich im Sommer. Aber Rheingau, Rheinhessen und Nahe habe ich im letzten Jahr nicht geschafft. Mit dem Auto bin ich dort in nicht einmal zwei Stunden.

Um dies zu ändern und direkt in die Tat umzusetzen, Ihr wisst schon, neue Vorsätze fürs Jahr und so, sind wir aufgebrochen, um einige Winzer zu besuchen, Winzer, an deren Erzeugnissen teils schon lange das Herz hängt, teils, weil wir uns mit ihnen bisher nur telefonisch unterhalten haben und sie endlich mal kennen lernen wollten.

Weingut Sander, Mettenheim

Begonnen haben wir mit Stefan Sander. Dessen Weine kenne ich seit den Bioladenweinzeiten meines Reisepartners Michael van den Höövel. Die Sanders gehören mit zu den ersten Winzern, die sich in Deutschland konsequent dem biologischen Weinbau verschrieben haben. Das hat mit Stefans Großvater Ottoheinrich in den 50ern begonnen. Vater Gerhard hat es fortgesetzt und hat den Betrieb 1979 klassifizieren lassen. Mittlerweile wird unter Demeter-Richtlinien biologisch-dynamisch gewirtschaftet. Die Weinbautradition der Familie ist mittlerweile über 250 Jahre alt.

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„Meine Weine sollen gepinkelt werden“, sagt Stefan Sander und das beschreibt genau den Typus Wein, den er produziert. Keine Weine für die Ewigkeit, keine Flaschen, die ewig im Keller verschwinden sollen oder in irgendwelchen Regalen, vielmehr Weine, die zunächst einmal Spaß machen sollen, bei allem gut gemachten Handwerk. Und unterschätzen sollte man sie deshalb nicht.

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Ich schätze die Weine der Sanders. Es sind qualitativ sehr gut gemachte Weine, ehrliche Weine als Guts- und Shoppenweine, mit einer gewissen Tiefe und Komplexität im Mittelbau und einer, so glaube ich, etwas verkannten Spitze mit den Rieslingen vom Bechtheimer Geyersberg und Mettenheimer Michelsberg sowie dem Spätburgunder von der Mulde. Für mich immer zur Spitze Rheinhessens gehörte in den letzten Jahren der Sauvignon Blanc. So auch diesmal, ungetrübt vom Fass probiert, erkennt man direkt die mitteleuropäische Ausprägung des Weins. Der hat wenig überseetypisches Fruchtdropsexplosionspotential mit aufgelegtem grünen Gras, viel mehr besticht er spät im Mund durch eine feine Frucht und Mineralität.

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20 Hektar hat er, der Stefan Sander und von 2 Demeter-Vertragswinzern kauft er noch mal Traubengut von sechs Hektar dazu. Neben den klassischen Burgundersorten und Riesling findet sich Dornfelder – man soll es nicht glauben, aber der Barrique-Dornfelder war wirklich spannend –, Merlot und Cabernet Sauvignon, im Weißwein-Bereich natürlich Silvaner, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer.

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Es war eine gute Wahl, im Januar ins Weinland zu fahren. Es ist etwas Weinbergsarbeit zu machen, aber nicht zu viel, die Weine gären noch ein wenig im Tank und es bleibt etwas mehr Zeit für unsereinen. Zwei Stunden hat sich Stefan genommen, um mit uns durch die Keller zu gehen, Tanks und Fässer zu probieren. Erstaunlich hierbei, wie unterschiedlich sich die Tankinhalte von ein und demselben Weinberg entwickeln, je nach Parzelle, ganz zu schweigen vom Einfluss der frischen Fässer auf den Wein.

Weingut Winter, Dittelsheim

So wie Stefan Sander ist auch Stefan Winter Mitglied bei Message in a Bottle. Das ist der Verband junger, teils wilder, auf jeden Fall aber eloquenter und dynamischer Winzer aus Rheinhessen. Das ist die Gruppe von Leuten, die Rheinhessen zu Recht ein neues Image verpassen. Was vor wenigen Jahren noch als Synonym genannt wurde für Massenerträge à la Oppenheimer Krötenbrunnen oder Wormser Liebfrauenmilch, wird heute zunehmend wieder besetzt durch Qualität. Dazu gehören ein klares Konzept, eine Rückbesinnung auf Qualitätsweinbau und heimische Sorten, ferner der Wille zum Experimentieren, die Rückkehr zur Natur – weg von den Chemiekonzernen – und ebenso eine moderne Vermarktung.

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Stefan Winter ist so ein Paradebeispiel für einen jungen Winzer, der in den Betrieb seiner Eltern eingestiegen ist. Für einen jungen Menschen gibt es bestimmt Alternativen zum Weinmachen in einem kleinen rheinhessischen Dorf. Da gibt es mit Sicherheit spannendere Ecken. Aber er hat den Schritt getan, hat bei Keller in Flörsheim-Dalsheim gelernt und bereut es nicht. Damals, als er angefangen habe mit der Lehre, habe er nur liebliche Weine trinken wollen. Das würde sich ändern, habe Klaus-Peter Keller gesagt.

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Heute gehört der Name Winter schon durchaus zu den bekannten Betrieben, zu denen, die ein ganz klares Ziel verfolgen. Und dazu gehört der trockene Ausbau weißer Weine, solche, die so spät wie möglich gelesen werden. Das heißt, es gibt Gutsweine, Ortsweine, Lagenweine. Früher gab es 18 Reborten auf dem Hof. Heute gibt es Riesling, Silvaner, Chardonnay, Grauburgunder, Weißburgunder und – Scheurebe. Gott sei dank. Denn diese lange fast ausschließlich süß ausgebaute Sorte, die von einem Georg Scheu 1916 in Alzey/Rheinhessen gezüchtet wurde, hat auch im trockenen Bereich ein schönes Potential. Das merkt man auch bei Winters Scheu. Ein leicht blumiger und stark exotisch-zitroniger Duft im Glas, Grapefruit und leichte Würze am Gaumen.

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Die Weine, die wir probiert haben, waren spontan vergoren, hatten wenig oder keine Standzeit, wurden vor der Füllung handfiltriert. Dabei bestechen die Weine durch ihre Würze, die sich quer durch die Proben zieht. Ob im 2009er Grauburgunder vom Tonmergel, dessen Würze gepaart ist mit einer frischen Zitrusaromatik, die mit deutlichen Orangennoten daherkommt – und mit viel Grip. Oder beim 09er Riesling QbA, der deutlicher breiter wirkt, mit einer schönen Fruchtaromatik, geprägt von Apfel und Steinobst.

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Den sehr sympathischen Jungwinzer wird man im Auge behalten, da bin ich mir sicher. Und schon heute, wo ich den Artikel schreibe und bei C&D auf die Website gehe, weil ich was anderes suche, fällt mir das gelungene, moderne Etikett direkt ins Auge. Ein Etikett, das ähnlich klar und eigen ist wie die Weine.

Weingut Wagner-Stempel, Siefersheim

Was mich besonders gefreut hat an dieser Tour ist, dass Daniel Wagner so viel Zeit für uns hatte. Er gehört mittlerweile zur deutschen Winzerelite, das kann man ziemlich klar sagen und das bestätigen auch einmütig die üblichen Weinführer. Dieser Mann hat aus einem Mischbetrieb mit dem Hauptaugenmerk auf Landwirtschaft einen Augenstern in Sachen rheinhessischem modernen Wein gemacht. Er hat neben all der erworbenen Erfahrung der letzten Jahre ein sagenhaftes Händchen, vor allem für Riesling. Aber auch die Burgunder sind ausgezeichnet, den roten St. Laurent mag ich sehr, die Scheurebe ist auch hier einer meiner Lieblingsweine im Gutsweinbereich. Dies habe ich, wenn man mal in meinem Weblog sucht, auch nie verhehlt.

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Mit diesem Winzer zwei Stunden durch den winterkalten Keller zu wandern, von einem Fass zum anderen, sich erklären zu lassen, welches Fass oder welcher Tank aus welcher Parzelle stammt und wie er sich den späteren Wein vorstellt, das ist eine seltene Gelegenheit bei diesem eher scheuen, häufiger wortkargen Ausnahmewinzer.

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Auch hier zeigt sich in den jungen, trüben Weinen die ausgezeichnete Qualität des 2009er Jahrgangs. Erstaunlich konzentriert sind schon die Weine für die Guts- und Ortsweine, brilliant wirkt der Riesling aus dem Heerkretz für das Große Gewächs. Ähnlich wie bei Sander gefällt mir der kommende Sauvignon Blanc in seiner klassischen Machart, das Wechselspiel aus Stachelbeeren, Holunder und feiner Würze, verbunden mit der Mineralität der Siefersheimer Lagen.

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Mitgegeben hat Daniel Wagner uns einen Eiswein vom Spätburgunder, gelesen im letzten Januar bei -16 Grad. Vergessen hatte er die Parzelle, die im Mai einen heftigen Hagelschaden hatte und eine übliche Ernte unmöglich gemacht hat. Erst im Januar, als er Erntemaschinen sah – natürlich wird auch Eiswein noch mit dem Vollernter eingefahren, denn es gibt ja auch noch den 4-Euro-Eiswein beim Diskounter –, fiel ihm die Parzelle wieder ein und raus ging's zum Ernten. Herausgekommen ist ein Wein mit 25 Gramm Säure und erheblicher Süße, weiß gekeltert liegt er jetzt bei mir im Keller und wird erst einmal vergessen.

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Im Sommer möchte ich gerne noch mal wiederkommen. Die Gästewohnungen dieses außerordentlich schönen Hofes warten nur darauf, für ein Wochenende besucht zu werden.

Den Abend haben wir dann in der Wöllsteiner Weinstube von Ute und Norbert Budick verbracht, deren Rumpsteaks mir Stefan Winter empfohlen hatte und die ich hiermit weiterempfehlen möchte. Das Ambiente dieses Fachwerkhauses ist sehr angenehm und die Weinkarte bietet selbstverständlich Weine der Region, die von Daniel Wagner natürlich wie auch die des Neulings Axel Koehler, der eigentlich abends auch noch kommen wollte, dessen Weine mir im letzten Sommer aufgefallen sind und den wir dann am nächsten Morgen besucht haben.

Krug, Grand Cuvée, Champagne

Das Champagnerhaus Krug wird von vielen Kennern als Maß aller Dinge bezeichnet, an dem sich alles andere messen muss. Das ist nicht unumstritten, da die Champagner von Krug nicht unbedingt die Quintessenz aller führenden Häuser darstellen, sondern einen individuellen Stil pflegen. Der muss nicht jedem zupasskommen. Unbestritten aber dürfte sein, dass kaum ein anderes Haus so kompromisslos Wert legt auf die Qualität vom Weinberg bis in den Keller.

Man könnte über Krug Seiten schreiben, was ich anderen überlasse, um mich übersichtlich kurz zu halten. Es gibt einen informativen Artikel von John McCabe, der die Geschichte und die Besonderheiten des Hauses herausstreicht, die ich zusammenfassen werde.

Im Gegensatz zu praktisch allen anderen Häusern werden bei Krug alle Weine in kleinen, pièces genannten, 205 Liter fassenden Eichenholzfässern vergoren. Dabei dienen die Fässer jedoch keineswegs der Beeinflussung der Aromen durch frische Tannine, Vanille oder Kaffeearomen. Die wird man in einem Krug nicht finden. Der Ausbau dient dazu, die Weine geschmeidiger zu machen und – das ist wohl auch ein Ergebnis der Bemühungen – die Lagerfähigkeit der Champagner deutlich zu erhöhen. Während der Gärung und Klärung der Weine findet ja ein Sauerstoffaustausch durch die Poren den Holzes statt, der zu einer leichten Oxidation der Weine führt, was mitverantwortlich dafür sein dürfte, dass Champagner aus dem Hause Krug so lange lagerfähig sind wie gute Burgunder.

Krug besitzt über 3.000 dieser kleinen Eichenfässer, die befüllt und zu Pyramiden gestapelt werden. Nach der natürlichen Klärung läuft der Wein aus den oberen Fässern in tiefer liegende Fässer, die leeren Fässer müssen aufs Peinlichste gesäubert werden, um dann weiter benutzt werden zu können.

Etwas, worin es die Krugs zu wahrer Meisterschaft gebracht haben, ist die Assemblage. Da werden bis zu 60 verschiedene Weine aus bis zu 25 verschiedenen Lagen aus bis zu zehn unterschiedlichen Jahren zusammengeführt, um nachher zu dem zu werden, was jeder Champagnerkenner dann als Krug identifiziert. Zu diesem Ereignis finden sich all jene Familienmitglieder zusammen die innerhalb des Hauses sonst ganz anderen Dingen nachgehen; die Assemblage hat dort jeder gelernt.

Einen kleinen Einblick geben Oz Clarke und James May in der sechsten Folge der Big Wine Adventure. Sie besuchen unter anderem Rémi Krug, man schaut in den Keller und die Produktionsanlagen und er gibt einen kleinen Einblick in das Blending.

Hier finden wir dann auch noch die nächste Besonderheit: Krug lädt die beiden ein auf ein Glas Clos du Mesnil. Das ist Champagner aus einem einzelnen 1,86 Hektar kleinen Weingarten, einem echten Clos, also einem mit Steinwällen ummauerten Wingert wie es ihn noch häufig im Burgund gibt, der sonst aber selten geworden ist. Dieser Einzellagen-Blanc de Blancs wird seit 1979 abgefüllt, es werden rund 10.000 Flaschen produziert und, ich habe mal nachgeschaut, den aktuellen Jahrgang 1996 bekommt man kaum unter 900 Euro pro Flasche. Wer dachte, exklusiver ginge es nicht, hat sich getäuscht; denn seit Kurzem bringt Krug einen noch rareren Einzellagen-Champagner heraus, der als reinsortiger Pinot Noir aus Trauben einer noch kleineren Parzelle extrahiert wird. Es ist der Clos d'Ambonnay, 0,68 Hektar Pinot Noir, wahrscheinlich so etwa um die 3.000 Flaschen und keine unter 2.000 Euro zu haben.

Tja. Zurück ins Leben. Ich hatte also die Chance, eine Grand Cuvée zu probieren, einen Wein, der sechs Jahre auf der Hefe gelegen hat während der zweiten, der Flaschengärung und der mit einem Anteil von bis zu 80 % im Verkauf das Flaggschiff des Hauses darstellt. Wie war er denn nun?

Beeindruckend, in der Tat. Zunächst ein wenig unruhig im Glas mit starker Perlage. Duft nach Hefe, Brioche, geröstetem Weißbrot mit Nüssen. Der Wein spielt mit der Säure und den Aromen von Zitronen und frischen Äpfeln. Es ist ein enormer Druck hinter dem Champagner, und trotzdem wirkt er fein und unglaublich ausgewogen. Das ist kein sanfter Vertreter, der Wein lebt sein Ego voll aus, wenn ich das mal so formulieren darf. Man kann nur die Augen schließen und sich voll auf das Wechselspiel im Mund konzentrieren.

La Closerie – Les Béguines 2004, Jérôme Prevost, Champagne

Das, was ich im Glas habe, gehört mit zum Außergewöhnlichsten, was man aus der Champagne bekommen kann. Es ist nichts das Rarste, nicht das Teuerste, nicht das Beste, aber in der Summe der hervorstechenden Eigenschaften ein wahrhaft ungewöhnlicher Tropfen.

Jérôme Prévost besitzt eine zusammenhängende Parzelle von 2 ha, die ausschließlich mit Pinot Meunier bestockt ist. Er hat die Fläche von seiner Großmutter geerbt, die ihre Trauben einige Jahre großen Erzeugern geliefert hat und dann selbst begonnen hat, Champagner auszubauen. Er nutzt dazu einige Holzfässer in einem alten Luftschutzkeller, in dem er aus 8.500 kg Trauben ca. 45 hl gewinnt, um  ca. 13.000 Flaschen Champagner auszubauen. Nur mal so nebenbei gesagt, kann man davon ausgehen, dass die großen Häuser auf solch einer Fläche ca. 13.000 kg, also eher 80 hl pro Hektar herausholen. Prévost fügt keinerlei Dosage hinzu, trotzdem ist sein Champagner alles andere als knochentrocken, es ist eher ein Brut denn ein Extra-Brut.

Die Reben werden spät gelesen und man schmeckt diesen höheren Reifegrad. Außerdem sieht man es; denn der Champagner wirkt ungewöhnlich golden. Die Arbeitsweise scheint dem offiziellen Champagnerkomitée nicht unbedingt zu gefallen; denn mit dem liegt er immer wieder im Clinch. Die 13.000 Flaschen aber sind direkt weg, sobald er sie freigibt. Kein Wunder.

Das Ganze ist eine wunderbare Mischung aus in Honig getränkten Trockenfrüchten, leichter Kräuternote, Hefe, Mandeln und Nüssen und einer Runde Zitrusfrüchte. Dazu gibt es leicht salzige Minerale. Das ist ganz fein.

La Closerie – Les Béguines 2004, Jérôme Prevost, Champagne

Jahrgangspräsentation bei Florian Weingart

23/Mai/09 13:13 kategorisiert in: Dessertweine, Riesling, Weingüter, Weiss, Deutschland, Weissweine

Ich bin der Meinung, dass Florian Weingart 2007 den bisher homogensten und beeindruckendsten Jahrgang seines Winzerlebens hervorgebracht hat. Da hat alles gestimmt, auch wenn er es sicherlich noch mal übertrumpfen wird.

Der 2008er dagegen ist weit schwieriger. Zunächst musste er die Weine feinentsäuern, ich weiß nicht, ob es in anderen deutschen Gebieten ebenso der Fall war, er kam nicht umhin, der natürliche Säureabbau hat irgendwann gestoppt. "Eine Ironie der Natur ist es, dass gerade in Jahren mit höherer Ausgangssäure der
natürliche Säureabbau durch Milchsäurebakterien, der im vergangenen Jahr oft spontan einsetzte, ausbleibt, sodass ich gegen mein selbst gegebenes Gesetz verstoßen habe, Prädikatsweine nicht zu entsäuern und es hier sozusagen beichte."

Den Weinen fehlt, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, die Eleganz des letzten Jahrgangs. Dagegen sind sie deutlich frischer, deutlich klassischer Riesling mit immer noch relativ hohem Säureanteil. Vielen wird dieser Wein nicht behagen, und wenn man die trockene 2007er Ohlenberger Spätlese gegen die von 2008 stellt, sind es zwei völlig unterschiedliche Weine, wenn auch die Herkunft, das Floral-tropisch-Würzige des Ohlenbergs im Gegensatz zu den Aprikosenrieslingen der Feuerlay durchaus lagentypisch bei beiden gleich ist. Dagegen fehlt im 2008er die Tiefe und der Schmelz, der den 2007er Ohlenberg auszeichnet. Dieser wurde, wie auch diverse andere 2007er, wieder präsentiert und zeigt sich deutlich entwickelter, man könnte sagen erwachsen.

Die trockenen Spätlesen aus Feuerlay und Engelstein fallen gegenüber dem Ohlenberg ab, einzig die Feuerlay Spätlese mit * überzeugte mich, das war nicht ihr Jahr, mit Sicherheit auch ein Grund, warum Weingart diese Weine nur trocken und nicht etwa feinherb und süß ausgebaut hat. Das wiederum hat er beim Ohlenberg getan und der Ohlenberg mit über 80 g Restsüße und 10 g Zucker ist in seinem markanten Süß-Säurespiel mit Blumen, Gewürzen, Mineralen und Frucht der Wein des Tages.

Wirklich schön zeigten sich der 2007er Jahrgang und die Restposten an Spät- und Auslesen aus den Jahren 2004 und 2005. Für um die 8 Euro findet man hier, wenn man hinfährt, gereifte Weine von ausgezeichneter Qualität. Und ein Plausch mit diesen sympathischen Winzern lohnt sich immer.


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