originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Weinrallye Nr. 44: Schon 23 Artikel angekündigt

06/Apr/11 14:02 kategorisiert in: Weinrallye

Was ich ja richtig schöne finde ist, dass es sehr viel positives Feedback zur Themenwahl “Rhône – der Fluß, der Wein, die Winzer“ gibt. Und nicht nur das. Es gibt schon 23 Zusagen in der Weinrallye-Facebook-Gruppe! Ich bin sehr gespannt.

Weinrallye Nr. 44: Die Rhône – der Fluß, der Wein, die Winzer

01/Apr/11 10:46 kategorisiert in: Rot, Frankreich, Rotweine, Weinrallye, Weiss, Frankreich, Weissweine

Während der Weinkaiser noch an der Zusammenfassung der formidablen 43. Weinrallye schreibt – das Feedback zum Thema Spätlese war ja enorm – möchte ich das Thema zur 44. Rallye ankündigen. Die Rallye läuft also zum zweiten Mal seit ihrem Entstehen über Originalverkorkt, ursprünglich ausgerichtet und auch weiterhin betreut vom Winzerblog, wo man sämtliche Informationen zur Weinrallye findet.

Es sind so klingende Namen wie Hermitage oder Châteauneuf du Pape, die das Anbaugebiet Rhône prägen und den Ruhm der Rhône-Weine ausmachen, genau so aber assoziiert man mit diesem Gebiet dünne Wässerchen aus dem großen Gebiet der Côtes du Rhône. Wie vielseitig und abwechslungsreich diese große Weinlandschaft in Frankreich zwischen diesen Extremen wirklich ist, möchte ich als Thema der Weinrallye in den Fokus rücken.

Von den Hängen der Côte-Rôtie bis zu Cornas und Saint Peray bilden sich die granitgeprägten Hänge der Nordrhône, geprägt durch Syrah und Viognier. Es ist eine der ältesten Kulturlandschaften Frankreichs. Schon die Griechen sind bis hierher vorgedrungen, die Römer haben den Weg entlang der Rhône ausgebaut um vom Mittelmeer aus nach Mittel- und Westeuropa vorzudringen. Seit 125 v.Chr. werden die rechten Hänge der nördlichen Rhône mit Rebstöcken bepflanzt. Später kamen die Päpste nach Avignon, Papast Johannes XXII. ließ im 14. Jhd. das Schloss Châteauneuf-du-Pape bauen, der Weinbau wurde deutlich ausgedehnt.

Cornas, Foto: ©Vinaturel

Hinter Montelimar dann öffnet sich das Tal, die Bodenstrukturen ändern sich genau so wie das Klima. Rund um Orange finden sich Châteauneuf-du-Pape, Rasteau, Tavel, die Crus der Côtes du Rhône wie Gigondas, Vaqueras oder Visan. Das Gebiet geht über in die Departements Ardèche und Gard, Drôme und Vaucluse. Die Weine des Ventoux sind teils so nah am Stil der südlichen Rhône, die Kalkböden so ähnlich, dass ich sie gerne mit dazu nehmen möchte.

Grenache spielt in dieser Gegend eine wichtige Rolle, Carignan und Mourvèdre, natürlich immer noch Syrah, wenn auch in geringerem Maße, dazu kommen Clairette, Bourboulenc, Cinsault; Marsanne und Rousanne prägen die Weißweine. Sind an der Nordrhône nur zwei Rebsorten erlaubt findet man im Süden nicht weniger als 17 verschiedene Sorten, die die Cuvées sehr unterschiedlich prägen.

Süd-Rhône, Foto: ©Vinaturel

So vielfältig die Landschaft und ihre Weine, so vielfältig sind hoffentlich die Beiträge zur 44. Weinrallye, die am 30. April 2011 zwischen 00:01 und 23:59 stattfinden wird. Wer einen Artikel schreibt, gebe mir bitte eine kurze Info unter info(ät)originalverkorkt.de, er erscheint dann bei mir in der Übersicht.

Wer kein eigenes Blog betreibt oder ein Blog führt, das thematisch nicht zur Weinrallye passt ist jedoch ebenso herzlich eingeladen, einen Beitrag zu schreiben. Dieser wird dann als Gastbeitrag hier im Originalverkorkt-Blog veröffentlicht. Dazu benötige ich dann Text und Fotos, möglich in 590px Breite.

Karte: © Inter Rhône

Weitere Infos gibt es übrigens in der Weinrallye-Facebook-Gruppe.

Also, nutzt Ostern um zum Lamm eine schöne Flasche zu öffnen. Viel Spaß!

Weinrallye 43: Riesling Spätlesen

20/Mrz/11 08:56 kategorisiert in: Riesling, Weinrallye, Weiss, Deutschland

Vor fast vier Jahren hat der Winzerblog die erste Weinrallye ins Leben gerufen. Nun richtet der Weinkaiser in diesem Monat die Rallye aus, und er hat sich – auch wenn es natürlich in Österreich, der Schweiz oder dem Elsass ebenfalls Riesling Spätlesen gibt – für ein Thema entschieden, das ein klassisch deutsches Weinthema ist. Spätburgunder, Grau- oder Weißburgunder, Chardonnay erst recht, als das können die anderen Weinnationen auch, beim trockenen Riesling wird es schon eher schwierig, beim restsüßen Riesling gelingt es nur selten, mit guten deutschen Erzeugnissen in Konkurrenz zu treten.

Und doch haben es diese Erzeugnisse, die manchem als die Krönung der Weinerzeugung gelten, auch auf dem heimischen Markt nicht leicht. Das sehe ich nicht zuletzt bei den Verkostungen jenes Winzers, für dessen Wein ich mich gestern Abend entschieden habe. Wenn dieser Winzer seine Weine über drei Tage hinweg präsentiert, kann es sein, dass die trockenen Spätlesen ausverkauft sind, während er selbst gereifte Jahrgänge wie Sauerbrot anbieten muss und so ist es möglich, dass man für 9 Euro eine schön gereifte Spätlese aus einer der ausgezeichneten klassischen Rieslinglagen von einem der besten deutschen Riesling Winzer erwerben kann. Stoff, der in an der Mosel oder Nahe schnell auch mal das Dreifache kosten kann.

Entschieden habe ich mich für einen Winzer, der in diesem Blog schon ein alter Bekannter ist. Entschieden habe ich mich gestern bei der Betrachtung meiner Spätlesen deshalb, weil seine 2005er Spätlese* aus dem Bopparder Hamm Feuerlay genau jetzt die perfekte Trinkreife hat und, weil ich mich immer noch bzw. wieder zu erkältet gefühlt habe, um die wirklich großen Tropfen auszpacken. Das soll Florian Weingart gegenüber nicht despektierlich klingen, ich trinke seine Weine ebenso gerne in komplett gesundem Zustand, doch für die Weine von Prüm oder Dönnhoff brauche ich andere Voraussetzungen.

Der 2005er Feuerlay ist also so ein Wein, den Florian Weingart auf einer seiner Proben für 9 Euro ausverkauft hat und wo ich fast fassungslos zugeschlagen habe während das Gros der Menge, das sich in seinem Keller eingefunden hatte um seinen 2008er Jahrgang zu probieren diese Weine praktisch ignoriert hat. Wie kommt das Zustande? Trauen sich die Weinliebhaber an so etwas nicht ran? Liegt es immer noch am schlechten Ruf, am Echo der Liebfrauenmilch? Der, mit dem ich den Wein gestern getrunken habe war, wie viele andere, denen ich immer mal wieder restsüße Weine unter diese Nase halte, überrascht ob der feinen Balance dieses Weines, der Tatsache, dass Süße nicht klebrig sein muss sondern einen ganz eigenen, faszinierenden Charme ausüben kann. Die Spätlese* besitzt diesen Charme, für Ungeübte allerdings zunächst etwas schwer nachzuvollziehen, wenn man die petroligren Alterungsnoten nicht gewohnt ist. Die Nase bleibt, auch wenn die Petrolnoten sich mit der Zeit deutlich zurückziehen, zurückhaltend fein. Etwas leicht Steiniges findet sich, etwas, dass mich an Zitronencrème erinnert auf der eine kleinen Aprikose sitzt. Im Mund dann findet sich die volle Kraft und Reife dieser restsüßen Spätlese. Orangen, Steinobst, Mango. Etwas Limette, Kräuter, Stein. Die Süße und die Säure, nun im Schwinden begriffen, der Wein liegt etwa ein Jahr über seinem Höhepunkt. Und doch, das Wechselspiel funktioniert noch und begeistert mich immer wieder auf’s Neue und ich weiss genau, dass auch dieses Jahr der Ort Spay am Mittelrhein im Mai wieder eines meiner Weinziele sein wird, wenn Florian Weingart seinen neuen Jahrgang präsentiert.

Die Links zu den Teilnehmern (via weinkaiser):

1. Wir-Winzer: wirwinzer.de/blog/weinrallye-43-riesling-spaetlese/
2. Karl-Josef-Thul: weinkaiser.de/die-riesling-spaetlese/
3. Peter Züllig: weinkaiser.de/riesling-riesling-nur-du-allein…/
4. 25cl: 25cl.de/..der-badische-masstab-fur-riesling-kommt-von-laible-aus-durbach/
5. Baccantus:
baccantus.de/2011/03/20/riesling-spatlese-weinrallye43/
6. Generation Wein: generation-wein.com/…berg-roseneck-2006-weingut-josef-leitz/
7. Schiller-Wine: schiller-wine.blogspot.com/…/jj-pruem-goes-supermarket…
8. Vinum-Blog: vinum.ch/blog/…/missionswerk-oxle-riesling-vs-riesling/
9. Originalverkorkt: originalverkorkt.de/../weinrallye-43-riesling-spaetlesen/
10. Weinpiraten: weinpiraten.posterous.com/weinrallye-43-oder-shortversion
11. Weinverkostung: weinverkostung.com/…/riesling-konig-unter-den-weinen/
12. BerlinKitchen: berlinkitchen.com/…/2009_Haart_Goldtröpfchen_Spätlese
13. Cordula Eich: wuertz-wein.de/…/weinralley-43-marilyn-und-die-spatlese/
14. Frank Fremerey: weinkaiser.de/weinrallye-gastbeitrag-policher-held/
15. Peter Jakob: marcodatini.posterous.com/besser-spat-als-nie…
16. Marc Herold: weinkaiser.de/weinrallye-gastbeitrag-oberemmeler-hutte-1994/
17. MySilvaner: mysilvaner.net/2011/03/20/die-weinrallye-43-riesling-spatlese/
18. Drunkenmonday: drunkenmonday.wordpress.com/vollenweiders-spatlese
19. Weinpasta: weinverkostungen.com/WR/TO.htm
20. WeinReichRLP: blog.wein-reich/riesling-spatlese-flusskrebs-mango-risotto/
21. der Ultes: weinfachberater.der-ultes.de/hattenheim-nussbrunnen-spatlese-eser/
22. Weinverkostungen: weinverkostungen.de/kloster-eberbach-1990er-baiken/
23. 25cl: 25cl.de/…/1971-sinzheimer-fruhmessler-riesling-spatlese/
24. Yuki Keylin: yuki-keylin.de/2011-03-20/weinrallye-43-riesling-spaetlese/
25. der Ultes: weinfachberater.der-ultes.de/2001-erdener-treppchen-R-SL-ehlen/
25. der Ultes: weinfachberater.der-ultes.de/2008-escherndorfer-lump-brennfleck/
26. Ch9dP: ch9dp.de/wordpress/?p=343
27. Steffens-Kess: steffens-kess.de/…/weinrallye-43-riesling-spatlese/
28. Cucina-Casalinga: cucina-casalinga.blogspot.com/spatlese-2009-weingut-pawis
29. Lamiacucina: lamiacucina.wordpress.com/weinrallye-43-riesling-spatlese/
30. WeinReichRLP: blog.wein-reich.info/eike-auf-spurensuche-mit-weinkonigin/
31. Schiller-wine: schiller-wine.blogspot.com/../riesling-in-south-africa.html
32. Winzerblog: http://winzerblog.de/2-x-riesling-spaetlese-von-der-mosel/
33. Bernhard Fiedler: bernhard-fiedler.at/weblog/?p=3704
34. Weinkaisers Posterous: weinkaiser.posterous.com/entdeckung-steinmetz
35. Werk2: werk2.org/webblog/?p=232
36. Myexperience4u: myexperience4u.blogspot.com/riesling-spatlese
37. Fabiowein: fabiowein.de/weinrallye-43-riesling-spatlese-von-der-mosel
38. Drunkenmonday: drunkenmonday.wordpress.com/1976-spatlese-rheingau/


Weinrallye 38: Underdog Scheurebe

Der Würtz war heute ganz schön früh unterwegs mit seinem Beitrag zur 38. Weinrallye und hat einen Beitrag verfasst, der den Nachfolgenden von der Pflicht entbindet, über die Herkunft jener Rebsorte, die heute Thema der Weinrallye ist, lang auszuschweifen. Dirk Würtz schreibt über Herkunft und Namensänderungen der Scheurebe und weist auf eine Besonderheit hin, die mir nicht präsent war, nämlich, dass es die einzige entnazifizierte Rebsorte im hiesigen Rebsortenspiegel ist.

Marquee, der in seinem Blog "allem Anfang…" über kulinarische Eskapaden berichtet, hat das heutige Thema postuliert und für mich war es keine Frage, mich für die trockene Heimersheimer Scheurebe 2009 von Axel Koehler zu entscheiden. Dort – Heimersheim gehört zu Alzey – liegt die Wiege dieser Züchtung, die ein gewisser Dr. Georg Scheu zu Anfang des 20. Jahrhunderts gekreuzt hat, wobei ein Elternteil dieser ziemlich erfolgreichen Neuzüchtung der Riesling ist. Der andere Elternteil dürfte eine bis dato unbekannte Wildrebensorte sein die wohl genau wie der Riesling aus dem Spektrum der Aromarebsorten stammen dürfte.

Die duftige, spätreifende Sorte wird häufig als der rheinhessische Sauvignon Blanc betitelt und es gibt glücklicher Weise immer mehr Winzer, die die Originalität und Qualität dieser Rebsorte für sich wiederentdecken, und dies nicht nur für den Bereich der Beeren- und Trockenbeerenauslesen sondern ebenso im trockenen Bereich. Ähnliches gilt auch für die Huxelrebe, die ebenfalls aus dem Kreuzungslabor des Dr. Scheu stammt.

Axel Koehlers Liebe gilt neben den anderen klassischen weißen, rheinhessischen Rebsorten Riesling, Weiß- und Grauburgunder und Silvaner eindeutig der Scheu. Er verzichtet bewusst auf den Anbau von Sauvignon Blanc und hält ihn für weitestgehend überflüssig in einem Landstrich der mit der Scheurebe doch so eine feine Spezialität als Alternative zu bieten hat. Ich gebe ihm weitestgehend Recht, auch wenn es durchaus einigen Sauvignons aus der Ecke gibt, die ich richtig gerne mag, finde ich es schlicht abwechslungsreicher, wenn der Fokus auf den Rebsorten liegt, die zur Region gehören.

Koehler macht ja erst seit wenigen Jahren seinen eigenen Wein auf dem familieneigenen Weingut, ich hatte es hier schon mal ausführlicher beschrieben, und sein 2009er Jahrgang ist vom Angebot her umfangreicher als die Jahrgänge davor, eine Neuerung ist eben jene Scheurebe als  Ortswein. Bisher gab es diese als Gutsweinqualität, und auch diese ist herrlich frisch und duftig. Der Wein wurde im Steingut und im alten Holzfass ausgebaut, spontanvergoren, wie alle Weine Axel Koehlers, dessen Betrieb zwar von keiner Bio-Institution zertifiziert wurde, in dessen Weinberge jedoch kein Gramm Chemie kommt. Koehler kommt der Idee des Naturweins sehr nahe, wer in seine Weinberge schaut sieht, was ich meine und andere Winzerkollegen mögen den Kopf schütteln darüber, wie Koehler arbeitet, wie wild die Hänge aussehen und wie wenig er scheinbar verändert. Dabei arbeitet Axel Koehler mit sehr viel Energie und Überzeugung daran, die Reben so stark und gesund wie möglich zu kriegen.

Zurück zum Wein. Dieser präsentiert sich in der Nase zurückhaltend. Das ist keine Aromenbombe wie man es vielleicht erwarten mag wenn man schon viel Sauvignons und Scheureben in der Nase hatte.Es sind eher leicht florale Noten und feine Frucht von Stachelbeeren und Johannisbeeren die ich hier finde. Zusammen mit ein wenig Süßholz und einem klaren Ausdruck des Bodens: Würze und Mineralik bestimmen den Wein stärker als irgendwelche Obstfrüchte. Da wird schnell klar, dass dieser Wein kein Schmeichler ist. Der Wein hat neben den feinen Aromen ordentlichen Biss, Salz und Extrakte – dabei aber trotzdem ein schöne Crèmigkeit.

Wie ich es von allen wilden Weinen des Axel Koehler kenne ist auch die Scheurebe ein Wein, der Luft und Zeit braucht. Ein langsamer Wein gewissermaßen. Einer, der eine gewisse Aufmerksamkeit einfordert. Einer, den ich immer dekantieren würde und der sich am zweiten Tag noch mal deutlich offener zeigt als am ersten. Und einer, der die Besonderheiten von Sorte und Boden schön zusammenführt.

Ach ja. Und der Begriff Underdog im Titel der Rallye mag richtig sein und die Scheurebe wird wahrscheinlich nie die Verbreitung finden, die der Sauvignon Blanc bereits hat. Aber die Scheurebe findet wieder merklich mehr Wertschätzung, so, wie es glücklicher Weise auch anderen, zwischenzeitlich geschmähten Sorten ergeht. Es gibt immer mehr Winzer, die sich mit Liebe und Verantwortung wieder den klassischen (bzw. schon fast als klassisch zu bezeichnenden neugezüchteten) Sorten widmen und nicht den gerade modernen Reben. Und es gibt wieder zunehmend mehr Publikum, welches diese Bemühungen honoriert. Und das ist ein guter Weg.

Weinrallye 32, Spätburgunder Teil 2: Ziereisen, Rhini 2007

Ich hatte ja gesagt, dass ich es nicht bei einem verkorksten Trinkgenuss belassen wollte – wo ich es doch nach langer Abwesenheit mal wieder zu einem Beitrag der geschätzten Weinrallye geschafft habe, dessen G.O., Thomas Lippert vom Winzerblog, ich im ersten Beitrag vergessen hatte, zu erwähnen.

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Hanspeter Ziereisen gehört seit knapp einer Dekade zu den Vordenkern und zur qualitativen Speerspitze des badischen Weinbaus. Auch ihm war es nicht ursprünglich in die Wiege gelegt, es war kein automatischer Prozess vom Winzersohn zum eigenen Betrieb, Ziereisen, dessen Ausbildung – und da haben wir etwas gemeinsam – die zum Tischler war, hat sich erst ein wenig herumgetrieben, den Weinbau intensiv und praktisch studiert, bis er wusste, wo er hin will. Die Mischung dessen, was daheim angebaut wird, hat sich entsprechend verändert, lange schon liegt der Fokus auf Wein.

ziereisen_etiketten

Dabei hat sich der Stil, den Hanspeter Ziereisen pflegt, in den letzten Jahren ebenfalls deutlich verändert. Kürzlich habe ich einen 1999er Spätburgunder aus der Gemarkung Rhini probiert und dieser ist mit den Weinen neueren Datums nicht mehr zu vergleichen. Die älteren Modelle sind deutlich holzbetonter, gerbstoffreicher, die neueren Jahrgänge werden immer fokusierter, klarer, präziser. Dies zeigt sich auch beim 2007er Rhini, preislich gesehen der größere Bruder vom Schulen, dem noch der Wein aus der Gemarkung Tschuppen folgt und der lediglich vom äußerst raren Jaspis übertroffen wird.

Qualitativ kann ich nicht behaupten, zwischen Rhini und Schulen, dessen Rebstöcke jünger als die des Ersteren sind, zu unterscheiden, der Stil ist ein anderer. Es fällt momentan auch schwer, weil die 2007er einfach noch zu jung sind und ein wenig vor sich hin schlummern – das war mir relativ klar, probieren wollte ich in diesem Stadium trotzdem einmal.

ziereisen_rhini_2007

In den rauchigen Geruch mischen sich etwas Unterholz und rote Beeren. Die Mineralität des Weins zeigt sich ebenfalls schon in der Nase. Im Mund findet sich die gesammelte, gezügelte Kraft gleichermaßen wie die filigrane Klarheit dieses Weines. Die momentan vorhandene Balance und Ausprägung lässt, wenn er erwachsen geworden ist, einen großen Wein erwarten.

Bis dahin versüße ich mir mangels Besitzes älterer, reifer Jahrgänge das Leben mit dem Tschuppen.

ziereisen_tschuppen

Und – das wollte ich ja zum Abschluss noch sagen – was ist das für ein Segen, dass wir gar nicht wirklich in die Ferne schweifen müssen, uns nicht endlos durch flache und langweilige burgundische Gewächse trinken müssen, die nicht halten können, was ihre großen Namen erwarten lassen – nichts gegen die großen Gewächse dort, Gott bewahre, aber der Weg zu gutem, bezahlbaren Wein im Burgund ist halt deutlich steiniger als hier. Und die Qualität ist teils fantastisch!

Weinrallye 32, Spätburgunder, Teil 1: Elena Walch, Ludwig 2002

18/Apr/10 16:34 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Italien, Weinfrauen, Weinrallye

Als ich die Themen-Ankündigung der heutigen Weinrallye las, habe ich mich spontan gefreut. In den Weinblogs taucht Spätburgunder recht selten auf – zumindest ist das mein Eindruck. Iris Rutz-Rudel betreut diese Rallye nun zum dritten Mal mit viel Engagement, siehe Twitter-Einträge und Facebook, und ich danke ihr dafür.

weinrallye_32

Das Thema also spricht mich an. Nur ist es so weit gefasst, dass es schwer war, ein Subthema zu finden.

Was wäre das Co-Thema, fragte ich mich? Zunächst habe ich dazu tendiert, mich über die Freude über die Qualität des deutschen Pinots auszulassen, dann mich dem schweizerischen Pinot anzunähern, dann Pinot Noir in seiner bläschenwerfenden Form als deutschem Winzersekt oder kräftigem Bouzy-Champagner auf den Grund zu gehen. Allein als ich gestern vor dem Flaschenregal stand und merkte, dass der Winzersekt im Bürokeller lag und ich eine Flasche André Clouet Millesimé 1995 öffnen müsste und das so ganz für mich allein, konnte ich mich doch nicht überwinden. Ich hatte des Mittags 60 Weine der verschiedenen Loire-Appellationen probiert und meine Zunge war ein wenig zu müde, um die Feinheit des Champagners noch angemessen würdigen zu können. Wäre noch die Möglichkeit gewesen, etwas sehr Außergewöhnliches zu probieren, nämlich einen Eiswein vom Spätburgunder, den mir Daniel Wagner im Januar in die Hand gedrückt hat. Sie hatten den Pinot einer kleinen Siefersheimer Parzelle zu ernten vergessen, weil er zu großen Teilen einem Hagelschlag im Frühjahr zum Opfern gefallen war. Erst als im Januar die Kollegen zur Eisweinernte hinausfuhren, hat er sich an die Parzelle erinnert und geerntet. Eine winzige Menge – der Wein taucht auf seiner Preisliste überhaupt nicht auf. Aber probiert habe ich ihn dann doch nicht, der ist gerade mal ein Jahr alt und mehr als eine 0,375 ml-Flasche besitze ich nicht.

Also entschied ich mich für einen Pinot aus dem Alto Adige, und zwar von Elena Walch. Das Co-Thema lautet also Winzerinnen, wobei ich also Pinot Noir somit nicht nur mit einem alten Weinrallye-Thema von oben genannter Iris Rutz-Rudel kombiniere, sondern dem Beruf der Gastgeberin Ehre erweisen möchte und eine eigene, auf diesem Blog lose stattfindende Reihe fortführe.

Elena Walch gehört mit Elisabetta Foradori zu den weiblichen Stars der norditalienischen Weinszene. Anders aber als Foradori hat Walch das Winzerhandwerk mitnichten mit der Muttermilch aufgesogen. Vielmehr war sie eine junge, aber schon erfolgreiche Architektin, als sie ihren späteren Mann kennen lernte, der das Weingut Walch führte. Nach der Geburt der zwei Kinder und irgendwann einsetzender Langeweile bat sie ihren Mann, ihr einen Weinberg zur Verfügung zu stellen, einen in guter Lage. Diesen hat sie am Castell Ringberg bekommen und einfach mal so ziemlich alles anders gemacht, als es bei den der Tradition verhafteten männlichen Winzern üblich war. Und anders als es Elisabetta Foradori getan hat, indem diese das Wagnis unternommen hat, aus den traditionell angebauten Rebsorten das Beste, ja die Quintessenz herauszuholen, hat Elena Walch den Vernatsch herausgerissen und internationale Rebsorten gepflanzt, die Reben wurden anders erzogen und ausgebaut wurde ebenfalls different. Das Barrique hielt Einzug.

Ich kann mir ein wenig vorstellen, wie das ausgesehen haben mag, wie sehr sie belächelt wurde, wer sich da alles an die Stirn getippt hat, damals als es noch kaum weibliche Winzer gab und wenn, dann überhaupt höchstens Töchter – aber bitte keine zugezogenen Diplomirgendwasse. Das dürfte sich dann schnell geändert haben, nachdem Elena Walch Ende der 80er dann ihren ersten Wein auf den Markt brachte. Die Anerkennung kam, zumindest von offizieller Seite, relativ schnell, und wenn sich der Erfolg bei der Avantgarde einstellt, kann die breite Masse ebenfalls beginnen, traditionelle Verhaltensweisen zu überdenken.

Nun, heute stehen 30 Hektar unter Reben und neben der Moderne finden sich auch wieder traditionelle Rebsorten. Besonders bekannt ist sie neben modernen Cuvées wie Beyond the Clouds für ihren Gewürztraminer.

Der Blauburgunder mit dem gar nicht so modern klingenden Namen Ludwig – ich habe einen 2002er geöffnet – stammt aus der Lage Pinzon oberhalb des Dorfes Montan, auf 650 Meter gelegen und nach Südwesten ausgerichtet. Der Pinot steht in nicht zu heißer Lage auf Schottererden mit Lehmanteil. Ausgebaut wurde in einem Drittel neuer und zwei Dritteln gebrauchter französischer Barriques.

walch_ludwig_2002

Der Wein wirkt schon beim Öffnen des an der Öffnung leicht angefaulten Korkens ein wenig alt und müde. Bräunlich, mit wenig Rotanteil liegt er im Glas, wirkt wenig frisch und die durchaus vorhandene bodenständige Würze wird überlagert von einer durchdringenden Säure. Das macht leider gar keinen großen Spaß mehr.

Da ich aber den Abend nicht mit einer solchen Pleite beenden wollte, habe ich dann noch eine Flasche Rhini von Hanspeter Ziereisen dekantiert. Ein Glas noch für den Samstagabend und für die müde Zunge und eigentlich probiert wird dann am Weinrallye-Sonntag.

Den Pinot habe ich übrigens mit einem vorzüglich abgehangenen Steak kombiniert. Dazu gab es frisch gemachte Tagliatelle. Eigentlich wollte ich nur einen Salat neben das Steak drapieren, aber dafür hatte ich zu großen Hunger. Der Clou war, dass ich in der Bratbutter nach dem Anbraten des Steaks etwas Tomatenkonzentrat vermischt habe mit etwas Portwein, Balsamico-Crème, Orangen- und Himbeersaft und einer Mischung aus rosa Pfeffer und Flocken von getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.


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