Ich muss mal gerade meiner Begeisterung Ausdruck verleihen. Normalerweise lasse ich Weinbeschreibungen ein wenig sacken, probiere Weine wenn möglich über drei Tage hinweg und schreibe dann. Jetzt möchte ich aber spontan einen Wein loben, der mir grade jetzt auf der Zunge liegt und ausnehmend gut gefällt.
Es handelt sich um den gemischten Satz von 25 plus x verschiedenen Sorten, die heutzutage oder historisch in der Südsteiermark vorkommen und die der junge Winzer Gottfried Lamprecht frisch auf eine ehemalige Obstwiese gepflanzt hat, die Buchertberg heißt und zum Herrenhof Lamprecht gehört und vor langer Zeit schon unter Reben gestanden hat. Dieser Wein, der zunächst leicht tropisch nach Sauvignon Blanc riecht, sich dann aber von da weg bewegt in einer komplexe, cremige und leicht holzbetonte Richtung, straft all jene Lügen, die meinen, guter Wein könne eigentlich nur von alten Reben und besten Lagen stammen. Wer diesen wein trinkt weiß: es ist quatsch. Es kommt vor allem auf die Hand des Winzers an. Auf den richtigen Lesezeitpunkt und für das richtige Händchen im Keller. Wobei hier klar gesagt werden muss, dass Gottfried gerade mal ein wenig schwefelt – und das war's. 25 Rebsorten also, Grau- und Weißburgunder, Sauvignon, Riesling und einige andere Aromarebsorten wie Furmint und Muskateller gibt es hier und dann noch ein paar alte Sorten, die man in Jancis Robinsons dickem Buch über die Rebsorten dieser Welt nachschlagen muss oder die vielleicht in den alten fränkischen gemischten Sätzen vorkommen, die ich zu Anfang des Jahres mal probieren durfte.
Was ist das nun für ein Wein? Es ist einer, der ziemlich perfekt ausbalanciert ist zwischen Frucht und Säure, Saft und Körper, Würze, Mineralität und einer leichten Salzigkeit, wo der Holzeinsatz sehr angenehm den Stil des Weines unterstreicht, ohne ihn zu prägen. Wunderbar ist die frische Frucht zu Anfang, die dann aufkommende salzige Mineralik und die Gesteinswürze, die dann wiederum im Laufe des Abends in eine geradezu sinnlich-reife Frucht übergeht. Da, wo vorher Exotik war ist jetzt Marille, Birne und reifer Apfel, alles immer noch unterstrichen vom Gestein. Der wirklich Knaller ist, dass es den Buchertberg für 12.95 bei Probiowein gibt und dies ist ein äußerst fairer Preis für ein Wein, der gleichzeitig unkompliziert und komplex ist, der Tiefe hat und doch sehr viel Trinkspass heraufbeschwört, den man ziemlich schnell wegtrinken kann und dann tut es einem leid, dass er schon leer ist.
Probiert habe ich den Wein übrigens in drei Gläsern. Als Referenzglas hält immer das Gabriel-Glas her, der Unimog unter den Weingläsern, in dem der Wein sich relativ spät entfaltet. Hier finden sich zu Beginn ein paar Noten von Austernschalen, kombiniert mit exotischer Sauvignon Blanc-Frucht. Im Zalto-Glas Bordeaux öffnet sich der Wein viel schneller, hier wird der Sauvignon Blanc zur Seite geschoben und es offenbaren sich leicht salzige Noten und vor allem die Würze, die im neuen Zwiesel Wine Classics Chardonnay-Glas etwas länger braucht. Das Glas (links im Bild) ist ziemlich neu auf dem Markt und ich hatte das Glück, die ganze Serie von Zwiesel zum Testen zur Verfügung gestellt zu bekommen, was ich jetzt auch tatsächlich mache. Bei Freunden und Bekannten kommt das Glas mit dem durchaus eigenen Design spontan nicht besonders gut an, da die meisten die moderne Form mit dem Kamin zuoberst stört. Das stört mich beim Chardonnay-Glas nicht, da die Proportionen für mich stimmig sind, bei schlankeren Gläsern wie dem Riesling oder Sauvignon-Glas ist das problematischer, zumal ich dann mit der Nase ziemlich schnell gegen das Glas stoße. Vom Effekt her, von der Auffächerung der Aromen und der dann wieder erfolgenden Konzentration ist das Chardonnay-Glas gelungen, es liegt gut in der Hand, auch wenn es nicht die Leichtigkeit besitzt, die das Zalto-Glas so einmalig macht.
Wenn ich momentan ein Weingut des Toskana favorisiere, dann ist es Querciabella. Nicht nur die Art, wie man sich gibt, das professionelle Auftreten, die klare, feine Gestaltung, das ausgezeichnete Marketing, die konsequent biodynamische Anbauweise, die nachhaltige Wirtschaftsweise sind eine Klasse für sich, es sind vor allem die Weine.
Wenn ich Toskana trinke, dann will ich Eleganz, Finesse und das wenn möglich mit dieser so einzigartigen Form einer deutlichen, doch perfekt eingebundenen Säure. Bei Querciabella bekomme ich das. Schon der Chianti Classico bietet mir viel Genuss. Mehr noch bekomme ich beim diesjährig vorgestellten Turpino, einer modernen Cuvée aus doppelt Cabernet Franc, Syrah und Merlot. Es ist ein moderner Wein, den man hier lanciert hat, keine Frage. alle Weine von Querciabella sind modern. Für Toskana-Puristen ist es vielleicht nicht das Richtige aber was ist heute schon noch Toskana-Purismus?
Hier wird Wein erzeugt, der mit guten Bordeaux oder Burgundern auf einer Augenhöhe liegen will. Das finde auch ich manchmal etwas irritierend denn eigentlich möchte ich gerne die Herkunft eines Weines erahnen können. Hier kann ich das nicht zwingend. Hier kann ich allerdings etwas anderes erahnen, die Herkunft in Bezug auf das Weingut. Das ist auch schon was und, zugegeben, dieser prägnante Stil des Hauses fasziniert mich. Da trifft es sich gut, dass ich auf der Vinitaly das Glück hatte, gleich eine ganze Reihe der beiden Premium-Weine probieren zu dürfen – den vom Cabernet dominierten Camartina und die weiße, Batàr genannte Cuvée aus Chardonnay und Pinot Bianco. Beim Camartina bin ich sehr glücklich, dass ich eine einzelne Flasche 2006er mein Eigen nenne und diesen irgendwann, wenn die Zeit gekommen ist, als Pirat in eine Bordeaux-Probe schleusen werde.
Vom Batàr hätte ich gerne ein paar Flaschen. Diese Cuvée, die jung an so ausgezeichneten Burgunder erinnert wie Batàr an Batard-Montrachet, entwickelt im Laufe der Jahre jedoch einen individuellen Charakter, der nicht zuletzt vom Weißburgunder mitbestimmt wird. Er gehört für mich zu den großen Weißweinen Italiens. Viele gibt es ja eh nicht und mir ist gar nicht so ganz klar, wer diesem Wein in Italien überhaupt das Wasser reichen kann, Angelo Gajas Rossj-Bass, ja, Vie di Romans? Der ein oder andere gereifte Wein der Tenuta Terlan vielleicht? Wer kann, sollte sich mal mit Batàr beschäftigen, 1998 und 2004 machen großen Spaß und haben noch diverse Jahre vor sich, 2007 und 2011 sind natürlich noch viel zu jung.
Auch wenn es wichtig und horizonterweiternd ist, tagelang durch die Hallen von Weinmessen zu laufen und im Dutzend neue Weine zu probieren, so bereiten doch Veranstaltungen, die außerhalb und schön gelegen sind, ein besonderes Vergnügen. Vor allem, wenn sie so gut organisiert sind wie die Leistungsschau der summa13, einer schon seit Jahren im Dunstkreis der Vinitaly stattfindenden, zweitägigen Veranstaltung im Lagederschen Palazzo in Magreid.
Alois Lageder kann man, so denke ich, durchaus als Grandseigneur des Südtiroler Weinbaus bezeichnen. Er gehört auf vielen Gebieten zur Avantgarde. So hat er sehr früh auf Qualität gesetzt, als man anderswo noch dünne, säuerliche Kalterer See erzeugt hat. Lageder hat auf Biodynamie gesetzt, auf nachhaltiges Marketing, wenn ich das hier mal so formulieren darf, und ebenso auf konsequent gute Gestaltung. Kurz gesagt, er hat eine Marke geschaffen, und zwar eine mit einem klaren Markenkern. Er gehört, was heutigen Weinbau angeht, nicht zu den aktuellen Revoluzzern, es ist eher so wie bei den Grünen. Es ist eine Mischung aus konsequenter Ökologie und Wertkonservativität. Wer die junge Alternative oder sogar einen radikalen Ansatz kennen lernen will, der sollte zur vivit gehen oder in die Villa Favorita zur vinnatur. Soweit die Verortung des Ganzen. Wie üblich habe ich nicht alles geschafft an dem Tag und das lag auch daran, dass mittags endlich mal die Sonne heraus kam und man im wunderschönen Innenhof sitzen konnte. Lageder hat uns perfekt bewirtet, anders kann man es nicht sagen.
Was mich am Sonntag auf der summa besonders beeindruckt hat, habe ich fotografisch festgehalten. Trotzdem ein paar Worte, vor allem vor dem Hintergrund, dass ich die darauffolgenden Tage ca 300 italienische Rotweine probiert habe, bis sich mein Mund wie ein geflämmtes Holzfass angefühlt hat: Ich mag sie immer mehr, die frischen, klaren Rotweine, die bewusst auf Barrique verzichten, die trotzdem nicht weniger komplex sind, denen man trotzdem eine lange Lebensdauer unterstellt und deren Saftigkeit zu einer Trinkfreude führt, die ich bei vielen holzbetonten Weinen zunehmend vermisse. So gefielen mir die Moric-Blaufränkisch von Roland Velich besonders gut (außerdem sein Grüner Veltliner, auch wenn er eher schmeckte wie ein mineralischer Grenache blanc aus dem Roussillon, oder vielleicht gerade deshalb) und ebenso die – leider sündhaft teuren – Weine Dominik Hubers von Terroir al Limit. Besonders gefreut hat es mich, über drei reinsortige Cabernet Francs zu stolpern, aktuell meine favorisierte rote Rebsorte, und das ausgerechnet aus Österreich. Bründlmeyer Junior hatte drei Jahrgänge mitgebracht, alle drei sehr individuell aber immer typisch Cabernet Franc. Ich werde mich mal auf die Suche machen müssen, um sie hier zu finden. Bis Sonntag wusste ich nicht einmal von deren Existenz.
Schön auch die Auswahl rund um die Weine: Zum einen ein Südtiroler Whisky-Projekt namens Puni, dessen erste Abfüllungen noch so jung sind, dass sie zwar Single-Malt heißen, aber noch nicht als Whisky bezeichnet werden dürfen. Neben dem im Fass gereiften Stoff gab es einen weißen, der direkt nach dem Brand abgefüllt wird und ausgesprochen frisch, getreidig und fruchtig schmeckt und der bestimmt auch für Cocktails eine ganz spannende Ingredienz sein kann. Dem Projekt, in dem offensichtlich viel Geld steckt – wenn man sich auf der Website den Neubau und die Anlagen anschaut wir das offensichtlich – kann man nur viel Glück wünschen, im krisengeschüttelten Italien.
Probiert werden konnten ebenso heimische Käse, Olivenöle, typische Waren aus Südtiroler Handwerk und auch beispielsweise die Säfte von van Nahmen, die sich in ihrer Individualität ganz ausgezeichnet als Weinersatz – so erwünscht oder notwendig – anbieten. Besonders gefallen haben mir von den Neuheiten die Traubensäfte von Trauben aus dem Bio-Weingut Zwölberich, sowie der nach Marzipan duftende Kirschsaft. Die Säfte wurden im Innenhof ebenso ausgeschenkt wie der exzellente Bisamberg Alte Reben von Wieninger. Was ich nicht fotografiert habe, mir jedoch nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, sind die Veltliner von Fred Loimer und die gereiften Rieslinge von Dr. Bürklin-Wolf – das ist immer wieder ein Genuss. So ist die summa (für mich) nicht der Ort für die großen Neuentdeckungen, es ist der Ort des Wiedersehens und Wiederprobierens von Weinen, die ans Herz gewachsen sind. Das ist einer entspannten Umgebung zu tun, lohnt sich immer.
Weitere Bilder gibt es hier bei flickr.
Letzte Woche viel mir auf, dass das 600ste Posting vor der Tür steht. Da dachte ich, ich könnte was Längeres schreiben, doch dann war wieder zu wenig Zeit und dann stauen sich wieder die Beiträge und dann musste es einfach weiter gehen. Doch wollte ich zum kleinen Jubiläum nicht irgendeinen Weinen nehmen, es sollte schon etwas Besonderes sein.
Diesen besonderen Wein habe ich gefunden. Er stammt von Rita und Rudolf Trossen. Die beiden gehören zum Urgestein der deutschen Bioweinszene. Sie sind noch nicht so alt wie der Schiefer, auf dem sie stehen, doch so lange ich mich mit biologisch erzeugten Weinen beschäftige, sind sie da. Um präzise zu sein, haben sie mit der biodynamischen Form der Bewirtschaftung ihrer Weinberge Ende der 70er Jahre angefangen. Die Etiketten (nicht dieses hier sondern die anderen) sehen immer noch so aus wie damals, als sie im Bioladen meines Onkels standen und die Trossens haben woll nicht den Eindruck, dass sich das ändern müsste. Es ist ihr Stil und noch viel wichtiger als das Etikett ist eh das, was in der Flasche ist.
Um sie herum hat sich viel geändert. Die einstmals belächelte Bioweinszene ist genauso wie die grüne Partei inmitten der Gesellschaft angelangt, einer der früher Mitstreiter an der Mosel, Clemens Busch hat längst designte Etiketten und ist Mitglied im Verband deutscher Prädikatsweingüter. Neben der mittlerweile etablierten Bioweinszene die entsprechend ihren Weg aus den Bioläden der Nation in die Weinläden geschafft hat und der sich diverse Spitzenwinzer angeschlossen haben, weil sie erkennen mussten, dass Qualität, besondere Qualität auf Dauer nur mit biologisch oder biodynamisch bewirtschafteten Weinbergen zu bewerkstelligen ist (selbst wenn manche davon sich nicht zertifizieren lassen und hier und da dann doch die Giftspritze rausholen, ist die Richtung doch klar).
Neben den Etablierten hat sich derweil eine neue, unangepasste Szene gebildet. Ähnlich wie die Grünen zu den Konservativen gehören und ein bunt gemischter Haufen Piraten die Szene teils professionell, teils dilletantisch aufgemischt hat, gibt es eine Winzerbewegung, die sich Vin Naturel auf die Fahnen geschrieben haben und ähnlich agieren wie Piraten, denn auch hier gibt es viel Licht und vielleicht noch mehr Schatten.
Vin Naturel also, Wein, der so natürlich wie möglich produziert werden soll. Da würden jetzt die aus der etablierten Szene sagen: Hey, das machen wir doch schon längst, aber so einfach ist das nicht. Der klassische Biowein ist einer, der im Weinberg nach ökologischen Kriterien erzeugte wurde. Im Keller durfte man, zumindest wenn man die EU-Standards zur Hand nimmt, ziemlich viel machen, was einer, der Vin Naturel machen will als das Böse deklarieren würde. Dass Verbände wie Ecovin oder Demeter schärfer Richtlinien haben, steht auf einem anderen Blatt. Was jedoch auch dort möglich ist (und ich bewerte das nicht, ich sage es nur), ist der Einsatz von Reinzuchthefen, ist das Schwefeln und Schönen und Filtern. All das versucht der Hersteller von Vin Naturel zu vermeiden. Entsprechend anders sind die Weine. Zumal dann, wenn sie auch noch in eine Richtung ausgebaut werden, die sich ein wenig mit der Vin Naturel-Szene überschneidet. Es ist die der Orange-Wines, Weine also, die eine kupferfarbene bis orangene Färbung haben, weil die Weine, es handelt sich hier um Weißweine, so ausgebaut wurden wie Rotweine. Die Trauben wurden also angepresst und der Saft auf der Maische belassen. Die Farbstoff der Beerenhäute sammelt sich genauso im Wein wie der Extrakt. Beide Szenen bedürfen noch einmal eines genaueren Blicks. Doch kurz gesagt, die Vin Naturel Szene ist in Frankreich und Italien ausgesprochen aktiv, hier weniger. Genauer gesagt habe ich noch keinen solchen Wein aus deutschen Landen getrunken, auch wenn es vereinzelt welche geben mag.
Doch zurück zu diesem Wein. Es handelt sich um den Schieferstern 2011 Purus, ein Experimentalwein, den die Trossens hier in kleiner Stückzahl anbieten. Ein Experiment, das darauf basiert, dass Freunde und Kunden immer wieder mit Vin Naturels ankamen, mit archaischen Weinen aus dem Jura oder den Savoien und die Trossens sich immer intensiver mit dieser so anderen Art von Wein beschäftigt haben. Dieser Wein wird in Flaschen mit Kronkorken abgefüllt und wurde nicht geschwefelt. Wenn mein Urin so aussähe wie die Farbe des Weines, würde ich mir ernsthaft Sorgen über eine Lebererkrankung machen. Es mischt sich ein Karamellton in die Brillanz des Rieslings, der auf dem Etikett als Landwein von der Mosel bezeichnet wird. Und diesen Karamellton hat man auch in der Nase, wenn man zum ersten Mal am Glas schnuppert. Ich habe den Wein vor Genuss doppelt dekantiert weil ich dachte, er ist noch jung und er kann ein wenig Luft gebrauchen. Das war eine gute Wahl, denn der Wein präsentierte sich von Anfang an offen. Feines Karamell bei einem trockenen Riesling in der Nase zu haben, ist schon mal ungewöhnlich. Dazu gesellt sich ein Hefeton und einer von Bitterorangen und Limetten. Und je länger ich schnuppere, desto intensiver wird der Wein. Er hat so viel mit Riesling zu tun wie Sepp Musters Gräfin oder Erde mit Sauvignon Blanc. Nicht viel. Es ist eine ganz andere Welt, in die man hier eintaucht. Woran ich zunehmend mehr denke, als an deutsche Weine ist Sherry. Frischer Sherry mit Noten von unreifen Walnüssen, Mandeln, frischen Haselnüssen. Moselrieslingfrucht? Fehlanzeige. Höchstens ein frischer Apfel schaut mal vorbei, ansonsten eher Blüten und Kräuter. Immer noch schrecke ich davor zurück, den Wein zu probieren. Was erwartet mich bei einer solchen Duftkomposition am Gaumen?
Der Wein, der Purus heißt, ist tatsächlich pur. Das, was er an Klarheit und Brillanz in seiner etwas schmutzigen Farbe nicht hat, hat er am Gaumen. Er ist präzise, fast messerscharf und weich zugleich. Ein Gebirgsbach mit weichem Wasser. Rebensaft mit einer begeisternden Struktur, ein Wein, der nicht mehr so jung wirkt, wie sein Alter vermuten ließe. Schiefer kann ich hier nicht schmecken, eher Stein im allgemeinen. Eine Grundidee von Stein und Mineralik. Der Wein erinnert mich am Gaumen an Weine des Champagnerherstellers David Léclapart, vor allem an dessen Grundweine. Es ist die erstaunliche Harmonie zwischen Kraft und Wärme und der klaren Säure und Agilität, die mich überrascht hat. Und noch viel mehr ist es der urwüchsige Charakter, der, wie gesagt, mit dem, was ich von Riesling erwarte nicht viel zu tun hat. Aber warum sollten die eigenen Erwartungen immer erfüllt werden? Zumal, wenn sie so befriedigend in eine andere Richtung gelenkt werden. Es wäre auf Dauer langweilig.