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Mixtour: Uhlen, G-Max, Loibenberg und zwei rote Überraschungen

Weinwochen gibt es, an die erinnere ich mich immer gerne zurück. Eine solche fing kürzlich mit einer ziemlich verschnupften Prowein an. Sonntags war ich gar nicht da, am Montag habe ich nach der Bordeauxprobe abgebrochen, erst der letzte Veranstaltungstag hat wirklich was gebracht und da musste ich mich dann sputen, um wenigstens mein Basis-Programm erledigen zu können.

Am Donnerstag dieser Woche durfte ich dann abends in der Vinothek in Essen die bereits beschriebene 6-Liter-Flasche Dominus 1991 öffnen, eine Offenbarung genauso wie der 2002 Araujo Estate. Dabei habe ich dann in jenem Artikel den hervorragenden 2001er Cos d’Estournel ebensowenig erwähnt wie den Tom Eddy Napa Cabernet und den 1986er Bella Oaks von Heitz Cellars. Jeder für sich ein charaktervoller Wein, jedoch überragt von diesen beiden Spitzenweinen.

Worauf ich hinaus möchte ich die Probe, die mich dann am Samstag dieser Weinwoche noch erwartet hat. Fünf gereifte Weine unbekannter Provinienz im kleinen Kreis genossen. Fünf Stunden mit fünf Weinen. Das können viele nicht nachvollziehen und es mag auch ziemnlich nerdig sein aber ich liebe solche Abende. Raus aus dem Alltag für diese paar Stunden und rein in die Weine.

Der Abend begann mit drei Weißweinen. Und ich sage es vorweg, je länger wir uns mit den Weinen beschäftigt haben, umso unsicherer bin ich geworden. Am Anfang stand für mich fest, die ersten beiden sind Rieslinge und der dritte kommt von der Loire. Zwischenzeitlich habe ich den zweiten für einen Chardonnay aus dem Burgund gehalten ohne die Holzkomponente. Das hat also nicht gepasst und je länger der Wein sich entwickelt hat, desto mehr war ich wieder beim Riesling. Kalkigem Riesling. Riesling, der nicht zuletzt durch Kräuter und Zitrusaromen dominiert wurde. Leicht nussig war er, crémig, aber nicht zu stark. In gwissem Maße schlank und trotzdem mit ausgezeichneter Dichte und Länge und beeindruckender Harmonie. Wir waren uns zwar alle nicht sicher, was wir da im Glas hatten, aber wir waren uns einig darüber, dass dies ein großer Wein war. Daran bestand kein Zweifel. Es war der erste G-Max vom Klauspeter Keller: der 2000er Hubacker Max.

Eine ganz andere Stilistik fand sich naturgemäß im 2000er Winninger Uhlen von Heymann-Löwenstein. Eine goldgelbe, trockene Auslese stand neben dem eher hellgelben, absolut frischen Max. So goldgelb die Farbe, so klar auch die Alterungsnoten im Wein. Nicht übermächtig aber klar präsent: etwas schwarzer Tee, ein wenig Honig, leicht süße Butter. In der Nase beeindruckt der Wein deutlich stärker als der zurückhaltende Max. Der Uhlen wartet zu Beginn mit deutlichen Moccatönen auf, das Ganze geht über in eine Blütenaromatik und wird dann abgelöst von Aprikosen und Mirabellen in die sich zunehmend ein paar Kumquats mischen. Die finden sich neben den Alterungsnoten auch auf der Zunge. Neben reifem Apfel und dem Steinobst. Der Wein ist breiter als der G-Max, auch weniger mineralisch, er wirkt eher wieder der große, eteas dicklaibige Bruder des durchtrainierten Gesellen vom Hubacker. Trotzdem ein wunderschöner Wein, auch hier findet sich eine schöne Länge und viel Balance und Harmonie.

Warum ich bei 2003er Veltliner Smaragd Ried Loibenberg von Emmrich Knoll an gereiften Chenin Blanc gedacht habe, weiss ich noch genau. Es war die Aromatik, das Mürbe gereifter Äpfel und Birnen, gerade der Birnen, die mich auf den Holzweg geführt haben. Zu dieser mürben Furcht gesellt sich eine feine Kräuteraromatik und, ganz amüsant, Vanillequark, speziell in der Nase. Mir gefiel die Mineralität dieses Weines, die Dichte, das leichte Aufschimmern von Süßholz am Gaumen. Doch leider findet sich eben dort, am Gaumen, etwas Alkoholisches und ein leichter Mangel an Säure. Das dürfte dem Jahrgang geschuldet sein und lässt den Veltliner im Trio etwas hinterherhecheln.

Die beiden Rotweine waren für mich, eigentlich für uns alle was das Raten anging ein Schuss in den Ofen. Bei beiden Weinen bin ich von Spätburgunder ausgegangen, beim ersten von deutschen Spätburgunder, den zweiten habe ich nach Frankreich einsortiert. Aber Pustekuchen, nix war’s mit Pinot.

Vielmehr hatten wir einen lang gereiften 1985er Brunello di Montalcino im Glas. eine Riserva des Weingutes Pertimali. Dessen Besitzer, die Sassettis, besitzen 16 Hektar Rebberge in den Hügellagen des Montosoli und gehörten Ende der 60er mit zu den Gründern des Consorzio del Brunello di Montalcino. Heute gehört Ihnen ebenso das Maremma-Weingut La Querciolina.

Dieser Brunello ist gereift, vollreif gewissermaßen, jedoch kein bisschen müde. Die Fruchtaromen sind in der Nase nur noch in Form eingekochter dunkler Früchte zu erahnen, hier bestimmen Tabak -ich denke sogar an Latakia, diese orientalisch-würzige Sorte -, Leder und Rauch die Palette. Die Früchte finden sich erst am Gaumen. die Nase ist dicht und eindringlich und es dauert lange, bis ich mich entschließe, einen Schluck zu nehmen. Dabei enttäuscht der Wein am Gaumen kein bisschen. Dichte Frucht, Brombeer vor allem aber auch ein wenig Erdbeere verweben sich mit weichem Holz, Kokok- und Vanillearomen. Die Tannine sind fein geschliffen, der Wein hat Länge und Dichte und macht enorm viel Spaß. ein Freund unseres Gastgebers hat den Wein dieses nicht übermäßig bekannten Weingutes damals gleich kistenweise gekauft, so überzeugt war er von der Jahrgangsqualität. er hat sich nicht getäuscht.

Mindestens genau so beeindruckend ist der 1982er Riserva la Serra di la Morra, ein Barolo von Gianni Voerzio. Ich habe bisher mit solch gealterten klassischen Barolo keine große Erfahrung, aber dieser Wein hat mich sehr beeindruckt. Das ist das Beste, was ich persönlich bisher aus der Gegend getrunken habe. 1982 und kein bisschen müde. Der Wein hat noch Kraft für weitere zwanzig Jahre. Die Frucht wirkt so frisch wie ein wenige Jahre alter Wein. Wir hätten übrigens bei beiden Weine nie gedacht, dass da was aus den 80ern stammen könnte, so frisch wirkten beide.

Auch hier findet sich Rauch, etwas Tabak und Leder in der Nase, mehr noch aber dominiert etwas Kalkiges. Ein wenig Jod kommt hinzu, etwas Lakritz, Bitterschokolade und eingelegte Sauerkirsche. Die findet sich in Likörform, ja in Kompottform auch am Gaumen wieder. Zusammen mit Mocca- und dunkeln Schokoladentönen, dabei bleibt der Wein jedoch mineralisch-kühl. Ein langer Wein der vor Selbstbewußtsein strotzt, eine beeindruckende Gestalt.

Pinot isses, dachte ich…

Miniatur Weinblogger-Treffen rund um eine Eselshaut

Kürzlich hatte ich endlich mal die Möglichkeit, Torsten (Allem Anfang…) und Matthias (chezmatze) zu treffen und wir hatten einen ausgesprochen kurzweiligen Abend mit einigen schönen Weinen. Auch wenn Torsten direkt um die Ecke in Köln wohnt hatte es bisher nie geklappt. Nun hat er uns zu Ehren eine Müller-Catoir 1994er Rieslaner Mussbacher Eselshaut Trockenbeerenauslese geöffnet.

Bevor ich jedoch zu dieser Essenz komme stehen noch einige Weine im Weg, die es zu probieren galt bevor der Nektar uns erwartete. Meine 2004er Riesling Spätlese* aus dem Bopparder Hamm Feuerlay von Florian Weingart war nicht unbedringt der Knüller an diesem Abend (ich habe ihn hier schon mal beschrieben und da hat er mir besser gefallen), genauso wenig der Pinot Kappelrodeck 2006 von der Hex vom Dasenstein. Spannender, freakiger auf jeden Fall kam der Riesling BRUCK 2008 von Veyder-Malberg daher. Ein geradezu störischer, karger Riesling von calvinistisch-strenger Schönheit, der im Laufe des Abends eine klare, mineralische Blüte entwickelte und für mich der erste und auch der letzte Wein des Abends war.

Von diesem Wein, den Matthias mitgebracht hatte, hatte ich bisher, ich muss es bekennen, nicht gehört. Das Weingut liegt in der Wachau und Peter Veyder-Malberg hat hier einige der steilsten, von der Aufgabe bedrohte Terrassen mit altem Rebbestand erworben um grünen Veltliner und Riesling anzubauen.

Peter Veyder-Malberg tummelt sich seit Anfang der Neunziger im Weingeschäft, nachdem er in der Werbung gearbeitet hat. Studiert hat er am Napa Valley College und in Wädenswill in der Schweiz, wurde in der Pine Ridge Winery, der Fattoria de Montemaggio und beim Schwarzen Adler ausgebildet und hat nicht zuletzt 14 Jahre lang als Betriebsleiter beim Grafen Hardegg im Weinviertel gearbeitet und die dortige Umstellung auf Biodynamie vollzogen.

Der Riesling aus der Lage »Bruck« stammt aus der Gemeinde Viessling, gilt in diesem Ort als die wärmste Lage und ist trotzdem eine der kühlsten und höchsten in der gesamten Wachau. Der Wein besitzt bei 8,1 Gramm Säure erstaunliche 6,7 Gramm Restzucker, die man vielleicht ein wenig in der etwas fruchtsüßlichen Nase erahnen kann. Am Gaumen jedoch verbindet sie sich vortrefflich mit der Säure und hebt sich mehr oder weniger gegenseitig auf. Es bleibt eine klare Mineralität, eine strenge Würze, eine feine Frucht und eine stimmige Balance.

Pinot Noir von der Mosel bleibt für mich ein Exot und liegt nicht unbedingt auf meiner Weinlandschaftskarte. Dass dort trotzdem gute Spätburgunder gemacht werden beweist Stefan Steinmetz aus Wehr. Wehr liegt dort, wo die gegenüberliegende Seite der Mosel schon luxemburgisch ist. Hier bestimmt der Muschekalk den Boden und die Bedeutung des Rieslings tritt hier hinter Bugundersorten und dem Elbling zurück.

Dies ist der erste Wein, den ich von Stefan Steinmetz probiert habe und ich werde ihn mal im Auge behalten. Denn, was ich gerade im im demokratischen Weinbuchso lese: Es soll bei ihm guten Elbling geben (ich dachte ja immer, das wäre ein Widerspruch in sich) und auch der Sekt hat wohl so einiges für sich. Der Spätburgunder 2008 muss sich in der Kategorie der Weine um die 10 Euro herumschlagen und dürfte es dort nicht einfach haben, sich zu behaupten. Er hat ne schöne Frucht und leichten Holzeinsatz, insgesamt wirkt das alles noch ein wenig vordergründig, stimmt aber hoffnungsfroh.

Einen feinen reinsortigen Cabernet Franc hat uns Matthias mit der Cuvée du Clos du Chêne Vert von Charles Joguet mitgebracht. Dieser Chinon aus Monopollage, dessen durchtränkter Korken Schlimmes erahnen ließ war hervorragend in Form. Keine Spur von Kork oder Muff. Stattdessen Chinon par excellence. Joguet gehört eindeutig zu den Qualitäts-Vorreitern im Chinon, gehörte mit zu denen ersten, die in den Sechzigern und Siebzigern ihre eigenen Weine auf den Markt gebracht haben, alles andere war damals Fassverkauf. Er hat Erträge reduziert und begonnen, von Hand zu ernten, ja, er hat sogar einen Rebhang mit wurzelechten Reben bestückt.

Im Glas bot sich eine Balance aus reifen dunklen Früchten und Holz, Tertiäraromen von Leder und etwas Sandelholz. Ich hätte diesen Duft den ganzen Abend weiter inhalieren können. Am Gaumen ebenfalls die dunklen Früchte, schwarze Johannisbeere, Brombeeren aber im Besonderen, etwas schwarze Kirsche rundet ab, dazu wieder feiner Holzeinsatz, Paprika, Tomatenessenz, etwas Salmiak. Hinten raus vielleicht ein klein wenig kurz, aber das trübt das Gesamtbild kaum.

Einen 2000er Clos de Vougeot Grand Cru von Jacques Prieur hat man nun auch nicht alle Tage im Glas. Dieser Abend hatte es in sich auf dem Weg zur Rieslaner TBA. Als steinig kann man diesen Pfad kaum bezeichnen. Den Stein schmeckte man höchstens in diesem Burgunder. Den Stein, die Frucht, die Kräuter.

Die Domaine Jacques Prieur, zur Hälfte im Besitz des Handelshauses Antonin Rodet, besitzt 20.68 Hektar Primeur und Grand Cru sowie Monopol-Lagen im Burgund und gehört damit zu den Domainen mit der größten Range an Spitzenweinen.

Auf Burgund wäre ich bei diesem Wein nicht gekommen, den Wein hat Torsten uns verdeckt eingeschenkt. Matthias lag mit deutschem Spätburgunder ebenso daneben wie ich mit kalifornischem Pinot. Mich hat die Wucht, die Kraft in der Nase überrascht und erinnerte mich durchaus an manchen Russian River Pinot. Genauso aber fiel mir die 15.5%-Alkoholbombe des 2003er Spätburgunder von Künstler wieder ein, die wir kürzlich in der Bonner Weinrunde dabei hatten.

Erstaunlich, dass der 2000er Vougeot dann nur moderate 13% in sich trug und doch so massiv wirkte, mit einem etwas brandigen Abgang. Darüber hinaus jedoch barg dieser Wein eine große Strahlkraft und Finesse. Frisch, kräftig, mit viel Pfeffer, roten und dunklen Früchten, feiner Kräuterwürze und Minzaromatik und einer feinen Länge. Schönes Burgund!

Ach ja, und dann die Mussbacher Eselshaut. Die kleine Flasche wirkt wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Nicht, dass es das Weingut Müller-Catoir nicht mehr gibt, nein, das steht weiter mit in der Spitze der Pfalz und produziert bemerkenswerte Rieslinge und, ja, nicht zuletzt edelsüße Rieslaner. Nur aus der Lage Mussbacher Eselshaut gibt es keinen mehr, nur aus dem Herzog und Schlössel.

Wer aus Deutschland nur Beerenauslesen vom Riesling oder vielleicht Huxelrebe kennt wird überrrascht sein, Rieslaner hat eine ordentliche Säure zu bieten. Diese Neuzüchtung von 1921 (Silvaner x Riesling) führt mit nicht mal 90 Hektar ein Schattendasein, mehr noch als Scheu- und Huxelrebe. Was Schade ist, im edelsüssen Bereiche hat sie große Qualitäten, ich habe aber auch schon gute trockene Weine getrunken. Ich weiss allerdings nicht, ob überhaupt noch ein Winzer trockene Rieslaner ausbaut.

Man sieht es an der Farbe, dieser Wein hat ein paar Jahre auf dem Buckel, er hat schon in den ersten Jahren eine tief orangene Farbe besessen und genau so tief nach vollreifen Aprikosen geduftet haben, sagt Torsten. Nun befindet er sich auf dem Weg zum gereiften Wein, die Aprikose steht als Frucht immer noch deutlich im Vordergrund, jetzt aber eher als kandiertes Trockenobst. Hinzu kommt der Sud schwarzen Tees und der Duft in Zucker eingelegter Quitten. Der Wein ist herrlich stoffig im Mund. Dicht, mit viel Fruchtsüße und ganz präsenter, druckvoller Säure. Das ist hervorragend, die Säure hält die Frucht so schön im Zaum, dass der 94er immer noch zu vibrieren scheint. Im Nachhall dieser Fruchtexplosion kann man sich dann durchaus verlieren.

Fünfzehn mal Sauvignon Blanc

Sauvignon Blanc nimmt man meist irgendwie so mit, finde ich. Den bestellt man mal mehr oder weniger zufällig im Restaurant oder kauft hier oder da mal ein paar Flaschen. Irre ich mich? Natürlich gibt es jene, die gerne einen vernünftigen Sancerre trinken oder ein Flaschenregal voller Weine von Didier Dagueneau besitzen. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Vorlieben selten sind.

Fest steht, dass der Sauvignon Blanc mit zu den Cépages Nobles, den edlen Rebsorten dieser Welt zählt und wahscheinlich aus Traminer x Chenin Blanc entstanden ist. Neben den klassischen Gebieten an der Loire wird er gerade in Neuseeland und Südafrika mit Erfolg angebaut und nach Europa exportiert während hier immer mehr Massenertragswinzer den Sauvignon Blanc als Rebsorte sehen, die einfach zu handhaben ist und sich zunehmend gut verkauft.

Auf eine Stufe mit großen Rieslingen oder Chardonnay dürften ihn die wenigsten stellen. Wie gut Sauvignon Blanc sein kann wollten wir daher mal in unserem Bonner Weinzirkel näher untersuchen und haben uns am Samstag 15 verschiedenen SBs gewidmet, vornehmlich aus Europa.

Stefan Sander, Sauvignon Blanc 2009, Thomas Pichler Sauvignon »Puiten« 2009, Wagner-Stempel Sauvignon Blanc 2008

Über das Weingut Sander habe ich schon mal an anderer Stelle ausführlicher berichtet, als Einstiegswein in die Runde fand ich Stefan Sanders Sauvignon Blanc genau richtig. Der Wein wirkt frisch und belebend, die Spätlese perlt noch leicht, wirkt pfeffrig und dicht und macht es mit seiner leichten Restsüße den meisten in der Runde einfach, den Wein zu mögen. Zum Schluss des Abends noch mal verkostet hat der Wein deutlich an Vielfalt gewonnen, Steinobst mischt sich mit Maracuja und das Pfefferl bleibt im Glas.

Auf Thomas Pichlers Weine bin ich durch Zufall aufmerksam geworden. Ein Praktikant im Büro sprach von ihm, es ist so in etwa der Nachbar seiner Eltern und er schwärmte von den Weinen die Pichler dort in Kaltern am See vinifiziert. Der  Puiten wirkt deutlich grasiger als der rheinhessische SB, etwas grün noch und vor allem ein wenig brandig und bitter in der Kehle. Fiel er zu Beginn in der Runde durch, hat er sich im Laufe des Abends durchaus entwickelt und irgendwann fünf Stunden später hat er das Brandige ein wenig verloren.

Auch Daniel Wagner habe ich hier schon häufiger vorgestellt und ich kam nicht umhin, einen Wein eines meiner Lieblingswinzer aus Rheinhessen mit in die Runde zu werfen. Er macht nur eine Qualitätsstufe Sauvignon Blanc, diese aber hat mir von Anfang an gefallen. Der 2008er SB wirkt schon in der Nase sehr cremig – was sich am Gaumen bewahrheitet. Im Gegensatz zu Sanders eher fruchtbetonten und Pichlers eher grasigen Sauvignon liegt der Fokus bei Wagners Wein beim leicht gekochten Gemüse mit einem Hauch Stachelbeeren und Johannisbeeren. Dabei hat der Wein viel Kraft und Volumen und ist ebenfalls mit einer ganz leichten Restsüße ausgestattet, was nicht jedem am Tisch gefiel.

Weingut Aufricht, Sauvignon Blanc »Lilie« 2008, Johner Estate, »Gladstone« Sauvignon 2008, Reiner Schnaitmann Sauvignon Blanc *** 2008

Aufrichts Sauvignon Blanc ist bekannt und wird geschätzt. Ich kann diese Wertschätzung beim 2008er Lilien nicht wirklich unterstreichen. Der Wein wirkt aufgesetzt, die Komponenten passen nicht ganz zusammen, die Stachelbeernote steht zu stark im Vordergrund, dahinter kommt etwas gekochtes Gemüse und leichtes Gewürz, im Abgang allerdings hat dieser Wein etwas Alkoholisch-Bitteres, was er den ganzen Abend nicht verliert und mir auch schon bei anderen Verkostungen aufgefallen war.

Als Pirat hatte ich an diese Stelle den 2008er Gladstone von Johner Estate, Neuseeland gestellt. Es ist also gewissermaßen nur ein halber Pirat denn der Macher hat schon einen deutschen Weinstil. Nach Aufrichts und vor Schnaitmanns  SB ist beim Gladstone keiner darauf gekommen, dass er aus fremnden Ländern kommen könne. Der Wein besitzt ein feine, kühle Mineralik, wir vermuteten ein höheres Alter, nicht weil der Wein schlaft wirkte sondern eher einige Alterungsnoten in der Nase darauf hindeuteten. Geradlinig wirkt er, mit leichter, aber nicht störender Bitternote, wie etwas Medizinisch-Bitter-Kräutriges. Ein Neuweltwein der überhaupt nicht den Vorurteilen und auch Erfahrungen entspricht, die ich mit neuseeländischen Sauvignons bisher gemacht habe.

Rainer Schnaitmann gehört ja zu den Schooting-Stars der deutschen Weinszene und bis vor wenigen Jahren hätte man kaum vermutet, dass im Raum Stuttgart-Fellbach mal große Weine entstehen würden. Schnaitmann hat bewiesen, dass das geht und seine Spätburgunder und Lemberger können wirklich beeindruckend sein. Bekannt ist er aber auch für seinen Drei-Sterne-Sauvignon-Blanc. Diesen allerdings hätte ich eher bei den burgundischen Chardonnay verortet. Die Nase ist völlig untypisch, es sind eher gelbe, reife Birnen, die hier wirken, Karamell-Créme und Kräuter. Der Wein wirkte an dem Abend ein klein wenig dropsig-aufgesetzt, zwar gut, lang, dicht, aber nicht wirklich fein – was uns alle etwas überrascht hat.


Domaine Vacheron, Sancerre »Les Romains« 2006, Alphonse Mellot »La Moussière« 2005, Tenuta Terlan »Quarz« 2007

Die Domaine de Vacheron, ein biodynamisch arbeitender, ziemlich großer (80 Hektar) Betrieb, hier schon mal erwähnt, liegt im Herzen des Gebietes, im Dörfchen Sancerre. Die Vacherons produzieren ausgezeichnete roten Sancerre genauso wie weltweit anerkannte weiße Sancerre. Der Les Romains ist das Flagschiff des Betriebes, aus den besten Silex-Lagen ausgewählt und im Holzfass ausgebaut. Es ist der bisher feinste, subtilste Wein des Abends, sechs Stunden vorher geöffnet merkt man, dass er noch gut einen Tag mehr hätte haben können. Der Les Romains duftet nach Stein und Kräutern, im Mund findet sich neben Fruchtnoten etwas Salz auf Feuerstein, im Gegensatz zu allen bisherigen Weinen ist er dabei knochentrocken. Ein Sauvignon Blanc für Fortgeschrittene, würde ich sagen, leise, fein, präzise, dicht und lang, großartig.

Aus dem selben Gebiet stammt der – ebenfalls biodynamisch ausgebaute – La Moussière von Alphonse Mellot. Mellot, der auch als Mister Sancerre bezeichnet wird, hat einen deutlichen Anteil am neuen Aufstieg der Appellation. Sein Wein hat stilistisch nichts mit dem zu tun, was die Vacherons unter biodynamisch ausgebautem Sancerre verstehen. Mellot gehört zu jenen, die ihre Weine oxydieren lassen, was man mögen muss, denn es führt zu einer expressiven, dichten Nase vollreifer Birnen und gelber Äpfel, zu dem sich hier ein Hauch Grapefruit gesellt, unterlegt mit etwas Silex. Das ist ein massiver, robuster Wein, der im Laufe des Abends noch gewinnt, zu Beginn jedoch – trotz früher Öffnung – etwas kantig und trotz seiner Alters fast noch etwas unreif wirkt, wobei er es neben der Subtilität des Vacheron auch wirklich schwer hat.

Der Quarz der Tenuta Terlan, Jahrgang 2007, fällt in diesem Flight deutlich hintenrüber. In der Nase Stachelbeer, Cassis, Stein und Gras, im Mund zu viel Alkohol. Schade, der 2006er Jahrgang war deutlich besser und ich glaube auch nicht, dass sich dieser ganze Alkohol noch einbinden wird.

Gross, Sauvignon Blanc »Ratscher Nussberg« 2007 – Tement »Zieregg« 2007 – Lis Neris »Picol« 2007

Der dritte Wein im Flight, der Picol von Lis Neris passt stilistisch viel eher zum Quarz der Tenuta Terlan, die beiden Weine aus der Steiermark dagegen sind eine Welt für sich. Im Lis Neris aus dem Friaul finden sich wieder die Aromen von Stachelbeere, Cassis und ein wenig kräutrige Mineralik, allerdings fehlt hier glücklicherweise die alkoholische Komponente. Insgesamt aber lässt mich der Wein eher kalt.

Ganz anders der Ratscher Nussberg und die Steigerung, der Zieregg von Tement. Ich habe bisher nicht viele Sauvignon Blancs auf diesem Niveau getrunken und sie zeigen auch noch nicht in voller Breite, was sie wirklich drauf haben, dazu hätte man sie länger lagern müssen aber das hier ist schon großes Kino. Im Ratscher Nussberg findet sich von Allem reichlich. Diese Steiermarkschen Weine haben nichts mit der Subtilität eines Vacheron zu tun. Neben einer Veilchen-Laktritznote und Gemüse findet sich Holz, noch nicht ganz perfekt eingebunden aber dafür ist der Wein noch etwas zu jung, viel erdige Mineralik und ein wenig Pfeffer. Der Wein ist saftig, voll und massiv und zeigt, dass das Weingut Gross auch zu den Großen in Österreich gehört.

Der Zieregg von Tement, ebenfalls aus der Süd-Steiermark, wird oft als bester Sauvignon Blanc Österreichs benannt. Das mag sein denn dieser Wein ist beeindruckend gut. auch hier merkt man direkt, welches Potential hinter der Klasse, die er jetzt schon hat, noch schlummert. Er ist erst drei Jährchen alt und dürfte das Potential für ein gutes Jahrzehnt in sich tragen. Veilchen, Blumen, Vanille und exotische Früchte mischen sich in einer Balance aus Wucht und Finesse, Créme und Säure halten sich die Waage und zum Schluss kommt noch eine ganze Ladung frischer Äpfel angerauscht. Klasse!

Angelo Gaja, »Alteni di Brassica« 2006, Langhe – Manincor »Lieben Aich« 2006, Alto Adige – Didier Daguenau »Silex« 2006, Pouilly-Fumé

Wir waren uns ja nicht sicher, ober wir diesen teuren Wein – so um die fuffzig Euro – mit einbauen sollten, wir hatten so ein wenig Bedenken, ob das Verhältnis stimmen würde. Dagueneau ist ja nochmals teurer, dafür ist er legendär, was man von Gajas SB nun im Gegensatz zu seinen Barolo und Barbaresco nicht behaupten kann – dafür ist alles, was er macht immer teuer.

Und der Wein? Ja, er ist teuer und ich würde ihn mir für den Preis nicht kaufen. Aber, er ist gut, sehr gut, eher zurückhaltend in der Nase mit ein wenig Limonenschale und etwas Stein wirkt der Wein von Beginn an, wir hatten die letzten drei Weine karaffiert, crémig und gleichzeitig säurebetont fordernd mit einem ganz eigenen Charakter der sich weder zu den Loire-Getreuen gesellt noch zur deutschsprachigen Gemeinde.

Kürzlich bin ich bei meiner Recherche über Thomas TeibertDomaine de l’Horizon, auf den Sauvignon Blanc »Lieben Aich« gestoßen. Thomas Teibert war Kellermeister bei Manincor, dem Weingut der Grafen Goess-Enzenberg, einem biologisch-dynamisch arbeitenden Südtiroler Gut mit viel Renomée und er hat auch Jahrgänge des Lieben Aich verantwortet, den Kritiker zum besten Sauvignon Blanc Italiens zählen. Die Rebstöcke aus der Lage Ansitz Liebenaich in Terlan stehen auf sandhaltigem Lehmboden mit Porphyruntergrund, der Wein wird spontanvergoren und in verschieden großen Fässern ausgebaut (300 – 500 Liter).
Der Wein greift das auf, was ich bei Mellot beschrieben hatte. Es findet sich eine oxydative Note mit dem Duft vollreifer Birnenquitten, mürben Apfels, Holunder und, etwas später, tropischer Früchte wie Kiwi und Papaya. Das ist ein mollig-runder Wein auf höchstem Niveau der voll ist und dicht, aber nicht zu opulent, nicht zu schwer, ich ertrinke nicht in diesen vollreifen Obstnoten zu denen sich noch eine leichte Honignote gesellt denn die Mineralik und Säure steht fast perfekt dagegen.

Was für ein Kontrast bildet wiederum der Silex von Didier Dagueneau! Und wie begeisternd sind die letzten beiden Flights, den Lis Neris mal ausgenommen.
Der Silex, ca. 10 Stunden vorher geöffnet, nach 5 Stunden karaffiert, geht, so scheint es, im Glas noch weitere Entwicklungsstufen durch. Zunächst wirkt er wild und verschlossen, leichte Spontanvergährungsnoten stehen im Vordergrund. Dann öffnen sich Zitrone und Limonen, etwas grüne Bohnen und ein Hauch von Kräutern und ein wenig Rauch und Pfeffer. Die Struktur, die dieser Wein hat ist beeindruckend und schwer zu fassen. Die Aromenpalette in ihrer ganzen Breite mal beiseite gelassen ist das Eine; die Dichte, der Druck, die unglaubliche Länge, die Mineralität ist das Andere. Und die Präzision des Ganzen macht den Wein groß. Man merkt, was für ein Typ Mensch Dagueneau gewesen sein muss, wenn man diesen Wein trinkt.

Tja. Sauvignon Blanc…

Überraschend, wie vielschichtig diese Rebsorte ist. Die am Samstag verkosteten Weine hatten teils so überhaupt nichts miteinander zu tun als wären es grundverschiedene Rebsorten. Das verwundert nicht grundsätzlich, hängt es doch wie immer ab von Boden, Mikroklima und besonders an der Art des Ausbaus. Und doch, bei Riesling beispielsweise kommt es sehr selten vor, dass die Rebsortentypizität so stark hinter der Art des Ausbaus verschwindet.
Fest steht für mich, dass diese Rebsorte hervorragende, in der absoluten Spitze große Weine hervorbringen kann wenn diese Spitze allerdings auch sehr übersichtlich sein dürfte. Einige Weine dieses Abends werden definitiv in Erinnerung bleiben und das sind bei mir vier, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Vacherons »Les Romains«, Tements »Zieregg«, Manincors »Lieben Aich« und Dagueneaus »Silex«.

Riesling Kirchensteig 2008, Geyerhof, Niederösterreich, Kremstal

Ich weiß gar nicht, wann ich zum ersten Mal einen Wein von Ilse Maier getrunken habe. Es wird so Anfang bis Mitte der Neunziger gewesen sein. In der Weinabteilung des Bioladens meines Onkels gab es einen Grünen Veltliner vom Hohen Rain und einen roten Zweigelt vom Ried Richtern. Beide Weine habe ich immer ausgesprochen gerne gemocht. Die Qualität, so hatte ich das Gefühl, wurde immer besser und, so schien es mir, der Name Geyerhof auch immer bekannter. Das musste man ja tatsächlich in den Neunzigern erst einmal schaffen: aus der Bioecke rein in den anerkannten Qualitätsweinbau. Fast alle dieser Weinbauern wie Ilse Maier oder Clemens Busch, die früh begonnen haben, auf Herbizide und Pestizide im Weinbau zu verzichten (ich weiß, es gehört noch viel mehr dazu, aber ich stelle es mal gerade etwas verkürzt dar), galten ja in Zeiten, als die meisten noch wie die Irren gespritzt haben, als ziemlich verschroben und auch die meisten Kritiker haben diese Leute erst mal schlicht ignoriert. Heute ist es anders. Heute, so las ich vor kurzem, schreiben Winzer schon biodynamisch drauf, auch wenn es gar nicht drin ist – weil es en vogue ist und sich besser verkauft, so scheint es.

geyerhof_riesling_kirchensteig_08

Ilse Maier aber arbeitet aus Überzeugung so und das seit vielen Jahren. Und sie steht in einer Reihe mit anderen Winzerinnen wie die noch bekanntere Elisabetta Foradori. Liegt bei ihr aber der Fokus auf dem roten Teroldego, ist es bei Ilse Maier umgekehrt. Auch wenn der Zweigelt ausgezeichnet ist, sind es doch die Weißen, der Grüne Veltliner und der Riesling, an denen ihr Herz hängt und für die sie bekannt geworden ist.

Wenn ich den noch jungen 2008er Riesling vom Kirchensteig, der neuen Einzellage des 15 ha großen Geyerhofs, verkoste, dann weiß ich, warum das so ist. Das ist ein ganz fein gewirkter, zunächst zurückhaltender Wein, der mit leichten Pfirsich-, Honig- und Pfeffernoten in der Nase kaum verrät, was sich am Gaumen offenbart.

Und das ist vor allem die dem Wein jetzt schon innewohnende Eleganz und Dichte. Auch hier Pfirsichnoten, dazu Apfel und Blüten mit etwas Kräutern, Mineralität und eine feine 11-Gramm Restsüße bei 12,5 % Alkohol. Er wirkt jung und gereift zugleich, jung in seiner Frische und noch leichten Verschlossenheit, gereift in seiner Eleganz. Dieser Wein dürfte in zwei Jahren noch heller strahlen.

Riesling Kirchensteig 2008, Geyerhof, Niederösterreich, Kremstal, hervorragend, 22,- Euro

Hiedler, Pinot Blanc -Spiegel- 2006, Kamptal

Der Maximum aus gleichem Hause ist ja so eine wunderbare Opulenzbestie, von der ich gerne die eine oder andere Flasche im Keller hätte – für manchmal, für sehr seltene Gelegenheiten.

Der Spiegel klatscht einem erst einmal die Spontanvergärungsnoten um die Nase, bis man hinter diesem Dickicht etwas anderes erkennt. Etwas buttrig Schmelziges, etwas mit Sahne und Karamel, also Sahnekaramel mit kandierten Früchten, präziser gesagt, kandierten Melonen. Bei dieser ganzen schweren Buttrigkeit bleibt genügend Frische, um die Balance aufrechtzuerhalten, und dann kommt auch noch etwas Kräutriges und Nussiges dazu, was den Wein abrundet und dazu führt, dass er der Runde sehr gefällt.

Hiedler, Pinot Blanc -Spiegel- 2006, Kamptal, sehr gut, ca. 13 Euro

Frisch eingetopft – der 2005er Chardonnay aus dem Hasel

06/Mai/09 19:49 kategorisiert in: Bioweine, Chardonnay, Weiss, Österreich, Weissweine

Lange schon keinen Chardonnay mehr gekauft, fiel mir auf, als ich im Laden vor den Weinen von Johann Topf stand. Dabei habe ich nichts gegen Chardonnay, so grundsätzlich. Wenn es auch manchmal schwierig ist, guten zu bekommen. Ich erinnerte mich an eine Empfehlung, ich sollte es mal mit dem Chardonnay von Johann Topf aus dem Kamptal probieren.

Das Kamptal ist die Heimat von Bründlmayer und Hiedler und Jurtschitsch und anderen Größen und eben auch vom Weingut Topf, das hier konsequent biologisch arbeitet.

Der 2005er Chardonnay aus dem Hasel, einer Einzellage in Strass, hat jetzt genau das richtige Alter, um mit erheblichem Genuss getrunken zu werden. Da gibt es die leichte Holznote mit einem Hauch Vanille und Toast, genauso, dass sie nicht aufdringlich wird. Da gibt schmelzigen Karamell, genau so, dass der Wein keinen Bonboncharakter bekommt, dazu etwas Nuss und etwas Apfel, aber vor allem noch ein Stückchen frische Ananas. Dicht und lang verhallt er. Schön. Wirklich.

Chardonnay Hasel 2005, Johann Topf, Kamptal, Österreich, Zur Zeit in kleinen Mengen in Bonn bei den Görtz Brothers, P&M


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