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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Mosel, Mittelrhein, Baden, Württemberg & Franken

29/Aug/14 15:00 kategorisiert in: Abschweifungen, Riesling, Silvaner, Weiß, Deutschland

Mosel & Mittelrhein

Es gibt Riesling-Gebiete, da passt die Idee des großen Gewächses nur bedingt. Mosel und Mittelrhein sind für mich solche Gebiete. Der Riesling-Stil, der hier gepflegt wird vielleicht durch eine erste Lage repräsentiert, selten aber durch die Idee des Großen Gewächses. Das merkt man vor allem an der Mittelmosel. Natürlich sind Weinmacher wie Ernie Loosen oder Markus Molitor in der Lage, Weine im Stil eines Großen Gewächses zu machen, das ist gar keine Frage. Aber für mich passt dass nicht immer so ganz zusammen mit dem, was ich typisch finde. Bei Haart oder Fritz Haag zeigt sich das für mich exemplarisch.

 VorpremiereGGWiesbaden_CaroMaurer_by_VDP_01Master of Wine Caro Maurer uns Wine Advocate Stephan Reinhardt – Deutsche Weinspezialisten auf internationalem Parkett. Copyright: Ralph Kaiser, VDP. Die Prädikatsweingüter

Auch hier, an der Mosel hat das Wetter in den letzten Wochen vor der Lese gnadenlos zugeschlagen und es hat massiv geregnet. Da musste man noch einmal sehr viel Zeit in den Weinberg stecken. Reinhard Löwenstein ist jemand, der das getan haben dürfte. Die Weine sind wieder hervorragend geworden, nicht so brillant wie im sensationellen Vorgängerjahrgang, doch er geht diesen präzisen klaren Weg weiter, den er vor zwei Jahren eingeschlagen hat. So ist der dichte, tiefe, ernste Riesling aus der Uhlener Blaufüsser Lay für mich auch momentan das stärkste Gewächs von der Mosel, und zwar eines zum Weglegen, während ich Kirchberg und Uhlen Laubach schon jetzt trinken wollen würde. Clemens Buschs Weine aus der Pündericher Marienburg dagegen sind für mich momentan kaum zu beurteilen. Sie präsentieren sich mit enormer Säure, dazu ziemlich verschlossen. Ich hoffe mal, dass sich diese Säure irgendwann integrieren wird. Von den 28 Großen Gewächsen, die bei dieser Probe präsentiert wurden, kommen gleich sechs von Ernie Loosen. Darunter befindet sich auch der ziemlich gigantische Erdener Prälat, eine Wuchtbrumme voll reifer Frucht, jeder Menge Schieferwürze, viel Säure und einer Balance und Tiefgründigkeit, die diesen Wein zu einem großen Wein macht. Dicht folgt das Erdener Treppchen und das Graacher Himmelreich. Zumindest die drei der sechs Weine machen jetzt und auch die nächsten Jahre großen Spaß. Leise und doch nachhaltig haben sich bei mir dann noch die beiden Gewächse von von Othegraven in meine persönliche Bewertungsskala geschlichen. Ich finde, Andreas Barth hat einen guten Job gemacht, die Weine sind noch etwas scheu, unaufgeregt mit feiner Frucht und einer guten Säurestruktur.

Der Mittelrhein ist für mich ebenfalls kein klassisches Gebiet für Große Gewächse, die von der Struktur her ja trockene Auslesen sind. Der Mittelrhein ist ein Gebiet für saftige, fruchtbetonte Kabinette und Spätlesen. Und doch machen diese Weine Spaß. Sie reichen nicht an GGs der Nachbarn Rheingau, Rheinhessen oder Nahe heran, das macht aber nichts. Denn erstens verleugnen sie ihre Herkunft nicht und bleiben fruchtbetont und zweitens kann man sich diese Weine auch mit kleinerem Geldbeutel leisten. Und alterungsfähig sind diese Weine, vor allem mit der Säure aus 2013.

Was ich mir in den Keller legen würde: Der Oberweseler Oelsberg von Laius-Knab, die Bacharacher Wolfshöhle von Ratzenberger, den Uhlen „Blaufüsser Lay“ von Heymann-Löwenstein, Den Erdener Prälat von Dr. Loosen und den Ockfener Bockstein von von Othegraven.

 VDP_by_Ralf_Kaiser_01Copyright: Ralph Kaiser, VDP. Die Prädikatsweingüter

Baden & Württemberg

Baden ist mit sechs, Württemberg mit 16 Großen Riesling-Gewächsen ins Rennen gestartet. Bei den weißen Burgundersorten kommen natürlich in Baden noch eine ganze Menge dazu. Allein, die habe ich während der zwei Tage nicht mehr geschafft. Für mich lag der Fokus auf dem Riesling, dem Silvaner und den roten Burgundern. Daher habe ich auch die württembergischen Lemberger nicht mehr probieren können, was mich ich sehr Schade fand.

Insgesamt hatten die Weine eine gute Qualität, wenn mich auch kaum ein Wein umgehauen hat. Vor allem die badischen Rieslinge sind nicht so mein Fall, sie sind mir zu weich in der Säure. Unter den Württembergern sind mir drei Weine aufgefallen, die mir sehr gut gefallen haben. Die beiden Pulvermächer-Rieslinge von Beurer und Haidle sowie der Drusenstein von Ellwanger. Das sind drei wirklich ausdrucksstarke, würzige Rieslinge, wobei der Drusenstein der vielleicht dunkelste und tiefgründigste der drei Weine war, Haidles Pulvermächer präsentierte sich gelbfruchtig und etwas leichter als der von Beurer während dieser am meisten druck hatte, gelbe Frucht mit einer schönen Blütenaromatik kombiniert hat, unterlegt mit Steinsalz und Kräutern.

Was ich mir in den Keller legen würde: Stettener Pulvermächer von Beurer.

 

Franken

Die Franken haben es schon seit Jahren nicht leicht. Das Wetter schlägt seine Kapriolen und haut immer wieder hart zu. So kann man zu vielen Großen Gewächsen aus Riesling und Silvaner nur schweigen. Manche wie die von Bickel-Stumpf aus 2012 vermisst man schmerzlich. Trotzdem finden sich einige wirklich gute Weine. Ganz klar dazu gehören der Silvaner und auch der Riesling Kallmuth von Fürst Löwenstein. Das sind wilde Weine außerhalb des Mainstreams, phenolisch, dicht, steinig, kräutrig mit hellen Tabaknoten und viel Biss. Sie wirken fast so ein bisschen dahingrotzt, trotzig. Die haben mir beide Spaß gemacht. Stark auch die würzigen, dunklen, steinigen Küchenmeister von Paul Weltner. Mit besserem Wetter ginge das alles noch besser, aber das ist schon ziemlich gut. Salzig ist der Riesling, medizinisch wirkt er fast, auch hier wieder ein Hauch Tabak, Kräuter, ich mochte da sehr gerne. Neben dem fast tänzelnden Centgrafenberg von Fürst hat mir die Kollektion von Hans Wirsching dieses Jahr wieder deutlich besser gefallen als in den letzten Jahren. Spielerisch leicht präsentierten sich die Weine aus dem Kronsberg, fordernder, robuster die Weine aus dem Julius-Echter-Berg, der Riesling mit gelber Frucht, gelben Pflaumen, der Silvaner mit süßer Reife, Noten von Grapefruit, Kräutern und Stein.

Was ich mir in den Keller legen würde: Iphofener Julius-Echter-Berg Riesling von Hans Wirsching, Homburger Kallmuth Silvaner von Fürst Löwenstein, Rödelseer Küchenmeister Hohe Leite Riesling von Paul Weltner.

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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Rheingau und Nahe

29/Aug/14 10:15 kategorisiert in: Abschweifungen, Riesling, Weiß, Deutschland

Rheinhessen und Pfalz war schon mal ein interessanter Start in die erste deutsche Riesling-Liga und es folgen zwei weitere Gebiete mit hohem Renommee für trockenen Riesling.

Rheingau
Es ist mittlerweile keine neue Erkenntnis mehr, dass sich viel tut im Rheingau. Das war auch bitter nötig. Das gesamte Gebiet erschien einem zwischenzeitlich wie abgehängt – immer abgesehen von einigen wenigen Konstanten, die auch im Jahr 2013 wieder die Phalanx bilden.

Beginnen wir mit dieser Phalanx, beginnen wir mit dem Schlossberg von August Kesseler. Es ist der Inbegriff des eleganten, feinen, reifen und gleichzeitig packenden Weines mit einer präsenten und doch feinen Säure und einer Spur reifer Restsüße. Der Roseneck kommt übrigens ähnlich daher und steht dem Schlossberg kaum nach. Wilhelm Weils Gräfenberg übrigens auch nicht, auch dieser Grand Cru ist eine Bank, ist eine Messlatte, an der sich alle anderen weiter messen lassen müssen. Auch hier findet sich diese noble Eleganz, gepaart mit Komplexität und Tiefe. Die Wein-Aristokratie hat mit diesen beiden Gütern weiterhin ihre Vertreter im Spitzensegment und diese Weine machen noch einmal völlig klar, welcher Stil im Rheingau berechtigterweise für lange Zeit das Maß aller Dinge war – ein Stil, den allerdings zu wenige der alteingesessenen Güter in dieser Präzision noch hinbekommen haben und stattdessen eher Karikaturen des Rheingauer Weinstils abgeliefert haben. Dieser Noblesse hat sich mittlerweile ganz etwas anderes zur Seite gestellt. Es ist ein unkonventioneller und fordernder Stil, der meiner Ansicht mach vor allem Elemente der rheinhessischen Schule mit aufnimmt. Die Weine werden kühler, mysteriöser, mineralischer, die Phenolik ändert sich, die Maischestandzeiten sind verlängert worden und gerade die Arbeit im Weinberg hat sich verändert.

Wilhelm_weilWilhelm Weil von der Großen Lage Gräfenberg

Das merkt man vor allem bei Dirk Würtz bei Balthasar Ress, bei Mark Barth, bei Johannes Eser vom Johannishof und in diesem Jahr vor allem bei Achim von Oettinger. Achim von Oettinger hat wohl von allen am meisten Gas gegeben, denn er trat mit dem Marcobrunn, dem Siegelsberg und dem Hohenrain an und alle drei Weine sind Knaller. Alle haben von allem viel – viel Saft, viel Reife, viel Säure, viel Phenole, viel Würze. Aber da ist nirgendwo zu viel und es ist alles balanciert. Der Wein erinnerte mich spontan an den Auftakt zu Film Planet der Affen 2001: Odyssee im Weltraum. Im Hintergrund beginnt Strauss‘ Also sprach Zarathustra, die Sonne geht auf und der Blick fällt aus der Froschperspektive auf einen großen Monolithen. Nur, dass das in diesem Fall der Marcobrunn von Oetinger war – in der Jeroboam, um im Bild zu bleiben. Ein kantiger Monolith, der noch viel Zeit braucht. Dirk Würtz' Weine bei Balthasar Ress dagegen sind wilder, mit viel Sponti, mit Gummi, das ist noch eine Achterbahnfahrt – nicht ganz so hart wie bei Schäfer-Fröhlich an der Nahe, aber es geht in die Richtung. Auf jeden Fall sind es ebenfalls ziemlich extreme Weine, teils sehr reif, der Schlossberg zum Beispiel, meine Herren, so viel Saft und Reife und dass dann trocken kriegen, ohne dass der Alkohol zu hoch geht, das ist sehr gut gemacht, auch wenn sie noch ein bisschen mehr Druck am Gaumen haben könnten, aber die Weine sind ja auch noch nicht fertig, sie entwickeln sich erst. Ähnlich wild, aber wieder anders sind die Weine von Johannes Eser vom Johannishof, der unter anderem einen hervorragenden Rottland abgeliefert hat. Da ist viel ungezähmte Energie drin, viel Biss, viel reife Frucht die so wirkt, als hätte man alte Obstsorten von Streuobstwiesen genommen. Gleichzeitig kommt dann aber ein cremiges Mundgefühl um die Ecke und eine damit einhergehende Eleganz und Kühle, die ich der Nase nach nicht erwartet hätte. Weitere Weinmacher sollten erwähnt werden. Jakob Jung zum Beispiel, der einen hervorragenden Siegelsberg auf den Tisch gestellt hat, eher klassisch, mit viel gelber Frucht, mit Creme und einer gelungen Struktur am Gaumen. Joachim Flick präsentiert mit dem Königin Victoriaberg und dem Nonnberg gleich zwei exzellente Gewächse, Fred Prinz' Große Gewächse aus Hallgarten sollten nicht vergessen werden und der der VDP-Neuling Ralf Schönleber vom Weingut F.B. Schönleber, der einen erstaunlich kühlen, minzigen Jesuitengarten und einen ganz anderen, sehr exotischen St. Nikolaus vorgelegt hat. Den Preis für die schrägsten Weine (und das nicht im negativen Sinne) bekommen von mir in diesem Jahr wiederholt das Gut Baron zu Knyphausen mit diesem massiven Holzeinsatz im Wisselbrunnen, der sich, ich habe im letzten mal ein paar ältere Experimente probiert, im Lauf der Zeit durchaus einzufügen weiß und Andi Spreitzer für seinen Rosengarten. Riesling trifft Gin trifft Bas Reichenhaller, kann ich da nur sagen. Ein ziemlich irrs Gewächs, das man unbedingt später noch mal probieren sollte.

Was ich mir in den Keller legen würde: Das ist verdammt schwierig, würde ich mal sagen. Die Bandbreite ist so groß und die Auswahl exzellenter und vor allem spannender Weine so breit gefächert. Bei der Klassik würde ich mich für August Kesseler Rüdesheimer Berg Schlossberg entscheiden. Auch bei Balthasar Ress würde ich mich für den Berg Schlossberg entscheiden. Dann der Rüdesheimer Berg Rottland vom Johannishof, der Erbacher Siegelsberg von August Eser und der Erbacher Marcobrunn von Achim von Oetinger.

weil_flaschenWeil hat es sich nicht nehmen lassen, aus Anlass der Zehn-Jahrfeier der Vorpremière vier Gräfernberg-Jahrgänge in der Doppelmagnum  zu öffnen.

Nahe
Im kleinen, feinen Gebiet Nahe liegt die Messlatte ziemlich hoch. Dafür ist es übersichtlich, denn es sind lediglich acht Erzeuger, die ihre Großen Gewächse präsentiert haben. Die Nahe-Weine von Kruger-Rumpf mag ich ähnlich, wie ich den Scharlachberg gemocht habe. Die Weine haben ein sehr gutes Niveau mit viel Würze und einem Trend zu leicht angeräuchertem Holz. Das macht aber Spaß und, das sollte man nicht unterschlagen, ist auch bezahlbar für jene, die erst damit anfangen, in die Welt der Großen Gewächse einzusteigen. Mir gefiel das einzige Große Gewächs von Dr. Crusius in seiner reifen, gesetzten und würzigen Art. Auch das ist kein Überflieger aber es ist ein solides Gewächs – ich hoffe, das klingt nicht zu despektierlich. Das Gleiche gilt für die Weine von Johann Baptist Schäfer, wo mir vor allem das noch verschlossene Goldloch mit seinen Kräuternoten gefiel. In der ersten Liga dieses Gebiets spielen dann Diel, das Gut Hermannsberg, Dönnhoff, Emrich-Schönleber und Schäfer-Fröhlich. Tim Fröhlichs Weine sind momentan kaum zu bewerten, so unglaublich wild präsentieren sie sich momentan. Dass sich da die Flaschen nicht von selbst bewegen und vom Tisch hüpfen, erstaunt mich fast. Für mich könnten diese Weine das Größte werden, was 2013 an der Nahe angefüllt wurde. Sie haben teilweise die Dichte eines schwarzen Sterns und wirken trotzdem verspielt. Das muss man erst einmal hinkriegen. Der Extraktgehalt dieser Weine ist enorm, die Spontinoten sind abschreckend, die Länge ist beeindruckend – geiler, wilder Wein. Wilder als sonst, spontaner gewissermaßen präsentieren sich die Weine vom Gut Hermannsberg. Die Weine des Gutes waren bisher nicht mein Fall, muss ich ehrlich sagen. ich konnte den Hype bisher nicht ganz nachvollziehen. Die Kupfergrube aber finde ich groß. Auch hier Sponti, dann Druck ohne Ende, wilde Phenole, Würze – da ist nichts Liebliches mehr an diesem Riesling, das hier ist die perfekte Dark Side of the Moon. Die drei Granden Diel, Dönnhoff, Schönleber dagegen kommen mit Weinen daher, die wie maßgeschneidert wirken, jeder auf seine Art. Das ist höchst elegant, zurückhaltend, zuvorkommend, gleichzeitig neben anderen Weinen ein bisschen – ich sage es ganz, ganz leise – langweilig. Wenn man sie für sich nimmt, vor allem die Hermannshöhle von Helmut Dönnhoff, muss man das mit der Langeweile streichen, das wäre nicht gerecht. Und gemessen an diesem recht schwierigen Jahrgang ist die Hermannshöhle halt mal wieder ziemlich perfekt in ihrer Art, volle Frucht mit den Noten des Gesteins zu verbinden, mit leisen Tönen die immer wieder zwischen Dur und moll schwanken. Das ist schon auch wirklich schön.

Was ich mir in den Keller legen würde: Die besagte Niederhausener Hermannshöhle von Helmut Dönnhoff, die Schloßböckelheimer Kupfergrube von Gut Hermannsberg, Schloßböckelheimer Felsenberg und Monzinger Frühlingsplätzchen von Schäfer-Fröhlich und die Traisener Bastei von Dr. Crusius.

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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Rheinhessen und Pfalz

28/Aug/14 13:00 kategorisiert in: Abschweifungen, Riesling, Weiß, Deutschland

Wenn ein Gutswein so etwas wie die Visitenkarte eines Weinguts ist, dann ist das Große Gewächs die Hochglanz-Broschüre. Diese Broschüre dient dazu, dem Kunden einen Eindruck zu vermitteln, auf welchem Niveau gearbeitet wird und wieviel Aufwand dafür betrieben wird. Es gibt bei Broschüren bekanntlich sehr unterschiedliche Niveaus. Manche drucken so etwas auf dem heimischen Nadeldrucker aus und haben leider vergessen, jemanden Korrektur lesen zu lassen, andere haben die verwendeten Bilder mit dem Handy geknipst. Wiederum andere beauftragen kreative Agenturen, die die Broschüre gleich im schon bestehenden Corporate-Design entwickeln, damit alles, von der Visitenkarte bis zum Geschäftsbericht einen einheitlichen Rahmen erhält.

VDP_Arbeitsplatz
Mein Arbeitsplatz für zwei Tage

So ähnlich ist es auch bei den Großen Gewächsen. Eigentlich sollte, wo Großes Gewächs draufsteht auch Großes Gewächs drin sein aber das ist häufig leider nicht der Fall. So manches GG erinnert eher an das Bild mit dem Nadeldrucker, während ein anderes GG aus derselben Lage tatsächlich in Hochglanz erstrahlt. Zu unterschiedlich ist das Leistungsniveau der Betriebe und die Herausforderungen des Wetters tun ihr übriges.

Überhaupt, das Wetter… 2013 war schwierig. Das begann schon mit einem langen kalten Winter und einem in weiten Teilen völlig verregneten Frühjahr. Der Austrieb verzögerte sich oft stark und die Blüte gab es erst spät im Juni und auch da regnete es teils so stark, das viele Blüten kaputt gingen. Immerhin wurde der Juli schön, der August und September waren ok doch im Oktober, der Erntezeit für Riesling in Spätlesequalität fing es wieder massiv an zu regnen. Schnelles Handel war gefragt und vor allem Fingerspitzengefühl für den richtigen Lesezeitpunkt. Was mir bei der Verkostung der letzten beiden Tage wieder klar geworden ist: die richtige, aufwendige, ja gnadenlos zeitintensive Arbeit im Weinberg zahlt sich aus. (Hier im Blog der Weinhalle kann man lesen, wie Daniel Wagner das bei Wagner-Stempel empfunden hat).

Die Betriebe, deren Arbeit ich kenne, und bei denen ich weiß, wie intensiv gearbeitet wird, haben meist hervorragende Qualität abgeliefert. Betriebe, bei denen ich nur ungern durch den Wingert gehe weil dieser kaputtgespritzt und mechanisiert bearbeitet wird, schaffen diese Qualität nicht. Betriebe, die biologisch, bzw. mit biodynamischen Ansätzen arbeiten haben in diesem Jahr meist die Nase vorn. In manchen Gebieten allerdings waren die Voraussetzungen für wirklich große Weine auch mit aufwendiger Weinbergsarbeit nicht zu erreichen, da ging einfach nicht viel in 2013. Franken ist so ein Fall. Die wenigsten GGs verdienen ihren Namen und hier und da sollte man sich vielleicht überlegen, die Qualität besser in einen Ortswein zu geben und dann halt mal auf ein Großes Gewächs zu verzichten – das haben auch einige Betriebe getan. Damit bricht man sich keinen Zacken aus der Krone. Es sollte nicht vergessen werden, ein Großes Gewächs hat einen Anspruch, es soll ein Grund Cru sein und eine gewisse Qualität, Komplexität und Tiefe wird damit impliziert. Manche Betriebe werden diesen Anspruch wohl nie erfüllen, da dümpeln die GGs seit vielen Jahren auf einem Niveau, auf dem andere Betriebe ihre Gutsweine vinifizieren – aber das ist glücklicherweise die Ausnahme. Und überhaupt, man sollte niemals nie sagen. Das zeigt das Rheingau, das sich in einem steten Aufwärtstrend befindet. Ein Beispiel ist das von mir schon letzten Sonntag erwähnte Weingut Oetinger. Die Großen Gewächse sind von einer Klasse, wie ich sie nicht erwartet habe. Sie gehören plötzlich zur Gebietsspitze, wobei das natürlich auch nicht von jetzt auf gleich geschehen ist. Achim von Oetinger, seine Freunde nennen ihn einfach Ö, ist kein Zauberer, er hat vielmehr konsequent geändert, ausprobiert und Erfahrungen gesammelt – all das zahlt sich zunehmend aus. Andere Winzer, die diese Konsequenz schon seit vielen Jahren an den Tag legen, profieren in erheblichem Maße davon, gerade in solch schwierigen Jahren.

VDP_Helfer
Dem Schnutentunker wird eingeschenkt, die Organisation ist vorbildllich

 

Rheinhessen
Phillip Wittmann ist ein solcher Winzer. Ohne seine Konsequenz im Weinberg wäre er nicht da, wo er heute steht: An der Spitze des deutschen Weinbaus. Ich kenne momentan keine besseren trockenen deutschen Rieslinge – vor allem der Morstein, natürlich der Morstein, immer wieder diese Westhofener Hanglage, die Rieslinge von einer gnadenlosen Tiefe und Dichte hervorzubringen in der Lage ist. doch auch Aulerde und vor allem das Brunnenhäuschen haben es mir in diesem Jahr angetan. Kaum einer sonst, schafft es auf einem solch gleichmäßigen Spitzenniveau über viele Jahre hinweg. Meiner Meinung nach schafft das auch Klaus-Peter Keller nicht mehr, der zweite große Winzer in Rheinhessen. Und ich wage zu behaupten, das liegt an der Arbeit im Weinberg. Dafür hat ein weiterer rheinhessischer Winzer seien Spitzenplatz weiter ausgebaut. Hans-Oliver Spanier, kurz H-O, ebenfalls überaus konsequent im Weinberg, hat wiederum phantastische Rieslinge vinifiziert. Und das in seinem eigenen Weingut Battenfeld-Spanier und dem verbandelten Weingut seiner Frau, Kühling-Gillot. Zellerweg Am schwarzen Herrgott, für mich einer der Weine der Probe: leise zunächst, duftig mit viel Kräutern und Stein, am Gaumen dann lang und tief, subtil, immer schwebend, bei aller Erdverbundenheit. Wie immer eine Bank, wenn auch in diesem Jahr etwas härter, etwas weniger durch die typische Frucht, die der Porphyrboden hervorbringt, geprägt, die Weine von Daniel Wagner. Der Heerkretz ist geradezu dunkel, mysteriös, dicht, der Höllberg hat etwas mehr Frucht, ist aber ebenfalls etwas rauher, ungeschliffener. Diese Weine kann man in anderen Jahren von Anfang an mit Genuss trinken, die 2013er würde ich etwas länger weglegen. Schon wegen der Säure, die allgemein in hohem Maße vorhanden ist. So stark, dass am zweiten Tag der Probe all dieser jungen Weine das Zahnfleisch blank liegt und die Haut in Fetzen daneben. Gunderloch ist wieder im Verfolgerfeld, ganz eindeutig. Johannes Hesselbach ist ein verdammt guter Winzer und einer, der experimentiert und das Weingut voran bringt. Das zeigt beispielsweise der Rothenberg, den ich als in sich ruhendes, feines Gewächs offiziell auf der Probe probieren durfte, das zeigte aber noch mehr der VIRGO, den Paul Truszkowski mir eingeschenkt hat. VIRGO (Vergoren Im Rothenberg Ganz Ohne) wurde nicht im Keller ausgebaut sondern im Weinberg, also mitten im Rothenberg um einen Wein aus den besten Lagen zu machen, der eben nicht mit den Kellerhefen in Berührung gekommen ist sondern spontan im Weinberg mit den dortigen Hefen vergoren wurde. Ein gelungenes Experiment, ein wilder, aber nicht zu wilder Wein mit feinen, salzigen Noten. Noch beeindruckender als der Rothenberg ist der Pettenthal und auch der Hipping. Nicht vergessen werden sollten Aulerde und Kirchspiel von Groebe, auch wenn mir persönlich beide Weine ein wenig zu süß waren. Das hier ist die Qualitätsspitze eines Gebietes, das sich insgesamt, auch in der Breite auf ein hohes Niveau begeben hat, die Spitze aber ist schon Weltklasse.

Was ich mir in den Keller legen würde: Wittmann Westhofener Morstein, Westhofener Brunnenhäuschen, Battenfeld-Spanier Mölsheimer Zellerweg Am schwarzen Herrgott, Kühling-Gillot Niersteiner Ölberg, Wagner-Stempel Siefersheimer Heerkretz, Gunderloch Niersteiner Pettenthal und, noch gar nicht erwähnt, der ob seiner Karamellnoten und superreifen Frucht etwas aus dem Rahmen fallenden Binger Scharlachberg von Kruger-Rumpf – ein Wein für jetzt und die nächsten Tage.

vdp_reinhardStephan Reinhardt bewertet für Parkers Wine Guide. Copyright: Raplph Kaiser für VDP. Die Prädikatsweingüter

Pfalz
Ziemlich uneinheitlich hat sich für mich die Pfalz präsentiert und vor allem in der Mittelhaart ist das Niveau, wohl wegen der Wetterbedingungen, nicht so wie in den letzten Jahren. Das Niveau ist gut, keine Frage, immerhin präsentieren sich hier von Buhl, von Winning, Dr. Bürklin-Wolf, Bassermann-Jordan oder Mosbacher. Doch bevor wir in die Mitte des Gebietes kommen, bleiben wir am nördlichen Rand. Da gefielen mir die beiden Großen Gewächse der Knipsers in ihrem elegant, üppigen, fast barocken Stil sehr gut. Da ist viel Saft, viel gelbe Frucht, etwas weniger beißende säure, die jetzt noch so viele Weine auszeichnet, da ist Crème, das Holz, wie immer bei Knipser, überaus elegant eingebunden. So etwas mag ich nicht immer, aber für gewisse Momente sind das tolle Weine. Von Forst bis Ruppertsberg fand ich es echt schwierig. Zum ersten Mal seit Jahren hat mich kein Gewächs aus dem Hause Dr. Bürklin-Wolf spontan überzeugt. Von Winning ist gut, vielleicht sehr gut, aber nicht überragend und nicht jeder Wein harmoniert mit dem prägnanten Einsatz jungen Holzes. Zumindest jetzt noch nicht. Wohlgemerkt, das hier ist eine frühe Momentaufnahme und kein abschließendes Urteil. Am überzeugendsten bei Stephan Attmann fand ich die Lagen Kalkofen und Kieselberg, beide verbinden das Schwebende mit dem Tiefen, mit dem Erdverbundenen auf angenehme Art. die Weine sind gleichzeitig spielerisch und doch voller gezügelter Kraft. Ziemlich großartig fand ich die Weine von Steffen Christmann und zwar alle vier. Der Langenmorgen präsentiert sich überaus saftig, elegant, mit feiner Bitternote, Würze und großer Tiefe, jetzt schon relativ offen, der Reiterpfad zeigt eine wunderbar dichte, reife Frucht, ist jetzt schon intensiv würzig und mineralisch, insgesamt aber noch fast so verschlossen wie der Idig, ein intensiver, kühler, dichter, ruhiger Wein, ein großer Schläfer mit einer dichten Säure, der meiner Meinung nach in einigen wenigen Jahren der besten 2013er der Pfalz sein wird. Der Mandelgarten ist etwas offener und charmanter als der Idig, klar, kristallin und fein. Herrlich offen präsentieren sich die beiden Weine von Rebholz. Im Sonnenschein und Ganz Horn sind üppig, reif, saftig, duftig. Zwei Weine, die ich jetzt schon auf der Stelle trinken wollen würde. Das kann ich sonst nur von wenigen Weinen der Probe behaupten.

Was ich mir in den Keller legen würde: Christmanns Königsbacher Idig und Gimmeldinger Mandelgarten, von Winnings Deidesheimer Kalkofen, Rebholz‘ Siebeldinger Im Sonnenschein und Knipsers Laumersheimer Steinbuckel wären in diesem Jahr meine Favoriten. Hinzu käme der Ibesheimer Kalmit von Boris Kranz, ein krasser Wein von Landschneckenkalksedimenten, pur, mineralisch, kompromisslos. Da würde mich durchaus mal interessieren, wie sich dieser Wein entwickelt.

 

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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Ein wenig Erläuterung vorab

28/Aug/14 10:00 kategorisiert in: Rot, Deutschland, Weiß, Deutschland

Für jene, die mit der Qualitätspyramide des VDP vertraut sind heißt es: bitte weitergehen und auf den nächsten Artikel warten. Hier geht es einigermaßen kurz und bündig um eine Erläuterung des Verbandes der Präsikatsweingüter und um die Frage: Was ist eigentlich ein Großes Gewächs? Denn letzten Montag und Dienstag fand die erste diesjährige Präsentation der Großen Gewächse des VDP, des Verbandes der Prädikatsweingüter statt und am 1. September kommen jene Weine auf den Markt, die die Qualitätsspitze des deutschen Weins bilden. Somit wird dann auch klar, welche Qualität ein Jahrgang nicht nur in der Breite der einzelne Weine sondern vor allem auch in der Spitze hat. Bevor ich ein persönliches Resumée der beiden Tage und der insgesamt 325 verkosteten Wein ziehe, will ich kurz erklären, worum es hier eigentlich geht.

WEeb_VDP_LogoCopyright: VDP. Die Prädikatsweingüter

Was ist eigentlich der VDP?
Der VDP ist im Jahr 1971 aus dem Verband der Naturweinversteigerer hervorgegangen. Dieser wurde 1910 als Interessensverband von Winzern aus den Regionen Rheingau, Rheinhessen, Mosel und Rheinpfalz gegründet. Die Zeit vor dem ersten Weltkrieg war die Blütezeit des Deutschen Naturweins, jener Weine also, die ohne Zugabe weiterer Mittel erzeugt wurden. Der Verband, der damals vom einflussreichen Zentrumspolitiker Albert von Bruchhausen geführt wurde, hatte ein erhebliches politisches Gewicht, dass sich jedoch im Laufe der nächsten Jahrzehnte genauso verringerte wie der Ruf, den der Deutsche Wein weltweit vorher besessen hat. Als im Jahr 1967 der Begriff Natur aus dem deutschen Weingesetz gestrichen wird, ist das auch das Aus für den Verband, der sich mit geänderten Statuten schließlich 1971 als Verband der Prädikatsweingüter neu erfindet. 20 Jahre nach der Neugründung, eine Zeit, in der der deutsche Wein durch ein tiefes Tal der Tränen gewatet ist, beginnt auch im VDP eine neue Ära, die Qualität wieder, bzw. wieder viel deutlicher in den Vordergrund rückt. Der VDP sieht sich seitdem als Speerspitze des deutschen Weinbaus und die meisten Mitglieder gehören auch tatsächlich zur Spitze dessen, was es in Deutschland an Weinbau gibt. Seit 2007 werden Idee und Anspruch durch den Präsidenten Steffen Christmann repräsentiert, der selbst zu den besten Winzern dieses Landes zählt.

Web_VDP_ChristmannSteffen Christmann, Copyright: VDP. Die Prädikatsweingüter

Klassifikationsstruktur des VDP
Neben den freiwilligen Maßnahmen zur Qualitätskontrolle und Selbstbeschränkung war eine der entscheidenden Änderungen die Klassifikationsstatur, der sich die Mitglieder unterworfen haben. Ich versuche es kurz skizzieren. Wichtig zu wissen dabei ist, dass dieses System, in dem sich die 202 VDP-Mitglieder bewegen zwar innerhalb des Verbandes bindend ist, nicht aber für die Vielzahl an Weingütern, die nicht in diesem Verband organisiert sind (ca. 80.000 Betriebe laut Wikipedia in 2012). Für die gilt lediglich das deutsche Weinrecht. Weil dieses aber vor allem auch im Ausland als sehr kompliziert wahrgenommen wird, hat der VDP versucht, ein System zu etablieren, dass schon aus Frankreich, namentlich aus dem Burgund bekannt ist. Die einzelnen Statute sind über ein knappes Jahrzehnt verhandelt worden und auch wenn es die Großen Gewächse seit jetzt zehn Jahren gibt, ist erst 2012 das gesamte System verabschiedet worden.

vdp_klassifikationen-qualitaetspyramide_uebersichtCopyright: VDP. Die Prädikatsweingüter

 

VDP-Gutswein
Dieses System basiert auf einer Qualitätspyramide, deren Basis der Gutswein ist (Pendant im Burgund: Bourgogne). Diese Weine müssen zu mindestens 80% regionstypische Traubensorten enthalten und die Erntemenge darf 75hl/ha nicht überschreiten. Die Rebsorten werden auf dem Etikett ausgewiesen. Im Klartext ist dies die Basisqualität eines VDP-Weinguts, in der eine Cuvée der Ernte aller verschiedenen Lagen des Guts verwendet werden darf.

 

VDP-Ortswein
Die nächste Stufe ist der Ortswein (Pendant im Burgund: Bourgogne Village). Beim VDP-Ortswein gelten die gleichen Voraussetzungen für Rebsorten und Erträge wie beim Gutswein. Allerdings dürfen die reinsortig ausgebauten Weine nur aus den Lagen eines Ortes stammen. Viele Betriebe haben ja Lagen in unterschiedlichen Orten, diese dürfen in einem solchen Wein nicht mehr zusammenfließen sondern müssen getrennt abgefüllt werden. Stammt beispielsweise ein Riesling aus dem Pfälzer Ruppertsberg, heißt der Riesling Ruppertsberger Riesling 2013. Ist dieser Wein trocken, wird er als trocken bezeichnet. Hat er einen Süßegrad, wird dieser benannt (Dafür gelten die so genannten Prädikate Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese Trockenbeerenauslese, Eiswein).

 

VDP Erste Lage
Die dritte Stufe im Gefüge bildet die Erste Lage (Pendant im Burgund: Premier Cru). Die Weine mit einer solchen Bezeichnung dürfen ausschließlich aus Lagen stammen, die der VDP als erste Lage ausgewiesen hat. Diese Lagen kann das Weingut nicht einfach selbst bestimmen. Die Lagen werden von den jeweiligen Regionalverbänden bestimmt. Genauso wird festgelegt, welche Rebsorten typisch für eine solche Lage sind. Es kann also nicht plötzlich ein Chardonnay aus einer Lage stammen, die traditionell für Riesling steht. Die Ertragsmenge wird auf höchstens 60hl/ha festgelegt. Außerdem muss der Wein den Reifegrad einer Spätlese aufweisen. Um beim Beispiel Ruppertsberg zu bleiben, wäre eine korrekte Bezeichnung Ruppertsberger Hoheburg 2013, Riesling VDP. Erste Lage, Qualitätswein trocken. Die Erste Lage darf erst Ende April des Folgejahres in den Handel gebracht werden.

 

VDP Große Lage
Die Spitze dieser Pyramide bildet schließlich der Wein aus der Großen Lage (Pendant im Burgund: Grand Cru). Diese Lagen wurden von den Regionalverbänden des VDP bestimmt und basieren auf der jahrhundertelangen Erfahrung, dass diese parzellengenau abgestimmten Lagen die besten der jeweiligen Orte sind. Entsprechend lautet der Anspruch, dass die Weine hochwertiger sein sollen als die der ersten Lagen. Die Rahmenbedingungen dafür lauten: Ertragsbegrenzung auf 50hl/ha, Spätlesequalität, wobei normalerweise eher eine trockene Auslesequalität Standard ist. Auch wenn es restsüße Weine gibt, die dann aus der Großen Lage stammen, liegt der Fokus eindeutig auf trockenem Ausbau und nur dieser wird als Großes Gewächs bezeichnet. Weißweine werden ab dem 1. September des Folgejahres vermarktet, Rotweine müssen ein Jahr länger reifen. In Ruppertsberg beispielsweise heißt eine der großen Lagen Ruppertsberger Reiterpfad, dessen trockener Wein dann korrekt als Ruppertsberger Reiterpfad 2013, Riesling VDP Großes Gewächs bezeichnet wird. Die Bezeichnung trocken entfällt da ein Großes Gewächs immer trocken ausgebaut wird.

Dies sind also, vereinfacht gesagt, die Voraussetzungen des VDP (hier wird das noch mal ausführlicher erläutert) für die Erzeugung unterschiedlicher Qualitäten die vor allem Eines zum Ziel haben: die Herausarbeitung unterschiedlicher Terroirs (ich bezeichne Terroir als die Verknüpfung der einzelnen Lage und des Bodens mit dem individuellen Mikroklima und der Hand des Winzers, die den Stil formt). Eine Kommission entscheidet schließlich noch einmal individuell, ob ein Großes Gewächs den Anforderungen des VDP entspricht, oder nicht. Dabei gilt, das sollte nicht vergessen werden, das Ein-Wein-Prinzip, was bedeutet, dass es immer nur einen Wein aus einer klassifizierten Lage gibt. Wenn im Ruppertsberger Reiterpfad ein Großes Gewächs entsteht, darf dort kein anderer trockener Wein als Ruppertsberger Reiterpfad bezeichnet werden.

So viel also zum Hintergrund und zum Qualitätsanspruch jener Weine, die ich in den letzten Tagen probieren durfte. Wie schon angesprochen, repräsentieren die 202 Mitgliedsbetriebe des VDP nur einen kleinen Teil der deutschen Winzerschaft. Allerdings sind es die, die in der Weinwelt, und vor allem im Ausland einen überdurchschnittlich großen Teil der Aufmerksamkeit bündeln. Wer bei den großen ausländischen Importeuren schaut, wird nicht nur, aber vor allem einen Teil dieser Winzer finden. Im internationalen Kontext muss sich ein Großes Gewächs entsprechend mit anderen Grand Cru wie beispielsweise jenen aus dem Burgund messen lassen. Die Aufmerksamkeit für trockene deutsche Spitzenweine ist allerdings noch nicht so hoch, wie die für die ungleich berühmteren Riesling-Kabinette, Spätlesen und Auslesen. Dass hier großartige Burgunder entstehen, ist mittlerweile auch deutlich geworden. Für den trockene Riesling erhofft man sich nicht zuletzt durch die Großen Gewächse eine ähnliche Aufmerksamkeit.

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