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Die ersten 11 Jahrgänge Siefersheimer Heerkretz von Wagner-Stempel – ein Probenbericht

29/Jan/15 11:11 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Riesling, Weingüter, Weiß, Deutschland

Es dürfte so etwa 2003 gewesen sein, als ich das erste Mal einen Wein von Daniel Wagner im Glas hatte. Möglicherweise war es ein Riesling vom Porphyr, der damals noch etwas wilder war als heute und deutliche Sponti-Noten aufwies. Für mich war schnell klar, dass das Weingut Wagner-Stempel ein Betrieb war, den ich besser kennenlernen wollte. So ist es geschehen und bis heute ist er mir einer der liebsten in Rheinhessen. Das hat natürlich viele Gründe. Zunächst ist da die unbestrittene Weinqualität, die sich dank akribischer Arbeit im Weinberg immer weiter verbessert hat. Dann ist da der moderate Preisanstieg der Weine über die letzten Jahre. Wagner-Stempel gehört ja zu den Spitzenbetrieben in Deutschland und die Gutsweine kosten auch heute noch keine € 9,- im Handel. Der Ortswein Siefersheimer Riesling vom Porphyr liegt unter € 15,- und gehört für mich beständig zu den besten trockenen Rieslingen, die man unterhalb der Großen Gewächse überhaupt kaufen kann. Da ist die besondere Lage in der Rheinhessischen Schweiz, die das manchmal Mächtige im Rheinhessischen Wein mit dem eher Spielerischen, Säurebetonteren der unweit entfernten Nahe verbindet und da ist natürlich der Mensch, der hinter den Weinen steht. Mit ihm, Daniel Wagner, habe ich letzten Samstag eine Probe in Berlin veranstaltet und wir haben die ersten elf Jahrgänge des Weins geöffnet, mit dem er bekannt geworden ist, dem Riesling Großes Gewächs aus dem Siefersheimer Heerkretz.

Heerkretz_01
So sieht es aus im Heerkretz: alles voller Stein.

Den Siefersheimer Heerkretz, bis in die 1930er Jahre noch durchaus bekannt für seine Weinlagen, hatte jahrzehntelang niemand mehr auf dem Plan, bis der junge Daniel Wagner sich in den 1990er Jahren aufgemacht hat, dies wieder grundlegend zu ändern. Revolution war angesagt in Rheinhessen. Junge Winzer wie Klaus-Peter Keller, Phillip Wittmann, Hans-Oliver Spanier, Alexander Gysler oder eben auch Daniel Wagner waren angetreten, die Qualität der Weine und das Bild, dass der Weinbau nach außen gab, grundlegend zu ändern. Die Qualität haben sie jeder für sich, aber auch gemeinsam in ständigem Gespräch und Austausch über den Wein in neue Höhen geschraubt. In einer Interessensgruppe, die sich irgendwann den programmatischen Titel message in a bottle gegeben hat, entstand gleichzeitig eine für Rheinhessen neue Form des Marketings, die wichtig war für das Weinland und die Aufbruchstimmung deutlich nach außen getragen hat.

Den Jahrgang 2002 hat Daniel zum ersten Mal bei der Zeitschrift Der Feinschmecker angestellt – und wurde auf Anhieb Deutscher Rieslingpreisträger 2003. Mit diesem Jahrgang hat er sich in die Riege der Spitzenwinzer Rheinhessens katapultiert, und das nachhaltig. Zumal schnell klar wurde, dass er auf der breiten Klaviatur spielen kann. Neben Riesling beherrscht er den Silvaner (sein erster Wein 1993), die Scheurebe, den Sauvignon und Chardonnay, Sankt Laurent, Merlot, Früh- oder Spätburgunder und neben den trockenen Gewächsen sollte man viel stärker auch die süßen Spätlesen und Auslesen beachten. Daniel ist in seiner leisen Art ein akribischer Arbeiter – im Weinberg wie im Keller und man kann hier im Blog einige seiner Jahrgangsberichte lesen, die zeigen, mit wie viel Herzblut er im Wingert engagiert ist.

Mit dem 2002er Heerkretz habe ich also angefangen, diesen Wein zu sammeln und jetzt, nach elf Jahren stand es an, einmal eine Vertikale dieses Weins zu präsentieren. So sind wir am vergangenen Samstag in einer kleinen Gruppe im Berlin Schmidt Z & Ko. zusammengekommen, und haben zusammen mit Daniel Wagner probiert, während er uns die Besonderheiten der jeweiligen Jahrgänge näher gebracht hat.

Heerkretz_02Die Halbstücke in denen Heerkretz, Höllberg und Porphyr schlummern. Außerdem jene Gewölbebögen, die die Etiketten prägen.

Rheinhessen rund um Siefersheim unterscheidet sich wesentlich zu den anderen Spitzenlagen Rheinhessens, vor allem jenen in Westhofen, wo die Kellerschen und Wittmannschen Spitzenlagen beheimatet sind. Das Gebiet wird auch die Rheinhessische Schweiz genannt, was erahnen lässt, dass es dort hügeliger ist als in anderen Teilen Rheinhessens. Hier bricht nicht der Rotliegende hervor wie es in Nierstein der Fall ist und es ist auch nicht der Kalkstein mit tonigem Mergel, wie es etwa in Westhofen der Fall ist. Hier liegen die Rotliegenden Schichten viel tiefer, darüber prägt schwarzer Melaphyr und vor allem rosaroter Porphyr den Boden. Dieser ist nicht so reintönig vorhanden wie an der nur unweit entfernten Nahe, prägt aber doch den Stil der Weine, den man als Melange aus Nahe und Rheinhessen einordnen kann. Das Goldene Horn, westlich des Ortes ist der große Porphyr-Buckel, dessen südlicher Teil Heerkretz genannt wird, während die zweiten Große-Gewächs-Lage, der Höllberg, nördlich liegt und wesentlich weniger steinig ist. Was die Winzer an Stein im Boden haben (siehe Bild) ist gewaltig und so prägen Steinwerke voll mit quarzithaltigem rosaroten Porphyr, auch Rhyolith genannt, den Heerkretz. Dieses Gestein ist ausgesprochen sauer, der Wein hat also immer einen niedrigen pH-Wert, der ihn von den Westhofener Weinen deutlich unterscheidet. Genau diese schlanke und säurebetonte Art bei deutlicher Frucht hat mir immer besonders gut gefallen.

Siefersheimer Heerkretz 2002 bis 2008
Dieser spezielle Typus zeigt sich auf wunderbare Art direkt im ersten Wein des Abends, dem 2002er Siefersheimer Heerkretz. Die Säure trägt und prägt den Wein bis heute, macht ihn frisch und brillant. Hätte jemand gesagt, der Riesling wäre 13 Jahre alt, hätte ich es kaum geglaubt. Lediglich eine ganz leichte Alterungsnote, aber weit von jeglicher Firniss entfernt, deutet das Alter an. Ansonsten ist der Wein absolut stimmig, fokussiert mit Blütenduft, leichter Cremigkeit, Salzigkeit und einer Kräuternote. Das ist eines der schönsten Exemplare an 2002er Riesling, das ich bisher getrunken habe – und ein toller Einstieg in die Probe. 750 Liter hat Daniel übrigens davon ausgebaut. Es sind alte Reben, die er in den Jahren 2000 bis 2002 dazu gekauft hat. Damals, als niemand außer ihm den Heerkretz auf dem Plan hatte, kostete der Quadratmeter dort übrigens 1,20 DM. Das kann man heute kaum glauben, das ist gerade 15 Jahre her. Der Wein ist übrigens noch mit Reinzuchthefen komplett im Edelstahl vergoren. Kann man deshalb einen Mangel an irgendwas feststellen? Nein, absolut nicht. Geerntet wurden die Trauben, nachdem der Oktober 2002 sehr kühl war übrigens erst am 16. November, ein sehr später Lesezeitpunkt.

Der 2003er Siefersheimer Heerkretz ist ein typischer Ausdruck des Jahrgangs. Ihm fehlt die Säure. Die Lesemannschaft hat damals bereits am 10. September vorgelesen – kerngesundes Material mit bereits 92 Grad Oechsle. Heute merkt man neben dem Mangel an Säure doch deutlich mehr Alkohol als bei allen anderen Weinen. Die Cremigkeit, das Salzige und die typische, saftige Frucht, die die Heerkretz-Rieslinge auszeichnet ist aber auch hier vorhanden.

2004 ist für Daniel Wagner das Jahr, welches ihm selbst nicht gut gefällt – was ich bei diesem Heerkretz gar nicht nachvollziehen konnte. Er bemängelt eine grüne Note in allen Weinen, die für ihn kaum zu erklären sei, denn das Lesegut sei reif und gesund gewesen und die einzige Erklärung sei für ihn der Stress der Reben im Jahr zuvor. Wenn überhaupt, dann konnte ich beim 2004er Siefersheimer Heerkretz lediglich eine ganz leichte Sauvignon-Note feststellen, ein bisschen Pyrazin, aber kaum der Rede wert – und bei Pyrazin in allem, was nicht junger Sauvignon Blanc ist, reagiere ich gern allergisch (im bildlichen Sinne). Dieser Wein ist klar, hell, mit feiner Säure und schlankem Körper ausgestattet.

Heerkretz_03Das Schmidt Z & Ko.

Neben dem schlanken Persönchen aus 2004 wirkt der 2005er Siefersheimer Heerkretz fast wie ein Boxer – allerdings, wie ein elegant schlagender Athlet. Der Wein wirkt buttrig, cremig mit warmen gelben Noten, er ist enorm saftig und verfügt dabei über ordentlich Druck. Über dem Saft verwirbeln Kräuter, als Basis findet sich rauchig-salziges Gestein. Der Wein hat vielleicht am meisten Süße von allen, erinnert ein wenig an 2003, ist aber viel fester gewirkt. Die Trauben für diesen Wein hatten nur einen kleinen, dafür aber konzentrierten Wuchs. Gerade einmal 20 Hektoliter konnte Daniel Wagner damals ernten.

Mit dem 2006er Siefersheimer Heerkretz hatten wir dann wieder einen großen Riesling im Glas. Der Wein präsentierte sich wunderbar frisch mit einem Bukett aus Blumen und frisch geschnittenem Kern- und Steinobst – alles in der leicht gelben Richtung. Dann kommen die Kräuter, fast wie eine Infusion, kombiniert mit Orangen- und Zitronenblüten. Herrlich die Säure, die Klarheit dieses Weins. Und das trotz des Stresses, den die Rebstöcke am 3. Oktober hatten. 80 Liter hat es auf jeden Quadratmeter des Heerkretz geregnet – doch die Rebstöcke haben es gut verkraftet.

Vielleicht ist der 2007er Siefersheimer Heerkretz der kompletteste, der typischste Heerkretz der gesamten Vertikale. Sebastian Bordhäuser, ein Teilnehmer der Runde, meinte später, der wäre ihm schon fast zu perfekt gewesen. War das Langeweile auf Grund von Perfektion? Ich kann es für mich nicht bestätigen. Ich mag in diesem Falle dieses Gelungene. Genau nach 150 Tagen Vegetationszeit, nach einem feuchten Sommer einem kühlen und trockenen September und Oktober wurde der Riesling geerntet. Viel Saft findet sich hier, Rauch, Stein, Salz, wiederum die leicht tänzelnden Säure. Der Wein ruht in sich selbst und hat sicher noch viele Jahre vor sich.

2008 dagegen war kompliziert und das merkt man dem Wein auch ein wenig an. Liegt der 2007er auf der gelben Seite, wirkt der 2008er Siefersheimer Herrkretz eher etwas grüner und deutlich kräutriger. Hier hat sich Daniel etwas verkalkuliert, wie er sagte. Die Trauben waren zwar sehr gesund aber irgendwann ging es nicht mehr weiter. Der Weinberg hing voll, doch die Mostgewichte kamen nicht so richtig zustande. Mit Hans-Oliver Spaniers Ratschlag im Ohr „ach Daniel, die Botrytis wird’s schon richten“, hat er dann nach seinem Geschmack zu früh geerntet. Ist es deshalb ein Wein, der negativ aus dem Rahmen fällt? Nein, gar nicht. Er ist so etwas wie die ungezogene kleinere Schwester des hübschen 2007ers, etwas dreckiger, etwas kühler aber eben so gar nicht weniger attraktiv.

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Siefersheimer Heerkretz 2009 bis 2013
Eine gewisse Veränderung des Stils beginnt mit 2009. Hier hat Daniel Wagner zum ersten Mal Holz eingesetzt, und zwar Halbstückfässer. Ein Teil des Weines wird jedoch weiterhin im Edelstahl ausgebaut – zumindest bis einschließlich 2011 denn seit 2012 gibt es nur noch das traditionelle Halbstückfass. Zwar deutete das, was wir vom  2009er Siefersheimer Heerkretz auf eine tolle Qualität hin, doch wirklich zu beurteilen war sie nicht. Hatte die erste Flasche einen deutlichen Korkschmecker, war es bei der Konterflasche wohl ein verdeckter. Der Wein hatte einen ungewöhnlichen Chrysanthemen-Geruch und wirkte matt und leicht pappig und kurz hinten raus, was nicht zum Rest des Weines, zum eigentlichen Volumen passte.

Der 2010er Siefersheimer Heerkretz war für mich neben dem etwas überraschend großartigen 2002er eindeutig das Highlight der Probe. Gerade einmal 19 Hektoliter pro Hektar hat der Jahrgang gebracht, noch weniger als 2005. Dafür aber ist die Qualität beeindruckend, der Wein vibrierend frisch, fordernd, salzig-steinig-mineralisch und voller Kräuter. Hier ist die Primärfrucht schon so gut wie weg, was bleibt ist eine Stein- und Kernobstfrucht, die sich wunderbar ins Gesamtbild integriert hat, unterlegt mit einer perfekten Säure. Wer den 2010er Heerkretz im Keller hat, wird noch viele Jahre großen Spaß mit dem Wein haben.

Der 2011er Siefersheimer Heerkretz stach aromatisch am stärksten aus dem Gesamtbild des Heerkretz heraus, als Einziger, muss man sagen. Entsprechend bin ich äußerst gespannt, wie sich dieser Wein entwickeln wird. Momentan erinnert er eher an einen Traminer denn an einen Riesling, was vor allem an der unglaublichen Würze liegt. Es ist der erste Wein, der eine Bio-Qualifikation hat, denn mit dem Jahrgang 2011, hat Daniel Wagner die Umstellung abgeschlossen. Der 2011er ist, wie schon gesagt, der würzigste der Weine, der mineralischste, der rauchigste und dunkelste der Weine und auch der kühlste. Er hat enormen Druck und eine feine, klare Säure. Wenn hier der Riesling in der Aromatik wieder die Oberhand gewinnen sollte im Laufe der Zeit, dann wird das möglicherweise das Heerkretz-Monument werden. Daniel Wagner jedenfalls glaubt daran und erklärt ihn zu seinem bisher besten Heerkretz – und er sollte es wissen.

Mit dem 2012er Siefersheimer Heerkretz hat Daniel dann ganz auf den Ausbau im Holz umgestellt. Er nennt dafür vor allem historische Gründe, denn Wein in dieser Gegend ist früher immer in solchen Gebinden ausgebaut worden und entsprechend nach historischem Vorbild hat er sie anfertigen lassen. Der Wein wird vor allem von Primärfrucht bestimmt. Diese ist hell und erinnert an Zitrusfrüchte, die mit Kräutern abgeschmeckt sind. Neben all der Frucht dominiert auch hier wieder Steinwürze, allerdings viel weniger, als beim 2011er. Brillant, wie bei fast allen Weinen außer 2003 und 2005 präsentiert sich die Säure und wunderbar fein ist die cremige Note am Gaumen. Für Daniel Wagner war 2012 eine der entspanntesten Lesen, und genauso entspannt präsentiert sich der Wein.

Heerkretz_05Daniel Wagner gehört zu den nachdenklichen und ruhigen Vertretern seines Fachs.

Für mich hat die Probe, die der Sommelier des Hauses, Jan Wilhelm Buhrmann uns vor Ort organisiert und eingeschenkt hat, zu einem ausgesprochen befriedigenden Ergebnis geführt. Es gab nur eine Ausfall, und da gleich samt der Konterflasche, das ist Pech und Schade, denn 2009 wäre sicher ein weiteres Highlight gewesen. Ansonsten war die Serie ein reiner Ausdruck des Terroirs, wie ich es verstehe, in Kombination mit den jeweiligen Wetterbedingungen. Bis heute zeigen die Weine kaum Alterungserscheinungen – das ist vielleicht die größte Überraschung dieser Probe. Nicht mal 2003 wirkte alt. Ihm fehlte die Säure, ja, er hatte einen Anflug, aber auch nur einen Anflug von Firniss in der Nase, doch alt schmeckt anders. Eigentlich ist der 2002er Jahrgang der einzige, von dem man sagen könnte, dass er jetzt wohl auf dem Punkt der vollen Trinkreife angekommen ist. Alles andere (und auch der 2002er) hat noch viele schöne Jahre vor sich. Und bei der Qualitätsdichte kann man eigentlich nur sagen, dass man dieses Gewächs eigentlich blind kaufen und weglegen kann.

Vielen Dank an den Miteigner des Schmidt Z & Ko., Carsten Schmidt sowie den Sommelier Jan Wilhem Buhrmann für die tolle Organisation und eine dicke Empfehlung für den Laden mit einer ausgezeichneten Weinauswahl, guten Küche und angenehmen Atmosphäre).

Axels letzte Weine: Koehler Silvaner (Krähberg) 2010 und Silvaner Auslese 2010

20/Nov/14 12:30 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Silvaner, Weiß, Deutschland

Als ich 2009 mit Alexander Gysler, dessen Weine ich damals schon in mein Programm aufgenommen hatte, in seiner Probierstube saß und ihn fragte, wessen Weine er mir aus seinem näheren Umfeld noch empfehlen würde, fiel ohne zu zögern der Name Axel Koehler. Axel hatte 2007 seinen ersten Jahrgang vinifiziert und zwar im gleichnamigen Weingut seines Vaters. Er war damals schon längst kein Neueinsteiger mehr. Er hat schon Jahre zuvor in Geisenheim studiert und zwar in einem Jahrgang mit Leuten wie Daniel Wagner. Leider aber konnte er nach dem Studium nicht ins heimische Weingut. Zu unterschiedlich waren die Interessen zwischen ihm und seinem Vater. Das ist nicht ungewöhnlich, gerade im Weinbereich und gerade in den 1990er Jahren, wo es einen großen Umbruch gab. Was vorher kleinkariert und verschlossen und wenig qualitätsorientiert wirkte, wollte die damals noch junge Garde, die sich später zu Message in a Bottle zusammengeschlossen hat, aufbrechen. Zu diesen Leuten gehörte Phillip Wittmann, Daniel Wagner, Hans-Oliver Spanier, Alexander Gysler und eben auch Axel Köhler. Während Alexander Gysler viel schneller in die Verantwortung gezogen wurde als er erwartet hatte – sein Vater ist 1999 verstorben -, und Daniel Wagner und Phillip Wittmann bei ihren Vätern auf deutlich mehr Offenheit stießen, ist Axel Köhler in die Ferne gezogen und hat auf anderen Weingütern gearbeite. Neben dem schon erwähnten Weingut Wittmann war er bei Marc Kreydenweiss oder auch bei Louis Latour.

Axel Koehler
Im alten Keller probieren wir den 2010er Jahrgang aus dem Fass.

Schließlich jedoch wollte sich sein Vater mehr und mehr zurückziehen und Axel wollte seine Chance nutzen. Es sind jedoch unterm Strich nur vier Jahrgänge geworden, die er vinifizieren konnte. Danach hat er entnervt aufgegeben weil er keine Perspektive sah, das Weingut letztlich doch nicht so führen konnte, wie er wollte und auch nicht investieren konnte. Der Fall Axel Köhler ist leider einer, bei dem dieser Umbruch, dieser Generationswechsel überhaupt nicht geklappt hat. Axel jedoch hat noch ganz andere Interessen, die er nun weiter verfolgt. Ich selber habe seine Weine zwei Jahre lange verkauft, bis auch ich einen anderen Weg eingeschlagen habe. Was aber trotzdem bleibt ist ein Verlust, denn Axel Koehler gehörte für mich zu den talentiertesten Weinmachern, die wir hatten. Und es war einer, der vor hatte, im alternativen Weinbau, beim Naturwein weiter zu gehen, als es die meisten anderen gemacht hatten.

Restzuckergehalt auf dem Fass notiertRestzuckergehalt des Silvaners während der Gärung auf dem Fass notiert

Sein Können bestätigt sich noch einmal in den Silvanern, die er 2010 vinifiziert hat. Der trockene Silvaner 2010 aus der Lage Krähberg in Heimersheim gehört mit zum Schönsten, was ich an Silvanern aus diesem Jahr getrunken habe. Es ist ein erdig-steiniger Wein vom Kalkmergelboden mit rauchigen Noten, einer verhaltenen doch immer präsenten Frucht und einer wunderbaren Cremigkeit am Gaumen. Das hat so viel Stil, wie man es von einem guten Burgunder erwartet, aber nicht unbedingt von einem rheinhessischen Silvaner. Dieser burgundische Eindruck mag auch dadurch zustande kommen, dass der Wein einen biologischen Säureabbau durchgemacht hat und die fünf Promille Säure wenig auffallen.

Die Silvaner Auslese 2010 liegt mit ihren 119 Grad Öchsle ein Grad unter einer Beerenauslese. Der Wein hat dabei im Gegensatz zum trockenen Lagenwein eine markante Säure von knapp 13 Promille. Das balanciert die Süße und macht sie nicht pappig. Silvaner als quasi Beerenauslese muss man lange suchen. Und da Silvaner für so eine Form von Wein oft zu wenig Säure hat, ist das auch kein Wunder. Hier passt es und es kommt ein markanter, ungewöhnlicher Weine zu stande, denn trotz aller Süße bleibt natürlich die geschlamckliche Charakteristik des Silvaners – und die erwartet man hier eigentlich nicht.

koehler_silvaner_02

Wer Interesse an diesen beiden Weinen an – es sind die letzten ihrer Art – kontaktiere mich bitte direkt per Mail (info ät originalverkorkt punkt de). Ich kann noch einigen Flaschen dieser außergewöhnlichen Weine vermitteln. Beide Weine dürften exzellent zur Gans passen, die Auslese zu einer Gänseleber aus vernünftiger Aufzucht, der trockene Lagenwein zur Weihnachtsgans. Der Silvaner (Krähberg) kostet € 14.90, die Auslese gibt es in zwei Varianten. Die 0,75l-Flasche liegt bei € 18,-, die 0,5l-Flasche bei € 12,-.

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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Mosel, Mittelrhein, Baden, Württemberg & Franken

29/Aug/14 15:00 kategorisiert in: Riesling, Silvaner, Weiß, Deutschland

Mosel & Mittelrhein

Es gibt Riesling-Gebiete, da passt die Idee des großen Gewächses nur bedingt. Mosel und Mittelrhein sind für mich solche Gebiete. Der Riesling-Stil, der hier gepflegt wird vielleicht durch eine erste Lage repräsentiert, selten aber durch die Idee des Großen Gewächses. Das merkt man vor allem an der Mittelmosel. Natürlich sind Weinmacher wie Ernie Loosen oder Markus Molitor in der Lage, Weine im Stil eines Großen Gewächses zu machen, das ist gar keine Frage. Aber für mich passt dass nicht immer so ganz zusammen mit dem, was ich typisch finde. Bei Haart oder Fritz Haag zeigt sich das für mich exemplarisch.

 VorpremiereGGWiesbaden_CaroMaurer_by_VDP_01Master of Wine Caro Maurer uns Wine Advocate Stephan Reinhardt – Deutsche Weinspezialisten auf internationalem Parkett. Copyright: Ralph Kaiser, VDP. Die Prädikatsweingüter

Auch hier, an der Mosel hat das Wetter in den letzten Wochen vor der Lese gnadenlos zugeschlagen und es hat massiv geregnet. Da musste man noch einmal sehr viel Zeit in den Weinberg stecken. Reinhard Löwenstein ist jemand, der das getan haben dürfte. Die Weine sind wieder hervorragend geworden, nicht so brillant wie im sensationellen Vorgängerjahrgang, doch er geht diesen präzisen klaren Weg weiter, den er vor zwei Jahren eingeschlagen hat. So ist der dichte, tiefe, ernste Riesling aus der Uhlener Blaufüsser Lay für mich auch momentan das stärkste Gewächs von der Mosel, und zwar eines zum Weglegen, während ich Kirchberg und Uhlen Laubach schon jetzt trinken wollen würde. Clemens Buschs Weine aus der Pündericher Marienburg dagegen sind für mich momentan kaum zu beurteilen. Sie präsentieren sich mit enormer Säure, dazu ziemlich verschlossen. Ich hoffe mal, dass sich diese Säure irgendwann integrieren wird. Von den 28 Großen Gewächsen, die bei dieser Probe präsentiert wurden, kommen gleich sechs von Ernie Loosen. Darunter befindet sich auch der ziemlich gigantische Erdener Prälat, eine Wuchtbrumme voll reifer Frucht, jeder Menge Schieferwürze, viel Säure und einer Balance und Tiefgründigkeit, die diesen Wein zu einem großen Wein macht. Dicht folgt das Erdener Treppchen und das Graacher Himmelreich. Zumindest die drei der sechs Weine machen jetzt und auch die nächsten Jahre großen Spaß. Leise und doch nachhaltig haben sich bei mir dann noch die beiden Gewächse von von Othegraven in meine persönliche Bewertungsskala geschlichen. Ich finde, Andreas Barth hat einen guten Job gemacht, die Weine sind noch etwas scheu, unaufgeregt mit feiner Frucht und einer guten Säurestruktur.

Der Mittelrhein ist für mich ebenfalls kein klassisches Gebiet für Große Gewächse, die von der Struktur her ja trockene Auslesen sind. Der Mittelrhein ist ein Gebiet für saftige, fruchtbetonte Kabinette und Spätlesen. Und doch machen diese Weine Spaß. Sie reichen nicht an GGs der Nachbarn Rheingau, Rheinhessen oder Nahe heran, das macht aber nichts. Denn erstens verleugnen sie ihre Herkunft nicht und bleiben fruchtbetont und zweitens kann man sich diese Weine auch mit kleinerem Geldbeutel leisten. Und alterungsfähig sind diese Weine, vor allem mit der Säure aus 2013.

Was ich mir in den Keller legen würde: Der Oberweseler Oelsberg von Laius-Knab, die Bacharacher Wolfshöhle von Ratzenberger, den Uhlen „Blaufüsser Lay“ von Heymann-Löwenstein, Den Erdener Prälat von Dr. Loosen und den Ockfener Bockstein von von Othegraven.

 VDP_by_Ralf_Kaiser_01Copyright: Ralph Kaiser, VDP. Die Prädikatsweingüter

Baden & Württemberg

Baden ist mit sechs, Württemberg mit 16 Großen Riesling-Gewächsen ins Rennen gestartet. Bei den weißen Burgundersorten kommen natürlich in Baden noch eine ganze Menge dazu. Allein, die habe ich während der zwei Tage nicht mehr geschafft. Für mich lag der Fokus auf dem Riesling, dem Silvaner und den roten Burgundern. Daher habe ich auch die württembergischen Lemberger nicht mehr probieren können, was mich ich sehr Schade fand.

Insgesamt hatten die Weine eine gute Qualität, wenn mich auch kaum ein Wein umgehauen hat. Vor allem die badischen Rieslinge sind nicht so mein Fall, sie sind mir zu weich in der Säure. Unter den Württembergern sind mir drei Weine aufgefallen, die mir sehr gut gefallen haben. Die beiden Pulvermächer-Rieslinge von Beurer und Haidle sowie der Drusenstein von Ellwanger. Das sind drei wirklich ausdrucksstarke, würzige Rieslinge, wobei der Drusenstein der vielleicht dunkelste und tiefgründigste der drei Weine war, Haidles Pulvermächer präsentierte sich gelbfruchtig und etwas leichter als der von Beurer während dieser am meisten druck hatte, gelbe Frucht mit einer schönen Blütenaromatik kombiniert hat, unterlegt mit Steinsalz und Kräutern.

Was ich mir in den Keller legen würde: Stettener Pulvermächer von Beurer.

 

Franken

Die Franken haben es schon seit Jahren nicht leicht. Das Wetter schlägt seine Kapriolen und haut immer wieder hart zu. So kann man zu vielen Großen Gewächsen aus Riesling und Silvaner nur schweigen. Manche wie die von Bickel-Stumpf aus 2012 vermisst man schmerzlich. Trotzdem finden sich einige wirklich gute Weine. Ganz klar dazu gehören der Silvaner und auch der Riesling Kallmuth von Fürst Löwenstein. Das sind wilde Weine außerhalb des Mainstreams, phenolisch, dicht, steinig, kräutrig mit hellen Tabaknoten und viel Biss. Sie wirken fast so ein bisschen dahingrotzt, trotzig. Die haben mir beide Spaß gemacht. Stark auch die würzigen, dunklen, steinigen Küchenmeister von Paul Weltner. Mit besserem Wetter ginge das alles noch besser, aber das ist schon ziemlich gut. Salzig ist der Riesling, medizinisch wirkt er fast, auch hier wieder ein Hauch Tabak, Kräuter, ich mochte da sehr gerne. Neben dem fast tänzelnden Centgrafenberg von Fürst hat mir die Kollektion von Hans Wirsching dieses Jahr wieder deutlich besser gefallen als in den letzten Jahren. Spielerisch leicht präsentierten sich die Weine aus dem Kronsberg, fordernder, robuster die Weine aus dem Julius-Echter-Berg, der Riesling mit gelber Frucht, gelben Pflaumen, der Silvaner mit süßer Reife, Noten von Grapefruit, Kräutern und Stein.

Was ich mir in den Keller legen würde: Iphofener Julius-Echter-Berg Riesling von Hans Wirsching, Homburger Kallmuth Silvaner von Fürst Löwenstein, Rödelseer Küchenmeister Hohe Leite Riesling von Paul Weltner.

Hier geht es zu den Notizen Rheinhessen & Pfalz

Hier geht es zu den Notizen Rheingau & Nahe

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Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Rheingau und Nahe

29/Aug/14 10:15 kategorisiert in: Riesling, Weiß, Deutschland

Rheinhessen und Pfalz war schon mal ein interessanter Start in die erste deutsche Riesling-Liga und es folgen zwei weitere Gebiete mit hohem Renommee für trockenen Riesling.

Rheingau
Es ist mittlerweile keine neue Erkenntnis mehr, dass sich viel tut im Rheingau. Das war auch bitter nötig. Das gesamte Gebiet erschien einem zwischenzeitlich wie abgehängt – immer abgesehen von einigen wenigen Konstanten, die auch im Jahr 2013 wieder die Phalanx bilden.

Beginnen wir mit dieser Phalanx, beginnen wir mit dem Schlossberg von August Kesseler. Es ist der Inbegriff des eleganten, feinen, reifen und gleichzeitig packenden Weines mit einer präsenten und doch feinen Säure und einer Spur reifer Restsüße. Der Roseneck kommt übrigens ähnlich daher und steht dem Schlossberg kaum nach. Wilhelm Weils Gräfenberg übrigens auch nicht, auch dieser Grand Cru ist eine Bank, ist eine Messlatte, an der sich alle anderen weiter messen lassen müssen. Auch hier findet sich diese noble Eleganz, gepaart mit Komplexität und Tiefe. Die Wein-Aristokratie hat mit diesen beiden Gütern weiterhin ihre Vertreter im Spitzensegment und diese Weine machen noch einmal völlig klar, welcher Stil im Rheingau berechtigterweise für lange Zeit das Maß aller Dinge war – ein Stil, den allerdings zu wenige der alteingesessenen Güter in dieser Präzision noch hinbekommen haben und stattdessen eher Karikaturen des Rheingauer Weinstils abgeliefert haben. Dieser Noblesse hat sich mittlerweile ganz etwas anderes zur Seite gestellt. Es ist ein unkonventioneller und fordernder Stil, der meiner Ansicht mach vor allem Elemente der rheinhessischen Schule mit aufnimmt. Die Weine werden kühler, mysteriöser, mineralischer, die Phenolik ändert sich, die Maischestandzeiten sind verlängert worden und gerade die Arbeit im Weinberg hat sich verändert.

Wilhelm_weilWilhelm Weil von der Großen Lage Gräfenberg

Das merkt man vor allem bei Dirk Würtz bei Balthasar Ress, bei Mark Barth, bei Johannes Eser vom Johannishof und in diesem Jahr vor allem bei Achim von Oettinger. Achim von Oettinger hat wohl von allen am meisten Gas gegeben, denn er trat mit dem Marcobrunn, dem Siegelsberg und dem Hohenrain an und alle drei Weine sind Knaller. Alle haben von allem viel – viel Saft, viel Reife, viel Säure, viel Phenole, viel Würze. Aber da ist nirgendwo zu viel und es ist alles balanciert. Der Wein erinnerte mich spontan an den Auftakt zu Film Planet der Affen 2001: Odyssee im Weltraum. Im Hintergrund beginnt Strauss‘ Also sprach Zarathustra, die Sonne geht auf und der Blick fällt aus der Froschperspektive auf einen großen Monolithen. Nur, dass das in diesem Fall der Marcobrunn von Oetinger war – in der Jeroboam, um im Bild zu bleiben. Ein kantiger Monolith, der noch viel Zeit braucht. Dirk Würtz' Weine bei Balthasar Ress dagegen sind wilder, mit viel Sponti, mit Gummi, das ist noch eine Achterbahnfahrt – nicht ganz so hart wie bei Schäfer-Fröhlich an der Nahe, aber es geht in die Richtung. Auf jeden Fall sind es ebenfalls ziemlich extreme Weine, teils sehr reif, der Schlossberg zum Beispiel, meine Herren, so viel Saft und Reife und dass dann trocken kriegen, ohne dass der Alkohol zu hoch geht, das ist sehr gut gemacht, auch wenn sie noch ein bisschen mehr Druck am Gaumen haben könnten, aber die Weine sind ja auch noch nicht fertig, sie entwickeln sich erst. Ähnlich wild, aber wieder anders sind die Weine von Johannes Eser vom Johannishof, der unter anderem einen hervorragenden Rottland abgeliefert hat. Da ist viel ungezähmte Energie drin, viel Biss, viel reife Frucht die so wirkt, als hätte man alte Obstsorten von Streuobstwiesen genommen. Gleichzeitig kommt dann aber ein cremiges Mundgefühl um die Ecke und eine damit einhergehende Eleganz und Kühle, die ich der Nase nach nicht erwartet hätte. Weitere Weinmacher sollten erwähnt werden. Jakob Jung zum Beispiel, der einen hervorragenden Siegelsberg auf den Tisch gestellt hat, eher klassisch, mit viel gelber Frucht, mit Creme und einer gelungen Struktur am Gaumen. Joachim Flick präsentiert mit dem Königin Victoriaberg und dem Nonnberg gleich zwei exzellente Gewächse, Fred Prinz' Große Gewächse aus Hallgarten sollten nicht vergessen werden und der der VDP-Neuling Ralf Schönleber vom Weingut F.B. Schönleber, der einen erstaunlich kühlen, minzigen Jesuitengarten und einen ganz anderen, sehr exotischen St. Nikolaus vorgelegt hat. Den Preis für die schrägsten Weine (und das nicht im negativen Sinne) bekommen von mir in diesem Jahr wiederholt das Gut Baron zu Knyphausen mit diesem massiven Holzeinsatz im Wisselbrunnen, der sich, ich habe im letzten mal ein paar ältere Experimente probiert, im Lauf der Zeit durchaus einzufügen weiß und Andi Spreitzer für seinen Rosengarten. Riesling trifft Gin trifft Bas Reichenhaller, kann ich da nur sagen. Ein ziemlich irrs Gewächs, das man unbedingt später noch mal probieren sollte.

Was ich mir in den Keller legen würde: Das ist verdammt schwierig, würde ich mal sagen. Die Bandbreite ist so groß und die Auswahl exzellenter und vor allem spannender Weine so breit gefächert. Bei der Klassik würde ich mich für August Kesseler Rüdesheimer Berg Schlossberg entscheiden. Auch bei Balthasar Ress würde ich mich für den Berg Schlossberg entscheiden. Dann der Rüdesheimer Berg Rottland vom Johannishof, der Erbacher Siegelsberg von August Eser und der Erbacher Marcobrunn von Achim von Oetinger.

weil_flaschenWeil hat es sich nicht nehmen lassen, aus Anlass der Zehn-Jahrfeier der Vorpremière vier Gräfernberg-Jahrgänge in der Doppelmagnum  zu öffnen.

Nahe
Im kleinen, feinen Gebiet Nahe liegt die Messlatte ziemlich hoch. Dafür ist es übersichtlich, denn es sind lediglich acht Erzeuger, die ihre Großen Gewächse präsentiert haben. Die Nahe-Weine von Kruger-Rumpf mag ich ähnlich, wie ich den Scharlachberg gemocht habe. Die Weine haben ein sehr gutes Niveau mit viel Würze und einem Trend zu leicht angeräuchertem Holz. Das macht aber Spaß und, das sollte man nicht unterschlagen, ist auch bezahlbar für jene, die erst damit anfangen, in die Welt der Großen Gewächse einzusteigen. Mir gefiel das einzige Große Gewächs von Dr. Crusius in seiner reifen, gesetzten und würzigen Art. Auch das ist kein Überflieger aber es ist ein solides Gewächs – ich hoffe, das klingt nicht zu despektierlich. Das Gleiche gilt für die Weine von Johann Baptist Schäfer, wo mir vor allem das noch verschlossene Goldloch mit seinen Kräuternoten gefiel. In der ersten Liga dieses Gebiets spielen dann Diel, das Gut Hermannsberg, Dönnhoff, Emrich-Schönleber und Schäfer-Fröhlich. Tim Fröhlichs Weine sind momentan kaum zu bewerten, so unglaublich wild präsentieren sie sich momentan. Dass sich da die Flaschen nicht von selbst bewegen und vom Tisch hüpfen, erstaunt mich fast. Für mich könnten diese Weine das Größte werden, was 2013 an der Nahe angefüllt wurde. Sie haben teilweise die Dichte eines schwarzen Sterns und wirken trotzdem verspielt. Das muss man erst einmal hinkriegen. Der Extraktgehalt dieser Weine ist enorm, die Spontinoten sind abschreckend, die Länge ist beeindruckend – geiler, wilder Wein. Wilder als sonst, spontaner gewissermaßen präsentieren sich die Weine vom Gut Hermannsberg. Die Weine des Gutes waren bisher nicht mein Fall, muss ich ehrlich sagen. ich konnte den Hype bisher nicht ganz nachvollziehen. Die Kupfergrube aber finde ich groß. Auch hier Sponti, dann Druck ohne Ende, wilde Phenole, Würze – da ist nichts Liebliches mehr an diesem Riesling, das hier ist die perfekte Dark Side of the Moon. Die drei Granden Diel, Dönnhoff, Schönleber dagegen kommen mit Weinen daher, die wie maßgeschneidert wirken, jeder auf seine Art. Das ist höchst elegant, zurückhaltend, zuvorkommend, gleichzeitig neben anderen Weinen ein bisschen – ich sage es ganz, ganz leise – langweilig. Wenn man sie für sich nimmt, vor allem die Hermannshöhle von Helmut Dönnhoff, muss man das mit der Langeweile streichen, das wäre nicht gerecht. Und gemessen an diesem recht schwierigen Jahrgang ist die Hermannshöhle halt mal wieder ziemlich perfekt in ihrer Art, volle Frucht mit den Noten des Gesteins zu verbinden, mit leisen Tönen die immer wieder zwischen Dur und moll schwanken. Das ist schon auch wirklich schön.

Was ich mir in den Keller legen würde: Die besagte Niederhausener Hermannshöhle von Helmut Dönnhoff, die Schloßböckelheimer Kupfergrube von Gut Hermannsberg, Schloßböckelheimer Felsenberg und Monzinger Frühlingsplätzchen von Schäfer-Fröhlich und die Traisener Bastei von Dr. Crusius.

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