Während Bonn gepflastert ist mit Ankündigungsplakaten zum Konzert von Andreas Vollenweider & Freiluftorchester … Moment Vollenweider? Ist das nicht der, der Tonabnehmer an seine Harfe gebastelt hat und in den Achtzigern die Sphärenmusik mitbestimmt hat, die Hintergrund jedes seriösen Wetterberichtes war? Ja, das ist er. Mich hat es auch gewundert, dass er noch öffentlich Saiten zupft.
Während die Stadt sich also auf dieses Konzert vorbereitet, habe ich mit Siggi mal ein paar Weine eines ganz anderen Vollenweider probiert, eines, der seit einigen Jahren an der Mosel Wein macht, aber nicht nur den gleichen Namen trägt wie der Barde, sondern ebenso wie dieser aus der Eidgenossenschaft stammt.
Daniel Vollenweider, so sein voller Name, ist einer, den mal vor einigen Jahren eine Scharzhofberger Riesling Auslese so gepackt hat, dass er an die Mosel gefahren ist, winzige Lagen rund um Traben-Trarbach gekauft hat und seitdem Wein macht – verkürzt natürlich nach eigener Aussage. Ab Hof verkauft er die wenigen produzierten Flaschen nicht, es gibt nur einige wenige Händler, aber der Ruf seiner Weine ist ausgezeichnet.
Bisher hatte ich nichts von ihm getrunken, an diesem Abend aber haben wir zwei Weine geöffnet, immer im Vergleich mit einem Wein anderer Winzer und Lagen aus dem Großgebiet Mosel.
Der 2008er Schimbock riecht im ersten Moment ein wenig unangenehm, so als hätte jemand das Zimmer nicht gelüftet, in dem sich vorher ein Verschwitzter aufgehalten hat, dazu kommt etwas Soßiges. Das verfliegt aber mit der Zeit und zum Vorschein kommt ein noch etwas verhalten wirkender Jüngling. Eine feine Mineralität und Würze findet sich in diesem Wein und ein Hinweis darauf, dass er noch ein bisschen seine Ruhe haben möchte.
Viel vitaler und agiler ist der 2008er Grünhäuser Abtsberg Superior. Da hat man zwar erst mal den Eindruck, man würde die Nase über eine frisch geöffnete Tüte Haribo-Goldbären halten, über die jemand eine ganz feine Prise Fleur de Sel gestreut hat, aber auch dieser Duft verfliegt und weicht dem Duft eines frischen Apfels mit Salz und Würze. Diese Aromen finden sich dann auch wieder im vollsaftigen Geschmack. Kernobst und frischer Apfel mit salziger Mineralität und Kräuterwürze, einem feinen Hauch von Lakritzen und einer leichten, sehr angenehmen Bitternote. Das Filigrane des Schimbock geht dem Abtsberg der C. von Schubertschen Gutsverwaltung Maximin Grünhaus, so der ellenlange volle Titel, tatsächlich ab. Aber weh tut es mir darum kein bisschen. Dieser Wein macht so viel Spaß, ist dicht und frisch und die Harmonie von feiner Säure, Mineralität und Süße ist das, was ich an restsüßem Riesling liebe.
Die zweite Gruppe bildeten die 2007er Spätlese Goldkapsel aus der Wolfer Goldgrube von Vollenweider sowie die 2007er Spätlese aus der Lage Brauneberger Juffer von Fritz Haag.
Wie auch der Schimbock hat Vollenweiders Wein aus der Goldgrube als Unterton ein wenig was Gemüsiges in der Nase, dies wird aber überlagert durch einen Strauß Blüten und einige Bonbons. Im Mund vibriert diese 07er Spätlese, als sei sie kaum zu bändigen. Eine herrlich deutliche Mineralität liegt unter der Süße, neben feinen Birnenaromen wirkt der Wein leicht nussig. Im Gegensatz zum viel breiteren Haagschen Wein hat die Wolfer Goldgrube mit Bodenhaftigkeit nichts am Hut. Der Wein, dessen Trauben von Stöcken mit wurzelechten Reben stammen, schwebt und wirkt sehr sehr jugendlich.
Daneben wirkt der ebenfalls exzellente Riesling aus der Brauneberger Juffer Sonnenuhr fast ein wenig breit – allerdings nur im direkten Vergleich. Hier herrschen satte, vollreife, fast kandierte Pfirsicharomen vor, in der Nase kommt etwas Ananas hinzu. Auch dieser Wein ist sehr gut ausbalanciert und trägt so eine Form von Noblesse mit sich herum. Ein Zeugnis von Tradition, exzellenten Lagen, ausgezeichnetem Traubenmaterial und viel, viel Erfahrung. Haags Weine sind Jahr für Jahr eine Bank, auf die man sich noch verlassen kann.
Ach, da haben wir gestern doch glatt inoffiziell die Spargelsaison eröffnen können. Offiziell gibt es den erst frühestens am Wochenende, zumindest am Niederrhein. Dass mein Gastgeber trotzdem welchen bekommen hat, liegt wohl daran, dass er seit vielen Jahren bei seinem bevorzugten Spargelbauern ein sehr guter Kunde ist.

Ich kam ziemlich abgehetzt in Goch an, hatte viel länger gebraucht für die Strecke und das Essen stand schon auf dem Tisch. Spargel satt, Schinken satt, zerlassene Butter satt und ich konnte frischen 2009er Silvaner von Alexander Gysler mitbringen. Ein herrlich stoffiger Gutssilvaner ist das geworden mit einer schönen Kräuternote und ordentlicher, leicht salziger Mineralität. Zu diesem Gericht eine kongeniale Ergänzung.
Und solch ein Essen ist ja immer wieder echtes Soulfood!
Momentan bin ich ja dabei, einen kleinen Online-Shop mit einer originalverkorkten Auswahl an Weinen zu füllen, und darunter leidet ein wenig die Dichte an Veröffentlichungen im Blog. Bevor aber die Notizen verstauben und die Erinnerungen verblassen, denke ich gerne zurück an den letzten Donnerstag, als ich abends mit Siggi einige Weine probiert habe, beispielsweise den Chablis Premier Cru Fourchaume von Goulley wie auch diesen Ziereisenschen Chardonnay mit dem altüberlieferten Parzellennamen Hard.

Die Ziereisens haben mir auf der Prowein Dienstagmorgen eine Stunde ihrer Zeit widmen können, der Zeitpunkt war gut gewählt; denn sonst ist es am Gemeinschaftsstand von Ziereisen – Molitor – van Volxem sehr, sehr voll. Dort habe ich neben den Pinots und dem Syrah die ganze Reihe unfiltrierter Weißweine des neuen Jahrgangs probieren können und der Chardonnay ist mir förmlich auf der Zunge explodiert. Daher war ich sehr gespannt auf diesen handverlesenen Wein. Der Mann ist ja vor allem bekannt für seine Pinots, die sich in ihrer Stilistik zunehmend ändern von eher holzbetonten, kräftigen Typen zu klar strukturierten, leichteren aber ganz präzisen Tropfen. Darüber sollte man seine Weißweine nicht vergessen, die von außerordentlicher Güte sind.

In der Nase wirkt der Wein ein wenig elsässisch, so blumig-duftig steht er im Glas. Ich hatte ein wenig Angst, dass er vielleicht zu fett geraten sein könnte, wie es häufig passiert mit Chardonnays, die Holz gefühlt haben. Hier? Mitnichten. Was nach der blumigen Nase im Mund verströmt, sind feine gelbe Früchte mit einem leichten Touch von Holz – lediglich und zum Glück 10 Prozent neue Barriques und 90 Prozent gebrauchtes Markgräfler Holz – und Karamell. Dieser Wein ist enorm aromatisch und dicht, dabei aber eben kein Stück schwer. Im Gegenteil, da gibt es genügend kalkige Mineralität und eine hervorragende Säurestruktur, die diesen leicht trüben, da unfiltrierten Wein zu einem Erlebnis macht.
Vorletzte Woche habe ich Alexander Gysler in Alzey-Weinheim besucht. Er gehört mit zu den Winzern, die sich zum Netzwerk message in a bottle zusammen gefunden haben, den Weinbau in Rheinhessen zu neuen Qualitäten vorantreiben und das Gebiet für mich zur momentan spannendsten Region werden lassen. Über Wagner-Stempel oder Keller oder Wittmann muss man da gar nicht weiter viel schreiben, das Netz ist voll davon, über Sander, Winter oder Koehler habe ich das auch schon getan, nicht aber beispielsweise über Villa Bäder oder eben Alexander Gysler.
Letzterer musste nach dem plötzlichen Tod des Vaters 1999 ziemlich rasch das Gut übernehmen und hat dies ganz konsequent in den letzten Jahren zu einem Demeter-Betrieb umgewandelt. Was bei all seinen Weinen beeindruckt, ist, wie reintönig und sortentypisch all seine Qualitäten sind, vom Literwein bis zum Riesling JC. Diese Weine sind immer zunächst zurückhaltend, von klarer Frucht und feiner Würze. Zurückhaltend wohl, so Alexander Gysler, weil seine Lagen mit zu den kühlsten in Rheinhessen gehören.

Gyslers Weine sind glockenklar, wenn ich das mal so formulieren darf, reintönig und frisch, wie zum Beispiel der Silvaner "alte Reben", den ich gerade im Glas habe. Feine Würze paart sich mit Aromen von reifer Birne, dabei wirkt er leicht salzig und mineralisch vom rotliegenden Gestein. Trinkt man den Wein, füllt sich der Mund mit der gleichen herrlichen Kombination aus Würze und Frucht, gepaart mit einer leichten Restsüße. Der Wein ist fülliger als zunächst in der zurückhaltenden Nase vermutet, dabei aber trotzdem wunderbar klar und gradlinig, mit einem langen Abgang. Ein feiner rheinhessischer Silvaner.
Das Bedrückende an diesem Wein ist, um es vorweg zu sagen, die schlechte Qualität der Korken. Allein drei Flaschen meines Sechser-Kartons hatten bisher Kork. Das ist sehr ärgerlich wegen des Preises und auch wegen des entgangenen Genusses eines Weines, der ansonsten sehr viel Spaß macht. Leichte Alterungsnoten mischen sich in eine Melange aus Honig, sattem hochreifen Steinobst und etwas Panna Cotta.

Ein sehr cremiger Riesling mit einigem Restzucker, feiner Säure, schönen Mineralen und herrlichen Südfrüchten. Allein der Abgang scheint etwas kurz geraten bei diesem reifen Wein, über dessen Schöpfer und Weingut so viel geschrieben worden ist in den letzten Jahren, dass ich mir das an dieser Stelle spare.
Amüsant aber ist, wo ich gerade die bisherigen drei Artikel verlinke, dass im ersten steht, dass ich den 2005er Saar Riesling bei einem Freund getrunken habe, der sonst keinen Riesling trinkt und dieser der Einzige sei, den er mögen würde. Gestern habe ich der Burgunderfrau einen eingeschenkt und siehe da, jene, die sonst Riesling als Fiesling verschmäht, fand Gefallen an diesem vollen, reifen Tropfen, dem anscheinend eine gewisse Riesling-Markanz abgeht, die die meisten anderen Weine dieser Rebsorte sonst wohl vorweisen.
Allein hier Artikel 1, 2 und 3.
Es gibt Weine, die sind nicht unbedingt was für offizielle Verkostungen, die tun sich im Zweifel sogar auf Gastronomieweinkarten schwer – und sind trotzdem ausgezeichnet. Woran liegt es? Es liegt daran, dass sie erst am zweiten Tag so richtig aufdrehen oder nach längerer Zeit im Dekanter. Für Rotweine ist dies Verhalten bekannt. Bei Weissweinen wird aber oft ignoriert, dass auch dieses durchaus Zeit brauchen um Sauerstoff in sich aufzunehmen damit sie sich entfalten können.
Der Alzeyer Rotenfels von Axel Koehler ist so ein Wein. Zunächst nämlich wird man die Perle im Innern kaum finden. Der Wein wirkt streng, zurückgezogen, fast mürrisch. Man muss ihn erst zähmen. Die Zeit muss ihn zähmen. Gibt man ihm die Stunden eines Tages, wird er sich öffnen. Er behält seinen eigenen Charakter, aber er kommt näher. Aromen von gelben Früchten, vielleicht Mirabellen, entwickeln sich genauso wie leicht tropische Aromen. Dabei wird der Wein weicher und in einem sehr angenehmen Sinne opulenter und gleichzeitig filigraner. Geht das? Ja, das geht. Denn zum einen wird der Wein deutlich voluminöser und die Aromen öffnen sich, zum anderen wird das Wechselspiel zwischen Frucht und Säure klarer, salzige Mineralik kommt hinzu und der Abgang wird immer länger.

Es ist Axel Koehlers Riesling-Prunkstück im Keller. Er, der erst seit ein paar Jahren unter eigenem Namen vinifiziert – ich sprach es schon hier an –, schafft hier einen Cru, der manch Großem Gewächs heftige Konkurrenz machen dürfte. Der Riesling stammt von Kalkmergel-Böden, die Ernteausbeute liegt bei unter 35 hl pro Hektar. Die Kellerarbeiten sind geradezu bewusst archaisch: keine Temperaturkontrolle während der Spontanvergärung, Nutzung alter Stückfässer bzw. Steingutbehälter.