originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Weinrallye 38: Underdog Scheurebe

Der Würtz war heute ganz schön früh unterwegs mit seinem Beitrag zur 38. Weinrallye und hat einen Beitrag verfasst, der den Nachfolgenden von der Pflicht entbindet, über die Herkunft jener Rebsorte, die heute Thema der Weinrallye ist, lang auszuschweifen. Dirk Würtz schreibt über Herkunft und Namensänderungen der Scheurebe und weist auf eine Besonderheit hin, die mir nicht präsent war, nämlich, dass es die einzige entnazifizierte Rebsorte im hiesigen Rebsortenspiegel ist.

Marquee, der in seinem Blog "allem Anfang…" über kulinarische Eskapaden berichtet, hat das heutige Thema postuliert und für mich war es keine Frage, mich für die trockene Heimersheimer Scheurebe 2009 von Axel Koehler zu entscheiden. Dort – Heimersheim gehört zu Alzey – liegt die Wiege dieser Züchtung, die ein gewisser Dr. Georg Scheu zu Anfang des 20. Jahrhunderts gekreuzt hat, wobei ein Elternteil dieser ziemlich erfolgreichen Neuzüchtung der Riesling ist. Der andere Elternteil dürfte eine bis dato unbekannte Wildrebensorte sein die wohl genau wie der Riesling aus dem Spektrum der Aromarebsorten stammen dürfte.

Die duftige, spätreifende Sorte wird häufig als der rheinhessische Sauvignon Blanc betitelt und es gibt glücklicher Weise immer mehr Winzer, die die Originalität und Qualität dieser Rebsorte für sich wiederentdecken, und dies nicht nur für den Bereich der Beeren- und Trockenbeerenauslesen sondern ebenso im trockenen Bereich. Ähnliches gilt auch für die Huxelrebe, die ebenfalls aus dem Kreuzungslabor des Dr. Scheu stammt.

Axel Koehlers Liebe gilt neben den anderen klassischen weißen, rheinhessischen Rebsorten Riesling, Weiß- und Grauburgunder und Silvaner eindeutig der Scheu. Er verzichtet bewusst auf den Anbau von Sauvignon Blanc und hält ihn für weitestgehend überflüssig in einem Landstrich der mit der Scheurebe doch so eine feine Spezialität als Alternative zu bieten hat. Ich gebe ihm weitestgehend Recht, auch wenn es durchaus einigen Sauvignons aus der Ecke gibt, die ich richtig gerne mag, finde ich es schlicht abwechslungsreicher, wenn der Fokus auf den Rebsorten liegt, die zur Region gehören.

Koehler macht ja erst seit wenigen Jahren seinen eigenen Wein auf dem familieneigenen Weingut, ich hatte es hier schon mal ausführlicher beschrieben, und sein 2009er Jahrgang ist vom Angebot her umfangreicher als die Jahrgänge davor, eine Neuerung ist eben jene Scheurebe als  Ortswein. Bisher gab es diese als Gutsweinqualität, und auch diese ist herrlich frisch und duftig. Der Wein wurde im Steingut und im alten Holzfass ausgebaut, spontanvergoren, wie alle Weine Axel Koehlers, dessen Betrieb zwar von keiner Bio-Institution zertifiziert wurde, in dessen Weinberge jedoch kein Gramm Chemie kommt. Koehler kommt der Idee des Naturweins sehr nahe, wer in seine Weinberge schaut sieht, was ich meine und andere Winzerkollegen mögen den Kopf schütteln darüber, wie Koehler arbeitet, wie wild die Hänge aussehen und wie wenig er scheinbar verändert. Dabei arbeitet Axel Koehler mit sehr viel Energie und Überzeugung daran, die Reben so stark und gesund wie möglich zu kriegen.

Zurück zum Wein. Dieser präsentiert sich in der Nase zurückhaltend. Das ist keine Aromenbombe wie man es vielleicht erwarten mag wenn man schon viel Sauvignons und Scheureben in der Nase hatte.Es sind eher leicht florale Noten und feine Frucht von Stachelbeeren und Johannisbeeren die ich hier finde. Zusammen mit ein wenig Süßholz und einem klaren Ausdruck des Bodens: Würze und Mineralik bestimmen den Wein stärker als irgendwelche Obstfrüchte. Da wird schnell klar, dass dieser Wein kein Schmeichler ist. Der Wein hat neben den feinen Aromen ordentlichen Biss, Salz und Extrakte – dabei aber trotzdem ein schöne Crèmigkeit.

Wie ich es von allen wilden Weinen des Axel Koehler kenne ist auch die Scheurebe ein Wein, der Luft und Zeit braucht. Ein langsamer Wein gewissermaßen. Einer, der eine gewisse Aufmerksamkeit einfordert. Einer, den ich immer dekantieren würde und der sich am zweiten Tag noch mal deutlich offener zeigt als am ersten. Und einer, der die Besonderheiten von Sorte und Boden schön zusammenführt.

Ach ja. Und der Begriff Underdog im Titel der Rallye mag richtig sein und die Scheurebe wird wahrscheinlich nie die Verbreitung finden, die der Sauvignon Blanc bereits hat. Aber die Scheurebe findet wieder merklich mehr Wertschätzung, so, wie es glücklicher Weise auch anderen, zwischenzeitlich geschmähten Sorten ergeht. Es gibt immer mehr Winzer, die sich mit Liebe und Verantwortung wieder den klassischen (bzw. schon fast als klassisch zu bezeichnenden neugezüchteten) Sorten widmen und nicht den gerade modernen Reben. Und es gibt wieder zunehmend mehr Publikum, welches diese Bemühungen honoriert. Und das ist ein guter Weg.

Weinfund: Neumond

ich habe irgendwann zu Anfang dieses Jahres Wein bei der Deutschen-Wein-Entdeckungs-Gesellschaft bestellt, subscribiert gewissermaßen, auf gut Glück. Im Vertrauen auf den Geschmack Carsten Sebastian und Stefanie Henns. Denn diese stehen hinter der Gesellschaft mit der schön gemachten Website und der sehr ansprechenden Idee: Jedes Jahr mit einem besonderen Winzer einen besonderen Wein zu machen den es so nicht noch einmal geben wird. Bestellbar im 3er oder 6er Paket.

Im ersten Jahr war es der Rote Baron des Weingutes Knipser, eine ganz ungewöhnliche Rotweincuvée, doch da war ich noch nicht an Bord. Nun habe ich diese Woche das Fundstück erhalten und bin sehr gespannt, was für ein Wein es tatsächlich sein wird. Es ist ein Wein von Klaus Peter Keller aus einer Lage innerhalb der Abtserde die über 20 Jahre nicht mehr kultiviert worden war, eine, die im Gegensatz zum weißen Rest des Weinbergs roten Boden hat, einen Boden mit hohem Eisenoxidgehalt. 2006 hat Keller die Parzelle gerodet und mit einer wilden Mischung selbst vermehrter Riesling-Rebstöcke bepflanzt. Die Trauben dieses ersten Jahrgangs wurden im November letzten Jahres geerntet, ein Wein mit 96 Grad Öchsle, also Auslesequalität, die Trauben wurden entrappt und über sechs Stunden vorsichtig gepresst, um dann mit eigenen Hefen im Stahltank vergoren zu werden. Vier Monate lag der Wein auf der Feinhefe bis er im Mai abgefüllt wurde. "Ein Tick wilder Verruchtheit" liegt laut Klaus Peter Keller in diesem Wein, den Keller und Henn Neumond getauft haben da die kühle, helle Schönheit des weißen Bodens der Abtserde Henn an einen Mond denken lässt. Nun gibt es einmalig einen neuen Mond. Und ich bin gespannt darauf.

Später mehr.

Fünfzehn mal Sauvignon Blanc

Sauvignon Blanc nimmt man meist irgendwie so mit, finde ich. Den bestellt man mal mehr oder weniger zufällig im Restaurant oder kauft hier oder da mal ein paar Flaschen. Irre ich mich? Natürlich gibt es jene, die gerne einen vernünftigen Sancerre trinken oder ein Flaschenregal voller Weine von Didier Dagueneau besitzen. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Vorlieben selten sind.

Fest steht, dass der Sauvignon Blanc mit zu den Cépages Nobles, den edlen Rebsorten dieser Welt zählt und wahscheinlich aus Traminer x Chenin Blanc entstanden ist. Neben den klassischen Gebieten an der Loire wird er gerade in Neuseeland und Südafrika mit Erfolg angebaut und nach Europa exportiert während hier immer mehr Massenertragswinzer den Sauvignon Blanc als Rebsorte sehen, die einfach zu handhaben ist und sich zunehmend gut verkauft.

Auf eine Stufe mit großen Rieslingen oder Chardonnay dürften ihn die wenigsten stellen. Wie gut Sauvignon Blanc sein kann wollten wir daher mal in unserem Bonner Weinzirkel näher untersuchen und haben uns am Samstag 15 verschiedenen SBs gewidmet, vornehmlich aus Europa.

Stefan Sander, Sauvignon Blanc 2009, Thomas Pichler Sauvignon »Puiten« 2009, Wagner-Stempel Sauvignon Blanc 2008

Über das Weingut Sander habe ich schon mal an anderer Stelle ausführlicher berichtet, als Einstiegswein in die Runde fand ich Stefan Sanders Sauvignon Blanc genau richtig. Der Wein wirkt frisch und belebend, die Spätlese perlt noch leicht, wirkt pfeffrig und dicht und macht es mit seiner leichten Restsüße den meisten in der Runde einfach, den Wein zu mögen. Zum Schluss des Abends noch mal verkostet hat der Wein deutlich an Vielfalt gewonnen, Steinobst mischt sich mit Maracuja und das Pfefferl bleibt im Glas.

Auf Thomas Pichlers Weine bin ich durch Zufall aufmerksam geworden. Ein Praktikant im Büro sprach von ihm, es ist so in etwa der Nachbar seiner Eltern und er schwärmte von den Weinen die Pichler dort in Kaltern am See vinifiziert. Der  Puiten wirkt deutlich grasiger als der rheinhessische SB, etwas grün noch und vor allem ein wenig brandig und bitter in der Kehle. Fiel er zu Beginn in der Runde durch, hat er sich im Laufe des Abends durchaus entwickelt und irgendwann fünf Stunden später hat er das Brandige ein wenig verloren.

Auch Daniel Wagner habe ich hier schon häufiger vorgestellt und ich kam nicht umhin, einen Wein eines meiner Lieblingswinzer aus Rheinhessen mit in die Runde zu werfen. Er macht nur eine Qualitätsstufe Sauvignon Blanc, diese aber hat mir von Anfang an gefallen. Der 2008er SB wirkt schon in der Nase sehr cremig – was sich am Gaumen bewahrheitet. Im Gegensatz zu Sanders eher fruchtbetonten und Pichlers eher grasigen Sauvignon liegt der Fokus bei Wagners Wein beim leicht gekochten Gemüse mit einem Hauch Stachelbeeren und Johannisbeeren. Dabei hat der Wein viel Kraft und Volumen und ist ebenfalls mit einer ganz leichten Restsüße ausgestattet, was nicht jedem am Tisch gefiel.

Weingut Aufricht, Sauvignon Blanc »Lilie« 2008, Johner Estate, »Gladstone« Sauvignon 2008, Reiner Schnaitmann Sauvignon Blanc *** 2008

Aufrichts Sauvignon Blanc ist bekannt und wird geschätzt. Ich kann diese Wertschätzung beim 2008er Lilien nicht wirklich unterstreichen. Der Wein wirkt aufgesetzt, die Komponenten passen nicht ganz zusammen, die Stachelbeernote steht zu stark im Vordergrund, dahinter kommt etwas gekochtes Gemüse und leichtes Gewürz, im Abgang allerdings hat dieser Wein etwas Alkoholisch-Bitteres, was er den ganzen Abend nicht verliert und mir auch schon bei anderen Verkostungen aufgefallen war.

Als Pirat hatte ich an diese Stelle den 2008er Gladstone von Johner Estate, Neuseeland gestellt. Es ist also gewissermaßen nur ein halber Pirat denn der Macher hat schon einen deutschen Weinstil. Nach Aufrichts und vor Schnaitmanns  SB ist beim Gladstone keiner darauf gekommen, dass er aus fremnden Ländern kommen könne. Der Wein besitzt ein feine, kühle Mineralik, wir vermuteten ein höheres Alter, nicht weil der Wein schlaft wirkte sondern eher einige Alterungsnoten in der Nase darauf hindeuteten. Geradlinig wirkt er, mit leichter, aber nicht störender Bitternote, wie etwas Medizinisch-Bitter-Kräutriges. Ein Neuweltwein der überhaupt nicht den Vorurteilen und auch Erfahrungen entspricht, die ich mit neuseeländischen Sauvignons bisher gemacht habe.

Rainer Schnaitmann gehört ja zu den Schooting-Stars der deutschen Weinszene und bis vor wenigen Jahren hätte man kaum vermutet, dass im Raum Stuttgart-Fellbach mal große Weine entstehen würden. Schnaitmann hat bewiesen, dass das geht und seine Spätburgunder und Lemberger können wirklich beeindruckend sein. Bekannt ist er aber auch für seinen Drei-Sterne-Sauvignon-Blanc. Diesen allerdings hätte ich eher bei den burgundischen Chardonnay verortet. Die Nase ist völlig untypisch, es sind eher gelbe, reife Birnen, die hier wirken, Karamell-Créme und Kräuter. Der Wein wirkte an dem Abend ein klein wenig dropsig-aufgesetzt, zwar gut, lang, dicht, aber nicht wirklich fein – was uns alle etwas überrascht hat.


Domaine Vacheron, Sancerre »Les Romains« 2006, Alphonse Mellot »La Moussière« 2005, Tenuta Terlan »Quarz« 2007

Die Domaine de Vacheron, ein biodynamisch arbeitender, ziemlich großer (80 Hektar) Betrieb, hier schon mal erwähnt, liegt im Herzen des Gebietes, im Dörfchen Sancerre. Die Vacherons produzieren ausgezeichnete roten Sancerre genauso wie weltweit anerkannte weiße Sancerre. Der Les Romains ist das Flagschiff des Betriebes, aus den besten Silex-Lagen ausgewählt und im Holzfass ausgebaut. Es ist der bisher feinste, subtilste Wein des Abends, sechs Stunden vorher geöffnet merkt man, dass er noch gut einen Tag mehr hätte haben können. Der Les Romains duftet nach Stein und Kräutern, im Mund findet sich neben Fruchtnoten etwas Salz auf Feuerstein, im Gegensatz zu allen bisherigen Weinen ist er dabei knochentrocken. Ein Sauvignon Blanc für Fortgeschrittene, würde ich sagen, leise, fein, präzise, dicht und lang, großartig.

Aus dem selben Gebiet stammt der – ebenfalls biodynamisch ausgebaute – La Moussière von Alphonse Mellot. Mellot, der auch als Mister Sancerre bezeichnet wird, hat einen deutlichen Anteil am neuen Aufstieg der Appellation. Sein Wein hat stilistisch nichts mit dem zu tun, was die Vacherons unter biodynamisch ausgebautem Sancerre verstehen. Mellot gehört zu jenen, die ihre Weine oxydieren lassen, was man mögen muss, denn es führt zu einer expressiven, dichten Nase vollreifer Birnen und gelber Äpfel, zu dem sich hier ein Hauch Grapefruit gesellt, unterlegt mit etwas Silex. Das ist ein massiver, robuster Wein, der im Laufe des Abends noch gewinnt, zu Beginn jedoch – trotz früher Öffnung – etwas kantig und trotz seiner Alters fast noch etwas unreif wirkt, wobei er es neben der Subtilität des Vacheron auch wirklich schwer hat.

Der Quarz der Tenuta Terlan, Jahrgang 2007, fällt in diesem Flight deutlich hintenrüber. In der Nase Stachelbeer, Cassis, Stein und Gras, im Mund zu viel Alkohol. Schade, der 2006er Jahrgang war deutlich besser und ich glaube auch nicht, dass sich dieser ganze Alkohol noch einbinden wird.

Gross, Sauvignon Blanc »Ratscher Nussberg« 2007 – Tement »Zieregg« 2007 – Lis Neris »Picol« 2007

Der dritte Wein im Flight, der Picol von Lis Neris passt stilistisch viel eher zum Quarz der Tenuta Terlan, die beiden Weine aus der Steiermark dagegen sind eine Welt für sich. Im Lis Neris aus dem Friaul finden sich wieder die Aromen von Stachelbeere, Cassis und ein wenig kräutrige Mineralik, allerdings fehlt hier glücklicherweise die alkoholische Komponente. Insgesamt aber lässt mich der Wein eher kalt.

Ganz anders der Ratscher Nussberg und die Steigerung, der Zieregg von Tement. Ich habe bisher nicht viele Sauvignon Blancs auf diesem Niveau getrunken und sie zeigen auch noch nicht in voller Breite, was sie wirklich drauf haben, dazu hätte man sie länger lagern müssen aber das hier ist schon großes Kino. Im Ratscher Nussberg findet sich von Allem reichlich. Diese Steiermarkschen Weine haben nichts mit der Subtilität eines Vacheron zu tun. Neben einer Veilchen-Laktritznote und Gemüse findet sich Holz, noch nicht ganz perfekt eingebunden aber dafür ist der Wein noch etwas zu jung, viel erdige Mineralik und ein wenig Pfeffer. Der Wein ist saftig, voll und massiv und zeigt, dass das Weingut Gross auch zu den Großen in Österreich gehört.

Der Zieregg von Tement, ebenfalls aus der Süd-Steiermark, wird oft als bester Sauvignon Blanc Österreichs benannt. Das mag sein denn dieser Wein ist beeindruckend gut. auch hier merkt man direkt, welches Potential hinter der Klasse, die er jetzt schon hat, noch schlummert. Er ist erst drei Jährchen alt und dürfte das Potential für ein gutes Jahrzehnt in sich tragen. Veilchen, Blumen, Vanille und exotische Früchte mischen sich in einer Balance aus Wucht und Finesse, Créme und Säure halten sich die Waage und zum Schluss kommt noch eine ganze Ladung frischer Äpfel angerauscht. Klasse!

Angelo Gaja, »Alteni di Brassica« 2006, Langhe – Manincor »Lieben Aich« 2006, Alto Adige – Didier Daguenau »Silex« 2006, Pouilly-Fumé

Wir waren uns ja nicht sicher, ober wir diesen teuren Wein – so um die fuffzig Euro – mit einbauen sollten, wir hatten so ein wenig Bedenken, ob das Verhältnis stimmen würde. Dagueneau ist ja nochmals teurer, dafür ist er legendär, was man von Gajas SB nun im Gegensatz zu seinen Barolo und Barbaresco nicht behaupten kann – dafür ist alles, was er macht immer teuer.

Und der Wein? Ja, er ist teuer und ich würde ihn mir für den Preis nicht kaufen. Aber, er ist gut, sehr gut, eher zurückhaltend in der Nase mit ein wenig Limonenschale und etwas Stein wirkt der Wein von Beginn an, wir hatten die letzten drei Weine karaffiert, crémig und gleichzeitig säurebetont fordernd mit einem ganz eigenen Charakter der sich weder zu den Loire-Getreuen gesellt noch zur deutschsprachigen Gemeinde.

Kürzlich bin ich bei meiner Recherche über Thomas TeibertDomaine de l’Horizon, auf den Sauvignon Blanc »Lieben Aich« gestoßen. Thomas Teibert war Kellermeister bei Manincor, dem Weingut der Grafen Goess-Enzenberg, einem biologisch-dynamisch arbeitenden Südtiroler Gut mit viel Renomée und er hat auch Jahrgänge des Lieben Aich verantwortet, den Kritiker zum besten Sauvignon Blanc Italiens zählen. Die Rebstöcke aus der Lage Ansitz Liebenaich in Terlan stehen auf sandhaltigem Lehmboden mit Porphyruntergrund, der Wein wird spontanvergoren und in verschieden großen Fässern ausgebaut (300 – 500 Liter).
Der Wein greift das auf, was ich bei Mellot beschrieben hatte. Es findet sich eine oxydative Note mit dem Duft vollreifer Birnenquitten, mürben Apfels, Holunder und, etwas später, tropischer Früchte wie Kiwi und Papaya. Das ist ein mollig-runder Wein auf höchstem Niveau der voll ist und dicht, aber nicht zu opulent, nicht zu schwer, ich ertrinke nicht in diesen vollreifen Obstnoten zu denen sich noch eine leichte Honignote gesellt denn die Mineralik und Säure steht fast perfekt dagegen.

Was für ein Kontrast bildet wiederum der Silex von Didier Dagueneau! Und wie begeisternd sind die letzten beiden Flights, den Lis Neris mal ausgenommen.
Der Silex, ca. 10 Stunden vorher geöffnet, nach 5 Stunden karaffiert, geht, so scheint es, im Glas noch weitere Entwicklungsstufen durch. Zunächst wirkt er wild und verschlossen, leichte Spontanvergährungsnoten stehen im Vordergrund. Dann öffnen sich Zitrone und Limonen, etwas grüne Bohnen und ein Hauch von Kräutern und ein wenig Rauch und Pfeffer. Die Struktur, die dieser Wein hat ist beeindruckend und schwer zu fassen. Die Aromenpalette in ihrer ganzen Breite mal beiseite gelassen ist das Eine; die Dichte, der Druck, die unglaubliche Länge, die Mineralität ist das Andere. Und die Präzision des Ganzen macht den Wein groß. Man merkt, was für ein Typ Mensch Dagueneau gewesen sein muss, wenn man diesen Wein trinkt.

Tja. Sauvignon Blanc…

Überraschend, wie vielschichtig diese Rebsorte ist. Die am Samstag verkosteten Weine hatten teils so überhaupt nichts miteinander zu tun als wären es grundverschiedene Rebsorten. Das verwundert nicht grundsätzlich, hängt es doch wie immer ab von Boden, Mikroklima und besonders an der Art des Ausbaus. Und doch, bei Riesling beispielsweise kommt es sehr selten vor, dass die Rebsortentypizität so stark hinter der Art des Ausbaus verschwindet.
Fest steht für mich, dass diese Rebsorte hervorragende, in der absoluten Spitze große Weine hervorbringen kann wenn diese Spitze allerdings auch sehr übersichtlich sein dürfte. Einige Weine dieses Abends werden definitiv in Erinnerung bleiben und das sind bei mir vier, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Vacherons »Les Romains«, Tements »Zieregg«, Manincors »Lieben Aich« und Dagueneaus »Silex«.

Goch Wein Edition 1 – M.S.Bastian vs. S.Sander

Im Rahmen der heutigen Vernissage der Bastokalypse des Schweizer Künstlerpaares M.S.Bastian und Isabelle L. präsentieren wir den ersten Wein der Goch Wein Edition. Die Idee entstand zusammen mit Stephan Mann, dem Leiter des Museums Goch. Ziel ist es, aktuell ausstellende Künstler und Weinmacher jährlich zusammenzubringen um eine Spezialabfüllung mit Künstleretikett in einer limitierten Auflage zu präsentieren.

© Andrea Küppers, Hamburg

M.S. Bastian präsentiert in der Reichswaldkaserne in Goch – einem langsam vor sich hin rottenden ehemaligen Kasernengelände, was in Zukunft einer neuen Nutzung überführt wird – einen 52 Meter langen Gemäldezyklus in dem er Themen der Apokalypse aufgreift.

Der Bildstreifen der Bastokalypse ist eine figurativ-expressive Komposition aus verschiedensten Zitaten und vereint so verschiedenste apokalyptische Motive: Bilder und Zeichen aus Comics, Trash und Trivialkunst finden sich ebenso wie jahrtausende alte Mythologien oder Schreckensszenarien der Moderne. In der Präsentation in der ehemaligen Reichswaldkaserne in Goch befindet sich der Besucher inmitten der Bastokalypse. Er wird komplett umschlossen von den Figuren und Darstellungen.

Mit Stefan Sander aus Rheinhessen haben wir zu einem Motiv von M.S. Bastian eine frische Cuvée aus Sauvignon Blanc und Riesling abgefüllt, die knackige Säure, Schmelz und Steinostfrucht mit Sauvignon-Aromatik verbindet. Die Auflage ist auf 600 Flaschen limitiert.

M.S. Bastian und Isabelle L. – Bastokalypse

5. September bis 17. Oktober 2010, Reichswaldkaserne Goch, Pfalzdorfer Straße 79, 47574 Goch. Opening, 4. September 2010, 21 Uhr
Stefan Sander, Riesling & Sauvignon Blanc 2009, 9.95,- bei originalverkorkt, ab Dienstag im Webshop

Axel Koehler, Heimersheimer Riesling 2009, Rheinhessen

Auf einem Bett aus vollreifer Maracuja lümmelt sich ein wenig Vanillecrème und grüner Tee (jedoch nur in der linken unteren Ecke des Glases), ein Hauch von Süßholz und salziges Gestein. Das Gesteinssalz wirkt auf der Zunge dabei deutlich dominanter als in der Nase.

Später dann, am zweiten Tag verlässt das Samtigweiche, das Maracujahaft-Süße den Wein und die Grapefruit drängelt sich nach vorne und verbinden sich mit der Würze des Rotliegenden Gesteins.

Die Weine von Axel Koehler, hier habe ich mehr über ihn geschrieben, gefallen mir dieses Jahr noch besser als im letzten Jahr. Die Weine sind so voller Spannung und Dichte wie nur wenige, die ich dieses Jahr (in dieser Preisklasse) probiert habe. Sie sind ein klein wenig weniger wild als vorher ohne auch nur eine Spur an Charakter eingebüßt zu haben.

Ich sage jetzt mal: Kaufen kann man die Koehlerschen Weine ab kommenden Freitag hier bei mir unter gleicher Adresse. Denn dann sollte ich endlich so weit sein mit meinem Webshop.

Paulsens Zucchini-Cashew-Salat mit Heugumber von Ziereisen

25/Jul/10 13:43 kategorisiert in: Abschweifungen, Gutedel / Chasselas, Im Netz, Weiss, Deutschland

Kürzlich habe ich meine persönlich erste Ausgabe von Effilee in die Hände bekommen. Zwar hatte ich schon häufiger darüber gelesen, nicht aber darin. Da habe ich was verpasst denn diese Veröffentlichung hebt sich für mich wohltuend unaufgeregt, dafür mit Substanz von vielen anderen Veröffentlichungen aus dem Food- und Lifestylebereich ab. Ich fand die Artikel interessant und angenehm verortet – nicht so ein Oberschichten-Lifestyle-Gewese wonach man vielleicht manchmal streben mag, es sich aber dann doch gemeinhin nicht leisten kann und dann ist es irgendwie auch immer das selbe, wie so ein Ray & Charles Eames DSR Chair den man eigentlich mag und lange nicht sah, und jetzt, wo er reeditiert wurde in jeder Zeitschrift mindestens drei Mal auftaucht bis es nervt.

Nein, so eine Zeitschrift ist Effilee nicht, eher so eine mare für den, der gerne kocht, einlädt oder das Geld für dies oder jene feine Produkt ausgibt im wohl finanzierten, gesettelten Alltag in dem neben der heimischen Herdplatte auch noch das Aushäusige zählt, auf welches man das Augenmerk werfen mag, sei es das gute Restaurant, sei es der Weinladen oder die Messsermanufaktur – ja, die Messermanufaktur, vermeintlich weit hergeholt, uneigentlich aber eine Thema der aktuellen Ausgabe.

Inmitten ambitionierter Themen wird die Zeitschrift mit feinen Rezepten, unter anderem mit einer Reihe leicht und schnell nachvollziehbarer und verwirklichbarer Schneller Teller von Herrn Paulsen durchsetzt, die Rezepte eines Autors, den man in der Wein- und Foodblogger-Gemeinde wohl nicht weiter vorstellen muss.

Eines der Rezepte, nämlich der Zucchini-Cashew-Salat (Repzept hier) scheint denn auch in besagter Szene zum Selbstläufer zuwerden, nachvollziehen kann ich es gut denn auch uns hat er ausgezeichnet geschmeckt. Ich bin vorher nicht darauf gekommen, Zucchini auch mal roh zuzubereiten, das werde ich wiederholen.

Als Weinbegleitung hatte ich den Heugumber von Hanspeter Ziereisen ausgesucht, einen säurearmen Gutedel mit wenig Alkohol und erhöhtem spaßfaktor aus dem Markgräfler Land. Ein für die Gelegenheit perfekter, weder anspruchsvoller noch langweiliger, eher beschwingter Terrassenwein.


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