originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Domaine de l'Horizon Blanc et Rouge 2007

Es ist Thomas Teibert nicht direkt in die Wiege gelegt, das Winzerhandwerk denn er stammt nicht aus einer Winzerfamilie. Aufgewachsen ist er bei Ulm, Schreiner sollte er werden nachdem er die Realschule abgeschlossen hatte, Küfer ist er stattdessen geworden, nicht zuletzt aus einer frühen Liebe zum Wein resultierend und aus der Freundschaft mit dem Ulmer Weinhändler Manfred Böhm. Dabei hat er sein Handwerk in renommierten Betrieben gelernt und danach ein Studium der Önologie in Geisenheim angeschlossen.

Seine nächste Stufe auf der persönlichen Erfolgsleiter hat er bei Manincor in Südtirol erreicht wo er Betriebsleiter wurde und nicht zuletzt den Wein verantwortet hat den manche in 2003 als besten Weißwein Italiens betitelt haben, den Sauvignon Blanc Lieben Aich, ein holzfassausgebautes Schmuckstück, das weder protzt noch schreit sondern mit schierer Präzision und Feinheit besticht. Eine burgundische Art, Wein zu bereiten, würde ich sagen, wenn ich jetzt den Blanc 2007 probiere.

Es hat ihn nicht allzu lang in Südtirol gehalten weil er viel zu sehr “französisch denkt", wie er sagt. So hat er sich, nach der Heirat mit einer Tochter von Gérard Gauby, auf die Suche nach geeignetem Terroir gemacht um die Weine zu machen die er machen will und ist im Languedoc fündig geworden, genau gesagt in Calce, im katalanischen Teil.

Er arbeitet, wie auch schon bei Manincor, strikt biologisch-dynamisch auf den hageren, steinigen und trockenen Böden auf dem uralte Rebstöcke stehen. 12 Hektoliter holt er gerade einmal aus dem Hektar heraus, die Weine besitzen also Auslese-Charakter und entsprechend ist dann auch ihr Preis. 28 Euro für Rot- und Weisswein muss man berappen wenn man in den Genuss dieser Weine kommen will. Dafür finden sich keine Reißer im Glas sondern stille Gesellen, die Luft brauchen und Zeit.

Die habe ich glücklicher Weise jetzt ein wenig mehr als in den letzten Wochen in den es so viel zu tun gab vor den Ferien, dass ich kaum zum Weinsinnieren gekommen bin und zum Schreiben.Während der Regen an die Scheiben prasselt und die Jungs mich gerade mal nicht braucne während im Wohnzimmer eine Lego-Star Wars-Landschaft entsteht denke ich an die beiden Weine zurück, lese noch mal die Notizen, haben die Weine auf der zunge, die Landschaft im Kopf, die Hitze, die Dürre, die Berge im Hintergrund, das Gezirpe der Zikaden.

Die Weine von Thomas Teibert also sind Langstreckler, die sich vielleicht jetzt gerade erst wirklich zu öffnen beginnen, die am zweiten Tag besser sind als am ersten und die in der Fachwelt direkt mit diesem ersten Jahrgang 2007 eingeschlagen sind. Parker hat der Cuvée aus Macabeu, Grenache Gris und Grenache Blanc auf Anhieb genau so 93 Punkte gegeben wie dem Rouge und in der Tat ist dieser Wein bestechend. Er wirkt so gar nicht alkoholisch wuchtig, wie ich es bei fielen in der gnadenlosen Sonne gedörrten Weißen dieser Region finde. Der Wein verbindet ein blumiges Bouquet mit der Frische von Limetten und Grapefruit, dazu kommt Steinobst und eine leichte Nussigkeit. Der Clou dieses auf Kalk und Schiefer gewachsenen Weines ist die Mineralität, die die 50 bis 80 Jahre alten Rebstöcke aus der Tiefe holen und diesen Wein dominieren.

So wie sie auch den Roten aus Grenache und Carignan dominieren, dieser Cuvée aus Brombeeren, Holunder, Grantapfel, Honig, Pflaume und Ingwer, der einerseits eine südfranzösische Wärme in sich trägt, andererseits eine eher burgundisch anmutende Süße. Beeindruckend ist die Frische und Leichtigkeit beider Weine bei zweifellos vorhandener Konzentration und, bezeichnen wir es mal gewagt: intellektueller Tiefe.

Domaine de l'Horizon Blanc et Rouge 2007, je 28 Euro

Gocher Weinzyklus 4 – Der Oberrhein. Eine Weinregion im Dreiländereck

Michael und ich hatten gestern dank der Wirtschaftsförderung der Stadt Goch, kom.M, einmal mehr die Möglichkeit, ungewöhnliche Weine an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren. Nach dem Museum Goch, der Druckstraße von B.O.S.S.-Druck und dem Fünf-Ringe-Haus war es diesmal die Weltenbühne im Ortsteil Hassum – ein Schmuckstück aus der Sammlung des verrückten Puppenspielers Heinz Bömmler. Heinz nennt sich selber so, dabei ist er alles andere als das. Er ist ein versierter Geschäftsmann, der seine Sammelleidenschaft zum Lebensinhalt gemacht hat und dessen Weltenbühne nur ein kleiner Teil dessen ist, was unter Viller Mühle firmiert und weit über den Niederrhein hinaus bekannt ist – zum einen als Veranstaltungsort prominenter Kabarettveranstaltungen, Beispielsweise der WDR-Reihe Hart an der Grenze, zum anderen als Hort von unzähligen Alltagsprodukten und ganzen Kulissen vergangener Zeiten, die hier für historische Film- und Fernsehaufnahmen regelmäßig geliehen werden.

Die Weltenbühne war für uns der geeignete urige Rahmen unserer kleinen Reihe, in der wir uns am Niederrhein mit dem Oberrhein beschäftigt haben. Wer sich fragt, wie es dazu kam, außer dass am Oberrhein eindeutig gute Weine gemacht werden? Es ist schlicht der gerade aktuelle Spargel, der beide Regionen ganz nahe aneinander rücken lässt und der das Verbindungsglied des Abends darstellte.

Bis auf einen Abstecher an den Vorderrhein, genauer gesagt nach Malans in der Bündner Herrschaft, haben wir uns also mit dem Markgräfler Land, dem Bodensee, dem Zürichsee, dem Schwarzwald und dem Elsass beschäftigt und mit einer Riege von André Stentz begonnen.

Es ist jammerschade, dass die Elsässer Weine im allgemeinen solche Ladenhüter sind, gibt es hier doch wahre Schätze zu bergen und auch unauffällige Kleinodien zu entdecken. André Stentz, einer der frühen Vorreiter der elsässischen Bioszene, der mittlerweile alle guten Winzer dort angehören, macht seit vielen Jahren einen der besten Crémants, die ich kenne. Der 2008er Crémant d’Alsace aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay beweist dies ein weiteres Mal. Eine feine Perlage, ein frisches Aroma von Brioche und Nüssen in Verbindung mit mürben Früchten wird durch eine feine Säure herrlich gepuffert. Der Crémant d’Alsace Rosé, neu im Programm, wirkt ebenso fein. Der Pinot Noir aber dreht den Aromenkreis in eine ganz andere Richtung von satten roten Früchten. Ähnlich überzeugend wie die Crémants wirkte der Gutsriesling, der Riesling Alsace AOC des Hauses André Stentz. Trocken, luftig, frisch, mit einer feinen blumigen Note – aromatisch also, aber überhaupt nicht ausladend, sondern eher filigran und fein.

Bis zum Spargelessen führte die Reise vom Elsass aus zurück über die Grenze in die Nähe von Lörrach, wo Gerd Schindler im Weingut Lämmlin-Schindler einen hervorragenden Weißburgunder aus dem Mauchener Sonnenstück vinifiziert hat.

Weiter ging die Reise durch das Ländle und den dortigen Rebsortenspiegel zum Auxerrois der Aufrichts, die ich hier, hier und hier mal ausführlicher beschrieben habe. Der Auxerrois aus den Meersburger Lagen am Bodensee wirkte allerdings ein wenig zu dropsig, um auf Dauer spannend zu sein.

Deutlich spannender und so gelungen wie so ziemlich alles, was Alexander Laible so anpackt als Winzer, ist der Chardonnay SL***. Ein fruchtiger Chardonnay voller Kraft und gleichzeitiger Finesse. Herrlich ausgewogen zwischen Frucht, einer salzigen Aromatik und einer angenehmen Säure. Wenn auch noch sehr jung, wir haben den aktuellen 2009er Jahrgang probiert, gefällt dieser Weine, wenn auch manche Teilnehmer des Abends etwas Schwierigkeiten hatten, sich durch den krautig-gemüsigen Duft der Spontangärung durchzuarbeiten.

Zum Spargel dann gab es Ziereisens Gutedel Heugumber. Wer meinen Blog liest, kann mehr zu Hanspeter Ziereisen finden. Der Heugumber ist für mich einer der Sommerweine, nicht nur zum Spargel. Leicht, beschwingt, mit feiner Frucht und Würze, wenig Säure und Alkohol zum moderaten Preis ist das ein richtiger Spaßwein.

Der Wein zum Dessert kam da aus einer ganz anderen Liga. Zurück im Elsass widmeten wir uns dem Gewürztraminer Furstentum Gran Cru Vielles Vignes der Domaine Albert Mann aus dem Jahr 2007. Die Lage Furstentum wird bereits im Jahr 1330 in den Weininventarbüchern des Klosters Basel erwähnt. Der Gewürztraminer ist eine Wucht im wahrsten Sinne. Er dürfte gerade jetzt am Anfang seiner Trinkreife stehen, entfaltet im Laufe des Abends – wir haben ihn früh vorher geöffnet – ein großartig dichtes Aromenspektrum von Rosen, Litschi und Grapefruit in Kombination mit dieser markanten, sortentypischen leicht herben Würze. Eine Wucht aber auch deshalb, weil dieser Wein trotz ordentlicher Restsüße noch 13,5 % Alkohol beisteuert. Das ist nicht leicht zu verkraften, macht aber, wenn man diesem Wein Zeit widmet – Michael und ich haben dies dann nach der Veranstaltung noch ein wenig ausgedehnter getan –, sehr viel Freude.

Die Rotweine des Abends haben leider nicht nur polarisiert, das war uns klar, nein, anscheinend haben wir das Publikum ein wenig überfodert. Zwei Pinot Noir, ein Gamaret und ein Syrah standen auf dem Programm. Das sind letztlich alles nicht unbedingt Weine für Menschen, die sich nur selten tiefer mit dem Thema Wein auseinandersetzen.

So überraschte uns, dass selbst der 2007er Spätburgunder Markgräfler Land von Martin Wassmer den wenigsten zusagte. Ein burgundisch ausgebauter Typ, straight, aber nicht zu kompliziert mit einer angenehm weichen Holznote im Finale. Noch ablehnender standen die meisten dem Blauburgunder 2005 Zur Krone Malans von Anton Boner-Lichti gegenüber. Wirklich überzeugend fand ich diesen Wein allerdings auch nicht, genauso wenig den Gamaret aus der Staatskellerei Zürich. Auch diesen hatten wir vorher geöffnet und kurz probiert. Dabei wirkte der Wein aus der 1970 gezüchteten Traubensorte, die praktisch ausschließlich rund um Zürich angebaut wird, zunächst ganz spannend, weil sie wie keine andere Traube nach frisch gekochtem Rotkohl riecht, nach Rotkohl mit Nelke und ein wenig Pfeffer. Schwer wirkte er in der Nase, weicher und samtiger dann war er am Gaumen. Zweieinhalb Stunden später am Abend wirkte der Wein dann schon etwas müde und ich hatte starke Assoziationen an mit Maggi versetzte Würzsoße.

Für mich über jeden Zweifel erhaben war zum Schluss der 2007er Syrah Gestad von Hanspeter Ziereisen. Ein ausgezeichneter Wein, dessen Aromen von Teer zwar auch nicht allen zusagten, wohl aber mehr Teilnehmern des Abends. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich diesen Wein probiere. Ein Cool-Climate Syrah, nicht schwer, nicht fett, nicht überbordernd. So wie Hanspeter Ziereisen auch seine Blauburgunder zunehmend ausbaut, wird auch der Syrah immer filigraner und präziser. Die kleinen Mengen sind schnell ausverkauft und nicht einmal die Ziereisens konnten uns aus ihrem Keller noch etwas schicken. Bernd Klingenbrunn & Armin Maurer, kurz K&M Gutsweine, aber hatten noch eine Magnum für diesen Abend, die sie uns glücklicherweise kurzfristig zusenden konnten; denn sonst wäre das Rebsortenspektrum des Abends um eine Attraktion ärmer gewesen.

Eine schöne Reise war’s, eine Reise mit einigen Einblicken in eine alte Kulturlandschaft, die genauso oft gespalten wurde durch Kriege und Verwüstungen wie sie auch immer wieder zusammengefunden hat in gemeinsamen Interessen und Traditionen. Und eine Weinreise ist sie auf jeden Fall wert.

Cremant d’Alsace blanc/rosé, André Stentz, Elsass, 2008
Riesling Alsace AOC, André Stentz, Elsass, 2009
Weißburgunder »Mauchener Sonnenstück«, Lämmlin-Schindler, Baden, 2009
Auxerrois, Aufricht, Baden, 2009
Chardonnay SL 3 Sterne, Andreas Laible, Baden, 2009
Gutedel »Heugumber«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2009
Gewürztraminer »Fürstentum Gran Cru Vielles Vignes«, Albert Mann, Elsass, 2007
Spätburgunder »Markgräfler Land«, Martin Wasmer, Baden, 2007
Blauburgunder zur Krone Malans , Anton Boner-Lichti, Bündner Herrschaft, 2005
Gamaret, Staatskellerei Zürich, Zürich, 2006
Syrah »Gestad«, Hanspeter Ziereisen, Baden, 2007

Manchmal könnte man denken, die Loire fließt durch Siegburg

Ok, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, zumal wenn man sich die komplette Geschmackverirrung über der Stadt anschaut. Eine Stadtverwaltung, einer Burg nachempfunden, allerdings komplett aus Beton.

berts

Einmal im Jahr jedoch lädt das schmucke Château Berts, wie dieser ungemein schöne Weinladen von Fegers und Berts in Siegburg heißt, zur großen Loire-Verkostung ein – das hat mittlerweile eine gewisse Tradition. Was das Team um Martin Henseler dann präsentiert, zeigt die vielschichtige Bandbreite dieses mehrere Dutzend Unterappellationen umfassenden Gebietes entlang des kaum begradigten Flusses. Gehen wir von seiner Mündung im Meer aus –  denn so beginnt auch die Probe –, zieht sich der Strom beispielsweise durch das Gebiet Muscadet de Sèvre & Maine, dann Saumur und Anjou mit diversen Unterappellationen wie Bonnezeaux oder Savennières oder Champigny, dann folgt die Touraine mit Untergebieten wie Bourgeuil, Chinon oder Vouvray bis hin ins Sancerre. 10% der gesamten französischen Weinproduktion werden hier angebaut. Was kennen wir davon in Deutschland? Crèmant, Sancerre, Muscadet und Pouilly-Fumé? Mehr ist das meistens nicht. Wer die verschiedenen Stände im Château Berts abläuft und insgesamt 60 Weine verkostet, wird allerdings bestätigen, dass es da noch einiges andere gibt.

Neben verschiedenen Ausreißern ist die Vielfalt an angebauten Rebsorten begrenzt. Es herrschen vor Sauvignon Blanc und Chenin Blanc, Gamay und Cabernet Franc. Der Melon de Bourgogne, wie die Rebsorte heißt, die den frischen Muscadet de Sèvre & Maine hervorbringt, ist kaum einem ein Begriff. Allzu oft wird das Gebiet mit der Rebosrte Muscat verwechselt und der Wein entsprechend völlig falsch eingeordnet.

Ein Paradebeispiel für terroirorientierten Muscadet bietet die Domaine de l'Ecu. Den frischen, zu Austern und ähnlichem Getier passenden Basis-Muscadet kenne ich seit wahrscheinlich 20 Jahren. Den hatte schon mein Onkel im Bioladen – Guy Bossard, der Eigner der Domaine, hat schon sehr früh die Demeter-Plakette an der Flasche gehabt. Wie stark oftmals die Suche nach neuer Qualität und Typizität mit der Hinwendung zum biodynamischen Landbau verbunden ist, zeigt Bossard. Denn vor Guy Bossard konnte man Muscadet eigentlich nicht ernsthaft trinken. Altbackenes, dünnes Gebräu, was nichts, aber auch gar nichts mit diesem extrem frischen bzw. mineralischen Weinen zu tun hatte, die ich heute probiert habe. Neben dem Basiswein präzisiert Bossard die Weine entsprechend ihrer Bodentypizität. So nennt er die Weine Expression d'Orthogneiss, Expression de Gneiss oder Expression de Granite. Dieser übrigens als 2009er im Glas hat mir in seiner salzigen Mineralität am besten gefallen.

Erstaunlich des Weiteren der Sauvignon No.5 der Domaine Clos Roche Blanche aus der Touraine, der neben gereiftem Apfel, Birnen und Passionsfrucht interessanterweise ebenso ein wenig nach Ziegenfrischkäse duftete. Eine markante und passende Mischung, ist das doch der Käse in der Touraine.

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Die ebenfalls biodynamisch arbeitende Domaine des Maisons Brulées (sic!) bearbeitet 9 Hektar in der Nähe von Pouillé in der Touraine. Die Erträge werden so stark reduziert, dass man bei ca. 15 Hektoliter pro Hektar verbleibt. Wie man so bei Preisen zwischen 11 und 14 Euro wirtschaftlich arbeiten kann, ist mir ein Rätsel. Auf Schönung wird selbstredend verzichtet, auf Schwefelung ebenso weitestgehend. Und auch beim Flaschenverschluss gibt es etwas Besonderes: Das Team hat sich für Kronkorken entschieden. Dass das geht, sieht man beim Zwischenverschluss der Champagner – gewöhnungsbedüftig ist es trotzdem.

Beeindruckt hat mich der Sternenstaub genannte Poussière de Lune, ein 2007er Sauvignon Blanc, dessen Wechselspiel zwischen Reduktion und Reifenoten auf der einen Seite und frischer Säure und Zitrusnoten auf der anderen hinführt zu einem langen, feinen Abgang.

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Außergewöhnliche Terroirtypizität zeigt die Domaine François Crochet. Dessen 10 Hektar Anbaufläche sind auf 30 Parzellen in den Gemeinden Bué, Crezancy, Sancerre und Thauvenay verteilt. Crochet hat sein Handwerk nach dem Önologiestudium bei so angesehenen Adressen wie Château Angélus und der Domaine Bruno Clair erlernt, 2000 war sein erster eigenverantworteter Jahrgang.

Schon der aus allen drei Terroirs stammende Basis-Sancerre aus dem Jahr 2008 beeindruckt in seiner Boden- und Sortentypizität. Das ist schlicht feines Sancerre, mineralisch klar, mit Duft von reifen Birnen, Melonen und Stachelbeeren.

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Außergewöhnlich Les Amoureuses ebenso wie Exilis und Le Chêne Marchand. Leider gibt es nur einige wenige Flaschen (ca. 36 vom Amoureuses) und ich habe beim Gehen vergessen, mir zumindest mal eine oder zwei reservieren zu lassen. Der vom klassischen Silex stammende Exilis zeigt das, was ich an Sancerre so mag. Die sonst so oft dominierenden Primäraromen von Stachelbeeren treten hier in den Hintergrund. Hier präsentieren sich reife Gelbfruchtnoten in Verbindung mit Nüssen und Brioche. Dazu kommt salzige Mineralität. Das Ganze wirkt bei Crochet sehr sehr ausgewogen.

Nicht durchweg so begeistert wie FuB war ich von der Domaine de Juchepie. Der trockene Anjou blanc sec Le Clos wirkt überladen. Wuchtiges, frisches Holz und zu starke Karamelltöne dominieren diesen Wein des Belgiers Eddy Osterlinck.

Auch der Les Quartz wirkt nicht ganz ausbalanciert und mich störte im Abgang eine leichte Bitternote, aber das mag sich geben mit der Zeit. Die beiden Top-Chenin Blancs Passion und Quintessence allerdings sind ausgezeichnet, auch wenn es etwas seltsam anmutet, dass sie lange gereift schmecken, aber erst wenige Jahre auf dem Buckel haben. Die Fruchtaromenfülle in Verbindung mit Noten von schwarzem Tee, Salz, Kräutern und der Balance mit klarer Säure jedoch ist hervorragend.

Der für mich vielleicht größte Wein der Verkostung kam vom Korsen Marc Angeli, der seit 1990 die Ferme de la Sansonnière im Anjou bewirtschaftet. Die Vielles Vignes Blanderies von 2008, biodynamisch angebauter Chenin Blanc, birgt in sich eine solche Kraft, Fülle und Harmonie, das ist ganz hervorragend. Da stimmt so ziemlich alles, was mit 36,50 Euro zwar auch seinen Preis hat, was aber wert ist, mal probiert zu werden; denn das ist ein Paradebeispiel für einen trocken ausgebauten Chenin Blanc.

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Leider konnte ich mir für die Rotweine weniger Zeit lassen als für die Weißen. Bei roten und weißen Weinen fand ich die Weine der Domaine St. Just sehr gelungen, im Stil durchaus vergleichbar mit den Weinen der Domaine des Roches Neuves, ebenfalls in Saumur-Champigny gelegen. Letztere würde ich persönlich vorziehen, vielleicht weil sie mir vertrauter sind – denn qualitativ überzeugt der Chenin Blanc Coulée de St. Cyr ebenso wie der Cabernet Franc Clos Moleton.

Was mir schon bekannt war aus der Weinhandlung Kreis in Stuttgart, sind die Cabernet Francs von Philippe Alliet, Chinon, und Cathérine und Pierre Breton, Chinon und Bourgueil. Diese jungen Cabernet Francs trocknen einem im Moment zwar noch komplett die Mundhöhlen aus, zeigen aber schon ganz klar ihr Potential, ihre Fülle, Konzentration und Kraft, die Mischung von feiner Würze und kirsch- bzw. johannisbeerigen Noten.

Château Berts, Haufeld 2a, Siegburg

Weihnachten in der Bärenmühle

30/Dez/09 19:25 kategorisiert in: Abschweifungen, Rot, Frankreich, Schaumwein, Weiss, Frankreich

Hessen ist ja für mich so ein seltsam undefiniertes Gebiet, wo ich immer auf die Karte schauen mus,s um mich zu orientieren, weil ich nie genau weiß, wo denn jetzt was liegt und in welcher Nähe zu irgendwelchen anderen Bundesländern.

baerenmuehle_eingang_verschneit

Irgendwo in Nordhessen, zwischen Marburg und Kassel, liegt der Kellerwald und am Rande dieses Waldes findet sich das Lengelbachtal. In diesem Gebiet gibt es ein gutes Dutzend historischer Mühlen und allein wir sind schon, ausgehend von der Bärenmühle, an der Lengelmühle und der Kuchenmühle vorbeispaziert entlang des Baches, der dem Tal seinen Namen gibt und der durch eine Szenerie führt, die an Krabat erinnert, oder doch zumindest an die Gebrüder Grimm, die ja wiederum nicht weit entfernt ihr Dasein fristeten und in dieser Gegend das ein oder andere Hausmärchen aufgeschnappt haben dürften.

lengelmuehle

kuchenmuehle

Die Gebrüder Grimm kommen dann auch wieder ins Spiel, wenn man sich entscheidet, ein paar Tage in der Bärenmühle zu verbringen, und sich überlegt, ob man in der Mühle ein Zimmer buchen mag oder eine Suite oder gar eine ganze Wohnung. Entscheidet man sich für die Wohnung, bieten sich dann eben die Gebrüder Grimm Stuben an. Wir dagegen haben uns für die Suite der Schönen Müllerin entschieden. Suite hört sich jetzt ganz etepetete an. So ist das aber alles gar nicht. Es ist ein Landhotel, eingerichtet mit viel Geschmack und Liebe zum Detail, professionell geführt, aber mit genau dem Anteil Charme und Leichtigkeit, der einen vergessen lässt, dass es ein Hotel ist. Es bleibt sehr persönlich und trotzdem erhält man den vollen Service, wenn man will; denn man kann die Wohnungen und Suiten als Hotelzimmer mit Voll- oder Halbpension und täglichem Raumservice buchen, jedoch ebenso als Ferienwohnung nutzen und einfach buchen ohne weiteren Service.

Wir wiederum haben uns eine Mischung gegönnt; denn das geht auch: am ersten Abend im Restaurant essen und die restlichen Tage selber kochen.

So haben wir uns also am Heiligen Abend von den beiden Kohl-Schwestern Bettina und Christiane samt einer Tochter bekochen und bedienen lassen. Diese hatten ihren Bediensteten freigegeben und den Laden selber geschmissen. Sehr sympathisch. Eine selbstbewusste Entschuldigung zu Beginn für etwaige Verzögerungen – und dann gab es Schlesische Weißwurst mit Ananaskraut, Rücken vom Weideschwein, zum Schluss Lebkuchenparfait. Alles sehr gut gemacht. Dazu Weine aus einer der Rhône nahen Region rund um Die , aus dessen Ortschaften die Hugenotten vor langer Zeit vertrieben worden sind, unter anderem nach Louisendorf, dem Nachbarort der Bärenmühle. Auch zur Bärenmühle selbst gehört ein so genanntes Hugenottenhaus, in dem es neben zwei Ferienwohnungen auch einen kleinen Laden und eine Werkstatt gibt von Bettina Kohl, die unter ihrem Künstlername Menusch in Paris und New York gearbeitet hat, als Lederhandwerkskünstlerin und freie Tänzerin, bis sie dem Ruf ihrer Schwester gefolgt ist, die die Mühle – die der Vater, damals Landrat dort, in den 50ern erworben hat – zu eben jenem schmucken Ensemble ausgebaut hat. Die Schwester, Christiane Kohl, arbeitet als Journalistin und Buchautorin und nimmt sich durchaus gerne Zeit für Gespräche, vor allem wenn es ums Schreiben geht, hat sie ein offenes Ohr und passt auch gerne die Preise an, wenn man sich als Autor entschließen sollte, die Bärenmühle zu nutzen, um am eigenen Werk zu arbeiten.

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Was uns sehr gut gemundet hat, war neben dem im Restaurant Gereichten auch das Selbstgemachte: Filets von der Rotbarbe in einem Champagnerschaumcurry. Nicht zu scharf, eher ein wenig tropisch süßlich mit Flocken von getrockenten Mangos, Papaya und Banane. Dazu gab es den Einstiegschampagner von Larmandier-Bernier, Tradition genannt: 80 % Chardonnay und 20 % Pinot Noir bei 5 Gramm Dosage.

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Sehr spritzig, sehr hell und klar, sehr erfrischend mit Aromen von Zitrus- und Limettenschalen, feiner Mineralik und Hefe. Leider wissen die Larmandiers natürlich mittlerweile, welchen Preis sie für ihre Erzeugnisse nehmen können, die Preise sind deutlich gestiegen in den letzten drei Jahren. Doch es lohnt sich immer noch. Für mich eines der interessantesten Häuser an der Côte de Blanc.

Am nächsten Tag dann das besagte Rag0ut mit Wild, dessen Grundrezept man im Blog der Anonymen Köche findet. Dazu gab es 2004er Les Hauts de Pontet-Canet, über den ich bei Delhaize in Brüssel gestolpert bin und den ich direkt mitgenommen habe. Wollte ich doch immer schon einmal den Zweitwein von Pontet-Canet probieren. Allein, ich hatte ihn bisher nirgendwo gefunden.

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Hätte man mir den Wein einfach so unter die Nase gehalten, wäre ich davon ausgegangen, dass man es hier mit einem noch etwas zu jungen Jahrgang eines klassifizierten Château zu tun hätte. Dieser Zweitwein wirkt wie der Cru eines guten Erzeugers. Eine dichter Duft von dunklen Beeren, vor allem Cassis, Gewürzen, leicht geröstetem Holz und Zederholz, Vanille und etwas abgehangenem Fleisch. Sehr dicht im Mund, fruchtig, noch ein wenig zu viel Holz, etwas unruhig wirkend. Diesen Wein sollte man noch ein paar Jahre in der Keller legen, bevor man ihn wieder hervorholt. Das ist sehr feiner Stoff.

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Und diese Mühle ist ein sehr geeigneter Ort, um sich mal ein paar Tage komplett zurückzuziehen.

Larmandier-Bernier, Tradition Premier Cru Extra-brut, Premier Cru, sehr gut, 33,- Euro bei originalverkorkt
Château Pontet-Canet, Les Hauts de Pontet, ausgezeichnet, 32,50 Euro bei Gute Weine Lobenberg

Gocher Weinzyklus 3 – Champagne, die Grande Dame wird niemals alt

Das Haus zu den fünf Ringen gehört zu den wenigen historischen Gebäuden der im Krieg zu über 90 Prozent zerstörten Stadt Goch. Zusammen mit dem historischen Rathaus, dem Van-den-Bosch-Haus und dem Mosters-Haus bildet es ein Ensemble von Gebäuden aus dem 16. Jh. Das Gebäude diente ursprünglich als adliges Stadtwohnhaus, in den Kellerräumen befand sich ab 1828 eine große Weinhandlung. Später wurde im hinteren Gebäudeteil Bier gebraut. Bis in die Mitte des 20. Jh.'s bekam man hier das dunkle, niederrheinische Alt der Familie Janßen. Nach dem Krieg baute die Familie dann einen Getränkeverlag auf, der in den Achtzigern in ein Gewerbegebiet verlegt wurde. Das Haus wurde an die Stadt veräußert und befindet sich im Stadium der Renovierung. Dabei ist es nach dem Guss einer neuen Bodenplatte so weit nutzbar, dass das Museum Goch die Räumlichkeiten als Ausstellungsfläche für heimatkundliche Objekte verwendet.

Fuenf_Ringe_Haus

Dieses mit zu den schönsten historischen Gebäuden am Niederrhein zählende Haus bot uns die Kulisse für den dritten Teil des Gocher Weinzyklus. Champagne – Die Grande Dame wird niemals alt war das Thema, zu dem der Veranstalter, der Gocher Juwelier Georg Schotten, geladen hatte, um Funkelndes miteinander zu verbinden: die Präsentation seiner Winterkollektion in Verbindung mit einer Reise durch die Champagne.

Haus_Innen

Michael van den Höövel und ich haben dabei versucht, mit den sechs präsentierten Champagnern eine Auswahl zu treffen, die verdeutlicht, wie heterogen und spannend dieses Weinbaugebiet ist – auch abseits der wenigen bekannten Namen. Sechs Schaumweine aus den unterschiedlichen Regionen der Champagne, ein Abbild verschiedener Rebsorten und Cuvées bis hin zu von Pinot Noir bzw. von Chardonnay geprägten Jahrgangschampagnern. Dabei wechselten sich Winzerchampagner mit denen großer und kleiner Häuser ab.

Vorbereitung

Franck Pascal, Cuvée de Reserve Brut Nature, Vallée de la Marne

Einen wunderbar leichten Einstieg bot der Winzerchampagner von Franck Pascal. Ungewöhnlich in seiner Art, Pinot Meunier geprägt und ohne Dosage abgefüllt, fand er doch Zuspruch; denn er kommt nicht so knochentrocken daher, wie man auf Grund der fehlenden Dosage hätte vermuten können. 4 Hektar besitzt Franck Pascal im Tal der Marne und beginnt mit einem Flaschenpreis von 26 Euro. Cremig ist sie, diese Cuvée de Reserve mit feiner Hefe und einem schönen Duft von reifen Äpfeln. Für mich ein ausgezeichneter Bankett-Champagner, den es ebenso mit einer geringen Dosage von 3 Gramm gibt.

glaeser

Louis Roederer Brut Premier, Reims

Ganz anders präsentierte sich der Roederer Brut. Druckvoller und säurebetonter zeigt sich der Einstiegswein von Louis Roederer. 4 Hektar Pascal gegen 300 Hektar Roederer (200 ha plus 100 ha zugekaufte Reben), Winzerfamilie gegen Glamour und Marketing. So kontrastreich ging es zu.

Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer, beeindruckender Stil aus Reims.

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Drappier Brut Rosé, Val de Demoiselles, Côte de Bar

Drappier liegt in einem der Satellitengebiete der Champagne,  an der Côte de Bar im Departement Aube. Lange haben sich Winzer wie Politiker aus den Departements der Marne und Aube um die Zugehörigkeit der Aube-Gebiete zur Appellation Champagne gestritten. Wie Stiefkinder wurden die Gebiete behandelt, in denen der Champagner lange Saulte Bouchon hieß und der Weinbau vor allem durch die Mönche des Klosters Clairveaux forciert wurde.  Seit einigen Jahrzehnten ist das kein Thema mehr, man hat zusammengefunden, nicht zuletzt durch den gemeinsamen Feind, der sämtliche Champagnergebiete in den Weltkriegen entweder verwüstet oder ausgebeutet hat.

drappier_rose

Mit 50 Hektar gehört Drappier zu den kleinen, ausgezeichneten Betrieben in dieser Gegend. Sie tragen das im Namen, was so einige alteingesessene Häuser – Ruinart ist das beste Beispiel – gemacht haben, bevor sie sich dem Vertrieb von Champagner gewidmet haben. Die Drappiers waren Tuchhändler. Irgendwann hat man dem Kunden als Mitbringsel den geschätzten Champagner mitgegeben und der wurde dann zunehmend so beliebt, dass das Geschäft einträglicher war als das des Tuchhandels.

Der Rosé aus einem kleinen Wingert namens Val des Demoiselles, Tal der Jungfrauen, stammt zu 100 Prozent aus Pinot Noir, der bei Drappier drei Tage auf der Maische belassen wird. Ein kräftiger Champagner mit dem Duft von roten Früchten und ein wenig Veilchen und leichten Gewürzen. So kräftig, dass er dem Essen in der Pause nach der Präsentation von Schottens Kollektion mühelos standhalten konnte.

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De Sousa et Fils, Blanc de Blancs Réserve Gran Cru, Côte de Blancs

Der zweite Teil der Tour durch die Champagne begann mit der Vorstellung eines kleinen Hauses aus dem Ort Avize, einem der Zentren der Côte de Blancs. Das 11-Hektar-Weingut De Sousa & Fils hat hier zu einem eigenen klaren Stil gefunden. Ausgezeichnete biodynamische Weinbergsarbeit ausschließlich in Gran Cru Lagen, Spontanvergärung und Ausbau in Barriques, in diesem Fall in 15 Prozent neuen Fässern. Das Ergebnis ist ein wunderbar cremiger Chardonnay mit Aromen von frischem Brioche, Nüssen und Zitrus. Je länger der Wein steht, desto stärker werden die Aromen von reifen Orangen. Für 35 Euro ist dies ein wunderbar reifer und fülliger Champagner sehr guter Qualität.

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Fleury Père et Fils, Millésime 1996, Côte de Bar

Ebenfalls biodynamisch arbeitet Fleury Pere & Fils. Er gehört mit zu den Pionieren in der Champagne. Bekannt geworden als Winzer des Jahres 1993 im Gault Milliau, macht er für mich momentan mit die besten Champagner unterhalb der 100 Euro-Grenze. Der 1996er Millésime hat große Klasse. Eine wunderbare Verbindung aus Frische und Alterungsnoten, reifer Hefe, mürbem Apfel und frischen roten Beerenfrüchten und ein wenig Tabak. Eine klare Pinot Noir-Dominanz sorgt für Kraft. Sehr, sehr harmonisch steht er dem letzten Wein des Abends in nichts nach.

michael

Billecart-Salmon, Cuvée Nicolas-François Billecart Millésime 1998, Montagne de Reims

Der Billecart-Salmon Cuvée Nicolas-François Billecart 1998 Millésime zeigt ähnlich herrlich harmonische Reife. Chardonnay von der Côte de Blancs und zehn Prozent Pinot Noir aus der Montagne de Reims sowie eine leichte Dosage, die bei Billecart 10 Jahre lang in Holzfässern gelagert wird, bilden einen weichen, Brioche und Zitrus geprägten Wein.

champagne_stilleben

Es gab eine deutliche Lagerbildung bei den beiden letzten Jahrgangschampagnern. Da mochte der eine lieber Pinot Noir, die andere präferierte den Chardonnay. Außergewöhnliche Klasse kann man beiden Häusern bescheinigen. Das sind beides Weine, die in ihrer Klarheit und Tiefe auf wunderschöne Art die Einzigartigkeit der Champagne präsentieren – und nicht zuletzt einen gelungenen Schlusspunkt für den Abend gesetzt haben.

Thierry Germain, Soliterre 2007, Saumur

30/Aug/09 16:09 kategorisiert in: Chenin Blanc, Weiss, Frankreich, Weissweine, nach Rebsorten

Und noch einer …

Am nächsten Morgen fahre ich mit meinem Sohn nach Brüssel ins Freibad. Brüssel stimmt nicht ganz, das Freibad liegt in Kessel-Lo, so ca. 25 km außerhalb von Brüssel. In Brüssel selber gibt es so etwas nämlich nicht. Keine Ahnung warum, auch in Kessel-Lo ist es nicht voll und daher angenehm und neben dem Freibad gibt es dort einen sehr schön angelegten Landschaftspark.

Vorher gehen wir noch kurz zu Delhaize, um etwas für das zweite Früstück zu kaufen, und natürlich gehe ich, wie immer, durch die Weinabteilung. Die ist bei Delhaize ziemlich gut und man bekommt dort zum Beispiel die Kadette von Kanonkoop für knapp 6 Euro, was ziemlich günstig ist; denn bei uns zahlt man etwa 10 Euro und es ist ein wirklich schöner Wein für dieses Geld.

In der Mitte der Abteilung steht dann ein Korb mit dem Cabernet Franc, den ich am Abend zuvor getrunken habe, diesmal mit weißem und nicht mit violettem Etikett, und außerdem ein Weißwein namens Soliterre. Er kostet knapp 13 Euro, liegt damit 3 Euro unter L'Insolite. Wie auch der Saumur Champigny firmiert dieser Wein nicht unter dem Namen der Domaine, sondern unter dem des Eigners, Thierry Germain. Auf der Website der Domaine taucht auch er auf.

Gestern geöffnet, erkennt man die Ähnlichkeit des Stils im Vergleich mit L'Insolite. Chenin Blanc mit einem deutlichen Aroma von reifen Birnen und Banane. Er erscheint mir nicht so vielschichtig wie L'Insolite und auch das Holz dominiert stärker. Insgesamt etwas geschmeidiger, massenkompatibeler. Nichtsdestotrotz ein schöner Wein, den er da gemacht hat, der umtriebige Herr Germain.

Thierry Germain, Soliterre 2007, Saumur, gut, 12,49 Euro, Delhaize, Belgien

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