originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Bouzeron Aligoté 2006, Domaine A. et P. de Villaine, Bourgogne

10/Nov/11 14:06 kategorisiert in: Aligoté, Bioweine, Weiss, Frankreich

Als ich gestern den Aligoté 2006 von de Villaine ins Glas geschüttet und geschnuppert habe, war ich ausgesprochen positiv überrascht. Der Wein stand, obwohl ich ja durchaus einiges mit den Weinen der Villaines zu tun habe, seit ein paar Jahren im Keller und ich habe ihn nicht gebührend beachtet. So ist er vor sich hin gealtert und hat mittlerweile fünf Jahre auf dem Buckel.

Fünf Jahre sind nun für einen guten Wein kein Problem, bei einem gewöhnlichen Aligoté hatte ich jetzt allerdings nicht mehr viel erwartet. Aber ich habe mich glücklicherweise getäuscht. Der Wein ist geradezu aristokratisch gealtert. Aligoté ist ja die zweite weiße Rebsorte in der Bourgogne, genießt aber im Gegensatz zum Chardonnay keinen besonderen Ruf. Er wird vor allem mit Cassis zum Kir befördert, nimmt man statt Aligoté dann Crémant de Bourgogne, erhält der Kir den Zusatz Royal.

Dieser Bouzeron allerdings wäre für so etwas viel, viel zu schade und normalerweise nimmt man für einen Kir auch eher einen frischen Aligoté. Bouzeron ist eine 60 Hektar-Gemeinde nahe Rully im Bereich der Côte Châlonnaise, die seit dem Jahr 1997 als eigene Appellation gewertet wird, und zwar auf Grund der guten Qualität, die  Aligoté hier hervorbringt. Auf dieser guten Grundlage aufbauend, produzieren die in Rully mit ihrer kleinen Domaine ansässigen Aubert et Pamela de Villaine neben Chardonnay und Pinot Noir aus Rully und Mercurey eben jenen Aligoté. Dass die Villaines Wein produzieren können, zeigen sie als Mitbesitzer der legendären Domaine de la Romanée-Conti. Dass sie neben diesen teuren Spitzenweinen in gleicher sorgfältiger biodynamischer Art auch günstige Weine im Burgund machen, finde ich aller Ehren wert.

Der Aligoté ist dabei mit unter 13 Euro der Einstiegswein, und auch wenn er in seiner Jugend mit Frische und Klarheit, schöner Mineralik und Präzision überzeugt, gewinnt dieser Wein nach einigen Jahren gewaltig. Finesse kommt hinzu, Volumen und schöne Balance zwischen frischen Zitrustönen und gerösteten Haselnüssen, salziger Mineralik und einem Hauch von Brioche, bestrichen mit Honig.

Schön, wenn eine solche Überraschung den Abend versüßt.

Blanc de Blancs Champagne: Teil 5 – Über Billecart-Salmon, Thienot, Taittinger und Laval

23/Okt/11 11:55 kategorisiert in: Bioweine, Chardonnay, Schaumwein, Weingüter, Weiss, Frankreich

Sie kommen spät, aber sie kommen, die großen Nummern in der Champagne. Im Gegensatz zu dem Output der großen Häuser und Genossenschaften umfasst das, von dem ich bisher gesprochen habe, also die Weine der Winzer, ein Promille. Nicht in der Qualität, aber in der Produktion.

In der Champagne gibt es übrigens sehr unterschiedlichen Typen zugelassener Winzer. Die, die wir bisher kennengelernt haben, sind die RMs und die NMs. Die Récoltants-Manipulants produzieren Champagner lediglich aus eigenen Trauben. Das ist die absolute Minderheit. Viele Winzer, auch kleine, kaufen Traubenmaterial dazu, nicht zuletzt deshalb, weil es ihnen nicht möglich ist, zusätzliches Land zu erwerben. Diese nennt man dann Négociant-Manipulant, Winzer, die gleichzeitig auch mit Traubenmaterial handeln dürfen. Hinzu kommen die CMs, die Coopérative-Manipulante, Genossenschaften, die Champagner erzeugen. Nicolas Feuilatte beispielsweise ist der Handelsname einer Genossenschaft, er suggeriert einen einzelnen Winzer, dahinter stehen jedoch Hunderte. Bleibt noch die MA, die Marque d’Acheteur, die Handelsmarke. Die Abkürzung steht dann beispielsweise auf einer Flasche Veuve Monsigny.

Die vorletzte Begegnung des Abends hatten die Häuser Billecart-Salmon und Alain Thienot. Billecart-Salmon gehört zum gestandenen Adel der Region, distinguiert, zurückhaltend, qualitätsorientiert, gediegen. Alain Thienot ist Selfmade-Man, hat in den achtziger Jahren ziemlich viel Land in der Champagne gekauft, selbst von Krug, mittlerweile hat er auch einiges im Bordeaux erworben. So ungleich die Winzer, so ungleich sind auch die Champagner. Die einzige Gemeinsamkeit ist auch hier wieder die Rebsorte. Billecart-Salmons Millèsime Brut stammt aus dem Jahr 1998 und stammt aus ganz verschiedenen Lagen der Côte de Blancs, der La Vigne aux Gamins stammt aus einer Einzellage in Avize aus dem Jahr 1999.

Blanc de Blancs Brut 1998, Billecart-Salmon
Die Familie der Billecart lebt seit dem 16. Jahrhundert in Mareuil-sur-Aÿ . Das Champagnerhaus wurde 1818 gegründet und befindet sich immer noch im mehrheitlichen Besitz der Familie. Es ist ein Produkt der Heirat zwischen Nicolas François Billecart und Elisabeth Salmon, die einen nicht unbeträchtlichen Besitz in Chouilly, in der Côte des Blancs, beigesteuert hat. Billecart besitzt 15 Hektar, sieben in Damery, Marne, vier an der Côte de Blancs, und zwar in Chouilly, Avize und Le Mesnil, sowie vier Hektar in Aÿ und Mareuil-sur-Aÿ. 50 weitere Hektar sind gepachtet, dazu Trauben von 100 weiteren Hektar hinzugekauft. Die Familie besitzt vier Presshäuser in Mareuil-sur-Aÿ, Mailly, Le Mesnil-sur-Oger und Damery.

Im Gegensatz zu den meisten Winzerchampagnern ist es bei den größeren Produzenten üblich, relativ früh zu ernten, der Alkoholgehalt liegt üblicherweise bei 10%. In den so genannten Häusern, den klassischen Champagner-Produzenten, wird viel mehr im Keller gemacht als bei den Winzern. Gilt dort eher das Prinzip, aus einer Lage und einem Jahrgang das Beste herauszuholen und schon viel mehr dafür im Weinberg zu unternehmen, können und wollen sich die großen Häuser Jahrgangsschwankungen bei den meisten Weinen gar nicht leisten. Der Kunde möchte dies nicht. Und die Tradition ist eindeutig. Wer Champagner eines renommierten Hauses kauft, möchte eine gleichbleibende, nicht allzu schwankende Qualität. Die Jahrgangschampagner werden dementsprechend nur in den guten Jahrgängen produziert und allein sie bringen eine gewisse Individualität, auch wenn diese begrenzt bleibt. Das hat alles sein Für und Wider und spricht auch keineswegs gegen die vorhandene Qualität eines Stils. Für mich gehören Krugs Champagner beispielsweise zum Besten, was ich kenne – auch und gerade wegen des gleichbleibenden Stils. Nur ist der Ansatz eben ein anderer.

©:Billecart-Salmon

Seit 2001 gibt es, um auf Billecart-Salmon zurückzukommen, eine ultramoderne Kellerei in Mareuil. Das Haus ist bekannt für eine doppelte Klärung, speziell bei der zweiten wird der Most abgekühlt auf unter 5 Grad, wobei die Trubstoffe ausflocken, dann wird der Most auf bis 15 Grad langsam erwärmt und es beginnt die Gärung. Das alles passiert ohne Enzyme, Filterung oder Zentrifugen. Die Gärung verläuft über 5 Wochen, danach bleibt der Wein auf den Trubstoffen für ca. 5 Monate mit zweiwöchiger Battonage.

Der Wein selber war ganz ausgezeichnet. Ich glaube, er hat es hinter den so individuellen Persönlichkeiten der Winzer-Champagner etwas schwer gehabt, da er seidiger ist, feiner, eleganter, ja aristokratischer. Aber was für ein ausgezeichneter Blanc de Blancs: Reich an Frucht und rassig, mit süßem Brot, eine Verbindung aus Brioche und Shortbread. Neben der Frucht findet sich deutliche Mineralik und eine feine Säure. Dabei ist der Wein crémig und reif mit einem langen Abgang.

La Vigne aux Gamins 1999, Brut Blanc de Blancs, Champagne Thienot
Die Familie Thienot gehört zu den Aufsteigern in der Champagner-Szene. Vom ganzen Habitus und der Größe, die sie erreicht hat, aber auch vom Selbstverständnis her und von der Ausrichtung der Marken gehört sie mit zum vorderen Feld in der Champagne. Die Familie besitzt über 30 Hektar guter und sehr guter Lagen und ein Kleinod, einen alten Weinberg in Avize, eine mit Chardonnay bestockte Grand Cru Lage. Diese wird unter dem Namen La Vigne aux Gamins seit dem Jahrgang 1996 als Einzellage ausgebaut. Der deutsche Importeur bewirbt den Wein mit folgender Aussage: die Clos des Mesnil von Selosse und Krug spielen nicht in einer anderen Liga. Ich muss sagen, ich fand das ein wenig hochgegriffen. Eigentlich hat dieser Champagner bei uns keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Er hatte nicht den ausgleichenden Charakter der Billecarts und Taittingers und auch nicht den eigenen, kompromisslosen der formidablen Winzer. Zudem wirkte er trotz Dekantierens ziemlich verschlossen. Trotzdem, da ist viel Substanz, viel prägnante Säure, Kraft und auch Balance und man sollte ihm nicht Unrecht tun, er braucht wohl noch mehr Zeit.

Les Chênes 2004, Cumières Premier Cru Brut Nature, Georges Laval
Wie bei Dufour kann man auch die Lavals lange suchen, bevor man sie findet. Es gibt lediglich ein kleines Klingelschild. Trotz des Understatements findet man hier eine der feinsten und ungewöhnlichsten Adressen in der Champagne. Das wissen die Lavals und entsprechend sind auch die Preise. Der Einstiegswein beginnt in Deutschland bei knapp € 50 und die Linie endet bei knapp unter € 200 Euro. Das ist schon ein Wort, und es ist ungewöhnlich für Winzer, solche Preise zu nehmen, die höher liegen als manche Prestigecuvée berühmter Häuser, doch die Preispolitik scheint zu funktionieren.

Die Lavals bauen seit 4 Generationen Wein an, Georges Laval begann mit eigener Abfüllung 1971, der Sohn Vincent arbeitet seit 1991 mit und ist seit 1996 für den Keller verantwortlich. Die Lavals besitzen lediglich 2,5 Hektar inklusive einem halben Hektar Meunier in Chambrecy, dessen Ertrag an den Nego verkauft wird. Die restlichen zwei Hektar liegen alle in Grand Cru Lagen in Cumières und sind 30 bis 70 Jahre alt. Biologisch-organisch wird schon seit 1971 gearbeitet, womit die Lavals zu den ersten Winzern gehören, die gänzlich auf Chemie im Weinberg verzichtet haben. Die Trauben werden in traditionellen Conquard-Pressen gepresst, und zwar in den kleinen für 2.000 Kilo. Bei Laval wird sehr reif gelesen – der Blanc de Blancs beispielsweise bei 11,5% Alkohol, das merkt man den Weinen immer an. Hinzu kommt der Verzicht auf Chaptalisation, dafür gibt es Spontanvergärung, keine Schönung, keine Filtration, keine Stabilisierung und ein minimaler Einsatz von Schwefel, der immer unter 20 mg bleibt.

Vincent Laval | Foto links ©: Thomas Iversen, Mad about Wine, Foto rechts ©:Familie Laval

Wir haben es hier mit dem Blanc de Blancs Les Chênes, also im besten Sinne mit einem Naturprodukt zu tun, von einem Winzer mit Minimalertrag – 1.776 Flaschen wurden abgefüllt, dazu 10(!) Magnums. Irgendwer sagte mal, dass Laval sehr guten Burgunder mit Bläschen herstellen würde, und ich finde, dass das eine gute Beschreibung ist. Der Champagner ist sehr burgundisch weinig und dafür aber wenig Champagner, viel weniger als beispielsweise La Bolorée. Und wenn Cedric Bouchard weniger Druck auf den Flaschen hat als üblich, würde es mich bei Laval nicht wundern, wenn das bei ihm genauso wäre. Der Champagner ist außerdem sehr reif, aber nicht überreif, deutlich mineralisch und kalkig – kein Wunder, das Terrain ist reiner Kreidekalk mit einer geringen Auflage von 40 cm. In der Nase finden sich Maracuja und Zitronen, Honig und Brotteig, am Gaumen explodiert die Maracuja geradezu, dazu kommen Mango und Limette sowie Steinobst. Auch hier Kalk, Mineralität, gute Säure, alles sehr dicht und noch gar nicht richtig offen. Der Wein ist, wie viele an diesem Abend, einfach noch zu jung, aber das ist nicht wirklich schlimm. Er ist jetzt schon ausgezeichnet, die Maracuja vielleicht im Moment noch zu vordergründig, es fehlt ein wenig die Balance und Feinheit, aber bitte, geben wir auch ihm noch Zeit, dann wird das ein ganz großer Wein, das finde ich hier viel deutlicher als beim Vigne aux Gamins.

Comtes de Champagne 2000, Blanc de Blancs, Taittinger
Fein, subtil, elegant und voll ist der Comtes de Champagne von Taittinger und auch bei einer verdeckten Verkostung wäre deutlich geworden, dass wir es hier mit einem Spitzenprodukt aus großem Haus zu tun haben. Zu deutlich ist der Unterschied zum Stil der Lavals, Bouchards oder Bérèches. Er repräsentiert den Stil des Hauses Taittinger, bei dem Eleganz über Fülle und Expressivität steht, sehr gut und ich denke, es ist kein Zufall, dass ausgerechnet ein Blanc de Blancs als Préstigecuvée diesen Stil in seiner reinsten Form wiedergibt. Der Wein stammt aus den besten Lagen der Côte de Blancs, vornehmlich aus Avize, Le Mesnil, Oger, Chouilly und Cramant. Mittlerweile wird dem Jahrgang eine kleine Menge Resèrvewein hinzugefügt, der aus dem Holzfass stammt. Der 2000er gehört nicht zu den größten Jahrgängen und ist nicht so eindrücklich wie beispielsweise der 1996er Comtes de Champagne, wirkte aber durchaus elegant und schon ziemlich offen, mit einer ausgezeichneten Balance und Länge. Das macht schon sehr viel Spaß.

Taittinger wurde übrigens 1734 von Jacques Fourneaux gegründet und 1930 von den Taittingers erworben. 1942 wurde das Haus am Place Saint-Niçaise in Reims etabliert, auf den Grundmauern einer alten Abtei und deren Kreidegängen, die teils ins 4. Jh zurückdatieren. Die Gebrüder François und Claude haben sich viel Reputation erworben, nachdem sie ihren bei einem Autounfall gestorbenen Vater sehr früh in der Leitung ersetzen mussten. Heute trägt Pierre-Emmanuel Taittinger die Verantwortung. Das Haus gehörte längere Zeit zur Gruppe Société du Louvre, die 2005 von einer Kapitalgesellschaft gekauft wurde. Da diese mehr Interesse an anderen Teilen des Konglomerats hatte, konnten Taittingers das Haus zurückkaufen. Ich selber habe bei der Auswahl der Weine bewusst Taittinger und Billecart-Salmon genommen. Dabei war für mich nicht nur die Qualität entscheidend, sondern auch der Umstand, dass sich die Güter in Familienbesitz befinden und nicht zu einem Großkonzern gehören.

Foto ©: CIVC

Wenn ich den Blanc de Blancs-Abend Revue passieren lasse, kann man kaum darüber streiten, dass die Champagner der Winzer individueller, charakteristischer, klarer, präziser waren und letztlich im Ganzen mehr Persönlichkeit aufwiesen als die der größeren Hersteller. Billecart und Taittinger dagegen trumpfen mit ihrer Balance, der Finesse, Elegance und ihrer Breite. Ich persönlich hätte mich, wenn ich die Weine in eine Ordnung hätte bringen sollen, an diesem Abend vor allem anderen für Léclaparts L’Apôtre und Cédric Bouchards La Bolorée entschieden, dicht gefolgt von Taittinger und Laval. Doch untern Strich ist das nicht entscheidend. Wichtiger war es, zu sehen, welch enorme Bandbreite bei qualitativer Dichte an diesem Abend vorhanden war. Ich erinnere mich gerne an die Brillianz von Bérèche und Larmandier-Bernier, die Fülle von de Sousa im unteren Preisbereich. Der Abend war entsprechend schon beeindruckend, bevor die richtigen Highlights kamen.

 

 

 

Blanc de Blancs Champagne: Teil 4 – Cedric Bouchards Roses de Jeanne und der Weißburgunder

Bevor ich zum letzten Teil der Serie über Blanc de Blancs Champagner komme, wo sich der renommierte Kleinwinzer Vincent Laval mit Billecart-Salmon, André Thinault und dem Comte de Champagne misst, möchte ich gerne einen Champagner vorstellen, der so ungewöhnlich wie selten ist. In Wahrheit hätte ich gerne zwei aus Pinot Blanc gekelterte Champagner vorgestellt doch der 1999er Ligne 79 von Champagne Charles Dufour hatte leider Kork. Bleibtalso ein Wein, der für mich persönlich der Star des Abends war. Wenn ich den Geschmack dieses Champagners jetzt, während ich schreibe, erinnere, frage ich mich, warum sich nicht mehr Winzer trauen, das Potential und den Charakter des Weißburgunders für ihre Zwecke zu nutzen. Wenn es gut gemacht, und bei Bouchard ist es gut gemacht, hat man einen charakterstarken Individualisten im Glas, einen mit Tiefe, mit Eleganz, mit Länge und mit Stoff. Doch ausser den beiden Winzern kenne ich momentan keinen Winzer in der gesamten Champagne, der einen reinsortigen Weißburgunder Blanc de Blancs keltern würde.

Die vier kleinen Rebsorten, die neben Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier erlaubt sind führen in der Champagne wahrhaft ein Schattendasein. Arbane, Petit Meslier, Pinot Gris und Pinot Blanc, denn um die handelt es sich, werden auf gerade einmal 90 Hektar kultiviert. Das ist bei einer Gesamtfläche von über 33.000 Hektar so gut wie nichts. Arbane und Petit Meslier sind wirkliche Exoten, uralte, französische, etwas divenhafte, spätreifende Rebsorten, die nur noch aus Traditiongründen angebaut werden und meist in kleinen Mengen anonym in den Wein wandern. Lediglich von Olivier Horiot aus Les Riceys weiss ich, dass er in seinem 5 Senses neben den drei Hauptrebsorten auch Pinot Blanc und Arbane erwähnt.

Bei Cédric Bouchard war es mehr Zufall als Leidenschaft für den Pinot Blanc, der ihn dazu geführt hat, diesen reinsortig auszubauen denn er hat vor einigen Jahren eine Parzelle Land kaufen können die mit Pinot Blanc, mit altem Pinot Blanc bestockt war, wie er erst nach dem Kauf herausgefunden hat. Bouchard selber verfügt lediglich über knapp einen Hektar eigener Weinberge, die sein Vater ihm gegeben hat. Hinzu kommen ein paar Hektar, die er bis 2015 pachten konnte. In der Champagne ist es so schwierig, Land zu kaufen, dass häufig das Los entscheidet. So war es auch bei der 0,2107 ha Parzelle La Bolorée. Es gab mehrere Interessenten und Bouchard hatte das Glück, dass das Los auf ihn viel. Als er das erste Mal auf den Land durfte – er hatte das Stück auf gut Glück erworben – fand er neben der Tatsache, das er alte Pinot Blanc-Stöcke trug heraus, das er nun seine erste Parzelle mit Kreideunterlage zu seinem Besitz zählen durfte. Bisher hatte er lediglich Argilo-Calcaire, und nun also auch die Möglichkeit, ein neues Individuum mit aufzunehmen.

Cédric Bouchard und seine Tanks | Fotos  ©: Thomas Iversen, Mad about Wine

Cédric Bouchard gehört zu den großen Individualisten der Champagne, ähnlich wie Selosse, Prévost, Leclapart oder Lassaigne und doch wieder ganz anders. Er mag eigentlich gar nicht so gerne Champagner, er mag die Bläschen nicht. Deshalb reduziert er den Druck von üblichen 6 bar auf 4.5 bar. Er mag auch, im Gegensatz zu Selosse und Schülern, kein Holz. Alles, was er produziert, macht er im Edelstahl. Holz, so sagt er, fügt etwas hinzu, was eigentlich nicht da ist. Das mag er nicht, also lässt er es. Seine Weine entstammen immer einer Rebsorte, einer Lage, einem Jahrgang. Es wird nicht chaptalisiert, nicht gefiltert, nicht geschönt, nicht dosiert. Einzig ein wenig Schwefel als Stabilisator kommt hinzu. Dafür hat er noch keinen Ersatz gefunden. Ansonsten sind diese Weine absolut pur.

Was unterm Strich nach 38 Monaten Hefelager herauskommt sind um die 900 Flaschen voll purer Energie. Für eine Probe ist der Wein tendenziell schwierig. Er ist noch zu jung, er braucht Luft, er entwickelt sich über Stunden. Es ist ein großer Wein. Und wie bei großen Burgundern gibt man ihnen Jahre, bis man sie öffnet, und Stunden, in denen man sich mit ihnen beschäftigt. Das alles haben wir nicht getan, auch wenn ich frühzeitig geöffnet und dekantiert habe. Trotzdem war für mich die Größe dieses Champagners klar zu schmecken. Ein duftiger und leicht fruchtiger Wein, mineralisch, dicht, leicht würzig, etwas feuersteinig, mit einem Hauch von Heu und Tee in der Nase. Am Gaumen ein Wechselspiel von kreidiger Mineralität, ja nasser Kreide, Aromen von exotischen Früchten (Mango), reifen Grapefruit, Limettenschalen, etwas Honig, etwas Ingwer sogar. Der reduzierte Druck reicht völlig aus, um den Champagner Champagner sein zu lassen. Der Rest ist gar nicht klar zu vergleichen. La Bolorée steht einfach für sich.

 

Blanc de Blancs Champagne: Teil 3 – Über Léclapart, Diebolt-Vallois, Lassaigne und Tarlant

l’Apôtre (2004) Blanc de Blancs Extra-Brut Premier Cru, David Léclapart
Den Einstieg in den dritten Flight des Abends machte der 2004er L'Apôtre von David Léclapart. Léclapart dürfte unbestritten zu den großen Winzertalenten der Champagne zählen. Sein Stern ist noch jung, erst wenige Jahrgänge sind abgefüllt, doch die Freunde seines zutiefst individualistischen Champagners reißen ihm die Ware praktisch aus den Händen und die ist begrenzt, denn Léclapart besitzt lediglich 3 Hektar Weinberge in Trépail, aufgeteilt in 22 Parzellen. Obwohl seine Familie schon seit einigen Generationen Wein kultiviert, ist er der erste, der den Wein unter eigenem Namen produziert. Dabei geht er einen kompromisslosen Weg, der möglich wurde, nachdem sein Vater im Jahr 1996 starb und seine Mutter ihn fragte, ob er den Betrieb übernehmen würde. Er wollte, jedoch nur unter der Vorraussetzung, dass er den Betrieb biodynamisch bewirtschaften könne.

Erst 1999 dann kam sein erster Jahrgang heraus. Zwei Ernten hatte er noch verkauft, der 1998er Jahrgang wurde vom Kontrollgremium nicht als Champagner akzeptiert und musste verspritet werden. Kein leichter Anfang also. Und doch hat es sich gelohnt – auch wenn er zugibt, dass die Umstellung auf Biodynamie in einer, was das Wetter angeht, sehr schwierigen Region, nicht gerade einfach ist. Der Regen, Fäulnis, Pilze… all das ohne Chemie in den Griff zu kriegen funktioniert nur mit zunehmender Erfahrung.

Léclaparts erster etikettierter Jahrgang brachte dann die erhoffte Aufmerksamkeit und Zuspruch. Seitdem geht es steil bergauf für den eher zurückhaltenden Winzer. Seine Weine stammen alle ausschließlich aus einem Jahrgang, er nutzt keinerlei Reserveweine. Entsprechend individuell sind die Champagner, und bilden jeweils sehr klar die Qualität der einzelnen Jahrgänge ab. So musste in den schwierigen Jahren 2001 und 2007 sogar chaptalisiert werden, was normalerweise nicht passiert. Seine Weine werden, wie üblich für Biodynamiker, mit eigenen Hefen vergoren, der l’Apôtre wandert dann in gebrauchte Fässer der berühmten Domaine Anne Leflaive aus dem Burgund. der biologische Säureabbau, also die Umwandlung von Apfel in Milchsäure wird bei ihm immer durchgeführt, nicht zuletzt, so sagte er, um den Wein stabiler zu machen und so wenig Schwefel wie möglich einzusetzen. Léclapart produziert ausschließlich Non Dosé, was nur funktioniert, ich habe es schon angesprochen, wenn die Trauben zum optimalen Reifezeitpunkt gelesen werden, vor allem nicht zu früh.

David Léclapart | Foto links ©: Thomas Iversen, Mad about Wine, Foto rechts: Christoph Raffelt

Neben einem kraftvollen Rosé, dessen Pinot Noir Reben, nachdem sie entrappt wurden für 24 bis 72 Stunden in alten offenen Holzbottichen gären und alle paar Stunden noch mit den Füßen durchgetreten werden, finden sich die Blanc de Blancs l'Amateur, l'Artiste und l'Apôtre, die Spitzencuvée. Da diese mit gerade einmal sieben Jahre noch relativ jung ist, habe ich sie deutlich vorher geöffnet und kurz vor dem Einschenken karaffiert. Für die meisten der Runde war ziemlich schnell klar, dass dies der beste Champagner des Abends war. Auch wenn dieser Wein noch jung ist, fasziniert er ungemein. Das ist pures, finessenreiches, Terroir. Es ist das Beste aus der Einzellage La Pierre St. Martin in Trépail, die Trauben stammen von 65 Jahre alten Rebstöcken, der Wein wurde, wie gesagt, ohne Dosage abgefüllt und in 2006 degorgiert.

Eigentlich ist es eine Schande, den Wein so früh zu trinken, doch um eine Ahnung von der Qualität seiner Weine zu gewinnen, ist es der richtige Jahrgang – abgesehen davon, dass er ja noch nicht allzu viele gibt und die älteren nicht verfügbar sind. Der 2004er birgt ungemein viel Entwicklungspotential. er ist, nach längerer Öffnung, aber jetzt schon zugänglich und macht richtig, richtig viel Spaß. Da ist so viel pure Energie drin, so viel Mineralität, verbunden mit einem komplexen Wechselspiel von Zitrus, Limone und Orange, Apfel und frischer Aprikose, Kreide und Hefe, da ist so viel Intensität und Konzentration, Finesse und Länge, es ist absolut faszinierend. Der Champagner wurde meiner Meinung nach nur von Cédric Bouchards La Bolorée als bester Champagner des Abends in Frage gestellt.

La Fleur du Passion 2004 Brut, Diebolt-Vallois
Im Gegensatz zu Léclapart ist Jacques Diebolt schon ein alter Hase, ein sehr respektierter muss man sagen. Auch wenn seine Champagner in Deutschland nicht sonderlich bekannt sind – in Frankreich oder Skandinavien fehlen sie auf kaum einer guten Weinkarte. Interessanter Weise allerdings stehen sie nicht auf der Weinkarte des NOMA, dort werden eher die jungen Wilden getrunken, die Biodynamiker, die noch Unangepassteren und wenn ich auf die Liste des Abends schaue, decken wir damit gut 2/3 der Champagnerkarte vom NOMA ab: Bérèche, Lassaigne, Laval, Tarlant, Bouchard, Larmandier-Bernier und Léclapart. Prévost hätte ich gerne dabei gehabt, allein, er macht nur Pinot Meuner und Vouette & Sorbée habe ich nicht mehr bekommen.

Vater und Tochter Diebolt-Vallois | Foto links ©: Thomas Iversen, Mad about Wine

Doch zurück zu Jacques Diebolt. Die Diebolts und Vallois, seit 1960 vermählt, besitzen 10 Hektar bester Lagen in Cramant sowie einige Parzellen in umliegenden Gemarkungen – allein das ist schon eine exzellente Grundlage für aussergewöhnlichen Stoff. Auch wenn Jacques nicht zertifiziert biologisch arbeitet, so ist er doch einer, der ganz überlegt und bewusst nicht nur seinen Wingert pflegt sondern ebenso im Keller arbeitet, dabei ist dieser Altmeister ein ganz bescheidener und zurückhaltender Mann, der stets hinter sein Werk zurücktritt. Wenn man langjährig Erfahrene spricht, so gibt es die einhellige Meinung, dass seine Champagner im Laufe der Zeit immer besser und charaktervoller geworden sind. Erfahrung dürfte der Grund dafür sein, doch ebenso die Offenheit, Dinge zu verändern. So ist er dazu übergegangen immer mehr Holzfuder einzusetzen, statt die üblichen Edelstahl- und Emailletanks zu verwenden.

Foto ©:  CIVC

Noch einen Schritt weiter geht Diebolt mit der Kreation des Fleur du Passion, was man einerseits mit Passionsblume übersetzen kann, andererseits aber auch als Ausdruck seiner Passion. Der Wein, der seit 1995 in den besten Jahren vinifiziert wird, erfährt einen Ausbau in Barriques. Das Traubenmaterial, wen wundert’s, stammt aus den besten Parzellen Cramants und ausschließlich von Stöcken, die älter sind als 50 Jahre. Der Wein wird, so wie bei dem direkten Vergleichschampagner von Léclapart, weder gefiltert noch geschönt oder stabilisiert – allerdings erfährt er auch keine malolaktische Gärung. Entsprechend ist dieser Champagner säurebetonter als sein Direkter Kounterpart, der l’Apôtre. Während dieser mit frühzeitigem Öffnen und Dekantieren durchaus offen und zugänglich ist, bleibt der Fleur du Passion reserviert, säurebetonter und unzugänglicher. Er fällt ab, das alles wirkt ein bisschen wie Kindermord. Der Champagner ist zu jung und das ist schade. Wenn ich Peter Liem lese, einen der wichtigsten Champagnerkritiker momentan, so sagt er, dass sich momentan gerade mal der erste Jahrgang, der 1995er und dann auch der allgemein zugänglichere 1999er so weit geöffnet hat, dass man ihn ohne schlechtes Gewissen trinken mag. Finger weg also von diesem großen Stoff, wenn man keine Enttäuschung erleben will.

Blanc de Blancs Millésime 2004 Brut Nature, Jacques Lassaigne
Der nächste Champagner des Abends stammt aus einem Teil der Champagne, den wahrscheinlich so gut wie niemand kennen würde, gäbe es nicht Emmanuel Lassaigne und seine Champagner aus Montgueux. Diese Unterappellation hat erst spät in den 60ern ihren Status erhalten und liegt ausserhalb der Kernzonen der Champagne, unweit von Troyes, sozusagen im Niemandsland. Der Ort hat allein deshalb das Recht, Champagner herzustellen weil es dort einen massiven Kreidefelsen gibt, der aus der Landschaft herausragt. An den Hängen dieses Felsens wächst feinster Stoff. Davon zeugt jedenfalls die Flasche Millésime 2004. Lassaignes 4 Hektar befinden sich ausschließlich an der Ostseite dieses kreidigen Hügels. Die Rebstöcke stammen teils aus der Zeit, als die Appellation gegründet wurde, sie sind also um die 45 Jahre alt, teils sind sie jünger, so um die 25 Jahre. Weil Lassaigne gerne noch ein wenig Traubenmaterial von der Südseite von Montreux verarbeiten wollte, hat er sich als Négociant-Manipulant registriert. Er darf also Trauben dazu kaufen, was auch bei kleinen Winzern nicht ungewöhnlich ist, denn direkt ganze Parzellen zu kaufen ist nur ganz selten möglich, zu rar sind die Filetstücke und zu teuer.

Um den Überblick über seine verschiedenen Parzellen zu behalten nutzt Lassaigne eine eigene klassische Conquard-Vertikalpresse, die Parzellen werden immer einzeln ausgebaut. Dabei verwendet Emmanuel fast ausschließlich indigene Hefen, schönt leicht, filtert jedoch nicht.

Der Jahrgangschampagner stammt aus drei verschiedenen Parzellen, wobei die Parzelle La Grande Côte in der Senke des Berges liegt, die ältesten Rebstöcke beherbergt und den dichtesten und vom Geschmack her tropischsten Wein hervorbringt. Damit der Champagner nachher nicht zu fett wird, gehen höchstens 25% in die Cuvée. Mehr Rasse haben die von sehr kreidigen Böden stammenden Weine aus den Parzellen Les Paluets und Le Cotet. Zusammen formen sie jahrgangsabhängig einen absolut ausbalancierten Champagner. Es ist genau der Anteil der verschiedenen Parzellen, den man hier wiederfindet. Als Basis erahnt man schon in der Nase die Tiefe, die nur alte Rebstöcke hervorbringen können. Jahrgangsbedingt – der 2004er ist allgemein etwas leichter – fällt diese Dichte der La Grande Côte nicht so deutlich aus wie beispielsweise im 2002er, und trotzdem ist sie klar erkennbar neben den kreidigen Aromen und der Orange-Zitruspalette der beiden anderen Lagen. In diesem Wein findet sich zum einen eine schöne crémige Note von Mandeln und Karamell, darüber liegt dann zum anderen viel Frische und eine angenehme Säurenote. Substanz trifft die Leichtigkeit des Seins in diesem Champagner, den ich wirklich hervorragend ausbalanciert finde.

la Vigne d’Antan 2000, Non greffée Chardonnay, Tarlant
Neben dem schmalen, feingliedrigen Lassaigne wirkt der Tarlant  la Vigne d'Antan Non Greflée 2000 wie ein ausgewachsener Bär. Wobei ich mich bei diesem Bild nicht nur auf die sehr unterschiedliche Statur der Winzer beziehe sondern auch und mindestens so auf den Champagner. Der Wein vom letzten Jahr (so die ungefähre Übersetzung), stammt von wurzelechten, alten Rebstöcken, die es in einigen Parzellen der Gemarkung Les Sables in Oeuilly geschafft haben, der Reblaus zu entgehen. Der Name des Ortes deutet schon an, warum dies der Fall ist. Die Bodenoberfläche besteht weitestgehend aus Sand, und die Reblaus hasst Sand. So kommen wir also an diesem Abend innerhalb der weiten Palette Blanc de Blancs zu einem weiteren Kleinod, denn Weine von wurzelechten Reben sind schon per se selten, hier in der Champagne jedoch absolut rar.

Die Lage "Les Sables" und wurzelechter Chardonnay | Fotos ©: Champagne Tarlant

Dieser Blanc de Blancs aus dem Jahrgang 2000 fällt durchaus aus dem Chardonnay-Raster heraus. Mit den kreidig-kalkigen puren Weinen von Lassaigne oder Larmandier hat er nichts zu schaffen. Am ehesten erinnert er an den breiteren Stil von de Sousa. Auch hier, bei Tarlant wird im Holz ausgebaut und die Hefe gerührt. Der Wein blieb auf der Hefe bis zum Mai 2001. Degorgiert wurde im März 2010. Was diesen Wein jedoch deutlich von de Sousa unterscheidet ist, dass dieser hier weniger wie ein reintöniger Chardonnay wirkt. Es finden sich viel mehr dunkle, würzige Noten in diesem Chardonnay als in allen anderen. Die Fruchtaromen sind kaum zu spezifizieren, hier dreht es sich um Mineralität – wenn auch nicht die der meist sonst vorhandenen Kreide-Kalk-Noten. Der Champagner befindet sich im Unbestimmbaren, wie in einer Zwischenwelt. Und das macht in sehr spannend. In der Nase Aromen von Hefe, Holz und etwas Akazien- und Lindenblüten, am Gaumen dann  Nüsse und Mandeln, nebst einem leichten Holzgeschmack und cremig, voller Textur. Zum Schluss dann ein sehr prägnanter, langer Abgang. Ein Champagner also mit Wucht und gleichzeitiger Finesse. Beeindruckend!

Benoît Tarlant und, typisch für bio-dynamisch betriebene Landwirtschaft: Pferde pflügen die Grasreihen | Fotos ©: Champagne Tarlant

Die Familie Tarlant übrigens produziert seit 1687 Champagner. Die mittlerweile 14 Hektar finden sich in Oeuilly, Boursault, St. Agnan und Celles-les-Condés. Neben den Hauptrebsorten und dem wurzelechten Chardonnay finden sich weitere, selten zu findende Exoten wie Weißburgunder, Arbanne und Petit Melier, zwei Sorten, die für Champagner zugelassen sind, jedoch kaum mehr verwendet werden. Schon seit Jahren arbeiten die Tarlants biologisch organisch, bzw. mittlerweile biologisch dynamisch. Wobei diese Arbeit für sie nicht zuletzt deswegen sehr aufwendig ist, weil die jeweiligen Böden ausgesprochen unterschiedlich sind und von typischen Kalkstein und Kreide-Kalk-Gemischen über Sand hin zu Kies reichen – eine ziemliche Herausforderung für die Bodenbewirtschaftung. Im Keller wird so schonend wie möglich gearbeitet. In Conquard-Pressen werden die 40 einzelnen Parzellen getrennt gepresst und auch getrennt ausgebaut. Der Saft läuft in die tiefer liegenden Tanks und Fässer aus Vogesen-Eiche. Die verwendeten Fässer sind immer neu – Benoît Tarlant möchte strickt eine malolaktische Gärung verhindern. Das Holz verwendet er entsprechend nur für die alten Weine, die genügend Power haben um im Holz nicht unterzugehen. In den besseren Champagnern finden sich entsprechend eine ausserordentlich schöne Balance von Holzeinflüssen mit der entsprechenden Struktur, sagen wir, einem zusätzlichen Rückgrad, und der in sich wohnenden Struktur und Kraft von Weinen, die keine Säureumwandlung hinter sich haben.

Was mich bei den Tarlants zusätzlich beeindruckt, ist deren informationspolitik und Medienaffinität. Zum einen kenne ich keinen Hersteller, der so viele Infos auf das Rückenetikett packt – bei manchen wäre man froh, wenn wenigstens das Degorgier-Datum abgedruckt wäre – zum anderen sind die Tarlants auf Facebook und Twitter unterwegs, man kann bei Flickr aus einem großen Fundus an guten Fotos schöpfen, und auch eine spezielle High-Society-Champagner-Variante namens Disco-Bitch mit Strasssteinchen ist auf dem Markt, und verdeutlicht, wie genau man den Markt beobachtet und auf Moden reagiert. Diese Marketingkompetenz mit der Hinwendung zur Natur, dem sehr genauen Blick, der Ruhe und dem Abwarten in Einklang zu bringen, ist herausfordernd und selten.

 

Blanc de Blancs Champagne: Teil 2 – Über Kreide, de Sousa, Raumland, Brochet und Moncuit

Wenn man auf die Karte der Appellation Champagne schaut, bemerkt man, dass die Region zersplittert ist. Das ist ungewöhnlich für eine Weinregion, hängt aber vor allem mit den unterschiedlichen Gesteinszusammensetzungen zusammen. Die Champagne lebt von Kalk und Mergel. Da diese Beschaffenheit nicht überall gegeben ist, hat man die Anbaufläche begrenzt. Bis zum Jahr 2008 waren es etwa 33.500 Hektar. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde vom französischen Weinamt beschlossen, das Gebiet in den nächsten Jahren um 38 Gemeinden zu erweitern. Zwischenzeitlich wurde, ebenfalls aufgrund der hohen Nachfrage, die mögliche Ertragsmenge von 10.500 Kilo Trauben/Hektar auf 12.500 Kilo erhöht, die großen Häuser hätten sogar gerne 14.000 Kilo gehabt. Doch schon eine Ertragserhöhung von rund 20% Traubenmaterial pro Hektar, was dann etwa 78 Hektolitern an Ertrag entspricht, ist für ein Luxusprodukt nicht gerade wenig. Wenn man allerdings andererseits die Produktionsmengen generell betrachtet, kann man von einem Luxusprodukt eh nicht mehr sprechen, da ist dann lediglich der Preis luxuriös, und die Marketingkampagnen sind es im Zweifel auch. Dem Ruf der Champagne tut es jedoch bisher anscheinend keinen Abbruch, und wenn der chinesische Markt auf die Champagne genau so heiß wird wie auf das Bordelais, dann sind im Zweifel selbst die Liegenschaften von 38 zusätzlichen Gemeinden noch deutlich zu wenig, um den Durst zu stillen. Über den Plan, die Appellation zu erweitern, wurde lange und heftig gestritten, denn, ich wiederhole mich kurz, die Champagne lebt von ihren Böden und dem jeweiligen Mikroklima. Und beides gilt in den 38 zusätzlichen Gemeinden nicht als besonders hochwertig. Aber was soll’s, sagen sich viele, für einen Discount-Champagner wird es reichen, da ist es eh fast egal, was in der Flasche ist. Und entsprechend wollen wir uns auch hier nicht weiter mit dieser Qualitätsstufe beschäftigen.

Kreidefelsen in der Champagne | © CIVC, HUYGHENS DANRIGAL CLAUDE ET FRANCOISE

Hier geht es gerade um Blanc de Blancs und man könnte annehmen, dass diese aus der Côte de Blancs stammen. Das ist meist richtig, aber nicht immer. Zwar ist die Côte de Blancs tatsächlich das Gebiet der Champagne, wo am meisten, ja fast ausschließlich Chardonnay wächst, woraus Blanc de Blancs im Allgemeinen gekeltert werden. Eigentlich heißt sie aber so, weil dort das Weiße der Erde, die Kimmeridge-Kreide, bis an die Oberfläche tritt. Der Boden ist dort so weiß wie die Kalksteinfelsen von Rügen und die Küste bei Dover, lediglich durch eine leichte Humusschicht bedeckt. So kreidig ist der Boden sonst nur in einzelnen Teilen der Montage de Reims, in Parzellen des Vallée de la Marne und in Teilen von Montgueux, einer kleinen Unterappellation. Dieser Boden ist in der Tat prädestiniert für Chardonnay und so stammen die Chardonnay-Champagner des Abends auch fast ausschließlich von diesem Untergrund. Lediglich die beiden Besonderheiten unter den Blanc de Blancs, die beiden raren Weißburgunder-Champagner, stammen von Mergelböden, in die sich ein wenig Weichkalk gemischt hat. Diesen Boden finden man im unteren, weiter entfernten Gebiet der Côte de Bar, die vor allem bekannt ist für ihren Pinot Noir.

De Sousas Stammsitz in Avize | Foto: © Vinaturel

 

De Sousa Blanc de Blancs Resèrve Grand Cru
Kehren wir zurück zu unseren Champagnern, so habe ich im zweiten Flight zwei ganz unterschiedliche Weine nebeneinander gestellt, von denen ich mir allerdings erhofft hatte, dass sie einen etwas ähnlichen Schmelz aufweisen könnten, und ganz falsch lag ich damit nicht. Zunächst gab es einen De Sousa Blanc de Blancs Resèrve Grand Cru. Die Familie eines aus Spanien stammenden Urahnen hat ihren Sitz in Avize, einem der beiden Hauptorte der Côte de Blancs, und bis auf kleine Mengen Pinot Noir aus Ay und Ambonnay sowie Meunier aus der Nähe von Epernay – beides wird für Rosé gebraucht – hat sich de Sousa auf Chardonnay spezialisiert. Dafür stehen der Familie 11 Hektar ausgezeichnete Premier- und Grand-Lagen in Avize, Oger, Cramant und Le Mesnil zur Verfügung. Seit 1999 arbeitet de Sousa biodynamisch, die Umstellung erfolgte unter der Leitung von François Bouchet, einer Ikone unter den Biodynamie-Spezialisten. De Sousa haben das Glück, nicht nur ausgezeichnete Lagen zu besitzen, die durch eine erfolgreiche Heiratsdiplomatie zu Anfang des 20. Jhs noch erweitert wurden, besonders ist auch das durchschnittliche Alter der Rebstöcke, welches bei 45 Jahren liegt. Schon dieser Umstand kann zu einer konzentrierteren Aromatik führen, wenn dann spät gelesen und der Ertrag reduziert wird und zudem die Technik der Batônnage angewandt wird, also die Hefe innerhalb des Gärbottichs mehrfach aufgerührt wird, dann führt dies, in Verbindung mit einer zurückhaltenden Dosage zu einem speziellen de Sousa-Stil, den Engländer als rich bezeichnen würden. Schon die Réserve ist voll, crémig-schmelzig mit Aromen von frischem Brioche, Salznüssen und Mandeln. Demgegenüber steht jedoch die Frische von Limetten und, je länger der Wein offen steht, reifen Orangen. Diese Fülle einerseits und die tänzelnde Zitrusfrucht-Säure und kalkige Mineralik andererseits machen diesen Champagner, der weniger kostet als ein Veuve-Clicquot, zu einem Erlebnis, dem sich in der Runde niemand entziehen konnte. Und auch wenn ich die viel puristischeren Weine von Bérèche und Larmandier persönlich eher schätze, so bin ich doch immer wieder begeistert von diesem Wein.

 

Raumland, Chardonnay 2004 Prestige
Was ich als Piraten angekündigt und entsprechend eingeschenkt hatte, konnten an diesem Abend jene erläutern, die sich mit diesem Wein viel besser auskennen als ich. Das Ehepaar Raumland hatte spontan zugesagt, als ich Volker Raumland die Probenliste des Abends inklusive seines 2004er Chardonnay Prestige geschickt hatte. Raumlands, die sich als Sekthaus in Flörsheim-Dalsheim komplett auf die Erzeugung von Schaumweinen spezialisiert haben, sind seit Jahren die am häufigsten ausgezeichneten Erzeuger in Deutschland und für deutsche Sekte ist Raumland die Referenz. Raumlands orientieren sich bei ihrer Arbeit ganz klar an den Winzern in der Champagne und nicht an der deutschen Konkurrenz. Riesling-Sekt spielt eine entsprechend geringe Rolle. Sämtliche Sekte von Rang stammen von Burgundersorten, reinsortig ausgebaut oder als Cuvée bis hin zum Triumvirat, einer Prestige-Cuvée aus den klassischen drei Champagne-Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Dieser Sekt entspricht dann auch preislich einem Champagner, der Jahrgangs-Chardonnay hingegen ist deutlich günstiger.

Erntezeit auf dem Sektgut Raumland | Foto ©: Raumland

Wenn man ihm auch sein deutsche Herkunft ein wenig anmerkt – er wirkt frischfruchtiger als die Champagner, aber das ist kein Makel, eher ein Charaktermerkmal –, so kann dieser Sekt auf dem Level, auf dem wir uns gerade befinden, sehr gut mitspielen. Ausgebaut wurde der auf Kalkboden wachsende Chardonnay im kleinen, gebrauchten Barrique, er verbindet Kraft und Fülle mit viel Frische und Noten von Steinobst. Das ist in seiner ganzen Harmonie einer der besten deutschen Sekte, die ich kenne.

In der dritten Runde finden sich zwei sehr unterschiedliche Typen, Böden und Stile. Mit dem Champagner von Emmanuel Brochet findet sich ein weiterer Winzer aus der Montagne de Reims, der den Anspruch hat, so natur- und terroirnah wie möglich seine Definition von natürlichem Wein zu produzieren, daneben steht eine Grande Dame aus Mesnil-sur-Oger, die verehrte Nicole Moncuit.


Emmanuel Brochet | Foto links ©: Thomas Iversen, Mad about Wine, Foto rechts: Christoph Raffelt

 

Emmanuel Brochet, "Le Mont Benoît" Non Dosé Vendange 2007
Brochet, der in Villers-aux-Noeuds in der Nähe von Reims beheimatet ist, besitzt gerade mal 2,5 Hektar Weinberg in der Einzellage Le Mont Benoît. Damit gehört er zu den Mikrowinzern, die andernorts vom Ertrag kaum überleben könnten. Brochet kann, den guten Preisen sei Dank. Villers-aux-Noueds Terroir, wo früher 200 Hektar, heute nur noch 30 unter Reben stehen, unterscheidet sich deutlich von den fast nackten Kreideböden der Côte de Blancs, vielmehr findet sich hier über der Kreide eine stärkere Kreide-Ton-Auflage, die dem Wein eine ganz eigene, fast rauchige Note verleiht. Brochet, der zu den Newcomern und den biologisch arbeitenden Winzern gehört, wirkt, was Ökologie und Biodynamie betrifft, ganz abgeklärt. Der Respekt vor der Natur und der Blick auf den teils schaurigen Umgang mit derselben, gerade in der Champagne – es ist noch nicht so lange her, dass man den Hausmüll von Paris als Dünger unter die Rebstöcke der Champagne verteilt hat –, hat ihn zum ökologisch arbeitenden Winzer werden lassen, mit Esoterik kann er nichts anfangen. Für ihn sei neben diesem Respekt die Schaffung eines guten Produktes wichtig, eines, das konzentriert die Besonderheiten seines Heimatboden widerspiegle, so Brochet. Gelesen wird das Rebgut bei 10 Grad Alkoholgehalt und verarbeitet wird es in einer 2.000 Kilo-Vertikal-Presse, was der Hälfte der üblichen Größe entspricht. Brochet selber nutzt lediglich das Coeur de Cuvée, also das Herz der Pressung, der Rest, die Taille, wird an Händler verkauft. Seit 2005 wird im großen Holzfass vergoren. Brochet nutzt dafür die von Fleury entwickelten Quarz-Hefen, keine Industriehefen. Er hat mit Spontanvergärung experimentiert, hat es aber zunächst wieder aufgegeben, weil er davon ausgeht, dass sein Keller noch zu neu ist, sodass dort das Mikroklima noch nicht stimmt, um genügend indigene Hefen zu erzeugen, die dann auch wirklich eine Gärung in Gang bringen können. Der Wein wird im Januar das erste Mal abgestochen, dann liegt er weiter bis Mitte des Jahres auf der Feinhefe. Geschönt und gefiltert wird nicht, der biologische Säureabbau wird nur bei Teilen der Weine durchgeführt.

Eigentlich hatte ich bei meinem Händler den Blanc de Blancs 2005 bestellt, jedoch den Le Mont Benoît Non Dosé 2007 erhalten. Das passt nicht ganz, wenn man einen Blanc de Blancs Abend plant, doch – ehrlich gesagt – ist es mir erst aufgefallen, als ich die Flaschen nach der Probe fotografiert habe. Also hatten wir eine ungewollte Cuvée im Programm, bestehend aus 50% Meunier, 25% Pinot Noir und 25% Chardonnay. Zu 85% 2007er Jahrgang gesellen sich 15% 2006er. Dieser Wein repräsentiert sehr deutlich das Terroir des Mont Benoît, die kreidige Note genauso wie die Tonerde. Entsprechend finden sich eher kreidig-mineralische, aber auch rauchige Noten, im Fruchtbereich sind  es Grapefruit und grünapfelige Noten, die dominieren und sich mit salzigen Noten und  etwas Brioche paaren. Am Gaumen setzt sich das Spiel aus salzigen Noten und dieser beeindruckenden Mineralität fort. Es ist eigentlich kein Wunder, dass bei dieser Expressivität der Kreide und dieser Stahligkeit nicht aufgefallen ist, dass hier nur 25% Chardonnay drin waren. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen sehr fokussierten, klaren, harmonischen Champagner erster Güte.

 

Pierre Moncuit, Blanc de Blancs Grand Cru Brut Millesimé 2002
Ähnlich harmonisch präsentierte sich der 2002er Grand Cru Brut Blanc de Blancs von Moncuit. Moncuit besitzt 20 verschiedene Parzellen in Le-Mesnil-sur-Oger, hinzu kommen 5 Hektar in Sézanne, die immer getrennt ausgebaut werden. Es ist der Ort, wo Krug seinen extrem teuren und raren Clos de Mesnil bewirtschaftet. An Säure fehlt es den Weinen aus Le Mesnil selten, was an der spezifischen Lage des Ortes und seiner Weinberge liegt. Entsprechend dem hohen Säureanteil lässt Nicole Moncuit die Weine immer einen biologischen Säureabbau durchlaufen. Die Weine der Moncuit, die seit den 50er Jahren unter eigenem Namen Champagner anbieten und zu den alteingesessenen und renommierten Betrieben gehören, werden ausschließlich im Edelstahl vergoren, und die Weine entstammen ausschließlich einzelnen Jahrgängen, es wird nicht mit Reserveweinen gearbeitet.

Der 2002er wirkt fein und zurückhaltend, fast gedämpft. Die Blumen-, Kräuter- und Fruchtaromatik duftet leicht aus dem Glas, mit zunehmender Luft mischen sich reifer Pfirsich, Grapefruit und einige tropische Noten in den Duft. Am Gaumen wirkt der Wein balanciert zwischen Frucht, Säure und kreidiger, nerviger Mineralität. Eigentlich ein ausgezeichnet balancierter Champagner, trotzdem hat er bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dabei will ich dem Champagner kein Unrecht tun; denn es typisch für Le Mesnil, dass die Weine viel Zeit brauchen. Ich würde noch mal fünf weitere Jahre ansetzen und dann noch einmal probieren.

 

Bordeaux zwischen Vinocamp und VinExpo, 7 – Gartenparty mit Fazit

02/Jul/11 12:32 kategorisiert in: Rot, Frankreich, Vinocamp, Weingüter, Weiss, Frankreich

Weiter also an den St. Emilion- und Pomerol-Schlössern vorbei ins Entre-deux-Mers, wo wir abends zu einer Gartenparty bei André Lurton eingeladen sind, jenem Konzernchef, nennen wir ihn mal so, der aus einem kleinen Unternehmen ein großes gemacht hat, der den richtigen Riecher hatte, die weißen Entre-deux-Mers in den 60ern europaweit bekannt zu machen und zur Mode werden zu lassen und dann sein Geld in verschiedene Weingüter vor den Toren Bordeaux investiert hat um der Stadt und ihren vorgelagerten Bereich die Weinberge abzutrotzen und eine neue Appellation zu gründen. André Lurton ist so zu sagen Mr. Pessac-Leognan und man muss ihm das hoch anrechnen, denn ohne ihn wären diese alten Weinbaugebiete wohl heute Wohnblocks und Gewerbeflächen gewichen.

Vorbei an L’Evangile Richtung Château Bonnet

 

Lurtons Weine kennt jeder, der schon mal bei Jacques vorbeischaut, gefühlt stammt jeder zweite Bordeaux dort von ihm. Und es sind locker 500.000 Flaschen, die er hier so jährlich vertickert. Seine Familie, ob Söhne oder Neffen besitzen nicht nur weitere Güter im Bordeaux, sondern haben sich auch über Spanien, Chile und Argentinien verteilt. Eine ganze Weindynastie also.

Château Bonnet

 

Der alte Herr jedenfalls ist mit seinen 87 Jahren noch ziemlich fit und posiert gerne vor seiner Sammlung alter Autos, unter anderem Militaria, was die vor Ort weilenden Chinesen anspricht. Überhaupt finden sich auf der Vinexpo und drum herum deutlich mehr Asiaten ein als auf der Prowein. Was nicht verwundert. Der Wein ist einfach angesagter als deutscher Weißwein. Und auch wenn beide Messen international sind zieht der Name der Stadt und des Anbaugebietes deutlich stärker. Bemerkenswert fand ich, wie selbst kleine Erzeuger darauf reagieren und teilweise schon mit chinesisch-sprachigen Mitarbeitern aufwarten können um ihre Weine möglichst barrierefrei feilbieten zu können.

André Lurton mit Gast vor historischen Militaria

Die Reise geht zu Ende. Bleibt noch ein Fazit: Es war das erste Mal, dass ich auf Einladung und fremde Rechnung eine Reise in ein Weinbaugebiet unternommen habe. Die Entscheidung, mich dafür zu bewerben, parallel zum Vinocamp für den Bordeauxverband als Sponsor des Vinocamps von der Vinexpo und rundherum zu berichten, habe ich mir wohl überlegt. Denn bisher war ich hier auf meinem Blog ganz unabhängig, nun war ich Teil einer PR-Maßnahme und ich war durchaus etwas misstrauisch zu Beginn. Dass dies ein nicht unwichtiges Thema ist hat sich wohl auch beim Vinocamp gezeigt und ist im Netz in der letzten Woche als Thema weitergeführt worden, siehe die Diskussion bei Thomas Lippert und bei Michael Pleitgen.  In diesem Fall war das Misstrauen jedoch unbegründet – nicht zuletzt, weil es komplett transparent war und ich in dem, was ich geschrieben habe komplett unabhängig war – und das ist ja auch für die Einladenden durchaus ein Risiko, denn sie kannten mich nicht.


Bei der letzten Verkostung. Foto © Christian Riedel

Mich für diese Reise zu entscheiden war gleichzeitig auch eine Chance, nämlich die, an Orte zu kommen, wo ich normalerweise nicht so schnell Zugang finde. Ich habe dies nicht bereut, denn ich bin ausgesprochen freundlich empfangen worden und die Reise war sehr gut organisiert, es hat einfach großen Spaß gemacht, das ist in der Artikelreihe wahrscheinlich klar geworden. Es sind immer die Menschen und die Geschichten vor Ort, über die es sich zu schreiben lohnt. Das ich das tun konnte, fand ich sehr befriedigend. Das ich alle Freiheiten seitens des C.I.V.B. hatte fand ich ebenfalls ausgesprochen angenehm und mir bleibt, herzlich zu danken.

Nun hat mich das Vinocamp 2011 nach Bordeaux gebracht, also freue ich mich auf’s nächste Vinocamp, wo ich dann hoffentlich mit dabei sein werde.

 


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