Während der Weinkaiser noch an der Zusammenfassung der formidablen 43. Weinrallye schreibt – das Feedback zum Thema Spätlese war ja enorm – möchte ich das Thema zur 44. Rallye ankündigen. Die Rallye läuft also zum zweiten Mal seit ihrem Entstehen über Originalverkorkt, ursprünglich ausgerichtet und auch weiterhin betreut vom Winzerblog, wo man sämtliche Informationen zur Weinrallye findet.
Es sind so klingende Namen wie Hermitage oder Châteauneuf du Pape, die das Anbaugebiet Rhône prägen und den Ruhm der Rhône-Weine ausmachen, genau so aber assoziiert man mit diesem Gebiet dünne Wässerchen aus dem großen Gebiet der Côtes du Rhône. Wie vielseitig und abwechslungsreich diese große Weinlandschaft in Frankreich zwischen diesen Extremen wirklich ist, möchte ich als Thema der Weinrallye in den Fokus rücken.
Von den Hängen der Côte-Rôtie bis zu Cornas und Saint Peray bilden sich die granitgeprägten Hänge der Nordrhône, geprägt durch Syrah und Viognier. Es ist eine der ältesten Kulturlandschaften Frankreichs. Schon die Griechen sind bis hierher vorgedrungen, die Römer haben den Weg entlang der Rhône ausgebaut um vom Mittelmeer aus nach Mittel- und Westeuropa vorzudringen. Seit 125 v.Chr. werden die rechten Hänge der nördlichen Rhône mit Rebstöcken bepflanzt. Später kamen die Päpste nach Avignon, Papast Johannes XXII. ließ im 14. Jhd. das Schloss Châteauneuf-du-Pape bauen, der Weinbau wurde deutlich ausgedehnt.
Cornas, Foto: ©VinaturelHinter Montelimar dann öffnet sich das Tal, die Bodenstrukturen ändern sich genau so wie das Klima. Rund um Orange finden sich Châteauneuf-du-Pape, Rasteau, Tavel, die Crus der Côtes du Rhône wie Gigondas, Vaqueras oder Visan. Das Gebiet geht über in die Departements Ardèche und Gard, Drôme und Vaucluse. Die Weine des Ventoux sind teils so nah am Stil der südlichen Rhône, die Kalkböden so ähnlich, dass ich sie gerne mit dazu nehmen möchte.
Grenache spielt in dieser Gegend eine wichtige Rolle, Carignan und Mourvèdre, natürlich immer noch Syrah, wenn auch in geringerem Maße, dazu kommen Clairette, Bourboulenc, Cinsault; Marsanne und Rousanne prägen die Weißweine. Sind an der Nordrhône nur zwei Rebsorten erlaubt findet man im Süden nicht weniger als 17 verschiedene Sorten, die die Cuvées sehr unterschiedlich prägen.
Süd-Rhône, Foto: ©VinaturelSo vielfältig die Landschaft und ihre Weine, so vielfältig sind hoffentlich die Beiträge zur 44. Weinrallye, die am 30. April 2011 zwischen 00:01 und 23:59 stattfinden wird. Wer einen Artikel schreibt, gebe mir bitte eine kurze Info unter info(ät)originalverkorkt.de, er erscheint dann bei mir in der Übersicht.
Wer kein eigenes Blog betreibt oder ein Blog führt, das thematisch nicht zur Weinrallye passt ist jedoch ebenso herzlich eingeladen, einen Beitrag zu schreiben. Dieser wird dann als Gastbeitrag hier im Originalverkorkt-Blog veröffentlicht. Dazu benötige ich dann Text und Fotos, möglich in 590px Breite.
Karte: © Inter RhôneWeitere Infos gibt es übrigens in der Weinrallye-Facebook-Gruppe.
Also, nutzt Ostern um zum Lamm eine schöne Flasche zu öffnen. Viel Spaß!
Cabernet Franc dürfte eine der ältesten Rebsorten sein, die in Frankreich wachsen, sie kann ausgezeichnete Weine hervorbringen (Cheval Blanc beispielsweise wird zum überwiegenden Teil aus Cabernet Franc vinifiziert), sie steht jedoch immer im Schatten der Cépages Noble Cabernet Sauvignon und Merlot. Mittlerweile kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Cabernet Sauvignon aus einer Kreuzung zwischen Cabernet Franc und Sauvignon Blanc hervorgegangen ist und der Merlot aus einer Kreuzung aus Magdeleine Noire des Charentes x Cabernet Franc. Auch die Vaterschaft der Carmenère kann man dem Cabernet Franc zuschreiben: Er kreuzte sich mit Gros Cabernet.
In Frankreich stehen ca. 39.000 Hektar unter Reben, in anderen Teilen der Welt aber ist diese Rebsorte eine absolute Randerscheinung. In Deutschland sollen es gerade mal 15 Fußballfelder sein. Dabei würde sich der Anbau in größerem Maße vielleicht durchaus lohnen, wenn ich mir beispielsweise den Cabernet Franc "Fréderic" von Kistenmacher-Hengerer so auf der Zunge zergehen lasse. Dieser Wein von noch jungen Rebstöcken scheint sich in Württemberg ausgesprochen wohl zu fühlen, zumindest ist dies ein absolut gelungener Wein voller Würze, Frucht, Länge, schöner Säure und zurückhaltender Tannine.
Vielleicht ist genau dies einer der Gründe, weshalb der Cabernet Sauvignon im allgemeinen bevorzugt wird: die größere Menge an Tanninen, die den Wein offensichtlich robuster scheinen lassen, langlebiger, dichter. Dabei kann man Cabernet Franc eine längere Ausdauer kaum absprechen, so ein Cheval Blanc kann in guten Jahren durchaus altern, und auch die dichten Loire-Weine können ein hohes Alter erreichen.
Die Loire dürfte übrigens neben St. Emilion das wichtigste und auch bekannteste Gebiet für hochwertige Cabernet Franc-Weine sein und mit einigen Vertretern dieser Region haben wir uns beschäftigt und dabei Weine aus vier Apellationen probiert.
Chinon – Château de Coulaine
In Chinon, eine 1.800 Hektar Apellation im Bereich der Touraine, wird praktisch ausschließlich Cabernet Franc angebaut, lediglich 10% sind mit Cabernet Sauvignon bestockt. Der Boden setzt sich aus Kies-, Sand- und Kalksteinböden zusammen. All diese Böden findet man als Unterlage der ersten drei Weine des Abends, die einen Querschnitt der Arbeit des Winzers Etienne de Bonnaventure liefern, seines Zeichens Besitzer des über 700 Jahre alten Château de Coulaine, welches seit Anbeginn zum Besitz der Familie gehört. So alt das Familienerbe ist – einer der Vorfahren soll sich mit Karl dem VII und Jean d’Arc in Chinon getroffen haben – so alt ist die Weinbautradition. Etienne und seine Frau haben diese Tradition in eine neue Moderne geführt: Der Besitz wurde auf 12 Hektar erweitert, die Erträge auf maximal 35 hl/ha reduziert und seit 1988 wird biodynamisch gewirtschaftet.
Der 2006er Bonnaventure stammt von den oben genannten Böden, ein Teil der Hänge besteht aus lehmigen Kalksteinböden, ein anderer Teil von einem Plateau mit Sand- und Kalksteinböden. Die Vinifikation erfolgt ausschließlich im Eichenfass. Wie fast alle Cabernet Francs findet sich ein saftiges Kirschrot in der Farbe des Weines. Die Nase ist zunächst zurückhaltend, lediglich ein wenig Eisen/Blut findet sich, später öffnet sich der Wein und duftet nach roten Früchten, unterlegt mit tabakigen Noten, etwas Süßholz und Nelken.
Am Gaumen dominiert zunächst das Markenzeichen dieser Rebsorte, eine deutliche Säure von saftigen, sauren Kirschen. Der Wein wirkt nicht all zu dicht, geradezu aufgefächert in Aromen von Sauerkirschen, Johannnisbeeren, Brombeeren und orientalischen Gewürzen – auch hier findet sich wieder Süßholz, bzw. Anis. Wir hatten bei den Chinons fast das Gefühl, ein wenig Südfrankreich im Glas zu haben. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass hier nie etwas zu schwer ist, nichts fett, nichts überreif, vielmehr saftig und frisch.
Im 2006er Les Picasses treffen sich Reben von über 80 Jahre alten Stöcken mit knapp 10 Jahre altem Cabernet. In der Farbe, in der Nase und am Gaumen finden sich auch hier die typischen Attribute von Sauerkirschen und prägnanter Säure. Ansonsten unterscheidet sich der Wein deutlich vom Bonnaventure. Ein Schmeichler ist es, nachdem die UHU-Nase verflogen ist. Dann verbindet sich die saftige Kirsche mit süßem Brotteig, etwas vanilligem Holz und zurückhaltenden indischen Gewürzen zu einem weichen Ganzen. Im Les Picasses wirkt die Säure verhaltener, die Tannine sind geschliffen, ein feiner, vielleicht fast schon ein wenig zu runder Wein.
Leider hatte der 2006er Clos de Turpenay Kork, nicht extrem, aber immer präsent und störend. Schade, denn abseits des Korks verbanden sich feine Holz-Vanille-Aromen mit Butter, Kirschen und Johannisbeere, etwas Pfeffer und Gewürzen.
Bourgueil – Domaine de la Chevalerie
Das Bourgueil liegt nicht weit von Chinon entfernt im Westen der Touraine. Die Böden sind ähnlich zusammengesetzt und bestehen im Wesentlichen aus Sand-, Kies- und Sandsteinböden. Der 2006er Galichets der mir vorher unbekannten Domaine de la Chevalerie aus dem Bourgueil schafft es an diesem Abend nicht in die vorderen Ränge. Dafür birgt der Wein einfach zu viel Säure in sich. Schade, denn die Ansätze fand ich zunächst sehr schön. Schöne Cassis- und Kirscharomen, etwas Paprika, Pfeffer und Noten von Eukalyptus. Aber die Säure…
Saumur – Domaine de Roches Neuves
Thierry Germain gehört mit zu den eloquentesten Winzern der Region Saumur, die sich über 2.800 Hektar an den Hängen von Loire und Thouet erstreckt. Aus einer bordelaiser Winzerfamilie stammend hat er hier eine neue Heimat gefunden und schafft mit seinen Cabernet Francs ebenso wie mit dem Chenin Blanc l’Insolite oder dem Crémant Bulles de Roche charaktervolle, teils faszinierende Weine. Mehr zum l’Insolite und zu Thierry Germain habe ich hier geschrieben.
Der 2007er Terres Chaudes stammt von den heißen Böden der Coteau des Poyeux, wurde im großen Holzfass ausgebaut und wird unfiltriert und ungeschönt auf die Flasche gezogen. In der Nase fand ich feines Holz mit etwas Vanille und leicht medizinische Noten. Dazu Brombeeren mit eher wenig Sauerkirsche, dafür jedoch ein wenig Unterholz. Der Wein ist extraktreich und lang mit einer markanten aber nicht zu starken Säure und feinen Tanninen. Schöner Stoff.
Anjou – Clau de Nell
Das Anjou dient eigentlich als Hauptapellation in der sich Unterapellationen wie Savennières, Coteaux du Layon oder das Saumur befinden. Das 12.000 Hektar Gebiet grenzt im Osten an Bourgueil und Chinon, im Westen an Muscadet.
Die Geschichte des Weingutes wie auch die Geschichte von Claude und Nelly Pichard, aus deren Vornamen Claude und Nelly der Names des Gutes Clau de Nell entstanden ist, ist ein wenig verrückt.
Irgendwann sind die beiden, die zu diesem Zeitpunkt auf dem elterlichen Hof im Burgund gearbeitet haben mit Weinen von Nicolas Joly, dem Vorreiter des biodynamischen Weinbaus in Kontakt gekommen und Claude war hin und weg. Er wusste, er möchte ebenfalls solche Weine machen. Da seine Eltern dagegen waren, deren Hof auf Biodynamie umzustellen, entschied er sich zusammen mit seiner Frau, sein Glück woanders zu suchen. Fündig wurde er im Anjou, in einer Gegend, in der es genau einen Weinberg gibt, 8 Hektar groß, mit 80 Jahren alten Reben bestockt, unter anderem mit der authochtonen Rebsorte Grolleau. Rings herum gibt es sonst nur Wald und Felder. Der Boden besteht aus einer oben liegenden Sandsteinschicht mit Feuersteineinschlüssen, 12 unterschiedlich dichten, aufeinander gefalteten Lehmschichten sowie einer darunter liegenden Kalksteinschicht die hervorragend geeignet ist, Wasser zu speichern oder zu drenagieren.
So gut die Arbeit der Pichards in Weinberg und Keller war, so schlecht war sie allerdings bei Buchführung und Planung, so dass sie nach drei Jahren schon Konkurs anmelden mussten. Kurz bevor der Weinberg verkauft werden sollte sprang die Großmeisterin aus dem Burgund, die Winzerin Anne-Claude Leflaive den beiden zur Hilfe. Sie hatte durch Zufall von den Weinen, den Winzern und dem Missgeschick gehört und sah die Chance und das Potential.
Der 2003er Cabernet Franc Clau de Nell duftet nach frischem Eichenholz mit den typischen Aromen von Vanille und Kokos. Nach und nach finden sich orientalische Gwürze ein sowie eine gewisse Süße reifer Früchte. Hinter dem noch etwas vordergründigen, aber feinen Holz wirkt der Wein sowohl filigran als auch komplex-opulent, burgundisch elegant und verführerisch, "rich", wie die Engländer sagen.
Am Gaumen wirkt der Wein zunächst wie ein etwas geduckt wirkendes Kraftpaket mit leichter Herbe in der süßen Frucht und leicht medizinischen Noten. Beeindruckend von Beginn an wird der Wein im Laufe des Abends faszinierend. Es entfaltet sich die volle Kraft, Würze, Süße und die Dichte wird spürbar. Doch trotz aller Kraft bleibt der Wein immer subtil, ja filigran. Ein schönes Geschöpf und ein gutes Beispiel dafür, wie gleichberechtigt der Cabernet Franc neben seinem ungleich bekannteren Sohn bestehen kann.
Savennières – L’Enclos, Eric Morgat
Einen solchen Abend mit einen Chenin Blanc aus bestem Hause zu beenden macht enormen Spaß. Savennières liegt als 120 Hektar Enklave ebenfalls im Anjou und ist nicht zuletzt durch das Chateau de la Roche aux Moines des Nicolas Joly bekannt geworden. Selbstverständlich aber gibt es weitere, hervorragende Erzeuger, von den Eric Morgat nur einer ist.
Dieser kommt aus einer Winzerfamilie, die in den Coteaux du Layon beheimatet ist. Das Savennières hat Morgat 1995 für sich entdeckt wo er sich zu Füßen von Roches aux Moines einige Hektar Land kaufen konnte. Seinen Keller hat er zunächst im oben beschriebenen Château de Coulaine bei den Bonnaventures angemietet. Morgat arbeitet biologisch, ist aber nicht zertifiziert. Seine Weine werden in 400 Liter-Fässern fermentiert, spontanvergoren und durchlaufen etwa zur Hälfte eine spontane malolaktische Gärung. Die Weine bleiben lange auf der Hefe und werden immer wieder aufgerührt.
Das verwendete Holz ist sowohl in der Nase als auch am Gaumen deutlich erkennbar bei diesem 2006er Savennières l’Enclos. Um es direkt zu sagen: Der 2006er leidet ein wenig am Alkohol, der hinten raus ein bisschen brandig wirkt. Ansonsten ist das ein beeindruckender Chenin Blanc, irgendwo angesiedelt zwischen Tradition und Moderne. Voller Tiefe, reifer Birnenfrüchte und etwas Banane, mit Nüssen versetzt und mit Holz, ein wenig bitterer Orange und Karamell. Dabei wirkt die Säure ganz ausgewogen und fein. Ich muss sagen und es hier wieder betonen: Ich liebe diese Rebsorte in all ihren Facetten, trocken ausgbaut wie auch süß, verwegen wie geradlinig. Sie bietet eine ähnliche Bandbreite wie der Riesling, beeindruckt aber gerade auch in Verbindung mit Holz. Der l’Enclos ist hier hierfür ein ausgezeichnetes Beispiel.
Gestern haben wir mal wieder in kleiner Runde zusammengesessen. Auf dem Programm stand eine Fünfer-Vertikale des im Pessac-Léognan beheimateten Bordeaux-Châteaus Smith Haut Lafitte.
Traditionell beginnen wir unsere Abende mit einem Champagner, in diesem Fall mit einer Grande Réserve des Hauses Vilmart & Cie, Rilly-la-Montagne aus dem nördlichen Bereiche der Grande Montage de Reims.
Vilmart, 1890 gegründet, besitzt 11 Hektar rund um das eigene Anwesen, wobei hier, ganz unüblich für die Region, Chardonnay als Hauptrebsorte überwiegt. Normalerweise findet sich in der Montagne mehr Pinot. Sämtliche Lagen des Besitzes fallen unter den Premier Cru Status. Vilmart, bzw. der Besitzer Laurent Champs und auch schon sein Vater gehören zu den Winzern, die sehr früh auf den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden im Weinberg verzichtet haben und sie gehören weiterhin zu jenen, die ihre Grundweine samt und sonders in Holzfässern ausbauen. Non Vintage Champagner werden in Fudern ausgebaut, Jahrgangschampagner in gebrauchten Barriques. Die Vorgehensweise ähnelt also der bei beispielsweise Selosse, de Souza, Larmandier-Bernier und anderen Winzern, die biologisch im Weinberg arbeiten und auf Holz statt auf Edelstahl im Keller setzen.
Die Grande Réserve Brut Premier Cru, Losnummer 11 08, das dürfte auch das Degorgier-Datum sein, besteht im Gegensatz zu allen anderen Erzeugnissen Vilmarts zu einem höheren Anteil aus Pinot Noir (70%) und zu einem geringeren aus Chardonnay (die restlichen 30%).
In der Nase findet sich ein Hauch Holz und ein leichter Duft von Hefe, zusammen mit etwas Salzigem, was mich ein wenig an Fisch erinnert hat, aber das wäre ein Negativurteil, was ich so nicht formulieren mag. Es scheinen jedenfalls einige salzige Aromen am Geruchsbild mitzuwirken, das ansonsten eher auf Chardonnay denn auf Pinot schließen lässt: Zitrusfrüchte dominieren hier.
Am Gaumen ist der Wein zunächst einmal frisch und crémig, was meiner Meinung nach zunächst einmal das Wichtigste ist. Fehlt die Frische wird der Wein schnell langweilig, dann kann ich auch einen Stillwein trinken. Hier jedoch findet sich eine frische Säure, Mineralität, wiederum Citrusnoten und Pfirsich, begleitet von würzigen Noten und frischem Brioche. Im Mund merkt den Pinotanteil deutlicher als in der Nase, der Wein hat hier ein pinottypisches Volumen. Schön ist, um noch mal darauf zurück zu kommen, die crémige Textur, die nicht zuletzt aus dem zehnmonatigen Holzfassausbau resultieren dürfte sowie die Länge, die diesen Einstiegswein des Hauses zu einem guten Kauf werden lässt und mit 32 Euro bei Hardy in Berlin auch gut bepreist ist.
Das eigentliche Thema des Abends aber waren die weißen, von Sauvignon Blanc dominierten Gewächse des Château Smith Haut Lafitte, bei mir intern op Kölsch Schmitz-Hoot genannt.
Wie viele andere Châteaux im Bereich Pessac-Léognan, Graves auch ist Smith Haut Lafitte deutlich älter als die bekannten Médoc-Güter. Bis ins 14. Jhd gehen die Annalen zurück als die Familie Bosq im Jahre 1365 das Gut gegründet hat. Interessant wird es ab dem 17. Jahrhundert, als der Schotte George Smith den Besitz übernahm, das heutige Anwesen erbauen ließ und begann, die Weine auf die britischen Inseln zu exportieren. Ab 1842 hat der damalige Bürgermeister von Bordeaux, Monsieur Duffour-Dubergier den Besitz übernommen, ausgebaut und das Gut weiter bekannt gemacht. Den weltweiten Export übernahm der Händler Louis Eschenauer, der das Anwesen zwischenzeitlich erwarb bis es 1993 in den Besitz des früheren Ski-Olympiasiegers Daniel Cathiard überging. Dieser hat den Besitz zusammen mit seiner Frau Florence zu einer neuen Blüte gebracht, enorm viel Geld in das Anwesen mit dem markanten blauen Signet investiert und mit Frau und Tochter sogar eine eigene, auf Weintrauben basierende Kosmetiklinie namens Les Sources de Caudalie sowie eine Reihe von Spa eröffnet. Die Familie hat in den letzten zwei Jahrzehnten also keine Mühen gescheut um den Besitz in die erste Riege der Graves-Château zu befördern, zu denen es vorher eigentlich nie gehört hat. Eine der vielen Maßnahmen, die angewandt wurden um diesen Qualitätssprung zu erreichen ist neben der Neuanlage der Weinberge, dem Ausbau des Kellers und der Beratung durch Michel Rolland die stete Hinwendung zur biodynamischen Bewirtschaftung des Weinbergs, womit peu à peu 1997 begonnen wurde.
Die Jahrgänge 2000 und 2002
Leider hatte direkt der erste Wein im ersten Flight einen Korkschmecker, der den Vergleich mit dem hervorragenden 2002er schwieriger werden ließ. Beide Weine standen goldgelb im Glas und dufteten mit einer Aromatik von leicht gerösteten Nüssen und Kernobst.
Was ich beim 2000er zuerst als Walnuss-Aromatik empfunden hatte wandelte sich zunehmend deutlich im Laufe des Abends zu einem TCA-Fehler des Korkens. Schade, denn der Wein hatte eine schöne Tiefe und Länge.
Der 2002er ist von der Zusammensetzung her ein typischer weißer Smith Haut Lafitte. 90% Sauvignon Blanc werden ergänzt durch 5% Sauvignon Gris und 5% Sémillon. Neben der Aromatik von gerösteten Nüssen findet sich ein wenig Akazienhonig, etwas Banane und reife Mirabellen. Und das nicht nur im Duft sondern ebenso im Geschmack, wo sich zusätzlich eine gewisse Kräuteraromatik einfindet. Der Wein hat eine schöne Dichte und ausgezeichnete Länge. Zum Schluss des Abends findet sich ein leichter Petrolton in der Nase.
Die Jahrgänge 2007 und 2006
Im zweiten Flight stand der 2007er Jahrgang neben dem 2006er. Auch diese setzen sich aus 90% Sauvignon Blanc und je 5% der Nebenrebsorten zusammen, der Ertrag lag bei beiden bei 30 Hektoliter je Hektar (2002 lag er bei 25hl).
Die Stilistik der ersten beiden probierten Weine setzt sich auch in diesen beiden fort. Auch wenn der 2007er säurebetonter ist als der 2002er und zurückhaltender im Duft, findet sich die Steinobst-Nuss-Aromatik, die zunehmend durch eine leicht steinige Komponente ergänzt wird. Im jüngsten Wein des Abends findet sich zwar etwas mehr Holz als in den anderen, doch oaky ist dieser Wein kein bisschen. Die Frucht überwiegt deutlich, ist expressiv und verbindet sich hervorragend mit der Säure. Sehr gut.
Der 2006er, von René Gabriel mit übertriebenen 20/20 Punkten bewertet, ist noch ein Schüppchen besser. Nüsschen, reife, ja crémige weiße Früchte mit einem satten Schuss Akazienhonig formen einen dichten, in angenehmen Sinne vollen Wein, der jedoch genau so viel Grip und Säure in sich trägt, dass sich eine großartige Balance ergibt. Der Wein weckt bei allen am Tisch gleichermaßen Begeisterung. Hervorragend.
Der Jahrgang 2005 und ein unbekannter Nebenbuhler
Der 2005er, im dritten Flight mit einem verdeckten Nachbarn kredenzt, fällt in der Aromatik zunächst ein wenig heraus. Die bisher immer mitschwingende Nusskomponente finde ich kaum, hier überwiegen Quitte und Trockenfrüchte in der Nase. Am Gaumen aber hat dieser Wein alles, was das Weingut ausmacht. Wenn der Wein auch weniger Säure hat als seine beiden Vorgänger ist dies hier die Quintessenz: kühle Frische, ausgezeichnete Säurestruktur, mineralische Kräuteraromatik, leichte Würze, stoffige, weiße Frucht und ein wenig vollreifer Pfirsich. Kraftvoller ist der Wein und doch elegant, tief, mit einer ausgezeichneten Länge fast monumental. Für mich nahe an der Perfektion weißer Graves.
Neben diesem 2005er stand ein Wein, der zwar in der Nase deutliche Alterungsnoten aufweisen konnte, im Glas aber hell schimmerte ohne jeden Alterungston. Auf einen 1979er Château Laville Haut Brion, heute La Mission Haut Brion, ebenfalls Graves, ebenfalls Sauvignon Blanc, ist am Tisch natürlich niemand gekommen. Durchaus amüsant und durch die Bank zutreffend waren die Geruchsvergleiche mit Tahin und Zitrone, Käse oder Kettenfett, gekochtem Gemüse und Karamell. Stand Tahin und Kettenfett zu Beginn im Vordergrund wurde der Wein über die nächsten Stunden nicht schwächer und müder, nein, im Gegenteil formte sich ein karamelliger Wein mit ausgezeichnetem Säuregerüst mit zunehmender Weichheit und Finesse. Sehr beeindruckend.
Was nach den drei Runden Pessac-Léognan wiederum verdeckt ins Glas kam war ein Wein, der von einem der bevorzugten Winzer unseres Gastgebers stammt. Der 2003er Uhlen Laubach von Heymann-Löwenstein, Terrassenmosel, hat uns ebenso viel Spaß bereitet wie die Bordeaux. Dieser Wein aus dem Hitzejahrgang wirkte überhaupt nicht müde – beim kürzlich genossenen 2003er von Clemens Busch konnte ich davon auch nichts feststellen. Der leicht nach Virginiatabak und Pfirsich duftende Wein hatte zwar naturgemäß keine überbordende Säure, aber eine, die den Wein sehr gut zusammengehalten hat. Leicht karamellig wirkte der Wein, mit kräutriger Mineralik, leicht herben Johannisbeer-Noten, einer deutlich spürbaren Restsüße und ausgezeichneter Länge.
Zum Schluss noch mal ein Höhepunkt eines feinen Weinabends: Château Suduiraut, Sauternes, 2003. Was für ein genialer Tropfen. Eine nicht enden wollende dichte Süße, eine crémige Karamellbonbonessenz mit eingelegten Früchten voller gebändigter Kraft und Dichte. Und das, was einen bei vielen Sauternes befürchten lässt, man müsse ob der Schwere durch die Decke plumpsen wird hier gekontert mit Frische, mit einem feinen Säuregerüst, was mir bei diesem Château wie bei kaum einem anderen immer wieder auffällt und die Weine unwiederstehlich macht: Da schwebt eine riesige, mit eingelegten Früchten durchsetzte Crème Brullée in einem schweren Tongefäss wie auf einem Magrittschen Gemälde schwerelos über den Dingen. Großer Wein, großartiger Abend.
Ich muss zugeben, ich bin um diesen Artikel herumscharwenzelt, immer wieder. Ich habe ja schon über Vieles geschrieben hier im Blog, aber selten über gereifte Weine aus dem Burgund. Überhaupt lese ich dazu sehr selten etwas, auch in anderen Blogs kommt das Burgund, so nehme ich es wahr, selten vor. Das könnte daran liegen, dass es schlichtweg deutlich schwieriger ist, darüber zu schreiben als über, sagen wir, gereifte Mosel-Rieslinge, zumindest empfinde ich das so. Nun, bevor wir zur Bewährungsprobe kommen gab es als Entrée eine Bollinger La Grande Année 1996 für unseren Kleinen Bonner Weinzirkel. Ich kam etwas zu spät und die Flasche war schon länger geöffnet. So hatte sich der Wein schon entfaltet und verströmte einen schönen Duft von etwas mürbem Apfel, gleichzeitig Zitrusaromen, etwas Hefe und Nüsse. Im Mund wirkte der Champagner wie auch in der Nase wie ein zwiegespaltenes Ganzes. Einerseits Alterungstöne, siehe mürber Apfel, andererseits sehr viel Frische, Mineralität und Säure. Der Champagner kann vor zehn Jahren kaum zum Genuss geeignet gewesen sein wenn ich schmecke, wie viel Säure er jetzt noch hat. Jetzt tut es ihm gut und verbindet sich vortrefflich mit dem crémigen Charakter. Der lange Abgang überzeugt vollends.
Die eigentliche Reihe an weißen Burgundern begann dann mit einem 2000er Rully Premier Cru Les Cloux von Vincent Girardin. Rully zählt nicht zu den berühmten Lagen. Rully gehört, neben Bouzeron, Givry, Mercurey und Montagny zum Gebiet der Côte Chalonnaise zwischen Côte d’Or und Mâconnais. Das Gebiet zeichnet sich durch Kalkstein und kalkhaltigen Lehm aus, in Rully selber gehört die Premier Cru Lage Les Cloux zu einer von 20 Premier Cru Lagen.
Der 2000er Les Cloux hat eine leicht und angenehm duftende Nase nach etwas Blüten und Zitrone mit einem Hauch Honigbanane. Schon in der Nase kann man Säure erahnen, die sich im Mundgefühl auch bestätigt. Deutliche Apfelsäure findet sich hier. Was die Säure angeht, wirkt der Wein jung, die Frucht aber dürfte sich nicht mehr weiter entwickeln und ist an ihren Grenzen angelangt.
Jean Boillots 2001er Puligny-Montrachet stammt aus der Premier Cru Lage Clos de la Mouchère. Hier sind wir schon bei einem der berühmten Montrachet-Winzer und bei einer guten Lagen angelangt. Nachdem eine leichte Käsenote aus dem Glas entschwunden ist, offenbaren sich Noten von Akazienholz und -honig mit ein wenig Banane und ich fühle mich an überschwengliche Übersee-Chardonnay erinnert. Am Gaumen finden sich die Akaziennoten wieder, aber angenehm deutlich gedämpft. Es kommt eine Orangennote hinzu und leichte Noten von Alterung. Neben der Frucht steht eine ernsthafte Säure und viel Mineralität. Dieser Wein kann noch ein paar Jahre mehr, ist aber jetzt ausgezeichnet, mit einer schönen Länge und Dichte.
Daneben fällt Etienne Sauzets 1999er Puligny-Montrachet aus der Premier Cru Lage Les Combettes deutlich ab. Hier fand sich für mich ein metallischer Ton in der Nase, der Wein wirkte auch im Mund fast ein wenig scharf. Jedoch ist kein wirklicher Fehler und erst recht kein Oxydation festzustellen. Damit hatten wir am gesamten Abend glücklicherweise keine Probleme. Doch wenn Sauzet sagt, dies sei sein bester Jahrgang seit 1992, finde ich dies zumindest bei dieser Flasche überraschend. Er ist ausladend und lang, aber eben nicht wirklich balanciert.
Der zweite Flight setzte sich aus drei Meursault zusammen. In diesem Bereich der Côte d’Or finden sich keine Grand Crus, dafür aber eine Menge Premier Cru. Jörg, der die Runde ausgerichtet hat, hat den 1998er Les Narvaux von Vincent Giradin neben den 1996er Les Genevrières des selben Winzers gestellt und den Flight durch einen 1997er Les Grands Charrons von Michel Bouzereau ergänzt.
Les Narvaux glänzt in der Nase durch ein komplexes Bukett aus Haselnüssen, Akazienhonig, etwas Schokolade, Baiser und Quitte. Der Duft ist großartig, der Geschmack dieses Weins kann allerdings nicht ganz mithalten. Der Burgunder hat eine deutliche, vielleicht etwas zu starke Säure, was in der Nase Honig war ist hier eher Kandis mit einem Rest Karamell, und neben Volumen, Dichte und einer gewissen Mineralität findet sich ein leicht brandiger Ton im Abgang.
Les Grands Charrons von Michel Bouzereau wirkte wie eine große Portion Honig-Karamell. Aber eher so ein wenig wie Honig-Karamell-Parfum, in das sich dann irgendwann eine Blumenwiese und etwas Butter mischt. Der Wein wirkte auf mich ein wenig aufgesetzt und nicht ganz stimmig.
Les Genevières von wiederum Vincent Girardin beschloss den zweiten Flight mit einem Meursault im Zuckerbäckerstil der eine gewisse Opulenz von allem an den Tag legte -ölig im Glas mit Holzaromen in der Nase und einer süßen Frucht. Dabei aber immer noch mit Säurerückgrad und Mineralität. Einzig ein Bitterton im Abgang störte meinen positiven Gesamteindruck.
Mit der dritten Runde begaben wir uns in die Liga der Premier Cru Gewächse aus Chassagne-Montrachet. Diese umfassen rund 150 Hektar der Gesamtanbaufläche von 340 Hektar. Neben den Premier Cru gibt es mit Bâtard-Montrachet, Criots-Bâtard-Montrachet und Montrachet lediglich noch zusätzliche drei Grand Cru Lagen die zusammen gerade einmal 11,6 Hektar umfassen.
Nebeneinander standen in diesem Flight der Chassagne-Montrachet Premier Cru Les Caillerets 1998 von Jean Noel Gagnard, der Chassagne-Montrachet Premier Cru Les Caillerets 1996 von der Domaine Bachelet-Ramonet sowie ein 1996er Chassagne-Montrachet Les Chaumées Clos de la Truffière von Michel Niellon.
Diese drei Weine wirken etwas dichter und konzentrierter als die Mersault aus der vorherigen Paarung. Gagnards Les Caillerets verbindet das Leichte von floralen Noten mit einer konzentrierten Dichte von Steinobst, reifem Apfel und Shortbred. Shortbred oder besser Apple-Pie mit ein wenig Haselnüssen und einigen Kräuternoten finden sich auch im Geschmack wieder. Der Wein beeindruckt durch seine wie selbstverständlich wirkende Balance von Fülle und Struktur.
Ramonets zwei Jahre älterer Les Caillerets stammt aus der selben Lage, ist aber, wen sollte es wundern, ein völlig anderer Wein. Was mir zunächst wie abgebrannte Feuerwerkskörper in der Nase erscheint entwickelt sich bei zunehmender Luft zu einer deftigen Specknote, oder besser, Speckchips. Am Gaumen fand ich den Wein deutlich weniger harmonisch, deutlich unbalancierter als jenen von Gagnard. Vor allem das Zuviel an Säure fand ich etwas störend in einem ansonsten durchaus noch energiereichen Wein.
Mit Niellons 1996er Clos de la Truffière hatten wir dann als Nächstes meinen Favoriten des Abends im Glas. In der Nase ganz zurückhaltend, meilenweit entfernt von der Specknase des Nachbarn, finden sich eher leichte Zitrusaromen, ein wenig tropische Früchte und Haselnuss. Am Gaumen dann erneut die Limetten- und Zitrusfrüchte, etwas von Orangenschale, wieder Haselnuss. Aber was rede ich von Obst und Gemüse. Die Struktur, die Struktur ist es, die Harmonie, die Länge, das Verwobene von Frucht, Mineralik und Säure, die Frische und das Sämig-Weiche beeindruckten sehr.
Der letzte Flight war durchaus ungewöhnlich, befand sich in der Gruppe doch ein 1961er Chablis Premier Cru Fourcheaume von Albert Pic neben einem 1996er Chablis Grand Cru Vaudèsir der Domaine Verget sowie ein 1994er Bâtard-Montrachet der Domaine Leflaive.
Zum 1996er Chablis von Pic habe ich mir keine weiteren Notizen gemacht, der hatte, wenn ich mich Recht erinnere, seine beste Zeit hinter sich, wirkte müde und erschöpft. Ganz anders der 1961er Fourcheaume. Auch der hat seine beste Zeit längst hinter sich aber wirkte nicht wirklich müde, alt zwar, aber nicht erschöpft. Wir waren schwer beeindruckt von seiner Präsenz. In der Nase fand sich Satz von schwarzem Tee in Verbindung mit Orangenschalen, im Mund noch eine Rest von kräutrigen Noten und Obst, spannend war das Säuregerüst, dass den Wein durch die Zeit geschleift hat.
Weniger beeindruckend als die guten Jahrgänge und trotzdem schön war der 1994er Bâtard-Montrachet von der Großmeisterin des weißen Burgund, Anne Leflaive. Was normalerweise ein Kunstwerk ist und entsprechend teuer, wirkt hier fast wie ein Süßwein dem ein wenig die Säure fehlt und entsprechend die Struktur. In der Nase finden sich karamellisierte Aprikosen mit einer noch vorhandenen mineralischen Komponente, am Gaumen wirkt der Wein ein wenig wie Orangenlikör. Und, na ja, eine wirklich angenehme Form von Orangenlikör, aber Orangenlikör ist halt nicht Bâtard-Montrachet.
Das wir den Abend mit zwei fulminanten Weinen beschlossen haben erwähne ich noch, führe es aber nicht weiter aus. Der Gastgeber wollte noch mal überprüfen, verdeckt, wie sich ein 2000er Grüner Veltliner Ried Loibenberg von Emmrich-Knoll und ein 1997er Uhlen von Heymann-Löwenstein so in der Konkurrenz mit den Montrachet schlagen würde und ob man nach dem ganzen Chardonnay noch erkennen würde, was nun im Glas sei. Nun, man erkannte beide Rebsorten und Gebiete, und, ich muss es jetzt einfach gestehen, so faszinierend die Weine im Vorfeld waren, und wie sehr ich die Burgunder als Begleiter guten Essens schätze, als Solisten würde ich den Veltliner und den Uhlen immer vorziehen.
Den zweiten Teil unserer Betrachtung des französischen Südens haben wir mit einem reinsortigen Carignan Blanc der Domaine d’Emile et Rose eingeleitet dem wir später zwei Rotwein-Cuvée der selben Domaine folgen ließen.
Die Domaine d’Emile et Rose, früher etwas kitschiger Domaine de 1000 Rose geheißen liegt etwas nördlich von Béziers in Corneilhan. Caroline und Marcel Gisclard haben dort vor einigen wenigen Jahren der Genossenschaft den Rücken gekehrt um selbst Weine zu machen, und zwar nach Maßstäben von Agriculture Biologique. 7,5 Hektar stehen unter Reben, wobei nicht nur die klassischen Reben des Südens angebaut werden sondern ebenso Merlot und Cabernet Sauvignon, was daran liegen könnte, dass die benachbarte Winzergenossenschaft Les Vignerons de Cers-Portiragnes genau diese Rebsorten auch vertreibt. Die Anlagen, man sieht es auf dem Bild – das ist jetzt nicht wirklich pittoresk hübsch – stehen in einem Urzeitmeer, dessen Vermächtnis, der Sand, den Untergrund bildet.
Der Carignan Blanc 2008 ist einer der schönsten Weißweine, die ich bisher aus diesem Teil Frankreichs probiert habe. Einem guten Burgunder im Stil nicht unähnlich verbindet er in der Nase einen vollen Blütenduft mit ein wenig UHU und Würze zu der sich irgendwann ein wenig Honig und Birne gesellt und sich auch im Mund bestätigt. Dabei stören leicht vorhandene oxydativen Noten kein bisschen. Sie fügen sich eher harmonisch ein in eine schöne Frucht und Frische.
Die Grenache-Carignan-Cuvée La Pierre Figée fällt dagegen und auch gegen den zweiten Roten der Domaine durchaus ab. Dieser 2006er wirkt in der Nase zunächst mollig weich und warm mit einer hübschen Zimtnote, dunkler Frucht und dem Geruch von rohem Rindfleisch, wie er häufig in den Rhône-Cuvées vorkommt, im Geschmack aber bleibt er eher matt mit einer zu herben Noten zum Schluss.
Die Cuvée Léa 2007, mit der umgewöhnlichen Zusammensetzung aus Syrah, Grenache und Cabernet überzeugt deutlich klarer. In der Nase zurückhaltender als La Pierre Figée, vom Aromensprektrum her eher Richtung Kirsche tendierend mit einem ähnlichen Klebstoffton ausgestattet wie der Carignan Blanc, ist der Wein ein Gaumenschmeichler dem mir fast ein wenig Ausdruck fehlt. Glatt ist er, weich, leicht astringierend mit medizinischen Noten in der Frucht. Der Wein hat eine schöne Länge und ist schlichtweg schön gemacht.
In einer anderen Liga spielt die Inspiration Céleste 2008 der Domaine St. Sebastien in Banyuls, bzw. Collioure. Diese Bombe ist natürlich noch viel zu jung um sie ernsthaft trinken zu wollen. Ein Eindruck vermittelt sie jedoch, und der ist sehr sehr positiv. 90% Grenache und 10% Carignan von alten Rebstöcken stammen von alten Schiefersteillagen, die teils mit der Mosel sehr gut konkurieren können. Der Wein erinnert mich deutlich an Weine, die ich von Coume del Mas probiert habe und deren Lagen nicht weit entfernt liegen dürften. Dabei finde ich bei beiden erstaunlich und beeindruckend wie sie die Dichte und Konzentration der Weine in Einklang bringen mit Frische und, ja, in gewissem Maße der Leichtigkeit des Seins. Auf einem Bett aus deutlich erkennbarem, aber nicht überbordendem leicht getoastetem, frischen Holz liegt ein satte, reife Fruchtsüße, durchsetzt mit Nelken und anderen, teils leicht medizinisch wirkenden Gewürzen und Kräutern. Die Mineralität ist schon in der Nase zu erahnen und bestätigt sich am Gaumen, wo noch zusätzlich eine fast sauerkirschartige Frische dazustößt. Auch wenn die 14,5% Alkohol im Abgang zu spüren sind, genauso wie die Vanille des Holzes und die noch fest zupackenden Tannine, macht dieser Wein – heij, er ist erst zwei Jahre alt – richtig viel Spaß, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Abgang schon jetzt richtig beglückend lang und voll ist.
Wer jetzt denkt, dass die beiden folgenden Weine von der Rhône es schwerer haben würden, der irrt. Der Petit Ourse, die kleine Bärin – bei uns nennt man dieses Sternbild den kleinen Wagen – stammt von der Domaine La Grande Ourse, also vom großen Wagen. Die Domaine, die strikt biodynamisch arbeitet, besitzt ihre 9 Hektar in den Côtes du Rhône Villages, speziell in Tulette, St. Roman de Malegard, was an Châteauneuf du Pape angrenzt, und Visan. Die Böden müssen gut sein denn Pascal Chalon, der Winzer dieser Domaine verkauft einen Teil des Traubengutes an die Familie Perrin, die Beaucastel besitzt.
In Visan liegen jedenfalls auch die Parzellen für den Petite Ourse 2008, ein Wein für kleines Geld mit großem Spaßfaktor. In der Nase eher unauffällig, im Mund super-frisch, mit jeder Menge Kirschen und ein wenig Nelken ausgestattet, sehr präsent, fruchtig und lang. Ich selber vertreibe ja mit großem Spaß die Weine von Roche-Audran und wenn ich diesen hier daneben stelle muss ich sagen, dass diese Appellation mich immer wieder auf’s Neue beeindruckt, gerade was das stimmige Verhältnis von Preis und Genuss angeht.
Das gilt übrigens auch für den Gigondas Cuvée Cécile 2007, einem Wein der Domaine Grand Bourjassot. Der Name deutet darauf hin, das Tochter Cécile Varenne diesen Wein gemacht hat. Cécile und Vater Pierre beackern 7 Hektar Weinberge an den Abhängen der Denteilles de Montmirail. Gearbeitet wird in Umstellung auf Biodynamie schon seit langem ganz traditionell mit Pferden statt Traktor und ohne chemischen Dünger, mit Spontanvergärung im Keller und ohne Schönung.
Die Cuvée Cécile wirkt wie eine Mischung aus Wein und Cassis-Likör wenn man die Nase ins Glas hält. Dichter Wein mit unglaublich intensivem Duft von Cassis – das ist sehr, sehr animierend und es bleibt natürlich nicht dabei. Auch wenn Cassis als Primärfrucht stark dominiert, mischt sich jede Menge Gewürze und Kräuter darunter, dazu kommt Holz und noch ein wenig ungebändigte Tannine, die zeigen, dass 3 Jahre Lagerung eigentlich viel zu wenig Zeit für diesen Wein sind.
Im Gegensatz zum ersten Abend unseres zweiteiligen Ausflugs waren wir den ganzen Abend lang ziemlich glücklich und zufrieden. Die Weine haben alle überzeugen können. Wenn ich beide Abende zusammenfasse bleibt mir vom ersten Abend speziell der geniale Mas de la Devèze bleibend in Erinnerung, am zweiten Abend sind es mehrere, die ich gerne wieder probieren, bzw. deren andere Weine ich gerne kennen lernen möchte.
Seit einiger Zeit nun schon beschäftige ich mich Winzer-Champagnern, habe selbst einige im Programm und Namen wie Larmandier-Bernier, Léclapart, Egly-Ouriet, Selosse oder Gimmonet sind mittlerweile bekannt, andere, Newcomer wie Prévost oder Lahaye werden immer bekannter. Einer aber, der seit 1971 Champagner macht und zwar – nach Meinung einiger – einen extrem guten dazu, finde ich in den Besprechungen und Veröffentlichungen praktisch gar nicht. Bei Eichelmann oder Edwards jedenfalls taucht er nicht auf. Lediglich in den Blogs Mad about Wine und Sparkling Online finde ich Hinweise und Beschreibungen der Weine von Champagne Georges Laval, einem kleinen Produzenten aus Cumières, was im Tal der Marne, unweit von Epernay liegt. Der Sohn des Gründers, Vincent Laval beackert hier gerade einmal 2,5 Hektar, was einem Ertrag von ca. 9.000 Flaschen per anno entspricht. Das ist reichlich wenig und entsprechend rar und teuer sind die Weine. Das Flagschiff Les Meuniers de la Butte wird in 885 Flaschen abgefüllt und kostet ca. 180 Euro.
Die Einstiegscuvée ist ebenfalls nicht günstig, ca. 50 Euro muss man schon berappen um eine der knapp 7.500 Flaschen ergattern zu können. Der Wein besteht zu 95% Prozent aus dem 2006er Jahrgang dazu kommen 5% aus 2005. Die Cuvée wurde aus 50% Chardonnay, 25% Pinot Noir und 25% Meunier assembliert. So viel zu den technischen Details.
Viel interessanter ist ja, was dahinter steckt und das ist in der Tat feiner Stoff. Zunächst bin ich mir im Glas gar nicht klar darüber, ob das nun ein Rosé werden sollte oder nicht, der Wein changiert zwischen goldgelb und rosé, er wirkt in der Nase ganz leicht nussig mit Karamellüberzug, dazu kommt viel Marzipan, etwas frischer Brotteig und mürber Apfel. Cremig wirkt der im Holz ausgebaute Wein schon in der Nase, eine leichte Crème stelle ich auch im Mund fest, wo die Pinot-Noten und die Kraft der roten Traube deutlicher hervortreten. Dazu findet sich eine angenehme Säure ein. Der Wein wirkt keinesfalls so knochentrocken wie er eigentlich ist – die Dosage liegt nahe Null – was auf durchaus reifes Lesegut schließen lässt. Insgesamt wirkt der Champagner sehr offen und zugänglich, füllig und weich einerseits, mit angenehmem Biss und Grip andererseits.
Dieser Champagner ist durchaus angenehm ausgewogen und gut, der Preis ist allerdings eine Hausnummer, und den für diesen Champagner zu zahlen fällt mir schwer. Da würden mir spontan ein paar einfallen, denen ich erst einmal den Vorzug geben würde wenn ich wählen dürfte, zumal mir da hinten raus nach diesem vollen Gefühl im Mund ein bisschen was fehlt.
Das wird auch am zweiten Tag nicht besser, der Wein wirkt jetzt noch ein wenig oxidativer und der mürbe Apfel dominiert das Geschmackserlebnis. Es kann sein, dass es an der kleinen Flasche (0,375ml) liegt, aber auch jetzt überzeugt mich der Wein nicht wirklich., jetzt in der 750ml Flasche genossen, eine Pracht. Ich habe selten so einen stimmigen und ausgewogenen Chamapgner getrunken und jetzt verstehe ich auch den Preis.