originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Naiades 2008, Bodegas Naia, Rueda

09/Jan/12 22:05 kategorisiert in: Verdejo, Weiss, Spanien

Es ist noch gar nicht so lange her, da fand man, wenn man in einem deutschen Fachgeschäft spanische Weißweine suchte, traditionelle weiße Rioja und den ein oder anderen Albariño. Das war es dann mit der weißen Herrlichkeit von der iberischen Halbinsel. Auch heute gehört Spanien nicht unbedingt zu den Weißweinnationen doch findet sich ab und zu der eine oder andere schöne Tropfen.

Ein Betrieb, auf den ich nicht zuletzt auf Grund der ungewöhnlichen Flaschenausstattung aufmerksam geworden bin sind die Bodegas Naia in Rueda. Rueda, benannt nach der gleichnamigen Stadt, liegt in der spanischen Provinz Kastillia-León und zieht sich vom Duero bis hin zum Gebiet Toro. Die Weinberge liegen im Durchschnitt auf 600 bis 800 Meter Höhe. Das Gebiet ist Weißweingebiet, dominiert durch den Verdejo. Diese authochtone Rebsorte kannte ich bisher als frischen Wein mit leicht grasigem, manchmal an Sauvignon Blanc erinnernden Wein mit einer prägnanten leicht bitteren Note im Abgang.

Die Bodegas Naia sind spezialisiert auf diese Traube und die Weine sind schön authentisch. Besonders der Naia hat eine schöne Länge, feine Fruchtaromen, ein bisschen Limette und Kiwi, vor allem aber eine gute Säurestruktur, die den Wein trägt. In den letzten Tagen habe ich mir das Flagschiff des Betriebes vorgenommen, welches in einer Flagschiffflasche daherkommt, deren Boden so ausgehöhlt ist, dass selbst Hagrids Daumen dort hineinpassen würde. Sie wirkt alles in allem etwa doppelt so schwer wie die des kleinen Schwesterweins. Die Macher haben also etwas Besonderes abgefüllt und stehen dazu. Die Etikettenausstattung stammt vom gleichen Künstler, wirkt etwas ruhiger und gesetzter, leider aber auch ein wenig langweiliger.

Die Flasche geöffnet, den Wein ins Glas gegossen kommt eigentlich keine Ahnung von Verdejo auf. Hätte ich den Wein blind verkostet, hätte ich wahrscheinlich an Chardonnay gedacht. Es gibt da so einen leicht bananigen Ton. Vor allem aber dominiert Melone, frische Melone und weißer, saftiger Pfirsich, unterlegt mit einer nussigen Note und Holz. Der Wein wirkt zunächst einigermaßen gedämpft, ja schüchtern, macht erst am zweiten Tag auf, was nicht unbedingt überrascht, denn er spielt von der Ausbaumethode her in der Burgund-Liga und insofern ist der Wein noch viel zu jung. Man merkt am Gaumen den achtmonatigen Ausbau im neuen Holz, angenehmer Weise ist diese Note aber kein bisschen penetrant, was daran liegen dürfte, dass französische Allier-Eiche mit wohl nur sehr zurückhaltender Toastung verwendet wurde. Neben dem Holz findet sich auch hier die Palette von Melone und Pfirsich, hinzu kommt etwas Birne. Der Wein, mit 13,5% nicht ganz ohne, wirkt kein bisschen überladen, hat eher einen mittleren Körper, es findet sich eine angenehme Säurestruktur neben der leicht crémigen Note – und Mineralität ist auch vorhanden.

Es ist ja so eine Sache mit den Weißweinen burgundischer Machart. Noch lange nicht jede Weintraube schafft, auch wenn sie noch so gut behandelt wird, einen solchen Ausbau mit langer Standzeit, dem Aufrühren der Hefe und Lagerung in frischem Holz. Vor einiger Zeit beispielsweise hatten wir den Nun Vinya dels Taus der Bodega Cal Raspallet aus dem Penedès im Glas. Und auch wenn die Trauben mit hohem Alter gesegnet waren und jede Fürsorge des Winzers erfahren hatten, war einhellig die Meinung, dass der Xarello für eine solche Pflege nicht geeignet ist und einfach besser für spritzige Weißweine und Cava verwendet wird. So etwa hatte ich das vom Naiades auch erwartet. Doch dieser Wein, dessen Lesegut von wurzelechten Stöcken stammt, die knapp 90 Jahre alt sind, ist besser, als ich es erwartet habe – deutlich besser. Er macht viel Spaß. Dass der Guia Penin ihm 97/100 Punkten gibt, halte ich so übertrieben wie die meisten Wertungen dort. Mit dieser Benotung setzt er sich in der 2012er Ausgabe des Weinführers auf den Spitzenplatz aller Weißweine Spaniens – das allerdings ist schon bemerkenswert. Einordnen kann ich es nicht, ich habe nicht viele weitere Spitzenweine probiert, und die, die ich probiert habe, gerade die aus dem Priorat, haben mir nicht gefallen weil sie mir allesamt zu wuchtig und zu alkoholstark waren. Wenn das die Spitze ist, kann ich getrost die Schleife zurück zum Anfang finden. In Spanien finden sich vor allem Rotweine, die keine Vergleiche mit Spitzenweinen anderer Länder scheuen müssen. Für Weißweine gilt das nicht. Und doch gibt es so schöne Tropfen wie diesen zu entdecken, mit einer deutlichen Eigenständigkeit und vergleichsweise moderatem Preis. Also, zwei Flaschen kaufen und erst mal zwei oder drei weitere Jahre liegen lassen.

Gibt es Empfehlungen für weitere interessante spanische Weißweine? Oder muss ich weiterfahren bis nach Portugal?

Gefunden in der internetoase.de für momentan € 22.50

 

Sauvignon Blanc 2008, José Pariente, Rueda, Spanien

19/Feb/10 21:21 kategorisiert in: Sauvignon Blanc, Weinfrauen, Weiss, Spanien

Manchmal kommen einem ja Weine unter, die einfach eine schöne Geschichte liefern. Dies ist so ein Wein. Weil Sarah, die Tochter meines Partners Michael, wusste, dass ich Sauvignon Blancs für einen SB-Abend sammle, hat sie mir letztens den Wein der Bodega José Pariente mitgebracht. Mein Spanienimporteur hat ihn ebenfalls im Programm und ich habe mir jetzt kürzlich ein Buch über Weinfrauen gekauft, in dem es die Geschichte zu diesem Wein gibt, denn dieser Wein wird nicht etwa von José angebaut, nein, der hat nicht mal die Bodega gegründet. Vielmehr war es seine Tochter Maria Victoria, die die Bodega nach ihrem verstorbenen Vater benannt hat. Ob sie dies getan hat, weil dieses Land tendentiell nicht unbedingt die Gleichberechtigung der Geschlechter in den Mittelpunkt des Interesses stellt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Einigermaßen klar ist aber, dass sie als Frau in der von Männern dominierten spanischen Weinwirtschaft gegen viele Widerstände anzukämpfen hatte. Erfolgreich übrigens, Victoria Pariente hat nämlich schon einige Jahre vorher einen gewissen Ruhm erlangt, als sie mit ihrer Namensvetterin Victoria Benavidis das Label Dos Victorias gründete, um direkt mit dem 1998er Verdejo mit der Auszeichnung des besten Weißweins Spanien gekürt zu werden. Dies hatte einen, in der Qualität der Weine begründeten ordentlichen Aufstieg der beiden Frauen zur Folge, 2005 hat der Wine Enthusiast den holzfassausgebauten Verdejo zu den Top 100 Weinen der Welt gezählt, der Decanter nannte ihn den besten Weißwein Spaniens.

Was auch immer man von Rankings halten mag, schlechte Weine produzieren die beiden Frauen nicht. Victorias Vater übrigens war einer der Ersten, der Verdejo im Rueda angebaut hat, nur hat er den Wein in der örtlichen Bar ohne Etikett verkauft, statt ihn, wie es seine Tochter dann gemacht hat, zu vermarkten. Diese hat mitterweile eine große Stange Geld in ein neues Weingut investiert, dessen erster Jahrgang der 2008er ist. Damals, beim ersten Wein, hat sie mit 8.000 Euro begonnen.

Verdejo wie Sauvignon Blanc wachsen auf der Hochebene des Douro, in der Meseta, im nördlichen Spanien. Der Boden besteht aus angeschwemmten Steinen, teils mit Kalk durchsetzt. Der Sauvignon Blanc übrigens stammt von den ersten Sauvignon Blanc Rebstöcken, die in der D.O. Rueda gepflanzt wurden. Sie sind mittlerweile über 25 Jahre alt.

pariente_sb_2008

Der Wein duftet wie ein tropischer Obstsalat. Zitrusfrüchte, Limettenschale, Mangos, etwas Ananas und etwas sortentypisches geschnittenes Gras. Dabei wirkt er schon in der Nase durchaus mineralisch und sehr frisch. Er erinnert in seinem Fruchtbouquet zunächst an Übersee-Sauvignon, wirkt aber schlanker.

Im Mund ist der Wein angenehm schlank und klar, mit Zitrusnoten, Stachelbeeren, grünem Apfel und Mineralen. Im Abgang wirkt er ein wenig austrocknend, störend ist das aber nicht. Ein sehr schöner Sauvignon Blanc für unter 10 Euro.

Sauvignon Blanc 2008, José Pariente, Rueda, Spanien, 9,80 Euro

Pago Chardonnay 2004, Vinya Gigi, Jean Leon, Penedès

26/Mai/09 18:00 kategorisiert in: Chardonnay, Weiss, Spanien, Weissweine

Die Geschichte zum Weingut Jean Leon habe ich kürzlich einmal zusammengefasst, als ich den wirklich bemerkenswerten 2006er Cabernet Sauvignon Reserva des Weingutes beschrieben habe. Der Cabernet gehört für mich zum Besten, was es aus dieser Rebsorte auf der iberischen Halbinsel momentan gibt.

Das kann ich von diesem 2004er Chardonnay nicht behaupten. Wenn er auch einige Tage nach der Öffnung noch herrlich nach Akazienhonig und Banane duftet und wirklich der Nase schmeichelt, mag man ihn doch nicht trinken, nicht nur, dass er zu fett wirkt und ihm eine gewisse Spritzigkeit und Mineralik fehlt, da gibt es eine eindeutige Note von Klebstoff oder medizinscher Lauge zum Reinigen von Skalpellen. Das ist gar nicht schön.

Christophs und Holgis Mixtour No. 10: Seltsames Austerlitsch

Karfreitags-Mixtour mit Schellfisch, Wurzelgemüse und Bärlauch im Ofen gegart. Dazu Inurrieta Orchidea 2007, Sauvignon Blanc. Der Wein springt einen förmlich an mit seinen Melonen- und Maracuja-Aromen. Im Mund eher verhalten, der Abgang viel zu kurz für das, was er in der Nase verspricht.

Danach Mousse au Chocolat mit Banyuls (Valhrona Le Noir Gastronomie 61 % Schokolade und Alnatura Selection Espresso Schokolade im Wasserbad verflüssigt, Butter erwärmt, gleichzeitig den Banyuls mit Eigelb im Wasserbad schaumig gerührt, die Butter untergezogen, dann die Schokolade und eine Tasse Espresso untergerührt, später Sahne. In eine Schüssel gegossen und ab in den Kühlschrank). Serviert mit gefrosteten Himbeeren, Brombeeren würden allerdings besser passen. Zusammen mit dem Banyuls serviert. In diesem Fall Cornet & Cie, Banyuls Rimage 2005. Noch sehr jung. Cassis-Aromen, Eukalyptus, Geschmack nach leichtem Lakritz, Cassis, Schokolade und ordentliche Extrakte.

Danach gab es zwei Weine aus dem Degustationspaket von Wein Plus.

Blaufränkisch aus dem Mittelburgenland

IBY Hochäcker 2006, Burgenland, Blaufränkisch. Riecht wie die Croissantabteilung der BP-Tankstelle. Käse-Schinken-Croissant mit geröstetem Sesam, dazu rote Früchte. Im Mund ziemlich heiß, Fruchtkompott mit Vanille, zunehmend mischt sich ein Geschmack von Bratensoße hinein.

Rotweingut Maria Kerschbaum, Blaufränkisch Reserve 2005, Mittelburgenland. In der Nase rote Früchte und ein ausgeprägtes Holzaroma. Geschmack ähnlich wie beim IBY, ziemlich heiß und starke Bratensoße, dazu Brause und Holz.

Wir haben beide Weine nach einem Glas stehen lassen. Ziemlich frustrierend für knapp 28 Euro zusammen.

Weinrallye #6: Perlchen aus Spanien

18/Dez/07 23:57 kategorisiert in: Bioweine, Macabeo, Perellada, Weinrallye, Weiss, Spanien, Weissweine, Xarello

Dass es nicht unbedingt Champagner sein muss, wenn es um Schaumwein geht, hat sich ja schon länger herumgesprochen. Dass es in Spanien Massenware in angenehmer Qualität gibt (Freixenet, Cordoniu), ist auch schon im Bewusstsein einiger Vebraucher angekommen. Dass es neben Freixenet und Cordoniu aber noch einige andere Cava-Produzenten gibt, also Hersteller von spanischen Schaumweinen, die teils mit ebenso viel Aufwand produziert werden wie gute Champagner, ist den meisten Schaumweintrinkern – und Deutschland ist ja das Land der Schaumweintrinker – eher unbekannt. Auch dass es von Freixenet Edellinien gibt, ist nicht unbedingt geläufig. Es ist relativ schwierig, an Freixenet Brut Reserva Real oder Freixenet Brut Reserva Barroco heranzukommen.

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Bestellt habe ich mir vor einiger Zeit allerdings mangels eines hiesigen Händlers einige Cava vom Castillo Perelada, zum Beispiel für 14,85 Euro das Flagschiff, den Gran Claustro oder von Segura Viudas den Brut, Brut Reserva, Brut Rosado, ARIA und Brut Reserva Heredad. Wobei dieser in einer spanischen Jugendstil-Flasche daherkommt, Düfte von Mandeln, Honig, Limetten und Mandarinen verströmt und 22,50 Euro gekostet hat. Ich meine nur mal so. Ich habe letztens mal ein Glas Veuve aus dem Supermarkt getrunken. Der ist bestimmt ebenso teuer, reicht aber nicht im Mindesten daran heran.

Eigentlich will ich aber auf einen ganz anderen Winzer hinaus. Diesen habe ich vor einiger Zeit schon mal kurz anhand eines Weines vorgestellt, der mir gerade nicht so gut gefallen hat. Insgesamt finde ich die Palette des Winzerbrüderpaares von Albet i Noya jedoch ziemlich beeindruckend. Und was sie wirklich können, sind Cava. Wer jemals die Möglichkeit hat, den Cava Brut 21 oder den fassausgebauten Bruder Cava 21 Barrica zu probieren, sollte das unbedingt tun. Auch der Privat Laieta ist eine Wucht – allerdings weiß ich nicht, ob dieser noch produziert wird, er taucht jedenfalls auf der Website nicht mehr auf.

Jetzt aber zu meinem Schaumwein:

Albet i Noya Can Vendrell Brut Reserva

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Hergestellt aus den klassischen Cava Rebsorten Macabeo, Xarel.lo und Perellada. Mindestens 12 Monate gelagert. Nach Champagnerverfahren hergestellt … und den Rest an Infos gibts auf Albet i Noyas Seite.

Eigentlich sollte der Korken erst zu Sylvester fliegen, aber ich habe heute einen guten Freund besucht, wir hatten beide ein gutes Jahr, und warum soll man das nicht feiern? Wenn dann auch noch heute Weinrallye ist? Übrigens ausgerichtet dieses Mal von Schreiberswein. Nachdem ich mich davon erholt habe, also noch die Verkostungsnotiz:

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Der Wein duftet und schmeckt nach Äpfeln und Melonen, frischem Biskuitteig mit Mandeln. Die Frische vertreibt kurzzeitig den Winter, die 12 Monate Lagerung geben ihm ein gutes Gerüst. Das ist doch was oder nicht? Den nehme dann auch noch mal für die Jahresendrallye.

Ach so, und für den, der es wissen mag: Albet i Noya haben 1978 als erste spanische Winzer komplett auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt und betreiben dies sehr konsequent.

Inurrieta, Orchidea Sauvignon Blanc 2006, Navarra

24/Sep/07 14:10 kategorisiert in: Sauvignon Blanc, Weiss, Spanien, Weissweine

Der Orchidea ist der Wein, der die Bodega bei der diesjährigen Prowein auf einen Schlag berühmt gemacht hat – ein hundertprozentiger Sauvignon Blanc, 12 Volumenprozent, Ausbau im Stahltank, 5,70 die Flasche.

Dafür gibt’s ’nen Blumen-Fruchtcocktail mit Mineralik vom Feinsten. Immer im Hinterkopf: Der Wein kostet keine 6 Euro. Blumen und Frucht, o.k. Aber das Mineralische hat mich dann schon erstaunt. Ich habe es selten bei einem Spanier in der Form getrunken. Also, in der Nase gibt’s reife Aprikosen und Holunder, vielleicht Weißdorn, am Gaumen dazu Stachelbeeren, ganz leicht Rose, Melone, Äpfel, vielleicht ein bisschen Mango(?).
Finalemente bleibt der Geschmack lange im Mund.
Also: sehr frisch, körperreich (gut, dass auf jeden Einsatz von Holz verzichtet wurde) und saftig. Ein schöner Alltagsschoppen.