Der Grand Prix der Großen Gewächse 2021 – Teil 3

Im dritten Teil der Zusammenfassung der Vorpremiere des VDP geht es um die Spätburgunder aus der Pfalz und aus Baden. Bis auf wenigen Ausnahmen sind es ja vor allem die von dort stammenden Spätburgunder, die sich in Deutschland um die besten Plätze streiten, auch wenn die Konkurrenz größer wird.

Spätburgunder Pfalz

Ich beginne mit der Pfalz wo es gleich mehrere Hotspots gibt. Der erste Hotspot liegt rund um Laumersheim und da hat Knipser für mich mal ein paar sehr schöne Weine erzeugt. Die Knipsers sind, wenn es um Punkte geht, nie ganz vorne mit dabei, aber ich mag die Weine gerne. Vor allem die ganz eigene, elegante Holzstilistik. Da kommt es ab und zu vor, dass das Holz zu röstig wird. Doch wenn das zurückhaltend bleibt, wirkt das sehr elegant und komplett. Der Dirmstein Mandelpfad 2017 Spätburgunder Knipserwirkt leicht kirschlikörig. Die warme Frucht verbindet sich schnell mit dem typische Knipser-Holzeinsatz. Der Spätburgunder wirkt intensiv aber elegant, leicht röstig mit dunkler Frucht, etwas Tomatenessenz, etwas Vanille. Am Gaumen gibt er sich kraftvoll und ebenfalls elegant, auch hier liegt die Aromatik eher im dunklen kirschigen Aromenbereich, mit präsentem Holz, gut gewürzt, etwas Mokka, etwas Zimt, Leder, Grafit, deutlich Blutorange. Der Wein besitzt ein prägendes, elegantes Tannin. Wie der Mandelpfad stammt auch der Laumersheim Kirschgarten 2017 Spätburgunder Knipser aus 2017 und das zeigt sich in einem leicht bräunlichen Kirschrot. Der Pinot bietet eine fast erdige Nase mit etwas Waldfrucht-Confit. Am Gaumen wirkt er recht transparent, zeigt Noten von Trockenholz, Waldfrucht mit Kirsche. Das ist ein saftiger, leicht cremiger, sinnlicher und balancierter Wein. Noch ein wenig besser hat mir der Großkarlbach Im Grossen Garten 2017 Spätburgunder Knipser gefallen. Auch hier ein Alter von vier Jahren, Ziegel- bis Kirschrot und im Duft wieder Waldbeerkonfit mit Kirsche, Zimt und Vanille in elegantem Holz. Das wirkt schon im Duft sehr sinnlich. Auch der Gaumen ist von Eleganz geprägt, er zeigt sich sinnlich, seidig und saftig mit angenehmer Blutorangen-Frische und einem feinkörnig gekonnten Tannin und Holzeinsatz. Das ist ein starkes Ausrufezeichen! Beim Laumersheim Steinbuckel 2018 Spätburgunder von Philipp Kuhn hatte ich das Gefühl, eine fehlerhafte Flasche bekommen zu haben, habe aber nicht nachverkostet. Der Laumersheim Kirschgarten 2018 Spätburgunder Philipp Kuhn zeugt von abgehangenem Fleisch, etwas Leber und dunkler Kirschfrucht. Am Gaumen wirkt er stoffig mit recht viel Tanningripp. Das ist eine kühle Aromatik mit recht viel Säure und vergleichsweise wenig Körper in der Gaumenmitte. Die Rings-Brothers überzeugen Jahr für Jahr mehr mit ihren beiden Spätburgundern. Überzeugen? Vielleicht eher begeistern … 

Der Leistadt Felsenberg 2019 Spätburgunder Rings zeigt sich recht floral, mit Süß- und Sauerkirschen, ein wenig Sternanis und Vanille. Das wirkt im Duft schon seidig elegant und fein und geht am Gaumen nahtlos so weiter. Auch hier Seidigkeit und Eleganz, Finesse gepaart mit Kraft, deutlich harmonisch, prägnant in der Säure und im Tannin. Das packt zu, hat Länge und bleibt immer auch ein bisschen floral und duftig mit viel Sauer- und Schwarzkirsche. Der Kallstadt Saumagen 2019 Spätburgunder Rings wirkt im Duft leicht  laktisch und erinnert mich an Buttercreme mit Kirschen und Waldbeeren. Das Holz wirkt rund und elegant. Am Gaumen wirkt der Wein balanciert und rund, recht kraftvoll und fast üppig in der ausladenden Frucht. Das ist etwas Kirschlikör mit dabei, aber auch eine kühle Sauerkirsche. Das ist elegant und finessenreich, saftig und geschliffen bei guter Länge. Wieder zwei Ausrufezeichen. So leid es mir tut, aber wenn man dann einen Bad Dürkheim Michelsberg 2019 Spätburgunder Fitz-Ritterdaneben steht hat, dann trennen diese Weine doch Welten. Der Fitz wirkt süß und erdbeermarmeladig im Duft wie am Gaumen. Dazu rund und zu reif. Das hat hier eigentlich nichts zu suchen, muss ich sagen. Bevor es in den südlicheren Teil geht, stehen noch zwei Weine an. Der Idig 2019 Spätburgunder A. Christmann hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert und manchmal stimmt das ja auch ein wenig, wenn man über maskuline und feminine Weine nachdenkt. Seit Sophie Christmann die Spätburgunder vinifiziert sind die Weine feiner und eleganter geworden. Witzigerweise auch die Rieslinge, die weiter im Wesentlichen in der Obhut von Vater Steffen angesiedelt sind. Das Feine ist hier Trumpf man muss in einer solchen Probe sehr genau hinhören, was die Weine zu sagen haben. In der Nase gibt es zunächst einen dunkel floralen Oberton, dann recht viel Kirsche, eine feines Holz, einen Strang Vanille, einen Hauch von Sternanis und Zimt. Am Gaumen wirkt der Wein elegant und finessenreich, saftig mit einer feinen Frucht und dunkler Kirschfrucht. Viel Sauerkirsche ist hier vorhanden, sehr frisch und klar. Das Holz ist sehr angenehm strukturierend eingebunden. Das Tannin griffig aber elegant. Neben der Frucht und feinen Holzwürze gibt es Anklänge von Tabak und dunklem Kardamom. Das Ganze hat Biss, wirkt aber gleichzeitig auch angenehm cremig in der Textur. Der nächste exzellente Spätburgunder also. Der Königsbach Ölberg-Hart 2018 Spätburgunder Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan schafft dieses Niveau nicht, ist aber auch kein schlechter Wein. Die Nase wirkt sehr eigenständig, recht rund und weich mit Vanille, Donauwelle und etwas Likör. Aber das wirkt durchaus passend und nicht überdimensioniert. Auch am Gaumen wirkt das sehr eigenständig, saftig, es mangelt etwas an Körper am mittleren Gaumen, es gibt eine konzentrierte Frucht aber auch Frische und eine fast spielerische Säure.

Der Duttweiler Kalkberg 2019 Spätburgunder Bergdolt – Klostergut St. Lamprecht wirkt erdig und bietet eine eingekochte Frucht, die mir nicht gefallen hat. Da bleibt wenig Gripp. Der Böchingen Rosenkranz – Zinkelerde 2018 Spätburgunder Theo Minges ist old school Deutschland mit röstigem Holzeinschlag, dunkler, leicht gekochter Frucht, schokoladigen Noten und einem markanten Tannin. Der Godramstein Münzberg “Schlangenpfiff” 2018 Spätburgunder Münzberg – Gunter Keßler bietet Noten von Buttercreme, Kirschen, Walderdbeeren und Himbeeren, mit einem Hauch von Eisen. Am Gaumen gibt er sich recht saftig, leicht kräuterwürzig. Der Wein bietet einen guter Grip am Gaumen mit einem recht festen Tannin, hat Potential, wirkt aber im Moment etwas bissig. Schlange halt … In Siebelfingen hat sich so einiges verändert, aber nicht das späte Release. Der Siebeldingen Im Sonnenschein 2016 Spätburgunder Ökonomierat Rebholz ist schon fünf Jahre alt, aber nicht mehr old school. Die Jungs haben übernommen und richtig Bock auf Spätburgunder. So wie Sophie Christmann und Felix Keller. Diese Weine sind jetzt schon sehr gut und alle vier stehen erst ganz am Anfang ihrer Karriere! Hier gibt zwar noch ein bisschen was von der Umami-Tomaten-Paprika-Essenz, aber auch viele Kräuternoten, dunkelrote, knackige Früchte, Kirschen. Am Gaumen ist das viel saftiger und transparenter als früher. Seidig mit eleganter, reifer Frucht. Kirschen und Beeren, recht mineralisch, klar und energetisch mit dezentem Holz aber durchaus packendem Tannin. Noch ganz jung aber wirklich gut. Was mich aber noch mehr gekickt hat, ist der Birkweiler Kastanienbusch “Köppel” 2018 Spätburgunder Dr. Wehrheim. Dieser Jahrgang spielt für mich ganz oben mit. Er zeigt orientalische Gewürze wie Ras el Hanout, etwas Vanille, wirkt sehr eigenständig und elegant. Am Gaumen bietet sich dann eine transparente dunkle Frucht, Kirschen, Berberitzen, eleganter Holzeinsatz, eine aktuell noch fast bissige Säure, ein feinkörniges aber prägendes Tannin, da zeigt sich Gripp, viel Saft, Struktur und eine feine Textur. Der Leinsweiler Sonnenberg 2017 Spätburgunder Siegrist wirkt leicht likörig mit sehr reifen, Himbeeren, Erdbeeren und Vanille, süß und zermatscht wirkend, am Gaumen rund und weich, wie überreif, leicht likörig und es machte auf mich den Eindruck, als würde der Wein früh altern. Der Ilbesheim Kalmit 2017 Spätburgunder Siegrist wirkte schon deutlich gelungener als der Sonnenberg, frischer, saftiger, auch mit etwas Vanille, etwas Rauch, viel Kirsche, aber nicht likörig. Am Gaumen präsentiert er sich recht saftig, lebendig, leicht ätherisch mit Gewürzen und Kräutern, etwas Leder, leicht adstringierend mit festem Tannin. Ebenfalls aus der Lage stammte der Ilbesheim Kalmit 2018 Spätburgunder Kranz, der mit einem leichten Gummiton, Röstnoten du dunkler Frucht aufwartete. Am Gaumen wirkte das Tannin trocknend, der Wein leicht wässrig, adstringierend, mir recht wenig Frucht, Das wirkte irgendwie leer. 

An der Grenze zu Frankreich, beziehungsweise über die Grenze hinweg gab es noch drei weine von Friedrich Becker. Der Schweigen Heydenreich 2018 Spätburgunder Friedrich Becker bot in der Nase eine landwirtschaftlich wirkende Schärfe plus Tomatenessenz Waldboden und Leder. Am Gaumen wirkte er unerwartet saftig, recht elegant, leicht adstringierend, griffig, fest und sehr lebendig in der Säure. Der Schweigen KB 2018 Spätburgunder Friedrich Becker wirkt etwas feiner in der Nase. Die Landwirtschaft fällt weg. Dafür gibt es Trockenholz, Erde, Laub, Leder und kühles Gestein. Auch dieser Wein wirkt sehr saftig am Gaumen, recht transparent, kühl, mit viel Sauerkirsche und Berberitze, dazu griffig und energetisch und mit Portion an Bodenständigkeit in der Eleganz, die ich sehr mag. Der Schweigen Sankt Paul 2018 Spätburgunder Friedrich Becker zahlt genauso auf die Stilistik ein wie die vorherigen beiden Burgunder. Er wirkt dunkel, erdig, steinig, mit Trockenholz, Zwetschgen und Zimtkirsche. Am Gaumen ist er fest gewirkt, saftig, recht kühl und griffig, mit viel Kirschsaft, dunklem Gestein, Leder und Holz mit guter Gripp. Er wirkte auf mich etwas kürzer im Finale, als die anderen beiden. Aber insgesamt ist das eine sehr gute Kollektion. 

© VDP.Peter Bender

Spätburgunder Baden

In Baden gehen die Huber-Festspiele weiter und ich lasse die Spätburgunder von Heitlinger und Burg Ravensburg al ein bisschen außen vor. Der Odenheim Königsbecher 2018 Spätburgunder Heitlinger wirkte kompottig süß, rund und schmeichelnd, der Sulzfeld Löchle 2018 Spätburgunder Burg Ravensburg in der Nase zwar ätherisch und kräutrig, am Gaumen dann aber eher dumpf und unstimmig. In Malterdingen geht es dann los mit dem Malterdingen Bienenberg 2019 Spätburgunder Bernhard Huber. Das wirkt überaus elegant, charmant, mit feiner, leicht süßer Kirschfrucht, etwas Vanille, einer ganz leichten Röstnote im eleganten Holz. Das erinnert noch etwas an Donauwelle, aber eine richtig gute. Am Gaumen wirkt der Pinot seidig und noch recht fruchtig mit recht viel Erd- und Himbeere, dann kommt eine charmante Kirsche hinzu, und zwar sowohl Süß- wie Sauerkirsche. Das Tannin wirkt fein und stoffig, die Säure, lebendig. Das ist charmant, frisch und straight. Was für ein Start! Der Staffelstab wird dann mit weitem Vorsprung an den Bombach Sommerhalde 2019 Spätburgunder Bernhard Huber übergeben, der aktuell ausgesprochen in sich gekehrt wirkt. Er spricht noch nicht, wirkt kühl, saftig, in der Textur elegant und fein, im Tannin rund aber mit Grip. Sehr angenehm transparent und klar, mit guter Länge, mit frischer, energetischer Säure und Mineralität. Das wird und es geht weiter in die letzte Kurve mit dem Hecklingen Schlossberg 2019 Spätburgunder Bernhard Huber, der im Duft ein wenig Holz mit einer ganz leichten eleganten Röstung, mit Gewürzen wie Zimt und Sternanis verbindet. Am Gaumen wirkt der Wein dann stoffig und gleichzeitig klar und saftig. Hier findet sich eine wunderbar milde, stimmige Textur, mit angenehmem Säurebiss, einer ordentlichen Portion sauer- und schwarzkirschiger Frucht, Noten von Bresaola, etwas Leder und Kräutern. Das hat Länge, Tiefe und wirkt ungemein ätherisch. Dieser Pinot biegt mit weitem Abstand in die Zielgerad ein, wo der Malterdingen Bienenberg Wildenstein 2019 Spätburgunder Bernhard Huber noch einmal gewaltig antritt. In der Nase wirkt auch dieser Wein ätherisch, bietet Kirschen mit einem Hauch von Kirschkern, Blutorange samt Schale, Kräuter, Stein, Zwetschgen, bestes Holz und einen Hauch von Vanille, wirkt sehr seriös, zurückhaltend und dabei nobel und elegant. Am Gaumen ist das ein absolut seidiger seidig und fein, elegant und vielschichtig, absolut präzise und fokussiert, beeindruckend saftig und energetisch, im Finale immer steiniger, würziger werdend, ohne an Eleganz zu verlieren. Schlichtweg großartig und für mich der beste Burgunder im Feld. 

Wenn man solche Weine dann hinter sich hat, muss man sich sehr auf das restliche Feld konzentrieren, denn die Weine haben es dann schwerer. Aber auch Silber- und Bronzemedaillen sind in einem solchen Feld alles andere als eine Schande. Schließlich geht es hier um Franz Keller, Dr. Heger und Salwey. Beginnen wir bei Franz Keller. Der Oberrotweil Eichberg 2019 Spätburgunder Franz Keller bietet in der Nase eine Kräutertinktur und Unterholz, etwas dunklen Kardamom und Rauch auf der dunklen Frucht. Am Gaumen wirkt er saftig, auch hier dunkel, leicht rauchig, etwas hefig, mit einem ganz leicht oxydativen Touch, angenehmem Grip, guter Tiefe und Spannung. Das geht gut los. Der Oberrotweil Kirchberg 2019 Spätburgunder Franz Keller liefert einen recht eleganten Duft, wirkt leicht ätherisch, leicht reduktiv, mit einem gelungenen reduzierten Holzeinsatz. Am Gaumen wirkt er saftig mit einer dunklen Zwetschgen-Frucht und dunkler Würze. Der Pinot wirkt klar und transparent, sehr aufgeräumt und stimmig, begeistert mich aber nicht wirklich. Da würde ich mich eher für den Achkarren Schlossberg 2019 Spätburgunder Franz Keller entscheiden, dessen florale und kräuterduftige Nase, diese leicht säuerlicher Frucht und das levantische Gewürzsprektrum mich direkt einnimmt. Am Gaumen wirkt der Wein saftig und transparent, klar und frisch mit griffiger Textur, leicht adstringierend, animierend, balanciert und kraftvoll. Was mich selber überrascht ist, dass mir in der Keller-Kollektion ein Wein noch besser gefällt. Es ist der Jechtingen Enselberg 2019 Spätburgunder Franz Keller. Der bietet in der Nase eine Mischung aus Laub, roter und dunkler Beerenfrucht, ein paar Zwetschgen, Unterholz und violetten Blüten. Das wirkt schon im Duft sehr elegant, sehr burgundisch, sehr fein. Am Gaumen gibt’s dann Saft und Gripp. Die Textur wirkt fein, die Säue hat Biss und baut eine famose Spannung auf. Die Frucht verbindet sich mit einer feinen Kräuterwürze und wird unterlegt von Noten eines gekonnten Fassausbaus, der sich hier deutlich gegenüber Vorjahren verbessert hat. Das macht richtig Spaß. 

Bei Salwey startet es mit dem Oberrotweil Eichberg 2019 Spätburgunder Salwey. Da gibt es Kaffeeröstung und Unterholz, Laub und Erde. Es ist der Salwey-Stil, der konsequent durch die ganze Kollektion verläuft. Eigenwillig ist er und in sich stimmig, kraftvoll, dunkel und auch am Gaumen mit ordentlich Röstnoten, Laub und Waldboden, griffigen und festen Tanninen und einer sehr notwendigen, konternden Frische versehen. Das muss man auch erst mal hinbekommen. Sie Schaffen es gleich zweimal, denn der Oberrotweil Kirchberg 2019 Spätburgunder Salwey bietet ebenfalls eine ordentliche Röstung, wenn auch etwas feiner. Dazu Waldbeeren, Kräuter und Gewürze, eine dunkle Frucht von Pflaumen und Kirschen und Gestein. Am Gaumen wirkt der Wein generös, reif und nach meinem Geschmack ein wenig zu warm, aber nicht alkoholisch. Nein, er bleibt saftig, griffig, bietet eine lebendige Säure und Spannung. Das ist sehr gut. Beim Oberrotweil Henkenberg 2019 Spätburgunder Salwey steht die Mokkaröstung im Vordergrund und verbindet sich mit Schokolade, ein wenig Vanille, dunkler Frucht und einigen violetten Blüten. Am Gaumen wirkt der Pinot saftig, aber auch rund und vielleicht ein wenig weich und eine Spur laktisch. Hier fehlt mir tatsächlich ein wenig die Spannung und der Gripp.

Das Weingut Dr. Heger hat vier Pinots in Rennen geschickt. Der Achkarren Schlossberg 2019 Spätburgunder Dr. Heger verbindet in der Nase Laub, Unterholz, sowieso recht viel Holz und grüne Noten, die fast noch ein wenig unreif wirken. Es wurde, so drängt mir der Verdacht auf, recht früh gelesen und mit Rappen gearbeitet. Am Gaumen wirkt der Spätburgunder sehr transparent, herb, griffig, tanninbetont, mit kühler Finesse und viel Spannung. Das ist ein interessanter Stil, allerdings wenig charmant aktuell. Den Wein möchte ich gerne in ein paar Jahren noch mal probieren. Dieser Stil ist auch im Ihringen Vorderer Winklerberg 2019 Spätburgunder Dr. Heger nachvollziehbar. Da gibt es zwar mehr Röstnoten, aber auch hier finden sich Trockenholz, Laub und Kräuter und auch hier wirkt der Pinot frisch, saftig, herb, fest und griffig und wiederum aktuell  wenig charmant. Gegenüber dem Schlossberg fehlt ihm etwas Länge. Beim Ihringen Winklerberg Winklen 2019 Spätburgunder Dr. Heger wird dieses Spiel mit der Kühle und der frühen Lese weiter durchgezogen und nach dem dritten Wein finde ich das zunehmend faszinierend. Immerhin ist das so ziemlich die heißeste Ecke Deutschlands und das Jahr war jetzt auch kein kühles. Aber auch hier findet sich wieder die Note von Trockenholz, von Laub und Erde, dunkler Beeren- und Schlehenfrucht, Stein und herben Kräutern. Auch am Gaumen wirkt der Wein wiederum herb, leicht kreidig, kompromisslos trocken, griffig, wider gibt es Laub, Unterholz, Trockenholz aber auch eine beeindruckende Saftigkeit der dunklen Frucht, eine stringente Säure und Lebendigkeit. Ob beim Ihringen Winklerberg Wanne 2019 Spätburgunder Dr. Heger die leicht grünen Noten noch einmal verschwinden? Ich hoffe es. Hier ist das Spiel mit Rappen (?) und früher Lese vielleicht ein wenig zu sehr auf die Spitze getrieben worden, denke ich, als ich meine Nase überm Glas habe. Am Gaumen aber ist das sehr saftig, sehr klar und transparent, pur, sehr reduziert auf das Wesentliche, fast karg, knackig und sehr kühl.

Wenn ich nun noch die Weine von Stigler, Bercher, Michel, dem Staatsweingut Freiburg und dem Weingut Blankenhorn Revue passieren lasse, das hebe ich gerne noch einen Wein hervor und bedecke den Rest mit dem Mantel des Schweigens. Der Schliengen Sonnenstück 2018 Spätburgunder Blankenhorn zeigt sich in der Nase leicht  flüchtig in der Säure, leicht likörig mit etwas Hefe. Am Gaumen wirkt er saftig und recht herb, fest, reif aber nicht alkoholisch, mit persönlich etwas zu konzentriert, was eine leicht Bitterkeit im Finale auslöst. Aber man merkt, dass hier gearbeitet wird.  

Kurzes Fazit

Spätburgunder in Deutschland werden in Ihrer Breite immer besser, was ich an einem zurückhaltenderen Holzmanagement, früheren Lesen, besseren Klonselektionen, schnelleren Vergärungen und dem verbesserten Umgang mit Rappen festmache. Es hat sich sehr viel getan und in so manchen Betrieben ist es geradezu begeisternd, wie schnell sich die junge Generation an der Seite der Eltern aufmacht, die Stellschrauben in Richtung mehr Finesse, mehr Eleganz und Frische zu drehen. Keller in Rheinhessen wie Keller in Baden, Christmann, Rebholz sind solche Beispiele. Natürlich auch Julian Huber, der früher ins kalte Wasser springen musste, als erwartet und der direkt ein sehr hohes Niveau beibehalten hat, bei dem man aber jetzt merkt, dass er seinen eigenen Stil doch auch noch mal zunehmend klarer formuliert. Auch bei Dr. Heger dürfte diese aktuelle Stilistik viel mit dem Einfluss der Töchter Rebecca und Katharina zu tun haben, ohne dass ich das Weingut besser kenne. Die Rings-Brüder sind in ihrer Stilistik ebenfalls immer klarer geworden. Das macht schon Spaß, sich da durch zu probieren und es gibt eine Menge Highlights, die man im Blick haben sollte. 

Top-Empfehlungen:

Idig 2019 Spätburgunder A. Christmann

Birkweiler Kastanienbusch “Köppel” 2018 Spätburgunder Dr. Wehrheim

Hecklingen Schlossberg 2019 Spätburgunder Bernhard Huber

Malterdingen Bienenberg Wildenstein 2019 Spätburgunder Bernhard Huber

Jechtingen Enselberg 2019 Spätburgunder Franz Keller

Klare Empfehlungen:

Großkarlbach Im Grossen Garten 2017 Spätburgunder Knipser

Leistadt Felsenberg 2019 Spätburgunder Rings

Kallstadt Saumagen 2019 Spätburgunder Rings

Siebeldingen Im Sonnenschein 2016 Spätburgunder Ökonomierat Rebholz

Schweigen KB 2018 Spätburgunder Friedrich Becker

Malterdingen Bienenberg 2019 Spätburgunder Bernhard Huber

Achkarren Schlossberg 2019 Spätburgunder Franz Keller

Oberrotweil Kirchberg 2019 Spätburgunder Salwey

Ihringen Winklerberg Winklen 2019 Spätburgunder Dr. Heger

Überraschungen oder Entdeckungen

keine

Hier geht es zu Teil 4:

Hier geht es zum Teil 2:

Hier geht es zum Teil 1:

4 Kommentare

  1. Erik Theissen

    Waren die Salwey-Weine wirklich 2019er oder 2018er?

  2. Die Angaben zu den weinen stammen immer aus der Liste des VDP und ich habe sie nicht verändert. Die weißen von Salwey waren alle 2018, die roten dem Anschein nach 2019.

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