Der Grand Prix der Großen Gewächse 2022 – Teil 8, Résumé

Zwanzig Jahre gibt es die Großen Gewächse des VDP jetzt und ich denke, dass das grundsätzlich eine beeindruckende Erfolgsstory geworden ist. Der deutsche Wein hat nicht zuletzt durch die GGs und die Qualitätspyramide des VDP im Inland wie im Ausland eine ganz neue Bedeutung erlangt. Man kann über Vieles dabei diskutieren und das wird auch innerhalb des VDP ständig gemacht. Aber erst einmal, finde ich, sollte man das beglückwünschen. Mit dieser Neuausrichtung hat sich auch das Niveau und natürlich auch der Stile der Weine deutlich verändert. Zumindest in den meisten Betrieben hin zu mehr Finesse und Leichtigkeit, Klarheit und Präzision, trockenem Ausbau und weniger Pomp.

Gerade im 2021er Jahrgang, der ja ein sehr säurebetonter Jahrgang geworden ist, kann das dann dazu führen, dass der weitgehende Verzicht auf Frucht beim GG, allem voran beim Riesling, zu sehr schwer zu beurteilenden Weinen führt. Die Säure hat bei vielen GGs alles überstrahlt und wenn man dann mehrere hunderte Weine über drei Tage probiert, dann wird es bei all dem verlorenen Zahnschmelz einfach schwierig, Weine wirklich beurteilen zu können. Es geht, aber es hat seinen Preis. Ich maße mir nach diesen Tagen nicht an, Weine nach Punkten zu bewerten. Ich spreche dabei allerdings nur für mich. Wenn beispielsweise Sascha Speicher und Christoph Nicklas vom Meininger-Verlag doppelt bewerten und strittige Bewertungen nachverkosten, hat man noch mal einen anderen Blick darauf. Sowieso kann ein solcher Marathon nur eine Momentaufnahme sein. Vor allem in diesem Jahr, wo aufgrund der Säure ganze Flights sehr uniform wirkten und ich beispielsweise aus dem Hause Christmann die Weine nur marginal unterscheiden konnte. Diese Weine werden sich erst im Laufe der Zeit deutlich voneinander unterscheiden. Und das gilt für viele Kollektionen. Gerade in diesem Jahr habe ich es noch mal als besonders schwierig empfunden, dass die Weine aus 2021, 2020, 2019, 2018 und 2017 gemischt präsentiert wurden. Da hat man dann vier Säurebäder und plötzlich einen Wein mit Schmelz und runder Säure und dann schaltet es wieder zur Säure um. Das passt kaum zueinander.

Empfehlung vom Schnutentunker. Die neue Weinverkoster-Zahncreme von elmex mit dem fantastischen Namen “opti-schmelz”. Dazu die Curaprox 5460 Ultrasoft.

Und das macht es auch noch schwieriger, die Weine unabhängig voneinander zu beurteilen, vor allem am dritten Tag. Ich habe es trotzdem versucht und diesmal leicht zeitversetzt quasi live. Bisher habe ich immer einige Tage Revue passieren lassen, um die Notizen dann in Reinschrift zu bringen. Aber das erfordert nach drei Tagen Verkostung noch mal zwei bis drei Tage, die ich in diesem Jahr einfach nicht habe. Und ich habe gemerkt, dass es auch so geht. Nochmal: Es sind Momentaufnahmen, nicht mehr. Das ändert sich auch nicht nach drei Tagen Rückschau.

Nach rund 100.000 Anschlägen bin ich nun fertig. Für mich hätte es noch einen vierten Tag gebraucht, um alles zu schaffen, aber sei’s drum, die Berichte haben bereits viele gelesen, die Empfehlungen werden gerne angenommen. Das freut mich. Und wer mir dafür was in den Hut schmeißen möchte, der sieht hier, wie das geht.

Weinverkoster bei der Arbeit. Eingefangen von Peter Bender 2022 ©

Hier aber noch mal ein Blick auf die berührendsten Weine und Kollektionen:

Die für mich schönsten Weine waren in diesem Jahr:

Rudolf May 2021 Thüngersheimer Rothlauf Silvaner

Rudolf Fürst 2020 Bürgstadter Hundsrück Spätburgunder

Christmann 2020 Königsbacher Idig Spätburgunder

Kühling-Gillot 2021 Nackenheimer Rothenberg Riesling

Bischel 2021 Binger Scharlachberg Riesling

Die besten Kollektionen in diesem Jahr:

Burggarten, Ahr, weil hier eine sehr stilsichere und homogene Kollektion entstanden ist, die für mich nie so deutlich war, wie in diesem Jahr.

Kühling-Gillot und Battenfeld-Spanier, Rheinhessen, weil hier eine große Bandbreite von Weinen auf einem extrem hohen Niveau präsentiert wird und die Handschrift immer klar erkennbar ist.

Dr. Heger, weil mir die Weine früher nicht viel gesagt haben, jetzt aber schon in ihrer klaren Stilistik, die das badische Klima nicht verleugnet, aber mit Frische und Klarheit anreichert.

Kai Schätzel, Rheinhessen, auch wenn es nur zwei angestellte Weine waren, so waren sie doch Ausdruck des Mutes, einen ganz neuen Weg zu gehen, auch wenn klar sein dürfte, dass das nicht alle goutieren. 

Bischel, Rheinhessen, für die immer charaktervolleren und konsequenteren Weine.

Dr. Bürklin-Wolf, Pfalz, für die klare Handschrift Nicola Libellis und die fantastische Feinheit und Energie der Weine.

Ökonomierat Rebholz, Pfalz, für den gelungenen Generationswechsel und eine leichte Stilveränderung, die die Weine einladender wirken lässt.

5 Kommentare

  1. Michael Fuchs

    Lieber Christoph Raffelt,
    vielen Dank für Ihre Berichte von der VDP-Verkostung. Diese (und zugegebenermaßen auch von ein paar anderen) sind wirklich immer sehr hilfreich um mir eine erste Meinung zu bilden.
    Natürlich hat jeder Tester eigene Vorlieben, aber durch den Vergleich von mehreren Berichten lassen sich die sehr guten und auch die eher weniger guten recht zuverlässig rausfiltern. Der Rest ist dann ohnehin Geschmackssache.

    Das neue und etwas zeitnahere Format hat mir ausgesprochen gut gefallen.

    Nochmals vielen Dank und gute Erholung für Zahnfleisch, -schmelz und Gaumen.

  2. “(und zugegebenermaßen auch von ein paar anderen)” das ist absolut richtig und so soll es auch sein, zumal ich ja nie alles schaffe. Und alle die Momentaufnahmen sind natürlich immer auch persönliche Sicht- und Geschmacksweisen. Ich sehe das genauso: Wenn man das alles zusammensetzt, bekommt man schon ein ganz gutes Bild. Danke fürs Feedback und die guten Wünsche!

  3. Claus

    auch von mir ein grosses Dankeschön, weiss die Grand Prix Berichterstattung immer sehr zu schätzen, und ist für mich auch extrem wertvoll um mir ein Bild zu machen und Kaufentscheidungen zu unterstützen. grosse Leistung, ich ziehe meinen hut!

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