originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Drei Mal Bier: Buddelship Mitschnagger, Blanker Hans, Brügge

23/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Drei Mal Bier

Die Hamburger Bierszene ist um zwei weitere Craftbeer-Brauereien reicher. Nach Ratsherrn und Kehrwieder heißen die beiden neuen Buddelship und Von Freude. Von Freude wird Thema eines späteren Artikels sein, hier geht es heute um drei Biere des Hamburgers Simon Siemsglüß, der bei einem längeren Aufenthalt in Kanada seine Liebe zu Craftbeer entdeckt hat. Eigentlich wollte er dort bleiben und schon dort mit dem Brauen anfangen, hat sich dann aber doch entschieden, sich in Berlin zum Brauer ausbilden zu lassen um dann an diversen weiteren Stationen im Ausland Erfahrung zu sammeln. Zum Beispiel bei Evin O’Riordain von The Kernel, einer der für mich besten Brauereien, die es momentan gibt.

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Nun ist Siemsglüß zurück in der Hafenstadt und hat in Stellingen eine alte Fischfabrik aufgetan, in der er ganz alleine seine 10-Hektoliter-Anlage konstruiert und aufgebaut hat. Das ist Craft, sprich Handwerk pur. Gebraut wird das obergärige Bier in offenen Gärbottichen, das untergärige in zylondrokonischen Tanks. Siemsglüß baut zwei Linien auf. Im Heimathafen gibt es heimische Biere wie Pilsener, Weiße oder Rotbier, Auf hoher See finden sich dann die exotschen Biere wie IPA oder Saisonbiere.

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Buddelship Mitschnagger Pils
Zu den typischen Bieren des Nordens gehört das Pils in einer besonders herben, nordisch kühlen Art. Siemsglüß‘ Pils ist eher moderat hopfig und deutlich malzig. Es schmeckt nach Getreide, Zitrus mit grasigen Noten und einer ganz leichten Süße und einer angenehm präsenten Kohlensäure. Das ist ein ehrliches, gut gemachtes Pils mit 5,3% Alkohol, 12,5% Stammwürze und ca. 40 Bittereinheiten. Siemsglüß verwendet hier Hopfen der Sorte Northern Brewer, Saphir und Saaz.

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Buddelship Blanker Hans Weißbier
Auch die Weiße, man glaubt es kaum, hat ihre Tradition im Norden und ist nicht etwa ein bayrisch-fränkisches Phänomen. Mit dem Aussterben der vielen Brauereien im Norden ist jedoch irgendwann auch die Weiße praktisch gänzlich verschwunden. Mit Ratsherrn (ganz seltsame Weiße, ehrlich) und dem Blanken Hans kommt das Bier langsam zurück nach Hamburg. Überzeugt hat mich jedoch auch diese Weiße nicht. Sie schmeckt insgesamt ziemlich unspektakulär fruchtig (Aprikose, Banane) und leicht süßlich malzig mit zurückhaltender Kohlensäure. Wirkt auf mich etwas parfümiert und war nicht mein Fall. Das Bier hat 5,3% Alkohol, eine Stammwürze von 13,5% und ca. 12 Bittereinheiten. Gebraut wird es mit Hallertauer Mittelfrüh.

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Buddelship Brügge Belgian Season
Diesen Bierstil dürfte Siemsglüß in Kanada schätzen gelernt haben, denn dort gibt es viel belgisch inspiriertes Bier wie beispielsweise das Saisonbier. dieses hier wird mit East Kent Golding, Citra und Galaxy gebraut und hat bei 5,6% Alkohol 13,5% Stammwürze und ca. 30 Bittereinheiten. Genutzt wird neben Pilsener-, Weizen-, Pale-ale- und Wiener Malz eine spezielle belgische Hefe. Das Bier wird nur kurz gelagert und hat den für Saisonbier typischen leichten Karamell-Geschmack. Brotkruste hatte ich in der Nase, Aprikose, Zitrone, Mango, Vanille, gelben Apfel und Gewürze. Am Gaumen weich mit leichter Herbe und balanciertem Kohlensäureeinsatz. Das ist ein tolles, harmonisches, im deutschen Biermarkt bisher selten anzutreffendes Bier, von dem ich gerne eine Kiste im Keller hätte.

In der Buddelship-Brauerei geht es übrigens Ende des Jahres weiter mit heimischen Biersorten (Schwarzbier und Rotbier) sowie einem Pale Ale und einem Gotland-Porter. Ich bin gespannt.

Endlich wieder: WRINT Flaschen live – diesmal Natur pur im Double-Feature

21/Okt/14 12:30 kategorisiert in: WRINT Flaschen

Endlich geht es weiter mit WRINT Flaschen live (und nicht ganz live). Es ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach für uns, Termine für die Flaschen zu finden, aber die Novembersendung steht und die für den Dezember müssen wir aufnehmen (Holgis wohlverdienter Urlaub steht an). Mittrinken könnt ihr dann natürlich trotzdem, wenn die Sendung live geht.  weil wir für den Dezember nur ne Aufnahme machen könnten haben wir gerade beschlossen, am 4.11. ab 21h ein Double-Feature zu senden.

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Bei den Weinen haben wir uns diesmal für jeweils drei Flaschen von Vins Vivants entschieden. Dies ist einer der ersten Weinläden in Deutschland, der sich auf Naturweine spezialisiert hat. Er wird von Alex Zülch betrieben, der vor Jahren in Geisenheim Önologie studiert hat und jetzt schon eine längere Zeit in Paris lebt, wo das Herz des Naturweins schlägt. Alex hat mittlerweile ein exzellentes Angebot aufgebaut und es wird quartalsweise um wirklich tolle Domänen ergänzt. Ich kann nur empfehlen, hier mal tiefer zu stöbern. Alex war übrigens mit Holger und mir im Februar an der Loire (ich habe berichtet), hat dort dankenswerterweise für uns übersetzt und direkt noch eine Domaine gefunden (Clos Cristal), von der er einen ersten Wein mit ins Programm genommen hat. Davon gibt es jedoch – ich habe lange überlegt – keinen Wein sondern es gibt das:

 

Im November schauen wir mal ins Elsass, probieren drei Weine und es gibt:

2011er Crémant d‘Alsace (Auxerrois, Pinot Blanc, Pinot Gris, Riesling, Chardonnay) der Domaine Rietsch

2013er Nature (Sylvaner, Pinot Gris) der Domaine Julien Meyer

2013er Riesling Grittermatte der Domaine Julien Meyer

Die Sendung im November gibt es am Dienstag, den 4.11.2014 ab 21h.

 

Die Dezember-Ausgabe mit Weihnachtswein gibt es dann direkt hinterher und zwar:

2011er Crémant du Jura (Chardonnay) der Domaine Buronfosse

2013er Chez Charles (Sauvignon Blanc) von Noella Morantin

2012er Clos les longues Vines (Pineau d’Aunis) von der Domaine le Briseau

Die Dezember-Sendung gibt es im November und zwar am Dienstag, den 4.11.2014 ab ca. 22.30h.

Ich glaube, das ist wirklich interessanter Stoff, den wir da haben werden! Das Weinpaket hat einen Preisvorteil von € 4.80 und ihr könnt es hier bestellen. ansosnten könnt ihr die Weine auch einzeln bestellen.

Ihr findet den Livestream zur Sendung wenn es soweit ist hier bei xenim. Ihr könnt Euch auch im Chat beteiligen (#kleitung auf irc.freenode.net). Wer nicht weiß, was ein IRC-Chat ist und wie man sowas, kann das in der Wikipedia nachschlagen oder das Webinterface benutzen, das auf Xenim aktiv ist, sobald der Livestream läuft.

The Wine Century Club

17/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Abschweifungen, Bücher

Letztes Jahr bin ich irgendwann während meiner Recherche zu einer bestimmten Rebsorte über The Wine Century Club gestolpert. Dieser wurde von Deborah und Steve de Long gegründet. Die New Yorker sind Wein-Freaks die mit De Long Wine Einiges an Kartematerial, Verkostungsbücher und Ähnliches anbieten.

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Mitglied im The Wine Century Club wird man, wenn man mindestens hundert verschiedene Rebsorten in rebsortenreinen Weinen probiert hat. Auf der Website kann man sich eine Tabelle runterladen, in der man die Weine eintragen kann. Das alles ist nicht viel mehr als ein Spaß. Aber er macht doch noch mal bewusst, welch große Auswahl an Rebsorten wir neben den gängigen doch eigentlich haben. Und es fördert den Entdeckersinn, diese neu oder noch mal neu kennzulernen. Einen guten Überblick verschafft dabei natürlich Wine Grapes von Robinson, Harding und Vouillamoz. Es ist das Standardwerk über Rebsorten und eine wirklich spannende Lektüre, nicht nur für Freaks. Die gebundene Ausgabe kostet zwar knapp 100 Euro, aber die Kindle-Version nur €20,-

Irgendwann dachte ich, dass The Wine Century Club ein fake sein, weil ich die Liste mit den Weinen schon vor einem dreiviertel Jahr hochgeladen und nie mehr etwas gehört hatte. Doch in dieser Woche kam tatsächlich Post aus New York…

Abzuspeichern in der Kategorie: Popcorn

Drei Mal Bier: Pilsss vom Brauprojekt 777, Schönramer Grünhopfen Pils und Ratsherrn Lager

15/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Drei Mal Bier

Neben dieser mittlerweile großen Anzahl heimischer, europäischer und Überseeischer Variationen von Pale ales, Indian Pale Ales, Porter, Saisonbiern usw. kann man schon mal vergessen, dass es ja auch noch die deutschen Klassiker gibt, die einer Generalüberholung oder zumindest einer Aufwertung bedürfen. Pils ist ja jetzt nicht per se langweilig, nur weil die Deutschen Generalbevollmächtigten für Fernsehbier daraus eine Einheitsplörre gebraut haben. Deshalb geht es im heutigen Teil der Serie Drei Mal Bier um Pils und Lager. Ich hätte ja gerne auch noch Export dabei gehabt, habe aber kein passendes gefunden. Eigentlich sind Pils, Export und Lager die drei gängigsten Bezeichnungen für Biere, die ab dem 19. Jahrhundert deutschlandweit gebraut wurden.

Pils

Es waren bayrische Braumeister, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Böhmen auswanderten und dort nicht nur exzellentes weiches Wasser vorfanden sondern auch den charakteristischen böhmischen Hopfen, der dann Verwendung im Pilsener Urquell fand – erstmals gebraut im Jahre 1842. Das stark gehopfte, bittere Bier fand im Deutschen Reich zunächst wenig Anklang. Man war eher Gose, Berliner Weiße oder ähnlich zurückhaltende Biere gewöhnt. Erst in den 1870ern wurde Pilsener von Berlin aus Mode. Bis heute gilt für Pils die untergärige Brauart mit bestimmten ursprünglich böhmischen Hopfensorten.

Auch das Export ist ein hopfenbetontes untergäriges Bier, das eine hohe Stammwürze aufweist. Das Export war, wie der Name suggeriert, für den Export gedacht. Dazu wurde das Bier stark eingebraut, um es bei Reisen lagerfähig zu machen und, um es am Bestimmungsort mit dortigem Wasser wieder zu strecken. Im Deutschsarachigen Raum steht das Export für Wiener, Münchener und Dortmunder Brauarten. In anderen Ländern wird der Begriff häufig für Starkbiere verwendet.

Lagerbier ist eigentlich der Oberbegriff für lagerfähige, stärker gehopfte und würzige untergärige Biere wie Pils und Export. Das Bier wurde traditionell in der Brauerei gelagert und gereift. Heute wird der Begriff stärker im Gegensatz zum Pils verwendet. Beides ist zwar Untergärig mit einer Stammwürze von 11 bis 14%, jedoch ist ein Lager heute nur noch schwach gehopft. Im englischsprachigen Raum wird das Lager dagegen auch heute noch im traditionellen Sinn verwendet.

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Ratsherrn Lager
Dieses Bier der Ratsherrn sollte auf jeden Fall vor dem Pils getrunken werden, denn es ist leichter und weniger bitter. Das orangene Bier hat eine leicht malzige Toastnote, wirkt leicht säuerlich und grasig, bevor Bisquitnoten, rote Frucht, Zitrus und Toffee einsetzen. Das Lager ist moderat bitter, etwas süßlich und auch im Mund fruchtig – einfach, nicht sonderlich bitter, stiltypisch und gut. Der Alkoholgehalt liegt bei 5.4% und die Bittereinheiten bei 22.

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Brauprojekt 777 Pilsss
Die kleine Brauerei in Voerde am Niederrhein braut ja ein Mal im Monat nach Lust und Laune verschiedene Bierarten wie IPA, Red Ale, Alt, Single Hop oder eben auch Pils. Das Pils erscheint unfiltriert und entsprechend leicht trüb und dunkel. Es riecht nach würzig-kräutrig mit deutlichem bitterem Hopfenakzent. Am Gaumen zunächst eine ganz leichte Süße, Getreide und ein Hauch von Salz. Dann setzt die herbe Würze ein. Die Bitternote ist deutlich, dazu kommt ein Hauch von Zitrus. Das Bier hat einen guten, langen und betont bitteren Nachhall. Ein echtes Pils. Der Alkoholgehalt liegt bei 5%. Die Stammwürze bei 12% und die Boittereinheiten bei 36 IBU. Es wurden Pilsener-, Münchener- und helles Karamell-Malz sowie Tradion-, Willamette- und Herkuleshopfen verwendet.

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Schönramer Grünhopfen Pils
Die Schönramer Brauerei taucht in meiner Reihe erstaunlicher Weise das erste Mal auf, obwohl sie für mich zu den besten Brauereien in Deutschland zählt. Eigentlich ist dies eine Chiemgauer Traditionsbrauerei, die sich aber mit Eric Toft einen Braumeister leistet, der aus den USA stammt. Damit verbindet sie Tradition und morderne Bierstile auf eine Weise, wie das kaum jemand sonst hinbekommt. Das zeigt auch dieses Pils, bei dem nicht etwa getrockneter Hopfen (wie sonst meist üblich und auch beim traditionellen Schönramer Pils gemacht) verwendet wird, sondern frischer vom Typ Spalter Select und Hersbrucker. Der Hopfendolden wird nicht nur beim ersten Einbrauen verwendet, sondern noch mal beim Abläutern. Das Bier erscheint kräuterwürzig mit Zitrus- und Grapefruitnoten, dazu deutlich bitter, wie es eben bei einem Pils sein soll. Das Bier hat ein angenehm zurückhaltendes und doch präsentes malziges Gerüst mit einer ganz leichten Süße. Vor allem ist dieses Bier auch dank der Zitrusnoten ultrafrisch mit schlankem Körper und feiner Frucht. Ich würde ohne zu zögern behaupten, dass das das beste Pils ist, was ich bisher getrunken habe. Der Alkoholgehalt liegt bei 5%. Die Stammwürze ist mit 11,9% angegeben und die Bittereinheit mit 45.

 

 


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