originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Wissen Sie, Champagner schmeckt ja per se

28/Okt/14 10:10 kategorisiert in: Abschweifungen

Eine Gala ist laut Definition eine Veranstaltung, bei der man festliche Kleidung trägt. Diese festliche Kleidung, dieser Dresscode, wie man heute sagt, kann den festlichen Rahmen der Veranstaltung unterstreichen, muss er aber nicht. Angesagt war der Dresscode Business Attire, man trägt also noch den Anzug aus dem Büro, darf sich aber gnädiger Weise seiner Krawatte entledigen. Mit dem Mantel war das Entledigen dagegen so eine Sache, da musste ich dann von der Gala im zweiten Stock wieder ganz nach unten und traf auf den Mann, der mich netterweise ebenerdig hereingelassen hatte, da die Damen am Empfang der Gala mein Flehen gar nicht wahrgenommen hatten. Dafür war es an diesem Abend in der Lounge zu laut und die Klingel zu leise. Ganz nebenbei bemerkt erinnerte mich das an eine Episode in Berlin, als die DDR noch existierte und ich mein getauschtes Ostgeld in etwas Vernünftiges umwandeln wollte und mich damals entschlossen hatte, im Palast der Republik zu speisen. Das Restaurant lag im obersten Stockwerk, verfügte jedoch über keinen Kleiderständer, so dass ich meinen Mantel über einen Stuhl drapiert hatte. Dieser zog den missbilligenden Blick des Kellners auf sich, der mich dann in seiner gleichzeitig ausgeübten Funktion als Blockwart unmissverständlich aufforderte, den Mantel in der Garderobe abzugeben. Diese allerdings befand sich im Keller des Palastes der Republik. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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Als Lounge bezeichnet man eigentlich einen exklusiven Warte- oder Aufenthaltsraum, und wenn der dann auch noch den Titel Hanse trägt, dann bekommt die Lounge schnell eine gediegene Clubatmosphäre mit viel Holz und Messing und einer gewissen Schwere, die von oben drückt. Da diese Lounge am Neuen Wall liegt und dann auch etwas erhoben und erhaben in den oberen Stockwerken, muss man eben unten klingeln.

Wieder oben angekommen erhielt ich drei Gutscheine für je eine Auster. Im Laufe des Abends habe ich mich, da ich im Gegensatz zu vielen der Anwesenden, Austern esse, über einen ganzen Schwung weiterer Gutscheine gefreut, die man mir gerne zusteckte. Dies wäre jedoch eigentlich gar nicht notwendig gewesen, wie sich später herausstellte, da die Bedienung die zu fortgeschrittener Stunde auch einfach so herumreichte und fast wie Sauerbier anbieten musste. Sauerbier passt natürlich auch nur bedingt zu Champagner und, ach ja, das war ja der eigentliche Grund, weshalb ich mich überhaupt noch mal aufgemacht hatte, in die Stadt zu fahren. Da ich tagsüber normalerweise nicht nach dem Dresscode Business Attire gekleidet bin, hatte ich mich dafür übrigens extra noch mal umgezogen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich meine Schuhe neue besohlen lassen sollte und für die Hose des Anzugs ein schmalerer schwarzer Gürtel notwendig wäre, um das nächste Mal noch ein wenig mehr attire zu sein.

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Bei Weinveranstaltungen in der Hansestadt trifft man zum großen Teil immer dieselben Leute. Es ist ein kleines Clübchen aus Weinhändlern, Sommeliers und, ähm, Weinjournalisten, die quer durch die Stadt in regelmäßigen Abständen Bussis verteilen, mal mit einem Glas Blaufränkisch in der Hand, mal mit Vinho Verde oder, wie in diesem Fall, mit Champagner. Da dies jedoch eine Gala war und (zumindest zu fortgeschrittener Stunde) nicht für Fachpublikum reserviert, durchmischte sich die Weingesellschaft mit Menschen, die den Dresscode ernstgenommen hatten. Der Anteil an Personen mit Stöckelschuhen, die dann im Laufe des Abends in zunehmendem Maße umknickten, war entsprechend ungewöhnlich hoch.

Glücklicherweise wurde der gediegene Rahmen der Gala des kulinarischen Lifestyles dadurch aufgebrochen, dass Vertreter verschiedenster Champagnerhäuser in drei Räumen der Lounge ihre Weine feilboten und damit zu einer deutlich Auflockerung der Atmosphäre beitrugen. Selbst jene der Weinbranche, die sonst am Anfang von Weinveranstaltungen immer eisern spucken, üben bei Champagner von vornherein wenig Zurückhaltung. Champagner sei einfach immer zu schade, um gespuckt zu werden, höre ich. Oder, wie eine mir unbekannte Dame feststellte, die sich irgendwann kurzfristig auf meinen Arm stützen musste: "Wissen Sie, Champagner schmeckt ja per se."

Drei Mal Bier: Buddelship Mitschnagger, Blanker Hans, Brügge

23/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Drei Mal Bier

Die Hamburger Bierszene ist um zwei weitere Craftbeer-Brauereien reicher. Nach Ratsherrn und Kehrwieder heißen die beiden neuen Buddelship und Von Freude. Von Freude wird Thema eines späteren Artikels sein, hier geht es heute um drei Biere des Hamburgers Simon Siemsglüß, der bei einem längeren Aufenthalt in Kanada seine Liebe zu Craftbeer entdeckt hat. Eigentlich wollte er dort bleiben und schon dort mit dem Brauen anfangen, hat sich dann aber doch entschieden, sich in Berlin zum Brauer ausbilden zu lassen um dann an diversen weiteren Stationen im Ausland Erfahrung zu sammeln. Zum Beispiel bei Evin O’Riordain von The Kernel, einer der für mich besten Brauereien, die es momentan gibt.

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Nun ist Siemsglüß zurück in der Hafenstadt und hat in Stellingen eine alte Fischfabrik aufgetan, in der er ganz alleine seine 10-Hektoliter-Anlage konstruiert und aufgebaut hat. Das ist Craft, sprich Handwerk pur. Gebraut wird das obergärige Bier in offenen Gärbottichen, das untergärige in zylondrokonischen Tanks. Siemsglüß baut zwei Linien auf. Im Heimathafen gibt es heimische Biere wie Pilsener, Weiße oder Rotbier, Auf hoher See finden sich dann die exotschen Biere wie IPA oder Saisonbiere.

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Buddelship Mitschnagger Pils
Zu den typischen Bieren des Nordens gehört das Pils in einer besonders herben, nordisch kühlen Art. Siemsglüß‘ Pils ist eher moderat hopfig und deutlich malzig. Es schmeckt nach Getreide, Zitrus mit grasigen Noten und einer ganz leichten Süße und einer angenehm präsenten Kohlensäure. Das ist ein ehrliches, gut gemachtes Pils mit 5,3% Alkohol, 12,5% Stammwürze und ca. 40 Bittereinheiten. Siemsglüß verwendet hier Hopfen der Sorte Northern Brewer, Saphir und Saaz.

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Buddelship Blanker Hans Weißbier
Auch die Weiße, man glaubt es kaum, hat ihre Tradition im Norden und ist nicht etwa ein bayrisch-fränkisches Phänomen. Mit dem Aussterben der vielen Brauereien im Norden ist jedoch irgendwann auch die Weiße praktisch gänzlich verschwunden. Mit Ratsherrn (ganz seltsame Weiße, ehrlich) und dem Blanken Hans kommt das Bier langsam zurück nach Hamburg. Überzeugt hat mich jedoch auch diese Weiße nicht. Sie schmeckt insgesamt ziemlich unspektakulär fruchtig (Aprikose, Banane) und leicht süßlich malzig mit zurückhaltender Kohlensäure. Wirkt auf mich etwas parfümiert und war nicht mein Fall. Das Bier hat 5,3% Alkohol, eine Stammwürze von 13,5% und ca. 12 Bittereinheiten. Gebraut wird es mit Hallertauer Mittelfrüh.

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Buddelship Brügge Belgian Season
Diesen Bierstil dürfte Siemsglüß in Kanada schätzen gelernt haben, denn dort gibt es viel belgisch inspiriertes Bier wie beispielsweise das Saisonbier. dieses hier wird mit East Kent Golding, Citra und Galaxy gebraut und hat bei 5,6% Alkohol 13,5% Stammwürze und ca. 30 Bittereinheiten. Genutzt wird neben Pilsener-, Weizen-, Pale-ale- und Wiener Malz eine spezielle belgische Hefe. Das Bier wird nur kurz gelagert und hat den für Saisonbier typischen leichten Karamell-Geschmack. Brotkruste hatte ich in der Nase, Aprikose, Zitrone, Mango, Vanille, gelben Apfel und Gewürze. Am Gaumen weich mit leichter Herbe und balanciertem Kohlensäureeinsatz. Das ist ein tolles, harmonisches, im deutschen Biermarkt bisher selten anzutreffendes Bier, von dem ich gerne eine Kiste im Keller hätte.

In der Buddelship-Brauerei geht es übrigens Ende des Jahres weiter mit heimischen Biersorten (Schwarzbier und Rotbier) sowie einem Pale Ale und einem Gotland-Porter. Ich bin gespannt.

Endlich wieder: WRINT Flaschen live – diesmal Natur pur im Double-Feature

21/Okt/14 12:30 kategorisiert in: WRINT Flaschen

Endlich geht es weiter mit WRINT Flaschen live (und nicht ganz live). Es ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach für uns, Termine für die Flaschen zu finden, aber die Novembersendung steht und die für den Dezember müssen wir aufnehmen (Holgis wohlverdienter Urlaub steht an). Mittrinken könnt ihr dann natürlich trotzdem, wenn die Sendung live geht.  weil wir für den Dezember nur ne Aufnahme machen könnten haben wir gerade beschlossen, am 4.11. ab 21h ein Double-Feature zu senden.

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Bei den Weinen haben wir uns diesmal für jeweils drei Flaschen von Vins Vivants entschieden. Dies ist einer der ersten Weinläden in Deutschland, der sich auf Naturweine spezialisiert hat. Er wird von Alex Zülch betrieben, der vor Jahren in Geisenheim Önologie studiert hat und jetzt schon eine längere Zeit in Paris lebt, wo das Herz des Naturweins schlägt. Alex hat mittlerweile ein exzellentes Angebot aufgebaut und es wird quartalsweise um wirklich tolle Domänen ergänzt. Ich kann nur empfehlen, hier mal tiefer zu stöbern. Alex war übrigens mit Holger und mir im Februar an der Loire (ich habe berichtet), hat dort dankenswerterweise für uns übersetzt und direkt noch eine Domaine gefunden (Clos Cristal), von der er einen ersten Wein mit ins Programm genommen hat. Davon gibt es jedoch – ich habe lange überlegt – keinen Wein sondern es gibt das:

 

Im November schauen wir mal ins Elsass, probieren drei Weine und es gibt:

2011er Crémant d‘Alsace (Auxerrois, Pinot Blanc, Pinot Gris, Riesling, Chardonnay) der Domaine Rietsch

2013er Nature (Sylvaner, Pinot Gris) der Domaine Julien Meyer

2013er Riesling Grittermatte der Domaine Julien Meyer

Die Sendung im November gibt es am Dienstag, den 4.11.2014 ab 21h.

 

Die Dezember-Ausgabe mit Weihnachtswein gibt es dann direkt hinterher und zwar:

2011er Crémant du Jura (Chardonnay) der Domaine Buronfosse

2013er Chez Charles (Sauvignon Blanc) von Noella Morantin

2012er Clos les longues Vines (Pineau d’Aunis) von der Domaine le Briseau

Die Dezember-Sendung gibt es im November und zwar am Dienstag, den 4.11.2014 ab ca. 22.30h.

Ich glaube, das ist wirklich interessanter Stoff, den wir da haben werden! Das Weinpaket hat einen Preisvorteil von € 4.80 und ihr könnt es hier bestellen. ansosnten könnt ihr die Weine auch einzeln bestellen.

Ihr findet den Livestream zur Sendung wenn es soweit ist hier bei xenim. Ihr könnt Euch auch im Chat beteiligen (#kleitung auf irc.freenode.net). Wer nicht weiß, was ein IRC-Chat ist und wie man sowas, kann das in der Wikipedia nachschlagen oder das Webinterface benutzen, das auf Xenim aktiv ist, sobald der Livestream läuft.

The Wine Century Club

17/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Abschweifungen, Bücher

Letztes Jahr bin ich irgendwann während meiner Recherche zu einer bestimmten Rebsorte über The Wine Century Club gestolpert. Dieser wurde von Deborah und Steve de Long gegründet. Die New Yorker sind Wein-Freaks die mit De Long Wine Einiges an Kartematerial, Verkostungsbücher und Ähnliches anbieten.

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Mitglied im The Wine Century Club wird man, wenn man mindestens hundert verschiedene Rebsorten in rebsortenreinen Weinen probiert hat. Auf der Website kann man sich eine Tabelle runterladen, in der man die Weine eintragen kann. Das alles ist nicht viel mehr als ein Spaß. Aber er macht doch noch mal bewusst, welch große Auswahl an Rebsorten wir neben den gängigen doch eigentlich haben. Und es fördert den Entdeckersinn, diese neu oder noch mal neu kennzulernen. Einen guten Überblick verschafft dabei natürlich Wine Grapes von Robinson, Harding und Vouillamoz. Es ist das Standardwerk über Rebsorten und eine wirklich spannende Lektüre, nicht nur für Freaks. Die gebundene Ausgabe kostet zwar knapp 100 Euro, aber die Kindle-Version nur €20,-

Irgendwann dachte ich, dass The Wine Century Club ein fake sein, weil ich die Liste mit den Weinen schon vor einem dreiviertel Jahr hochgeladen und nie mehr etwas gehört hatte. Doch in dieser Woche kam tatsächlich Post aus New York…

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