originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



WRINT Flaschen live im August und September mit Weinen von Stephan Steinmetz

23/Jul/14 09:06 kategorisiert in: WRINT Flaschen

Bevor ich mich für zwei Wochen in den Urlaub verabschiede, haben Holger und ich Termine für die nächsten beiden Sendungen gefunden:

WRINT Flaschen August finden am 12.08.2014 um 20.30h statt. (Wir trinken Elbling, Auxerrois und Elbling Crémant)

WRINT Flaschen September finden am 09.09.2014 um 20.30h statt. (Wir trinken Weißburgunder, Grauburgunder und Liaison)

In beiden Sendungen trinken wir Weine von Stephan Steinmetz von der Obermosel. Warum? Weil wir mal wieder Weine nehmen wollten die preislich unter und um die €10,- liegen und weil wir Weine nehmen wollten, die einfach gut zum Sommer passen, die hervorragend gemacht sind und gleichzeitig noch schmecken, wenn es draußen heiß ist. Solltet Ihr im Vorfeld schon mehr über Stephan Steinmetz erfahren wollen, könnt Ihr hier reinhören. Ich habe mit ihm schon einen Podcast gemacht.

Foto Stephan Steinmetz

Das Paket zur Sendung könnt Ihr Euch hier bei Stephan Steinmetz auf  www.stephan-steinmetz.de bestellen. Wenn Ihr live mittrinken wollt, solltet Ihr folgende Weine bestellen:

Elbling 2013, 0,75l für € 5.20

Weißburgunder 2013 für € 6.60

Auxerrois 2013 für € 6.60

Grauburgunder 2013 für € 7.40

Elbling Crémant brut für €9.90

Liaison Crémant brut für € 10.50

Die Versandkosten liegen bei € 0,50 pro Flasche. Bitte bestellt bis spätestens 7.08. Denn danach ist die Familie Steinmetz selbst im Urlaub.

Ihr findet den Livestream zur Sendung wenn es soweit ist hier bei xenim.
Ihr könnt Euch auch im Chat beteiligen (#kleitung auf irc.freenode.net). Wer nicht weiß, was ein IRC-Chat ist und wie man sowas, kann das in der Wikipedia nachschlagen oder das Webinterface benutzen, das auf Xenim aktiv ist, sobald der Livestream läuft.

Rosa Caolina 2013, Tenuta di Castellaro, i Vigneri, Lipari

21/Jul/14 12:31 kategorisiert in: Abschweifungen, Alles Bio, Corintho, Gemischter Satz, Nero d'Avola, Rosé

Im letzten Jahr habe ich die Weine der i Vigneri für mich entdeckt. Das ist ein loser Zusammenschluss von Winzern, die auf und um Sizilien arbeiten und  - man kann es so sagen – einen gemeinsamen Fixpunkt haben: den Önologen Salvo Foti. Salvo Fotis Idee von Wein basiert auf der möglichst traditionellen und natürlichen Be- und Erarbeitung von Wein. Unter seiner Ägide werden die Rebstöcke beim Neuanlegen in Albarello-Erziehung (Buscherziehung) gesetzt, die Weinberge werden ökologisch bearbeitet, die Weine im Keller (natürlich) spontanvergoren, teils wird die Maische mit Füßen getreten, seine eigenen Weine werden nicht geschwefelt, und, und, und. Wer hier regelmäßig ließt, kennt die Idee eines Naturweins.

 le_vigne3
Copyright: Tenuta di Castellaro

Ein Weingut, dass zum Verbund zählt, dessen Markenzeichen die Burgunderflasche mit dem Albarello-Stock ist, ist die Tenuta di Castellaro des Österreich-Italieners Massimo Lentsch. Dieses Weingut befindet sich genau hier, auf der Lipari, nördlich über Sizilien. Die Inseln sind, wie Sizilien auch, vulkanischen Ursprungs. Endsprechend findet sich hier poröses weißes Magmagestein, der Bimstein (darauf stehen die weißen Reben für den Bianco Pomice) genauso wie Obsidian, dass eher aussieht wie schwarzes Glas und beim schnellen Abkühlen der Magma entsteht (darauf stehen die Reben für den Nero Ossidiana). Ein weiterer Bestandteil der Bodenstruktur ist Kaolin, auch Porzellanerde genannt. Kaolin ist ein feines, weißes, eisenfreies Gestein, dass auf den Äolischen Inseln, wozu Lipari ja gehört, schon in der Römerzeit abgebaut wurde. Genau oberhalb der historischen Stollen liegt der Weinberg, der dem Rosa Caolina seinen Namen gegeben hat. Der Weinberg setzt sich aus 60% Corinto, 30% Nero d'Avola und 10% weiterer, diverser heimischer Sorten zusammen – ein historischer fieldblend gewissermaßen. Die Reben wurden Mitte September gelesen, direkt gepresst, statisch geklärt – also kein Mostklärung – und drei Monate bei 20 Grad vergoren.

rosa_caolina

Was bei diesem sorgsamen Umgang mit dem Wein herauskommt, ist einfach sehr gelungen, ich kann es nicht anders sagen. Natürlich sollte ein Rosé, der stattliche €18.50 kostet, auch etwas bieten. Aber das hier ist wirklich sehr gelungen: viele Stein, viel Rhabarber, rote Johannisbeeren und Kräuter. DieserWein ist durch und durch ungewöhnlich, tauchen hier doch Aromen von Rosmarin und Minze genauso auf wie Pfeffer und Berberizen. Das ist ganz eindeutig ein Wein zum Essen. Mit Essen, mit Gegrilltem, ich würde hier in Würde geangelten, gegrillten Thunfisch empfehlen, ist das ein Knaller.

Den Wein habe ich von vinaturel.de bekommen. Er kostet €18.50

 

Für den Sommer lieber QG statt GQ – Espadeiro 2012, Quinta de Gomariz, Vinho Verde

15/Jul/14 12:30 kategorisiert in: Espadeiro, Rosé

Dass Vinho Verde nicht deshalb so heißt, weil die Trauben grün, also noch unreif gelesen werden oder der weiße Wein grüne Reflexe zeigt, dürfte mittlerweile auch hier bekannt sein. Vinho Verde ist schlichtweg der Wein aus dem mit Abstand grünsten Gebiet Portugals, dem Minho, oberhalb von Porto an der Grenze zu Spanien. Zwar wird hier tatsächlich vor allem Weißwein erzeugt (und dieser hat auch gerne mal grüne Reflexe), doch hat Rosé und Rotwein eine ebenso lange Tradition. Nur findet man diese Weine hier selten bis gar nicht. Was man vor allem findet ist immer noch Mateus Rosé, der Wein in den Boxbeutelflaschen der geradezu zum Synonym für portugiesische Supermarktweine geworden ist, und dann findet man noch häufig Casal Garcia. Früher wurden die Weine mit dem markanten blauen Etikett ebenfalls in Boxbeutelflaschen angeboten, das scheint aber vorbei zu sein. Dieser Vinho Verde jedenfalls gehört zu den frühesten Weinen, an die ich mich erinnern kann. Es war ein Freund der Familie, der praktisch jeden Urlaub in Portugal verbracht hat und von dort immer auch diesen Wein mitbrachte – bis er den Lebensmittelhändler seines Vertrauens dazu bringen konnte, den Wein zu importieren.

 vinha2Copyright: vinhoverde.pt

Für welche Form von Vinho Verde man sich nun auch immer entscheidet – wie gesagt, uns bleibt hier fast nur die weiße Variante – man wird praktisch immer auf einen Wein mit einer prägnanten Säure, etwas Süße und etwas Kohlensäure stoßen. Ersteres liegt daran, dass die verwendeten Rebsorten, vor allem der Alvarinho über eine hohe Grundsäure verfügen. Alvarinho, im Spanischen Albariño, übersetzt die Weiße vom Rhein, wurde früher für einen Abkömmling des Rieslings gehalten. Das stimmt nicht, aber die Fruchtigkeit und gleichzeitige Säure sind durchaus ähnlich. Ergänzt wird der Alvarinho durch die florale Sorte Loureiro, die mittlerweile immer häufiger auch reinsortig ausgebaut wird, die stahlige Trajadura, den mineralischen Arinto und der cremigen Avesso. Zusammen bilden sie aromatischen Wein, der immer auch knackig und erfrischend bleibt. Das wiederum liegt auch daran, dass er traditionell leicht schäumt. Früher hat man ihn schon abgefüllt, als er noch nicht zu Ende gegoren war, so dass der Vinho Verde in der Flasche nachgegoren ist, heute setzt man bewusst ein wenig Kohlensäure zu.

Landscape_Vineyard and churchCopyright: vinhoverde.pt

Was man hierzulande mittlerweile häufiger bekommt ist der Rosé der Quinta de Gomariz. Dieser Rosé wurde aus der Rebsorte Espadeiro gekeltert. Espadeiro ist eine rote portugiesische Rebsorte, die ebenfalls relativ viel Säure jedoch wenig Farbstoff hat, so dass sie hellrote Weine ergibt und vor allem für Rosé wie diesen verwendet wird. Sie wird im Minho auf gerade einmal 300 Hektar angebaut. Die Quinta de Gomariz gehört zu den bekannteren und auch besten Vinho-Verde-Produzenten. Die 17-Hektar-Quinta liegt in der Subregion Ave und in der Quinta werden die Weine vornehmlich reinsortig ausgebaut. Mittlerweile gibt es zwei Rosé, den etwas dunkleren aus der Sorte Padeiro und den helleren, hier besprochenen.

QG_Espadeiro

Der Espadeiro leuchtet in einer Mischung aus Lachs und Orange, was dem Wein durch das Glas je nach Sonneneinstrahlung fast etwas Neonartiges gibt. Der Wein riecht ordentlich nach Erdbeeren und Blutorangen, er ist eher halbtrocken, was den tatsächlich vorhandenen Zucker angeht (etwas über 8 Gramm), die fallen aber gar nicht weiter auf. Die Säure macht den Zucker vergessen und das leicht Moussierende noch zusätzlich. Dass Zucker mit ihm Spiel ist, merkt man schon, aber es ist halt nicht zuckrig. Der Espadeiro ist clean, er ist modern gemacht, man schmeckt die Reinzuchthefen, die Kaltvergärung gibt ihre etwas bonbonartigen Noten dazu. Aber das ist alles nicht zu extrem. Es ist einfach gut gemacht und für einen Sommerwein, der vor allem erfrischen und Spaß machen soll, wirklich gut. Der Wein hat 11,5% Alkohol und kostet so um die €7.50. Gute Voraussetzungen, dass die Flasche schnell leer wird. Und so war es auch bei mir.

Alles andere als lame – der LAM Syrah Rosé 2012 von Lammershoek

11/Jul/14 09:00 kategorisiert in: Alles Bio, Rosé, Rot, Südafrika, Syrah / Shiraz

Das erste Mal traf ich Craig Hawkins und seine Weine auf der 2012er RAW in London. Es war eines dieser besonderen Weinerlebnisse, denn neben all den schlechten bis teils hervorragenden Naturweinen aus Europa standen dort ein paar vereinzelte Winzer aus Übersee. Francois Morisette aus Kanada, Tom Shobbrook aus Australien und Craig Hawkins aus Südafrika. Alles, was ich von den dreien im Glas hatte, blew my mind, war outstanding, wenn ich mich, so wie die drei, im englischen Sprachraum bewegen würde.

Craig_Lammershoek

Craig Hawkins hat ein eigenes kleines Projekt names Testalonga – ich werde irgendwann darauf zurückkommen – und ist ansonsten der kreative Kopf hinter der Lammershoek Winery in Swartland. Das Weingut wird seit den 1990ern von Paul und Anna Kretzel geführt und Craig Hawkins ist so etwas wie der Schwiegersohn in spe. Craig hat auf Lammershoek Experimentiermöglichkeiten wie sonst wohl nur wenige Weinmacher. Das nutzt er und entsprechend kommen total ungewöhnliche, teilweise geniale Weine dabei raus. Dass zu diesem Zweck die Weinberg zu natürlich wie möglich bewirtschaftet werden, verwundert dabei nicht wirklich. Im Keller sind die Grundlagen Spontanvergärung, Verzicht auf Zusatzstoffe aus einer geringen Menge Schwefel bei der Abfüllung – wenn nötig – keine Filtration etc.

lam_rose

Der LAM Syrah Rosé, den ich die letzten Tage im Glas hatte, gehört zur Basislinie. Es sind die einfachsten, die am wenigsten experimentellen und gleichzeitig die trinkfreudigsten Weine. Hier gibt es neben dem Syrah-Rosé Chenin Blanc, Pinotage, Syrah und Blends. Die klassischen Weine aus den besten Lagen firmieren unter Lammershoek und das eigentliche Experimentierfeld findet sich in der CellerFoot-Linie. Da gibt es ungeschwefelten Pinotage-Rosé (auch darauf komme ich zurück), die ungarische Sorte Harslevelü reinsortig und eine rote Cuvée, die Craig in alten Barriques unter Wasser ausgebaut hat – Dirk Würtz war ganz begeistert von diesem Wein.

Der LAM Rosé hat schlanke 11,8% Alkohol und wurde 11 Monate in alten Eichenfässern ausgebaut. Auch das hier ist, wie beim letzten besprochenen Rosé von Majas, keine Fruchtbombe sondern ein Rosé auf der würzig-herben Seite mit viel Geschmack nach kargem Boden, der typischen Würze des Syrah – inklusive einem Hauch weißen Pfeffers, würde ich sagen. Natürlich gibt es Früchte, Erdbeeren vor allem, aber eben kein bisschen vordergründig oder kitschig. Das ist ein Wein – er kostet bei vinpur € 12,00 -  den man auch auf Grund seiner knackigen, bestens eingebundenen Säure einfach so wegtrinken möchte. Vor allem, wenn es dazu eine Schale frischer Erdbeeren gibt.


Weiterblättern »