originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Die zwölf meistgelesenen Beiträge der letzten zwölf Monate

19/Dez/14 12:00 kategorisiert in: Abschweifungen

Das Jahr geht dem Ende zu und im Rahmen einer persönlichen, kurzen Rückschau, die sich vor allem auf die probierten Weine für die Weinempfehlungen II bezog, habe ich mal geschaut, was denn so gelesen wurde. Am meisten geklickt wurde natürlich neben der Homepage vor allem die Seite Podcast und Autor. Desweiteren folgen:

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1. Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, Jahrgang 2013 – Rheinhessen und Pfalz,

Dass die Serie oft gelesen werden würde, wundert mich nicht, zumal sie auch beim VDP verlinkt ist. Zudem sind dies innerhalb des VDP zwei ausgesprochen populäre Anbaugebiete.

2. Champagne – Vol. 01 – Auf der Suche nach einem Mythos

Freut mich, dass diese mit dem Wine Online Award ausgezeichnete Serie viel Anklang gefunden hat. Zumal auch der zweite Teil und die weiteren fröhlich geklickt wurden.

3. Das Dilemma des kalifornischen Weinbaus – Quo Vadis California?

Das Interesse zu diesem Artikel hat mich doch überrascht. Ich dachte, das Thema Kalifornien würde keine große Rolle spielen, aber da habe ich mich wohl getäuscht.

4. Meine Weinempfehlungen (nicht nur) zur Weihnachtszeit

Das Interesse an dieser Liste hat mich dazu bewogen, dieses Jahr wieder eine zu formulieren.

5. Drei Weine von Benedikt Baltes – Weingut Stadt Klingenberg

Benedikt Baltes' Weine samt WRINT-Verkostung an Platz fünf. Das freut mich. Und in Kürze setze ich da noch einen drauf, dann gibt es mit Benedikt auch noch nen eigenen Podcast.

6. Monkey 47 Schwarzwald Sloe Gin oder Hilfe, mein Schlehenfeuer flockt

Diesen Artikel mit dem seltsamen Titel hätte ich nicht in der vorderen Reihe vermutet.

7. Die Vorpremière der Großen Gewächse des VDP, – Mosel, Mittelrhein, Baden, Württemberg & Franken

Die Tatsache, dass ich zum ersten Mal bei der Vorpremière dabei war, hat zu einer durchaus umfangreichen Artikelserie geführt, die bei der Menge an Weinen allerdings auch Sinn macht.

8. Ein ungleiches Paar ausgewachsener Bullen. Tempranillo Pfalz vs. Tempranillo Ribera del Duero

Geschrieben 201,2 wurde diese Artikel schon so oft geklickt, und ich weiß gar nicht genau, weshalb.

9. WRINT Flaschen live im August und September mit Weinen von Stephan Steinmetz

Das scheint eine besonders erfolgreiche WRINT-Doppelfolge gewesen zu sein.

10. Bordeaux zwischen Vinocamp und VinExpo, 6 – Château la Tour Figeac und St. Emilion

Es freut mich ja immer wieder, dass Artikel, die schon Jahre alt sind, in hohem Maße Beachtung finden und gewissermaßen zeitlos bleiben.

11. An der Mosel – Zu Gast im Weingut Heymann-Löwenstein. Der Originalverkorkt-Podcast 006

Der erste Podcast der Moselreihe ist auch bis heute der Meistgehörte. Es freut mich ja vor allem, dass es neben den ganzen Downloads mehr als 500 Abonnenten der Reihe gibt.

12. Meine Weinempfehlungen (nicht nur) zur Weihnachtszeit II

Ja, und da sind auch schon meine diesjährigen Weinempfehlungen. Das ist zwar immer eine ganze Menge Arbeit, die Weine noch mal nachzuschlagen, zu schauen, ob sie noch erhältlich sind, aber das scheint sich doch zu lohnen.

Drei Buchempfehlungen für den Gabentisch – Auf die Hand, Der Weinatlas und Natural Wine

17/Dez/14 12:30 kategorisiert in: Bücher

Spätestens zu Weihnachten gibt es hier immer ein paar Lesempfehlungen. Eigentlich sollten es im Laufe des Jahres viel mehr sein, und dann schiebe ich es doch immer wieder auf. Heute aber ist es soweit:

Auf die Hand von Stevan Paul

Im April hat Stevan unser Podcast-Gespräch genutzt, um zum ersten Mal sein neues Buch Auf die Hand anzukündigen. Seitdem ist eine ganze Welle durch die Medien gerauscht, es gibt ein eigenes Blog dazu und überhaupt ist das Buch in diesem Land genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen, denn der Stevan hat halt einen guten Riecher für Trends. Trotzdem liegt es natürlich auf der Hand (ha ha ha, Wortwitz!), dass ich das Buch hier noch mal vorstelle. Überall gibt es Bewegung, was Fastfood und Streetfood angeht, die eigentlich Slowfood sein möchte: Essen auf die Hand, das aber nicht hinuntergeschlungen werden soll, sondern das aus guten, frischen Produkten besteht und einfach schmecken soll, liegt voll im Trend.

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Stevan stellt in seinem Buch nicht nur eine große Menge an Rezepten sondern auch Menschen vor, die genau dieses Essen auf die Hand anbieten. Das Spektrum reicht dabei vom Butterbrot mit selbstgebackenem Brot über die obligatorischen Burger-Varianten und Pastrami hin zur Küche des Mittelmeers und zu einigen asiatischen Varianten. Natürlich ist Auf die Hand kein Buch, in dem man bahnbrechend neue Rezepte entdeckt, das soll es aber auch nicht sein. Es sind eher die Feinheiten und die Umsetzbarkeit, die beeindrucken. So zum Beispiel der Wunderteig für Burger-Buns und Hot-Dog-Brötchen, die man einfach mal in dieser Form gebacken haben sollte, weil man sie dann immer wieder backt und keine anderen Buns mehr haben möchte. Auch der moderne Hamburger-Klassiker, den Stevans Freund Oliver Trific für einen Londoner Burger Monday kreiert hat, findet sich hier. Ganz und gar nicht unerwähnt bleiben sollte die kongeniale Zusammenarbeit mit der Fotografin Daniela Haug, deren Arbeit dieses schön gestaltete Buch mindestens so bereichert, wie die Schreibe und der Esprit von Stevan. Für Menschen, die auch selber mal was Schnelles für sich und vor allem für die Familie auf die Hand zaubern wollen, ist das genau das richtige Buch. Und es ist, nebenbei gesagt, ein Kochbuch, das zwar nicht speziell für Kinder geschrieben wurde, das aber besser ist als so ziemlich jedes Kinderkochbuch, das ich kenne. Denn das, was hier drin steht, schmeckt meinen Kindern von drei bis zwölf fast durchweg ausgezeichnet und sie können dabei helfen, die Speisen mit zuzubereiten. Das muss ein Kochbuch, das sich ja im Alltag bewähren soll, erst einmal schaffen.

Erschienen im Christian Brandstätter-Verlag, 248 Seiten, für € 34,90 erhältlich.

 

Der Weinatlas von Hugh Johnson und Jancis Robinson

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Als ich Anfang der 1990er zum Wein kam, habe ich mir in rascher Folge zwei Bücher zugelegt. Das erste war der Kleine Johnson des Autors Hugh Johnson, das zweite war Der Große Weinatlas des gleichen Herausgebers. Dieses Buch hat mich lange begleitet und hat mir in Zeiten, in denen man noch nicht so schnell im www nach Informationen und Karten suchen konnte, die Weinwelt deutlich strukturiert und näher gebracht. Dieses Buch, das 1971 zum ersten Mal erschienen ist und ich mir in der Auflage von 1992 zugelegt habe, ist nun in der siebten Auflage erschienen. Neben Johnson erscheint auch die fast omnipräsente Jancis Robinson, die an mittlerweile mindestens drei Standardwerken der Weinliteratur (neben dem Weinatlas ist es Grapes und das Oxford-Kompendium), maßgeblich beteiligt ist. Der Umfang des Buches, das nur noch Der Weinatlas heißt, hat sich in den letzten zwanzig Jahren von 320 auf knapp 400 Seiten erweitert, was kein Wunder ist, denn die Weinwelt ist in dieser Zeit ebenfalls komplexer geworden. Wie damals auch schon, ist das Buch folgendermaßen gegliedert: Im ersten Teil gibt es einen knappen Aufriss zur Geschichte des Weins, zu Rebsorten, zu Terroir, zur Arbeit im Weinberg und im Keller und zu so praktischen Themen wie dem richtigen Servieren des Weins. Nach diesem 40seitigen Bereich geht es in die Gebiete. Allein 22 Seiten umfasst das Burgund. In den Karten findet man praktisch jede Einzellage. Zudem werden die Gebiete jeweils mit ihren Besonderheiten erklärt. Das spezifische Terroir, die Stilistik, Wettereinflüsse und diverse Winzer werden vorgestellt. Man erfährt, wie hoch die Durchschnittstemperaturen und die Niederschläge sind und welche Krankheits- und Umweltgefährdungen vorhanden sind.

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Auch wenn ich selbst natürlich viel im Netz recherchiere, möchte ich auf ein solches Buch auch heute nicht verzichten. Wein wird mit Hilfe dieses Kartenmaterials einfach plastischer, Zusammenhänge offensichtlicher. Dabei muss ich zugeben, dass ich schon immer gerne durch Kartenmaterial geblättert habe. Ist ein solches Buch auf Grund der Kartenverfügbarkeit von Google-Maps deswegen so etwas wie ein Dinosaurier? Ich finde das nicht. Für mich bleibt der Wein-Atlas in Kombination mit Wein von André Dominé, dessen Neuauflage ich im letzten Dezember vorgestellt habe gerade für jene, die sich einigermaßen neu mit dem Thema beschäftigen, ein eindeutige Empfehlung. Für Profis dagegen bleibt es ein übersichtliches Nachschlagestandardwerk.

Das Buch ist im Hallwag-Verlag erschienen, hat 400 Seiten und kostet € 49,90.

 

Natural Wine – An introduction to organic and biodynamic wines made naturally von Isabelle Legeron

Isabell Legeron, französische Master of Wine ist die Frau, wenn es um die Promotion möglichst natürlich hergestellter Weine geht. Sie ist diejenige, die in London, und diesmal auch in Wien die RAW, den Salon für Naturweine organisiert hat. Sie gibt damit einer Bewegung Ausdruck, die in den letzten Jahren immer stärker geworden ist. Es ist die Bewegung der Produzenten und Verbraucher, die ein möglichst natürlich und nachhaltig erzeugtes Produkt namens Wein genießen wollen und dies vorzugsweise unkonventionell und ohne den sonst beim Wein üblichen Habitus. Das Buch Natural Wine ist das erste umfassende Kompedium über diese Szene, die sich für mich gleichermaßen aus großen Könnern und hoffnungsvollen Dilettanten zusammensetzt. Es gibt auf den Messen begeisternde Weine genauso wie mikrobiologisch gesehen höchst fragwürdige Weine. Das finde ich auch nicht weiter schlimm, auch wenn ich mir von ersteren mehr als von letzteren wünschen würde. Was vor allem passiert ist das Experiment, der Drang, Neues zu tun. Was hier ebenfalls passiert ist eine Veränderung in der Sensorik, eine Veränderung im Aromenspektrum und eine Veränderung dessen, was beim Wein für sauber oder unsauber gehalten wird. Das mitzuverfolgen, finde ich höchst spannend.

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Das Buch beschäftigt sich dabei mit der Frage, was denn natural wine überhaupt umfasst und wie er möglichst hergestellt werden soll. Darüber hinaus werden diverse Winzer und ihrer Weine vorgestellt. Es sind insgesamt 140 solcher Weine, die einer genaueren Betrachtung unterzogen werden und insofern ist es natürlich nur eine Auswahl. Doch um einen Überblick zu erhalten, ist das schon ganz gut. Man muss nur schauen, dass man in diesem Buch selbst nicht den Überblick verliert, denn es ist ziemlich furchtbar überambitioniert und unruhig gestaltet. Empfehlen möchte ich es trotzdem.

Erschienen ist es bei CICO books, umfasst 224 Seiten und kostet € 16,95

 

Sonntagswein: Domaine Mosse Rouchefer 2, Chenin Blanc, Anjou 2010

14/Dez/14 15:03 kategorisiert in: Chenin Blanc, Sonntagswein
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Irgendwann hat René eine Wurst herausgeholt, die er von einem befreundeten Winzer aus dem Beaujolais geschenkt bekommen hatte. Man muss ja schließlich was im Magen haben, wenn man die ganze Palette der Domaine durchprobiert. Hier mit Alex Zülch.

Das ist einer dieser perfekten Sonntagsweine die man aufmacht, wenn man einfach mal die Seele baumeln lassen will. Vor allem, wenn dieser Sonntag im Advent liegt, denn dieser Chenin duftet und schmeckt wunderbar nach warmen Apfelkuchen mit Rosinen und Zimt. Dazu kommt diese für Chenin typische leicht mürbe, wächserne Note. Der Wein macht einfach viel Spaß, ist dicht, hat Länge und Trinkfluss, obwohl er üppig ist.

Zum ersten Mal habe ich ihn in diesem Jahr im Februar direkt bei den Mosse in der Domaine getrunken als wir mit opentrips unterwegs waren. Da traf es sich gut, dass Axel Zülch uns begleitet und übersetzt hat, denn der hat die Weine von Mosse im Programm. Diese Flasche hier aber habe ich von den weinrebellen zum Geschenk erhalten, die genau diesen Rouchefer auch gerade vorrätig haben. Zu Agnes und René Mosse, diesem herrlich sympathischen Schlitzohr werde ich später mal etwas ausführlicher schreiben. Jetzt werde ich einfach weiter trinken.

Bei den weinrebellen für € 15,95

2004 – zehn Jahre später: Cornas, St. Estèphe und eine Spätlese

12/Dez/14 12:30 kategorisiert in: Cabernet Sauvignon, Merlot, Riesling, Syrah / Shiraz

Domaine du Tunnel/Stèphane Robert, Cornas Vin Noir, Vincent Paris Cornas Granite 60, Thierry Allemand Cornas Reynard
Bisher war es jedes Mal so, dass es in der Runde ein großes Oh! und Ah! gab, wenn ich Weine von der Nordrhône auf den Tisch gestellt habe. Das Erstaunliche ist, dass diese Weine oft fantastisch sind, dass die meisten Erzeuger dort zumindest eine gewisse Klasse haben, das überdurchschnittlich viele Weine geradezu sensationell gut und eigenständig sind und das man anfangen könnte zu weinen, wenn man dann die Preise sieht, für die diese Weine verkauft werden – und sie trotzdem nicht den Stand von gutem Bordeaux oder Burgunder haben, ja weit davon entfernt sind. Ein gutes Beispiel dafür ist der Granit 60 von Vincent Paris. Dieser Wein wird in der Weinhalle aktuell in zwei Jahrgängen für jeweils €34,- angeboten. Dort findet man gerade die Jahrgänge 2008 und 2012. Wir hatten in der Runde natürlich den 2004er. Ich glaube, die Meinung war einhellig, dass das ein großer Wein war. Und zwar einer, der dem teureren, aber im Vergleich zu Spitzengewächsen aus dem Burgund und dem Bordelais geradezu billigen Reynard von Thierry Allemand nicht nachstand. Wir reden hier über Weine, die meiner Ansicht nach irgendwo in der Skala zwischen 93 und 95 Punkten liegen könnten. Die Weine aus dem Cornas sind schon in ihrer Jugend wunderbar zu trinken, das Tannin ist häufig sehr fein, die Primäraromen sind meist sehr sexy weil neben der Frucht häufig Veilchen und auch schon Leder, rohes Fleisch und weißer Pfeffer mit einfließen. Dann verschließen sie sich oft ein paar Jahre und werden mit dem Alter immer elegant und tiefer und dichter. Ich würde sagen, sie reifen ein wenig wie Burgund und bei den Winzern, die ihr Handwerk verstehen, gibt es immer ein schönes Säuregerüst, das den Wein frisch bleiben lässt. Von der Struktur her sind sie angenehm leicht und selten marmeladig, wie einem das im Bordelais viel häufiger passieren kann. Im Gegensatz zu Bordeaux sind die Weine dabei auch nicht so gemacht, nicht so überelegant, nicht so geschliffen und rund. Cornas ist ein Gebiet von gerade einmal 100 Hektar. Also so viel wie es größere Grand-Cru-Classé-Weingüter alleine hinkriegen. Die Betriebe sind meist klein und arbeiten traditionell und sicher mit weniger Kellertechnik als die Kollegen aus dem Bordelais. Cornas, was aus dem keltischen stammt und gebrannte Erde heißt, ähnlich wie die nahegelegene Appellation Côte Rôtie, gehört zu den Cru-Appellationen an der Rhône. Im Gegensatz zu den anderen Appellationen der Nordrhône, wo traditionell auch kleine Mengen Roussanne und Marsanne in die Cuvée mit einfließen dürfen, besteht ein Cornas zu 100% aus Syrah.

Syrah_Onglet

Stéphane Robert hat 1994 seine ersten Weinberge in St. Joseph und St. Péray erworben und 1996 seine eigenen Domaine du Tunnel eröffnet. Noch im selben Jahr konnte er 1,5ha sehr guter Parzellen in Cornas pachten und später auf insgesamt 3ha in Cornas erweitern. Hier entsteht in besonders guten Jahren der Cornas Vin Noir. Der Wein der Parzellen, die früher dem Altmeister des Cornas, Marcel Juge gehörten, wird in kleinen Eichenfässern ausgebaut. Der Wein wirkt von den dreien am modernsten, was wahrscheinlich unter anderem auch genau an dem Umstand liegt, dass hier teils neue Barriques verwendet werden (auch wenn man es nicht direkt schmeckt) und vbis zu 60% entrappt wird. Der Wein wirkt ganz frisch und jung und schmeichelt geradezu mit seiner fruchtbetonten Art, in der sich Waldhimbeeren und Blaubeeren treffen, unterlegt mit dem typischen Cornas-Flair aus rohem Fleisch und Duft nach rohem Wildgeflügel. Dazu gesellt sich der ebenfalls schon angesprochene Duft von Veilchen.

Der Cornas Granite 60 von Vincent Paris wirkt dagegen etwas traditioneller – auch wenn der Winzer selbst jünger ist. Vincent hat bei einem weiteren Altmeister des Cornas gelernt, bei Robert Michel und bezeichnet Thierry Allemand als seinen Meister, als seinen Mentor. Das erklärt den Stil, wo eher altes, großes Holz eingesetzt wird und weniger entrappt wird. Daher ist der Wein in seiner Jugend – ähnlich wie später der Reynard – kantiger und unnahbarer. Jetzt aber, mit zehn Jahren hat sich der Wein schon deutlich geöffnet, wirkt aber natürlich immer noch blutjung. Auch wenn hier betörend viel Frucht mit im Spiel ist, wirkt der Wein doch deutlich steinig-mineralischer, kühler und neben den dunklen Früchten spielen hier Kirschen eine Rolle, Oliven und Leder. Wunderbar ist die Textur, das feinkörniger Tannin, die Präsenz am Gaumen, die Spannung und wieder Das Frische in Verbindung mit Mineralität.

Ähnlich tief und strukturiert kommt der Cornas Reynard von Paris‘ Sensei Thierry Allemand daher. Der Mann ist momentan definitiv Top oft he Pops im Cornas und die Weine sehr gesucht. Die Weine der alten Reben werden etwa zur Hälfte in gebrauchten Holzfässern und zur Hälfte im Edelstahl ausgebaut. Auch hier findet sich wieder dieses überaus feinkörnige Tannin, der Wein hat Grip, Fleisch, ist kraftvoll, würzig, pfeffrig und extrem lebendig und vibrierend und vielleicht noch einen Tacken komplexer als der Wein von Paris, etwas nachhaltiger, etwas tiefer in dieser Melange aus Oliventapenade, dunkler Frucht, rohem Fleisch, Pfeffer, Veilchen, einer salzigen Note und einer vielleicht leicht rostig-eisernen Komponente. Das waren drei wunderbare Weine an diesem Abend, die noch Jahre, vielleicht ein, zwei Jahrzehnte Spaß machen werden.

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Château Calon-Ségur St. Estéphe 3ième Grand Cru Classé, Château Cos d’Estournel St. Estéphe 2ième Grand Cru Classé, Château Montrose St. Estéphe 2ième Grand Cru Classé

Die Bordeaux haben dagegen weit weniger Spaß gemacht. Der Calon-Ségur noch am meisten, ja, doch, da war schon Lust auf ein zweites Glas vorhanden Bei Cos d’Estournel allerdings gar nicht, aber bei diesem Weinut hatte ich, ehrlich gesagt, noch nie Lust auf ein zweites Glas weil mir die Weine immer zu schwerfällig und überextrahiert vorkamen. Und der Montrose ließ hinter einer noch hohen, verschlossenen Mauer nur leicht erahnen, was mal aus ihm wird. Diese St. Estèphe-Weine zeigen sich gerade jetzt sehr maskulin, strikt, abwehrend, das Tannin wirkt beim Montrose noch ein wenig brutal, auch wenn es einem das Gefühl gibt, sich irgendwann zu integrieren – im Gegensatz zum Cos. Den Montrose sollte man dann einfach noch mal zehn Jahre im Keller liegen lassen, das hatte ich bei diesem Jahrgang zumindest nicht in diesem Ausmaß erwartet. Gott sei Dank hat der Calon-Ségur, der in der Klassifikation als Troisième Cru Classé Gut eine Klasse unter den anderen beiden liegt, den Frust nicht zu hoch werden lassen. Der Calon-Ségur präsentierte sich offener, runder, eigentlich sehr schön gereift, wenn auch noch mit einer leichten tanninigen Bitternote, die wohl irgendwann noch verschwinden wird. Ein kraftvoller Wein mit immer noch viel Frucht in Nase, dazu Vanille von durchaus modernem Holzeinsatz, etwas Zigarrenbox und Tabak, strukturiert am Gaumen und mit einer guten Länge. Doch, das ist schon schöner Stoff.

Die Speisebegleitung kam in diesem Fall übrigens beim Übergang vom Syrah zum Bordeaux. Filet und Onglet vom Galloway-Ochsen, kurz aber heftig angebraten, eine kleine Maillard-Reaktion auf dem ansonsten abgehangenen, rohen, köstlichen Fleisch eines Tieres, dem ich schon selber in die Augen geschaut hatte und das sein Leben auf einer Weide hinterm Haus des Freundes verbracht hat – unvergleichlich. Nur mit Fleur de Sel und schwarzem Kampot-Pfeffer gewürzt und von Rosmarin-Kartoffeln begleitet. Zum Syrah noch mehr als zum Bordeaux eine ganz fantastische Begleitung.

Pruem

Zum Abschluss eines langen Weinabends habe ich zum Käse eine leicht scharfe Quittenmarmelade gereicht, die ihre Note von etwas Ingwer und Pfeffer erhalten hat. Dazu eine Wehlener Sonnenuhr Spätlese aus dem Hause J.J.Prüm. Muss man dazu noch etwas sagen? Wunderbar gereift, harmonisch in der Balance zwischen Restzucker und Säure mit feiner Frucht und viel Vitalität. Besonders zur Rotschmiere ein Genuss.

Wunderbar zu trinken sind heute die 2004er Großen Gewächse, die haben zwar noch Zeit, aber es macht überhaupt nichts, wenn man sie jetzt öffnet. Noch viel mehr Zeit haben die Syrah aus dem Cornas, die gerade am Anfang ihrer Reife stehen. Aber, man kann sie jetzt (wieder) öffnen, sie können einem den Abend auf wunderbare Weise verschönern. Das schaffen Barolo und Bordeaux aus diesem Jahr jetzt noch nicht, besser Finger weg. Das ist keine umwerfende sondern eine schon antizipierte Erkenntnis, die an diesem Abend bestätigt wurde.

Hier gehts zum ersten Teil des Abends.


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