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Das Dekantieren und Karaffieren von Weinen

05/Feb/10 14:00 kategorisiert in: Abschweifungen

In meinem letzten Artikel schrieb ich, dass es dem Alzeyer Rothenfels von Axel Koehler durchaus gut tun würde, wenn man ihm Luft zuführen würde. Darauf bekam ich das Feedback eines Lesers, dass er dies mit Weißweinen noch nie gemacht habe. In der Tat ist dies nicht unbedingt üblich – hilft vielen Weinen aber bei ihrer Entfaltung.

Dabei sprechen wir dann vom Karaffieren des Weines. Das hört sich vielleicht etwas hochgestochen an, unterscheidet sich aber vom Dekantieren, was ja als Begriff bekannt ist und eigentlich dem Zweck dient, das Depot ungefilterter Weine in der Flasche zu lassen und den Wein nicht der Gefahr auszusetzen, durch diese teils bitteren Trübstoffe an Geschmack zu verlieren. Mir ist dies am Anfang meiner Beschäftigung mit Wein durchaus passiert. Da hatte ich – ich weiß es noch wie heute – von meinem Bruder eine Flasche 1982er Leoville Las Cases geschenkt bekommen, ihn irgendwann aus der Horizontalen des Kellers geholt und ihn eingeschenkt. Er schmeckte nicht sonderlich und die Partikel störten den Trinkgenuß. Das war im wahrsten Sinne des Wortes bitter und ist mir allerdings mit einem solchen Wein dann auch nur einmal passiert.

Man dekantiert am besten, indem man den Wein, den man trinken möchte, schon einige Tage vorher aus der horizontalen Lage des Weinregals in die Aufrechte stellt. Dann nimmt man sich eine Kerze und hält die Flasche bei Umgießen in die Karaffe mit dem Hals über das Licht, sodass man die Flüssigkeit genau beobachten kann. Bevor die ersten Partikel in den Dekanter gelangen, sollte man die Flasche zur Seite stellen. Dann kann durchaus einmal ein Siebtel des Weins in der Flasche bleiben.

Das Dekantieren führt darüber hinaus natürlich gleichzeitig zu einer Vermischung von Luft und Wein, der Wein kann im Dekanter atmen, er kann sich entfalten. Und dieses Atmen ist eben auch manchem Wein zuträglich, der kein Depot in der Flasche hat, und zwar sowohl rotem wie auch weißem Wein. Wenn man diesen dann umschüttet in einen Dekanter oder eine Karaffe, spricht man vom Karaffieren.

Die Wirkung dieser Vermischung des Weines mit Luft während des Umschüttens und die Zeit, die der Wein in der Karaffe bekommt, in der er eine größere Oberfläche hat, die mit der Luft korrespondiert, ist manchmal frappierend. Zum erstenmal ist mir dies bei den Weien von Nicolas Joly aufgefallen. Dieser empfiehlt, seine Weißweine schon einen Tag vor dem Genuss zu dekantieren – ein Sonderfall vielleicht, aber kein Einzelfall. Kürzlich schrieb ich über eine Silvaner-Probe mit Weinen von Horst Sauer und Hansi Ruck. Den Ruckschen Weinen hat dieses Karaffieren ausgesprochen gut getan. Was vorher archaisch und verschlossen im Glas dahindümpelte, entwickelte sich, entfaltete sich wie das Öffnen einer Blume im Schnelldurchgang.

Ich empfehle, das einfach mal auszuprobieren – mit einer Spätlese, einer Auslese oder mit Großen Gewächsen –, um mal zu testen, wie sich die Weine nach einer Stunde entwickeln, wenn sie aus einer Flasche kommen oder aus einer Karaffe.

Alzeyer Rothenfels Riesling 2008, Weingut Koehler, Rheinhessen

04/Feb/10 10:10 kategorisiert in: Abschweifungen, Bioweine, Riesling, Weiss, Deutschland

Es gibt Weine, die sind nicht unbedingt was für offizielle Verkostungen, die tun sich im Zweifel sogar auf Gastronomieweinkarten schwer – und sind trotzdem ausgezeichnet. Woran liegt es? Es liegt daran, dass sie erst am zweiten Tag so richtig aufdrehen oder nach längerer Zeit im Dekanter. Für Rotweine ist dies Verhalten bekannt. Bei Weissweinen wird aber oft ignoriert, dass auch dieses durchaus Zeit brauchen um Sauerstoff in sich aufzunehmen damit sie sich entfalten können.

Der Alzeyer Rothenfels von Axel Koehler ist so ein Wein. Zunächst nämlich wird man die Perle im Innern kaum finden. Der Wein wirkt streng, zurückgezogen, fast mürrisch. Man muss ihn erst zähmen. Die Zeit muss ihn zähmen. Gibt man ihm die Stunden eines Tages, wird er sich öffnen. Er behält seinen eigenen Charakter, aber er kommt näher. Aromen von gelben Früchten, vielleicht Mirabellen, entwickeln sich genauso wie leicht tropische Aromen. Dabei wird der Wein weicher und in einem sehr angenehmen Sinne opulenter und gleichzeitig filigraner. Geht das? Ja, das geht. Denn zum einen wird der Wein deutlich voluminöser und die Aromen öffnen sich, zum anderen wird das Wechselspiel zwischen Frucht und Säure klarer, salzige Mineralik kommt hinzu und der Abgang wird immer länger.

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Es ist Axel Koehlers Riesling-Prunkstück im Keller. Er, der erst seit ein paar Jahren unter eigenem Namen vinifiziert – ich sprach es schon hier an –, schafft hier einen Cru, der manch Großem Gewächs heftige Konkurrenz machen dürfte. Der Riesling stammt von Kalkmergel-Böden, die Ernteausbeute liegt bei unter 35 hl pro Hektar. Die Kellerarbeiten sind geradezu bewusst archaisch: keine Temperaturkontrolle während der Spontanvergärung, Nutzung alter Stückfässer bzw. Steingutbehälter.

Alzeyer Rothenfels Riesling 2008, Weingut Koehler, Rheinhessen, 15,90 Euro bei originalverkorkt

VDP Tour Grosses Gewächs in Köln

02/Feb/10 21:19 kategorisiert in: Abschweifungen, Also jetzt mal ehrlich…, Mixtouren

Vorgestern waren wir in Köln. Genauer gesagt im Vintage. Dort bot der Verein der Prädikatsweingüter (VdP) Fachpublikum von 14 Uhr bis 17 Uhr die Möglichkeit, die Großen Gewächse von der Nahe, aus Rheinhessen, aus der Pfalz und von der Ahr zu verkosten. Wir dachten, wir kommen mal sehr pünktlich, letztes Mal war es ja so voll und da wird es dann schwierig, konzentriert zu verkosten. Um zwei Uhr hatten wir unser Glas und unseren Notizblock auf einen der Stehtische gelegt und begannen, die GGs von Bassermann-Jordan zu begutachten.

Zehn Minuten später standen auf der anderen Hälfte des Stehtisches sechs Gläser einer Gruppe von Weinliebhabern, die ganz natürlich zunehmend den Stehtisch okkupierten, weil neben den sechs Gläsern auch noch Platz für die drei Blöcke sein musste. Dazu standen dort eine Flasche Wasser, ein Spucknapf und zwei Kerzen, die immer wieder angezündet wurden, nachdem wir sie, weil störend, ausgeblasen hatten.

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Weitere zehn Minuten später war die untere Etage des Vintage zum Bersten gefüllt, ich vermisste schmerzlich meine Ohrenschützer und leichtere Kleidung. Die kleinen Spucknäpfe, ich habe insgesamt 12 gezählt für ca. 600 Leute, waren alle Nasen lang voll, verschwanden dann zwecks Entleerung oder wurden, während wir uns einen Wein vom nächsten Winzer holten, einfach entwendet, weil man sie woanders brauchte. An die ausgestellten Weine kam man kaum noch heran, weil viele während der Verkostung der verschiedenen Lagen einfach penetrant vor den Winzertischen herumlungerten, statt sich in die Tiefe des Raums zurückzuziehen.

Es dauerte nicht lange, bis wir den Eindruck hatten – was von zahlreichen Äußerungen untermauert wurde –, dass viele eh nur zum Saufen da waren.

In der oberen Etage war es zwar dann ruhiger, dafür hatte man sich den Witz einfallen lassen, in der offenen Showküche so was wie Lauchkuchen zuzubereiten. Lauch! Jenes Gemüse, das bekannt dafür ist, eine fantastische olfaktorische Symbiose einzugehen mit filigranen Rieslingen aus Rheinhessen.

Auch oben bildeten sich zunehmend Gruppen von Menschen – die Anzahl an Frauen in Dreiergruppen mit ähnlichem Aussehen: Polo-Ralph-Lauren-Bluse, blondiertes Haar, Sonnenbankbräune mit Cremeschimmer war auffällig hoch –, die eher zum, sagen wir mal, Lustwandeln vor Ort waren. Bei uns am Tisch stand ein urkölsches Paar, welches sich von Minute zu Minute immer schwerer auf dem Tisch abstützte, während abwechselnd neue Getränke geholt wurden, wobei sich der Aktionsradius zunehmend verringerte.

Ach so, ja. Nach anderthalb Stunden haben wir die Veranstaltung dann verlassen. Es waren wirklich schöne Weine dabei, glaube ich.

Vielleicht sollte man das Konzept der Tour noch mal überdenken. Nur so, als Anregung.

Drei Weine aus dem Bierzo – 2. Cuatro Pasos 2008, Bodega Martín Codáx

02/Feb/10 11:47 kategorisiert in: Mencia, Rot, Spanien

Im gesamten Auftritt wirken die Weine der Genossenschaftskellerei Martín Codáx, deren Name auf einen galizischen Troubadour des 13. Jahrhunderts zurückgeht, deutlich gewandter als der Wein mit der Hand auf dem Etikett. Die vier Tapsen eines Bären, der wohl mal durch den Weinberg gewandert ist und seine Spuren hinterlassen hat, sind der Namensgeber für diesen Wein, Cuatro Pasos.

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Er macht viel Spaß, muss ich sagen, weil hier die Würze der Mencia hervorragend harmoniert mit der Mineralität des Schiefers und dem Duft und Geschmack roter Früchte. Obwohl mit 13,5 % mehr Alkohol als La Mano, wirkt der Wein leichter, deutlich feiner, was überrascht nach dem ersten Eindruck dieses tief violetten Tropfens. Auch dieser Wein wurde drei Monate in Barriques gesteckt, allerdings dürften diese schon etwas länger im Gebrauch sein, weniger getoastet oder nicht aus amerikanischer Eiche hergestellt sein –vermute ich mal; denn der Holzton wirkt nur schwach, gibt dem Wein aber ein gute mittelkräftige Struktur.

Cuatro Pasos 2008, Bodega Martín Codáx, ca. 7,80 Euro

Siefersheimer Heerkretz 2008, Riesling Spätlese, Wagner-Stempel, Rheinhessen

Was bei Daniel Wagner neben den ausgezeichneten trockenen Gewächsen schnell untergeht, sind die wenigen fruchtigen Spätlesen, Auslesen und auch Beerenauslesen. Dabei sind diese um keinen Deut schlechter – was sich bei der fruchtigen Spätlese vom Siefersheimer Heerkretz zeigt. Da ist viel Frucht, schon in der Nase finden sich sattes, vollreifes Steinobst und Limetten. Dann dringt der Geruch von nassem Stein durch, verbunden mit einer gewissen Würze.

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Während draußen bei ordentlicher Kälte weiterhin dicke Flocken fallen, wärmt dieser Wein das Herz. Lange bleibt diese herrlich satte Frucht präsent. Auch am Gaumen ein markantes Gemisch aus warmer Frucht von reifen Mangos, Aprikosen und etwas Bitterorangen. Dazu gibt es Gewürze, Kräuter und leicht salzige Minerale und eine gute Länge. Fein!

Siefersheimer Heerkretz 2008, Riesling Spätlese, Wagner-Stempel, Rheinhessen, 14,50 Euro

Drei Weine aus dem Bierzo – 1. La Mano Mencia Roble 2007, Vinos de Arganza

28/Jan/10 22:06 kategorisiert in: Mencia, Rot, Spanien, Rotweine

Es ist noch nicht allzu lange her, da habe ich zum ersten Mal einen Wein aus dem nordspanischen Bierzo getrunken. Der Wein namens Petalos, vinifiziert vom Palacios-Clan, hier beschrieben, besteht aus 100 % Mencia. Mencia wird auf über 11.000 Hektar in Galizien und  Kastilien angebaut und normalerweise verwandt mit der portugischen Jaen du Dao. Allerdings gibt es in Galizien auch Cabernet Franc, der ebenfalls als Mencia bezeichnet wird, wohl aber in weitaus geringerem Maße.

Mir scheint, dass das Bierzo eine der kommenden Regionen in Spanien ist; denn mindestens zwei Tatsachen machen es interessant. Zum einen, weil die Mencia durchaus komplexe, aromatische, langlebige Weine hervorbringt, zum anderen, weil diese Region nicht so durchhitzt ist wie so einige andere Regionen in Mittelspanien oder Südspanien, wo sehr viel häufiger Weine produziert werden, die zu fruchtsüß und fett wirken. Denen genau das fehlt, was es im Bierzo gibt: Kühle und Mineralik. Denn hier liegt Schiefer und der soll dem Wein ja durchaus gut tun.

Bei meiner kleinen Alltagswein-Bierzo-Probe – es gibt durchaus Vertreter aus diesem noch weithin unbekannten Land, die über 50 Euro kosten – habe ich mit einem Wein begonnen, der unter 6 Euro kostet und, wie so viele Spanier in der letzten Zeit, von Parker 90 Punkte bekommen hat mit dem Hinweis, man solle sich mit diesem Best Buy die Keller vollstopfen. Na ja. Ich habe den Eindruck, dass ich dies mittlerweile allzu oft lese.

Der La Mano von Vinas de Arganza, die von Axialvinos vertrieben werden, die wiederum auch Weine vertreiben aus Calatayud, Ribera del Duero, Rueda, Rioja und Navarra, Somontano, Campo de Borja, La Mancha und Carinena, jedenfalls wirkt dem Etikett nach auch erst mal ein wenig günstig, ein wenig oldschool, zumindest, wenn man andere Weine wie die später beschriebenen daneben stellt.

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In der Nase aber dreht der Wein auf, verströmt seinen satten Holunderton, durchmischt mit Gewürzen, etwas Süße und etwas Vanille. Am Gaumen merkt man, dass der Wein einige Monate im Barrique hinter sich hat, man spürt das Holz und wiederum die Vanille amerikanischer getoasteter Eichenfässer. Auch hier satte Frucht dunkler Beeren, Würze und Wärme. Vielleicht ein wenig zu warm wirkend, etwas zu konzentriert, er macht leicht satt, obwohl er angenehm moderate Alkoholwerte hat die bei 12,5 % liegen. Der Wein wirkt nicht übertrieben, das ist eher Mainstream, aber gar nicht schlecht. Durchaus eine Empfehlung für die Abteilung günstiger Alltagsweine.

La Mano Mencia Roble 2007, D.O. Bierzo, 5,90 Euro

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