Der Grand Prix der Großen Gewächse 2021 – Teil 5

Willkommen zum Teil 5 der Betrachtung der Großen Gewächse des VDP, die zum 1. September 2021 veröffentlicht worden sind. Es geht um die Pfälzer Rieslinge und jene aus Württemberg.

Riesling aus der Pfalz

Da ich in Teil 4 mehr oder weniger mit Battenfeld-Spaniers Zellerweg am Schwarzen Herrgott geendet habe, macht es Sinn, beim Zell Schwarzer Herrgott 2020 Riesling von Philipp Kuhn fortzufahren. Der Riesling bietet in der Nase Rauch und Stein, wirkt angenehm kühl und leicht zitrisch. Das bestätigt sich auch am Gaumen, wo er sich sehr frisch mit noch ganz leichter Kohlensäure zeigt. Der Riesling ist hell saftig, recht druckvoll mit einer gelungenen Mischung aus Kargheit und Saftigkeit. Dabei überzeugt die Länge, die auskleidende Textur und die animierende Salzigkeit. Der Laumersheim Steinbuckel 2020 Riesling von Philipp Kuhn zeigt sich auf demselben hohen Niveau, allerdings mit einer etwas anderen Ausrichtung. In der Nase bietet er etwas Holz und Rauch, etwas Zitrone und Ananas und wirkt leicht cremig. Am Gaumen ist er angenehm saftig und leicht cremig mit einer Mischung aus Zitrusfrüchten von grün über gelb und orange, herb, etwas Steinobst, kreidiges Gestein mit einer gelungenen Grundstruktur und sehr guter Länge. Beim Laumersheim Kirschgarten 2020 Riesling Philipp Kuhn war ich nicht ganz so überzeugt. In Der Nase bot sich vor allem eine herbe Phenolik, am Gaumen wirkt er etwas wässrig und bei weitem nicht so druckvoll und pikant wie der Steinbuckel. Der Kallstadt Saumagen 2020 Riesling Philipp Kuhn bietet diesen Druck wieder. Allerdings hatte ich in der Nase eine leicht vegetabile Note und das Gefühl, dass der Wein in der Mitte des Gaumens ein wenig in sich zusammensackt. Insofern bleibt hier der Eindruck ein wenig zweischneidig.  Der Dirmstein Mandelpfad 2019 Riesling Knipser wirkt in der Nase etwas reduziert, leicht herb, angenehm, aber schwer zu greifen. Am Gaumen wirkt er zunächst recht saftig und angenehm herb, dann aber auch etwas schwach am Gaumen und leicht austrocknend. Der Laumersheim Steinbuckel 2019 Riesling Knipser bietet in der Nase ein leichtes Petrol zusammen mit hellem, weißfleischigem Obst. Am Gaumen wirkt er etwas unpräzise in der Frucht, recht steinig, etwas erdig und leicht herb. Das ist nicht schlecht, begeistert mich aber auch nicht. Deutlich mehr Begeisterung kam auf beim Kallstadt Saumagen 2020 Riesling von Rings. Das wirkt zunächst recht blüten- und kräuterduftig mit reifem gelbem Kernobst im Hintergrund, das sich dann auch zusammen mit einiger steinigen Würze und etwas Kumquat in den Vordergrund schiebt. Am Gaumen wirkt der Wein sehr saftig mit einer pikanten Bitternote und einer bemerkenswert straffen, puren Säure und viel Energie samt leichter Salzigkeit. Vor allem aber hat der Riesling Substanz, Dichte und Druck. Das ist hervorragend. Der Ungstein Weilberg 2020 Riesling Rings wirkt deutlich zurückhaltender und auch nicht so komplex. Und doch, am Gaumen wirkt es saftig und hell, zitrisch und leicht kalkig, druckvoll und kühl mit wenig Frucht und recht viel Zug. Trotzdem fehlt mir hier eine gewisse Vielschichtigkeit. Apropos Ungstein … der Ungstein Weilberg 2020 Riesling Pfeffingen wirkt fruchtig mit viel Kernobst und Mirabellen, Cassis und etwas Stachelbeere. Am Gaumen wirkt das reif, fruchtig, saftig etwas exktraktsüß mit Bitter Lemon. Da hat man ein Maul voll Wein mit pikanten Noten im Finale und einem sehr angenehmen Druck. Das macht auf jeden Fall jetzt schon Spaß. Der Ungstein Herrenberg 2020 Riesling Pfeffingen wirkt ein wenig vegetabil mit Noten von Cassis, Stachelbeere und Limette. Am Gaumen zeigt sich wieder etwas Bitter Lemon und weiße Beeren. Der Wein wirkt leicht kreidig, leicht salzig und trinkanimierend. Färbt beim Pfälzer Meister der Scheurebe ein wenig was von deren Charakter auf den Riesling ab? Zumindest sind das zwei sehr schöne Weine. Bei den drei GGs von Karl Schaefer haben mich der Bad Dürkheim Michelsberg 2019 Riesling Karl Schaefer mit einer guten Säure und einer gewissen Balance und der Ungstein Weilberg 2019 Riesling Karl Schaefer mit seiner Mischung aus Pfälzer Klassik und der animierenden Säure überzeugt. Das wirkt sehr cremig und reif mit viel Pfälzer Frucht. In der Nase wirkt das elegant, am Gaumen dann recht extraktsüß mit viel Bitter Lemon. Aber es ist saftig, mit animierender Säure, leicht pikant, etwas petrolig, dann wird es leicht gemüsig und es fehlt die Länge. Der Ungstein Herrenberg 2019 Riesling Karl Schaefer wirkte schon recht weit in seiner Reife, hat keine Kanten, wirkt wässrig und es fehlt der Säuredruck. Insgesamt mangelt es hier ein wenig an GG-Niveau. Das Gleiche kann man auch bei Fitz-Ritter feststellen. Der Bad Dürkheim Michelsberg 2020 Riesling Fitz-Ritter zeigte in der Nase etwas Pfirsichcreme, etwas Holzananas mit Schärfe und auch am Gaumen Pfirsichcreme bzw. eher einen Fruchtzwerg, etwas Süße, hinten raus recht viel Holz. Der Ungstein Herrenberg 2020 Riesling Fitz-Ritter bot reifes Obst mit viel Melone und wirkte am Gaumen seidig und süß, rund, mit etwas Melone und Pfirsich und einer gewissen Hitze.

Arbeit unter Corona-Bedingungen. ©VDP.Peter Bender

Was nun folgte war teils schon recht frustrierend. Zwar werden einige Weine der folgenden erwähnten Weingüter anderswo auch gut oder sehr gut bewertet aber ich stand mit meiner folgenden recht harschen Kritik nicht alleine da. Ich habe das Gefühl, dass Forst und Deidesheim massiv unter der Wärme und Trockenheit der letzten Jahre gelitten haben und gerade die konventionell arbeitenden Betriebe damit ein Problem bekommen haben, das im Keller durch verschiedene unkonventionelle Ansätze überdeckt werden sollte: Aufsäuerung? Mehr neues Holz? Aufgerührtes Hefelager? Biologischer Säureaabau?   

Die Weine von Acham-Magin wirkten jedenfalls sehr rund, sehr weich, sehr fruchtig. Es mangelte mir an Säure, die Weine wirkten oft laktisch, es gab auch hier viel Bitter Lemon, vor allem aber viel Pfirsich, der teils so gleich schmeckte über verschiedene Lagen hinweg, dass er mehr an Aromahefe als an Frucht erinnerte. Das soll keine Unterstellung sein, mir kam es aber so vor. Beim Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan hatte ich häufiger mit UHU zu tun, ebenso mit Holz und Ananas sowie laktischen Noten von Fruchtzwergen. Bei Georg Mosbacher habe ich mir mehrfach notiert: rund, weich, Holz mit Pfirsich, Orangendrops, Säure steht total daneben. Tatsächlich wirkten die Weine auf mich recht aufgesäuert und unfertig. Beim Reichsrat von Buhl scheint die beste Zeit auch vorbei zu sein. Das wurde schon im letzten Jahr mit den 2018ern deutlich, die 2019er Weine wirkten uninspiriert, teils schon petrolig, oft leicht bitter und süß zugleich und sehr unharmonisch am Gaumen.

Beim Forster Jesuitengarten habe ich dann bei „Hauptsache Wein“ auf Facebook geschrieben: Frustrierendster Flight bisher bei den VDP GGs: Forster Jesuitengarten. Bitter Lemon, Fruchtzwerg mit Pfirsichgeschmack, Holz mit Ananas, Holz mit Pfirsich. Gefühlte Aufsäuerung. 

Das lag auch daran, dass dort kein Wein von Dr. Bürklin-Wolf im Flight zu finden war, der das Ganze hätte herausreißen können. Zwar wirken die Weine noch recht unfertig, aber eben auch ganz anders als der Rest, nämlich total präzise und fokussiert. Der Forst Pechstein 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf zeigte sich entsprechend recht reduziert im Duft, pikant, leicht herb und steinig, etwas Apfelschale und Grapefruitschale mit Rauchmalz. Am Gaumen ist dieser Wein hell und glockenklar, saftig, leicht herb, leicht phenolisch zum Ende hin immer druckvoller und steiniger werdend mit einer immensen Mineralität und einer hervorragenden Säurestruktur. Das wird mal sehr groß. Der Forst Ungeheuer 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf ist in der Nase ein scheues Reh und duftet nur ganz dezent. Dich am Gaumen zeigt er schon einiges von dem, was man auf Dauer erwarten kann. Das wirkt sehr transparent, herb, steinig, mit mehr Schale als Frucht, mit viel würze und einem angenehmen Schmelz, durch den sich aber mit Macht die Säure einen Weg bahnt. Auch das wirkt exzellent werden. Ebenfalls zu den besten Gewächsen der Pfalz gehört der Deidesheim Langenmorgen 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf. Fein, fast zart zunächst, weißfleischig und leicht cremig, blütenduftig, fast schwebend mit einer feinen Extraktsüße, einer reifen aber lebendigen Säure und Salzigkeit im Finale. Auch das wird exzellent werden. Schließlich habe ich noch probiert den Ruppertsberg Reiterpfad-In der Hohl 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf der wiederum sehr zurückhaltend wirkte in der Nase, leicht phenolisch, tabakig, steinig, nussig und leicht rauchig. Am Gaumen dann ist das ein Steinwein, sehr transparent, kühl klar, völlig auf dem Stein mit Erde und Austernschale. Das ist fest gewirkt und braucht viel Zeit. Doch auch hier schimmert die Eleganz durch. Beim Ruppertsberg Gaisböhl 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf finde ich eine jodige und tonische Note samt Apfel, Apfelschale und Nüssen. Am Gaumen wirkt der Wein saftig und klar, noch zurückhaltend, leicht steinig und erdig, fest und lang. Das war schon ein tolles Aufgebot. Schade, dass man bei Dr. Bürklin-Wolf so krass an der Preisschraube gedreht hat. Bei den Weinen von Dr. Bürklin-Wolf hätte ich mir gerne noch mal einen Tag später viel Zeit genommen.

Paula Redes Sidore, mein Chief Editor des Trink Magazins in tiefer Kontemplation. © VDP.Peter Bender

Bei den Christmanns hatte ich dieses Glück, denn die Weine wirken fast leise nach den Fruchtweinen aus Deidesheim und Forst. Zunächst aber noch ein Zwischenspiel mit dem Ruppertsberg Reiterpfad-Achtmorgen 2020 Riesling Bergdolt – Klostergut St. Lamprecht. Der wirkt in der Nase schön duftig mit Blüten, reifem Obst und etwas Zitrone. Am Gaumen zeigt sich der Wein vergleichsweise schlank, saftig und frisch. Der Königsbach Idig 2020 Riesling A. Christmann läutet den aktuellen Jahrgang von Steffen Christmann ein. Der Wein zeigt eine freundliche und zugewandte Nase mit cremiger Birne, Gestein und Blüten. Das ist ein ruhiger Pfad mit einer ganz leicht apfelschaligen Oxydationsnote und ein wenig Tabak im Hintergrund. Am Gaumen wirkt der Idig zunächst fein gewirkt, saftig und sehr freudvoll zugewandt, dann nach kurzer Zeit immer steiniger und kraftvoller werdend; der Boden schimmert durch, Jod, Salz, das steckt eine tiefe Kraft und Substanz im Untergrund, die sich weit ins lange Finale zeiht. Der Königsbach Ölberg-Hart 2020 Riesling A. Christmann ruht ebenso in sich wie der Idig. Er wirkt frisch und saftig mit heller Frucht, ein wenig Rauch, Grafit und Stein. Am Gaumen zeigt sich der Wein etwas runder und wärmer im ersten Moment, dann aber leicht herb, steinig, ebenfalls leicht jodig, zitrisch mit der Säure und dem Druck am Gaumen, der aktuell bei vielen Weinen einfach fehlt. Die Gimmeldingen  Meerspinne 2020 Riesling A. Christmannverdient ihren Namen, denn da hat man das Jodige und die frische Brise schon in der Nase. Hinzu kommt ein leichter Ton von oxydiertem Apfel, dann auch Stein, Kräuter, eher zitrische Noten, etwas herbe nussige, walnussige Noten. Am Gaumen wird es saftig und hell, durchaus fordernd, zitrisch samt der passenden Säure, steinig, sehnig geradezu mit guter Länge und Dichte. Zum ersten Mal dabei ist der Neustadt Vogelsang 2020 Riesling A. Christmann. Der wirkt zunächst dunkler, schwärzer, etwas öliger. Dazu gibt es ein wenig gelbe Frucht, aber auch herbe zitrische Noten, etwas Abrieb, etwas Nuss. Am Gaumen wird es sehr frisch, klar, druckvoll und präsent, fast karg, kühl, fast drahtig, fordernd, nussig, leicht tabakig, mit viel Stein und etwas Erde. Was für ein exzellenter Einstand! 

Der 48. Flight begann mit dem Haardt Bürgergarten „Im Breumel“ 2020 Riesling von Müller-Catoir. Der wirkte hell, durchaus fordernd, leicht steinig, zitrisch und am Gaumen aktuell noch etwas zu limonig, aber saftig, frisch und kalkig Riesling mit Kraft und leichter Finesse sowie einigen dunklen Gesteinsnoten. Der Burrweiler Schäwer 2020 Riesling Theo Minges vom in der Pfalz so seltenen Schiefer (Schäwer) wirkt steinig, kräutrig und leicht ätherisch mit Minze. Am Gaumen zeigt er sich transparent und klar, vielleicht etwas wässrig und dabei zunächst recht rund, dann taucht eine typische Schiefernote auf, es wird leicht limonig im Finale und etwas brennend. Der Gleisweiler Hölle – Unterer Faulenberg 2020 Riesling Theo Minges gefällt mir da besser. Der ist zwar in der Nase auch leicht süß limonig, aber auch kräutrig und steinig. Am Gaumen wirkt er ebenfalls leicht extraktsüß, dann saftig recht herb und druckvoll. Auch die Brüder Rebholz geben einen neuen Einstand mit dem Schiefer-Riesling Burrweiler Schäwer 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz. Der wirkt kühl und steinig mit Limetten, aber ohne Süße, mit Minze, Nussschale und leicht vegetabilen Noten. Am Gaumen ist das saftig hell, recht rund, aber lebendig, sehr trocken mit frischen, herben Limetten und Stein. Das ist druckvoll und lang und sehr gut! Der Siebeldingen Im Sonnenschein 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz bietet eine feine, finessenreiche Nase von Kräutern und etwas Selleriegrün, einer ganz leicht süßen, reifen Frucht mit einem reifen, saftigen Apfel. Am Gaumen wirkt das ebenfalls saftig und nicht so furztrocken wie sonst. Daher gibt es jetzt schon mehr Trinkfluss. Der Wein ist trotzdem herb, kraftvoll und balanciert. Der Siebeldingen „GANZHORN“ im Sonnenschein 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz wirkt ebenfalls limettig und leicht steinig, aber auch mit reifer Kernobstfrucht, etwas nussig und ausgestattet mit ein paar roten Beeren. Am Gaumen wirkt er wiederum saftig, frisch, hell, mit einer recht runden Säure aber lebendig, trocken, herb mit viel Stein. Der Birkweiler Kastanienbusch 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz schert da deutlich aus. Der Wein bietet etwas Reduktion, nassen Stein und Petrichor. Am Gaumen wirkt er herb und kühl wie ein Fluss von heller, zitrischer Säure mit vielen Steinen, grünen und ebenso gelben Noten. Hier gibt es viel Zitronenabrieb. Der Wein wirkt glasklar, ohne Kompromisse und zudem leicht salzig. Wieder mal ein Monument. Der Birkweiler  Kastanienbusch 2020 Riesling Dr. Wehrheim ist ebenfalls ein toller Wein, kickt mich aber nicht ganz so wie im letzten Jahr. Er duftet herb, hell, zitrisch zwischen grün und gelb, mit vielen Kräutern, viel Stein und zerstoßener Kreide. Am Gaumen wirkt er runder und weicher als Rebholz, ebenfalls etwas süßer und limonadiger, aber gleichzeitig auch lebendig, agil und mineralisch. Der Birkweiler Kastanienbusch „Köppel“ 2020 Riesling Dr. Wehrheim zeigt sich mit Noten von Sauvignon Blanc, etwas Tomatenblatt, Brennnessel, Cassis und Stein. Am Gaumen mit ähnlichem Empfinden mit kreidiger Textur, etwas Süße, vielen grünen Noten, und einem ziemlich süffigen Gesamteindruck.

In Leinsweiler bietet Siegrist den Sonnenberg 2020 Riesling Siegrist an, der sich recht kühl und trocken, angenehm saftig und mit Säuredruck zeigt. Hier finden sich helle, klare apfelige und zitrische Aromen. Der Schweigen Sonnenberg 2020 Riesling Bernhart zeigt etwas Holz, Pfirsich und Wärme. Am Gaumen wirkt das wie eine Holz-Frucht-Melange, mit einer durchaus lebendigen Säure, einer leichten Bissigkeit vom Holz und einem ganz guten Druck. Das wirkt noch etwas unausgewogen. Sehr gut gefallen haben mir die beiden weine von Kranz. Der Ilbesheim Kalmit 2020 Riesling Kranz wirkt im Duft leicht vegetabil, etwas weißfleischig und leicht rauchig. Am Gaumen zeigt er sich kühl, saftig, leicht sehnig, zitrisch gelb und grün, rassig und  fordernd. Der Ilbesheim Kirchberg 2020 Riesling Kranz zeigt sich noch ein bisschen transparenter, klar, saftig und hell, steinig, trocken, bemerkenswert druckvoll und lang. Das ist für mich eine schöne Überraschung zum Schluss. 

Kollegen bei der Arbeit. v.l.n.r: Felix Bodman, der Schnutentunker; Götz Drewitz, Stuart Pigott; ©VDP.Peter Bender

Riesling aus Württemberg

Weiter ging es mit einer kleinen Rehe württembergischer Rieslinge. Der Schwaigern Ruthe 2020 Riesling von Graf Neipperg wirkt zunächst recht lebendig weißfleischig und zitrisch aber riecht nach meinem Geschmack etwas zu plakativ nach Reinzucht, zudem leicht vegetabil wie bei traditionellen Silvanern. Am Gaumen bleibt es leicht vegetabil, dazu wirkt der Wein recht obstig und etwas langweilig. Der Neipperg Schlossberg 2020 Riesling Graf Neipperg zeigt sich da etwas handfester, etwas herber mit leichtem Zitrusabrieb, erdiger Würze und cremigen Noten. Am Gaumen wirkt er seidig, saftig, leicht süß, recht hell in der Frucht, sehr rund, lebendig, bietet aber wenig Widerstand. Der Pfaffenhofen Mühlberg 2019 Riesling Wachtstetter zeigt etwas UHU, weißfleischiges Obst und ein wenig reife Zitrone. Am Gaumen wirkt er echt seidig, auch hier findet sich etwas Klebstoff und eine Zitronendropssüße. Den Untertürkheim Gips Marienglas® 2020 Riesling Aldinger wirkt leicht rauchig mit Salzzitrone und etwas Papaya, leicht herb und spannend. Am Gaumen zeigt er sich zunächst recht rund mit der typischen reifen Säure des Jahrgangs und einer reifen fleischigen und saftigen Frucht. Der Wein wirkt aktuell etwas brav und kriegt noch nicht den richtigen Dreh und überzeugt mich noch nicht so wie 2018 und 2019. Der Fellbach Lämmler 2020 Riesling Aldinger duftet nach Lemoncurd und wirkt leicht pikant, am Gaumen wirkt er sehr transparent in der hellen Frucht, recht rund, seidig, mit angenehmer Cremigkeit. Das ist ein schmeichelnder Riesling mit feiner Pikanz und guter Länge. Der Fellbach Lämmler 2019 Riesling Rainer Schnaitmann wirkt leicht herb, phenolisch mit einer Note von Risig und Nüssen. Am Gaumen wirkt er recht rund aber mit einem leichten phenolischen und texturellen Widerstand, etwas Standzeit sorgt hier für etwas mehr Grip als bei den bisherigen Rieslingen. Er ist saftig, hell und pikant, leicht herb, fest und lang. Der Uhlbach Götzenberg 2019 Riesling Rainer Schnaitmann wirkt sehr duftig mit weißen Blüten, etwas Stein und Erde. Am Gaumen ist der Wein saftig, leicht herb, stoffig mit leicht erdigen Noten, etwas Nuss, angenehm pikant mit leichtem Druck und Schub. Der Wein wirkt ausgewogen aber auch fordernd, nicht ganz so prägnant wie im Jahr zuvor aber gelungen. Der Stetten Pulvermächer 2019 Riesling Karl Haidle bietet eine leicht vegetabile Note, ein wenig UHU und eine überreife Melone. Am Gaumen zeigt der Wein einen ganz guten Druck, wobei die Säure etwas neben dem Rest steht. Es zeigt sich eine helle, teils zitrische Frucht. Insgesamt wirkt der Wein trocken, leicht salzig und mundwässernd. Der Stetten Pulvermächer 2020 Riesling Heid wirkt leicht rauchig und erinnert mit Stachelbeere und weißem Cassis etwas an Sauvignon Blanc. Am Gaumen wirkt der Wein saftig, hellfruchtig mit Zitrusfrüchten und Steinobst im eher grünen Bereich. Auch hier gibt es wieder weiße Beeren, der Wein wirkt leicht salzig, mundwässernd und balanciert. Der Schnait Altenberg 2020 Riesling Jürgen Ellwanger wirkt sehr zurückhaltend, man findet ein wenig weißfleischiges Kern- und Steinobst. Am Gaumen wirkt der Wein saftig und frisch mit leicht grünen Noten, recht fruchtig aber auch trocken und pikant. 

Kurzes Fazit

In der Pfalz fing es rund um Laumersheim und Kallstadt sehr gut an, dann gab es in Forst und Deidesheim zwei Welten. Die von Dr. Bürklin-Wolf und den Rest, der in diesem Jahr viel mehr nach Kellertechnik schmeckte als nach irgendetwas anderem. Ich habe großen Respekt vor den Winzerinnen und Winzern, die all diese Weine erzeugen und will auch nicht despektierlich erscheinen, aber das fand ich schon teils sehr schwach. Und die Anhäufung der Begriffe „Bitter Lemon“, „Fruchtzwerg“ und „Holz mit Ananas“ war schon frappant, auch wenn sich Bitter Lemon in all den Tagen immer wieder zeigte. Besser wurde es dann wieder ab Ruppertsberg und nach der hervorragenden Kollektion von Dr. Bürklin-Wolf folgten die von Christmann und Rebholz, die ebenfalls begeisterten. In Württemberg gehörte die präsentierte Kollektion nicht unbedingt zu den Highlights, da war ich von den letzten beiden Jahren stärker angetan.

Die aktuell besten Weine

Kallstadt Saumagen 2020 Riesling von Rings

Neustadt Vogelsang 2020 Riesling A. Christmann

Königsbach Idig 2020 Riesling A. Christmann

Birkweiler Kastanienbusch 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz 

Burrweiler Schäwer 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz

Deidesheim Langenmorgen 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf

Forst Pechstein 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf

Sehr empfehlenswert

Zell Schwarzer Herrgott 2020 Riesling von Philipp Kuhn

Laumersheim Steinbuckel 2020 Riesling von Philipp Kuhn 

Ungstein Weilberg 2020 Riesling Pfeffingen 

Siebeldingen „GANZHORN“ im Sonnenschein 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz 

Siebeldingen Im Sonnenschein 2020 Riesling Ökonomierat Rebholz 

Gimmeldingen Meerspinne 2020 Riesling A. Christmann 

Königsbach Ölberg-Hart 2020 Riesling A. Christmann 

Ruppertsberg Reiterpfad-In der Hohl 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf 

Forst Ungeheuer 2020 Riesling Dr. Bürklin-Wolf 

Ilbesheim Kirchberg 2020 Riesling Kranz 

Birkweiler Kastanienbusch 2020 Riesling Dr. Wehrheim

Stetten Pulvermächer 2020 Riesling Heid 

Uhlbach Götzenberg 2019 Riesling Rainer Schnaitmann 

Überraschungen?

In der Pfalz waren es die beiden Weine von Kranz, in Neustadt Vogelsang von Christmann und der Burrweiler Schwär von Rebholz, einfach, weil sie neu sind und auf sehr hohem Niveau eingestiegen sind. In Württemberg hat mich der Stetten Pulvermächer von Heid überrascht.

Hier geht es zum abschließenden Teil 6:

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