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Weinrallye 52: Klimawandel im Weinberg und ein Pinot Noir von Chapel Down

29/Jun/12 18:12 kategorisiert in: Weinrallye

Es soll ja Weinfirmen geben, die sich bereits in Norwegen Flächen gesichert haben, um dort irgendwann Wein anzubauen. Ob das stimmt weiss ich nicht und es erscheint mir auch ein bisschen absurd. Doch allein, dass es stimmen könnte, weißt auf ein Phänomen hin, dass so ziemlich jeder Winzer deutlich in seinem eigenen Weinberg verfolgt. Es ist die Klimaerwärmung, ein Thema, dass im letzten Jahr Gegenstand einer internationalen Konferenz war, bei der sich auch so illustre Persönlichkeiten wie Al Gore und Kofi Annan eingefunden hatten. Zwar gibt es in den konservativen Kreisen der USA immer noch Politiker, die sich ernsthaft so bezeichnen und die globale Erwärmung negieren, doch ansonsten ist dies mittlerweile eine allgemein akzeptierte Tatsache.

Für uns in Deutschland als sehr gemäßigt warmer Fleck bedeutet dies heute schon, dass Torsten Goffin, der die 52. Weinrallye ausrichtet und die Auswirkungen des Klimawandels zum Thema seiner Wahl gemacht hat, einen deutschen Syrah aus der Pfalz auf dem Tisch haben kann. Etwas, was vor zehn Jahren, na vielleicht vor 15 Jahren noch kaum jemand für möglich gehalten hat. Vor zehn Jahren waren die Syrah-Stöcke eines gewissen Herrn Hanspeter Ziereisen nämlich schon längst gepflanzt und 2003 kam der erste Wein auf die Flasche, der übrigens damals keine geringere als Jancis Robinson so überrascht hat, dass sie direkt zwei Flaschen mit zu einem internationalen Syrah-Tasting nach London mitgenommen hat, wo er dann auch direkt prämiert wurde. Abgesehen davon war es natürlich ein Wagnis und auch ein Risiko, einen solchen Wein in Deutschland machen zu wollen. Zudem war 2003 heiß und entsprechend reif wurden die Reben. 2004 hat Ziereisen den Syrah dann im Zunderobsi verschnitten, da hätte die Qualität nicht gereicht. Doch mit den Jahren funktioniert das immer besser und wenn die Knipsers jetzt schon Syrah in der Pfalz anbauen, und die Pfalz ist nicht Baden, die Temperaturen sind eigentlich wieder andere, dann muss sich doch was verändert haben.

Diese Veränderungen werden fortschreiten, existenzbedrohend werden sie in Deutschland wohl auf absehbare Zeit kaum sein. Allerdings gibt es natürlich Lagen, die per se besonders heiß werden und wenn ein Winzer wie der Florian Weingart am Mittelrhein fast ausschließlich Besitz in solchen Lagen hat, muss er sehen, wie es auf Dauer weitergeht. Seine Rieslinge stehen im Bopparder Hamm, einer Lage, die wie ein Amphitheater gewölbt und nach Süden hin ausgerichtet ist, und trotz des kühlenden Rheins äußerst heiß werden kann. In Jahr 2011 konnte der Winzer keine trockene Spätlese keltern. Und er ist berühmt für seine trockenen Spätlesen. Er kann genauso gut feinherbe Spätlesen oder sogar süße. Doch sind diese halt am Markt nicht so begehrt. Für Weingart heißt dies unter anderem, dass er Lagen dazu kaufen muss und neu bewirtschaften wird, die eben nicht in diesen heißen Zonen stehen.

Ein fast aberwitzig anmutendes Phänomen ist der Weinanbau in Holland und Belgien.  Was, wenn wir von BeNeLux sprechen, in Luxembourg am Moselufer lange Tradition hat, wirkt in den anderen beiden Ländern teilweise etwas gewollt – auch wenn bereits die Römer in Belgien Wein angebaut haben wussten die Mönche schon warum sie später auf Bier umgestellt haben. Doch die Winzer, die dort Wein anbauen sind sehr ernsthaft bei der Sache und entsprechend will ich dieses Engagement nicht klein reden. Noch wird der Wein, der meist aus pilzresistenten Reben entsteht, in Holland meist in Treibhäusern angebaut und alle möglichen Kellerverfahren wie Entsäuerung etc. sind nicht die Ausnahme sondern die Regel. Das könnte sich ändern und ich bin gespannt, wie sich die Weinqualität dort entwickeln wird.

Bedrohlich wird die Klimaveränderung mit Sicherheit in Australien und Kalifornien. Eine ganze Reihe von Experten halten es für möglich, dass Weinbau in Kalifornien um 2030 herum praktisch nicht mehr möglich sein wird. Schon heute sind einige technische Verfahren üblich, um den Weinen Alkohol zu entziehen oder Weine nachzusäuern. Gerade bei Massenweinen wird bereits kräftig getrickst, wahrscheinlich ebenso bei den ganz teuren Weinen, wo sich der finanzielle Aufwand dann auch wieder lohnt. Auf jeden Fall kann man genau in diesen beiden Ländern feststellen, dass immer neue Anbaugebiete entstehen, mitten in den USA oder in Arizona, häufig in so genannten Cool Climate Areas, wo es keine Weinbautradition gibt sondern lediglich neue Möglichkeiten.

Eine spannende Frage wird sein, wie es im wichtigsten und teuersten Weinbaugebiet der Welt auf Dauer weitergehen wird, denn auch die Bordeaux-Weingüter, teils mit hervorragenden Böden und mehr oder weniger perfektem Mikroklima ausgestattet, merken den Wandel. Sowhl der Alkohlgehalt wie auch der Charakter der Weine hat häufig nicht mehr viel mit Bordeaux im klassischem Sinne zu tun (was teils auch an einer speziellen, provozierten Stilistik zu tun hat aber das ist ein anderes Thema). Christian Schiller wirft eine Frage auf, die ich mir auch gestellt habe, nämlich die, ob früher häufig anzutreffende Rebsorten, die im Laufe der Zeit fast gänzlich aus den bordelaiser Weinbergen verschwunden sind, auf Dauer wieder Einzug halten könnten? Ich bin gespannt ob Malbec oder Carmenère, jene Sorten die derweil in Argentinien und Chile Erfolge feiern, hier wieder hoffähig werden. Bei einigen weniger bekannten und kleineren Weingütern, vor allem auf der rechten Seite der Gironde jedenfalls finden sich wieder Malbec, auch reinsortige, wie man auf dem Bild sieht. Und auch im Südwesten Frankreichs feiert der Malbec eine Renaissance, in teils hervorragender Qualität.

Wie auch immer, ich erinnere mich derweil an einen Wein, den es vor zehn Jahren wahrscheinlich auch noch nicht gab – definitiv jedenfalls nicht in dieser Qualität. Dass in England guter Schaumwein entsteht, ist mittlerweile mehr als nur einem Fachpublikum bekannt. Das Klima darf für solche Weine ruhig kühler sein und da es im Südosten der Insel praktisch die gleichen Kreideböden gibt wie in der Champagne und im Chablis, sind die Vorraussetzungen gut. Bei Stillweinen sieht das anders aus. Hierfür müssen die Weine länger am Stock ausreifen – was lange nicht möglich war. Auch in England hat man sich mit Tricks und speziellen Rebsorten zu helfen gewusst. Mittlerweile aber gibt es hier und da Weine, die ernstgenommen werden wollen. Einer davon ist der Chapel Down Pinot Noir 2009. Auch wenn sich hier einige herbe, leicht grüne, jedoch nicht störende Noten finden, dominiert eine schöne, leicht süßliche Kirschfrucht, unterlegt mit ein paar Erdbeeren. Am Gaumen wirkt der Pinot sehr frisch mit einer klaren aber akzeptablen Säure. Auch hier finden sich grün-herbe Noten, die mit Sicherheit nicht dort zu finden wären, wenn der Pinot  in einer etwas wärmeren Gegend hätte reifen können. Nichtsdestotrotz schmeckt dieser Wein, er ist einfach aber angenehm, unkompliziert aber nicht langweilig. Ich habe ihn letztes Jahr vor Ort probiert und war ausgesprochen positiv überrascht. Das ist also das bisschen Positive bei einem für viele doch eher düsteren Ausblick.

Die Weinrallye wurde ins Leben gerufen von Thomas Lippert. Ihm gebührt Dank. In seinem Blog finden sich auch alle weiteren Informationen. Danke Torsten, für das Thema und die Betreuung.

Weinrallye No. 46: Feth-Wehrhof, Spätburgunder 2009 Trocken

Jetzt hätte ich doch beinahe die Weinrallye übersehen samt Thema und Datum, ich hatte das Gefühl, die letzten beiden wären gerade erst vorbei. Nun, nicht zuletzt dafür ist es ja gut, dass es Twitter gibt, dann kriegt man sowas doch noch mit.  Gastgeber der aktuellen Rallye ist das Weinreich-Blog, Ausrichter und Organisator wie immer Thomas Lippert vom Winzerblog.

Da ich eh gerade dabei war, ein Portrait des oben angekündigten Winzers zu schreiben, schaffe ich es spontan, von ihm einen seiner Gutsweine gesondert zu präsentieren, nämlich einen der schönsten neu entdeckten Brot- und Butter-Weine die ich in der letzten Zeit entdeckt habe. Es ist der 2009er Spätburgunder trocken vom Weingut Wehrhof in Worm-Pfeddersheim. Dieser alteingesessene Betrieb ist vor wenigen Monaten vom bisherigen, jungen Betriebsleiter Florian Feth übernommen worden und wird in der Mitte des Jahres mit dem Betrieb des Vaters, dem Weingut Feth in Flörsheim-Dalsheim verschmolzen.

Florian Feth führt im Wehrhof die Linie fort, die sein Vater schon in den ausgehenden Achtzigern begonnen hat. Er setzt auf Bio-Dynamie im Weinberg und entsprechende Arbeit im Keller. Während seine eigene Edition F schon seit Jahren aus entsprechend angebauten Reben erzeugt wird, befinden sich die restlichen Lagen noch in Umstellung Richtung Demeter.

Was mich bei Florian Feths Weinen vor allem beeindruckt, sind seine Rotweine, und ein Paradebeispiel dafür ist der Guts-Spätburgunder aus dem Pfeddersheimer Hochberg. Diesen gibt es ab Gut für sage und schreibe 6.50 Euro und optisch wirkt er so, als habe man eine Flasche aus einem Supermarktregal entwendet. Und doch ist es vielleicht der beste Pinot, den ich bisher unterhalb der 10 Euro-Grenze getrunken habe.

Ein ganz leichter Holzton schwingt in diesem Wein und untermalt den Früchtekorb von roten Beeren. Dabei finde ich es zum Einen sehr angenehm, dass einem diese Früchte nicht direkt aus dem Glas entgegen springen und zum Anderen, dass diese Früchte nicht von dieser typischen, meist etwas platten, alles überlagernden Erdbeer-Aromatik dominiert werden. In das Gesamtbild mischt sich eine feine Schokoladennote und ein ebenso gut eingebundene pfeffrige Würze. Am Gaumen beeindrucken die schön runden Tannine ebenso wie die Kraft und Länge. Wie gesagt, ich rede hier immer noch über einen Wein, der unter 7 Euro verkauft wird. Aber er könnte auch das Doppelte kosten und auch in dieser Preislage würde ich so einige Weine für diesen hier stehen lassen, denn es gibt auch in diesem Segment allzu viele Weine, die an die hier gebotene Finesse und Balance nicht heranreichen.

Ich bin also mehr als begeistert und wenn das kein Brot- und Butter-Wein ist, den man sich – ich zitiere einen typischen Spruch von Robert Mittelinitial Parker – kistenweise in den Keller legen sollte, weiss ich es auch nicht. "Great Value for Money!!"

In Kürze wird es zu Florian Feth und seiner Edition F noch einige Sätze mehr geben.

Weinrallye No. 45: The Dead Arm Shiraz 1999

22/Mai/11 12:00 kategorisiert in: Rot, Australien, Rotweine, Syrah / Shiraz, Weinrallye

Wenn ich an Australien denke, bin ich immer ein wenig hin- und hergerissen. Einerseits waren die ersten Penfolds, die ich Anfang der Neunziger in Köln gekauft habe, mehrere Flaschen BIN 389, sehr schöne Weine, damals mit knapp über 20 DM das Ultimo für einen, der ebenfalls knapp über 20 war. Aber das hat sich gelohnt, das waren gute Weinerfahrungen, und gut gehalten haben sich die Weine auch, die heute glaube ich so um die 40 Euro kosten. Damals, oder etwas später gab es Wynns und Tatachilla bei Jacques Weindepot. Auch das waren gute Weine, nicht zu dicht, nicht zu marmeladig, mir haben die damals wirklich gut gefallen. Andererseits, und da komme ich wieder auf das Hin- und Hergerissene zurück, gab es dann ein paar Jahre, wo man nur noch diesen ganzen Koonunga Hill-ähnlichen Krempel fand. Zugeholzten Chardonnay der einem Gaumen beleidigt, fette Shiraz und Cabernets wie Fruchtlikör. Lindemanns, Rousemount, Penfolds. Massenware, gut im Markt plaziert, relativ teuer. Nee, das war nix für mich.

Der erste Wein, den ich neben altbekanntem, hervorragendem Wynns dann mal wieder ausprobiert habe, war The Stump Jump und The Love Grass von d’Arenberg.

So stammt der Wein der Weinrallye No. 45 aus selbigem Hause. Es ist die einzige Flasche 1999er The Dead Arm Shiraz, die ich besitze. Der Wein, der diesen Shiraz als Doppel begleiten sollte und von dem wir schon vermuteten, dass er nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sein würde, ein 1974er Duhart-Milon-Rothschild, hat diese Erwartungen voll und ganz erfüllt. Ein muffiges Etwas, dass nach kurzem Luftkontakt nicht mehr bietet als die Farbe und den Geruch von Rost. Die Weinrallye 45 übrigens wird von Drunken Monday präsentiert. Ausrichter und G.O. ist, wie immer Thomas Lippert vom Winzerblog.

D’Arenberg und die Familie Osborn gehören mit zu den alteingesessenen Weinbauern im Mc Laren Vale. Joseph Osborn hat im Jahr 1912 die ersten 25 Hektar im Tal gekauft, sein Sohn Frank, eigentlich Arzt, hat den Besitz um weitere 53 Hektar erweitert. Zunächst hat er Fassware verkauft, dann trockenen Rotwein und Portwein nach Europa. Dessen Sohn Francis wiederum musste seinem Vater schon früh zur Hand gehen und nach dessem frühen Tod das Weingut übernehmen. Francis, genannt d’Arry, entschied sich, seinen Wein unter dem eigenem Label d’Arenberg, dem Nachnamen seiner Mutter zu verkaufen. Innerhalb von 20 Jahren hat er aus dem Betrieb eine national sehr beachtete Marke gemacht, international waren die Weine von Down Under in den Siezigern praktisch unbekannt.

Der heutige Chief Winemaker ist Chester d’Arenberg Osborn (hier links), der sein Handwerk von Kindesbeinen an bei seinem Vater d’Arry (hier rechts) gelernt hat, der wiederum immer noch im Betrieb mitarbeitet. Nach Abschluss der Schule ist er einige Jahre durch verschiedene andere Betriebe in Australien und Europa getingelt, wie man das so macht, wenn man gut werden will, und setzt sein Konzept vom Weinmachen seit 1984 zu Hause um. Dieses Konzept ist sehr klar: traditionelle Weinbereitung und Weinbergsarbeit. Keine chemische Düngung, geringe Erträge, extensive Bodenbewirtschaftung. Sämtliche Weine werden mit alten Korbpressen gepresst. Die Pressen, mit denen The Dead Arm Shiraz aus den über hundert Jahre alten Weinstöcken gepresst wurde, eine Coq und eine Tregoning, stammen selber aus dem 19. Jahrhundert. Selbst die offene Fermentation und das Bearbeiten der Maische mit den Füßen wird hier für die teuren Weine des Hauses noch angewandt. Erstaunlich, bei einem doch relativ großen Betrieb. Wenn man dagegen in die kilometerlangen unterirdischen Fabrikhallen von Penfolds schaut, erlebt man praktisch einen Kulturschock.

Was ich bei übrigens bei d’Arenberg neben den Weinen mag, ist das Marketing, die Aufmachung, die immer wiederkehrende rote Schürze und die prägnanten Namen: The Dead Arm, The Olive Grove, The Broken Fishplate, The Lucky Lizard oder The Laughin' Magpie.

Der Name The Dead Arm stammt von einer Pilzkrankheit, der Eutypa Lata, die dafür sorgt, das Arme des Weinstocks langsam absterben. Nicht so bei den unverwüstlichen alten Stöcken, die für diesen Wein genutzt werden. Wie gesagt, über hundert Jahre alt sind die Shiraz-Rebstöcke, deren Trauben nach mehrfacher Handlese in alten Korbpressen langsam gepresst werden und 22 Monate lang in neue französische und amerikanische Eiche wandern. Nach der Abfüllung darf man dem Wein glaube ich genau so viel Zeit gönnen, wie ich es jetzt getan habe. Da die Lese zwischen Februar und April stattgefunden hat ist der Wein jetzt exakt 12 Jahre alt, und entsprechend angenehm rund und mürbe sind die Tannine.

Es ist ein dunkelroter, tiefer Wein, dem die weiße Alterungsrandzone noch fast völlig fehlt, allerdings ist das Shiraz-Violette auch nicht mehr vorhanden. Auch in der Nase finden sich nur noch wenig Primäraromen, mehr gereiftes Holz, Zedernholz, ein süßer Kern, gekochte Früchte und schwarze Schoki, also die ohne viel Zucker. Schon die Nase zeigt eine gewisse Eleganz, und eine Bouquet, das mich gar nicht an Shiraz denken lässt. Im Mund setzt sich das fort. Ich denke eher an Bordeaux-Blends aus Kalifornien. Ja, elegant ist der Wein auch am Gaumen, zeigt eine schöne Präsenz, ist fein und dicht gewebt, die 14.5% Alkohol merkt man nicht, tragen vielleicht höchstens zur Süße bei. Hinter den dunkeln Beerenaromen macht sich wieder dunkle Schokolade breit, dazu ein Eukalyptuston, der sich in australischen Weinen ja auch durchaus häufiger zeigt. Eigentlich stimmt hier alles, die Breite und Länge, die Frische. Und doch sind wir nicht wirklich begeistert. Irgendwas fehlt ihm an Charakter, vielleicht wirkt er etwas zu rund, zu abgeschliffen die Ecken und Kanten? Ich bin mir nicht sicher. Am zweiten Tag probiere ich den Wein zu einem Steak vom Charolais-Rind. Das passt ausgezeichnet.

Der Korken übrigens ist ein Relikt aus vergangenen Tagen. Die Australier waren früh dran mit Schraubverschlüssen. Mittlerweile nehmen sie sie auch für die großen Weine, The Dead Arm, Penfolds Grange, Mitolo…

 

Weinrallye No. 44 – Die Zusammenfassung

16/Mai/11 20:12 kategorisiert in: Rot, Frankreich, Weinrallye, Weiß, Frankreich

Bevor auf drunkenmonday die Weinrallye No. 45 zum Thema Reifer Wein startet, möchte ich doch gerne jene Weinrallye  zusammenfassen, die ich zu geben die Ehre hatte. Auch wenn sich nicht alle, die sich im Vorfeld in der Facebook-Gruppe für Teilnahme entschieden hatten, tatsächlich teilnehmen konnten, gibt es doch eine stattliche Anzahl von 31 Artikeln, die das Thema »Die Rhône – der Fluss, der Wein, die Winzer« von ganz unterschiedlichen Seiten aus beleuchtet haben.

Matthias, einer der ziemlich neuen Blogger in dieser Runde, aber einer, der ausgesprochen regelmäßig, kurzweilig und gut informiert unter Chez Matze über Genussfreude, Weine und vor allem auch die Menschen dahinter schreibt, hat seinen Artikel als erster ins Rennen geworfen, pünktlich um kurz nach Null Uhr. Er hat einen ganz persönlichen Ansatz gewählt, eigentlich so etwas wie sein Weinerweckungserlebnis notiert mit einem Wein, dem er heute, »mehrere tausend Flaschen« später wohl kaum Beachtung schenken würde, damals aber eine ganze Leidenschaft ausgelöst hat. Ich kann das sehr gut nachvollziehen wenn ich an meinen ersten bewussten Kontakt mit Wein zurückdenke.

 

Peter Züllig, Vielreisender und Vielschreiber in Sachen Wein, nicht zuletzt durch seine Artikel bei Wein Plus jedem Weinliebhaber ein Begriff, schreibt als Gastautor ebenfalls sehr persönlich über die Rhône. Unter dem Titel »Universität, Kühltürme und traditionsbewusste Winzer« bricht er eine Lanze für die Université du Vin, einem Ort, der »einzigartig ist in seiner Offenheit, Kultur, Handel, Gastronomie und Önologie«, er schreibt genauso über den nahe gelegenen blinden Fleck in dieser Landschaft, das Atomkraftwerk Tricastin und die Mahnung zum sorgfältigen Umgang mit dieser Technik in einer so einzigartigen Kulturlandschaft.

Einen ganz weit über die Landschaft schweifenden Blick findet sich in den drei Artikeln bei baccantus. Neben einem Text über das Gut Camille Cayran, einer Domaine in der AOC Cairanne nimmt uns Gernod Freund mit auf eine persönliche Reise durch das Gebiet, die auch zu jenem Winzer führt, dessen Wein La Petite Ourse ich später am Tag noch mal aufgreife. Sehr schön und lesenswert ist ebenfalls der Baccantus-Artikel »Die Rhône – ein weites Feld, ein langer Fluss«, der ebenso einen Überblick über Lagen, Böden und Besonderheiten der verschiedenen Appellationen gibt wie der Artikel von Generation Wein, der dem Flusslauf folgt, hierhin und dorthin abschweift und neben Informationen zum Fluss, zum Wein und dessen Appellationen immer auch einige interessante Beispielweine der Gebiete erläutert.

 

Einige spannende Decouvertes, Entdeckungen finden sich in den Artikeln des Blogs von K&M Gutsweine. Bernd Klingenbrunn erläutert sehr ausführlich seine 2011er Reise in das Gebiet, schreibt über Winzer und Weine, unter anderem auch über Saint Jean du Barroux und seinen Winzer Phillip Gimel, dessen La Pierre Noire ich der Brise Cailloux von Matthieu Barret gegenüberstelle um noch mal aufzuzeigen, wie unterschiedlich die Weine der beiden Gebiete doch grundsätzlich sind.

 

Kommen wir also zu jenen Artikeln und jenen Blogs, bei denen ganz konkret genossene Weine im Vordergrund stehen. Robert schreibt auf dem von mir sehr verehrten Blog Lamia Cucina – man sollte dieses Blog einfach mal zum Spaß und dann hoffentlich zum Ernst per RSS abonnieren, der Mann veröffentlicht praktisch jeden Tag einen guten Artikel – über Kochwein, Alltagswein und einen edleren Tropfen aus dem Gigondas. Der Kochkurs Köln widmet sich ebenfalls der südlichen Rhône, holt einen gereiften raren weißen Châteauneuf-du-Pape aus dem Keller und ist verwundert. Auch Bolli’s Kitchen widmet sich einem Wein der südlichen Rhône, genauer gesagt aus dem Ventoux – und schickt den Artikel dazu direkt aus dem Herzen des Luberon. Ebenfalls einem Ventoux widmet sich das Blog Cucina Casalinga, nicht zuletzt durch klare Beeinflussung von Bolli’s Kitchen.

Keine Verkostungsmühen scheut Thomas Günther von weinverkostungen.de, der einen einfachen Côtes du Rhône einer Dorflage gegenüber stellt, einem Rasteau von Ogier. Den nächsten Côtes du Rhône Villages, einen Plan de Dieu finden wir bei Noch’n Weinblog, den nächsten, einen Côtes du Rhône Village Cairanne bei Vinissimus, der einen Côtes du Rhône von Nicolas Croze als Begleitung daneben stellt. Thomas Lippert, Gründer des Winzerblogs und Initiator der Weinrallye himmelt schon früh am Tag seinen PC samt fast fertigem Weinrallye-Artikel und hat Schwierigkeiten, überhaupt teilzunehmen, scheut aber keine Mühen und wirft schließlich noch einen Mas des Boislauzon, einen 2005er Chateauneuf-du-Pape ins Rennen. Der nächste südliche Wein – es wird schnell klar, die saftigen, sonnenverwöhnten Weine dominieren ganz eindeutig – ist noch mal ein Weißer, ein weißer Côtes du Rhône aus Courthezon. Das sind Weine, die man, wenn man es nicht besser weiss, schnell in die Schublade alkohollastig, dumpf, schwer schiebt, die aber genauso auch fein und frisch, mineralisch und tänzelnd sein können, ich habe es vor wenigen Tagen beim Genuss eines weißen Sablet noch erlebt. Und diese Erfahrung macht auch das Blog Man kann’s essen mit ihrem La Bastide von St Dominique.

 

Einen kurzen Abriss der Geschichte des Châteauneuf-du-Pape liefert der Historiker unter uns Weinschreibern, Marco Datini. Allerdings belässt er es nicht bei dieser geschichtlichen Exkursion. Vielmehr schiebt er eine Beaucastel-Vertikale hinterher die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Marqueee, der auf Allem Anfang… über die wichtigen Dinge des Lebens schreibt, widmet sich nun endlich und als einziger einem Rosé aus der Gegend und zwar einem ganz klassisch alteingesessenen, einem AOC Tavel, also einer Cru-Lage die eine reine Rosé-Appellation ist und mit diesem Status durchaus Seltenheitswert besitzt.

 

Fahren wir einige dutzend Kilometer weiter Richtung Quelle stoßen wir auf die reinsortigen Syrah, wo wir wieder bei Thomas Günther und seinem Blog Weinverkostungen.de wären, denn Artikel drei und Artikel vier widmen sich je einem Wein aus dem Crozes-Hermitage und einem aus dem Cornas. Drunken Monday hofft, irgendwann einmal den besten Wein der Welt probieren zu dürfen, der, wenn man Cellertracker entsprechend der Querschnittspunktzahl der Mitglieder auswertet, ein 1988 E. Guigal Côte-Rôtie »La Mouline« sein müsste. Tja, das war es schon von der nördlichen Rhône, wenn man den von mir gewählten Cornas noch mit dazu nimmt.

 

Doch damit sind wir keineswegs am Ende. Denn Christian Schiller wirft noch mal einen ganz anderen Focus auf die Rhône. Er besucht nicht das Tal und seine Winzer, er besucht einen Winzer in Kalifornien, um präzise zu sein trifft er Sherman Thacher, Besitzer der Thacher Vineyards in Paso Robles, und der gehört zur Gruppe der Rhone-Ranger, einer Gruppe von Winzern, die sich den Rebsorten der Rhône widmen und Wein in ähnlichem Stil in Kalifornien anbauen, was ja durchaus in ist.

 

Dirk Würtz’ Gastschreiberin Cordula Eich widmet sich nicht den Super Schnäppchen aus dem Gebiet, sondern vielmehr dem ganz ungewöhnlichem, möglichem Flugverkehr und dessen ganz unwahrscheinlichen Folgen, aber lest selbst, während ich hier den Schlusspunkt setze.

 

Ach nein, nicht ich, den Schlusspunkt setzt der Ultes.

 

Und ich? Ich übergebe den Staffelstab an Drunken Monday und gehe mal runter in den Keller um die Flaschen zum nächsten Thema rauszusuchen…

 

 


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