In Australien – Teil 3: Das McLaren Vale

Key facts:

  • Bundesstaat: South Australia
  • 0,5 Stunden südlich von Adelaide
  • Hektar: 7.173 ha
  • Anbauhöhe: 0 – 417 m
  • Durchschnittlicher Regen: 226 mm 
  • Durchschnittstemperatur: 21.3 °C
  • Wichtigste Rebsorten: Shiraz (58 %), Cabernet Sauvignon (19 %), Grenache (5 %), Chardonnay (5 %), Merlot (3 %)
  • Wichtigste Bodenformationen: Es gibt hier eine beeindruckendes Gemisch an Böden. Man kann sie in die Böden unterteilen, die jünger als 500 Millionen Jahre alt sind und die, die älter sind und damit zu den ältesten Gesteinsformationen der Erde gehören. Dazu gehört der Barossa-Komplex mit Gneiss und Schiefer, der rund 1,6 Milliarden Jahre alt ist. Es herrschen vor: rot-braune sandige Lehme, grau-braune sandige Lehme, sehr sandige Böden, rote oder schwarze mürbe Lehme, gelbe lehmige Unterböden, durchsetzt mit Kalk.

Am McLarenVale kann man sehr gute die großen Veränderungen wahrnehmen, die sich im australischen Weinbau vollziehen. Das McLaren Vale ist eine der traditionsreichsten Weinregionen Australiens. Immerhin hat John Reynell dort in den 1840ern die ersten Weinberge Südaustraliens gepflanzt und Thomas Hardy folgte ihm in den 1850ern. Noch heute findet man dort – zusammen mit Barossa – einige der ältesten, mittlerweile über 150 Jahre alten Weinberge. Eigentlich ist das Gebiet eine sehr spannende Gegend, die neben dem quasi mediterranen Klima vor allem eine fast unvergleichliche Fülle an Bodenformationen zu bieten hat (siehe Karte). Das Gebiet ist genauestens untersucht und es gibt dort einige der ältesten Böden der Erdgeschichte. Trotzdem war das McLaren Vale zumindest bei uns vor allem für Blockbuster-Weine mit recht viel neuem Holz, spät gelesenen Trauben und fast likörhaft-üppigen Weinen bekannt. Ganz ähnlich dem unweit gelegenen Barossa-Valley. Doch auch im McLaren Vale ist die Moderne eingezogen. Ich hatte es schon mal an anderer Stelle erwähnt: Dieser Stil passt vor allem auf dem heimischen Markt überhaupt nicht mehr zu der eher leichten, frischen mediterranen Küche und dem Lebensstil der Stadtbewohner. Und genau erfolgt der Umsatz. Deswegen geht auch im McLaren Vale die Tendenz immer weiter hin zu früherer Lese, biologischem Anbau, minimaler Intervention im Keller, weniger Holz und auch zu anderen Rebsorten. Und genau das merkt man bei unserem ersten Treffen. 

Ein Paar Schuhe, die jemand am Strand stehen gelassen hat, schon deutlich wettergegerbt.

Ein Treffen mit Corrina Wright, Weinmacherin bei Oliver’s Taranga im Star of Greece

Allem voran: Es war ein erhebendes Gefühl, Ende Oktober in den pazifischen Ozean zu springen. Der war zwar durchaus kalt, aber das habe ich mir nicht nehmen lassen, die Weite war einfach zu verlockend, es gab keinen Hai-Alarm und das Wetter war perfekt. Das galt dann auch für die Weinprobe mit Corrina Wright im Star of Greece

Das Star of Greece ist so ein bisschen was wie das Sansibar auf Sylt. Aus einem Strandkiosk ist ein ambitioniertes Restaurant geworden, das von einem echten Wein-Nerd geleitet wird, der noch ein zweites Restaurant im The Victory Hotel, mit einem wunderbaren Weinkeller besitzt, den wir einen Abend später kennenlernen sollten. Benannt ist das Restaurant, das sich an die Klippen von Port Willunga schmiegt, nach einem Schiff aus Belfast, das oft die Route England Adelaide fuhr und dort 1888 während eines starken Sturms auf Grund gelaufen ist. 

Es war also mal wieder ein ziemlich perfektes Ambiente, um ein paar für uns noch sehr ungewöhnliche Weine zu probieren; denn bei Oliver’s Taranga gibt es eben nicht nur die üblichen Verdächigen namens Shiraz (Syrah), Grenache und Mataro (Monastrell, Mourvèdre) sowie Cabernet Sauvignon und Chardonnay, sondern es beginnt mit Fiano in Form eines 2017er Methode Traditionelle namens The Hunt for Mrs. Oliver und geht weiter mit Mencía Rosé, Sagrantino, Vermentino und Tempranillo. 

Das Weingut wurde von William Oliver und seiner Frau Elizabeth gegründet, die von Schottland aus zwei Stück Land namens Taranga und Whitehill erworben hatten, von dort 1839 nach Australien aufbrachen und 1840 an diesem Flecken Erde ankamen. William gehörte zu den ersten, die dort Reben pflanzten und er war so ziemlich der Einzige, der fast vollständig auf Reben setzte. Aber er war sehr erfolgreich als Traubenbauer, so dass er, als er mit 76 starb, seinen sieben Kindern, 18 Pferde, 38 Rinder, 400 Schafe und 1.214 Hektar Land vermachte, das auf die Kinder aufgeteilt wurde. Olivers Taranga ist geprägt von sechs Generationen Traubenbauern. Das Weingut verfügt heute über 100 Hektar. Ein Teil der Trauben geht an Weingüter wie Wirra Wirra, Seppeltsfield, d’Arenberg und Penfold’s. Tatsächlich gehören die Olivers zu den Weinbauern, die Trauben für den Grange liefern. Doch der größere Teil wird heute selbst verarbeitet. Im Weingarten, der rund ums Anwesen liegt ist Don Oliver zuständig, den Weinkeller betreut Corrina, die mit zur Familie gehört, aber den Nachnamen ihres Ehemannes trägt. 

Corrina Wright, Weinmacherin bei Oliver’s Tarranga im Star Of Greece

Wright hat die ganze Bandbreite des klassischen Australischen Weinbaus selbst miterlebt. Ausgebildet wurde sie im Penfold’s winemaking graduate program und hat lange für Penfold’s und Southcorp, also für Seppeltsfield, Lindeman’s und Rosemount und auch für die Gallos aus Kalifornien gearbeitet. Sie kennt das „Winemaking“ wie wenig andere. 1994 hat sie ihren Großvater gebeten, ihre kleine Ecke des Weinbergs abzutreten um ein paar eigene Projekte zu realisieren. 1997 kam der erste Wein raus, den sie komplett nebenbei gemacht hat; denn sie hat bis 2007 bei Southcorp gearbeitet. Doch es war ausgerechnet Robert Parker jun., der ihre Weine entdeckte und so hoch bewertete, dass sie fast komplett in den USA verkauft wurden. Währenddessen hat Corrina sich verändert und in die Zukunft gedacht und sich auf italienische und spanische Rebsorten kapriziert und ihre Stilistik vom satt und opulent zu frisch und präzise verändert. Das ergab dann zwar keine so hohen Bewertungen mehr bei Parker, dafür aber Weine, die für das McLaren Vale durchaus wegweisend waren und sind. 

Oliver’s Taranga Vineyards Sangrantino 
Sagrantino ist eine Sorte aus Umbrien, die vergleichsweise schwere, tannin- und extraktreiche Rotweine liefert.  Dieser Sagrantino wurde komplett entrappt. Ein Teil wurde nach recht kurzer Zeit gepresst und zur Malo in Fässer gepumpt, ein anderer Teil für vier Monate auf der Maische belassen. Trotzdem ist der Wein nicht harsch oder ruppig sondern beeindruckend samtig und vergleichsweise früh trinkbar. Tiefes Rubinrot, Noten von Veilchen, Rosen und Minze, Schwarzen Kirschen und ein paar Brombeeren sowie Süßholz. Am Gaumen zusätzlich leichtes Toffee, sehr seidig aber strukturiert

Old Bushvines im Warboys Vineyard

Der Warboys Vineyard am Angove Estate

Der Angove Estate bildet eine fast typische Geschichte im australischen Weinbau ab. Gegründet wurde er 1886 von Dr. William Thomas Angove, der mit seiner Familie aus Cornwall gekommen war, um sich in Tea Tree Gully in Adelaide Foothills niederzulassen. Als Arzt verschreib er damals Rotwein als Tonisches Getränk – ganz so wie es Dr. Rowan Penfolds auch gemacht hatte. So kamen beide zum Weinbau. Und weil er wohl gute Weine machte, wurden diese recht schnell bekannt. Sein Sohn „Skipper“ hat aus dem kleinen Weingut ein damals schon großes Unternehmen gemacht, zugekauft, entwickelt und neben dem Weingut die St. Agnes Distillery gegründet. Die nächste Generation, „Tom“ war einer der ersten in Australien, die Weine auch „Bag in Box“ abfüllten. John Carlyon, der Vater der heutigen Weingutsleiter Victoria und Richard Angove, hat das Unternehmen noch mehr auf Qualität und regionale Weine getrimmt. Richard, der einige Jahre als Flying Winemaker um die Welt gereist, um Erfahrung zu sammeln, ist 2008 zurückgekehrt und hat die Leitung 2017 übernommen.

Richard Angove am Anwesen mit dem Warboys Vineyard

In der Zeit hat er den kompletten Familienbesitz von 500 Hektar (!) auf biologischen Weinbau umgestellt und die Ikonen im Portfolio auf biodynamischen Weinbau. Dazu gehören die 12 Hektar des Warboys Weinguts, das zum Herzstück des Familienunternhemns geworden ist, nachdem das ausufernde Adelaide die ursprünglichen Weinberge der Familie  „gefressen“. 2008 konnten die Angoves den Weinberg erwerben. In ihm stehen einige alte Shiraz- und Grenache-Reben von 1936, die der Biodyn-Spezialist Nick Bakkum aber dem Zeitpunkt des Erwerbs wieder biodynamisch aufgepeppelt hat. Neben den alten Syrah- und Grenache Pflanzungen haben die Angoves zudem Fiano gepflanzt. Sie nehmen den Klimawandel sehr deutlich wahr und versuchen schon seit geraumer Zeit ihren Co2-Fußabdruck immer weiter zu verringern, so dass sie heute mehr als klimaneutral arbeiten und zudem versuchen, die Biodiversität in ihren Besitzungen immer weiter zu erhöhen. 

„Der Klimawandel spielt bei uns eine enorme Rolle. Das ist einer der Gründe, weshalb ich direkt biologisch und biodynamisch arbeiten wollte, als ich nach Hause zurückgekehrt bin. Wir müssen unsere Ressourcen erhalten und gleichzeitig die Diversität erhöhen.“ 

Richard Angove

Im Warboys Vineyard kann man über indischen Laufenten stolpern, die die Schneckenpolulationen dezimiert, und abends die vielen kleinen Fledermäuse betrachten, die sich Insekten über den Weingärten fangen. Der Boden sieht ausgezeichnet aus und muss nicht bewässert werden, auch wenn die Bewässerungsanlagen noch vorhanden sind, die in den ersten Jahren erforderlich waren, als die Böden noch komplett verdichtet waren.

Das Anwesen am Warboys-Vineyard ist heute die Cellardoor für Australiens größten Erzeuger von Bioweinen. Dort haben wir mit Richard probiert. 

Angove Family WInemakers The Medhyk McLaren Vale Shiraz 2016 
Sie selbst bezeichnen den Wen als den „Rolls-Royce“ unter den Shiraz im McLaren Vale und es hat was davon.  Aber das trifft es nicht ganz. Für mich sind die neuen Rolls Royce riesige überpropotionierte Schlachtschiffe mit immens großen Motoren und entsprechendem Verbrauch. Dieser Shiraz hat 13,5 % Alkohol, was für die Region wirklich nicht viel ist. Der Wein ist zwar opulent, aber auch sehr geschliffen und auch jung schon feiner, als Vieles, was ich aus dem Vale kenne. Zu den Weinbergen für 2016 gehörten der Warboys Vineyard rund um die Cellar Door, der nahegelegene Weinberg Swann in Blewitt Springs, der auf alten Sanddünen gewachsen ist, und der Cameron-Block mit seinem rissigen schwarzen Biscay-Ton- und Lehm-Gemisch  nördlich der Gemeinde Willunga. Die Swann-Frucht wurde entrappt und die Beeren ganz gelassen. Die Früchte der alten Rebstöcke des Cameron-Blocks wurden abgebeert und in offene Puncheons  gepresst und vergoren.  Die Früchte des Warboys Vineyard wurden mit einem kleinen Prozentsatz ganzer Trauben vergoren, die am Boden des Tanks platziert wurden, wobei die entrappten Früchte darüber gequetscht wurden. Alle Weine wurden in Korbpressen gepresst und im gebrauchten französischen Tonneaux über 12 Monate ausgebaut. Ein Bilderbuch-Shiraz in dichtem Purpur. Viele Brombeeren, Blaubeeren, Cassis und Kirschen, Mokka und Teer, Fleisch und Five Spices, Süßholz und ein Hauch von Nelke und Erde. Am Gaumen opulent aber durchzogen von einer präsenten, lebendigen Säure mit viel reifer, saftiger aber eben auch frisch wirkender Frucht.  

Gemeinschaftliches Tasting mit Wirra Wirra, Jericho, Ministry of Clouds & Bekkers

Das Tasting fand abends im Victory Hotel statt, also dem Schwester-Etablissement von Star of Greece. So gut ist das Essen ja die ganze über fand, so schwierig ist das auch manchmal, gleich zweimal am Tag eine volle Ladung zu bekommen und dabei zu versuchen, die Linie zu halten. Während das Essen im Star of Greece eher leicht und frisch war, hatte man hier die Steaks und Süßkartoffelvarianten auf dem Teller. Klar, das passt natürlich zu den kraftvollen Weinen. 

Die „Grenache-Boys“ von links nach rechts: Toby Bekker, Julian Forwood, Sam Temme und Neil Jericho, unten ein BLick in den Weinkeller des Hotels.

Wirra Wirra 

Es begann mit Wirra Wirra und zwei reinsortigen Grenaches aus 2018 und 2012. Sie hören auf  den Namen The Absconder, was so viel heißt wie flüchtiger Schuldner. Die Frucht dieser Weine stammt aus dem ältesten Grenache-Weinberg im McLaren Vale. Er wurde 1920 gepflanzt, ist also 100 Jahre alt. Somit sind die Weinberge für diesen Wein so alt, dass ihre Pflanzzeit in die der Gründung des Weinguts fällt, die einem Robert Strangways Wigley zu verdanken ist. Wigley war ein Exzentriker, dessen Lebenslust ihn zeitweise mit dem Gesetz in seiner Heimatstadt in Konflikt brachte. Er ist aus Adelaide ins McLaren Vale geflohen, eben weil er seine Schulden zeitweise nicht zahlen konnte. Doch im McLaren Vale wurde er berühmt mit seinen Weinen und durfte dann auch irgendwann wieder in Adelaide einreisen. 

Wirra Wirra The Absconder McLaren Vale Grenache 2012 
Dieser Grenache zeigte sich in ausgezeichneter Form mit eine blütenduftigen Bukett, Kräutern, Himbeeren und Johannisbeeren, Erde und Unterholz. Das Tannin ist reif und geschmeidig, ja fast schon mürbe, die Frucht am Gaumen saftig und tief, der ganze Wein fleischig und kräftig, seidig und lang.   

Jericho 

Das Jericho Weingut ist noch recht jung, vielleicht zehn Jahre alt, besitzt keine eigenen Weinberge und wird von der ganzen Familie Jericho betrieben. Vater Neil hat 45 Jahre Erfahrung im Weingeschäft und hat in Rutherglen, King Valley und dem Clare Valley gearbeitet. Andrew war rund 15 Jahre lang im McLaren Vale unter anderem bei Maxwell, die wir am nächsten Tag besuchen würden, wie auch bei Mollydooker. Andrew hat zudem eine Zeit lang in der chinesischen Provinz Shanxi im GraceVineyard gearbeitet. Kay, Neils Frau ist ebenfalls eine erfahrene Winzerin, die Tochter Sally macht Marketing und Buchhaltung und der jüngste Sohn Kim hat sich für das Grafikdesign entschieden und verantwortet den ganzen Auftritt des Weinguts. Neil hatte einen typischen GSM, also einen Grenache, Syrah, Mourvèdre mitgebracht und das Flagschiff, den 2018er Grenache aus dem Talara Vineyard in Blewitt Springs. Die Flasche erinnert in ihrer Form deutlich an die von Sami Odi aus Barossa. Der Weinberg wurde 1985 mit Grenache bepflanzt und gehört der Familie Wait. Der Bodentyp ist besonders; denn hier findet sich sandiger Lehm über Schiefer. Der 2018er Jahrgang ist der erste dieses Weins mit 20 % Ganztrauben, auf denen 80 % eingemaischte Trauben über 10 Tage vegoren wurden. Der Wein wurde 11 Monate lang in französischen Eichenfässern mit 25% neuer Eiche ausgebaut. 

Jericho Grenache Blewitt Springs 2018  
Ein sehr gelungenes Erstlingswerk aus dieser berühmten Appellation. Der Blewitt Springs ist ganz Grenache, komplex und balanciert. Dazu trägt definitiv die teilweise Ganztraubenverägung bei, die dem Wein mehr Struktur und vielleicht sogar Frische verleiht. Da ist viel reife Kirsche, Pflaumen und Himbeere mit drin, feine Gewürze wie der typische Hauch von Süßholz. Am Gaumen präsentiert sich der Wein seidig und warm. 

Ministry of Clouds

Das Weingut Ministry of Clouds ist das Projekt von Bernice Ong und Julian Forwood. Ihre Weine waren mir schon bei verschiedenen Australia Day Tastings in London aufgefallen. Das liegt natürlich schon direkt an dem außergewöhnlichen Namen des Weinguts, der mir ebenso gefällt wie die feine Ausstattung. Hier ist alles durchdacht, und das liegt auch daran, dass die beiden lange im Marketing und Vertrieb für einige bekannte Weingüter tätig waren. So auch für Wirra Wirra, für Yalumba oder auch Moët Hennessy. Die beiden kennen also den Markt ganz genau und haben sich trotzdem nicht davon abschrecken lassen, 2013 das eigene Weingut zu gründen. Der größere Teil des Weinguts befindet sich im Mc Laren Vale, doch bauen sie auch Riesling im Clare Valley und Chardonnay in Tasmanien an. Dabei setzen sie auf biologisch-organische Wirtschaftsweise, viel Fachwissen und die Magie des Augenblicks: » Control is the aim however illusionary. Shared magic relies on the arbitrary , the unpredictable, the natural. We govern what we can, the rest is chance.«

Die Sorten im  McLaren Vale reichen vom weißen Picpoul – ja, genau, der Austernwein vom süfranzösischen Étang de Thau bei Sète – über Mencìa (!) und Tempranillo hin zu den klassischen Grenache, Mourvèdre (hier Mataro genannt wie im Penedès) und Syrah. Ich kenne bisher vor allem die klassischen Roten, doch die haben mir bisher ausnehmend gut gefallen. Wir haben einen 2018er Mc Laren Vale Grenache von fast 100 Jahre alten Buschreben probiert und zudem den 2018er Kintsugi aus dem Mc Laren Vale, einen Wein aus einem alten Gemischten Satz mit rund 85 % Grenache, Mataro, Syrah und etwas Cinsault. Der Wein wurde klassische co-fermentiert. Wenn ich vom ersten Tag im McLaren Vale ein Weingut hervorheben soll, dessen Wein ich besonders gerne auch in Deutschland kaufen können wollen würde, dann wären es die vom Ministry of Clouds.

Ministry of Clouds Grenache McLaren Vale 2018  
Der Grenache stammt  aus zwei Weinbergen, einer 83 und der andere 100 Jahre alt, gelegen in den höheren Lagen von Blewitt Springs und Clarendon. Sie wurzelechten Reben stehen im Sand und der liefert einen ziemlich transparenten, eher leichten bzw. feinen Grenache-Typus. 90 % wurde entrappt, der Rest waren Ganztrauben. Beim Vergären wurde der Tresterhut in den offenen Fermentern ab und zu leicht untergestoßen, aber nie gepumpt. Nach 17 Tagen lief der Saft in Betontanks und alte Fuder um dort 12 Monate auf der Feinhefe zu reifen. Für mich ist das einer der besten Grenache aus dem Mc Laren Vale, den ich bisher getrunken habe – zumal er trotz seiner Qualität und dem hochwertigen Äußern in Australien für kleines Geld zu haben war. Das ist ein komplexes, duftiges Exemplar mit deutlicher, lebendiger Mineralität und Helligkei

Ministry of Clouds Kintsugi McLaren Vale 2018
Kintsugi ist die japanische Kunst, zerbrochenen Fragmente alter Töpferwaren mit Hilfe von golddurchwirktem Lack wieder zusammenzufügen. Die Idee ist, dass das Ganze besser ist als die Summe seiner Teile. Im Bezug auf diesen Wein sind es die Parzellen aus einem alten Gemischten Satz mit Grenache, Mourvèdre, Syrah und etwas Cinsault aus dem bekannten Blewitt Springs Weinberg.

Gelesen wurde am 16. März 2018. Co-Fementiert mit  40 % Ganztrauben, der Rest entrappt. Während der drei Wochen Vergärung wurde der Tresterhut nur gelegentlich untergetaucht, es wurde nichts umgepumpt. Verschnitten wurde der Wein mit dem aus einer Parzelle Buschreben Grenache von einem 87 Jahre alten Weinberg für ein wenig extra an Duft und Frische. Der endgültige Blend wurde dann für 18 Monate auf der Feinhefe in einer Mischung aus Beton-Tanks und alten Eichenfässern gereift. Es ist ein kraftvoller, dunkelfruchtiger, teils floral wirkender Wein mit den typischen Grenache-Gewürzen, Veilchen vom Syrah und Brombeeren vom Mourvèdre. Der Wein ist elegant, zeigt Frische und vor allem an überaus feines Tanningerüst.

 

Bekkers Wine

Nachdem Julian Forwood seinen Grenache für 39,00 Aussie-Dollar vorgestellt hatte, kam Toby Bekker von Bekkers Wine mit seinen 2015erund 2017er Bekker McLaren Vale Grenache vor, die sich mit 80,00 Aussie-Dollar weiter oben auf der Grenache-Skala bewegen. Wenn ich mich recht erinnere, sind diese Weine fast ausschließlich in der Gastronomie und über eine Mailing-Liste zu haben, als dass man sie im normalen Handel erwerben könnte. Ähnlich wie Bernice Ong und Julian Forwood so haben auch Emmanuelle und Toby Bekkers einen ganzen Teil ihrer Berufskarriere in anderen Teilen des Weinbusiness zugebracht. Toby hat Agrarökonomie in Adelaide studiert und dann lange für Paxton Wines gearbeitet und sich intensiv mitbiologischer und biodynamischer Wirtschaftsweise auseinandergesetzt. Emmanuelle wurde im französischen Bandol geboren und hat Biochemie und Önologie studiert. Ihren ersten Job hatte sie bei der südfranzösischen Dependance des australischen Wein-Riesen Hardy’s, mit dem sie dann nach Australien kam und Toby Bekker kennenlernte. Beide reisen seit 25 Jahren immer wieder nach Europa, wo Emmanuelle nicht nur diverse Jahrgänge in Bordeaux und im Burgund mitgearbeitet hat, sondern auch – und das ist schon ungewöhnlich – bei einem befreundeten Winzer jährlich ihren eigenen Chablis 1er Cru Vaillons vinifiziert. 

Bekker Grenache McLaren Vale 2015  
Der Wein stammt aus drei Weinbergen. Der Most hatte einen Anteil von 20 % Ganztrauben. Es gab eine kühle Vorvergärung über fünf Tage hinweg, dann wurde spontan vergoren und der Wein in französischen Tonneaux gereift. Der Anspruch von Emmanuelle, die den Wein ausbaut, während Toby der Herr der Weinberg ist, ist, eine Eleganz wie bei einem Pinot noir zu erzeugen. Den Anspruch halten für mich weder der 2015er noch der 2017er Grenache, weil beide Weine eigentlich zu heiß und alkoholisch wirken, auch wenn sie insgesamt über ein feinmaschiges Netz von Tanninen und eine angenehme Frucht und Würze verfügen. 

Desclaimer: Die Reise wurde organisiert und finanziert von Wine Australia. Dort gibt es englischsprachig diverse zusätzliche Informationen.

Hier geht es zu den anderen Teilen des Berichts:

Vorwort

In Australien – Teil 1: Im Yarra Valley 

(Yeringberg, Giant Steps, Yarra Yering, Payten & Jones, Thousand Candles, Mac Forbes, One Block)

In Australien – Teil 2: Im Yarra Valley (Forsetzung)

(Punt Road, Rob Dolan, De Bortoli, Seville Estate, Coldstram Hills, Denton, Luke Lambert, Journey Wines, Thick as Thives, Santolin)

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.