Ein Abend mit Champagnern von der Aube

Ein Weinfreund hatte eingeladen. Es ist einer, mit einem großen Keller an Champagnern und da sagt man, bzw. ich nicht nein. Andere tun das doch und haben abgesagt. Es sind ihnen zu viele Schäumer auf einen Haufen. Ich mag das und bei Champagnern plus Essen ist das meiner Ansicht nach auch kein Problem.

Blind serviert wurden acht Weine, die sich im Laufe des Tastings alle als Weine von der Aube herausstellten. Die ersten vier waren reinsortige Chardonnay (Blanc de Blanc), die letzteren Pinot Noir (Blanc de Noir). Ich mag die Weine aus der unteren Champagne sehr gerne. Nicht nur gibt es dort die experimentierfreudigsten Winzer, auch die Nähe zum Chablis und die teils sehr ähnlichen Kalkböden von Portland-Kalk bis zum Kimmeridge-Kalk sorgen für eine andere Säurestruktur in den Weinen und damit für eine andere Textur und gefühlte Mineralität. 

Los gings mit einem Recolté Blanche von Champagne Dosnon, der am 4. Juni 2019 degorgiert worden ist. Die Dosage lag bei sechs Gramm. Der Grundwein wurde im Holz ausgebaut. Absurderweise wird der Champagner in weiße Flaschen gefüllt, was der Wein extrem schnell kaput machen kann. Dieser hier war nicht kaputt. Er duftete nach Marzipan und etwas Nougat, gereifte Zitrusfrüchte im gelben bis orangefarbenen Bereich. Dazu gab es Noten von Kernobst und Kräutern. Am Gaumen zeigte sich eine Note vom Holzausbau und eine sehr präsente Apfelsäure, die für Frische gesorgt hat. Trotzdem hätte der Wein etwas mehr Druck bieten können. Apfel und Limetten sind die prägenden Aromen, die Säure zeigte sich typisch für die Region, leicht elektrisierend und fordernd. 

Der zweite Champagner stammte aus dem Hause Pierre Gerbais. Der L’Osmose war ein 2014er Jahrgang, der im November 2018 als Extra Brut degorgiert wurde. Das war kein guter Champagner. Er zeigte zwar ein volleres und reiferes Aroma als der Dosnon, jedoch wirkte er etwas stumpf, ganz so, als wäre zu viel Gerbstoff im Spiel. Hinzu kam eine ganz leicht brausige Perlage. Im Finale wirkte er angenehm salzig und damit Mundwasser fördernd. Aber eine Empfehlung ist es nicht.

Klar empfehlen kann ich aber den Avalon Brut Nature 2015er Jahrgang von Charles Dufour, der im November 2018 degorgiert worden ist. Empfehlen allerdings kann man den auch nur als Sonderform des Champagners. Für Liebhaber klassischer Champagner sind die Weine von Charles Dufour immer Freakstoff. Als ich den Wein vor drei Jahren probiert habe, habe ich mir folgende Notizen gemacht: „Aromatisch zwischen Blüten, Gewürzen, frisch gestärkten Bettlaken, Rhabarber, Zitronen und Süßholz, während man mit Luft zunehmend das Gefühl bekommt, da könnte noch ein Löffel Crème brûlée mit im Spiel sein. Am Gaumen zeigt sich das kompromisslos mineralisch salzige Element, das die Blanc de Blancs vom Jura- und Kimmeridge-Kalk ausmacht. Viel Zitrusfrucht ist hier im Spiel, außerdem saure rote Beeren, Milchreis und getrocknete weiße Früchte. Der Champagner ist intensiv, lang, fest gewirkt und aufrüttelnd in seiner klaren Art.“ Ergänzen würde ich en wenig Harz und mürben Apfel samt Schalen im Auftakt, dafür würde ich die Crème brûlée streichen. Am Gaumen zeigt sich in diesem Fall ein angenehmer, ganz leichter Gerbstoff, auch hier Salz, etwas Sauerkraut und wieder der oxydierte Apfel. Je länger das im Glas steht, desto komplexer und reicher wird dieser Champagner. Aber er spaltet das Publikum. 

Als vierter im Bunde hat der Val Frison Lalore Brut Nature R13, degorgiert 2015, alle begeistet. Der Champagne war deutlich klassischer als die drei davor, aber doch wieder mt dieser besonderen Kimmeridge-Säure ausgestattet und tatsächlich wirkte er ein wenig wie leicht gereifter Chablis mit Bubbles. Kern- und Steinobst, etwas Mandeln und Nüsse und auch ein paar rote Beeren, am Gaumen dann trocken und griffig mit feiner Pelage und einer angenehmen Kräutrigkeit neben der Frucht, die trotz des trockenen Mundgefühl ein wenig an Zitronentarte erinnerte. 


In der zweiten Hälfte des Tastings standen dann vier Pinot Noir Champagner von der Aube auf dem Programm. Der Gastgeber hat uns die Weine ja blind eingeschenkt und er hat amüsanterweise dieselben Weingüter genommen.

Während der Chardonnay von Gerbais keinen Anklang gefunden hatte, sah das beim Pierre Gerbais L’Audace ganz anders aus. Der Pinot Noir war ein Brut Nature 2014, degorgiert im November 2018 mit null Gramm Dosage. Spontan vergoren, ohne Schwefelzugabe gefüllt, nicht filtriert. Im Duft intensiv, an Kupfer erinnernd, an rote Beeren, einen roten, vor längerer Zeit aufgeschnittenen Apfel, dazu leicht herbe Tabak-Noten, Rauch, etwas Feuerstein. Am Gaumen war der Champagner ausdrucksstark und reif aber mit viel Frische und Druck, rotbeerig mit Noten von Grapefruits, wieder etwas Tabak und Ingwer. Der Wein besaß eine feine Perlage, ordentlich Volumen, Gripp und die typische vibrierende Aube-Säure vom Kalk.

Der Dosnon Récolte Noire Zéro Dosage war der zweite Champagner in dieser Runde. Stilistisch erinnerte er mich direkt an Tarlants Louis mit seinem Holzfassausbau in Verbindung mit einer Apfelsäure und dem Verzicht auf malolaktischen Säureabbau. Der Dosnon war kein Jahrgangschampagner, aber das Degorgement steht drauf: 2018. Auch hier Brut Nature, also null Gramm Dosage. Im Duft goldene Kiwi, etwas Vanille, etwas Holz. In der Frucht an Süßweine erinnernd mit Quitte, Holunder, Orange, ein paar mürben Apfelnoten, etwas Wachs und einer Spur Trockenfrüchte. Am Gaumen dann so was von ausgewogen und elegant! Eine feine Perlage trifft auf eine Frucht von Grapefruits, Orangen, etwas Kern- und Steinobst, eine steinige Würze, etwas Tabak und Kräuter sowie Johannisbeeren. Der Champagner liefert Druck, ist präzise und lang.

Charles Dufours Pinot Noir war ein Le Haut de la Guignelle aus dem Jahr 2015, degorgiert 2018 mit null Gramm Dosage. Die biodynamisch erzeugten Trauben wurden in gebrauchte Fässer gepresst und spontan vergoren. Die malolaktische Gärung erfolgte ebenfalls spontan. Es wurde nicht filtriert und nicht geschwefelt. Der Wein hat mich nicht so angefixt wie der Avalon. Er blieb verhaltener. Muschelschalen, Kalk, Kupfer und Minze mit dem typisch wilden oxydativen Touch von Dufour, aber eben auch am Gaumen etwas verhalten, nicht so pur und druckvoll wie man es bei ihm gewohnt ist. Die Säure wirkte hier tatsächlich etwas arg säuerlich, vermischt mit Tonic Water, roten Beeren und etwas Rhabarber.

Der Val Frison Goustan Blanc de Noirs war ebenfalls ein 2015er, degorgiert in 2018 mit Null Gramm Dosage. Ebenfalls ausgebaut im Holz, spntan vergoren mit spontaner malolaktischer Gärung und unfiltiert gefüllt. In der Farbe eher ein Oeil de Perdrix, zeigt sich hier Brotkruste, etwas Holz, Rauch, rote Beeren und Hefe. Am Gaumen mit gewisser Fülle und Kraft aber durchaus auch elegant mit einer leichten, reifen Süße. Die Säure war aber auch hier ebenso wenig präzise definiert wie beim Dufour, was vielleicht am Jahrgang liegen mag.

Insgesamt aber war das eine sehr angenehme Runde von Aube-Champagnern, die mal wieder gezeigt haben, wie deutlich sich das Terroir und damit eben auch die Weine vom Rest der Champagne unterscheiden. Es gibt dort ja so einige Winzer, die sich eigentlich mehr zum Burgund rechnen, als zur Champagne. Entsprechend ist das Selbstverständis an der Côte des Bar, die so lange vernachlässigt wurde und in der es ja bis heute keinen klassifizierten Cru gibt, ein ganz anderes. Ich mag das. Da gibt’s kein Chi Chi, sondern es geht fast ausschließlich ums Handwerk.

Wer mehr über die Champagner der Aube erfahren möchte, kann hier weiterlesen. Dort geht es im ersten Teil ums allgemeine Terroir und im 10. und 11. Teil um die Côte des Bar.

1 Kommentare

  1. …sehr interessant, wie der „Recolte noire“ von Dosnon nunmehr dasteht, vor zwei Jahren war unser ebenfalls in 2018 dégorgiertes Exemplar noch deutlich weniger begeisternd:
    „Recht kantiger, eher untypischer Champagner mit leicht leichtmetallischen Noten, muß man sich fast etwas erkämpfen, ist nix für gemütliche Abende am Kaminfeuer…“. Er hatte damals auch nichts mit der Cuvée Louis gemein.
    Daß die jahrgangslosen Sachen bei Inverkehrbringung voll genußfertig sind, scheint also nicht immer zu stimmen…

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