Moet & Chandon, Dom Perignon 1996, Champagne

Der letzte Champagner des Abends war wohl auch der Star. Man kommt nicht darum herum. Es gibt einen ziemlich Hype um den Dom Perignon und der Name ist wohl ein Synonym für hervorragenden Champagner. Der 1996er Jahrgang gehört zudem zu den bestbewerteten Jahrgängen des Dom Perignon.

Moet & Chandon besitzt etwa 1.000 Hektar(!) Rebfläche in der Champagne, übernahm 1963 Ruinart, 1971 Mercier und fusionierte im gleichen Jahr mit Hennessy. 1987 kam es dann zum Verbund mit Louis Vuitton zum Lifestylekonzern LVMH. Vuitton brachte darüber hinaus auch noch Veuve Clicquot mit in die Ehe. Da weiß man also, was los ist. Nichts mit Tradition und Weinbauern, die noch fast von Hand in Flaschen abfüllen. Das ist Business, knallhartes Geschäft und Vertretung von Interessen in der Champagne. Eine Stimme die zählt, auch wenn es darum geht, die Grenzen der Appellation Champagne stetig zu erweitern, weil die Reichen dieser Welt mehr denn je von den Luxuswässerchen verlangen. Okay, es gibt einen kurzen Finanzkrisenrückschlag, aber das wird nicht von Dauer sein. Und nicht nur die russische Oberschicht ist durstig, die chinesische wird es auch sein.

Zurück zu Moet: 1.000 Hektar Rebfläche, verteilt auf 200 Gemeinden, 25 Gemeinden mit Premier Cru Status. 6.2 Mio verkaufte Flaschen pro Jahr und 110 Kilometer Kreidekeller mit eigenen Straßenbezeichnungen. Die ältesten Gänge gehen in das Jahr 1742 zurück. 1794 kaufte Jean-Remy Moet das Kloster Hautvillers, in dem Dom Perignon die Methoden der Champagnerbereitung verfeinert hatte. Die Luxuscuvée Dom Perignon, ultima ratio dieses multinational agierenden Konzerns, wurde erstmals 1937 lanciert, seit den 50ern einer der wenigen ständigen Begleiter eines britischen Geheimagenten, dürfte es eine der bekanntsten Marken weltweit sein, deren Etikett mit dem Stern mich immer kurz an einen russischen Krimsekt denken lässt.

Toast, Brioche und Mandeln duften einem fein entgegen. Dazu kommen Zitrus, Apfel und etwas, was mich, mal ganz vorsichtig gesagt, an Fischöl erinnert. Der Wein ist weich und wirkt sehr elegant. Kreidenoten kommen dazu und Pfirsich, ein wenig Birne und Honig. Das ist toll. Ob es die ultima ratio ist, bleibe dahingestellt. Wirklich bewegt haben mich an diesem Abend zwei bis drei andere Flaschen. Die stammen aus den Häusern Fleury, Krug und Ruinart.

Moet & Chandon, Dom Perignon 1996, ausgezeichnet, ca. 150 Euro

8 Kommentare

  1. der 96er und der 90er dom pérignon (im hause bond übrigens eher die ausnahme, als die regel, die da nämlich auf den namen bollinger hört) sind wohl die beiden umstrittensten doms. während der 90er unter flaschenvarianzen leidet und auch die guten exemplare so langsam beginnen, müde zu werden, kann man zum 96er noch keine letztgültige aussage machen. auch hier das problem von flaschenvarianzen, knallfrische, säureaufgeladene und ungewohnt aufdringliche doms stehen da neben den gediegeneren, klassisch-dommigeren versionen und über das reifepotential kann man auch nur wenig sagen. im moment sieht es fast so aus, als sei der 96er etwas abgetaucht und verpuppt, um in den nächsten reifezyklus einzutreten. von fleury hat mich am meisten der blanc de blancs 1996 doux (!) beeindruckt.

  2. Oh, den Blanc de Blancs doux habe ich noch nicht probiert. Da bin ich mal gespannt!

    Kommt es häufig vor, dass es flaschenvarianzen gibt?

  3. flaschenvarianzen sind – allerdings nicht nur – beim dom pérignon angesichts der gigantischen menge, die davon vermarktet wird, nichts ungewöhnliches und mittlerweile, wohl auch wegen der immer übler werdenden korkschmeckerproblematik ein ziemliches ärgernis geworden.

  4. Manuela St.

    Ich habe eine Frage…
    Wann wurde der erste Cuveé Rosé Dom Pérignon hergestellt und zu welchem Anlass wurde er damals serviert?

    Ich hoffe es kann mir jemand darauf eine Antwort geben, weil ich finde es einfach nicht heraus!

    Danke im Vorraus 🙂

  5. Hempel, Eberhard

    Obwohl ich eigentlich Rotweintrinker bin, wurde mir zuletzt eine Flasche Dom Perignon 1996 geschenkt, die wir heute, an Karfreitag, geöffnet haben. Die Enttäuschung hätte nicht größer sein können: Bereits die Farbe, ein fettes Gelb, das nach 8 Stunden, halbvoll im normalen Kühlschrank mit Originalkorken, bei Lampenschein, immer noch gelb, nun mit rosé-farbenen Reflexen erscheint. Aber der Geschmack: dominiert von einem übermächtigen Alterungsfirn (man ist an Goethes Kritiker erinnert). Ist sowas denkbar? Ich meine diesen penetranten Firnton, vielleicht durch falsche Lagerung beim Vorbesitzer?? Keine Ahnung über welchen Händler das Produkt auf mich gekommen ist. Für ein paar hilfreiche Worte wäre ich sehr denkbar. E. Hempel.

  6. Lieber Herr Hempel, das kann sehr gut an der falschen Lagerungen liegen entweder im Licht oder in einer zu warmen Umgebung, vielleicht aber auch daran, dass der Korken zu viel Luft durchgelassen hat und der Wein dadurch eine Stück weit oxydiert ist. Das ist schwer zu beantworten.

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