originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Zum Jahresende

31/Dez/11 12:17 kategorisiert in: Abschweifungen

Jetzt habe ich es doch glatt geschafft, einen Monat lang still zu bleiben in diesem Blog und habe es kaum bemerkt. Das ist ungewöhnlich und wird sich zu Beginn des kommenden Jahres auch wieder ändern. Allein, es war zu viel mit der Arbeit drüben im Shop, mit der Organisation von Themenabenden, mit der Familie inklusive frischem Nachwuchs. Dann war da auch noch Weihnachten und so ging es mir wie vielen anderen – es blieb einfach keine Zeit. Zumindest nicht für Artikel, wie ich sie gerne schreiben möchte.

Glücklicherweise hatte ich gestern Abend die Gelegenheit, zumindest noch mal ein paar Gläser wirklich guten und außergewöhnlichen Weines zu trinken, denn auch das hatte ich den ganzen Monat lang kaum geschafft. Die Rekapitulation dieses Abends wird dann eine der nächsten Veröffentlichungen werden.

Bis dahin aber wünsche ich Euch und Ihnen, die Ihr dieses Blog auch im fünften Jahr seines Bestehens treu verfolgt habt, von Herzen einen guten Übergang ins Jahr 2012 und dort viel Glück und spannende Weine im Glas.

Vùdù, Birrificio Italiano

29/Nov/11 23:07 kategorisiert in: Abschweifungen, Bier

Es ist schon erstaunlich, wie sehr ich mich in das Bier, welches gerade vor mir steht, hinein schnüffeln muss. Ich kann mich den ganzen Abend mit Wein und seinen Aromen beschäftigen, bei Bier bin ich normalerweise etwas oberflächlicher. Nicht, dass ich ein gutes Bier nicht zu schätzen wüsste, ganz und gar nicht, aber trotzdem ist die Aufmerksamkeit meist eine andere. Entsprechend fehlen mir ein paar Verknüpfungen im Hirn, die das Aromenspektrum von Bieren so abdecken, die Erinnerung an Gerochenes so abrufbar machen, wie es mittlerweile bei Wein der Fall ist – auch wenn es da natürlich ebenso immer wieder irgendwelche Aspekte gibt, die ich nicht einordnen kann.

Vor mir steht ein Glas mit Vùdù. Dieses Bier mit dieser etwas aztekisch, zumindest mittel- oder südamerikanisch aussehenden Maske und den Art Déco-Lettern bei denen ich nicht so genau erkennen kann, um welche Akzente es sich denn eigentlich genau handelt, ist ein Weizenbier. Dieses Weizenbier stammt nicht etwa aus Bayern, auch wenn Münchner Gerstenmalz verwendet wurde – neben Pilsener Malz, Röstmalz und Weizenmalz. Es stammt aus Marinone bei Como, also aus Italien. Da kann ich mir schon direkt das Naserümpfen vorstellen wenn so ein echter reinheitsgebietender Niederbayer daher kommt und sich diesen Exoten vornimmt. Laut Etikett dürfte das Bier dem Reinheitsgebot übrigens durchaus entsprechen, denn außer Malz und Hefe befindet sich desweiteren lediglich eine Hopfenart in diesem Bier und zwar genau gesagt das englische Huggle.

Agostino Arioli und sein Birrificio Italiano, der Macher des Bieres gehört zu jener stetig anwachsenden Zahl von Mikobrauern die sich mit ungewöhnlichen Ideen und charaktervollen Getränken dem Einheitsbrei der großen Brauereikonzerne entgegenstellen. Es sind mit sehr viel Aufwand und großer Hingabe gemachte Produkte die, auch wenn sie teils recht teuer sind, es auf jeden Fall Wert sind, probiert und unterstützt zu werden. Hier in Deutschland haben sich einige Liebhaber dieser Biere angenommen, die sich Braufactum nennen – die Namensnähe zu Manufactum kommt nicht von ungefähr. Im Angebot von Braufactum finden sich einige dieser Besonderheiten, von denen viele übrigens auf das Reinheitsgebot pfeifen – und zwar zu Recht. Ich finde ja, dass das eine überkommene Idee ist, die zusätzlich komplett scheinheilig ist, denn rein sind die Biere, die wir normalerweise vorfinden schon lange nicht mehr, abgesehen davon, dass die meisten davon ausgesprochen langweilig sind. Da wird für jeden Effekt Chemie genutzt, für die Haltbarmachung, für die Art des Schaums etc. Entsprechend finde ich den Umstand, bestimmte Zuckerarten, Gewürze oder Kräuter zu verarbeiten, viel ehrlicher.

Das Vùdù jedoch nutzt diese Möglichkeiten nicht, es braucht sie nicht, das Aromenspektrum ist schon wild genug. Allein die Farbe hat es schon in sich. Es ist ein Moccaton, etwas durchsichtig, wie ein etwas dünn geratener Kaffee, für ein Bier jedoch durchaus bemerkenswert, der Schaum erinnert in seiner Dichte ein wenig an Stout. In der Nase finde ich neben Malzaromen so etwas wie Bananenkaugummi; Banane, etwas Vanille vielleicht, Süße in Form von Zucker, wie er riecht, wenn man ihn in der Pfanne zu Karamell werden lässt.

Am Gaumen wirkt das unfiltrierte Bier frischer als gedacht, mit einer Note von bitteren Orangen, wieder Banane. Eine markante, vielleicht etwas unerwartete Säure kommt hinzu, dann Röstaromen. Neben der süßen Fruchtkomponente erinnert mich das ein wenig an geröstete Sauerteigbrot. Zum Schluss dann wird der Karamellton wieder stärker. Erstaunlich sind die zurückhaltenden sechs Prozent Alkohol. Der Dichte des Bieres nach zu urteilen, die an belgische Biere, beispielsweise einem Chimay Grand Reserve, hatte ich entsprechende acht oder neun Prozent erwartet.

Dieses Bier hat im Rahmen des World Beer Cups den ersten Preis unter den Weizenbieren gemacht. Ich weiss nicht, welche Konkurrenten es geschlagen hat, fürchten jedoch muss es bei dieser Qualität nicht viele.

Das Bier gibt es hier. Für € 11.99

 

Originalverkorkt im FAZ-Blog »Stützen der Gesellschaft« – Zum Fest drei schäumende Witwen

25/Nov/11 11:58 kategorisiert in: Abschweifungen, Im Netz, Schaumwein

 

Der verehrte Don Alphonso hat mich eingeladen, in einem Genuss-Dreiteiler pünktlich zur Auftakt der Jahresendadventsweihnachtsundsylvesterrallye einen weiteren Artikel für sein FAZ-Blog Stützen der Gesellschaft zu verfassen.

Ich habe dies zum Anlass genommen, mich ein wenig pointiert über Veuve Monsigny, Veuve Clicquot und Veuve Fourny auszulassen.

Zum Beitrag geht es hier.

Bouzeron Aligoté 2006, Domaine A. et P. de Villaine, Bourgogne

10/Nov/11 14:06 kategorisiert in: Aligoté, Bioweine, Weiss, Frankreich

Als ich gestern den Aligoté 2006 von de Villaine ins Glas geschüttet und geschnuppert habe, war ich ausgesprochen positiv überrascht. Der Wein stand, obwohl ich ja durchaus einiges mit den Weinen der Villaines zu tun habe, seit ein paar Jahren im Keller und ich habe ihn nicht gebührend beachtet. So ist er vor sich hin gealtert und hat mittlerweile fünf Jahre auf dem Buckel.

Fünf Jahre sind nun für einen guten Wein kein Problem, bei einem gewöhnlichen Aligoté hatte ich jetzt allerdings nicht mehr viel erwartet. Aber ich habe mich glücklicherweise getäuscht. Der Wein ist geradezu aristokratisch gealtert. Aligoté ist ja die zweite weiße Rebsorte in der Bourgogne, genießt aber im Gegensatz zum Chardonnay keinen besonderen Ruf. Er wird vor allem mit Cassis zum Kir befördert, nimmt man statt Aligoté dann Crémant de Bourgogne, erhält der Kir den Zusatz Royal.

Dieser Bouzeron allerdings wäre für so etwas viel, viel zu schade und normalerweise nimmt man für einen Kir auch eher einen frischen Aligoté. Bouzeron ist eine 60 Hektar-Gemeinde nahe Rully im Bereich der Côte Châlonnaise, die seit dem Jahr 1997 als eigene Appellation gewertet wird, und zwar auf Grund der guten Qualität, die  Aligoté hier hervorbringt. Auf dieser guten Grundlage aufbauend, produzieren die in Rully mit ihrer kleinen Domaine ansässigen Aubert et Pamela de Villaine neben Chardonnay und Pinot Noir aus Rully und Mercurey eben jenen Aligoté. Dass die Villaines Wein produzieren können, zeigen sie als Mitbesitzer der legendären Domaine de la Romanée-Conti. Dass sie neben diesen teuren Spitzenweinen in gleicher sorgfältiger biodynamischer Art auch günstige Weine im Burgund machen, finde ich aller Ehren wert.

Der Aligoté ist dabei mit unter 13 Euro der Einstiegswein, und auch wenn er in seiner Jugend mit Frische und Klarheit, schöner Mineralik und Präzision überzeugt, gewinnt dieser Wein nach einigen Jahren gewaltig. Finesse kommt hinzu, Volumen und schöne Balance zwischen frischen Zitrustönen und gerösteten Haselnüssen, salziger Mineralik und einem Hauch von Brioche, bestrichen mit Honig.

Schön, wenn eine solche Überraschung den Abend versüßt.

Anschauen!

27/Okt/11 18:17 kategorisiert in: Abschweifungen, Im Netz

Mehr Informationen zum Film gibt es hier.

Pineau d’Aunis und Côt. Zwei Unbekannte von der Loire

26/Okt/11 19:13 kategorisiert in: Bioweine, Malbec, Pineau d’Aunis, Rot, Frankreich

Ich kann es nur immer wieder gebetsmühlenhaft wiederholen: Das Anbaugebiet Loire ist nicht nur ein beeindruckend schöner Landstrich, hier werden auch fantastische Weine produziert und die Vielfalt ist groß. Leider wird das in Deutschland kaum wahrgenommen. Die meisten stolpern irgendwann mal über eine Flasche Sauvignon Blanc aus der Tourraine oder über eine Flasche Schaumwein von Bouvet-Ladubay.

Foto ©: Domaine Bellivière, Danièle & Remi Loisel - Studio Amarante

Dabei ist die Chenin-Blanc-Traube dort fast so vielseitig und komplex wie der Riesling hier, Sancerre und Pouilly-Fumé können brillant sein, ebenso einige ausgewählte Muscadets, was hier aber kaum bekannt ist, ist die mögliche Güte der Rotweine. Neben dem vorherrschenden Cabernet Franc, ich habe hier mal einige zusammengestellt, gibt es jedoch noch ein paar andere Rebsorten, die wirklich selten sind und auch Profis eher selten unterkommen. Eine Sorte ist der Grolleau, dazu werde ich mal was Eigenes schreiben, eine weitere ist der Côt, was allerdings nur eine regionale Bezeichnung für den Malbec ist. Insgesamt findet man Malbec ja nicht mehr allzu häufig in Frankreich, Argentinien ist mittlerweile hautsächlich bekannt für den Anbau dieser Sorte, an der Loire kommt der Wein ganz selten vor. Als ich dann sah, dass Xavier Weisskopf, der sich eigentlich auf Chenin Blanc spezialisiert hat, sich auch dieses Nischenprodukts angenommen hat, war ich gespannt. Weisskopf ist einer der spannenden Nachwuchswinzer aus der Region, der nach eigener Aussage im Geiste eines Jacky Blot und François Chidaine arbeitet. Er besitzt 13 Hektar Weinberge, einen Teil in der AC Tourraine, einen anderen, nämlich den mit Chenin Blanc, in der AC Montlouis. Wer die Appellation nicht kennt – macht nichts, da kamen in den letzten Jahrzehnten keine bemerkenswerten Weine her. Allerdings ändert sich das rapide, seit Chidaine und Blot und die Revue du Vin de France der Meinung sind, dass dies momentan eine der spannendsten Entdeckerregionen ist. Weisskopf, der eigentlich aus dem Norden stammt, wo keinerlei Wein angebaut wird, und erst seit Beginn des Studiums in Chablis dem Wein verfiel, hat im Burgund dann auch Weinbau studiert und an der Rhône im bekannten Gut St. Cosme gelernt, bevor er sich seinen eigenen Weinberg gesucht hat.

Der Côt Vieille Vignes 2009 der Domaine Le Rocher des Violettes stammt von Rebstöcken, die zwischen 65 und 120 Jahre alt sind und einen entsprechend geringen Ertrag von 25 hl/ha erwirtschaften. Die Reben werden einer Maceration Carbonique unterzogen und kommen dann in den Bottich, um einen biologischen Säureabbau zu vollziehen. Danach kommt der Wein noch drei Monate auf die Flasche, bevor er verkauft wird. Es ist also ein Jungwein, den wir hier im Glas haben, einer, der nicht für die lange Lagerung gedacht ist. Das ist gut zu wissen; denn wenn ich eine Flasche mit einem Wein von alten Reben in der Hand habe, gehe ich von einem lagerbaren Wein aus, der tendenziell nach zwei Jahren Lagerung noch zu jung ist. Außerdem erklärt die Kohlensäuremaischegärung auch die expressiven Fruchtnoten in der Nase, Himbeere, Pflaume, etwas Kirsche, leicht kompottig. All das wirkt verführerisch, kann diesen Versuch der Verführung jedoch am Gaumen nicht umsetzen, wie so oft bei Weinen, die diese Art der Gärung durchlaufen haben. Hier wirkt der Wein nicht frisch genug, das Kompott dominiert, dazu kommt eine nicht ganz passende Säure und die Tannine wirken ein wenig stumpf.

Klarer und präziser dagegen wirkt der Pineau d’Aunis Rouge-Gorge 2009. Dieser Wein stammt von der Domaine de Bellivière aus der Appellation Coteaux du Loir, einem Nebenfluss der Loire, deren Gebiet lediglich 75 Hektar umfasst. Eric Nicolas, der Eigner, ist eigentlich ebenfalls Spezialist für Chenin Blanc und macht insgesamt acht Weine aus dieser Rebsorte, vier aus den weißen Coteaux de Loir, vier aus dem Gebiet Jasnières. Für seinen roten Wein baut er eine wirklich seltene Sorte an, die gerade noch auf unter 500 Hektar Gesamtfläche angebaut wird. Der Pineau d’Aunis, der seinen Namen von einer Abtei herleitet, in deren Gärten diese Traube möglicherweise durch Zufallsmutation entstanden ist, wird manchmal auch Chenin Noir genannt. Die Herkunft ist nicht eindeutig, doch wird angenommen, dass zumindest ein Elternteil dieser Rebe der Chenin Blanc ist. Der Wein riecht so, wie ich es erhofft habe: wild und markant. Etwas Himbeere und Kirschen verbinden sich mit leicht medizinischen Jodtönen, Rauch kommt hinzu und Trockenkräuter und Gewürze. Das ist so ein bisschen wie frische Frucht in altem Gemäuer, wobei das Gemäuer trocken ist, nicht modrig. Am Gaumen hat der Wein eine tolle Frucht, wirkt straff, mit angenehmer, durchaus prägnanter, aber nicht störender Säure, mit weichen Tanninen bei mittlerem Körper. Der Wein ist absolut trocken, da findet sich keine Fruchtsüße wie beispielsweise beim Côt. Nicolas, der seine Rebhänge auf biodynamische Wirtschaftsweise umstellt, hat hier einen Ertrag von ebenfalls 25 hl/ha aus dem Weinberg geholt. Das ist gute, konzentrierte Qualität mit klarem, eigenen Charakter, nicht fein, eher robust, doch sehr befriedigend. Der Wein ist mit € 19,- zwar jetzt auch nicht günstig, aber wann trinkt man schon mal Chenin Noir?

Übrigens gibt es englischsprachig zwei hervorragende Seiten über die Loire. Chris Kissack schreibt beängstigend viel auf der Seite des WineDoctor. Dazu kommt ein großer Fundus in Jims Loire Blog.

Den Côt Vieilles Vignes 2009 der Domaine Le Rocher des Violettes gibt es bei Karl Kerler für € 12,-, den Rouge-Gorge 2009 der Domaine de Bellivière gab es im Rahmen einer Aktion des Weinbund Berlin für         € 19,-, ich denke, erhältlich über Hardy Weine.


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