originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Eine kleine Abhandlung über Bio, Biodynamie, Naturwein, orangene Weine und Amphoren…

09/Nov/14 09:37 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Gerolsteiner WeinPlaces
Exif_JPEG_PICTUREHilfsmittel biodynamischer Wirtschaftsweise

Seit März diesen Jahres gibt es die von Gerolsteiner initiierte Plattform WeinPlaces. Es ist vor allem eine stetig wachsende Sammlung von Wein-, Restaurant- und Veranstaltungsempfehlungen des Mineralwasserherstellers, der sich schon vor langer Zeit als Partner der Weinbranche etabliert hat und der übrigens der erste sponsor meiner ersten Weinveranstaltungen am Niederrhein war. Auf WeinPlaces schreiben neben meiner Wenigkeit auch so geschätzte Kollegen wie Stevan Paul und Ralf Kaiser.

Vor einigen Tagen ist dort mein zweiter Artikel erschienen und der beschäftigt sich mit der ganzen Reihe von Weinanbau- und Bereitungsformen die gerne alternativ« genannt werden. Dabei war biologischer und ökologischer Anbau natürlich lange Zeit so etwas wie eine gerne belächelte Alternative zum konventionellen Anbau. Das hat sich geändert. Die Wirtschaftsweise der Biodynamie wird von vielen als esoterisch angesehen, basiert auf Annahmen eines zweifelhaften Gelehrten den beginnenden 20. Jahrhunderts, ist aber aus dem Spitzenweinbau kaum noch wegzudenken. Naturwein ist eine Bewegung, bei der bis heute nicht ganz klar ist, wo sie hinführt, ist definitiv ein Sammelbecken von brillanten Weinmachern und genauso auch von Spinnern, die vom Weinmachen eigentlich keine Ahnung haben und amüsiert mich teilweise genauso, wie sie mich fasziniert. Orangener Wein, der eigentlich maischevergorener Weißwein ist, findet sich in den Schnittmengen zwischen Wein, der in der Amphore ausgebaut wurde, Naturwein und Biowein. Aber lest selbst. Der Artikel ist so etwas wie ein leicht zu lesender Auftakt zu einem weiten, spannungsgeladenen Feld, mit dem ich mich in Kürze noch weiter beschäftigen werde…

 

Wechselbäder – ein ausführlicher Jahrgangsbericht 2014 aus dem Weingut Wagner-Stempel

05/Nov/14 10:34 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Weingüter

Wie schon in früheren Jahren schreibt Daniel Wagner vom Weingut Wagner-Stempel ausführlich über den gerade in den Keller gebrachten Jahrgang 2014, über das Wetter, über die Wechselbäder der Gefühle und über die enorme Arbeit, die der Winzer und sein Team auf sich nehmen musste, um aus schwierigsten Bedingungen trotzdem Wein zu machen, der den Winzern und auch uns gefällt. Was mich, wenn ich am Schreibtisch diese Zeilen lese überkommt, ist Demut. Die sollte man immer haben, wenn man die Arbeit anderer betrachtet und man sollte nie vorschnell urteilen (übrigens der wichtigste Grund, warum es hier im Blog keine Verrisse gibt). Beim Lesen wird ebenfalls klar, dass es bei der Betrachtung des Jahres 2014 nicht darum geht, ob wir hier "ein Superjahr oder ein Arschjahr haben, sondern um einen differenzierten Blick auf ein gesamtes Erntejahr und seine Stärken und Schwächen", sagt Oliver Müller aus dem Weingut Wagner-Stempel. Ich bedanke mich dafür, dass ich den Bericht bei mir im Blog veröffentlichen darf:

Wechselbäder im engeren Sinne sind eine Form der physikalischen Therapie, die insbesondere durch Sebastian Kneipp publik wurde, bei denen Verspannungen des vegetativen Nervensystems aufgehoben werden sollen. Die Wechselbäder im weiteren Sinne, die sich im Wettergeschehen der zurückliegenden Monate im Bereich der rheinhessischen Schweiz um Siefersheim ereignet haben, führten zu extremen Spannungszuständen der übrigen Nerven. Wie wir weinbaulich auf diese Situation reagiert haben und wie vor diesem Hintergrund der Jahrgang 2014 aus unserer Sicht zu beschreiben ist, darum soll es im Folgenden gehen.

See am Fuße des Heerkretz

Wenn im Abendlicht der untergehenden Septembersonne eine romantisch anmutende Seenlandschaft am Fuße der Weinberge zu sehen ist, so hat dies nichts mit folkloristischer Weinlesestimmung zu tun, sondern mit einem realen Horrorszenario von bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter.

Das Jahr 2014 begann überaus mild und schön. Ein Winter, der kein echter Winter war, und ein Frühlingserwachen Mitte März stimmten uns schon sehr früh überaus optimistisch für den anbrechenden Jahrgang. Im Februar gab es bereits keinen einzigen Frosttag mehr und nur geringe Niederschläge. Im März kletterten die Temperaturen erstmals deutlich über die 10° Celsius Marke, und Sonnenscheindauern von 10 Stunden und mehr pro Tag waren keine Seltenheit. Im April setzte sich dieses Wetter nahtlos fort, und mit dem Austrieb der Reben gegen Mitte des Monats wurde ein neuer Rekord der letzten Jahrzehnte aufgestellt. Man wähnte sich zuweilen schon im Sommer. Auch im Mai blieb das Jahr auf der Überholspur. Warme, sonnenreiche Tage mit mäßigen Niederschlägen begleiteten uns bei den Frühjahrsarbeiten, und eine sehr frühe Blüte Anfang Juni rief Erinnerungen an die Jahre 2007, 2009 wie auch 2011 wach. Hochsommerliches Wetter begleitete die Rebblüte, die erfreulicherweise nur zu geringen Verrieselungen führte und auf ein ertragsmäßig vielleicht sehr gutes Jahr hoffen ließ.

Der Übergang in den Juli brachte die ersten, kräftigen Gewitter mit teils ergiebigen Niederschlägen mit sich. Bei den gleichbleibend hohen Temperaturen und den enormen Regenmengen gestaltete sich der Schutz der Weinberge gegen die Pilzgefahr zusehends schwieriger, aber war, bedingt durch mehrere kurze Trockenperioden zwischen den Gewitterschauern, weitestgehend gut beherrschbar. Ende des Monats standen mehr als 200 Liter Regen in der Wetterbilanz. So viel wie sonst in einem halben Jahr. Auch der August setzte nahtlos fort, womit der Juli begonnen hatte. Sommerlich warme Temperaturen und immer wieder teils heftige Gewitter mit massiven Regenfällen. Ein leichter Hagelschlag in der gesamten Gemarkung Siefersheim Anfang August machte bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass es so unbeschwerte und günstige Verhältnisse wie in den Jahren 2007,2009 oder auch 2011 nicht geben würde. Wir waren gewarnt und hatten schon einen ersten Dämpfer erhalten. Der große Vorsprung der Vegetation aus dem Frühjahr war nahezu egalisiert, und die ersten Reifemessungen mit Beginn des Septembers waren eher ernüchternd denn erfreulich. Die weitere Marschroute war dementsprechend vorgegeben.

Als Mitte September die ersten Auswirkungen der Kirschessigfliege in unserem Frühburgunder sicht- und riechbar wurden, war auch wirklich alle Romantik und Vorfreude auf einen goldenen Herbst hinfort. Folgte dem Frühjahrsoptimismus noch eine sommerliche Skepsis, so war jetzt ein hochkonzentrierter Ernst die Gemütslage des beginnenden Herbstes. In vielen Vorjahren war das Einbringen der ersten Rot- und Weißweintrauben eher spielerisch mit kleiner Mannschaft erfolgt und von großer Gelassenheit und Entspanntheit gekennzeichnet. Dieser Herbst musste direkt mit ganzer Kraft und voller Konzentration gestartet werden. „Kaltstart mit Vollgas“.

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Eine für uns mustergültige Spätburgunderanlage in der Heerkretz gegen Ende August. Zu diesem Zeitpunkt sah alles nahezu optimal aus. Alle Wetterkapriolen gut überstanden, gute Durchfärbung, bestmögliche Durchlüftung, intakte Laubwände. Viel mehr kann man nicht tun. Wir waren voller Hoffnung auf einen großartigen und entspannten Herbstbeginn.

Im bewussten Verzicht auf den Einsatz von Insektizid gegen die Kirschessigfliege waren wir gezwungen, alle Rotweinparzellen aufwendig vorzulesen, partiell abzuwarten und bei einigen St.Laurentanlagen auch direkt vollständig zu lesen. Der Entscheidungsspielraum im Bereich Rotwein konnte zugespitzt so formuliert werden: „Entweder relativ gesunde, selektiv gelesene Trauben für Roséweine lesen oder das Risiko in Kauf nehmen, noch stärkere Fäulnis bei weiterer Ausreifung bis hin zum Totalverlust einzugehen.“ Wir haben uns vielfach für die erste Variante entschieden. Einzig der Spätburgunder schien den Umständen zu trotzen und konnte tatsächlich sehr viel später in guter Ausreifung bei noch moderaten Selektionsverlusten geerntet werden.

Abgesehen von den dramatischen Problemen bei den Rotweinsorten waren auch an vielen Weißweinanlagen die Wetterkapriolen der vorangegangenen Wochen nicht schadlos vorbei gegangen. Was bei den roten Sorten eingeläutet wurde, setzte sich bei den weißen Sorten fort. Ein schwieriger, aufwendiger Herbst war gestartet worden. Genau in diese erste Phase der Lese Mitte September brach das Gewitterwochenende vom 20. und 21. September herein. Weit über 50 Liter Regen in 2 Tagen bei sommerlich warmen Temperaturen. Ein Alptraum des Winzers. Was nun bis zum Ende des Monats folgte, kann man nur als Rennen bezeichnen. Sämtliche Parzellen mussten innerhalb kürzester Zeit vorgelesen werden. Jegliches Traubenmaterial, das bereits jetzt Schaden genommen hatte, musste aus den Anlagen entfernt werden, damit der verbleibende Teil unter besseren Bedingungen voll ausreifen konnte. Ein enormer Kraftakt wie er in ähnlicher Form schon im Jahr 2013 notwendig gewesen war.

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Ein exemplarisches Bild einer Traube, die in der 2.Hälfte des Septembers gelesen werden musste. Ein Teil der Beeren war bereits dünnhäutig, riss vielfach und wo der süßliche Zellsaft austrat, zeigten sich direkt die ersten Spuren des Pilzbefalls.

Der wohl markanteste Unterschied zum ebenfalls nicht einfachen Jahrgang 2013, der uns zu einem vergleichbaren Zeitpunkt ebenfalls massive Regenfälle beschert hatte, war die Art der Fäulnisentwicklung. Im vergangenen Jahr unter den eher kühlen Temperaturen im Oktober verlief der farbliche Übergang der hochreifen Trauben überaus rasant, insbesondere beim Riesling. Aber die beginnende Botrytis war sauber und insofern als „gut“ zu bezeichnen. Dieses Jahr war der Übergang deutlich langsamer, kontrollierbarer und eigentlich unproblematischer, aber die beginnende Botrytis war vielfach unsauber und musste rigoros heraus gelesen werden.

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Ein beispielhafter Rieslingstock in der Heerkretz Ende September. Die warmen Temperaturen samt den ergiebigen Regenfällen hatten sichtbare Spuren hinterlassen. Ein guter Teil der Trauben war noch völlig gesund und intakt, und es sollten noch rund 2 Wochen bis zur eigentlichen Hauptlese vergehen. Jedoch zwang uns die beginnende Botrytis alle Parzellen vorzulesen. Wer hätte gedacht, dass nach dem Schlüsselerlebnis 2013 mit einer so aufwendigen, selektiven Vorlese am Stock das Jahr 2014 nochmals in noch weiterem Umfang die „altgediente“ Lese von Hand einfordern würde.

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Das Resultat nach der Vorlese mutet beinahe so an, als sei nichts Dramatisches passiert. Insbesondere der Riesling in der Heerkretz zeigte sich sehr stabil gegenüber den Verhältnissen. Das Ergebnis der gesamten Vorlesen war ein beinahe makelloses Bild der Rebanlagen, was uns auf die weitere Ausreifung im Oktober hoffen ließ.

Anfang Oktober standen wir nach allen vorangegangenen selektiven Erntegängen praktisch wieder bei „Null“. Eine erste, kraftraubende Periode war vorbei und wir konnten sogar ein paar Tage pausieren und die weitere Wetter- und Reifeentwicklung abwarten.

Auch wenn sich die generelle Wetterlage seit dem 21.September weitestgehend stabilisiert hatte, waren die Verhältnisse weiterhin problematisch. Zwar blieben weitere Regenfälle aus und das Wetter zeigte sich vielfach freundlich und überaus warm, aber die dichten Nebel des Morgens kombiniert mit den hohen Tagestemperaturen verursachten eine zügige Entwicklung in den Weinbergen. Nach kurzer Verschnaufpause galt es, keine weitere Zeit zu verlieren. Wie schon bei der ersten Selektion der roten Trauben lief es wiederum auf die Formel hinaus: „Lieber ein tendenziell gesünderes, voll ausgereiftes Lesegut ernten, als ein hochreifes aber stark fäulnisbehaftetes Material lesen.“

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Eindrucksvolles Panorama der Siefersheimer Landschaft in den Morgenstunden der ersten Oktobertage. Was im oberen Hangteil der Heerkretz geradezu romantisch anmutete…

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…sah 100m weiter unten nicht mehr so wunderschön aus. Dichter Nebel bis in die Mittagsstunden und nachfolgend warme Temperaturen waren ein unheimlicher Beschleuniger der weiteren Ausreifung im Oktober.

In den ersten zwei Oktoberwochen wurden sukzessive alle unsere Weinberge gelesen. Wie schon im Vorjahr profitierten wir unter den gegebenen Bedingungen enorm von unserer erfahrenen Lesemannschaft und den kurzen, direkten Wegen zu den einzelnen Parzellen. Gerade die wichtigen Weinberge am Höllberg wie auch in der Heerkretz konnten bis zu drei Mal vorgelesen werden, um den endgültigen Lesezeitpunkt immer wieder ein paar Tage hinauszuzögern, um im Endresultat absolut reifes und gesundes Traubenmaterial in den Keller zu holen.

Die besten und wichtigsten Parzellen Riesling, Silvaner und Weißburgunder wurden zwischen dem 8. und 13. Oktober gelesen. Das Ergebnis der vielen vorangegangenen Tage der Vorlesen und des Aussortierens war ein gesundes, sehr aromatisches und voll ausgereiftes Lesegut, wie wir es im Frühjahr erhofft hatten lesen zu können. Glücklicher Lohn für vorherige Strapazen.

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Nahezu perfektes Lesegut am 13.Oktober in der Heerkretz. Die vielen Vorlesen hatten den Ertrag deutlich geschmälert, aber was schlussendlich in den Keller kam, war nach allen Kapriolen und Strapazen zuvor geradezu erstaunlich. An einigen Parzellen waren die Blessuren des Wetters einfach vorbei gegangen und wunderschöne, aromatische und gesunde Trauben hingen in den Reihen.

Wie lässt sich der 2014er Jahrgang zusamenfassen? Schon im letzten Jahr war es nahezu unmöglich, die Ergebnisse des Herbstes auf eine griffige, allgemeine Formel zu bringen. Für 2014 gilt dies in einem noch engeren Sinn. Heterogenität ist das Stichwort in diesem Zusammenhang. Selbst in einer so kleinen Gemarkung wie Siefersheim waren die Unterschiede von Lage, Parzelle und Rebsorte enorm. <br><br>Silvaner am Höllberg musste Ende September gelesen werden. Keine 500 Meter entfernt an den Osthängen des Horns kam der Silvaner in den letzten Lesetagen des Oktobers ohne nennenswerte Verluste, hochreif und mit goldgelber Färbung in den Keller. Ein Teil der Weißburgunder an denselben Hängen am Horn musste im September vollständig gelesen werden, wohingegen die Weißburgunder am Höllberg in perfektem Reifezustand am vorletzten Tag der Lese geholt wurden. Auch beim Riesling gab es dieses Phänomen beträchtlicher, völlig uneinheitlicher Unterschiede je nach Lage, Sorte und Parzelle. Ein in Teilen nahezu rätselhaftes Geschehen.
Rein analytisch bewegt sich der Jahrgang in Siefersheim auf einem Niveau vergleichbar mit dem Jahr 2008. Die Mostgewichte waren teils recht ordentlich und teils sehr gut und bewegten sich zwischen 76° und 94° Oechsle. Eine größere Spreizung als in den Vorjahren, die sich ganz einfach auf die vielen selektiven Lesegänge zurückführen lässt. Bei den Säurewerten war dementsprechend eine ebenso große Bandbreite zu verzeichnen. Moderate 6 g pro Liter bei verschiedenen hochreifen Burgundern traten ebenso auf wie rassige 13 g pro Liter bei verschiedenen Vorlesen für Sektgrundweine.

Der Geschmack der Moste spiegelte natürlich auch die Weite der analytischen Werte wieder. Frühzeitig gelesene Rieslinge waren rassig, fruchtig grünlich und durchaus pikant. Die spät gelesenen Burgunder hingegen geradezu säuremild, vollmundig und gelblich saftig. Besonders glücklich sind wir derzeit über den allgemein sehr klaren und frischen Ausdruck der Aromen der Jungweine. Ein ganz sicheres Zeichen für sehr sauberes, unbelastetes und gesundes Lesegut. Wie schon im Jahr zuvor deutet sich ein Jahrgangsstil an, der eher kühle, feine und elegante Weine zulässt. In der Jugend erscheinen diese Weine oft etwas subtiler und filigraner vom Charakter, aber mit der weiteren Reifung auf der Flasche entwickeln sie meist eine wunderbare Eleganz und Feinheit, wie sie in den so hochgelobten Jahrgängen wie 2007, 2009 oder 2011 nicht erreicht werden konnte. Qualitativ ganz sicher ein hochwertiger Jahrgang, der allerdings nur unter teils enormen Selektionsverlusten eingebracht werden konnte. In der Summe steht ein Durchschnittsertrag von gerade mal 56 hl/ha in den Büchern. Das trübt die Stimmung doch ein wenig – zumal das Jahr so verheißungsvoll begonnen hatte.
Auch dieses Jahr sind wir wieder sehr gespannt auf die weitere Entwicklung und die kommenden Monate. Von der Arbeitsintensität hat uns der 2014er wirklich alles abverlangt. Der glückliche Lohn der Anstrengungen darf sich über die nächsten Monate weiter entwickeln.

Daniel Wagner
Siefersheim, 3.November 2014

Text und Fotos: Copyright Weingut Wagner-Stempel

 

Eine feine kleine Entdeckung: Gros Frère & Soeur, Bourgogne Hautes Côtes de Nuits 2009

31/Okt/14 12:30 kategorisiert in: Pinot Noir / Spätburgunder, Rot, Frankreich

Was mich ja bei der Trüffelsuche in den Weinregalen, egal ob online oder offline immer freut ist, wenn ich über solche Weine stolpere, wie den Hautes Côtes de Nuits von Bernard Gros, denn dann habe ich einen guten bis sehr guten Wein aus einem tendenziell überpreisten Gebiet auf einem Preisniveau gefunden, das ich nachvollziehen kann und welches auch für mich bezahlbar ist.

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Gros hat vor Jahren das Weingut seiner Tante übernommen, während sein Bruder das seiner Eltern weiterführt, und verfügt über 18,4 Hektar Lagen. Dazu gehören Parzellen im Clos de Vougeot, in Richebourg, Echézeaux, Vosne-Romanée Les Chaumes und ein umfangreicher Besitz in Concoeur, woher sowohl ein weißer, wie ein roter Hautes Côtes de Nuits stammen, Wein also von den oberen Hügelbereichen. Gros' Weine gelten als fruchtbetont und floral in der Jugend, mit einer kräftigen Struktur und einem eher dunklen Charakter. Und genau das zeichnet auch diesen Pinot Noir aus. Dunkle Frucht mit einer würzigen, auch an Altholz erinnernden Note im Untergrund. Dabei bleibt der Wein immer schwebend leicht, trotz der Kraft die er hat. Dank einer klaren, aber nicht zu prägnanten Säure ist er zudem schön frisch. Der Wein ist nicht übermäßig lang, aber dafür, dass das hier Gutsweinlevel ist, also Basisniveau, sprich, ein Niveau, wo man im Burgund ziemlich häufig enttäuscht wird, ist dieser Wein richtig gut. Zumal der Preis für diesen Wein bei € 14,90 liegt, und dafür bekommt man im Burgund normalerweise so gut wie nichts.

Gefunden haben ich den Hautes Côtes de Nuits von Gros Frères & Soeurs bei Kierdorf Wein.

Wissen Sie, Champagner schmeckt ja per se

28/Okt/14 10:10 kategorisiert in: Abschweifungen

Eine Gala ist laut Definition eine Veranstaltung, bei der man festliche Kleidung trägt. Diese festliche Kleidung, dieser Dresscode, wie man heute sagt, kann den festlichen Rahmen der Veranstaltung unterstreichen, muss er aber nicht. Angesagt war der Dresscode Business Attire, man trägt also noch den Anzug aus dem Büro, darf sich aber gnädiger Weise seiner Krawatte entledigen. Mit dem Mantel war das Entledigen dagegen so eine Sache, da musste ich dann von der Gala im zweiten Stock wieder ganz nach unten und traf auf den Mann, der mich netterweise ebenerdig hereingelassen hatte, da die Damen am Empfang der Gala mein Flehen gar nicht wahrgenommen hatten. Dafür war es an diesem Abend in der Lounge zu laut und die Klingel zu leise. Ganz nebenbei bemerkt erinnerte mich das an eine Episode in Berlin, als die DDR noch existierte und ich mein getauschtes Ostgeld in etwas Vernünftiges umwandeln wollte und mich damals entschlossen hatte, im Palast der Republik zu speisen. Das Restaurant lag im obersten Stockwerk, verfügte jedoch über keinen Kleiderständer, so dass ich meinen Mantel über einen Stuhl drapiert hatte. Dieser zog den missbilligenden Blick des Kellners auf sich, der mich dann in seiner gleichzeitig ausgeübten Funktion als Blockwart unmissverständlich aufforderte, den Mantel in der Garderobe abzugeben. Diese allerdings befand sich im Keller des Palastes der Republik. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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Als Lounge bezeichnet man eigentlich einen exklusiven Warte- oder Aufenthaltsraum, und wenn der dann auch noch den Titel Hanse trägt, dann bekommt die Lounge schnell eine gediegene Clubatmosphäre mit viel Holz und Messing und einer gewissen Schwere, die von oben drückt. Da diese Lounge am Neuen Wall liegt und dann auch etwas erhoben und erhaben in den oberen Stockwerken, muss man eben unten klingeln.

Wieder oben angekommen erhielt ich drei Gutscheine für je eine Auster. Im Laufe des Abends habe ich mich, da ich im Gegensatz zu vielen der Anwesenden, Austern esse, über einen ganzen Schwung weiterer Gutscheine gefreut, die man mir gerne zusteckte. Dies wäre jedoch eigentlich gar nicht notwendig gewesen, wie sich später herausstellte, da die Bedienung die zu fortgeschrittener Stunde auch einfach so herumreichte und fast wie Sauerbier anbieten musste. Sauerbier passt natürlich auch nur bedingt zu Champagner und, ach ja, das war ja der eigentliche Grund, weshalb ich mich überhaupt noch mal aufgemacht hatte, in die Stadt zu fahren. Da ich tagsüber normalerweise nicht nach dem Dresscode Business Attire gekleidet bin, hatte ich mich dafür übrigens extra noch mal umgezogen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich meine Schuhe neue besohlen lassen sollte und für die Hose des Anzugs ein schmalerer schwarzer Gürtel notwendig wäre, um das nächste Mal noch ein wenig mehr attire zu sein.

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Bei Weinveranstaltungen in der Hansestadt trifft man zum großen Teil immer dieselben Leute. Es ist ein kleines Clübchen aus Weinhändlern, Sommeliers und, ähm, Weinjournalisten, die quer durch die Stadt in regelmäßigen Abständen Bussis verteilen, mal mit einem Glas Blaufränkisch in der Hand, mal mit Vinho Verde oder, wie in diesem Fall, mit Champagner. Da dies jedoch eine Gala war und (zumindest zu fortgeschrittener Stunde) nicht für Fachpublikum reserviert, durchmischte sich die Weingesellschaft mit Menschen, die den Dresscode ernstgenommen hatten. Der Anteil an Personen mit Stöckelschuhen, die dann im Laufe des Abends in zunehmendem Maße umknickten, war entsprechend ungewöhnlich hoch.

Glücklicherweise wurde der gediegene Rahmen der Gala des kulinarischen Lifestyles dadurch aufgebrochen, dass Vertreter verschiedenster Champagnerhäuser in drei Räumen der Lounge ihre Weine feilboten und damit zu einer deutlich Auflockerung der Atmosphäre beitrugen. Selbst jene der Weinbranche, die sonst am Anfang von Weinveranstaltungen immer eisern spucken, üben bei Champagner von vornherein wenig Zurückhaltung. Champagner sei einfach immer zu schade, um gespuckt zu werden, höre ich. Oder, wie eine mir unbekannte Dame feststellte, die sich irgendwann kurzfristig auf meinen Arm stützen musste: "Wissen Sie, Champagner schmeckt ja per se."


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