originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



Rosé-Sommer: Cask-Force – 2010er Pinot-Rosé aus dem Fass

05/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Alles Bio, Pinot Noir / Spätburgunder, Rosé

Ist Rosé eigentlich was für jetzt und gleich oder lohnt es sich, den Wein in den Keller zu legen? Bei 99,5% des weltweit produzierten Rosé dürfte es die Qualität des Weines wohl kaum verbessern, wenn man ihn Jahre im Keller verschwinden lässt. Bei einigen wenigen, ambitionierteren Exemplaren jedoch macht das durchaus Sinn. Wer den Herrenhof Lamprecht Pinot Rosé 2010 von Gottfried Lamprecht in seinem Frühstadium probiert hat, dürfte die gleiche Idee gehabt haben. Der Wein war zwar damals schon gut, doch hatte der Wein so viel Rückgrat, Kraft und Säure und darüber hinaus noch Holz, da klar war: Es macht Sinn, den Wein wegzulegen. Das Gleiche gilt für den ebenfalls im Holz ausgebauten Enderle & Moll Spätburgunder 2010. Auch dieser Wein hat so viel Holz gesehen, dass sich dieses erst einmal integrieren wollte.

2010_pinot_rose_battle

Vier Jahre hatten die beiden nun auf dem Buckel, eine lange Zeit für Rosé und für beide Weine auch eine Grenze, nach deren Überschreitung es nicht mehr besser werden dürfte. Als wir die Weine im Juli geöffnet haben, waren sie jedoch gut drauf und haben großen Spaß gemacht. Der Ausbau des Rosé im Holz führt zu einer Verwandlung hin zu etwas, was dem Rotwein ähnlich ist und doch mehr Leichtigkeit, mehr Schwebendes hat. Bei beiden Weinen ist es so, dass sie ihm Idealfall hätten Rotwein werden sollen. Doch der Jahrgang und das jeweilige Mikroklima im Weinberg gaben das nicht her.

Gottfried Lamprechthier der Podcast mit ihm – hat seine Pinot-Reben 2005 am Buchertberg gepflanzt. Der Winzer aus der Steiermark hat insgesamt junge Anlagen, da er vor etwa zehn Jahren erst wieder begonnen hat, im Heimatort Wein zu machen. Der Pinot ist eine Rarität in diesem Teil der Steiermark. Und so ungewöhnlich seine Pinot-Abüllungen sind, so selten ist erst recht ein Pinot-Rosé. Die Trauben für diesen Wein wurden angepresst und vier Tage auf der Maische belassen. Der spontan vergorene Wein hat dann im gebrauchten Barrique gelagert und ist im Juni 2011 abgefüllt worden. Zum ersten Mal habe ich den Wein damals ziemlich jung getrunken. Damals war der Wein noch ziemlich primärfruchtig. Das ist jetzt weg. Zurückhaltendes Holz trifft hier auf Trockenkräuter und die Früchte gehen eher in Richtung Hagebutte und Berberitzen. Gerade letztere, mit  ihrem leicht säuerlichen Geschmack, den der Wein ebenfalls immer noch besitzt. Jedenfalls hat er eine ziemlich gelungene Struktur und eine schöne Länge.

Bem Spätburgunder Rosé 2010 von Enderle & Moll liegt der Fall ähnlich. Was an Traubenmaterial nicht hundertprozentig in den Pinot passt, wird Rosé. Die Trauben werden für diesen Rosé im Weinberg wie im Keller genau so behandelt, wie der Rotwein – nur dass natürlich der Saft früher abgepresst wird. Der Ertrag im Weinberg liegt bei um die 40hl. Entsprechend konzentriert ist die Frucht und Würze dieses Weins. Auch hier haben sich die primärfruchtigen Erdbeer- und Himbeernoten längst abgeschliffen. Das Holz ist deutlich präsenter als beim Rosé vom Herrenhof. Hinzu kommen auch hier trockene Kräuter, vor allem Minze, die auch beim jungen Rosé von Enderle & Moll immer präsent ist.

Unterm Strich sind das beides Rosé-Vertreter, wie ich sie mag. Sie schaffen genau die Balance zwischen ernstfhaften, kräftigem, relativ komplexem Wein und der frischen Leichtigkeit, die ich vor allem im Sommer gerne habe. Zudem passen sie exzellent zu Sommerküche und Grill. Wer einen solchen Wein lieber primärfruchtig haben will, trinkt ihn besser jünger. Wer mehr Tiefe und Balance haben will, warte zwei, drei Jahre ab.

 

bottleclub – eine schöne Idee

03/Sep/14 20:00 kategorisiert in: Im Netz

Vor einigen Monaten hatte ich eine Mail in meinem Postkasten, die die neue Weinvertriebsform bottleclub angekündigt hat. Ich habe diese Mail erst einmal nicht weiter beachtet. Es gibt einfach so viele Leute aus dem Wein-, PR- und SEO-Bereich die ständig irgendetwas wollen, dass ich viele davon einfach vergesse.

bottleclub

Nun bin ich einige Male bei facebook über bottleclub gestolpert, habe mich an die Mail und den darin enthaltenen Gutscheincode erinnert und bin mal auf die Seite gegangen. Ich war positiv überrascht. Der Laden sieht angenehm entspannt aus, das Angebot ist übersichtlich aber gelungen. Da kennt sich jemand aus und bietet Weine an, die etwas abseits vom Mainstream stehen aber jetzt nicht zu sehr aus dem Rahmen fallen. Weingüter wie die von Birgit Braunstein oder Le Clos Perdus beispielsweise würde ich immer weiterempfehlen.

Was ich ebenfalls sehr gut finde, ist das besondere Konzept. Es gibt eine, wie gesagt, begrenzte Anzahl an angebotenen Weinen. Jeder dieser Weine kostet 9 Euro. Das Angebot ändert sich monatlich und monatlich bekommt man ein Paket. Wenn man sechs Flaschen nimmt, ist es versandkostenfrei, darunter sind es 5 Euro. Diese monatliche Lieferung kann man jederzeit aussetzen oder kündigen – mit sofortiger Wirkung. Man kann die Weine einfach so nehmen, wie sie zusammengestellt wurden oder man stellt sie individuell selbst zusammen. Jedenfalls bekommt man vorab eine Mail, die daran erinnert, dass sich nun Weine in der Box befinden.

Ich finde, das kann man mal machen. Hier geht es zum Shop: https://www.bottleclub.de/952388

Dies ist ein affiliate-Link. Wenn ihr über diesen Link bestellt, bekommt ihr eine Flasche der Bestellung umsonst und ich zwei. Das solltet ihr wissen. Aber wegen meiner zwei Flaschen empfehle ich Euch das nicht. Ich habe genügend Getränke zuhause. Ich empfehle es allen, die zumindest drei Flaschen im Monat probieren wollen, die sie noch nicht kennen und die sich in einem bestimmten Rahmen überraschen lassen wollen.

Rosé-Sommer: Böchser, Hagel und Celebrity

03/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Rosé

Der Rosé-Sommer ist noch nicht vorbei, ein paar Weine habe ich noch in petto. Liebend gerne beispielsweise hätte ich ausführlich den Blanc de Rosé Extra Brut Premier Cru von René Geoffroy vorgestellt. Der Champagne-Winzer, den ich in diesem Artikel schon mal vorgestellt habe, macht gleich zwei Rosé und dieser hier ist deshalb so besonders, weil Geoffroy die Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir zusammen vergärt. Das macht meines Wissens sonst keiner. Allein, es hilft nichts, wenn der Wein einen Böchser bekommt, der noch zwei Tage später als Wölkchen über der Flasche wabert. So konnte man leider das vermeintliche Highlight eines Rosé-Abends, dessen zweiten Teil dieser Wein glanzvoll eröffnen sollte, mit tränenden Augen beiseite stellen.

geoffroy

Was folgte waren zwei Weine, deren einzige Klammer ihre Herkunft war. Beim Rosé Grele 2012 ist es vor allem die Geschichte, die erzählt werden will. Denn es ist ein Drama in mehreren Akten. Eigentlich war Raimond de Villeneuve, der das Provence-Weingut Château de Roquefort bei Cassis besitzt, sehr zufrieden mit dem, was 2012 in seinem Weinberg stand. Kurz vor der Ernte jedoch zerstörte ein massiver Hagelschauer, der sich wie eine göttliche Heimsuchung über Raimonds Weinberg verdichtet hatte mit zerstörerischer Gewalt und golfballgroßen Hagelkörnern innerhalb von sieben Minuten die gesamte Ernte des 25-Hektar-Weingutes – bis auf 15 Kilo.

grele

Ein solches Naturereignis kann einen Winzer in Minuten in den Ruin treiben, denn 25 Hektar zu verlieren, den gesamten Ertrag eines Jahres, ist kaum zu verkraften. Das wussten auch die anderen Winzer der Region. Deshalb haben sich viele von ihnen damals zusammengetan, und gesammelt. Nicht etwa Geld, nein, sie haben Trauben gesammelt, Raimonds Spediteur hat die Trauben von den insgesamt 35(!) Weingütern abgeholt, der Grafiker hat extra Etiketten entworfen, und, und und. So konnte Raimond statt des bekannten Rosé Corail und statt seiner Rotweine zumindest einige Tausend Flasche Grele Rosé und Grele Rouge abfüllen, Weine, die ihm das wirtschaftliche Überleben gesichert haben. Die Betriebe, die ihm geholfen haben, sind auf den Etiketten übrigens alle mit Logo erwähnt. Man erkennt hier Revelette, Richeaume, Pibarnon, La Coste, Vignelaure und viele andere. Es dürften also Trauben von guter Qualität gewesen sein, die Raimond verarbeiten konnte – und so schmeckt auch der Wein. Er ist regionaltypisch lachsfarben dank Direktpressung, würzig, hat Blütenaromen, viel frische Zitrusfrucht und jede Menge Trockenkräuter im Aroma. Dort hinein mischt sich rote Frucht, die aber immer nur ein kleiner Teil des Ganzen bleibt, nie dominiert. Dieser angenehm trockene, salzig-mineralisch wirkende Rosé bleibt immer vor allem auf der würzig-herben belebenden Seite. Ein schöner Wein.

miraval

Dem gegenüber stand Perrins, Jolies und Pitts Celebrity-Rosé des Château Miraval. Der Rosé in der auffälligen Flasche ist allerdings nichts aus dem Boden gestampftes, keine unpersönliche Abfüllung irgendeines namenlosen Massenproduzenten, bei dem die Promis lediglich ihren Namen hergeben und gründlich Kohle bekommen. Miraval, das im Tal Corrins liegt und Teil eines komplett biozertifizierten Ortes ist, hat eine längere Weintradition. Das große Gelände war vor der Übernahme durch Brangelina ein bekanntes Tonstudio samt Weinberg. Der Rosé, der hier erzeugt wurde hieß Pink Floyd, wie die Band, die hier ebenfalls früher Teile ihrer Platten produziert hat. Jolie & Pitt schließlich haben die Familie Perrin engagiert, um aus Miraval ein provençalisches Spitzenweingut zu machen. Der erste Wein des Gutes, der Miraval Rosé 2012 ist weltweit wie eine kleine Weinbombe eingeschlagen und hat es aus dem Stand in die Top 100 Liste des Decanter gebracht. Das dürfte vor diesem Wein noch keiner geschafft haben – zumal als Rosé. Da die Top 100 Liste aber nicht nur die Güte eines Weines berücksichtigt sondern auch den Einfluss im Markt, ist dies durchaus nachvollziehbar. Abgesehen davon können die Perrins, denen ja das berühmte Château de Beaucastel in Châteauneuf-du-Pape gehört, Wein machen. Und gemacht schmeckt der Rosé auch. Gut gemacht, aber gemacht. Stromlinienförmig, typisch, mit gewisser Tiefe und guter Balance. Man kann mit diesem Wein viel Spaß haben. Der Preis von €16,90 tut dabei allerding schon weh – allerdings bekommt man eine schöne Flasche samt Promiaufschlag.

 

Drei Mal Bier: Austmann Humbledugg, Tre Gamle Damer, Northumberland

01/Sep/14 12:30 kategorisiert in: Bier

Ein Austmann, das war früher eine Handlungsreisender, der vor allem im Ausland unterwegs war und, wenn er zurück nach Hause kam, viel zu erzählen hatte.

norweger_bier

Austmann steht seit Ende 2012 für eine kleine norwegische Craftbeer-Brauerei, die auf Ihrer Website allerdings nicht so viel zu erzählen hat. Was ich erfahren habe ist, dass es drei Jungs aus Trondheim sind, die hier Craftbeer brauen. Laut ratebeer gibt es schon über dreissig verschiedene Abfüllungen, die Drei sind also experimentierfreudig. Hier in Deutschland gibt es bisher vier Biere, von denen ich drei vorstelle – das vierte, ein Blaubeer-Stout, kommt später an die Reihe.

humledugg

Austmann Humbledugg IPA
Das Indian Pale Ale mit dem Namen Hopfentau wird mit den Aromahopfen Magnum, Waimea, Pacifica und Cascade gebraut. Neben zwei typischen amerikanischen Hopfen gibt es hier zwei aus Neuseeland. Und wie wir das schon von neusseländischen Sauvignon Blanc kennen, hat auch das Bier eine deutlich exotische Note. Im Glas ist es dunkel orange, so Richtung Bernstein mit einer ziemlich festen, etwas ins Bräunliche gehenden Schaumkrone. Es duftet schon aus dem Glas heraus deutlich exotisch fruchtig nach Limetten, Grapefruit, Ananas, etwas Maracuja und Karamellzucker.

Im Mund ist es deutlich unspektakulärer, als ich es vom Duft erwartet hätte. Weniger tropische Frucht, eher ein bisschen floral mit Aprikosen, ziemlich trocken aber mit einem unschönen Hefeton und einer nicht ganz ausgewogenen Bitterkeit. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht besonders gelungen. Der Alkoholgehalt liegt bei 6,5%.

belgian_ale

Austmann Tre Gamle Damer Belgian Pale Ale
Die die alten Damen wurden zum ersten Mal bei der Eröffnung der Brauerei zu ehren jener Damen gebraut, die die Eröffnung, finanziell unterstützt haben. Das Bier für zwei Mütter und eine Tante wurde mit den Hopfensorten Waimea, Perle und Amarillo gebraut, sowie mit Münchner Malz, hellem Weizenmalz, Carapils, Pilsener Malz und Pale Ale Malz. Das Bier ist dunkel bernsteinfarben und ziemlich trüb. Die Schaumkrone ist niedrig und leicht cremefarben. Es duftet deutlich nach süßen Karamellmalzen mit einer leichten Gewürznote. Amarillo und Waimea, also tropische Hopfenaromen finden sich hier nicht.

Auch am Gaumen kaum eine Spur von Aromahofen. Das Bier wird von den Malzen und der belgischen Hefe bestimmt, das Bier hat eine leichte Süße und ist moderat bitter. Geschmacklich sind es eher moderat ausgeprägte heimische Steinobstsorten, Karamell, einige Gewürze und ein leicht floraler Ton. Das Ale hat eine schöne, cremige Textur und schmeckt ziemlich ausgewogen. Es ist deutlich gelungener als das IPA. Der Alkoholgehalt liegt bei 5,5%.

brown_ale

Austmann Northumberland Brown Ale
Benannt wurde das Bier nach der englischen Grafschaft, in der der auch der Stile des Brown Ales beheimatet ist. Für das Bier wurden sieben verschiedene Malze verwendet, Röstmalze, Karamellmalze, Schokoladenmalz. als Hopfen findet sich hier Magnum und Fuggle. Diese Malze geben dem Bier eine dunkelbraune Farbe, eine zurückhaltende, beige Schaumkrone und einen ziemlich komplexen röstig, schokoladig, moccaartigen Duft, bei dem aber eine leichte Säure mitschwingt, so dass ich nicht den Eindruck bekomme, das Bier wäre schwer und allzu konzentriert.

Genau das bestätigt sich im Mund. Der Geschmack ist nussig, mit Röstnoten, Espresso, etwas Hefe, leichter Süße und einer guten Säurebalance. Es ist trotz der Malze und der üppigen Geschmacksnoten angenehm leicht und frisch. Es ist mir Abstand das Beste der drei Biere und eine klare Empfehlung. Der Alkoholgehalt liegt bei 5,5%.

Ich habe die Biere in Bonn bei P&M bekommen. Im Netz gibt es die Biere bei Bier-Deluxe.

 


« Zurückblättern – Weiterblättern »