Ich möchte mich an dieser Stelle gerne bei Axel Probst, World of Port, und dem Portweininstitut IVDP für die Möglichkeit bedanken, sehr intensiv die 2007er Vintage Ports verkosten zu können. Eine solche Zusammenkunft von Spitzenerzeugern, die meist auch noch direkt ihre Late Bottled Vintages mitgebracht hatten, dürfte ein Novum gewesen sein.

Im Kasino von Bayer in Leverkusen waren, ich hatte es kürzlich angekündigt, alle großen Namen wie Niepoort, Delaforce, Cockburn, Taylor's, Royal Oporto vertreten genauso wie viele kleine Produzenten, von denen ich teils noch gar nicht gehört hatte. Feuerheerds zum Beispiel, Passadouro oder Duorum.
Ohne mich auch nur entfernt als Spezialist dieser Weine aus dem Douro-Tal bezeichnen zu dürfen, sind mir doch einige Güter aufgefallen, die ich hier zumindest kurz auflisten möchte. Niepoort beeindruckt – wie immer? – durch herausragende Qualität. Neben ihm am Kopfenende stand Passadouro mit drei Ports, die mir ausgesprochen gut gefallen haben, ein Tisch weiter die Weine der Familie Symington, Warre's, DOW, Quinta de Vesuvio mit außerordentlicher Qualität. Direkt ums Eck ein kleiner Erzeuger namens Duorum, aus der Reihe fallend mit mineralisch-würzigem Port sehr eigenen Stils. Weiterhin beeindruckt haben mich LBV, Silval und Noval, der Quinta do Noval mit mineralisch, eukalyptisch-kühlen Weinen mit feiner Würze und zurückhaltender Süße – ein schöner Gegenpart zu fast gezuckert wirkenden Weine, wie sie beispielsweise Andresen produziert hat.
Eigentlich heißt der Wein Tina 41. Das kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass die Halbschwester des Chefönologen Tina heißt und schon 41 Lenze erlebt hat, nein, es ist lediglich die Fassnummer, besser gesagt die Tanknummer, in der der Grundstoff dieses Weines zusammengeschmolzen wurde. Eine Namensgebung wie bei Penfolds, wo die Weine dann BIN (Barrel Identification Number) heißen, BIN 389 zum Beispiel.
Der Wein, ich nenne ihn mal weiter Tina, wurde von den jungen Reben des Weingutes gemacht, von Grenache, von Carignan, von Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah – ein moderner Blend also, die Verbindung alter Rebsorten wie Grenache und Carignan mit den internationalen Standardrebsorten. Das geht zurück auf die Idee des Önologen Albert Costa, der nicht zuletzt bei großen australischen Gütern in die Lehre gegangen ist.
Für dieses Projekt wurde sogar ein eigenes Weingut gegründet, welches sich Clos l'Asentiu nennt und in Kooperation mit Vall Llach auf dem Etikett auftaucht. Ach ja, das Etikett. Das Etikett ist so modern gehalten wie der Wein und fällt direkt auf. Schöner wäre es gewesen, die weiße Buchstaben-Zahlen-Kombination direkt auf die Flasche zu bringen, wie es früher auf Portweinflaschen üblich war, hier ist es allerdings nur ein schwarzes, bedrucktes Papieretikett.

Aber nun zu Tina. Tina wirkt ein wenig wie eine fette Ente. Hochreife dunkle Kirschen, Pflaumen und Rosinen mischen sich mit Röstnoten, Kaffee, dunkler Schokolade und etwas Lakritze. Das alles schwimmt in Alkohol. Das merkt man erst etwas später, nicht direkt im Mund, aber in der Kehle, da wirkt der Wein brandig und kann dann auch seine 15 % Vol. nicht mehr verheimlichen. Angenehm finde ich lediglich, dass Tina 41 nicht auch noch Röstholz von frischem Barrique mit sich herumschleppen muss. Aber es reicht auch so schon. Von fast allem etwas zu viel.
Ach ja, fürs Gezwitscher gibt es jetzt auch 'nen Account:
Das Bedrückende an diesem Wein ist, um es vorweg zu sagen, die schlechte Qualität der Korken. Allein drei Flaschen meines Sechser-Kartons hatten bisher Kork. Das ist sehr ärgerlich wegen des Preises und auch wegen des entgangenen Genusses eines Weines, der ansonsten sehr viel Spaß macht. Leichte Alterungsnoten mischen sich in eine Melange aus Honig, sattem hochreifen Steinobst und etwas Panna Cotta.

Ein sehr cremiger Riesling mit einigem Restzucker, feiner Säure, schönen Mineralen und herrlichen Südfrüchten. Allein der Abgang scheint etwas kurz geraten bei diesem reifen Wein, über dessen Schöpfer und Weingut so viel geschrieben worden ist in den letzten Jahren, dass ich mir das an dieser Stelle spare.
Amüsant aber ist, wo ich gerade die bisherigen drei Artikel verlinke, dass im ersten steht, dass ich den 2005er Saar Riesling bei einem Freund getrunken habe, der sonst keinen Riesling trinkt und dieser der Einzige sei, den er mögen würde. Gestern habe ich der Burgunderfrau einen eingeschenkt und siehe da, jene, die sonst Riesling als Fiesling verschmäht, fand Gefallen an diesem vollen, reifen Tropfen, dem anscheinend eine gewisse Riesling-Markanz abgeht, die die meisten anderen Weine dieser Rebsorte sonst wohl vorweisen.
Allein hier Artikel 1, 2 und 3.
In meinem letzten Artikel schrieb ich, dass es dem Alzeyer Rothenfels von Axel Koehler durchaus gut tun würde, wenn man ihm Luft zuführen würde. Darauf bekam ich das Feedback eines Lesers, dass er dies mit Weißweinen noch nie gemacht habe. In der Tat ist dies nicht unbedingt üblich – hilft vielen Weinen aber bei ihrer Entfaltung.
Dabei sprechen wir dann vom Karaffieren des Weines. Das hört sich vielleicht etwas hochgestochen an, unterscheidet sich aber vom Dekantieren, was ja als Begriff bekannt ist und eigentlich dem Zweck dient, das Depot ungefilterter Weine in der Flasche zu lassen und den Wein nicht der Gefahr auszusetzen, durch diese teils bitteren Trübstoffe an Geschmack zu verlieren. Mir ist dies am Anfang meiner Beschäftigung mit Wein durchaus passiert. Da hatte ich – ich weiß es noch wie heute – von meinem Bruder eine Flasche 1982er Leoville Las Cases geschenkt bekommen, ihn irgendwann aus der Horizontalen des Kellers geholt und ihn eingeschenkt. Er schmeckte nicht sonderlich und die Partikel störten den Trinkgenuß. Das war im wahrsten Sinne des Wortes bitter und ist mir allerdings mit einem solchen Wein dann auch nur einmal passiert.
Man dekantiert am besten, indem man den Wein, den man trinken möchte, schon einige Tage vorher aus der horizontalen Lage des Weinregals in die Aufrechte stellt. Dann nimmt man sich eine Kerze und hält die Flasche bei Umgießen in die Karaffe mit dem Hals über das Licht, sodass man die Flüssigkeit genau beobachten kann. Bevor die ersten Partikel in den Dekanter gelangen, sollte man die Flasche zur Seite stellen. Dann kann durchaus einmal ein Siebtel des Weins in der Flasche bleiben.
Das Dekantieren führt darüber hinaus natürlich gleichzeitig zu einer Vermischung von Luft und Wein, der Wein kann im Dekanter atmen, er kann sich entfalten. Und dieses Atmen ist eben auch manchem Wein zuträglich, der kein Depot in der Flasche hat, und zwar sowohl rotem wie auch weißem Wein. Wenn man diesen dann umschüttet in einen Dekanter oder eine Karaffe, spricht man vom Karaffieren.
Die Wirkung dieser Vermischung des Weines mit Luft während des Umschüttens und die Zeit, die der Wein in der Karaffe bekommt, in der er eine größere Oberfläche hat, die mit der Luft korrespondiert, ist manchmal frappierend. Zum erstenmal ist mir dies bei den Weien von Nicolas Joly aufgefallen. Dieser empfiehlt, seine Weißweine schon einen Tag vor dem Genuss zu dekantieren – ein Sonderfall vielleicht, aber kein Einzelfall. Kürzlich schrieb ich über eine Silvaner-Probe mit Weinen von Horst Sauer und Hansi Ruck. Den Ruckschen Weinen hat dieses Karaffieren ausgesprochen gut getan. Was vorher archaisch und verschlossen im Glas dahindümpelte, entwickelte sich, entfaltete sich wie das Öffnen einer Blume im Schnelldurchgang.
Ich empfehle, das einfach mal auszuprobieren – mit einer Spätlese, einer Auslese oder mit Großen Gewächsen –, um mal zu testen, wie sich die Weine nach einer Stunde entwickeln, wenn sie aus einer Flasche kommen oder aus einer Karaffe.
Es gibt Weine, die sind nicht unbedingt was für offizielle Verkostungen, die tun sich im Zweifel sogar auf Gastronomieweinkarten schwer – und sind trotzdem ausgezeichnet. Woran liegt es? Es liegt daran, dass sie erst am zweiten Tag so richtig aufdrehen oder nach längerer Zeit im Dekanter. Für Rotweine ist dies Verhalten bekannt. Bei Weissweinen wird aber oft ignoriert, dass auch dieses durchaus Zeit brauchen um Sauerstoff in sich aufzunehmen damit sie sich entfalten können.
Der Alzeyer Rotenfels von Axel Koehler ist so ein Wein. Zunächst nämlich wird man die Perle im Innern kaum finden. Der Wein wirkt streng, zurückgezogen, fast mürrisch. Man muss ihn erst zähmen. Die Zeit muss ihn zähmen. Gibt man ihm die Stunden eines Tages, wird er sich öffnen. Er behält seinen eigenen Charakter, aber er kommt näher. Aromen von gelben Früchten, vielleicht Mirabellen, entwickeln sich genauso wie leicht tropische Aromen. Dabei wird der Wein weicher und in einem sehr angenehmen Sinne opulenter und gleichzeitig filigraner. Geht das? Ja, das geht. Denn zum einen wird der Wein deutlich voluminöser und die Aromen öffnen sich, zum anderen wird das Wechselspiel zwischen Frucht und Säure klarer, salzige Mineralik kommt hinzu und der Abgang wird immer länger.

Es ist Axel Koehlers Riesling-Prunkstück im Keller. Er, der erst seit ein paar Jahren unter eigenem Namen vinifiziert – ich sprach es schon hier an –, schafft hier einen Cru, der manch Großem Gewächs heftige Konkurrenz machen dürfte. Der Riesling stammt von Kalkmergel-Böden, die Ernteausbeute liegt bei unter 35 hl pro Hektar. Die Kellerarbeiten sind geradezu bewusst archaisch: keine Temperaturkontrolle während der Spontanvergärung, Nutzung alter Stückfässer bzw. Steingutbehälter.