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In Neuseeland – Teil 9: Marlborough, Im Johanneshof, bei Greywacke und Dog Point

04/Jun/15 12:31 kategorisiert in: Rot, Neuseeland, Weinland Neuseeland, Weiß, Neuseeland

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Mit etwas mehr Zeit wäre ich am liebsten mit dem Rad vom Weinbaugebiet Nelson aus nach Marlborough gefahren. Die Fahrt führt durch das traumhaft schöne Rai Valley und es ist eigentlich ein MUSS, an einem der Sunde anzuhalten, seine Zeit zu verbringen und beispielsweise in Havelock die grünen Muscheln zu genießen. Am besten fährt man dann die längere Strecke Richtung Blenheim, der Hauptstadt von Marlborough. Denn dann hat man noch einen Blick auf die Momorangi Bay, Ngakuta Bay und die Shakespeare Bay bevor man Picton als Zwischenstopp erreicht.

Marlborough_TalAuf dem Weg von Nelson nach Marlborough

Wenn man diese Richtung wählt kommt man auf dem Weg nach Blenheim an einem kleinen Weingut vorbei, das von einer Deutschen und einem Neuseeländer geführt wird. Der Johanneshof Cellar hat sich vor allem durch Schaumweine und Süßweine einen Namen gemacht. Hier in Deutschland sind die Weine schwer zu kriegen aber vor allem in Neuseeländischen Restaurants sind die Weine gut vertreten.

Marlborough_Johanneshof

Das Weingut wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen, denn es ist klein und familiär geführt während sonst in Marlborough fast alles groß und professionell geführt wird, so, wie man einen Mittelstandbetrieb halt führt. Da ich mit Edel Everling einen Podcast gemacht habe, sei hier nur so viel verraten: Im tief in den Berg gesprengten Keller, der optisch einem Bergwerksstollen gleicht, was kein Wunder ist, weil es Bergbauingenieure waren, die ihn angelegt haben, lagern einige Weine aus der mittleren Steinzeit des Neuseeländischen Weinbaus, wie zum Beispiel eine herrliche 1998er Riesling Spätlese.

 Marlborough_01Das ist Marlborough. Auf der einen Seite das Meer der Cloudy Bay, auf der anderen seite die Berge und dazwischen Sauvignon Blanc, soweit das Auge reicht. Aber das ist natürlich längst nicht alles…

Marlborough, das heißt 23.000 Hektar Wein am Stück, 77% der gesamten Produktion in Neuseeland, aufgeteilt in knapp 18.000 Hektar Sauvignon Blanc, 2.500 Hektar Pinot, 1.000 Hektar Chardonnay und knapp 1.500 Hektar aromatische Rebsorten. Marlborough ist der Name, der auf fast allen Etiketten neuseeländischer Weine steht, die international über die Ladentheke wandern. Der überwiegende Teil davon ist kühl vergorener, teils aromatisch mit Hefen und Enzymen hochgepuschter Sauvignon Blanc einer bestimmten, tropisch-aromatischen Art voller Maracuja, Ananas und Papaya samt frisch gemähtem Gras.

Marlborough_IndustriesWine Industry bei Villa Maria, so vollautomatisch wie es nur geht, damit hier so schnell wie möglich die 3.6000.000 Liter Sauvignon in die großen Tanks kommen.

Cloudy Bay hat damit in den 1980er Jahren angefangen und die Leute stehen bis heute drauf. Es werden Millionen Liter davon hergestellt, so wie hier bei Villa Maria in denen der Standard-Sauvignon-Blanc in 16 Tanks à 225.000 Litern abgefüllt wird. Und der Wein ist gut. Das will ich mal dazu sagen. Das ist auch nicht als bashing gemeint sondern als Bestandsaufnahme. Bei Villa Maria, einem Weingut, dass sich vor drei Jahrzehnten in der Nähe des Flughafens von Wellinton gegründet hat, quasi als Garage Winery, sich heute mit Dependancen über das ganze Land verteilt und sich immer noch im Familienbesitz befindet, werden auch jede Menge High-Class-Weine produziert. So ist das in Neuseeland. Bei uns ist es kaum denkbar, die komplette Bandbreite eines Weinlandes und dann noch von Supermarktqualität bis Icon-Wine abzudecken.

Marlborough_Southern_ValleyDog-Point-Besitz in den Southern Valleys

Sauvignon Blanc also… Bei Cloudy Bay bin ich gar nicht gewesen, den Weinmacher Tim Heath hatte ich im letzten Herbst noch in Hamburg getroffen und da er alle seine Weine mitgebracht hatte, ich habe hier darüber geschrieben, fand ich es viel interessanter, bei zwei Weingütern vorbeizuschauen, die sich aus der Gründungsgeneration von Cloudy Bay gegründet hat. Denn, auch wenn man den Stil, den Cloudy Bay pflegt als kitschig empfinden mag, vor allem, wenn man gute Sauvignon Blancs aus Sancerre oder Pouilly-Fumé schätzt, muss man doch konstatieren, dass Cloudy Bay quasi die Mutter aller Marlborough-Weingüter ist und den Ruf Neuseelands quasi im Alleingang begründet hat.

Marlborough__GreywackeRichard Ellis macht zusammen mit Inhaber Kevin Judd die Weine bei Greywacke, einem ausgezeichneten Weingut bei Blenheim.

Damals mit dabei waren Kevin Judd, Ivan Sutherland und James Healy. Alle drei haben, nachdem Cloudy Bay in den Besitz von Louis Vuitton-Moet-Henessy übergegangen ist, ihre eigenen Weingüter gegründet. Der Engländer Kevin Judd war der erste Winemaker bei Cloudy Bay und gehörte somit zu den Gründern des Weinguts. Er ist so etwas wie Winemaker-Legende in Marlborough. James Healy war 12 Jahre lang Önologe bei Cloudy Bay während Ivan Sutherland 18 Jahre lang die Weinberge dort betreut hat. Die drei arbeiten heute immer noch zusammen denn James und Ivan haben 2000 zusammen mit ihren Frauen das Weingut Dog Point gegründet. Zentraler Bestandteil ist der namensgebende Weinberg Dog Point, um den sich mittlerweile noch weitere 120 Hektar Besitz gruppieren, der komplett ökologisch zertifiziert ist. Aus diesem Besitz wird nur zu einem Teil eigener Weine gemacht. Vieles wird anderen Winzern zur Verfügung gestellt und einer davon ist Kevin Judd, der keinen eigenen Weinbergsbesitz hat und nicht nur Trauben kauft sondern diese auch noch zusammen mit Richard Ellis, der mich begleitet hat, bei Dog Point ausbaut und sie, ganz im eigenen Stil unter dem mittlerweile renommierten Namen Greywacke anbietet. Insofern ist die Winery von Greywacke ein kleines Holzgebäude in Grauwacke-Farbe mit kleinem Garten, aus dessen Ertrag wir unser Mittagessen zusammengestellt haben.

Marlborough__Section_94Section 94 beginnt genau dort, wo das Laub heller wird. dort wird der Boden kalkig-kreidiger. Hier steht der Sauvignon Blanc für den gleichnamigen Wein.

Über Dog Point habe ich hier ja schon das ein oder andere Mal geschrieben. Für mich waren die Weine mit die ersten Marlborough-Weine, die mich wirklich mitgerissen haben. Und so ist es immer noch. Bei beiden Weingütern entstehen hervorragende Sauvignon Blancs, Chardonnay und Pinot. Angetan hat es mir weiterhin der wilde Dog Point Sauvignon Blanc Section 94, hier schon mal beschrieben sowie das Pendant von Greywacke, der Greywacke Wild Sauvignon, der ebenso wie Section 04 komplett spontan vergoren wurde und dann in alte französische Fässer gewandert ist. Zwei Drittel der Fässer haben die malolaktische Gärung durchlaufen und der Wein wurde erst anderthalb Jahre nach Gärung auf Flaschen gefüllt. Ich habe 2013 und 2010 probiert und beides hat mich beeindruckt. Herrlich die Steinfrucht, die Kräuternase, eine Süße wie von portugiesischen Vanille-Natas, dann eine reuchig, ganz leicht salzige und mineralische Note und selbst beim 2010er noch ein wenig Flint. Wunderbar komplex und lang – ein toller Sauvignon Blanc.

Marlborough_07 The Bell Tower, das Gästehaus bei Dog Point. Wieder so ein Ort, wo ich gern länger geblieben wäre.

Für die Pinots und Chardonnays sind die ambitionierten Weingüter längst in die Hügel gegangen während der Sauvignon Blanc in Marlborough vor allem im Flachland steht. Die Southern Valleys bieten etwas mehr Kühle und vor allem andere, lehmreichere Böden. Die Greywacke und Dog Point Chardonnays profitieren von der Säure des kleinbeerigen Mendoza-Klones, der hier hauptsächlich verwendet wird. Er liefert in seiner Jugend in Verbindung mit Spontanvergärung einen Flint-Feuerstein-Touch im festgewirkten, von Grapefruit- und Limonenzesten geprägten Fruchtspiel, das durch Haselnüsse ergänzt wird.

Marlborough_06

Der Pinot von Dog Point ist betont fruchtig und hell mit viel Kirsche und gut eingebundenem Holz. Der Stil ist anders als der aus Martinborough und erst recht als der aus Central Otago. Bei Dog Point trifft man auf einen schwebenden, eher kühlen Pinot, der mir besser gefallen hat als der konzentrierter, dunklere Pinot von Greywacke. Dog Point übrigens hat genau vier Weine im Programm. Den typischen aber sehr guten Sauvignon Blanc, den Section 94, den Chardonnay und Pinot. Bei Greywacke kommen noch Pinot Grios, Riesling und Riesling Noble Harvest mit 120 Gramm Zucker dazu. Aromen von Trockenaprikose, Bitterorange, Orangenzesten und phenolische Noten treffen auf eine balancierte Säure. Fein gemacht!

Marlborough_04Matthew Sutherland, Sohn der Mitgründer und heute Weinmacher bei Dog Point.

Was Dog Point angeht, so hatte ich das große Glück in deren Gästehaus The Bell Tower unterzukommen. Von dort hat man nicht nur einen wunderbaren Blick über die Landschaft, das Haus liegt auch direkt im weitläufigen Landschaftspark, der sich von dort bis zur Winery hinunterzieht.

Marlborough_Southern_Valley_02

Greywacke und Dog Point gehören ohne Zweifel zur Spitze des Gebiets. Hier spürt man die über drei Jahrzehnte gewachsene Erfahrung, die man in Marlborough gemacht hat. Gleichzeitig wird auch hier in jedem zweiten Satz deutlich, wie bewusst man sich ist, dass man eigentlich immer noch am Anfang steht. Diese Zurückhaltung, diese professionelle Reflektion und Einordnung der eigenen Weges zusammen mit der Gastfreundschaft, die mir beim Besuch jedes einzelnen Weinguts entgegengebracht wurde, macht diese Weine-Reise zu einem Fest.

Map_Neuseeland_Marlborough

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man'O'War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum Neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke's Bay

Teil 4: In Hawke's Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke's Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

 

 

 

 

Wein Online Award 2015

01/Jun/15 12:30 kategorisiert in: Abschweifungen

Liebe LeserInnen und HörerInnen,

auch in diesem Jahr gibt es wieder den Wein Online Award, wo die besten letztjährigen Beiträge in den Kategorien Fotografie, Weinartikel und diesmal auch Video/Podcast/Bewegtbild ausgezeichnet werden. Solltet Ihr den Originalverkorkt-Pocast, den WRINT-Podcast oder einen der Artikel des letzten Jahres besonders genossen haben, freue ich mich, wenn Ihr die Gelegenheit nutzt und dies hier verlauten lasst, denn vorschlagen kann dort jeder. Es wird dann eine Jury geben, die eine Vorauswahl trifft. Diese wird den Teilnehmern des Vinocamps 2015 zum Ende des Monats präsentiert, die dann die letztgültige Entscheidung treffen.

Logo-Wein-Online-Award-200px

Dieser Aufruf gilt natürlich nicht nur für die hier erschienenen Postings, sondern auch für die von Kollegen. Und genau da schaue ich mich jetzt selber auch noch mal um, um meine diesjährige Auswahl abzugeben.

Der Podcast Player funktioniert wieder

21/Mai/15 09:11 kategorisiert in: Abschweifungen

Warum auch immer, ich habe nichts Entscheidendes getan. Trotzdem, das Blog wird in Kürze auf einen anderen Server ziehen, incl. aktuellem php. Dann wird es einen Podlove-Player geben und dann mache ich mich auch mal an Kapitelmarken etc. Hier gibt es den Überblick bei iTunes. Und hier gibt es denn Podcast-Feed über Feedburner.

Werlitsch 2011 – Liebeserklärung an einen Wein

20/Mai/15 12:30 kategorisiert in: Bio & Biodyn, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Weiß, Österreich

Manchmal plöppt in der Weinwelt, und zwar vor allem auf facebook ein Wein oder Weingut auf und alle schreiben darüber. So viel und so, dass dann andere, die das lesen, sich fragen, wieviel das Weingut denn wohl für die Promotion bezahlt hat. Das ist normalerweise nicht der Fall. Es ist vielmehr so, dass die Zunft der Weinschreiber so klein ist, dass solche Weine schnell die Runde machen.

Doch kann eigentlich über außergewöhnliche Weine jemals genug gesagt werden? Nicht, wenn sie so vielschichtig sind und sich immer wieder so neu und doch so vertraut präsentieren, wie es ein Wein von Ewald Tscheppe tut. Der Wein ist vor einiger Zeit durch die hiesige Weinszene gereicht worden, als große Offenbarung. Weil dieser Wein tatsächlich eine solche Offenbarung ist, ist es gut, dass er und sein Erzeuger diese Aufmerksamkeit bekommt. Denn Ewald Tscheppe, der aus einer traditionsreichen steirischen Weinbaufamilie stammt, gehört nicht zu jenen, die besonders laut wären. Für diesen Typ Winzer dauert es deutlich länger, bis er entdeckt wird – wenn es überhaupt geschieht.

Ewald_Tscheppe

Die Familie Tscheppe ist in Glanz an der Weinstraße in der Südsteiermark beheimatet. Dort bewirtschaftet sie seit dem 17. Jahrhundert die Weingärten, die teils in Steillagen terrassiert sind und deren Sockel der Opok bildet – so nennt man dort den Kalkmergel mit besonders hohem ph-Wert. Seit einigen Jahren haben die beiden Brüder den Besitz des Vaters Andreas Tscheppe sen. geteilt. Der Bruder, Andreas jun. firmiert unter eigenem Namen und Ewald und seine Frau Brigitte haben ihren Betrieb Werlitsch genannt. Werlitsch ist der Name des Hofs, auf dem die Familie beheimatet ist.

Die beiden Brüder, die bei der Wiener Weinmesse Vievinum im letzten Jahr auch direkt nebeneinander standen, bewirtschaften die gleichen Weinberge und sie tun es auf die gleiche Weise, denn sie haben sich beide dem biodynamischen Weinbau verschrieben. Eine durchaus unterschiedliche Stilistik entwickelt sich erst im Weinkeller, der teils noch von beiden genutzt wird. Wenn man die Weine probiert, zeigt sich eindrücklich, dass schon das Drehen an wenigen Stellschrauben völlig unterschiedlich wirkende Weine zustande bringt. In beiden Betrieben geht es vor allem um Sauvignon Blanc, Morillon, wie der Chardonnay dort genannt wird und um Gelben Muskateller.

Ewald Tscheppes Landwein Werlitsch wird aus 50% Morillon und 50% Sauvignon Blanc gekeltert. Die Reben für diesen Wein stammen aus den kargsten und steilsten Lagen, die Tscheppe im Besitz hat. Der Saft bleibt lange auf der Maische und das im offenen großen Holzbottich. Nach dem langsamen Pressen wird der Wein zwei Jahre auf der Feinhefe im großen Holzfass gelagert, bevor er auf die Flasche kommt.

werlitsch

Soweit zum Hintergrund. Der spielt allerdings zunächst einmal, wenn man den Wein öffnet und ins Glas gießt, keine Rolle mehr. Man kann über dieses Wissen verfügen oder nicht, wenn der Wein ins Glas rinnt, trüb und orange wie ein modernes Craftbeer, dann spielt all das für eine Zeit keine Rolle mehr. Den Vergleich mit dem Craftbeer nutzte ich natürlich bewusst, denn sowohl in der Farbe als auch im Aroma ist es genau das, woran dieser Wein im ersten Moment erinnert. Es ist die Hefe, die zunächst den Charakter bestimmt, und so etwas wie die typischen momentan gefragten Aromahopfen wie Amarillo oder, mit Blick auf den verwendeten Sauvignon Blanc auch Nelson Sauvin. Schnell aber verändert sich der Wein im Glas und was dann über die nächsten Stunden oder Tage hinweg passiert ist einfach beeindruckend schön. Wenn man alles, was man sonst so mit Wein verbindet zunächst einmal zur Seite lässt und sich auf diesen Wein einlassen mag – vor allem, wenn man keine Erfahrung mit Orange-Weinen hat – dann ist dies ein Erlebnis, wie man es mit Getränken nur selten hat. Dieser Wein ruht auf unglaubliche Weise in sich selbst, ist ruhig und gelassen wie sein Erzeuger, öffnet sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen demjenigen, der sich Zeit mit ihm lässt. Die Frucht changiert im Laufe des Abends von grüner und gelber zur orangener und leicht kandierter Frucht. Es gibt neben hefigen Anklängen auch malzige. Es gibt Kräuter, viele Kräuter und Gewürze (Brotgewürz,Thymian, Fenchelblüte), dazu Tabak, Nüsse, Mandeln, Speck und immer ein wenig Salz dabei. All das verbindet sich in höchster Komplexität ohne auch nur eine Spur anstrengend zu sein. Das ist Wein wie ein Naturschauspiel außerhalb der Stadt. Man ist mit seinen ganzen Sinnen gefangen, aber es hat nichts Hektisches, nichts Lautes. Einen Wein zu machen, der so geerdet ist und gleichzeitig so zu schweben scheint, ist nicht einfach zu machen. Dazu muss man schon im Weinberg und ebenso im Keller sehr genau nach innen und nach außen hören, muss sich ganz einlassen auf das, was die Natur einem da angeboten hat. Ewald Tscheppe kann das, keine Frage. Und selbst wenn wir, als Betrachter, als Erschmecker, als Genießer der Idee der Biodynamie, der Tscheppe folgt, kritisch gegenüber stehen mögen, so kommen wir doch nicht umhin, diesen Wein als außergewöhnlich zu groß zu bezeichnen. Dass diese Größe aber nur deshalb möglich ist, weil Tscheppe sich so intensiv auf die Natur und seine Art der Bewirtschaftung einlässt, finde ich bei diesem Wein so offensichtlich wie bei kaum einem zweiten. Es ist gut, dass wir Menschen haben, die sich darauf einlassen, die sich nicht beirren lassen und diese Hilfsmittel nutzen, um Weine von solcher Tiefe und solcher Größe und vor allem Schönheit erzeugen.

Dieser Wein ist einer der großen der Weinwelt, das würde ich ohne zu zögern sagen. Im Gegensatz zu vielen höchst bewerteten Weinen allerdings kostet dieser Wein hier etwa so viel wie eine gute Kiste Craftbeer. Wenn mich jemand fragen würde, welchen Wein ich in einer Originalkiste mit auf eine einsame Insel nehmen würde, dann wäre es genau dieser Wein. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich mir davon im Gegensatz zu anderen höchst bewerteten Weinen aus dem Burgund, dem Bordelais oder sonst woher auch persönlich eine Kiste leisten könnte.


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