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In Neuseeland – Teil 4: Craggy Range und Elephant Hill

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Hawke’s Bay ist neben Marlborough die Region der großen, von Investoren gegründeten Weingüter. Nach dem Regionaltasting, von dem ich noch einige Weine empfehlen werde, habe ich in zwei Tagen vier dieser Weingüter besucht. Heute stelle ich Craggy Range und Elephant Hill vor, danach geht es weiter mit Trinity Hill und Sileni.

Craggy_Range_01Oben rechts: Matt Stafford erklärt anhand einer  Luftaufnahme den Te Muna Road Vineyard in Martinborough. Unten links: Sieht schwer nach einer heftigen Unterstockspritzung aus. Unten rechts: Weinmachen in pseudosakralem Ambiente. Wir kennen das aus dem Bordelais. Copyright: C. Raffelt

 

Craggy Range
Matt Stafford hat es sich netterweise – obwohl er an dem Tag die gesamte Belegschaft des Weinguts Stag's Leap erwartete – nicht nehmen lassen, mich selbst beim Regionaltasting abzuholen und einmal kurz bei den Gimblett Gravels vorbeizufahren, bevor wir eine Führung durchs Weingut unternommen haben. Matt Stafford ist der Chief Winemaker der 60-Millionen-Dollar-Investition namens Craggy Range. Gegründet hat es Terry Peabody, ein Australier, der in Australien die Abfallentsorgungsbranche revolutioniert und viel Geld damit gemacht hat. Er traf 1997 auf den Weinmacher und Master of Wine Steve Smith. Nach einem ersten Gespräch wusste Peabody, dass sein Wunsch, der Familie ein Weingut aufzubauen und letztlich zu hinterlassen, Gestalt annehmen würde. Allerdings nicht in Europa, wie eigentlich mal ins Auge gefasst, sondern in Neuseeland. Terry Peabody ist nun nicht der Typ, der ein solches Projekt halbherzig oder mit angezogener Handbremse beginnt. Er hat sich zusammen mit Smith sehr genau überlegt, nach welchem Konzept er das Weingut errichten und positionieren würde, und genau das hat er dann umgesetzt.

Craggy Range war von Beginn an darauf ausgelegt, eines, wenn nicht das beste Weingut des Landes zu werden. Und diesem ganz klaren Ziel folgt man in einem 50-Jahre-Plan. Dabei kamen Steve Smith’ außerordentlich guten Kenntnisse der geeigneten Rebfläche ins Spiel. Er hatte bereits jede Menge Parzellen in allen möglichen Teilen des Landes erworben und bepflanzt, um die besten Flächen zu finden. So startete man auf den Gimblett Gravels mit Syrah und einigen Bordeaux-Rebsorten und außerdem im Tuki-Tuki-Valley mit Chardonnay. Doch, wie ja schon mehrfach betont, wird in Neuseeland immer noch Pionierarbeit geleistet und so wurde später auch auf Craggy Range so manche Sorte wieder herausgerissen oder getauscht, um immer perfektere Ergebnisse zu erhalten.

Craggy_Range_02Leichte Lunch-Vorspeise im hervorragenden Restaurant Terrôir. Die Initialen der Weine gefallen mir natürlich. Ebenso der Blick vom Restaurant auf die gegenüberliegenden Hügel. Fotos Copyright: C. Raffelt

Neben dem Präsentationsstandort samt Restaurant bei Hastings wurde eine hochmoderne, technisch perfekt ausgestatte Werkstätte in die Gimblett Gravels gestellt. Wenn ich das Probieren der Wein resümieren soll, dann spiegeln die Weine den Preis der Technik wider, würde ich sie als technisch sehr perfekte, hoch elegante Weine beschreiben, die mehr den Stil des Hauses und des Weinmachers präsentieren, als den der individuellen Weingärten und Mikroklimate (auch wenn man die darin natürlich ebenso wiederfindet). Seitdem ich den ersten Wein von Craggy Range vor einigen Jahren probiert habe, empfinde ich es so, dass der Keller den Charakter zu stark poliert. Dies ist ein persönliches Empfinden, dass ich auch schnell mal bei modernen Cru-Classé-Weinen aus dem Bordelais habe. Manchmal sind diese Weine so elegant und glatt, dass sie mir einfach von der Zunge flutschen, dass ich sie nicht zu packen kriege. Und dann bleiben sie eben auch nicht haften.

Trotzdem bin ich beim Probieren der Weine glücklich geworden. Die 2011er Cuvée names Sophia hat mich ebenso beeindruckt wie die Rieslinge beim abschließenden Lunch im gutseigenen Restaurant Terrôir. Sophia ist eine St.-Émilion-Cuvée, wenn man so will. Merlot macht den Hauptteil aus, dazu gibt es Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und etwas Petit Verdot. Die reife Frucht ist hier präsent (Pflaumen, Brombeeren, Cassis), die Würze (getrocknete Provence-Kräuter, Zimt, etwas Vanille) und die Tanninstruktur ist fein und gelungen. Die Rieslinge waren schon in fortgeschrittenem Alter (2004, 2002) und haben sich in glänzender Verfassung präsentiert.

 

Elephant Hill
Auf ähnlichem Gebiet wie Craggy Range bewegt sich Elephant Hill. Das Weingut wurde von Roger Weiss gegründet, einem deutschen Unternehmer und Sammler historischer Jaguars, die er zur Generalüberholung zu einem der weltweit führenden Jaguar-Spezialisten nach Neuseeland verschiffen lässt. (Überhaupt scheinen historische Wagen und vor allem auch Flugzeuge ein besonderes Faible der Neuseeländer zu sein. Das Klima ist für diese Sammelleidenschaft auch ziemlich perfekt.) Es begab sich nun, dass Roger und Reydan Weiss ihren Fahrzeugen irgendwann selbst ans vermeintliche Ende der Welt folgten und so begeistert waren, dass sie 2001 einer weiteren Leidenschaft ein Gesicht geben wollten und das Weingut Elephant Hill gründeten (benannt nach einem weiteren Faible, dem für Elefanten). Dem Weinbergsmanager Jon Peet zu Folge, hat Weiss ähnliche Ambitionen wie Peabody. Auch er will auf seinem 25-Hektar-Weingut die besten Weine des Landes erzeugen. Jon Peet, aber auch Direktor Günter Thies und Winemaker Steve Skinner erhalten dafür alle Möglichkeiten, um dieses Ziel zu verwirklichen. Entsprechend aufwendig und geradezu penibel ist die Pflege der Weinberge. Es ist tatsächlich beeindruckend, wie weit man schon gekommen ist, wenn man bedenkt, dass der erste Jahrgang aus dem Jahr 2008 stammt.

Elephant_Hill_01Wenn Roger Weiss  in Neuseeland verweilt, blickt er von seinem Haus aus (oben links) auf die Te-Awanga-Weinberge, die Winery und den dahinterliegenden Pazifik (unten rechts). Die Rebstöcke und vor allem der boden sieht etwas anders aus als bei Craggy Range. Der Engländer Jon Peet ist ursprünglich Bodenforscher, was ihm hier durchaus zugute kommt. Er pfelgt die Weinberge mit einem minimalaufwand an Chemie. Doch praktisch alle in Hawke's Bay haben Angst vor Pilzkrankheiten und es gibt nur ganz wenige zertifiziert biologische Weinberge. Fotos Copyright: C. Raffelt

Die Weine zusammen mit Jon Peet im gutseigenen Restaurant beim Essen zu probieren, ist bei der Lage des Weinguts natürlich ein besonderes Vergnügen. Das Restaurant wurde gerade erst zum besten Weingutsrestaurant Neuseelands gekürt und ich würde lügen, wenn ich nicht eingestehen würde, dass ich mich an dem Abend schon sehr privilegiert gefühlt hätte. Gerade die Syrah und Chardonnay des Weinguts sind exzellent. Ausgesprochen gut gefallen haben mir jedoch auch die beiden Cuvées Le Phant rouge und Le Phant blanc mit Pinot Gris, Viognier und Gewürztraminer. Die Weine sind elegant und bergen gleichzeitig eine immense Frische. Ich ziehe dabei den 2012er Jahrgang, der nass und kühl war dem wärmeren 2013er vor. Das ist mir so von Nord nach Süd passiert. Fast überall wollte man mich von der besonderen, zweifelsohne vorhandenen Qualität des Topjahrgangs 2013 überzeugen (musste man gar nicht) und doch war ich mir dann fast immer sicher, dass ich mir selbst 2012 kaufen würde. Das war auch eindrücklich auf dem Hawke’s Bay Regionaltasting festzustellen, bei dem mich der neue Weinmacher des Weinguts Alpha Domus, Barry Riwai, begleitet hat. Unter Strich waren wir sogar der Ansicht, dass zum jetzigen Zeitpunkt vor allem die 2013er Bordeaux-Blends etwas fett wirkten und man ihnen etwas mehr Säure wünschen würde.

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Ja, hier will man Essen. Zum Beispiel Wild. Und hier will man auch trinken und länger verweilen. Foto oben rechts: Copyright: Elephant Hill, der Rest C. Raffelt

Besonders empfehlen möchte ich hier den 2012er Elephant Hill Syrah, den ich als qualitativ genauso gut empfunden habe wie die Reserve. Großartige Balance, die für Hawke’s Bay typische würzig-weißpfeffrige Note, die Einbindung des Holzes (30% neu) ist ausgesprochen gelungen. Die Stöcke stehen in den Gimblett Gravels und im Hausweingarten Te Awanga. Der Syrah wurde entrappt und in offenen Cuves vergoren, bevor es für 12 Monate ins Holz ging.

Die zweite klare Empfehlung ist die 2012er Elephant Hill Chardonnay Reserve, die auf dieser Qualitätsstufe zum ersten Mal abgefüllt wurde. 2012 war das Jahr für Te-Awanga-Chardonnay. Auf den nah am Meer gelegenen Böden aus Sand, Ton und Schluff stehen 15-er und 95erKlone. Die Trauben wurden mit Stilen gepresst und teils in Barrique und teils in Puncheons (500 Liter) gelegt, 40% davon neu. Alles wurde spontan vergoren, manche Fässer durchliefen Malo, andere nicht. Der Wein hat extrem viel Kraft, viel Weinbergspfirsich, viel Grapefruit, viel Flint, dabei einen angenehmen Holzton und vor allem ein exzellentes Säurespiel. Ich möchte diesen Wein gerne in fünf und in zehn Jahren wieder trinken.

WRINT (Flaschen) HörerInnentreff am kommenden Sonntag in HH

18/Mrz/15 14:25 kategorisiert in: Abschweifungen, WRINT Flaschen

Holgi, Kadda und ich treffen uns am Sonntag in Hamburg und haben gedacht, wir könnten ziemlich spontan ab 16h einen Hörertreff veranstalten. Wer Lust und Zeit hat, komme doch einfach vorbei. Wo? Das wird hier gerade noch diskutiert.

Maskow, Neumann, Raffelt talk about Champagne at Prowein

11/Mrz/15 12:53 kategorisiert in: Champagne

Vom 15.-17.03.2015 ist Prowein in Düsseldorf und an allen drei Tagen gibt es eine Champagne Lounge. Sie befindet sich in Halle 12 D 10 und stellt in einem entspannten Ambiente das Know-How von “Maisons de Champagne” vor. Es gibt dort eine Champagner-Bar und Ausstellerstände und – und jetzt komme ich ins spiel – es wird dort ein Rahmenprogramm geben.

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Am Sonntag leitet der Champagne-Meister aller Klassen Boris Maskow von 14h bis 15.30h eine geführte Verkostung zum Thema "Norden und Süden der Champagne – Champagnerregionen im Vergleich".

Am Montag spricht die Champagner-Charakterfrau Nicola Neumann von 15h bis 17.30h über die richtige Champagnerauswahl für das Restaurant und den Weinhandel anhand von Beispiel-Champagnern.

Am Dienstag leite ich um 12h eine geführte Verkostung zum Thema "Das Terroir der Champagne – weit mehr als Kalk und Kreide ", wo es um Wechselspiele zwischen Rebsorten und Terroir geht.

Nach Bedarf wird das Rahmenprogramm in englischer Sprache stattfinden. Weitere Infos gibt es hier. Kommt zahlreich, es ist das erste Mal, dass wir die Champagne Lounge so begleiten und die Termine haben nicht mehr Einzug gefunden in den großen Veranstaltungskatalog.

 

 

In Neuseeland – Teil 3: Hawke's Bay

10/Mrz/15 12:30 kategorisiert in: Weinland Neuseeland

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Auf Grund des frühen Versuchs im 19. Jahrhundert, in der Hawke’s Bay Wein anzubauen, ist das Gebiet um die Orte Napier und Hastings heute das älteste der neuseeländischen Weinbaugebiete. Doch auch für den Weinbau der Neuzeit, der ganz langsam in den späten 1970ern wieder aufgenommen wurde, gehörten einige der Betriebe aus Hawke’s Bay zu den Pionieren. Mittlerweile ist die Bucht mit knapp 5.000 Hektar das zweitgrößte der neuseeländischen Anbaugebiete und parallel so etwas wie der Obstgarten und die Börde des Landes. Bekannt geworden ist die Bucht dann zunächst auch eher mit Äpfeln und Kiwi und erst in zweiter Linie durch Wein.

Art Deco
Etwas Art Deco in Napier

Ich hatte es schon einmal angesprochen und muss es hier und wohl noch häufiger wiederholen. Einer der interessantesten Aspekte des neuseeländischen Weinbaus ist der, dass er immer noch in den Kinderschuhen steckt. Und das schreibe ich jetzt nicht aus der Perspektive eines besserwissenden Alteuropäers, der auf eine jahrhundertealte Weinbautradition zurückblickt, sondern ich greife die Perspektive der Kiwis selbst auf. Denn die wissen das natürlich ganz genau und befinden sich dementsprechend auf vielen Ebenen immer noch im Experimentalstadium – obwohl die Qualität der Weine und ihrer Vermarktung schon jetzt auf hohem Niveau liegt.

Gimblett GravelsSo sehen sie aus, die Flusskiesel der Gimblett Gravels

Eine wichtige Frage, ja eine der entscheidenden Fragen ist dabei natürlich, welche Böden denn überhaupt für Weinbau geeignet sind und welche Traubensorten und Klone wiederum zu den Böden passen. Und da hat man in Hawke's Bay Lehrgeld zahlen müssen. Denn man hat viele Weinberge zunächst auf den fetten, also ertragreicheren Böden angepflanzt. Mittlerweile weiß man es besser und hat längst umfangreiche Bodenanalysen durchgeführt. In dem Zusammenhang fällt irgendwann und zwangsläufig der Name Claude Bourguignon. Der Franzose dürfte wohl der bekannteste international tätige Bodenforscher und Geologe in Bezug auf Weinberge sein. Und natürlich ist er längst eingeladen worden, um hier tätig zu werden. Dabei haben sich fünf Subregionen in Hawke's Bay als ausgesprochen geeignet erwiesen. Davon trägt eine mittlerweile den Namen auch deutlich auf dem Etikett. Es ist das Gebiet der Gimblett Gravels. Die Gimblett Gravels, benannt nach der Familie Gimblett, die einen Großteil der etwas mehr als 800 Hektar besessen hat, existieren erst seit gut 150 Jahren und sind nach einer großen Überschwemmung entstanden. Auch wenn man sich das im ausgehenden Sommer nur schwer vorstellen kann (ich habe bis zum Ende meiner Reise keinen einzigen Fluss gesehen, der den Namen auch verdiente hätte – das änderte sich erst in Central Otago), so kann stärkerer Regen im Flachland in Verbindung mit dem Wasser, das aus den Bergen kommt, zu deutlichen Landschaftsveränderungen führen. So geschehen also in der Mitte des 19. Jahrhundert, als mehrere Flüsse zu einem Hochwasser zusammengeflossen sind und nach Ablauf des Wasser die Gravels zurückgelassen haben. Bis vor circa anderthalb Jahrzehnten hat man mit dem extrem kargen, von großen Flusskieseln geprägten Gebiet nicht viel anfangen können. Eine Müllhalde wurde errichtet und ein Truppenübungsplatz. Ansonsten haben hier, wie auf jedem kargen Gebiet in Neuseeland, Schafe geweidet. Mit den ersten Rebstöcken wurde schnell klar, dass hier beste Voraussetzungen für hochklassige Weine gegeben sein würden und so war das Land ziemlich schnell aufgeteilt. Die Bodenstruktur ist der im Médoc nicht unähnlich, inklusive der Meeresnähe. Der Vergleich drängt sich auch deswegen auf, weil sich in Hawke's Bay früh die roten Bordeaux-Sorten etabliert haben und Cuvées aus Cabernet, Merlot, Malbec und Petit Verdot entstehen.

Rousanne
Etwas Roussanne im Weingarten von Trinity Hill

Auf den Böden wachsen jedoch genauso größere Mengen an Chardonnay und Syrah sowie diverse Sorten im Versuchsanbau. Und dabei meine ich die Versuche der Betriebe. Denn im Gegensatz zu unseren Bestimmungen, nach denen man nicht einfach irgendeine Sorte irgendwo hinpflanzen und die dann auch noch als Wein verkaufen darf, geht das hier ohne Weiteres. Voraussetzung ist, dass der Rebstock in Neuseelands gewachsen ist, denn der Import ist strengstens verboten. Man hat mit diesen strickten Importauflagen und Untersuchungen lange die Reblaus außer Landes halten können, doch mittlerweile ist sie angekommen. Auch wenn die Schäden noch übersichtlich sind, waren in den letzten Jahren doch einige Winzer gezwungen, größere Teil der Rebstöcke herauszureißen, denn Vieles steht hier noch wurzelecht. Während man sich also vor allem einen Namen mit ausgezeichneten Bordeaux-Cuvées gemacht hat, rücken zwei Sorten immer weiter in den Fokus, auf die ich noch zurückkomme, während des weiteren einfach ausprobiert wird. So findet man in Hawke's Bay reinsortigen Arneis und Sangiovese, Tempranillo, Roussane, Viognier, Marsanne, Carmenère oder Cabernet Franc während Riesling, Pinot Gris und Gewürztraminer schon lange zum Standardrepertoire fast jeder Region gehören.

Für die Qualitätssicherung scheint es übrigens gar nicht viel oder vielleicht auch in vielen Punkten überhaupt keinen Druck von staatlicher Seite aus zu geben. Es gibt zwar ein Weingesetz, aber die entscheidenden Rahmenbedingungen und Eckpunkte, die dazu beitragen, Qualität zu sichern und Erkennungsmerkmale einer Appellation herauszuarbeiten, bewerkstelligen die Winzer selbst. So haben die Gimblett-Gravels-Betriebe genau festgelegt, aus welchen Teilen der kleinen Subregion die Weine tatsächlichen den Namen Gimblett Gravels tragen dürfen, denn nicht alle Bodenformationen sind qualitativ gleich gut.

Hawkes_Bay_Trinity_Hill_01Blick vom Trinity Hill auf einen Teil der Gimblett Gravels. Im Vordergrund La Colina, ein kleiner Weinberg der den besten Syrah erzeugt, den ich in Nuseeland probiert habe.

Unter den vier weiteren Gebieten, die sich als besonders geeignet herausgestellt haben, sind die weiter im Hinterland gelegenen Hügel noch in gewisser Weise Neuland während das vor allem durch Schluff geprägte Schwemmland vom nördlichen Esk River Valley und dem südlichen Te Awanga vor allem für den Anbau von früh reifenden roten Sorten, Chardonnay und weiterer weißer Sorten geeignet ist. Die vielleicht interessanteste Region neben des Gimblett Gravels ist das Bridge Pa Triangle, etwas nördlich der Gimblett Gravels gelegen. Es dürfte eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis das Gebiet den eigenen Namen ebenso auf den Etiketten ausweist wie die Gimblett Gravels. Die 2.000 Hektar in Bridge Pa liegen auf den alten Flussläufen des Ngaruroro-Flusses. Auch hier gibt es also wie in den benachbarten Gimblett Gravels Flusskiesel aus Grauwacke, rötlich gefärbt und vermischt mit Löss und Vulkanasche.

Strukturell unterscheidet sich das Gebiet übrigens fundamental von unseren Vorstellungen. Ich hatte es ja im zweiten Teil schon angesprochen: Weinbau ist hier nicht aus der Tradition kleiner Winzerbetriebe entstanden sondern Weinbau ist hier wie der Obstbau auch meist eine Frage des vorhandenen Investitionswillens. Kleine Winzerbetriebe, in denen der Eigentümer selbst Hand anlegt, gibt es selten. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass 75% des Weins exportiert werden und man allein für die Möglichkeit, im Exportmarkt Gehör zu finden, viel investieren können muss. Das Geschäft teilen sich hier also vor allem private Investoren und international agierende Getränkekonzerne wie Constellation Brands oder Accolade. Der mit Abstand größte privat geführte Betrieb ist Villa Maria, deren Weinberge man in allen Weinbauregionen des Landes findet und dessen Gründer vor etwa 35 Jahren mit dem Garagenkauf in der Nähe von Auckland begonnen hat.

Terrasse Elephant HillBlick von Elephant Hill über die Terrasse auf die Weingärten und das nahe Meer.

Bevor ich die vier Betriebe, die ich in Hawke's Bay besucht habe, vorstelle, möchte ich doch noch ein paar Sätze zur Qualität und der Eigenheiten der Weine dieser Bucht verlieren. Mich hat vor allem die durchgängige Typizität der Chardonnay und der Syrah aus Hawke's Bay begeistert. Die Weine verfügen über eine meist hervorragende Säure und eine entsprechende Frische, die noch dadurch unterstützt wird, dass oft säurebetonte Clone wie der Mendoza-Clone für Chardonnay verwendet werden und der Holzeinsatz zurückhaltend ist. So verfügen die Chardonnays alle in einer durchaus regionaltypischen Weise über eine feine bis ausgeprägte, ansprechende Grapefruitnote, während die Syrah einen ganz eigene Note von Gewürzen und weißem Pfeffer aufweisen. Dieser Pfefferton, der ja auch gerne in Grünem Veltliner vorkommt basiert auf einer chemischen Verbindung namens Rotundon. Und dieses Rotundon hat bei den Hawke's Bay-Syrah eine besonders hohe Konzentration, die ich ansprechend und keinesfalls störend empfand. Während ich Bordeaux-Blends, egal woher sie stammen, selten gebietstypisch finde – es sei denn, sie stammen aus dem Bordelais, ist das bei reinsortigen Weinen, auch wenn sie eigentlich aus Allerweltsrebsorten stammen, gerne anders. zumal, wenn sie wie hier der Chardonnay und Syrah eine eigenen regionaltypische Ausprägung hervorbringen, die weit entfernt ist von der französischen Ursprungsheimat und ebenso weit vom benachbarten Kontinent Australien. Mit den Syrah der Nordrhône verbindet sich hier allerdings der Hang, gerne auch mal ein paar Prozent Viognier mit dem Syrah zu verarbeiten.

Im nächsten Teil stelle ich die Weingüter Craggy Range, Elephant Hill, Trinity Hill und Sileni vor.

Map_Neuseeland_Hawkes_Bay


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