originalverkorkt - flüssige und überflüssige Eskapaden



WRINT Flaschen live im April und Mai – Stahl und Kraemer aus Auernhofen, Franken

31/Mrz/15 16:00 kategorisiert in: WRINT Flaschen

Für die WRINT-Flaschen-Sendungen der kommenden beiden Monate haben wir uns was Besonderes ausgedacht. Wir stellen zwei Winzer aus einem Ort vor, um genau zu sein, Christian Stahl und Stephan Kraemer aus Auernhofen in der Nähe des Taubertals in Franken. Holger hat Christian im Herbst während des Foodcamps Franken kenngelernt und ich war bei den beiden Winzern in November und habe mit beiden je einen Podcast aufgenommen. Den Stahl-Podcast könnt Ihr hier schon hören, der Kraemer-Podcast kommt dann Ende April. Beide leben und arbeiten exakt gegenüber auf der Dorfstraße, haben jedoch völlig unterschiedliche Ansätze, was den Vergleich sehr spannend machen dürfte.

Der Podcast im April findet am Mittwoch, den 22.04.2015 ab 20.30h statt. Wir trinken folgende Weine vom Winzerhof Stahl:

Federstahl Sommercuvée 2014

Damaszenerstahl Scheurebe 2014

Edelstahl Silvaner Best of 2013

Christian Stahl

Der Podcast im Mai findet am Mittwoch, den 20.05.2015 ab 20.30h statt. Wir trinken folgende Weine vom Ökologischen Land- und Weinbau Kraemer:

Müller-Thurgau Hasennestle 2013

Johanniter Muschelkalk 2013

Silvaner Feuerstein 2013

Stephan Kraemer

Die Weine gibt es als Gesamtpaket mit allen sechs Flaschen. Ihr könnt es direkt beim Ökologischen Land- und Weinbau Kraemer, Lange Dorfstraße 24, 97215 Auernhofen per Mail info(ät)kraemer-oeko-logisch(punkt)de bestellen. Den zwei mal drei Flaschen liegen dann separate Rechnungen der beiden Winzer bei. Das Gesamtpaket kostet € 64.90 und wird versandkostenfrei verschickt. Die Einzelpreise der Weine: Federstahl €6.90, Damszenerstahl €10.50, Edelstahl € 17.00, Hasennestle €8.50, Muschelkalk €9.60, Feuerstein €12.50.

Auernhofen

Ihr findet den Livestream zur Sendung wenn es soweit ist hier bei xenim. Ihr könnt Euch auch im Chat beteiligen (#kleitung auf irc.freenode.net). Wer nicht weiß, was ein IRC-Chat ist und wie man sowas, kann das in der Wikipedia nachschlagen oder das Webinterface benutzen, das auf Xenim aktiv ist, sobald der Livestream läuft.

OVP022 – In Franken. Zu Gast bei Christian Stahl, Winzer in Auernhofen

29/Mrz/15 12:21 kategorisiert in: Podcast

originalverkorkt_podcast_visual_unterwegs_022

"Sin Sie der Schtuart?", fragte mich die Vermieterin des Fremdenzimmers, als sie merkte, dass ich gerade vom Christian Stahl kam und gleich auch wieder verschwinden würde. "Wissen Se, der war schon oft hier aber der kommt immer spät und geht immer früh, ich hab den noch nie gsehen." Ja, der Stuart Pigott, der hat dem Christian Stahl nicht nur Ende letzten Jahres den Preis der Wein-Innovation des Jahres der FAZ verpasst, sondern hat ihn gewissermaßen auch entdeckt.

Man braucht auch so ein bisschen jemanden, der einen entdeckt, wenn man in Auernhofen am Taubertal wohnt und anfängt, Wein zu machen. Denn das ist schon weit abseits der typisch fränkischen Lagen und Orte. Neben dem Glück, entdeckt worden zu sein, ist der Christian aber auch ziemlich frisch und umtriebig und ich würde mal wetten, auch ohne den Schtuart hätte das irgendwann gefunkt. So führt der 36jährige nun den Winzerhof Stahl und bewirtet auch noch das gutseigene Restaurant und kümmert sich dort um die Fleischbraterei. Wir reden darüber, wie es kommt, Winzer in einem Dorf zu sein, um welches herum es offensichtlich zwar Zuckerrüben, aber keine Weinstöcke gibt, über Trinkfluss beim Wein, Edelstahl, Damaszenerstahl und viele Dinge mehr.

Christian_Stahl

Wie immer gilt: ich freue mich über Feedback und ich freue mich über eine monetäre Unterstützung dieses Projekts. Die Möglichkeit dazu gibt es hier. Der Podcast ist über das Blog genauso zu hören wie über ein kostenloses Abonnement in der Podcast-Abteilung von iTunes und über Programme wie zum Beispiel Instacast.

In der nächsten Folge spreche ich mit Stephan Kraemer, ebenfalls Winzer in Auernhofen.

 

 

In Neuseeland – Teil 6: Richtung Martinborough, bei Ata Rangi

Header Neuseeland

Von Hawke’s Bay aus geht es mit der Bombardier Turbo-Prop weiter nach Martinborough – allerdings mit einem klitzekleinen Abstecher nach Wellington. Während der Fluges über genau jene Berge, die ich am nächsten Morgen mit dem Auto wieder überqueren muss, wird das Wetter schlechter und mir wird bewusst, dass ich ab dem Flughafen nicht nur selbst fahren muss (links natürlich), sondern durch Regen und Rush-Hour auch noch das erste Mal rechts lenken werde. Bisher bin ich in UK immer mit dem eigenen Wagen unterwegs gewesen, das Rechtslenken ist durchaus noch mal etwas, worauf ich mich neu konzentrieren muss. Das Hotel in Wellington mit Blick über die Stadt ist derart, dass ich länger bleiben möchte als eine kurze Nacht. Doch ich habe keine Wahl, ich will nach Martinborough. Und wer ein wenig mehr über Wellington lesen will, der sollte zwischenzeitlich beim Küchenjungen vorbeilesen, der war da länger – und zwar etwa zwei Wochen vor mir.

Martinborough_01

So kommt es, dass man, wenn man genau vergleicht ein paar Ähnlichkeiten findet. Und zwar in der Essensauswahl des Ladens, wo ich unbedingt hin wollte: Duke Carvell’s No. 6. Und so esse ich blood sausage scotch egg with mojo verde, roast bone marrow with coriander, caper, black vinegar & toasted sourdough, Cauliflower with preserved lemon & pistaccio, pan roasted fish with fennel, green olive & feta sowie wild fennel ice cream with almond & olive oil sponge and pear. Der Fisch war etwas langweilig. Dafür aber absolut ungewöhnlich das Ei in der Blutwurst und natürlich großartig der Markknochen zum Auslutschen. Das Wildfenchel-Eis muss ich unbedingt mal selber nachmachen. Ich habe abends üblicherweise ein paar verschiedene Craftbeers betrunken, so dass ich über die zwei Wochen hinweg auch einen ganz guten Überblick über die Bierszene bekommen habe. Ich ziehe seitdem die Möglichkeit in Betracht, mal mit dem neuseeländischen Bierverband… ach nee, lassen wir das vorerst.

Martinborough_02Erst mit dem Flieger über die Berge und dann mit dem Auto zurück.

Am nächsten Morgen geht es durch regnerische Täler und dann die Serpentinen immer höher zum Pass und dann ins Tal des Wairarapa nach Martinborough, einer 1.500-Seelengemeinde, die Hauptstadt eines der kleinen Weinbaugebiete der Nordinsel ist. Wairarapa ist sehr viel mehr meins, entspricht meiner Idee von Weinbau viel mehr, als es das in Hawke’s Bay getan hat. Ich kann da nicht aus meiner Haut raus. Ich bin wohl zu sehr im deutschen Weinbau verwurzelt um riesige Weingüter wie Villa Maria oder so große Investitionsobjekte wie Elephant Hill wirklich sexy finden zu können. Unabhängig davon, dass ich viele der Weine trotzdem schätzen gelernt habe.

Ata Rangi
Doch wie anders ist es, durch das Tor von Ata Rangi zu schlendern, einem der angesehensten und ältesten Weingüter Neuseelands (mit „ältesten“ meine ich jetzt die Neuzeit und nicht jene, die vor der Prohibition schon mal ein paar Flaschen erzeugt haben), um auf ein paar kleine Holzhäuser zu treffen, die mehr oder weniger mitten zwischen den Reben stehen. Die langjährige Weinmacherin Helen Masters fällt erst einmal gut gelaunt allen Mitarbeitern um den Hals und macht ein paar Witze. Und nicht nur sie, der ganze Laden scheint bester Laune zu sein, inklusive der Winzerlegende, quasi dem Gründervater Clive Paton, der mal kurz vorbeischneit. Clive hat das Weingut 1980 gegründet und war mit drei anderen Verrückten der erste, der das Experiment „Weinbau in Martinborough“ begonnen hat. Von dieser frühen Gründung profitiert Helen Masters ganz klar, wie sie sagt und wie man es auch schmecken kann. Denn das Alter der Rebstöcke, selbst wenn es, was Pinot und Chardonnay angeht, nach heutigem Wissenstand nicht immer die geeignetsten Klone sein mögen, bringt mehr Tiefe in den Wein. Ata Rangi zeigt dabei exemplarisch, wo es mit dem neuseeländischen Weinbau hingeht, wenn man gleichzeitig so akribisch an der Qualität arbeitet, wie man es auf diesem biologisch zertifzierten Weingut tut.

Ata Rangi Wairarapa, das heißt aus der Maori-Sprache übersetzt so viel wie Neuanfang am glitzernden Wasser. Das Weingut, um bei Maori zu bleiben, hat 2010 zusammen mit Felton Road in Central Otago den Titel Tipuranga Teitei o Aotearoa erhalten, was so viel heißt wie Grand Cru of New Zealand. Der Titel belegt die Sonderstellung, die das Weingut hat.

Martinborough_03 Der Home-Block und einer dieser herrlichen Bäume, die in Neuseeland zu finden sind.

Begonnen hat das Ganze auf einer Schafswiese. Dort hat Clive die ersten Weinstöcke gepflanzt, nachdem er seine Milchvieh-Herde verkauft hatte. Ich habe ja schon weiter oben den Begriff Verrückter in Zusammenhang mit Clive erwähnt und tatsächlich haben ihn die Nachbarn und Freunde für Verrückt gehalten. Es hatte zwar schon mal ein paar Versuche mit Weinbau in Gladstone gegeben, doch das war damals mehr als hundert Jahre her und 1980 hat eigentlich niemand dem Weinbau in Neuseeland eine große Zukunft voraus gesagt. Eine der wenigen, die an das geglaubt hat, was Clive vorhatte, war seine Schwester Ali, die, bevor sie eine Zeit nach England ging, in direkter Nachbarschaft einige weitere Hektar gekauft hat, um sie Clive für das Weinbauprojekt zu überlassen. Damals bestand der heutigen Weinort aus einigen Hütten, zwei Pubs und einer Fish’n’Chips-Bude und Clive verkaufte die ersten Jahre Gemüse, dass er zwischen den Rebzeilen anbaute. Diese Jahre waren weder für ihn noch die Reben einfach denn der Wind pfeift ordentlich über die Ebene.

Martinborough_10Blick über die freie Ebene

Wairarapas Klima
Wairarapa ist zum Süden hin offen zum Pazifik und von dort, aus dem Süden kommt die kalte Luft der Antarktis. Die sorgt in diesem Gebiet zum einen für gute Durchlüftung und damit für wenig Pilzdruck, zum anderen entsteht hier das entscheidend wichtige Cool Climate am 42ten südlichen Breitengrad. Gleichzeitig ist das Gebiet durch die Riutuka Ranges, die ich am Morgen überquert habe so stark vor Regen geschützt, dass das Gebiet mit 700mm Niederschlag der trockenste Ort der nördlichen Insel darstellt. Diese Voraussetzungen sind also schon mal nicht schlecht. Weshalb Clive allerdings damals den Entschluss gefasst hat, Rebstöcke zu pflanzen war eine wissenschaftlich durchgeführte Bodenanalyse, die den Böden und dem Mikroklima um Martinborough eine ähnliche Qualität beschieden hat wie es Teile des Burgunds haben. Was auch immer man von dieser Aussage halten mag, die Qualität speziell des Pinots ist unbestritten. Die Rebstöcke stehen vor allem auf alten Flussbetten, die heute 20 bis 30 Meter höher sind als das aktuelle Flussbett, und durch Erdbeben verschoben wurden. Über diesem alluvialen Schwemmland von 10 bis 30 Meter Tiefe liegen 30 bis 300mm dicke Löss- und Lehmschichten.

Wairarapa zählt heute 990 Hektar, was gerade einmal 2,8% der neuseeländischen Gesamtproduktion ausmacht. 326 Hektar davon sind mit dem omnipräsenten Sauvignon Blanc gepflanzt, 496 Hektar mit Pinot und den Rest teilen sich Chardonnay, Riesling, Pinot Gris und Syrah. Aufgrund der klimatischen Bedingungen trauen sich hier viel mehr Winzer, biologisch zu arbeiten und sich zertifizieren zu lassen als in Hawke’s Bay, wo es ja fast gegen null geht.

Martinborough_07

Zurück zu Ata Rangi
Doch zurück zum ebenfalls ökologisch arbeitenden Betrieb Ata Rangi. Dort hat Clive Paton das große Glück gehabt, 1982 auf Malcolm Abel zu treffen. Bei diesem Weinmacher aus Auckland hat er einen Jahrgang mitgemacht, sie wurden Freunde – allerdings nur für kurze Zeit, denn Malcolm starb ein Jahr später. Der Auckland-Weingarten musste städtischer Bebauung weichen, doch Clive hatte bereits einige Stöcke des Pinot-Klones bekommen, der heute Gummistiefel-Klon, Abel-Klon oder Ata-Rangi-Klon genannt wird. Er stammt von einem Klon ab, denn jemand unberechtigter Weise auf Romanée-Conti entfernt und mit nach Neuseeland gebracht hatte. Da dort die Kontrollen am internationalen Flughafen bezüglich des Imports von organischem Material jedoch sehr streng sind, musste er den Rebstock abgeben. Malcolm wiederum hat damals, Mitte der 1970er als Zollbeamter am Flughafen gearbeitet und den Stock zur Staatlichen Weinbaubehörde geschickt, um ihn dort auf Rebläuse etc. untersuchen zu lassen. Als klar war, dass der Stock – den der Reisende nach eigener Aussage im Burgund in seinen Stiefel gesteckt hatte, daher der Name – sauber war, konnte er ihn pflanzen. Dieser Abel-Klon ist heute neben einem Dutzend anderer Klone das Herzstück der Pinot-Weingärten von Ata Rangi.

Martinborough_06Hulk Hogan, der Weinschreiber, die Winzerlegende Clive Paton & the winery dog

Die Weine von Ata Rangi
Doch bevor wir zum Pinot Noir kommen, probiere ich mit Helen die Weißweine. Helen hat 1990, auch eine nette Geschichte, kurz nach dem Abschluss der Schule einen Brief an die Patons geschrieben und gefragt, ob sie bei Ihnen Arbeiten können, was sie wenigen Wochen später dann auch direkt gemacht hat. Dann ist sie zum Studium gegangen und hat noch ein paar andere Orte aufgesucht, bis sie 2033 zurückgekehrt ist.

Der aktuelle Jahrgang des Graighall Rieslings ist der 2010er. Es sind 27 Jahre alte Reben in diesem trockenen Riesling und er ist eine Wucht. deutlich der beste Riesling, den ich bis dato außerhalb der deutschsprachigen Sphäre probiert habe. Langsam gepresst und spontan vergoren, keine Bewässerung im Weinberg (was normalerweise bis auf ganz wenige, ultratrockene Jahre für alle Weingärten zutrifft). Wunderbare tiefe Grapefruit- und Limettenfrucht mit herrlichem Druck am Gaumen. Dazu eine ganz leichte Ahnung von Holz, ein cremiges Mundgefühl, Mandelmus, Salzmandeln – ein toller Einstieg.

Martinborough_04Helen Master vor ihrem Home-Block und die völlig unscheinbare winery

Beim 2014er Sauvignon Blanc wird das Basismaterial auf vier unterschiedlichen Arten ausgebaut. Etwa 50% werden im Edelstahl ausgebaut. 20% werden direkt nach der Pressung in größeren Fässern spontan vergoren und auf der Hefe gelassen. 25 weitere Prozente gehen durch Malolaktik und ein kleiner weiterer Teil wird auf den Traubenhäuten vergoren. So entsteht ein knalltrockener und cremiger Sauvignon mit einer tiefen Frucht und üppig floralen Noten – weit entfernt von grasiggrünen und tropischen Clichées.

Vom Craighall Chardonnay 2013 möchte ich gerne eine Kiste, bitte! Die Mendoza-Klone, diese ultrakleinen, säurebetonten Beeren überzeugen in Neuseeland einfach auf ganzer Linie, sind mehr als dreißig Jahre alt und stehen dem Home Block genau gegenüber auf der anderen Straßenseite. Ein Teil des Craighall nennt sich bis heute Dry River, und genau das liegt hier im Untergrund: ausgetrocknetes Flussbett mit jeder Menge Kies, wenig Regen, keine Bewässerung, viel Wind und kühle Nächte. Das Ergebnis ist ein höchst energiegeladener und vibrierender Chardonnay der gleichzeitig elegant und komplex ist. Grapefruit und Zitrone, Steinfrucht in rauhen Mengen, dazu Feuerstein und abgebranntes Schwefelholz, etwas Butterfudge und Biskuitteig.

Etwas breiter präsentiert sich der Petrie Chardonnay 2013, der von lehmhaltigerem Boden stammt. Auch hier wieder viel Flint und Steinobst, etwas wärmere Noten, etwas breiter, meloniger, aber immer noch viel Zitrusfrucht, Säure und mineralische Noten. Hier ist nicht der Mendoza- Klon am Werk sondern Clone 15, der zu den Böden der Hügel, auf denen der Wein steht besser passt. Der Weinberg liegt in Gladstone und wird von der Petrie-Familie an Ata Rangi, Matua und Trinity Hill verpachtet.

Martinborough_08Blick in den Barrique-Raum, Querschnitt durch Hügel in Gladstone (Copyright Fotos links: Wairarapa Winegrowers)

Schließlich holt Helen noch einen 2011er Craighall hervor, der aus einem ganz hervorragenden Jahrgang stammt. Whole-Bunch-Pressing, wie es die Neuseeländer nennen, der Saft spontan in Barriques vergoren (25% neu) und neun Monate auf der Hefe gelassen. Neben den Grapefruits und Pfirsichen sind es Kräuter und florale Noten, die hier dominieren, der Pfirsich ist eher weiß als gelb, dazu kommt ein Hauch von Zimt und gebackenem Apfel. Sinnlich, saftig, Sonderklasse!

Mit dem Crimson Pinot Noir 2013 kommen wir zum Kerngeschäft von Ata Rangi. Das ist der Wein, den man trinken kann, während man darauf wartet, dass der ata Rangi Pinot Noir reift, der deutlich länger braucht. Der Crimson stammt von 12 bis 22jahre alten Rebstöcken verschiedener Blocks. ein Teil der Erlöse des Weins fließt in das Project Crimson, daher unterscheidet sich auch das Label von allen anderen Weinen. Crimson ist duftig und rotbeerig (Cranberry und rote Johannisbeere), dazu fleischige Noten, Gewürze, Süßholz, am Gaumen dann dunkler mit etwas Unterholz, mit samtigem Tannin, fast plüschiger Textur und viel Trinkfluss.

Martinborough_05

Der Ata Rangi Pinot Noir 2012 stammt im Wesentlichen von etwa 30 Jahre alten Reben. Die Erneten hier sind auf Grund des speziellen Klimas und des für Neuseeland fortgeschrittenen Alters der Rebstöcke die kleinsten im ganzen Land. Alle Blocks und Klone werden separat vergoren und gelagert. Nach 10 Monaten entscheidet Helen, welche Fässer sie für den Ata Rangi nutzen wird, während die anderen dem Crimson zugeschlagen werden. Für den Ata Rangi werden eeigentlich immer die Blocks mit den alten Abel-Klonen genutzt, weil diese extrem fein und samtig sind und ganz dunkle Kirschfrucht präsentieren. Die besten Dijon-Clone-Blocks bringen etwas mehr vordergründige Frucht, Kraft und auch zusätzliche Komplexität und balancieren den Wein. Der 2012er stammt aus einem kühlen Jahr, ist etwas rotbeeriger als die dunkleren umschließenden Jahrgänge – und auch die Johannisbeere ist eher rot und die Pflaume nicht so ultrareif. Hinzu kommen Fleisch, Kräuter, etwas Trüffel und Unterholz, am Gaumen dann mehr Noten von Kirsche, Wild, etwas Tomatenessenz und eine hervorragende Säurestruktur. Auch hier würde ich mir gerne, sehr gerne eine Kiste einlagern.

Seit 1985 schon gibt es mit dem Célèbre eine Cuvée, die auf Merlot (60%), Syrah(30%) und Cabernet (10%) beruht. Der Wein stammt sowohl aus dem Home Block, wo alle drei Sorten stehen, als auch einigen anderen Weingärten, die aber im Prinzip auf der gegenüberliegenden Seite der Straße stehen. Der Wein wird im Holz vergoren, von dem nur 20% neu ist. Der 2011er Célèbre präsentiert sich extrem schüchtern und reserviert, geht erst ganz langsam auf und zeigt dann ein wunderbar feines Tannin. Ich stelle den Wein weg und widme mich dem 2010er Syrah, der eigentlich in den Célèbre wandert, aber seit einiger Zeit in kleinen Mengen auch reinsortig ausgebaut wird. Der Syrah ist deutlich weniger offensiv pfeffrig wie die Hawke’s Bay Syrahs. Gleichzeitig ist es ebenfalls ganz deutlich Cool Climate. Viel frische Säure, Kräuternoten, Stein und Olive mischen sich in Veilchen, Pflaumen, Sternanis, rohes Fleisch und eine hintergründige Pfeffernote. Am Gaumen ist der Syrah superfrisch und lebendig, dabei lang und mundfüllend. so möchte ich das gerne trinken! Währenddessen hat sich die Cuvée geöffnet und präsentiert zunehmend mehr schwarze Frucht und dunkle Schokolade. Und man findet auch die Pflaume und den Sternanis vom Syrah. Dazu kommen erdige Noten, etwas Holz und auch hier wieder eine Säure, die den Wein lange tragen wird. Die Säure prägt diese Weine insgesamt enorm. Und es ist eine Säure, die nicht nur Frische bietet sondern sich wieder ein Nervenkostüm durch alle Weine zieht. Neben der Säure gefällt mir vor allem das zurückhaltende Holzmanagement, das hier immer nur trägt, sich aber nie in den Vordergrund drängt. tatsächlich habe ich den Eindruck, dass das fortgeschrittene Alter der Rebstöcke eine weitere Dimension in die Weine bringt, die die noch jungen Anlagen aus Hawke’s Bay (noch) nicht bieten können. Was Ata Rangi an Weinen präsentiert, ist schon wirklich hohes Niveau.

Martinborough_09

Ein intensiver Vormittag geht zu Ende. Ich werde von Alexis und Alex abgeholt, um das Regionaltasting zu starten, in dem ich einen Überblick über das gesamte Gebiet erhalten werde. Aber vorher gehen wir noch einen Happen essen – mitten in den Weinbergen.

Map_Neuseeland_Wairarapa

In Neuseeland – Teil 5: Trinity Hill und Sileni

25/Mrz/15 12:00 kategorisiert in: Weinland Neuseeland

Header Neuseeland

Mit Michael Henley, CEO bei Trinity Hill und früher bei Craggy Range, war ich unterwegs in den Gimblett Gravels. Er hat mir die Ebene erklärt und wir sind durch die verschiedenen Teil gefahren und gegangen, in denen Trinity Hills Syrah steht, der Chardonnay, aber auch Veltliner (in Neuseeland übrigens normalerweise einfach Gruner genannt, Tempranillo, Arneis, Viognier, Rousanne und, und, und). Während man mit manchen Sorten schon auf höchsten Level arbeitet, wird parallel experimentiert und Spaßwein erzeugt. Der Montepulciano ist so ein Spaßwein, den man einfach gerne trinken will.

Trinity Hill
Die Geschichte von Trinity Hill beginnt, als sich der Weinmacher John Hancock 1987 in das Londoner Restaurant Bleeding Heart von Robyn und Robert Wilson setzt, eine Flasche seines preisgekrönten Chardonnay unterm Arm, den er damals für Morton Estate gemacht hatte. Die drei verstanden sich auf Anhieb und entwickelten die Idee eines gemeinsamen Weinguts und John Hancock kümmerte sich um den Erwerb der richtigen Weinberge (ähnelt der Craggy-Range-Story, ich weiß). Die Gimblett Gravels waren damals noch ziemliches Niemandsland und kaum jemand hatte das ausgetrocknete Bett des Ngaruroro-Flusses auf dem Plan. Neben den schon typischen Sorten für Hawke’s Bay (Chardonnay, Cabernet, Merlot) wurden Syrah und Viognier gepflanzt sowie Tempranillo, Montepulciano und Arneis. All diese Sorten werden bis heute sortenrein ausgebaut und vor allem der Viognier und der kräftige Tempranillo haben mich beeindruckt.

Hawkes_Bay_TrinityHill_03Mit Michael Henley in den Grimblett Gravels, die man rechts in der Ebene sieht. Am Hügel steht der Syrah für La Collina.

Die Weine haben genau das, was mir an anderer Stelle in Hawke’s Bay doch häufiger fehlt: Sie haben Kanten, Charakter oder, wie Michael Henley es formulierte, als ich ihn darauf beim Verkosten ansprach: Sie haben den Beauty-Spot, der etwas, was eh schon schön ist, interessant macht. Im Weinberg versucht man dies durch wenige Eingriffe zu erzeugen. Das Blattwerk unterscheidet sich deutlich von den vorher besuchten Betrieben. Es bleibt dichter, die Reben geschützter, was allerdings auch ein etwas höheres Risiko in Bezug auf Reifung darstellt.

Verantwortlich für die Arbeit im Weinberg und auch im Keller ist Warren Gibson, der eine klare Handschrift hat, die sich im Laufe der letzten Jahre allerdings vor allem im Holzmanagement verändert hat. Es hat sich deutlich in den Hintergrund geschoben. Die Weine, und es geht jetzt um die für mich besten Weine des Weinguts, Chardonnay und vor allem Syrah, sind säurebetont, mit wunderbarer reifer Frucht, Finesse und Balance. Das sind Weine die ich trinken möchte. Der 2013er Gimblett Gravels Chardonnay aus den Klonen 95 und 15 hat 13,2% Alkohol, der 2012er Gimblett Gravels Syrah (hey, wieder 2012) gerade einmal 12% Alkohol, Medium-Body, Frische, florale Noten, Pfeffer, wunderbar balanciert. Der 2010er Homage Syrah ist sensationell gut: Dicht, floral, mit süßem Kern, schwerer als der „einfache“ Gimblett Gravels. Wenn der 2012er Côte Rôtie ist, dann ist das hier Hermitage. Nur mal so, als Typvergleich, um es nachvollziehbar zu machen.

Hawkes_Bay_Trinity_Hill_02Cellar Door ist ein eintreägliches Geschäft in den Wineries. Viele Touristen schauen in den Weingütern vorbei. Rechts: Mit Warren Gibson probiere ich den kommenden Syrah.

Warren hat oberhalb von Trinity Hill noch einige eigene Parzellen. Sie gehören zu den wenigen Hanglagen des Gebiets. Bilancia La Collina, so der Namen des daraus erzeugten Syrah, gehört zu den interessantesten und besten Syrah, die ich in Neuseeland probiert habe. Der Syrah wird kofermentiert mit Viognier-Häuten (nicht dem Saft) und wurde 22 Monate lang (ich habe 2009 probiert, da war das so) komplett im neuen Holz, allerdings ohne stärkere Toastung und mehr Puncheons als Barriques, ausgebaut. Der Wein hat eine fantastische Konzentration und Balance. Die neueren Jahrgänge dürften noch interessanter werden, denn auch hier fährt Warren das Holz immer weiter zurück.

 

Sileni Estates
Auch Sileni ist einer jener größeren Betriebe der an großen Betrieben reichen Bucht. 106 eigene Hektar stehen unter Reben, von 50 weiteren Hektar wird Frucht dazu gekauft. Im Gegensatz zu den drei erstgenannten allerdings ist hier der Gründer als Präsident und CEO vor Ort und leitet die Geschicke des unprätentiösen Betriebs. Ich habe den Betrieb zunächst einmal hauptsächlich deshalb besucht, weil wir ein, zwei Weine beim Hanseatischen Wein & Sekt Kontor verkaufen. Ich wollte wissen, was sich hinter dem Namen verbirgt – und hatte einen sehr angenehmen Nachmittag mit dem ruhig-entspannten Chief Winemaker Grant Edmonds sowie dem Senior Winemaker Cairn Coghill, der die Rotweine des Weinguts verantwortet.

Hawkes_Bay_Sileni_02Links hinter der Flasche Sauvignon Blanc Sparkeling Craig, rechts Grant.

Grant hat früher im Verkauf bei Esk Valley gearbeitet. Damals hat Graeme S Avery, der Gründer von Sileni, noch Weine gekauft, statt sie zu machen und er war der Besitzer eines weltweit operierenden Fachverlags für Medizinische Informationsblätter. Ende der 1990er hat er den Verlag jedoch verkauft und irgendwann schneite er wieder bei Esk rein und fragte Grant, den er schon eine Zeit lang kannte, ob dieser nicht jemanden kennen würde, der mit ihm ein eigenes Weingut gründen wolle. Grant bejahte die Frage und hob den Finger. Der Chief Winemaker von Esk Valley ist damals mit Sack und Pack in eine kleine Hütte in Bridge Pa gezogen und hat von Null angefangen. Er ist immer noch da, und in dieser Zeit hat er Sileni zu einem der wichtigen Betriebe dort gemacht. Im Gegensatz zu den drei vorher genannten Betrieben, ist Sileni nicht unbedingt darauf aus, im hochpreisigen Segment die Krone zu erwerben sondern eher im Einstiegssortiment zu glänzen, um dann die beiden darüber liegenden Stufen ebenfalls mit ausgezeichneter Qualität zu bedienen.

Die Cellar Selection ist das, wofür Neuseeland steht: Blitzsauber gemachte, sortenreine Weine, von denen mir vor allem der 2014er Syrah mit klarer, würziger Frucht und dem typischen Pfeffer besonders gefallen hat. Wie gut auch Pinot Noir in Hawke’s Bay in einem günstigeren Preisgefüge (ca. 32 NZ-Dollar) sein kann, zeigt in der Estate Selection der 2013er The Plateau Pinot Noir.

 

Was ich in Hawke's Bay noch probiert habe und empfehlen möchte:

Esk Valley Hawkes Bay Chardonnay 2012, 12 Monate französisches Holz, 60% neu

Esk Valley Gimblett Gravels Syrah 2010, 17 Monate französisches Holz, 40% neu

Alluviale Gimblett Red Wine (Merlot, Cabernet) 2012, bio, 88% Merlot, 12% Cabernet

 

 

 


« Zurückblättern – Weiterblättern »