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OVP014 – Im Gespräch mit Jürgen Hammer über die Weinkostbar, die Berliner Weinbarszene, Naturweine und vieles mehr

06/Apr/14 12:00 kategorisiert in: Podcast

Keyvisual Originalverkorkt Podcast Nummer 14

Die heutige Epsiode dreht sich zunächst einmal rund um Naturweine, Orange Wines und die ganze Begriffsverwirrung, die auf dem Feld alternativer Weine gerade stattfindet. Zusammen mit Jürgen Hammer versuche ich, diese Begriffsverwirrung ein wenig zu lösen. Der langjährige Sommelier hat vor einigen Jahren mit seiner Frau eine eigene Weinbar in Berlin eröffnet. In seinem Kiez betreibt er die Weinkostbar und hat sich dort längst ein Publikum erworben, das offen ist für Weinexperimente. Neben Freakstoff sprechen wir natürlich über die sich verändernde Weinszene in Berlin, über seinen Werdegang, veränderte Wein-Vorlieben, das, was im eigenen Laden so läuft und was Jürgen Hammer auch anderen empfiehlt.

hammer

Wie immer gilt: ich freue mich über Feedback genauso wie über eine Honorierung via flattr oder Amazon (siehe Seitenleiste). Der Podcast ist hier über das Blog genauso zu hören wie über ein kostenloses Abonnement in der Podcast-Abteilung von iTunes und über Programme wie zum Beispiel Instacast.

In der nächsten Folge kehre  ich zurück in das Esszimmer von Stevan Paul. Mit dem Universalgenie in Sachen Kochen reden ich über den Einsatz von Champagne in Restaurant und Bar und wir schweifen ab – natürlich. An dieser Stelle sei nochmals Jürgen Hammer gedankt, der sich nach einem langen Tag in der Deutschen Wein- und Sommelierschule abends noch einmal Zeit genommen hat für mich.

Es gibt Fleisch! …und Syrah von Mas Coutelou

01/Apr/14 12:30 kategorisiert in: Alles Bio, Rot, Frankreich, Syrah / Shiraz

Am Wochenende gab es bei mir Daube de Boeuf. Zu diesem südfranzösischen Essen habe ich einen südfranzösischen Wein geöffnet. Auf dem Etikett steht Vin de France. Der Wein gehört also in die Kategorie der Landweine, dem Gesetzt nach steht dieser Wein also sehr weit unten in der Pyramide. Aber was heißt das tatsächlich? In diesem Fall heißt es, dass sich der Winzer – sein Name ist Jeff Coutelou – den Gesetzen entzogen hat, die gelten würden, wenn er einen Qualitätswein erzeugt hätte. Denn in der Gegend von Bézier zwischen den Appellationen Faugères und Saint-Chinian werden Qualitätsweine immer nur aus Rotwein-Cuvées erzeugt. In Faugères müssen in einem Rotwein mindestens 40% Carignan sein, dazu Cinsault, Mourvèdre, Syrah, Grenache Noir und Lladoner Pelut, eine kleinbeerige und dickschalige Version der Grenache. Das, was Jeff Coutelou jedoch am liebsten erzeugt, sind reinsortige Syrah. Und genau das darf er dort nur als Landwein oder Tafelwein abfüllen.

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Der la vigne haute 2012 gehört mit einem Preis um die 14 Euro zu den teuersten Weinen, die Coutelou im Programm hat. Obwohl er mit kleinen Erträgen sehr aufwändig biologisch im Weinberg arbeitet, sind seine Weine ziemlich preisgünstig. Der 7, Rue de La Pompe beispielsweise, ein junger frischer Syrah, ist schon für um die sieben Euro zu haben. Der la vigne haute wird komplett ohne Einsatz von Zusatzstoffen verarbeitet. Das heißt, er wird mit Weinbergs- und Kellerhefen vergoren, reift nach längerer Maischestandzeit im großen Fass und wird ohne weiteren Zusatz von Schwefel ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Es handelt sich also um das, was man heute Vin Naturel nennt. Jeff allerdings arbeitet schon seit 25 Jahren so. Dass man ganz saubere und stabile Vin Naturels erzeugen kann, und das auch in größeren Mengen, zeigt er deutlich. Ich betonte das deshalb, weil es immer wieder angezweifelt wird und vielen Winzern auch wirklich die Erfahrung fehlt, bzw. sie es nicht schaffen, den Wein stabil zu kriegen. Denn gerade der Verzicht auf Schwefel, dem klassischen Stabilisierungs- und Konservierungsstoff, führt zu deutlichen Problemen. Wie Jeffs Weine reifen, weiß ich nicht. Die jungen Weine jedoch sind sehr gut, und das über Tage hinweg. Sie schmecken einfach. Sie sind pure Frucht – ohne Schnörkel.

Der  la vigne haute ist Syrah, der mit seiner Fleischigkeit deutlich an die Nordrhône erinnert, wo die Mütter aller Syrah entstehen. la vigne haute ist dunkel und fleischig, die Frucht von Kirschen, Blaubeeren und Pflaumen ist präsent, der für Syrah so typische Pfeffer ist da, dazukommt so etwas die das klassische chinesische Five Spices, etwas Süßholz, etwas Unterholz und das leicht Ledrige, was bei Syrah gerne mal auftaucht. Am Gaumen setzt sich das fort, die pure Frucht, die Gewürzpalette, leichte Noten von Röstfleisch, aber kein Bret. Das Tannin ist schön fein, der Wein lang und die Säure macht‘s mal wieder. Die ist präsent und frisch. Dieser Syrah macht großen Spaß!

Vor allem zu einem Topf voll geschmortem Rind, Orangen, großen, fleischigen Tomaten, Knobi und Zwiebeln, Möhren und Fenchel, jeder Menge Kräuter und Gewürze sowie einer zusätzlichen Flasche Syrah.

Es gibt ihn bei Vin Pur und Vin Vivants

Champagne – Côte de Blancs von Épernay nach Cramant

27/Mrz/14 13:00 kategorisiert in: Champagne, Chardonnay, Weinland Frankreich

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Nach einer kurzen Atempause in Épernay geht es weiter in das kleinste der Teilgebiete, wir fahren durch die Côte de Blancs. Auch wenn das Gebiet nicht sehr viel größer als 3.000 Hektar ist, ist es doch das bekannteste und, man kann es nicht anders sagen, es ist das wichtigste Gebiet. Ich würde es als Essenz der Champagne beschreiben, denn hier findet sich das in Reinform, was man mit der Champagne als Alleinstellungsmerkmal verbindet – die Kreide. Auf den weißen Kreide-Kalk-Böden, die der Côte de Blancs ihren Namen gegeben hat, wächst denn auch fast ausschließlich die weiße, der drei Hauptrebsorten der Champagne, der Chardonnay. Dieser wird hier aus einer großen Dichte an Grand- und Premier Cru-Lagen gewonnen, fließt ein in die Cuvées der großen und berühmten Häuser, findet seinen Ausdruck im Blanc de Blancs, dem reinsortigen Chardonnay (ja es gibt auch Blanc de Blancs vom Pinot Blanc, aber das ist äußerst selten und kommt wenn dann an der Côte de Bars vor) und im besten Fall als Blanc de Blancs vom Lieut-Dit, also vom einzelnen Weinberg oder einer einzelnen Parzelle, womit heute der Terroir-Gedanke in der Champagne auf die Spitze getrieben wird.

© Michel Guillard, CIVC: An der Côte ist es die Kreide, die zählt.

© Michel Guillard, CIVC: An der Côte ist es die Kreide, die zählt.

Chouilly
Wir beginnen in Chouilly. Dieser Ort ist zwar auch der Stammsitz der Riensenkooperative namens Nicolas Feuillatte, doch die können schon gut für sich selbst die Werbetrommel rühren. Besuchen wir lieber die kleineren Häuser vor Ort, zum Beispiel R. & L. Legras, benannt nach der Winzerfamilie, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert reichen. Da Haus wird heute vom Enkel einer ehemaligen Angestellten der Legras geführt. Der junge Julien Barbier setzt im Prinzip den Stil seines Vaters fort, der 30 Jahre lang die Geschicke des Hauses geführt hat. Verarbeitet  wird eigenes und zugekauftes Traubenmaterial, das ausschließlich rund um Chouilly wächst. Das hat seinen Grund, so Barbier, denn die Weine sind offener und jünger zu trinken als die aus den anderen, teils bekannteren Ortschaften wie Mesnil oder Vertus. Legras-Champagne entsteht (bis auf wenig Rosé) ausschließlich als Blanc de Blancs, ausschließlich aus Edelstahl inklusiver malolaktischer Gärung und immer mit wenig Dosage. Die Weine sind üppig und elegant, ja komplex und zeigen damit den typischen Charakter dieses Teils der Côte de Blancs.

Einen ähnlichen Ausbau pflegt das Haus Vazart-Coquart. Auch hier wird in Edelstahl ausgebaut, inklusive malolaktischer Gärung. Allerdings gibt es doch einige Besonderheiten bei diesem Weingut, dessen 11 Hektar samt und sonders in Chouilly liegen. Die Reserve-Weine stammen aus einer Solera, die 1978 begonnen wurde. Ca. 20 bis 30% werden jährlich genutzt und entsprechend neu aufgefüllt. Ein ziemlich schmackhaftes Beispiel, in dem viel Solera-Wein verwendet wird ist der Extra Brut Grand Cru. Wie viele andere renommierte Winzer auch, ist Vazart Mitglied im Club Trésors de Champagne. Entsprechend füllt er ebenso wie alle anderen auch einen Special Club ab. Diese Special Clubs lohnen sich häufig besonders und so ist es auch in diesem Fall. Es ist ein Jahrgangs-Blanc de Blancs Grand Cru, der normalerweise aus einem Lieut-Dit stammt, nämlich dem Buttes de Saran. Im Gegensatz zum Grand Bouquet Brut, der die gleichen Grundweine hat, wird dieser Wein unter Kork und nicht wie üblich unter Kronkorken gelagert. Zudem bleibt er länger sur lattes. Speziell ist tatsächlich auch der Spécial Foie Gras Sec Blanc de Blancs Grand Cru, der ein idealer Begleiter zum Nationalstolz Gänsestopfleber sein soll. Der Wein hat deutliche Reserveanteile und 30 Gramm Dosage. Wer Verstopfungen vermeiden will, kann mit diesem Champagne natürlich auch einen Blue Cheese begleiten. Last but not least wird bei Champagne Vazart-Coquart ein Chouilly Rouge, also ein roter Stillwein aus Pinot Noir erzeugt. 600 Flaschen gibt es davon. Er soll sehr gut sein, probiert habe ich ihn noch nicht.

© links: Michel Jolyot, CIVC: Kirchenfenster in der Kathedrale von Reims, © rechts oben: Patrick Guerin: Kimmeridge-Kreide mit Belemnit-Fossilien sind typisch für die Côte, © rechts unten: Stéphane Coquilette: typische Coqard-Presse

© links: Michel Jolyot, CIVC: Kirchenfenster in der Kathedrale von Reims, © rechts oben: Patrick Guerin: Kimmeridge-Kreide mit Belemnit-Fossilien sind typisch für die Côte, © rechts unten: Stéphane Coquilette: typische Coqard-Presse

Auch die Weine von Stéphane Coquillette sind breitschultrig und generös. Sie werden im Wesentlichen, wie bei den beiden anderen Produzenten auch, im Stahltank vergoren, inklusive malolaktischer Gärung. Erst seit ein paar Jahren nutzt er ein paar gebrauchte Fässer, die er bei einem Burgunder-Macher an der Côte de Beaune kauft. Im Gegensatz zu den beiden anderen Produzenten verzichtet Coquillette auf Reserve-Weine und reiht sich entsprechend in die Gruppe derer ein, die betont pur arbeiten. Dazu gehört, dass er längst auf Herbizide etc. verzichtet.  Das Mitglied der Vignerons Independants bringt fünf Champagne heraus. Einen Brut mit Chardonnay und Pinot, einen Blanc de Blancs, einen Blanc de Noirs, einen Rosé und ein Millesime von alten Chardonnay-Rebstöcken aus Chouilly und Cuis. Ehrlich gesagt, der Champagne, der mir am besten gefällt ist der Blanc de Noirs mit Pinot aus Aÿ. Die Frucht ist fantastisch, der Wein ist samten und breit und dann wieder fokussiert mit einer sehr guten Säure-Balance.

© Champagne Pierre Gimonnet: Cuis

© Champagne Pierre Gimonnet: Cuis

Cuis
Aus dem nächsten Ort kenne ich genau einen Winzer, aber der hat viel zu bieten. Es ist Pierre Gimonnet & Fils. Die Familie besitzt heute knapp 30 Hektar in besten Côte de Blancs Lagen von Cuis, Cramant, Chouilly und Oger, Zudem etwas Pinot in Aÿ und Mareuil-sur-Aÿ. Heute führt Didier Gimmonet das Haus zusammen mit seinem Bruder Olivier. Sie profitieren neben den Lagen vom Alter der Weinberge, deren Erträge vergleichsweise gering, aber stoffig und konzentriert sind. Weil er die Weine aus den alten Lagen dann auch für zu konzentriert hält, verzichtet er zugunsten der Eleganz auf Einzellagen-Ausbau. Eleganz ist hier das Stichwort. Die im Edelstahl ausgebauten Weine, die ebenfalls einen Säureabbau durchlaufen, verbinden Fülle mit gehöriger Eleganz. Die Weine eignen sich auf Grund ihrer Stilistik ausgezeichnet als Essensbegleiter und dafür sind sie in Frankreich auch wesentlich berühmter als in Deutschland.

© rechts: Champagne Peirre Gimonnet

© rechts: Champagne Peirre Gimonnet

Wer das Potential übrigens früh erkannt hat, war Eckhard Witzigmann. Gimonnet vinifiziert dann auch speziell für die Gastronomie einen Brut, der vier statt sechs Bar Druck hat und dabei zwar füllig, aber enorm frisch daher kommt. Die Gimonnets leisten sich übrigens den aufwendigen Luxus, ihre Reserveweine in Flaschen zu lagern statt in Fässern. Der Grund: die Weine oxydieren weniger schnell und die Weine bleiben entsprechend länger frisch. Auch das ist, wie so vieles, eine Frage der angestrebten Stilistik. Wer Gimonnet kennenlernen will, sollte übrigens den Fleuron probieren. Dieser Jahrgangs-Blanc de Blancs vereint die Lagen der drei C-Ortschaften Chouilly, Cuis und Cramant und bringt den Stil des Hauses auf den Punkt. Der Preiseinstiegs-Brut dagegen stammt bewusst aus der Premier Cru Lage von Cuis und wird schon nach 18 Monaten in den Handel gebracht. Für Gimonnet keine Frage der Qualität sondern der Frische, die man im Champagne haben möchte. Am oberen Ende der Skala steht einmal mehr der Special Club, jene Sonderabfüllung für den Club de Trésors, dessen Präsident Didier Gimonnet lange war. Hier zeigt sich die grandiose Komplexität und Mineralität der alten Anlagen.

Cramant
Der dritte Ort, der mit C beginnt umfasst knapp 350 Hektar Chardonnay-Weinberge. Bekannt geworden ist Cramant mit dem Mumm de Cramant, dem Spitzen-Blanc de Blancs des deutschstämmigen Hauses G.H. Mumm. Die Weinberge wurden bereits 1882 erworben und der ganze Stil des Weins ist Old-School. Dazu gehört, dass der Wein, ähnlich wie der Gastrowein von Gimonnet als demi-mousse abgefüllt wird, also mit weniger Druck. Vorstellen möchte ich hier jedoch am Ort ansässige, deutlich kleinere Weingüter.

Das berühmteste Cramant-Weingut ist das von Jacques Diebolt und Nadia Vallois, Champagne Diebolt-Vallois. Die Familie verfügt in ihrem 11 Hektar-Besitz über exzellente Lagen, vor allem in Cramant, Chouilly, Cuis und Épernay. Jacques, dieser ruhige und zurückhaltende, ganz seiner Arbeit verpflichtete Winzer, verfügt mittlerweile über ein halbes Jahrhundert Erfahrung. An größtes Projekt hat er sich – übrigens gegen die Meinung des Restes seiner Familie – erst anfang der Neunziger gewagt. Er wollte einen Champagne machen, wie ihn sein großes Vorbild, der Großvater gemacht hat. Also hat er den Wein der besten Parzellen in Cramant genommen und ihn in alte Barriques gelegt. Es gab keine malolaktische Gärung, keine Schönung, keine Filtration, nichts. Ich habe bisher drei Mal diesen Wein namens Fleur de Passion probieren dürfen, alle drei stammten aus 2000er Jahrgängen und waren viel zu jung. Trotzdem konnte man die unbändige Kraft und Finesse dieses Weins deutlich spüren. Deutlich günstiger ist man beim Brut Blanc de Blancs aufgehoben, wo man den typischen Diebolt erkennt: pur, rassig und mineralisch ohne Ende.

© l.o.: Thomas Iversen, Mad about Wine, © u: Michel Guillard, CIVC

© l.o.: Thomas Iversen, Mad about Wine, © u: Michel Guillard, CIVC

Zwei Champagne-Winzer möchte ich noch vorstellen, die hierzulande so gut wie unbekannt sein dürften. Der erste, Lilbert-Fils produziert auf nicht einmal vier Hektar so um die 30.000 Flaschen, die von der Fangemeinde direkt aus den Händen gerissen werden. Die Fangemeinde gibt es deshalb, weil die Champagne mit zu den ausgewogensten und feinsten Gewächsen der Côte zählen können. Drei Weine gibt es, die mit Malo im Emailletank vergoren werden. Besonders ist vor allem die Perle, die früher Crémant hieß, aber nicht mehr so heißen darf, weil man den Namen an die Crémant-Produzenten abgegeben hat um das eigene Profil der Champagne zu stärken. Der Wein wird also als demi-mousse mit 4 bis 4.5 bar Druck ausgebaut. er stammt von alten Reben aus den Lagen in Cramant, Cuis und Oiry. Nicht von den altertümlichen Etiketten abschrecken lassen. Wenn Ihr über diese Champagne stolpert, heißt die Devise: kaufen!

© Champagne Suenen

© Champagne Suenen

Das Gleiche wird in Zukunft, da bin ich mir ziemlich sicher, für die Weine von Aurélien Suenen gelten, der fünf Hektar besitzt und den genialen Pascal Agrapart als Mentor hat. Suenen setzt alles daran, seine Weinberge zu verstehen um im Weinberg und im Keller alles richtig zu machen. Biologischer Anbau gehören genauso dazu wie detaillierte Bodenanalysen. Im Keller experimentiert der 25jährige noch mit unterschiedlichen Ausbauarten. Emaille mag er lieber als Edelstahl, er hat ältere Barriques, setzt aber immer mehr auf größere Stockinger aus Österreich. Daneben steht ein Beton-Ei, was ebenfalls gute Ergebnisse zeigt. Suenen gehört für mich zu jenen, die in den nächsten Jahren von sich Reden machen werden. Doch es lohnt sich jetzt schon, dort vorbei zu fahren.

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Die bisherigen Artikel:

Teil 5: Vallée de la Marne, am linken Ufer zurück nach Épernay

Teil 4: Vallée de la Marne, am rechten Ufer von Dizy nach Crouttes

Teil 3 Vallée de la Marne, rund um Aӱ

Teil 2: Montagne de Reims

Teil 1: Auf der Suche nach einem Mythos

In der nächste Folge geht es weiter entlang der Côte de Blancs.

Grillo und Zibibbo von Marco de Bartoli – drei Weißweine aus Sizilien

26/Mrz/14 13:00 kategorisiert in: Alles Bio, Grillo

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Kürzlich habe ich endlich mal wieder ein paar neue Weine aus Sizilien probiert, die Insel, mit der ich mich im letzten Jahr länger beschäftigt habe, und die auch übernächste Woche auf der Vinitaly wieder bei mir im Fokus sein wird. Auf dem Tisch standen drei Weine von Marco de Bartoli, einem Vollblutwinzer mit einer unglaublichen Präsenz – man kann es auf dem Foto erahnen. Der Mann ist Sizilien. Aber nicht das Sizilien, das unter der Mafia kapituliert hat sondern das, das anpackt und Dinge ändern will. De Bartoli produziert Wein im Marsala-Gebiet und auf Pantelleria. Marsala ist ja der Wein, der lange praktisch als Einziger auf Sizilien produziert wurde und, wie so viele andere aufgespritete Weine, vor allem nach England verschifft wurde, die diesen Weine mit auf Schiffsreisen und in die Kolonien gebracht haben. Marsala hat bei uns heute fast nur noch Bedeutung als Kochwein, meist ein billiger Fusel aus dem Supermarktregal. Wie großartig Marsala schmecken kann, beweist Marco de Bartoli, doch dazu später. Heute geht es um drei trockene Weißweine aus den für Sizilien typischen Sorten Grillo und Inzolia. Die drei Weine sind völlig überraschend mit Glaskorken verschlossen.

Sole e Vento 2012
Der erste Wein vereint die beiden Sorten zum Sommerspaßwein Sole e Vento. Der Wein besteht aus 70% Zibibbo von der Insel Pantelleria und 30% Grillo aus Contrada Samperi im Bereich Marsala. Auf der Insel, die schon auf halben Wege nach Afrika liegt und vor allem bekannt ist für ihre exzellenten Süßweine, herrscht vulkanischer Boden vor, im Bereich Marsala sind die Böden lehmig und sandig.

Den Zibibbo findet mit sonst häufiger unter dem Namen Muscat d’Alexandrie. Der Muscat ist eine sehr alte Sorte, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und sich längst über die ganze Welt verteilt hat. Auf Sizilien wird die Sorte bereits seit dem 16. Jahrhundert Zibibbo genannt. Der würzig-duftige Muscat-Ton ist dann auch genau der, der das Aromenspektrum vorgibt. Er wird unterstützt vom Grillo, der eine sizilianische Sorte ist und wahrscheinlich im 19. Jahrhundert aus einer natürlichen Kreuzung von Zibibbo und Cataratto Biano Lucido ist.

Der Sole e Vento ist genau der richtige Sommerwein für Menschen, die nicht gut mit Säure klarkommen. Der Wein ist duftig und frisch, riecht nach Sommerblüten und Orangen, etwas Ananas, Holunderblüten und dieser typisch muskatigen Note. Die Frische kommt vor allem durch das schöne Zusammenspiel von leichter Säure und zitronigen Noten.

© Maurizio Gjiovovich/Marco de Bartoli

© Maurizio Gjiovovich/Marco de Bartoli

Pietranera 2012
Der zweite Wein ist zu 100% Zibbibo und stammt von der Insel Pantelleria. Die Weinstöcke sind mehr als 60 Jahre alt und im traditionellen Alberello-Buschstil erzogen. Die Stöcke stehen auf Pietranera, also auf dem schwarzen, vulkanischen Boden und sie ziehen dort Mineralien ohne Ende, zumindest schmeckt das so.

Dieser mineralisch-steinige Geschmack verbindet sich perfekt mit dem leichten Muskatton des Weins. Der wird übrigens zu zwei Drittel in Stahl und zu einem Drittel in Barriques ausgebaut, die dem Wein einen leichten Ton geben, jedoch nicht zu viel. Zumindest aber könnte die leicht cremige Note am Gaumen daher rühren. Wie üblich bei Muskat-Weinen ist der Duft und Geschmack intensiv. Neben der Muskat- und Rosenblütennote finden sich hier traubige Noten, wiederum Holunderblüten und Ananas und ein paar orientalische Noten. auch hier ist die Säure zurückhaltend aber vorhanden. Der Wein passt perfekt zu Sushi und Sashimi, würde ich mal behaupten.

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Grappoli del Grillo 2011
Der Grappoli aus der Sorte Grillo, die im Bereich Marsala angebaut wird, ist ein ganz anderer Typ Wein. Er wurde in großen Holzfässern ausgebaut und lange auf der Feinhefe belassen. So hat der Wein eine cremige Struktur und typische leicht oxydative Noten. Sprich, er duftet durchaus nach mürben Apfel und Birne. Dazu kommen getrocknete Provence-Kräuter, Orangenschale und Melone.

Am Gaumen gibt es wieder ordentlich Mineralität mit salzigen Noten, dazu cremige Noten und mürben Frucht. Der Wein hat viel Schmelz und eine dichte Frucht und eine gute Länge. So habe ich Grillo bisher noch nicht kenngelernt. Der Wein hat mir viel Spaß gemacht. Nur zu den oxydativen Noten habe ich mittlerweile ein gespaltenes Verhältnis. Sie sorgen halt für diese mürben Apfel- und Birnennoten. Das finde ich durchaus attraktiv, machen allerdings die Weine zu gleich, denn dort, wo man das häufiger findet, also bei Chardonnay, Chenin Blanc oder wie jetzt beim Grillo oder auch bei Sauvignon Blanc, unterschiedet sich die Aromenstruktur nicht mehr so großartig. Trotzdem, das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Bei der Erkundung des alternativen Siziliens waren die drei Weine jedenfalls wieder eine schöne Entdeckung.

Sie wurden mir von vinaturel zur Verfügung gestellt, wo es die Weine auch zu kaufen gibt. Die Weine kosten € 12.50, € 18.50 und € 19.50


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