Der Grand Prix der Großen Gewächse 2026 – Tag 1: Silvaner

Nach einer Pause im letzten Jahr geht es heute, am Sonntag, den 23. August 2026 wieder los mit der Vorpremiere der Großen Gewächse in Wiesbaden und ich werde in den nächsten Tagen live berichten. Ich habe im Vorfeld schon viele Weine des vorgestellten Jahrgangs probieren können und ich freue mich sehr auf den charmanten Jahrgang. Los geht es, wie immer, mit Silvaner aus Franken.

Die Kurhaus Kolonnaden

Es gibt drei Flights mit insgesamt 14 Weinen.

Silvaner Flight 1:


Die drei intensiven Tage beginnen mit dem Retzstadt 2025 HIMMELSPFAD Rudolf May. Dieser Wein gefällt mir vom Duft schon ausgesprochen gut. Da ist so eine feine Mischung aus Reduktion und Oxidation im Glas. Etwas Rauch, Gestein, mürbes Kernobst, ein leichter Hefeschleier. Am Gaumen setzt sich das fort zusammen mit einer animierenden Säure. Der Wein hat Körper, bleibt trotzdem angenehm schlank und präzise, hat Trinkfluss und eine dem GG-Status würdige Tiefe.

Der Thüngersheim 2025 ROTHLAUF Rudolf May wirkt etwas blütenduftiger, offener mit weniger Rauch und etwas mehr Frucht. Am Gaumen empfinde ich ihn dagegen etwas verhaltener, wässriger, was nicht negativ gemeint ist, aber eine gewisse Leichtigkeit mit sich bringt. Hinter scheu ist aber alles da: eine charmante aber lebendige Säure, Energie und eine helle, dezente Frucht mit leicht zitrisch herben Aspekten.


Weiter geht es mit den Würzburg 2025 STEIN-BERG Staatlicher Hofkeller Würzburg. Man hat hier von vornherein mehr Frucht, etwas Steinobst, dazu die sortentypische Würze und eine leicht erdige Noten. Am Gaumen wirkt der Wein ernsthaft, trocken, mit Festigkeit und einem dezenten Gerbstoff. Er besitzt gleichzeitig eine gewisse Schwere und trotzdem beschwingt wirkende Obertöne.


Im ersten Moment duftig, zieht sich der Würzburg 2025 STEIN-HARFE Bürgerspital zum Hl. Geist unwillkürlich etwas zurück. Man hat etwas Grafit in der Nase, etwas Zeste und Gestein. Am Gaumen zeigen sich Kräuter, etwas Kernobst. Der Silvaner wirkt jung, noch zu jung und noch schwer einzuschätzen, aber er besitzt Tiefe, wirkt fordernd, leicht steinig, wirkt sehr trocken und leicht phenolisch.


Silvaner Flight 2:


Weiter geht es im zweiten Flight mit dem Sulzfeld 2025 MAUSTAL Zehnthof Theo Luckert. Dieser Silvaner umschmeichelt die Nase geradezu mit reifem Kernobst, etwas Agrumen, Hefe, einem Hauch von Butterfudge, Kräutern und Gestein. Am Gaumen bestätigt sich dieser Eindruck, nur dass es noch tiefer wird. Eine klare sortentypische Frucht, Kräuter, Gestein, eine leichte Zestigkeit treffen auf Salz, Gesteinswürze, Druck und einen leichten Gerbstoff. Eine jetzt schon faszinierende Balance aus Charme und Ernsthafigkeit.


Dass sich der Escherndorf 2025 AM LUMPEN 1655® Horst Sauer davon unterschiedet, indem er mehr Frucht ins Glas bringt, überrascht nicht, denn das ist der Stil des Hauses. Eine Menge Frucht, ein leichtes Parfum, dazu Kräuter findet man hier ebenso wie einen Hauch von Fenchelgrün und Gestein. Am Gaumen wirkt der Wein saftig, einladend, beschwingt, ohne abzugleiten, denn parallel dazu baut sich eine beeindruckende Kräuter- und Gesteinswürze auf. Die Säure schwingt mit, alles hat seinen Platz und der Wein eine gute Länge.


Wie schön eine solche Bandbreite in einem Flight zu finden, und das auf so gutem Niveau. Der Escherndorf 2025 AM LUMPEN 1655® Max Müller I wirkt in der Nase viel cremiger und hat mehr Holz als alle Vorgänger. Buttercreme, etwas unreife Ananas, ein leichter Duft von reifen Pfirsichen, am Gaumen rund, seidig, ja cremig, aber nicht zu üppig. Nein, das hat Struktur, da findet sich viel Würze und ein gehöriger Druck, der sich an den Gaumen presst. Auch das Holz verschwindet weitgehend in der Gesamtkomposition.


Dahinter wirkt der Escherndorf 2025 AM LUMPEN 1655® Rainer Sauer eher verhalten, aber da braucht es eine Minute oder zwei, um sich darauf einzustellen, denn der Wein ist keineswegs weniger anspruchsoll, sondern spiegelt einfach den Charakter seines Erzeugers wider. Es ist ein feines, helltöniges, ganz elegantes und feines Gewächs. Duftig, durchaus sinnlich, präzise und am Gaumen immer würziger und tiefer werdend mit schöner Länge.


Dieser Silvaner wirkt deutlich verhaltener als der erste Wein des Weinguts. Der Volkach 2025 RATSHERR Max Müller I erzählt mir in der Nase nur sehr wenig von seinem Charakter und auch am Gaumen wirkt er zunächst scheu und subtil, baut dann aber Spannung auf. Die Würze dringt zunehmend durch, die Säure wirkt noch etwas spitz. Ein Wein auf Wiedervorlage.

Silvaner Flight 3:


Dieser Flight umfasst ältere Jahrgänge, beginnend mit dem Stetten 2024 STEIN Am Stein – Ludwig Knoll. Der Wein ist schwierig. Mein Tischnachbar sagt, “der Wein hat keinen Anfang und kein Ende, ganz viel auf einmal.” Tatsächlich wirkt er dadurch, dass er ein Jahr später angestellt wurde, nicht klarer. Es ist ein Wein mit Tiefe und Komplexität, der vieles an dunkler Mineralität, heller Frucht, einem spiel von Reduktion und Oxidation in sich birgt, aber der Satzbau stimmt nicht so ganz. [Nachtrag: Wenn man die Weine kennt, kann man davon ausgehen, dass sich das alles findet und zu einem hochkomplexen Wein heranreift, aber ich schreibe hier immer so, dass ich so tue, als wüsste ich davon nichts, denn der Wein steht hier und jetzt.]


Auch mit dem Thüngersheim 2024 ROTHLAUF Bickel-Stumpf bin ich spontan nicht ganz glücklich. Er erinnert an Hafergrütze und ein wenig an Schweiß. Wenn man das hinter sich hat, wird der Silvaner jedoch klar und lebendig, legt die störenden Töne ab, besitzt Struktur, Helligkeit und gleichzeitige Würze, fordert am Gaumen, baut Druck auf und hat Länge.


Beim Frickenhausen 2024 MÖNCHSHOF Bickel-Stumpf muss man nicht mit der Nase kämpfen, die ist duftig, cremig, sinnlich. Ein Wein mit leichter Karamellnote, Birnencreme und Kräutern, der am Gaumen breiter wirkt, als sein Vorgänger, einfacher und offener und für mich nicht ganz die Klasse des Rothlauf erreicht.


Ebenfalls aus diesem Jahr kommt der Iphofen 2024 BERG Hans Wirsching. Hier erwartet einen eine ganz klassische Silvanernase mit Frucht, einem Hauch von Vegetabilem, Cremigkeit, Kräutrigkeit und Gestein. Am Gaumen wirkt der Wein genauso klassisch, leicht saftig, etwas wässrig mit einer lebendigen Säure. Mir fehlt hier aber Tiefe.


Man merkt dem Castell 2021 SCHLOSSBERG Fürstlich Castell’sche Domäne an, dass hier mehr Reife im Spiel ist, aber darauf ist der Wein angelegt.Man findet Anklänge von Rauch und Gestein, Apfelschalen, Flechten und zitrische Noten. Am Gaumen besitzt der Wein Schmelz, immer noch ein wenig Rauch, eine Mischung aus Frucht und Gemüse, ohne dass sich das negativ auswirken würde. Stattdessen trumpft der Schlossberg mit einer angenehmen Festigkeit, Würze und einer balancierenden Säure obenauf. Ein gelungener Abschluss mit Tiefe, Wucht und Klasse..

Nicht dabei waren Paul Weltner, Schmitt’s Kinder und weitere potenzielle Kandidaten. Ein Schwund, der sich über verschiedene Appellationen erstreckt und auf den ich später noch eingehen werde. Bei Paul kann ich es absolut verstehen, denn ich fand seine Weine schon immer im Beginn schwierig, sie zeigen sich erst wirklich mit Flaschenreife. Vielleicht steigt er ja späöter wieder so ein, wie es Castell tut?

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