Reenactement zum 50. Jahrestag des Judgment of Paris

Kaum einer der Beteiligten, die sich am 24. Mai 1976 in einem kleinen Salon des Pariser Inter-Continental, dem heutigen The Westin Paris-Vendôme in der Rue de Castiglione eingefunden hatten, hätte gedacht, dass er mit dieser Zusammenkunft Geschichte schreiben würden. Es waren auch keine Diplomaten, die dort saßen, keine Politiker und keine Wirtschaftsbosse, sondern Menschen aus der französischen Haute-Volée des Weinbusiness. Menschen wie Odette Kahn, die Herausgeberin der renommierten La Revue du Vin de France, Aubert de Villaine, Co-Director der Domaine de la Romanée-Conti, Christian Vannequé, Sommelier des La Tour d’Argent, Pierre Tari, Besitzer des Château Giscours, Pierre Brejoux, der Generalinspektor des Verbandes der Appellation d’Origine Controlée oder Jean-Claude Vrinat, Inhaber des Restaurants Taillevant. Ebenfalls dabei waren die beiden Personen, die eingeladen hatten: Steven Spurrier, Englishman in Paris, Inhaber eines Weinladens namens Les Caves de la Madeleine und Co-Gründer der dortigen l’Academie du Vin, die er zusammen mit Jon Winroth und der Amerikanerin Patricia Gallagher betrieb und Frankreichs erste private Weinschule wurde. 

Dieses Zusammentreffen jährte sich am Pfingstsonntag zum 50. Mal und es ist ein so fester Bestandteil der Weinhistorie und moderner Mythen geworden, dass rund um den Globus diverse Tastings im Gedenken an diese Veranstaltung stattfanden. Also Maximilian Wilm, Manager und Sommelier im Hamburger Kinfelts Kitchen & Wine und nebenbei „Sommelier des Jahres 2019“ mich einlud, an dem von ihm organisierten Tasting teilzunehmen, habe ich keinen Moment gezögert. Hatte ich mich doch schon länger und immer wieder mit den Tasting und seiner Vorgeschichte beschäftigt und auch kürzlich wieder eine Kolumne dazu verfasst. 

Das klassische 1976er Judgment of Paris
Das klassische 1976er Judgment of Paris, © Bella Spurrier

Was war das eigentlich, das Judgment of Paris?

Doch worum geht es eigentlich beim Judgment of Paris, dessen Namen auf das Urteil des Paris und damit auf die griechische Mythologie verweist, wo das eigentliche Judgment of Paris auf direktem Weg zum Trojanischen Krieg geführt hat. Es geht darum, dass Gallagher die Entwicklung des US-kalifornischen Weinbaus verfolgt hatte, der Ab Mitte der 1960er Jahre so langsam in Schwung gekommen war. Nach einer ersten erfolgreichen Phase bis 1920 folgte ja die Prohibition, also ein Alkoholverbot, das bis 1933 andauerte. Die meisten Weingüter verschwanden in der Zeit, nur wenige blieben als Tafeltraubenproduzenten erhalten und auch nach dem Ende der Prohibition kam der Sektor kaum wieder in Schwung. Es dauerte bis in die 1960er Jahre, dass sich das ändern sollte mit Weingütern wie Georges de la Tour, Mondavi oder Ridge. Verantwortlich dafür waren vor allem aus Osteuropa ausgewanderte junge Weinmacher, die später zu Legenden der kalifornischen Weinszene werden sollten – allen voran André Tchelistcheff, Warren Winiarski und Mike Grgich. 

Patricia Gallagher hatte die ursprüngliche Idee für ein solches Event, um die Zweihundertjahrfeier der amerikanischen Unabhängigkeit zu würdigen. Sie reiste im Sommer 1975 während ihres Urlaubs nach Kalifornien – unter anderem ins Napa Valley und in die Santa Cruz Mountains –, sammelte erste Eindrücke und stellte fest, wie stark die Qualität der dortigen Weine gestiegen war. Motiviert durch Gallaghers Berichte reiste Steven Spurrier Anfang 1976 selbst nach Kalifornien. Er verbrachte dort rund eine Woche, besuchte Weingüter und verkostete zahlreiche Weine. Spurrier traf die finale Entscheidung, welche kalifornischen Chardonnays und Cabernet Sauvignons am Tasting teilnehmen sollten, kaufte die Flaschen und organisierte mit Unterstützung vor Ort deren Transport nach Paris.

Die renommierten Verkoster und Verkosterinnen, die er zu diesem Tasting einlud, hatten natürlich nicht den Hauch eines Zweifels, dass ihre französischen Weine, die damals ja völlig unbestritten das Zentrum der Weinwelt bildeten, in dem angesetzten Bindtasting reüssieren würden, während die völlig unbekannten Kalifornier nicht den Hauch einer Chance haben würden. Nun, es kam anders und das führte zu großen Verwerfungen. Tatsächlich soll das Tasting so abgelaufen sein, dass man sich über diverse Weine lustig gemacht haben soll, von denen sich später herausgestellt hat, dass es französische Grand Cru waren. Darüber hinaus waren sich die Verkoster oft uneins über die Qualität der Weine, so dass diese oftmals extrem unterschiedliche Bewertungen erhalten haben. Letztendlich aber war es so, dass sowohl beim Vergleich der Weißweine kalifornischer Chardonnay mit den besten weißen Burgundern ein Kalifornier gesiegt hat und im Vergleich kalifornischer Cabernets mit 1er Grand Cru aus Bordeaux ebenfalls ein Kalifornier die Nase vorn hatte. All das wurde später von den französischen Verkostern angezweifelt, es wurde versucht, Gallagher und Spurrier mundtot zu machen und das Tasting zu verschweigen. Das wäre auch gelungen, wenn nicht ein einzelner Reporter, nämlich George M. Taber anwesend gewesen wäre und einige Woche Später im Time Magazine auf der letzten Seite eine Randnotiz zu diesem Tasting geschrieben hätte. Doch diese Notiz reichte, um die Weinwelt des Napa Valleys entscheidend zu verändern. Die Bodenpreise vervielfältigten sich quasi über Nacht, es gab jede Menge Neugründungen und das Napa Valley wurde eine Zentrum der Weinwelt. Die Franzosen andererseits hatten eine Niederlage erlebt, die sie nach der ersten großen Bockigkeit zum Nachdenken animiert hat und ihnen gezeigt hat, dass das Ausruhen auf vorhandenen Meriten nichts sein würde, was in der Zukunft noch funktionieren kann und insofern haben sie es zum Anlass genommen, ihre Arbeitsweise zu überdenken und zu verändern. Gallagher und Spurrier jedenfalls haben später, nachdem sie in manchen Kreisen zur persona non grata erklärt worden waren, doch noch hohe Auszeichnungen für ihre Verdienste um den französischen Wein erhalten.

Das Reenactment zum 50. Jahrestag

Nun aber zum reenactment 50 Jahre nach dem eigentlichen Tasting. Maximiliam Wilm hat keine Kosten und Mühen gescheut, das Tasting mit aktuellen Jahrgängen der jeweiligen Weingüter nachzubauen. Das ehrt ihn und ich habe gesehen, dass man es sich anderswo auf der Welt oftmals sehr viel einfacher gemacht hat, indem man irgendwas aus Übersee mit irgendwas auch Frankreich nebeneinander gestellt hat. Nicht so im Kinfelts. Die Weingüter der Rotweine von damals waren komplett vorhanden, wobei Maximilian beispielsweise das Glück hatte, auf der Wine Paris im Februar auf einen Vertreter von Clos du Val zu treffen, deren Weine hier kaum zu erwerben sind, der dann aber Muster geschickt hat. Bei den Chardonnays war es deutlich schwieriger, weil es manche Weingüter schlicht nicht mehr gibt und es unmöglich war, den Meursault Charmes von Roulot zu einem tragbaren Preis für das Tasting zu erwerben.

Welche Weißweine waren 1976 dabei und wie sah damals und heute das Ergebnis aus?

Die hochkarätige, rein französische Jury bewertete die Weine blind nach einem 20-Punkte-System. Als die Punkte zusammengezählt wurden, belegte ein kalifornischer Wein den ersten Platz und verwies die prestigeträchtigen weißen Burgunder (Meursault und Grand Crus aus Montrachet) auf die Plätze.

Der legendäre Sieger bei den Weißweinen war der 1973 Chateau Montelena Chardonnay aus dem Napa Valley (kreiert vom damals noch jungen kroatisch-amerikanischen Winzer Mike Grgich).

Hier ist das offizielle Gesamtergebnis der Chardonnay-Verkostung in der Übersicht:

RangPunkte Ø WeinJahrgangHerkunft
1.14,66Chateau Montelena1973USA (Kalifornien)
2.14,05Meursault Charmes (Domaine Roulot)1973Frankreich (Burgund)
3.13,44Chalone Vineyard1974USA (Kalifornien)
4.11,55Spring Mountain Vineyard1973USA (Kalifornien)
5.11,22Beaune Clos des Mouches (Joseph Drouhin)1973Frankreich (Burgund)
6.11,11Freemark Abbey Winery1972USA (Kalifornien)
7.10,44Bâtard-Montrachet (Ramonet-Prudhon)1973Frankreich (Burgund)
8.9,88Puligny-Montrachet Les Pucelles (Domaine Leflaive)1972Frankreich (Burgund)
9.9,77Veedercrest Vineyards1972USA (Kalifornien)
10.4,66David Bruce Winery1973USA (Kalifornien)

Die Franzosen waren sich im Vorfeld sehr sicher gewesen, dass ihre Burgunder unschlagbar seien, dass einige Juroren während der Blindverkostung beim Probieren eines kalifornischen Weins laut kommentierten: „Das ist zweifellos Frankreich!“, während sie einen echten Burgunder fälschlicherweise als „typisch kalifornisch und charakterlos“ abtaten. Dass am Ende mit Chateau Montelena, Chalone und Spring Mountain drei der vier besten Weißweine aus den USA kamen, veränderte den globalen Blick komplett.

Wie sah es nun bei uns im Kinfelts aus? 

RangPunkte ØWeinJahrgangHerkunftAnnahmen
1.16,82
Eigene: 17,5
Joseph Drouhin: Beaune Clos des Mouches2021FrankreichUSA: 12
FR: 12
Eigene: USA
2.16,804
Eigene: 18,5
Domaine Remoissenet: Meursault Charmes2021FrankreichUSA: 8
FR: 16
Eigene: FR
3.16,463
Eigene: 18
Domaine Leflaive: Puligny-Montrachet Les Pucelles 2023FrankreichUSA: 13F
R: 11
Eigene: FR
4.16,133
Eigene: 17
Freemark Abbey Winery: Chardonnay2022USAUSA: 21
FR: 3
Eigene: USA
5.15,879
Eigene: 17,5
Château Montelena: Chardonnay2021USAUSA: 17
FR: 7
Eigene: USA
6.15,854
Eigene: 16,5
Kongsgaard: Chardonnay2023USAUSA: 21
FR: 3
Eigene: USA
7.15,708
Eigene: 18
Matthiasson: Michael Mara Chardonnay2021USAUSA: 3
FR: 21
Eigene: FR
8.15,417
Eigene: 14,5
Arnaud Roberts: Chardonnay Watson Ranch2024USAUSA: 12
FR: 12
Eigene: FR
9.14,813
Eigene: 16
Noël Ramonet: Bâtard-Montrachet GC2023FrankreichUSA: 11
FR: 13
Eigene: USA
10.14,375
Eigene: 17,5
Ridge: Monte Bello Chardonnay2020    USAUSA: 22
FR: 2Eigene: USA

Hier meine Notizen zu den Weinen

Alle Weine wurden vom Team des Kinfelts ohne Maximilian Wilm zusammengestellt, so dass er blind mit probieren konnte. Danke an Christin Vollmer und Yasin Khamis für den tollen Job!

Die Reihenfolge war folgende:

1. 2023 Kongsgaard Chardonnay
Popcorn, Reduktion, sehr parfümiert mit leicht artifizieller Birne; viel Saft, leichte Süße, reife Frucht, wiederum viel Birne, Holz, Vanille, etwas Kokos?, Holzrauch und Zimt, gebändigte Fülle, old school Kalifornien, in sich stimmig; 16,5

2. 2023 Noël Ramonet Batard-Montrachet
Viel Apfel und Birne, leicht grüne Noten, kaum Reduktion, noch unfertig; zeigt Schwächen in der Reife, unstimmig am Gaumen mit leichter Schärfe und Holz, das noch nicht eingearbeitet ist. Trotzdem Tiefe und Länge; 16

3. 2024 Arnaud Roberts Chardonnay Watson Ranch
Viel Salzzitrone und Meyerzitrone, sehr hell, fast karg, Gestein mit Zitrone; sehr reduziert, skelettiert, unfertig und in der Tendenz fast unreif; 14,5

 4. 2020 Ridge Chardonnay Monte Bello 
Recht viel Holz mit Weihnachtsgewürzen mit etwas Nelke und Zimt, reife Zitrone, vielleicht sogar Zitronenbonbon, reifes Steinobst, Birne, etwas kandierter Ingwer; rund, saftig, dicht, würzig, sehr intensiv aber auch mächtig, das genaue Gegenteil von 3; 16

5. 2021 Drouhin Beaune 1er Cru Clos des Mouches 
Recht üppig mit Holz, Vanille, reifem Steinobst, Kernobst und Haferflocken; stimmig, saftig, würzig, durchaus balanciert, aber ein bisschen zu vordergründig; 17,5

6. 2021 Matthiasson Michael Mara Vineyard
Leichte Reduktion, aber nicht aufgesetzt wirkend, fein, elegant, hell in der Aromatik; leise, fein, geradlinig, lang, der leiseste Wein bisher, aber sehr stimmig, sehr klar, ganz unaufgeregt aber durchaus selbstbewusst, sehr schön!; 18

7. 2021 Chateau Montelena Chardonnay Napa Valley
Auch hier wieder Haferflocken, dazu Nüsse und Mandeln, etwas Popcorn, Lemon Curd, Blüten; cremig, dicht, durchaus konzentriert und doch frisch und klar, balanciert, etwas zu süß; 17,5

8. 2021 Remoissenet Père et Fils Meursault 1er Cru Charmes
Sehr klar, fein, elegant, balanciert mit ganz klaren Aromen von Birnen und Zitronen, feinster Nussbutter, Salzzitrone und darüber weißen Blüten; knackig frisch, gleichzeitig cremig, hoch fein, elegant, balanciert, ellenlang, vibrierend mineralisch, salzig, unaufgeregt, in sich ruhend, jung aber auf dem Weg, ein großer Wein zu werden; 18,5

9. 2022 Freemark Abbey Chardonnay Napa Valley
Ein goldener, reifer, saftiger und sinnlicher Chardonnay, sehr südlich mit voller Zitrone, Steinobst, Nuss, Honig, Zimt, Mandarine; saftig, cremig, leicht exotisch, rund, in sich stimmig und balanciert; 17

2023 Leflaive Puligny Montrachet 1er Cru Les Pucelles
Feinste Reduktion, reife Zitrone und Meyerzitrone, weiße Blüten, grüne Mandeln, etwas Hefe, Gestein; saftig, hell und klar mit viel Zug, ganz ohne Allüren, sehr stimmig, elegant und balanciert, präzise, knapp hinter Nummer 8; 18

Meine Siegerweine waren also Remoissenet Père et Fils Meursault 1er Cru Charmes knapp vor Leflaive Puligny Montrachet 1er Cru Les Pucelles und Matthiasson Michael Mara Vineyard, den ich als französisch angesehen habe. Insgesamt ein starkes Feld, bei dem ich es weit weniger offensichtlich fand, aus welchem Land die Weine nun wirklich stammen. Diese Erfahrung habe ich schon häufig bei Chardonnays, aber auch Pinot aus Europa und Übersee gemacht. Manche Weine werden noch in einer klassischen Napa-Stilistik erzeugt, die auch sehr schön sein kann, gerade heute, wo sie seltener vorkommt und nicht mehr das Feld beherrscht. Es gibt genau die richtigen Momente und das passende Essen für diese Weine, so wie es sie für die sehr schlanken Vertreter gibt. Ich war froh, dass es keine Weine gab, die voll auf Reduktion ausgelegt waren. 

Welche Rotweine waren 1976 dabei und wie sah damals und heute das Ergebnis aus?

Bei den Rotweinen war das Ergebnis damals psychologisch vielleicht sogar ein noch größerer Schock für die französische Weinwelt. Während man den Amerikanern bei den Weißweinen eventuell noch ein „Zufallsprodukt“ hätte unterstellen können, galt das langlebige, prestigeträchtige rote Bordeaux als die absolute, unantastbare Krone des Weinbaus und war damals noch viel prestigeträchtiger als das Burgund. 

Umso heftiger traf es die Juroren, als auch in dieser Kategorie ein kalifornischer Cabernet Sauvignon den ersten Platz belegte. Der historische Sieger war der 1973 Stag’s Leap Wine Cellars Cabernet Sauvignon aus dem Napa Valley, kreiert von Warren Winiarski. Ein Wein aus dem allerersten Jahrgang des Weinbergs, wohlgemerkt! Er setzte sich hauchdünn gegen absolute Ikonen wie Château Mouton-Rothschild, Château Haut-Brion und Château Montrose durch. Diese 0,16 Punkte hat für den Windhauch der Geschichte gesorgt, der sonst wahrscheinlich ausgebleiben wäre. 

RangPunkteWeinJahrgangHerkunft
1.14,16Stag’s Leap Wine Cellars1973USA (Kalifornien)
2.14Château Mouton-Rothschild1970Frankreich (Bordeaux)
3.13,94Château Haut-Brion1970Frankreich (Bordeaux)
4.13,55Château Montrose1970Frankreich (Bordeaux)
5.13,16Ridge Vineyards Monte Bello1971USA (Kalifornien)
6.12,44Château Leoville Las Cases1971Frankreich (Bordeaux)
7.11,5Mayacamas Vineyards1971USA (Kalifornien)
8.11,27Clos Du Val Winery1972USA (Kalifornien)
9.10,66Heitz Wine Cellars Martha’s Vineyard1970USA (Kalifornien)
10.10,5Freemark Abbey Winery1969USA (Kalifornien)

Soviel also zu 1976. Wie sah es 2026 im Kinfelts aus, wo alle Weine von damals versammelt waren?

RangPunkte ØWeinJahrgangHerkunftAnnahmen
1.16,379
Eigene: 17
Ch. Leoville Las Cases, 2ième GC Saint-Julien2013FrankreichUSA: 1
FR: 23
Eigene: FR
2.16,217
Eigene: 16
Ch. Haut-Brion, 1er GC Graves2013FrankreichUSA: 6
FR: 18
Eigene: USA
3.16,063
Eigene: 17,5
Ch. Mouton-Rothschild, 1er GC Pauillac2012FrankreichUSA: 2
FR: 20Eigene: FR
4.16,054
Eigene: 17,5
Ch. Montrose, 2ième GC Saint-Estèphe2012USAUSA: 11
FR: 13Eigene: FR
5.16,042
Eigene: 15,5
Clos du Val Yettalil2021USAUSA: 23
FR: 1
Eigene: USA
6.15,521
Eigene: 17,5
Ridge Monte Bello2016USAUSA: 5
FR: 19
Eigene: USA
7.15,017
Eigene: 15,5
Freemark Abbey Cabernet Sauvignon2019USAUSA: 24
FR: 0Eigene: USA
8.14,983
Eigene: 15,5
Mayacamas Vineyard Cabernet Sauvignon2018USAUSA: 24
FR: 0Eigene: USA
9.14,979
Eigene: 14
Stag’s Leap S.L.V.2021USAUSA: 23
FR: 1
Eigene: USA
10.14,696
Eigene: 14,5
Heitz Martha’s Vineyard2018    USAUSA: 21
FR: 3
Eigene: USA

Anbei meine eigenen Aufzeichnungen in der blind servierten Probenfolge in Zweier-Paarungen

1. 2016 Ride Monte Bello
Recht frisch wirkendes Holz, etwas Zimt, eine reife hedonistische Frucht, fester Kern, dunkel; saftig, adstringierend, mit einer gewissen ätherischen Kühle, Kirsche, Sauerkirsche, dann dunkle Schokolade, kaubares Tannin, Tabak, Salz, Haut-Brion?; 17,5

2. 2019 Freemark Abbey Cabernet Sauvignon 
Viel reife Frucht, oldschool Napa, voll, reif, leichte Süße; auch am Gaumen süß mit voller, reifer Frucht, Saft, ordentlich Tannin und leichter Schärfe, unausgewogen; 15,5

3. 2012 Château Mouton Rothschild, 1er Grand Cru de Pauillac
Absolut klassisch Pauillac mit Cassis, Kirsche, Grafit, Zigarrenkiste, Tabak, Unterholz; am Gaumen kühl, saftig, salzig, klassisch, mit viel Cassis, etwas Malz, allerdings nicht allzu tief, aber sehr schön zu trinken, muss Mouton sein; 17,5

4. 2018 Mayacamas Vineyards Cabernet Sauvignon 
Fest gewirkt, jugendlich, reife dunkle Beeren, Kirschlikör, Grafit, Unterholz, Haferkeks; rich, dicht, reif, unentwickelt mit noch festem Tannin, zu jung, sehr dunkel mit Holzkohle, ätherischen Noten, schwer einzuschätzen; 15,5

5. 2018 Heitz Martha’s Vineyard 
Fruchtüberladen mit viel Kirsche und Cassis und vor allem Brombeere, dazu Vanille Holz, sehr modernes Napa; am Gaumen noch mehr Frucht, Minze, Eukalyptus? Martha’s? Aber nicht stimmig oderbalanciert, eher ausufernd und wenig präzise; 14,5

6. 2012 Château Montrose, 2ième Grand Cru Classé de Saint-Estèphe
Klassisch kühles rive gauche, eine Kelle Bret mit im Wein, Unterholz, Zeder, dazu rote und dunkle Beeren; viel Cassis und Sauerkirsche, heller Tabak, kühl geprägt, saftig mit Grip, lang; 17,5

7. 2013 Château Leoville Las Cases, 2ième Grand Cru Classé de Saint-Julien
In der Nase klassisch reif, wirkt eigentlich französisch, aber ganz sicher finde ich das nicht, Cassi, Kirsche, Mokka, Unterholz, Toast, ein paar grüne Pyrazine; saftig mit Säure und ordentlichem Tannin-Grip, stimmig aber nicht allzu tief; 17,5

8. 2021 Stag’s Leap Wine Cellar S.L.V. 
Sehr reife, fast schwarze Frucht, Holz, Zimt, Getreide, Pflaume, parfümiert; wiederum sehr reif, rund, süß, vordergründig, erdig, breit, immerhin mit Länge; 14

9. 2021 Clos du Val Yettalil 
Wie beim Vorgänger: Herkunft eindeutig. Sehr reif und sehr fruchtig mit viel Boysenbeere, Schwarzkirsche, Zeder, Schokolade, Mokka; saftig, rund mit etwas staubigem Tannin, süß, üppig; 15,5

10. 2013 Château Haut Brion, 1er Grand Cru Classé de Graves
Schwer zu greifen. Irgendwo zwischen Rive Gauche und Monte Bello. Dunkel, Unterholz, Laub, Erde, Tabak, wenig Frucht, aber die ist wiederum dunkel; saftig, kühl mit viel Zug, gleichzeitig aber Lakritze und Sandelholz,  festes Tannin, wirkt noch jung; 16

Maximilian Wilm hat bewusst schwächere Bordeaux-Jahrgänge genommen, da das 1976 auch schon der Fall war. Und wenn man auch damals schaut, dann hatten die Kalifornier keinen so guten Stand gegen die Châteaux, bis auf einen. Nun, 50 Jahre später war das Ergebnis noch eindeutiger. Man muss allerdings auch sagen dass Stag’s Leap und Heitz auch nicht mehr das ist, was es mal war und es insgesamt viel bessere Weingüter dort gibt, die sicher keinen Vergleich mit Bordeaux scheuen müssen. Meiner Ansicht nach muss Monte Bello das auch nicht. Der hat es bei mir zusammen mit Mouton-Rothschild und Monrose ja auch ganz nach vorne geschafft und Monte Bello war auch beim offiziellen „Judgment of Paris – 30th anniversary tasting“, wo die Originaljahrgänge probiert wurden von zwei hochkarätigen Jury diesseits und jenseits des Atlantiks der Gewinner – vor vier weiteren Weinen aus Kalifornien! Davon waren wir am Pfingstsonntag 2026 sehr weit entfernt. 

Großer Dank an Maximilian Wilm für die Einladung und die Ausrichtung dieser wirklich spektakulären Probe!

Da Buch zum damaligen Tasting und der ganzen Vorgeschichte vor allem der aus Osteuropa stammenden Weinmacher hat George M. Taber, der damaligen Time Magazine-Reporter in diesem Buch zusammengefasst. Jetzt, im April, ist im Verlag der besagten Academie du Vin ein neues Buch erschienen, das ich mir auf Grund seines Preises allerdings noch nicht zugelegt habe.

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