Gestern gab es in unserer Burgunder-Runde das Thema “Chassagne-Montrachet rouge”. Rouge? Ja, gibt es, wird nur viiiel weniger beachtet als die weißen. Dafür sind sie allerdings auch deutlich günstiger. Was wird nicht erwartet haben: Das dieser Abend so viel Spaß machen würde.
Wie immer bringt jeder eine Flasche oder zwei mit. ich hatte sogar drei, weil ich neben der, die ich in die Runde stellen wollte, ein paar Tage zuvor von Vinaturel noch zwei zum Betexten bekommen hatte. Mit zweien davon haben wir verdeckt begonnen: Thomas Morey “Vieilles Vignes” und “Clos du Saint Jean 1er Cru” einer der besten Lagen. Beides 2024. Der Zufall wollte es, dass es von diesem Wein auch einen 2019er gab. Ich wiederum hatte aus der Lage einen 2020er von Jean-Marc Pillot dabei während später einen Wein seines Bruders Paul Pillot aus der selben Lage und dem selben Jahrgang auf dem tisch stand. Zufälle, die eine schöne Vergleichbarkeit hergestellt haben. Es folgten der 2020er 1er Cru Morgeot von Morey-Coffinet und der 2017er Champ Gains von Caroline Morey, sowie der 2013er La Goujonne von Hubert Lamy.



Thomas Morey Chassagne-Montrachet Vieilles Vignes 2024: Im Duft violette Töne, rote Beeren, Kirschen, ein Hauch von süßen Gewürzen, dezentes Holz; am Gaumen fester und dichter als die transparente Erscheinung verraten. Charmant, leicht phenlisch, saftig. Geprägt von einer feinen Tanninstruktur und eleganten, dezentem Holz, einem süßen Kern, leicht erdigen Noten. Sorgt für viel unbeschwerte Trinkfreude.
Thomas Morey Chassagne-Montrachet Clos du Saint Jean 1er Cru 2024: Dunkler und etwas teeriger mit Rost, Rauch und Gestein, gleichzeitig ätherisch. Aber auch mit Noten von Crumble, reifen süßen Kirschen und Walderdbeeren. Am Gaumen ebenfalls dunkler, substanizeller mit mehr Umami.
Thomas Morey Chassagne-Montrachet Clos du Saint Jean 1er Cru 2019 zeigte die gleiche Handschrift, wirkte aber, und das ist bei dem Jahrgang auch keine Überraschung, reifer in der Frucht, bei der ein wenig Eingekochtes mit dabei war. Die Farbe dunkler, der Wein würziger, etwas weniger präzise aber saftig, lustvoll und gesegnet mit einer lebendigen Säure.



Jean-Marc Pillot Chassagne-Montrachet Clos du Saint Jean 1er Cru 2020: Wein Nummer vier stammte aus dem Jahr 2020 und wurde von Jean-Marc Pillot vinifiziert. Ein ganz anderer Stil, viel blauer, violetter. Mehr kühle Vorvergärung, etwas internationaler, wenn man so will aber extrem sexy und sinnlich, rund, ausgewogen und lebendig.
Paul Pillot Chassagne-Montrachet Clos du Saint Jean 1er Cru 2020: Und dann der Wein aus gleicher Lage und gleichem Jahrgang von Paul Pillot. Ebenfalls eher violett, dicht, ein wenig trüb in der Farbe, dann blütenduftiger, kräuterduftiger, ebenfalls seriös, aber zunächst nach dem Charmeur etwas herber und anstrengender, aber ebenfalls mit Klasse und zunehmend charmanter.
Morey-Coffinet Chassagne-Montrachet Morgeot 1er Cru 2020: Auch dieser Pinot hat die exzellente Qualität bewiesen, die rote Chassagne-Montrachet bieten können. Ein vielschichtiger, stoffiger, ernsthafter Wein mit einem Auftakt von Kräutern, etwas Eukalyptus, Schattenmorellen und Schlehe. Am Gaumen saftig und lebendig mit einem kühlen Säurezug, leicht phenolisch, schlank und präzise. Vielleicht der beste Wein des Abends.



Caroline Morey Chassagne-Montrachet Champ Gains 1er Cru 2017: Der Wein von Caroline Morey fiel dagegen deutlich ab. Der Wein wirkte deutlich älter als neun Jahre. Schon etwas blass in der Farbe, kann er sich nicht zu der Klarheit und Präzision aufschwingen, die die anderen Weine gekennzeichnet hat. Der Pinot zeigt eine süße Frucht von Kirschen, Waldbeeren und Sauerkirschen. Dazu kommen violette Blüten und Kräuter. Der Wein bleibt am Gaumen etwas mager und bitter trotz einer gewissen Extraktsüße. Im Finale wird er dann etwas runder, harmonischer und saftig, ja geradezu versöhnlich.
Hubert Lamy Chassagne-Montrachet La Goujonne Vielles Vignes 2013: Der älteste Wein am Tisch hatte leider schon bräunliche Töne in der Farbe und wirkte auch am Gaumen ein wenig reif, was bei 2013 nicht unbedingt zu erwarten war. Er hat mich in der Nase ein wenig an Mentholzigaretten erinnert, dann an eine süße, reife, leicht gekochte Frucht, Trockenholz. Am Gaumen Amarenakirsche, dazu ein etwas unspezifische, nicht ganz eingebundene Säure und erdige Noten.



Insgesamt was das ein ausgesprochen vergnüglicher Abend, der ein viel höheres Niveau hatte, als wir das vielleicht erwartet hatten, weil immer nur von den weißen Montrachets gesprochen wird. Dabei war der Ort historisch eigentlich vor allem mit Pinot Noir bepflanzt und das macht in vielen Bereichen auch Sinn, nur das die Winzer für die Weißweine halt viel mehr Geld bekommen. Umso schöner, dass man hier roten Burgunder bekommt, der preislich eben nicht völlig abgehoben ist und viel bietet. Danke Michael für die Gastfreundschaft und das gute Essen!
