Der Grand Prix der Großen Gewächse 2026 – Tag 1: Spätburgunder

Mittlerweile ist es 14:49 am ersten Tag und ich habe noch gute zwei Stunden für die Spätburgunder.

Spätburgunder Flight 1:
Los geht es mit Weinen von der Ahr, wo Adeneuer nicht mehr mit dabei ist. Der Ahrweiler 2024 ECK Deutzerhof ist ein duftiges Erlebnis mit einer reifen rot- und dunkelbeerigen Frucht, etwas Kirsche und einem Holz, das nach indischen Gewürzen duftet und sehr sexy wirkt. Am Gaumen ist das ein reifer, saftiger Wein, der über eine flüchtige Säure verfügt, die ich noch ganz okay finde. Die Röstnote allerdings habe ich vom Duft her nicht erwartet und gefällt mir auch nicht so gut.

Den Auftakt bildet hier eine Reduktionsnote, die ich von dem Weingut so nicht kenne. Am Gaumen wirkt der Ahrweiler 2024 SILBERBERG Meyer-Näkel reif, fast überreif mit einer warmen Frucht und etwas Hitze.

Das ist ein typischer Stodden. Der Ahrweiler 2024 ROSENTHAL Jean Stodden hat etwas Untergründiges von Unterholz, Trockenholz und trockenem Waldboden zusammen mit einer reifen Kirschfrucht. Am Gaumen wirkt er vergleichsweise warm, aber saftig und recht offen mit einem Hauch von ätherischen Noten und viel Substanz. Braucht Zeit.

Auch dieser Wein breingt erst einmal Wärme ins Glas und ein wenig Tomatenessenz. Der Mayschoss 2024 MÖNCHBERG Deutzerhof. Am Gaumen hat der Wein Struktur, aber auch hier hat man eine eher gekochte Frucht, Wärme und dazu ein leicht röstiges Holz.

Elegant irgendwo zwischen Burgund und Bordeaux präsentiert sich der Rech 2024 HERRENBERG Jean Stodden. Ein kraftvoller Wein mit einem leichten aromatisch Cabernet-Anklang. Auch hier Wärme, aber gekonnt umgesetzt mit wiederum leicht ätherischen Noten und einem gelungenen Holzeinsatz.

Der Dernau 2024 PFARRWINGERT Meyer-Näkel bleibt in der Stilistik des Silberbergs mit einem reduktiven Auftakt und leicht getreidigen Noten. Am Gaumen unausgewogen zwischen leicht gekocht wirkenden Noten, einer etwas scharfen Säure und wieerum leicht getreidigen Noten.

Spätburgunder Flight 2:
Der dritte Weine von Meyer-Näkel besitzt vielleicht auch die Wärme der vorherigen Weine, nicht aber, oder nur ganz subtil, die störende Reduktionsnote. So bietet sich in der Nase eine Melange aus reifen Kirschen, ein paar Waldbeeren, Vanillesahne und dunklem, fluffigem Kuchenteig mit ein wenig bestem Holz. Am Gaumen ist der Walporzheim 2024 KRÄUTERBERG Meyer-Näkel saftig, reif, rund und sinnlich mit einer feinen Textur. Es fehlt ein wenig die Säure, die zu mehr Balance hätte führen können und auch hier ist das ein sehr reifer Wein.

Beri diesem Neuenahr 2024 IM KUCKSTEIN Deutzerhof ist es mir dann zu viel mit der flüchtigen Säure, die den Wein zu stark durchdringt. Dabei sind die Anlagen des Weines eigentlich schön. Allerdings finde ich auch hier den Holzeinsatz oder besser, die Toastung nicht stimmig.

Den dritten Stodden finde ich in der Nase zunächst etwas anstrengend. Doch mit Luft öffnet sich der Neuenahr 2024 SONNENBERG Jean Stodden und wirkt sogar etwas kühler und geschliffener mit mehr markantem Tannin als die ersten beiden. Der Wein ist griffig, braucht Zeit, hat aber sehr gute Anlagen.

hier kehren wir zurück zur näkelschen Reduktion. Der Neuenahr 2024 SONNENBERG Meyer-Näkel riecht nach Schießpulver und ist auch am Gaumen noch davon geprägt.

Der Rottewitz 2023 SCHLOSS PROSCHWITZ Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe erinnert uns, also Felix und mich, an Kirschlollis oder Kirscherfrischungsgetränk wo mutmaßlich keine Kirsche drin ist, plus einem Sperrholz als Fassersatz. ich weiß, das ist nicht subtil, aber der Wein ist es auch nicht.

Auch dieser Wein wirkt nicht überzeugend, Der Radebeul 2022 FRIEDSTEIN Martin Schwarz hat wenig Frische zu bieten, die Aromen wirken abgestanden, das Holz nicht eingebunden und zu stark geröstet. Was mag Martin Schwarz persönlich gerne trinken, frage ich mich?

Spätburgunder Flight 3:
Nun geht es nach Franken und eigentlich kann man sich immer darauf freuen. Auftakt mit Klingenberg 2024 SCHLOSSBERG Rudolf Fürst. Wire schön! Irgendwo zwischen Churfranken, Burgund und Beaujolais mit reifen roten Beeren, Moosbeeren, Kirschen. Das riecht fast natural, als wäre das ohne Schwefel gefüllt worden, so offen und sinnlich. Am Gaumen saftig, lebendig, durchaus rund, offen und einladend. Ein Wein, denn man getrost antrinken kann, auch wenn man ihn nicht unterschätzen sollte.

Der Grossheubach 2024 BISCHOFSBERG Staatlicher Hofkeller Würzburg ist fester in der Strktur, zumindest wirkt es so. Etwas mehr Trockenholz, Strünke, aber auch eine schöne Frucht, auch mehr Gerbstoff am Gaumen. Der ist jung, bremst ein bisschen aktuell, sorgt aber für Struktur. Auch gut.

Man könnte die Beschreibung des Schlossberg auch für den Bürgstadt 2024 CENTGRAFENBERG Rudolf Fürst verwenden mit ein bisschen mehr Moosbeere, mehr dunkle Aromen, etwas mehr Erde, Tiefe. Außerdem gibt es hier einen kühlen Zug wie in Seen, wenn man durch eine kalten Strömung schwimmt. Ein faszinierender Wein, offen, sinnlich, komplex mit Struktur und Länge.

Es folgt der Bürgstadt 2024 HUNDSRÜCK Rudolf Fürst. hier ist zu allem anderen auch noch ein wenig Paprika-Tomaten-Essenz und ein wenig Rauch dabei. Sehr balanciert, tief und doch einladend und offen, sinnlich und saftig, pfeffrig und druckvoll mit einem Tiefgang, der sich erst auf den zweiten oder dritten Schluck erschließt. Eine schöne, quasi jetzt schon trinkreife Kollektion. Sicher nicht die stärkste Kollektion der letzten Jahre, aber eine die von Beginn an große Trinkfreude bereitet.

Mehr Reduktion, aber nicht zu viel, bietet der Stetten 2024 STEIN Am Stein – Ludwig Knoll. Auch recht viel Holzwürze, aber auch nicht zu viel. Auch das ist ein schöner Spätburgunder mit Tiefgang, guter Säurestruktur, noch etwas festem Tannin, das eine gute Struktur gibt. Wirkt noch sehr jung und fester als die Fürsts, aber das hat Zukunft.

Spätburgunder Flight 4:
Weiter geht es im Rheingau mit dem Assmannshausen 2024 HÖLLENBERG August Kesseler und es wird wieder wärmer, mit reifer, etwas eingekochter Frucht, feingeschmirgelten Tannin und einer subtilen Säure. Das ist reif, mir persönlich zu reif, hat aber Klasse.

Beim Rüdesheim 2024 BERG SCHLOSSBERG August Kesseler merkt man die Reife auch, aber die Nase ist duftiger und hat ein bisschen rote, geröstete Paprika mit dabei. Am Gaumen zeigt sich diese Note ebenso. Ich finde den Wein klarer, aromatisch interessanter als den Höllenberg, allerdings im Tannin nicht so griffig. Eine Essens aus beiden, weniger schwülstig und etwas trockener wäre schöner gewesen.

Der Hattenheim 2024 HASSEL Kaufmann wirkt auf mich auch reif und mit wenig Grip, obwohl Tannin durchaus vorhanden ist. Etwas laktisch, würde ich sagen, und mit ein bisschen zu viel Reduktion am Gaumen.

Beim Assmannshausen 2023 HÖLLENBERG Krone Assmannshausen wirkt das Tannin bitter und fest, zumal es nichts gibts, was dem Einhalt gebietet und balanciert. Das wirkt uncharmant.

Beim Ingelheim 2024 PARES J. Neus gibt es Blaubeerjoghurt und Cassisbonbon, das greift das Tannin bitter ein und der Wein findet gar nicht seine Mitte.

Der Ingelheim 2024 HORN J. Neus wirkt fast so, als wäre die Frucht vorher kurz gekocht worden, dann gibt es auch hier das Cassisbonbon. Beide Weine wirken ohne inneren Kompass.

Spätburgunder Flight 5:
Von den früher deutlichen Reduktionsnoten ist eine subtile Cassisnote übrig geblieben, zusammen mit Veilchen, Kräutern Gestein und etwas Holz. Der Siefersheim 2024 HEERKRETZ Wagner-Stempel wirkt am Gaumen saftig, balanciert und klar mit einer dezenten Würze und einem fein geschliffenen Tannin. Meiner Ansicht nach der beste Heerkretz bisher.

Beim Oppenheim 2024 KREUZ Kühling-Gillot wird es zunächst etwas dunkler in der Frucht, dann rotbeeriger mit Fülle. Am Gaumen wirkt der Wein saftig, geschliffen und animierend.

Den Westhofen 2024 BRUNNENHÄUSCHEN Gutzler kriege ich aromatisch nicht so ganz übersetzt. Da ist Fruchtsaft drin, aber auch etwas Pappiges, aber nicht negativ. Irgendwie passt das seltsamerweise. Am Gaumen wirkt der Wein lebendig, saftig, und eher fruchtbetont mit einer gelungenen Tanninstruktur. Nicht allzu tief, aber schmackhaft.

Im Duft wirkt der Westhofen 2024 MORSTEIN Gutzler noch fruchtiger, leicht erdbeerig und himbeerig, am Gaumen wiederum saftig mit leichtem Grip, geschliffenem Tannin und passender Säure. Auch hier: gut, schmackhaft und animierend.

Der Gundersheim 2024 HÖLLENBRAND Gutzler ist reduktiver, etwas blaufruchtiger, dazu besitzt der Wein mehr Grip, Festigkeit und Struktur.

Spätburgunder Flight 6:
H.O. hat mit dem Hohen-Sülzen 2024 KIRCHENSTÜCK Battenfeld Spanier wieder einen sinnlichen Spätburgunder geschaffen. Tiefe Frucht, feines Holz, etwas Vanillecreme, feine Gewürze. Im Duft wie am Gaumen sexy mit Balance und Eleganz, gezügelter Fülle und feinem Tannin. Reif, saftig, gefällt.

Dunkel, würzig und auch cremig präsentiert sich der Mölsheim 2024 ZELLERWEG AM SCHWARZEN HERRGOTT Battenfeld Spanier. Ein Wein mit Struktur, Saft, Wärme in der Frucht und einer kühlen Mineralik, geschliffenem Tannin und Substanz und schiebt mit seinem Druck so richtig schön nach vorne. Stark.

Hier, beim Laumersheim 2024 STEINBUCKEL Philipp Kuhn gibt es mehr offensichtliches Holz und die dunklere Röstung, quasi neapolitanisch. Am Gaumen zusätzlich mit dunklem Tabak, saftiger Walderdbeerfrucht, etwas Reduktion und geschliffenem Tannin, aber durchaus auch mit Wärme. gleichzeitig aber wirkt das harmonisch und stimmig.

Der Laumersheim 2024 KIRSCHGARTEN Philipp Kuhn wirkt weniger neapolitanisch, weniger Röstung, mehr Waldbeere, etwas wässriger am Gaumen, die Reduktion wirkt hier stärker. Der Wein hat Schärfe, wirkt pikant und hat Struktur.

Beim Herxheim 2024 HIMMELREICH Odinstal mag ich das Offene, das Einladende. Ein Wein ohne Stoppschild, lebendig, sinnlich und eigenwillig mit ein wenig flüchtiger Säure. Für mich sehr natural französisch, saftig, leicht malzig. Mir fehlt etwas Druck und Kante, aber ansonsten schön.

Spätburgunder Flight 7:
Stoffig, dunkelfarbig, leicht schokoladig und steinig zugleich präsentiert sich Leistadt 2024 FELSENBERG Rings im Duft. Am Gaumen zeigt sich ebenfalls diese Stoffigkeit, ein dunkler Saft, eine feine Würze, ein geschliffenes Tannin und eine runde Säure. Ein Wein mit Volumen und Substanz.

Beim Kallstadt 2024 SAUMAGEN Rings wirkt das alles subtiler, frischer und kühler mit mehr Druck am Gaumen und einer lebendigen Mineralität. Etwas karger, geschliffener, unfertiger aber mit mehr Potenzial.

Den Königsbach 2024 IDIG A. Christmann hätte ich blind ausnahmsweise mal im Burgund verortet. Ein feiner, eleganter und von einer subtilen Säure und geschliffenem Tannin getragener Burgunder. Saftig mit gelungener Balance.

Nicht ganz so fein wie der Idig, aber ebenfalls auf einen sehr guten Niveau bewegt sich der Gimmeldingen 2024 SCHILD A. Christmann. Mehr Würze, etwas dunkler, etwas fruchtiger aber elegant und fein und ebenso schwebend, trotz Erdhaftung.

Beim Neustadt 2024 VOGELSANG A. Christmann kommt noch ein kühlere Anmutung mit hinzu. Trotzdem bleibt der Wein sinnlich und saftig mit geschliffenem Tannin und einer klaren Frucht. Ein starker Auftritt mit diesen drei Weinen!

Weiter im Süden bietet der Siebeldingen 2024 IM SONNENSCHEIN Dr. Wehrheim mehr Frucht, wirkt voller, bietet aber eine angenehme Würze und ein feines Tannin. Auch die Säure passt. Ein saftig sinnliches Gewächs.

Spätburgunder Flight 8:
Ein schöner Einstieg in den Flight. Der Schweigen 2024 SONNENBERG RG Bernhart präsentiert sich saftig, offen und unkompliziert. Nicht tief und komplex aber durchaus lustvoll mit einem Hang zum zweiten Glas.

Beim Schweigen 2024 SONNENBERG KB Jülg fällt die Diskrepanz zwischen der tiefen Farbe und der Frucht auf, die eher am Anfang der Reife stand, zumindest wirkt das so. Kühl vorvergoren, etwas rappig, eher rotfruchtig und dann mit Holz kombiniert wirkt das nicht so richtig harmonisch. Zumindest jetzt nicht.

Etwas tiefer, würziger und komplexer als der Sonnenberg wirkt der Schweigen 2024 SONNENBERG KT Bernhart. Ein Wein mit Balance, Saft, feiner Würze und einer leicht pfeffrigen Aromatik mit Umami, etwas Schärfe und feinem Druck.

Beim Schweigen 2024 SONNENBERG KT Jülg ist es ähnlich wie beim Sonnenberg. Ein wenig Diskrepanz zwischen der Reife der Frucht und der Extraktion. Wie wird sich das entwickeln?

Der Godramstein 2023 MÜNZBERG Münzberg – Gunter Keßler wirkt fest im Extrakt, aber nicht so richtig balanciert. Er stoppt im Trinkfluss.

Der Birkweiler 2023 KASTANIENBUSCH-KÖPPEL Dr. Wehrheim hat ein bisschen was Rustikales in der Anmutung aus der Kombination von reifer, dunkler Frucht und dem eingesetzten Holz. Mir fehlt die innere Mitte, der Wein wirkt aktuell ein bisschen leer am Gaumen.

Spätburgunder Flight 9:
Beim Schweigen 2023 HEYDENREICH Friedrich Becker habe ich zunächst etwas Mehliges in der Nase, dann wird es duftig, die Frucht kommt und auch Unterholz und Gestein. Am Gaumen wirkt der Spätburgunder fest und spröde ohne Frucht mit viel Tannin und wenig Charme. Noch unfertig, verschlossen.

Ähnlich geht es mir beim Schweigen 2023 SANKT PAUL Friedrich Becker. viel sprödes Holz, wenig Spiel, wenig Frucht, kein Charme.

In der Nase finde ich den Schweigen 2023 SONNENBERG KB Friedrich Becker deutlich schöner mit einer reifen Frucht und feinen Schokoladennoten. Am Gaumen verliert sich die Frucht aber weitgehend. Auch dieser Wein besitzt, zumindest aktuell, überhaupt keine charmante Ader und zudem wirkt er aktuell bitter. Bei diesen drei Weinen kann man nur erahnen, wo das hinführen wird, wenn man das nicht weiß. Aus der aktuellen PRäsentation eher nicht.

Auffallend wenig spürbares Holz beim Laumersheim 2022 KIRSCHGARTEN Knipser, dafür ein wenig Gianduja mit dunkler Frucht. Dazu am Gaumen eine feste Struktur, aber mit mehr Schmelz als bei Becker. Aber auch hier eher eine fruchtreduzierter Strukturwein mit Potenzial.

Mehr dunkle Kirsche in der Nase und am Gaumen gibt es ein beim Grosskarlbach 2022 IM GROSSEN GARTEN Knipser. Auch hier deutlich weniger Röstholz, als ich das sonst kenne, dafür aber weiterhin Struktur und Festigkeit am Gaumen ,aber eben auch die reife Kirschfrucht und einen zarten Schmelz.

Zum Schluss steigt für die Pfalz der Siebeldingen 2021 IM SONNENSCHEIN Ökonomierat Rebholz ins Rennen. Der wirkt so ganz anders: Eher furchtbetont mit vor allem roter Frucht, einer runden Säure und einer balsamischen Komponente. Schon gereift, im Vergleich zu früher viel weniger Holz, mehr Frucht.

Weiter geht es an Tag 2.

Spätburgunder Flight 10:
Der zweite Tag beginnt mit dem einzigen Huber-Wein. Das ist der Malterdingen 2024 BIENENBERG Bernhard Huber. Der erste Wein, morgens früh um fünf nach Neun ist immer eine Herausforderung, am der Bienenberg holt mich direkt ab mit einer feinen Kräuterwürze, einer warmen, leicht erdigen Note und einer reifen Schwarzkirschfrucht. Am Gaumen präsentiert sich der Wein fein und präzise, ganz klar in der Frucht und im feingeschmirgelten Tannin. Auch dieser Wein präsentiert sich, wie die meisten 2024er bisher offen und trinkfreudig, trotzdem besitzt er gleichzeitig Tiefe und Substanz und es ist schade, dass wir von diesem Weingut diesmal nicht mehr probieren können.

Dafür gibt es drei Weine von Keller, gestartet wird mit dem Oberbergen 2024 BASSGEIGE STEINRIESE Franz Keller. Zimtkirschen, zermatschte Walderdbeeren, ein Hauch von Nelke steigen duftig aus dem Glas. Am Gaumen präsentiert sich der Spätburgunder lebendig und einladend mit einer sinnlichen Frucht und einem ganz feinen und dennoch markanten Tannin. Die Kombination aus Frucht und Gewürzen macht große Lust, den Wein in großen Schlücken zu trinken, was von dem wiederum feinen Säurezug noch gefördert wird. Sehr schön!

Es folgt der Oberrotweil 2024 EICHBERG Franz Keller. Der präsentiert sich mit einem ähnlichen Holzeinsatz und den passenden Gewürzen, allerdings etwas weniger offen, also dezenter im Duft. Auch am Gaumen wirkt der Wein scheuer, etwas weniger dicht und sinnlich, aber mit guten Anlagen.

Ähnlich geht es mir mit dem Achkarren 2024 SCHLOSSBERG Franz Keller. Noch ganz zurückhaltend, etwas wässriger am Gaumen als die Vorgänger, fließend, hell in der Frucht und doch dunkel und würzig im Untergrund. Ebenfalls ein Wein im Werden und unterm Strich drei sehr schöne Spätburgunder.

Hell und leuchtend präsentiert sich der Achkarren 2024 SCHLOSSBERG Dr. Heger. Wenig Extrakt, aber gar nicht so viel Frucht, eher erdige Noten, Stein, am Gaumen dann ein schöner Schmelz, nicht wirklich tief und dicht, aber das ist gar nicht schlimm. Er wirkt stimmig und macht Lust auf mehr.

Spätburgunder Flight 11:
Alle Hegerschen Weine präsentiert sich gleich im Glas: hell, transparent, fast leuchtend. Der Ihringen 2024 WINKLERBERG WINKLEN Dr. Heger setzt in der Nase ebenfalls nicht auf Frucht, auch wenn es davon natürlich ein bisschen was gibt, ich denke an Moosbeeren und ein paar Knubberkirschen. Vielmehr sind es auch hier erdige und steinige Noten. Der Wein hat irgendwo eine staubige Ecke. Mal sehen, wie das am Gaumen ist. Wie bei Keller ist der zweite Wein verhaltener als der erste, aber keineswegs weniger ansprechend. Etwas scheu, ohne die staubige Ecke, dafür mit pudrigem Tannin, riter, teils eingelegter Frucht, etwas Unterholz und Laub. Auch hier mit Trinkfluss und feiner Säure.

Weiter geht es mit dem Ihringen 2024 WINKLERBERG WANNE Dr. Heger. Da hat man deutlich mehr Frucht in einer Melange mit Gewürzen vom Holz. Etwas Zimt, etwas Kardamom, ein Hauch von Nelke. Am Gaumen frisch, saftig, elegant. Die Gewürze binden sich schön ein, man findet kein Gramm Holz zu viel, die Säure ist saftig, Heger macht großen Spaß,

Zum Schluss dann noch ein Wein mit dezentem Auftakt. Der Ihringen 2024 VORDERER WINKLERBERG Dr. Heger gibt im Duft nicht viel preis. Am Gaumen zeigt sich ein noch festes Tannin, wenig Frucht, eine klare Säure. Liegen lassen.

Der Burkheim 2023 FEUERBERG KESSELBERG Bercher duftet ein wenig nach Campari, zusammen mit Kirschen und Kräutern. Am Gaumen wirkt er noch fest, aber das Tannin gefällt mir. Es macht den Wein ernsthaft und gibt Struktur. Das Tanin wirkt noch ein wenig spröde aber das wird. Ein schöner Feuerberg.

Ähnlich wie die Hegerschen Weine gefallen mit auch die Salweyschen in den letzten Jahren immer besser und besser und das mit (glücklicherweise) deutlich unterschiedlicher Stilistik. Der Oberrotweil 2023 EICHBERG Salwey wirkt schon in der Farbe dichter, voller. Im Duft hat man Schwarzkirschen und ein wenig Waldbeeren, einen süßen Kern, eine auf angenehme Weise leicht rustikale Note von Trockenholz und Laub. Am Gaumen fordert der Wein auf angenehme Weise mit einem markanten Tann in, stellt aber eine saftige Frucht daneben und ein Potourri an Gewürzen. Ein Wein zu kauen.

Der Oberrotweil 2023 KIRCHBERG Salwey geht in die gleiche Richtung, wirkt ingesamt aber heller, fließender. Ich schreibe gerne “wässriger” und meine das positiv. Richtung Finale wird es kerniger, fordernder. Auch hier wenig Frucht aber viel Struktur und Textur.

Spätburgunder Flight 12:
Im Gegensatz zum letztgenannten Salwey zeigt der Schliengen 2023 SONNENSTÜCK Blankenhorn deutlich mehr Frucht in der Nase mit einem kleinen Anteil von gekochten Früchten. Auch am Gaumen spürt man mehr Reife, aber keine Überreife. Dafür aber ein markantes auskleidendes Tannin und eine frische Säure. Ein Wein mit Spannung und guten Druck.

Dezent im Duft, öffnet sich der Odenheim 2022 KÖNIGSBECHER Heitlinger etwas deutlicher. Doch ähnlich wie bei den Weißweinen kann ich auch hier keine Trinkfreude empfinden. Das Tannin wirkt leicht spröde, der Wein nicht wirklich spannungsvoll und einladend.

Der Sulzfeld 2022 LÖCHLE Burg Ravensburg, quasi aus gleichem Hause, gefällt mir besser. In der Nase mit leichter Würze und etwas Trockenholz, entwickelt er am Gaumen einen schönen Zug. die Frucht bleibt eher im Hintergrund, Kräuternoten, Holzwürze und Gestein im Vordergrund. Am Ende wirkt auch dieser Wein noch etwas spröde im Tannin, aber das dürfte sich verflüchtigen.

Für meinen Tischnachbarn ist das, wonach der Mauchen 2022 FRAUENBERG Lämmlin-Schindler riecht, Ziegelstein. Dazu vielleicht ein Hauch flüchtiger Säure und ein wenig Staub. Am Gaumen wirkt der Wein auf mich aromatisch nicht klar und sauber, das Tannin bleibt spröde.

Der Blankenhornsberg 2021 DOKTORGARTEN WINKLEN Staatsweingut Freiburg bietet einen versöhnlichen Abschluss. Ein Wein, der, was die Komplexität angeht, nicht in der vorderen Reihe steht, aber Saft, eine feine rot- und dunkelbeerige Frucht bietet, die sich angenehm mit Würze und Gestein verbindet und bei der die Säure und das Tannin eine gelungene Basis bilden. Ein Wein mit Trinkfluss, der Lust aufs nächste Glas macht. Mit fünf Jahren Ausbau sticht das heraus, aber das hat den Vorteil, dass der Wein jetzt auf den Punkt reif ist zum Trinken.

Spätburgunder Flight 13:
Abschließend geht es nach Württemberg und zum Fellbach 2024 LÄMMLER Rainer Schnaitmann. Ganz klarer Schnaitmann-Stil: offen, einladend, reif, sicher mit ganz wenig Schwefel, leicht Oxidation, eine teils frische, teils mürbe Frucht. Am Gaumen saftig mit schönem Zug, feinem, eher begleitendem Tannin, einer ganz leichten Amaro-Würze und guten Länge.

Beim Fellbach 2024 LÄMMLER KAISER Aldinger sticht aktuell eine leichte Paprika-Note heraus, etwas Pyrazin, etwas Tomatenessenz. Dann Stein, rote Frucht, etwas Unterholz. Am Gaumen druckvoll, steinig, weitgehend fruchtbefreit, aber nicht gänzlich, was gut ist. Weniger charmant als straight und kühl. Das genaue Gegenteil vom Schnaitmann.

Beim Untertürkheim 2024 GIPS MARIENGLAS® Aldinger spürt man noch klar die typische Aldinger-Reduktion. Bisschen Knallplättchen, Cassis … am Gaumen wiederum sehr klar, sehr straight, präzise ohne Schnörkel mit viel Zug und einem Ausdruck von kühlem Gestein.

Deutlich wärmer, dunkelfruchtiger, aber auch noch leicht reduktiv präsentiert sich der Stuttgart 2024 HERZOGENBERG Wöhrwag. Campino-Cassisbonbon von der Reduktion, geschmirgeltes Tannin, leicht sprröde aber mit einer SÄure, die sehr gut integriert ist und zum Trinken animiert.

Der Neipperg 2024 SCHLOSSBERG Graf Neipperg ist gewohnt klassisch mit einer reifen, leicht eingekochten aber auch frischen Frucht, dezenter Holzwürze und Gesteinsmehl. Am Gaumen wirkt das pudrig im Tannin, es gibt eine gelungene Mischung aus Frucht und Kräutern, was mich wieder ein bisschen an eine Camapri-Note erinnert. Balanciert.

Nicht so klar und gelungen präsentiert sich für mich der Gundelsheim 2024 HIMMELREICH Staatsweingut Weinsberg. In der Nase Grafit und feuchte Kellerecke. Am Gaumen besser, aber immer noch viel Bleistift, dazu etwas Paprikaessenz, insgesamt spröde, nicht klar oder strahlend.

Spätburgunder Flight 14:
Den Stetten 2023 MÖNCHBERG ÖDE HALDE Beurer muss man ein bisschen im Glas schwenken, damit die staubig-erdige Ecke in der öden Halde verfliegt. Dann wird die Frucht klarer, bleibt, wird aber nicht strahlend, sondern wirkt eher wie eigemaischt. Doch der Spätburgunder verfügt über ein feines Tannin und Saftigkeit, es gibt Ecken und Kanten, die nicht stören, den Wein aber markant machen. Ein ganz feiner süßer Kern sorgt für Charme. Das ist eigenwillig, aber ich mag das.

Auch hier, beim Oberstenfeld 2023 FORSTBERG Dautel gibt esEcken und Kanten im Tannin, das aber in Verbindung mit mehr Linearität und einer festeren Frucht. Überhaupt ein fester Wein, der aber ebenfalls eine ganz feine reife Süße bietet, die in dem Wein für Genuss sorgt.

Eine dunkle und rote, reife Frucht, Kräuternoten und etwas Holz im Duft. Am Gaumen bietet der Bönnigheim 2023 SCHUPEN Dautel dann Struktur und einer Textur mittlerer Körnung mit einem guten Säuredruck. Das wirkt präzise, stimmig, saftig, trinkfreudig und hat Tiefgang.

Der letzten Spätburgunder des Tages ist der Schwaigern 2023 RUTHE Graf Neipperg. Den empfinde ich etwas spröder als den Schlossberg, aber ich denke, das braucht noch seine Zeit. Insgesamt wirkt der Wein noch deutlich verhalten, hat aber Substanz, eine klare Säurestruktur und Substanz.

Die Zusammenfassung all dessen gibt es dann später im Resümee.

3 Kommentare

  1. Matze (ein Freund)

    Ich glaube, wenn du “wässrig“ schreibst und das positiv meinst, wirst du es jedesmal erklären müssen. Seit Menschen Wasser predigen und Wein trinken, gibt’s da glaube ich gewisse Vorbehalte .

    Danke für deine Wahnsinnsarbeit, ganz großartig!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert