Der Grand Prix der Großen Gewächse 2022 – Teil 2, Grauburgunder und Chardonnay

Weiter geht es im zweiten Teil mit Grauburgunder und Chardonnay aus Baden.

Grauburgunder 
Im letzten Jahr habe ich mal nicht die Grauburgunder ausgelassen und es hat sich gelohnt. Es gab mindestens zwei richtige gute, sogar einen großartigen Wein aus dieser Rebsorte. Es war der Jahrgangsvorgänger des Rainer Schnaitmann 2020 Fellbacher Lämmler. Dieser Jahrgang wirkt aktuell deutlich dezenter und schüchterner als der expressive 2019er, wo man sich vor Aromen kaum retten konnte. 2020 ist leicht würzig, hopfig und zitrisch mit leichtem Ingwer, Kurkuma und Cidre. Am Gaumen ist das ein fester, saftiger und eleganter Wein, unaufgeregt und in sich ruhend mit leichtem Gerbstoff, gutem Säuredruck, Frische und einer leicht tabakigen Note. Auch hier nicht so auffällig und expressiv wie in 2019, aber nachhaltig beeindruckend. Salwey baut die Weine ja noch ein Jahr länger aus als Schnaitmann. So hat man bei dem Salwey Oberrotweiler Eichberg den Jahrgang 2019 im Glas. Man erkennt hier eine klare Linie zu den Vorgängerjahren in der markanten Rauchigkeit und dem Einsatz von Holz, das sehr gekonnt wirkt. Am Gaumen bietet der Wein zwar Fülle, Kraft und ein wenig Exotik, aber hier scheert nichts aus. All ist ineinander verwoben, balanciert und sinnlich mit einem feinen Gripp und viel Festigkeit am Gaumen. Im Finale wird es vielleicht etwas warm, aber das tut der Qualität keinen Abbruch. Der Salwey Oberrotweiler 2019 Henkenberg wirkt dagegen etwas schüchterner in der Frucht aber deutlicher im Holzeinsatz. Der Wein wirkt einerseits buttrig, reif, exotisch, leicht vanillig und rauchig, andererseits aber ebenfalls lebendig und präzise mit feinem Säurenerv, Mineralität und pikanter Würze. Beide Weine sind in sich absolut stimmig, voll und doch präzise, saftig und trotz des Volumens frisch. Das wirkt schon sehr gekonnt. Ich bin ganz glücklich, dass der Bercher 2021 Burkheimer Schlossgarten Villinger nicht wieder die Klebstoff-Aromen von 2020 mit sich bringt. Dafür wirkt der Wein recht belanglos und ähnlich wässrig wie im Vorjahr. Da ist nicht wirklich eine Entwicklung zu sehen. Der Bercher 2021 Burkheimer Feuerberg Haslen scheint hier die eindeutig bessere Lage zu sein, denn der Wein wirkt auch in diesem Jahr deutlich präziser, anspruchsvoller und aussagekräftiger als in der Villinger. Es duftet rauchig mit einer gelungenen Holzauswahl. Das Holz verbindet sich am Gaumen dezent mit nussigen und tabakigen Aromen sowie etwas Apfel, Birne und weißer Melone. Die Säure steht hier etwas daneben, könnte sich aber noch einfügen. Der Michel 2021 Achkarrener Schlossberg gefällt mir viel besser als in 2020. Der Wein ist dezenter, wirkt in positivem Sinne moderner weil heller und klarer mit viel Kernobst. Am Gaumen zeigt sich die Frucht saftig und klar, das Holz ist deutlich in den Hintergrund getreten. Es gibt ein wenig Nussbutter, Tabak und reife Frucht, aber auch eine stringente Säurestruktur. Der Franz Keller 2020 Achkarrener Schlossberg wäre besser vergleichbar, stammte er aus demselben Jahrgang wie der Michel, aber er ist ein Jahr älter. Der Wein wirkt recht hell mit zitrischen Noten und Kernobst, aber auch etwas wässrig und grasig mit einer Säure, die etwas daneben steht. Das finde ich nicht überzeugend. Anders zeigt sich da der Franz Keller 2020 Oberbergener Bassgeige Kähner. Der Grauburgunder zeigt sich fest gewirkt und saftig mit einem gelungenen Holzeinsatz und einer daraus resultierenden leichten Exotik. Die Frucht wirkt ganz anders als beim Schlossberg. Ist sie dort eher hell und fest, wirkt sie hier eher reif und rund. In diesem Jahr ist der Grauburgunder nicht die Stärke des Weinguts. Die Weine wirken zumindest aktuell noch unentschieden.

Chardonnay
Chardonnay von Schlumberger-Bernhart hatte ich bisher noch nicht im Glas. Der Schlumberger-Bernhart 2020 Laufener Weingarten „Wingerte“ ist ein im Duft recht dezenter Wein, der am Gaumen ähnlich dezent verharrt. Er stört nicht, fällt aber auch nicht auf. Eine leichte Exotik und Zitrus trifft auf etwas Holz. Der Wein wirkt angenehm schlank, aber es mangelt ihm gleichzeitig auch an Tiefe. Für ein GG ist das zu wenig. Der Stigler 2020 Ihringen Winklerberg Pagode“ wirkt ähnlich laktisch im Duft wie 2019, dazu gibt es ein wenig Bleistiftabrieb und etwas Butter Frucht von Zitronen und etwas Steinobst. Am Gaumen verbindet sich eine helle, leicht exotische Frucht mit einer lebendigen, druckvollen  Säure. Der Jahrgang wirkt deutlich frischer als der Vorgänger, das Holz besser eingebunden, obwohl es noch ein wenig weniger exotischen Einfluss ausüben könnte, aber das ist ein Schritt nach vorne. Aus demselben Weinberg aber einer anderen Gemarkung stammt der  Dr. Heger 2020 Ihringen Winklerberg Hinter Winklen „Gras im Ofen“. Der Wein gehörte für mich schon im letzten Jahr zu den besten Chardonnay der ja sehr übersichtlichen Auswahl. Und das ist auch mit dem 2020er wieder der Fall. Der Wein bietet Eleganz und Finesse bei gekonnter Holzauswahl. Am Gaumen verbindet sich eine zitrische und nur leicht exotische Frucht mit etwas Pfeffer und Schärfe, einer druckvollen Säure und leicht steinigen Noten. Der Wein lebt von seiner intensiven Mineralität und seiner Balance. Im Finale zeigt sich vielleicht ein wenig Hitze, aber insgesamt ist das sehr stimmig. Der Grauburgunder von Michel hat mir gefallen. Nicht ganz so verhält es sich mit dem Chardonnay. Der Michel 2020 Achkarrener Schlossberg wirkt reif und seidig, recht klassisch und mit deutlichem, aber nicht übermäßigem Holzeinsatz. Im Duft wirkt lediglich eine leichte Petrolnote leicht störend. Am Gaumen empfinde ich zu viel Extraktsüße und reife Frucht, zu wenig Grip und Struktur. Der Franz Keller 2020 Oberrotweiler Kirchberg dagegen zeigt viel deutlicher die Klasse des Weinguts als der Grauburgunder. Er duftet leicht rauchig nach bestem Holz. Die Art der Reduktion ist elegant und wirkt nicht aufgesetzt. Am Gaumen ist das ein ausgewogener Wein, mit einer leicht zitrischen Frische, Saftigkeit und eleganter Frucht. Der Bernhard Huber 2020 Malterdinger Bienenberg wirkt im Duft dagegen eher ungewöhnlich mit Noten von Hafermilch und einer ganz verhaltenen Reduktion. Am Gaumen wird es dann allerdings lebendig, saftig und elegant mit recht großer Tiefe und Länge. Trotzdem überzeugt mich der Jahrgang nicht mit seiner Reife und den leicht süßen Aspekten von Zitronenbonbons. Etwas eleganter und klassischer wirkt die Nase des Bernhard Huber 2020 Hecklinger Schlossberg, auch wenn hier ebenfalls etwas von der Hafernote auftaucht. Am Gaumen wirkt der Wein reduktiver als in der Nase mit einem leichten Geschmack von Schießpulver in der ganz leicht exotischen, deutlicher zitrischen festen Frucht. Aber auch hier muss ich konstatieren, dass 2020 recht unausgewogen wirkt und ein wenig die Spannung fehlt. Das ist in Deutschland sicher nicht der beste Jahrgang für diese Rebsorte.

Top-Empfehlung:
Rainer Schnaitmann 2020 Fellbacher Lämmler
Grauburgunder
Salwey Oberrotweiler 2019 Henkenberg Grauburgunder
Dr. Heger 2020 Ihringen Winklerberg Hinter Winklen „Gras im Ofen“ Chardonnay

Empfehlung:
Salwey Oberrotweiler Eichberg
Grauburgunder
Franz Keller 2020 Oberrotweiler Kirchberg Chardonnay
Bernhard Huber 2020 Malterdinger Bienenberg Chardonnay
Bernhard Huber 2020 Hecklinger Schlossberg Chardonnay

Hier geht es zu Teil 3:

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