Nach drei Tagen intensiven Verkostens von 396 angestellten Großen Gewächsen und dem Live-Ticker, den ich geliefert habe, war es gut, dass ich erst einmal zu Recherchezwecken ins Taubertal gefahren bin und damit auch ein wenig Abstand gewonnen habe. Von den angestellten Weinen habe ich bis auf 13 alle geschafft. Die Kategorie „Lemberger“ ging am Dienstagnachmittag dann einfach nicht mehr. Ich habe es schlichtweg nicht mehr über mich gebracht, nach einem intensiven Riesling-Tag noch drei Rotwein-Flights zu probieren, und ich musste mich noch durch schlechtes Wetter und Staus ins Taubertal kämpfen.
Wie ist denn der Jahrgang 2025 im Resümee und wie haben sich die 2024er Weine gezeigt? Was hat sich verändert bei der Veranstaltung und was sollte ich besonders hervorheben?
Nun, Zunächst einmal fällt auf, dass das Angebot an Weinen, die angestellt waren deutlich niedriger war als in den letzten Jahren. Es waren genau 83 Weine weniger gegenüber 2024. Das lässt durchaus aufhorchen. Noch bemerkenswerter war, dass sich einige Betriebe ganz zurückgezogen haben, wie das Kloster Eberbach, Künstler und Allendorf aus dem Rheingau, Paul Weltner und Schmitt’s Kinder aus Franken oder JJ: Adeneuer, Kreuzberg, Burggarten und Nelles von der Ahr, St. Antony aus Rheinhessen und Schätzel aus Rheinhessen. Die Gründe dafür scheinen vielschichtig zu sein und bei manchen, jenen von der Ahr zum Beispiel oder bei der Tatsache, dass Julian Huber nur einen einzelnen Wein angestellt hat, dürfte es auch daran liegen, dass die Spätfröste im Jahr 2024 und die damit verbundenen Erntemengen teils verheerend waren. Andere dagegen haben 2024er Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und/oder Spätburgunder angestellt und manche davon waren herausragend. Hinzu kamen Rieslinge aus 2024 von Betrieben, die ihre Weine länger reifen lassen. Es scheint allerdings auch so zu sein, dass manche Weine so wenig probiert werden, dass es sich für die Erzeuger einfach nicht lohnt, viel Geld für die Eingabe der Weine zu zahlen.

Ich resümiere nun kurz die einzelnen Kategorien:
Silvaner
Beim Silvaner aus Franken waren nur 14 Weine angestellt und davon stammten nur zehn aus 2025. Das scheint damit zu tun haben, dass es ein Ärgernis darüber gibt, dass man sich beim VDP dafür entschieden hat, dass der Sonntag seit dem letzten Jahr nicht mehr nur für Silvaner und Burgunder offen ist, sondern auch für Riesling und die dann vermeintlich kleinere Sorte bei vielen VerkosterInnen hinten rüber fällt (so wie bei mir diesmal der Lemberger, aber das war so nicht geplant). Außerdem bietet der VDP.Franken nun montags in Würzburg eine eigene Verkostung an – mit allen erzeugten GGs. Nun, denn … Bei den Mays haben sich die Holztöne, die ich vorletztes Jahr kritisch gesehen habe mittlerweile in die Fässer aus 250 Jahre alter Spessarteiche integriert. Das führt dazu, dass mir der Retzstadt 2025 HIMMELSPFAD Rudolf May besonders getaugt hat. Auch der Thüngersheim 2025 ROTHLAUF Rudolf May war wunderschön. Beim Staatlichen Hofkeller kann man die sehr gute Arbeit der letzten Jahre nachvollziehen, Luckert ist Luckert und liefert ab. Besonders gut gefallen hat mir der leise aber eindringliche Escherndorf 2025 AM LUMPEN 1655® Rainer Sauer. Abschließend gab es einen 2021er Castell 2021 SCHLOSSBERG Fürstlich Castell’sche Domäne. In einer solchen Verkostung ein Exot, aber ein sehr guter.
Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay
Mit den weißen Burgundersorten bin ich schnell durch. Weißburgunder und Chardonnay entsprechen meiner Ansicht nach nur selten einem GG-Standard, was auch damit zu tun hatte, das viele sonst gute Weine nicht angestellt waren. Beim Chardonnay muss ich konstatieren, dass die meisten spannenden deutschen Chardonnays nicht vom VDP repräsentiert werden oder die Regionen keinen GG-Status für Chardonay besitzen. Siehe Rheinhessen und Franken … Manche Weißburgunder waren nur ein Schatten ihrer selbst, andere Betriebe haben gute Gewächse erzeugt. Dr. Heger zum Beispiel, die insgesamt über alle Sorten hinweg eine hervorragende Kollektion geliefert haben. Viel besser gefallen haben mit die Grauburgunder: mehr Tiefe und Substanz, mehr Charakter in Weinen wie dem Fellbach 2024 LÄMMLER Rainer Schnaitmann, dem Achkarren 2024 SCHLOSSBERG Franz Keller und dem Ihringen 2024 VORDERER WINKLERBERG Dr. Heger. Beim Chardonnay will ich den Oberrotweil 2024 KIRCHBERG Franz Keller nicht unterschlagen. Generell positiv zu bewerten ist die Arbeit im Weingut Blankenhorn in den letzten Jahren, wo Weine wie der Schliengen 2023 SONNENSTÜCK Blankenhorn das Licht der Welt erblicken.
Spätburgunder
Beim Spätburgunder gab es viel Licht und Schatten. Der Schatten lag für mich vor allem auf der Ahr und die hatten es mit Spätfrösten auch besonders schwer. Dort hat Jean Stodden die beste Kollektion geliefert, der Rest der manchmal recht verwirrenden Qualität ist nachzulesen. Im Rheingau habe ich mit ebenfalls nicht heimisch gefühlt.
Die Weine von Sebastian Fürst im Weingut Rudolf Fürst fand ich fantastisch. Trotz Spätfrösten und weniger Dichte und Substanz als in so manchen Vorgängerjahren hat Sebastian Fürst drei herausragend gute Weine gefüllt, die neben Komplexität vor allem Finesse und Offengeit zeigen. Besonders berührt hat mich der Bürgstadt 2024 CENTGRAFENBERG Rudolf Fürst.
In Rheinhessen wurde es dann deutlich besser. Der Siefersheim 2024 HEERKRETZ Wagner-Stempel ist das bisher beste rote GG des Weinguts und viel balancierter und mit weniger Reduktion als in der Anfangszeit. Gutzler hat durchgängig geliefert. Einen großartigen Einstand hat der Mölsheim 2024 ZELLERWEG AM SCHWARZEN HERRGOTT Battenfeld Spanier gegeben.
Spannend wurde es in der Pfalz, wo ich insgesamt sagen würde, dass es viele gute, manche sehr gute aber wenige herausragende Weine gab. Für mich war das vor allem der Königsbach 2024 IDIG A. Christmann.
Auf hohem bis sehr hohem Niveau hat sich Baden präsentiert. Dem einzelnen, substanziellen, dichten und tiefen Malterdingen 2024 BIENENBERG Bernhard Huber folgten drei ebenfalls sehr gute Weine von Franz Keller, bei dem ich besonders den Oberbergen 2024 BASSGEIGE STEINRIESE Franz Keller hervorheben möchte. Neben diesen eher dunklen Weinen standen eine Reihe vier heller, transparenter Spätburgunder von Dr. Heger, die mir fast durchgängig sehr gut gefallen haben, allem voran der Ihringen 2024 WINKLERBERG WINKLEN Dr. Heger. Auch sehr schön der Oberrotweil 2023 EICHBERG Salwey. Wiederum abgeliefert hat Blankenhorn und man sollte erwähnen, dass dasStaatweingut Freiburg eine insgesamt sehr stimmige Kollektion abgeliefert hat, die sich für mich zwar tendenziell eher auf 1G-Niveau bewegt, was auch preislich zu rechtfertigen wäre, aber schöne Weine geliefert hat.
In Württemberg hat mir zu dem der Fellbach 2024 LÄMMLER Rainer Schnaitmann besonders gut gefallen in seiner Mischung aus Frische und Mürbe mit viel Substanz und Offenheit.

Riesling
Schon im Vorfeld hatte ich die Chance, diverse 2025er GGs zu probieren und ich war immer wieder begeistert ob des Charmes oder Offenheit, die viele Weine jetzt schon zeigen. Obwohl sehr zugänglich, sind sie weit entfernt davon, banal zu sein. Das könnte Weinfreunde, die in den letzten Jahren von den GGs abgerückt sind, weil sie ihnen oftmals zu karg oder gar skelettiert erschienen, zurück gewinnen. Es würde mich freuen. Das Problem bei der vollen Charmeoffensive äußerst sich dann irgendwann in der Masse der Weine, die zu verkosten waren. Mein Kollege und Tischnachbar Felix Bodmann hat sich in seinem Fazit so geäußert: „Ich habe am Montag rund 200 Weine an einem Tag verkostet und es lag nicht daran, dass die Weine alle offen wie ein Buch vor mir gelegen hätten. Stattdessen haben sich die Rieslinge – und ich habe Montag ausschließlich Riesling verkostet – überwiegend so ähnlich präsentiert, dass mir nicht viel zu ihnen einfiel“, und ich kann das durchaus nachvollziehen. Ich habe trotzdem versucht, die Weine Stück für Stück zu differenzieren und es sind eine Menge dabei, die herausstechen.
Riesling Mosel, Saar, Ruwer
An der Saar hat Van Volxem eine sehr gute Leistung über die gesamten Lagen hinweg abgeliefert. Auch die Weine vonPeter Lauer haben mir gut gefallen, zudem der Maximin Grünhaus 2025 HERRENBERG Maximin Grünhaus. An der Mittelmosel stachen bei mir Lieser 2025 NIEDERBERG HELDEN Schloss Lieser – Thomas Haag, Brauneberg 2025 JUFFER Fritz Haag und Erden 2025 TREPPCHEN Dr. Hermannhervor. Richtung Terrassenmosel hat Clemens Busch geliefert, nicht zuletzt mit einem exzellenten Pünderich 2025 MARIENBURG ROTHENPFAD Clemens Busch. Auch Winningen 2025 RÖTTGEN Knebel hat mir sehr gut gefallen. Aus dem Jahr 2024 stammen die Weine von Geheimrat J. Wegeler, die für sich in einer durchaus bemerkenswerten eigenen Stilistik arbeiten. Old-School im besten Sinne, hier wie im Rheingau. Hervorheben möchte ich Wehlen 2024 SONNENUHR Geheimrat J.Wegeler.
Riesling Nahe und Reinhessen
Bei den Rieslingen Rheinhessen war ich zigfach begeistert, bei denen von der Nahe war ich verhaltener. Es gibt an der Nahe diese Jahrgänge, bei denen Aromatik und Säure im Zusammenspiel mit Extraktsüße manchmal wie Bitter Lemon wirken, über viele Weine hinweg. Es ist mir diesmal wieder so ergangen, bei so einigen Weinen. Trotzdem gab es natürlich einige sehr gute Weine. Dönnhoff bleibt sich treu, ebenso Emrich-Schönleber. Besonders gelungen empfand ich die 2024er Kollektion vom Schlossgut Diel, drei exzellente GGs mit dem Dorsheim 2024 GOLDLOCH Schlossgut Diel für mich an der Spitze.
Rheinhessen ging los mit einem exzellenten Brett aus dem Wagner-Stempel-Keller. Der Bingen 2025 SCHARLACHBERG Wagner-Stempel ist absolut zwingend und zeit die erste Größe. Es folgen ein hervorragender Appenheim 2025 HUNDERTGULDEN Bischel und Nieder-Hilbersheim 2025 HONIGBERG Knewitz. Am Roten Hang sind Gunderloch und Kühling-Gillot eigentlich gleich auf. Hier haben mit der Nierstein 2025 HIPPING Gunderloch, der Nierstein 2025 PETTENTHAL Kühling-Gillot und der Nackenheim 2025 ROTHENBERG Kühling-Gillot besonders gut gefallen, ebenso der Nierstein 2025 ÖLBERG Kühling-Gillot. Die Weine des Rappenhofs werden derweil immer besser.
Die Weine von Philipp Wittmann gehören durch die Bank zum Besten, was Wiesbaden in diesem Jahr zu bieten hatte und wenn man Kühling-Gillot und Battenfeld-Spanier zusammen nimmt über drei Gebiete und zwei Rebsorten hinweg ist die Leistung von H.O. Spanier auch so beeindruckend, dass man nur den Hut ziehen kann. Westhofen 2025 BRUNNENHÄUSCHEN Wittmann und Westhofen 2025 MORSTEIN Wittmann sind ebenso Weltklasse wie Nieder-Flörsheim 2025 FRAUENBERG Battenfeld Spanier und Mölsheim 2025 ZELLERWEG AM SCHWARZEN HERRGOTT Battenfeld Spanier und bei ihm geht es dann in der Pfalz gleich weiter.
Pfalz
Tatsächlich bot sich hier für mich ein deutlich gemischteres Bild. Nicht aber zum Auftakt. Das brilliert der Zellertal 2025 KREUZBERG Battenfeld Spanier als einer der besten Weine im Feld. Auch Kallstadt 2025 SAUMAGEN Rings ist sehr gut, ebenso Kallstadt 2025 SAUMAGEN Philipp Kuhn. Hervorzuheben ist die durchgängig sehr gute Kollektion von Acham-Magin mit einem exzellenten Forst 2025 UNGEHEUER Acham-Magin und Forst 2025 KIRCHENSTÜCK Acham-Magin. Dr. Bürklin-Wolf ist fast durchgängig herausragend, nicht nur in der Stilistik, sondern auch in der Finesse. Da haben mir der Deidesheim 2025 LANGENMORGEN Dr. Bürklin-Wolf und der Deidesheim 2025 HOHENMORGEN Dr. Bürklin-Wolf am besten gefallen. Beim von Winning verstehe ich die Konsequenz, mit der Neuholz eingesetzt wird, nicht aber, dass diese Weine als Fassprobe eingesandt werden und nur nach Schnittholz schmecken. Die Kollektion von Reichsrat von Buhl habe ich nicht verstanden, die Weine haben überhaupt keine Linie. Dr. von Bassermann-Jordan war mir etwas zu inkonsistent, Georg Mosbacher in gewohnter Stilistik. Eine wirklich schöne, weil offen und einladende Kollektion hat A. Christmann geliefert mit einer Gimmeldingen 2025 MEERSPINNE A. Christmann und Königsbach 2025 IDIG A. Christmann in der aktuellen Spitze. Beim Oekonommierat Rebholz stach für mich der Burrweiler 2025 SCHÄWER Ökonomierat Rebholz in diesem Jahr in besonderer Weise heraus.
Rheingau
Insgesamt 16 2025er und 18 2024er Rieslinge gab es im Rheingau. Unter dem 2025ern haben mir besonders gefallen der Hallgarten 2025 SCHÖNHELL Barth, der Hattenheim 2025 NUSSBRUNNEN Prinz und der exzellente Kiedrich 2025 GRÄFENBERG Robert Weil. Als Kollektion absolut herausragend war Peter-Jakob Kühn, einer wie der andere der vier GGs zum Niederknien, aber auch die Weine des Geheimrats, respektive der Oestrich 2024 DOOSBERG Geheimrat J.Wegeler haben mir auch hier sehr gut gefallen.
Riesling Mittelrhein, Franken, Württemberg & Baden
In Franken fand ich den Sulzfeld 2025 MAUSTAL Zehnthof Theo Luckert sehr stark, ebenso den Escherndorf 2025 AM LUMPEN 1655® Rainer Sauer und schließlich den Escherndorf 2025 AM LUMPEN 1655® Max Müller I.
In Württemberg war es aus 2025 vor allem der Untertürkheim 2025 GIPS MARIENGLAS® Aldinger. Hier lag der Fokus aber vor allem auf dem 2024er Jahrgang und der war hervorragend, vor allem mit dem Stetten 2024 PULVERMÄCHER Aldinger, Stetten 2024 PULVERMÄCHER Beurer und Fellbach 2024 LÄMMLER Rainer Schnaitmann, vor allem der mit dem Uhlbach 2024 GÖTZENBERG Rainer Schnaitmann, der für mich einer der schönsten, vor allem aber berührendsten Rieslinge war, die ich in den ganzen Tagen verkostet habe!

Zum Schluss …
Es gab viel Gutes und einiges Herausragendes, aber in manchen Regionen oder bei manchen Rebsorten einen deutlichen Druckabfall. Insgesamt habe ich es sehr begrüßt, dass es knapp 100 Weine weniger waren, die ich zu verkosten hatte, allerdings war ich nicht wirklich glücklich mit einigen der Fehlenden. So hätte ich Von Othegraven auch sehr gerne probiert. Der VDP wird mit den Mindereinnahmen bei dem ganzen Aufwand, den er betreibt, sicher auch nicht glücklich sein.
Die besten Kollektionen für mich waren:
– Rudolf Fürst
– Philipp Wittmann
– Kühling-Gillot und Battenfeld-Spanier
– Dr. Heger
– Schlossgut Diel
– Peter-Jakob Kühn
– Rainer Schnaitmann
Die besten oder schönsten und ansprechendsten Weine
Riesling
– 2024er Götzenberg, Rainer Schnaitmann
– 2025er Schäwer, Ökonomierrat Rebholz
– 2025er Kreuzberg Battenfeld-Spanier
– 2025er Scharlachberg, Wagner-Stempel
– 2024er Goldloch, Schlossgut Diel
Spätburgunder
– 2024er Winklerberg Winklen, Dr. Heger
– 2024er Zellerweg am Schwarzen Herrgott, Battenfeld-Spanier
– 2024er Centgrafenberg, Rudolf Fürst
Silvaner
– 2025 Himmelspfad Rudolf May
– 2025 Am Lumpen 1655® Rainer Sauer
Das war es wieder für dieses Jahr. Ich habe drei Tage für mich und für Euch verkostet und ich würde mich freuen, wenn Ihr die Arbeit goutiert und mir auf einem der unterschiedlichen Wege etwas in den Hut schmeißen würdet.
Hier noch mal die Links zu allen Notizen:
